FilmWelt: Sputnik – Es wächst in dir

Abseits des Hollywood-Mainstreams gibt es immer wieder gute und frische Ideen zu entdecken. „Sputnik – Es wächst in dir“ (2020) ist einer dieser Filme, die es schaffen, dem alt-ehrwürdigen Thema der Frage nach außerirdischem Leben neue Impulse zu versetzen. Leider geht der russischen Produktion unterwegs ein wenig die Puste aus, was letzten Endes deutlich auf die Gesamtwertung durchschlägt.

Gesamteindruck: 3/7


Der Feind im eigenen Körper.

Es ist wieder passiert: Ich habe mir mit „Sputnik – Es wächst in dir“ einen Film angesehen, der weitgehend positive, zum Teil sogar enthusiastische Kritiken erhalten hat – nur, um festzustellen, dass ich die Begeisterung nicht so richtig zu teilen vermag. Dabei basiert das Werk auf einer zwar alten Idee, setzt diese aber durchaus spannend um, ist gut gespielt und ausgestattet sowie vor allem technisch stark gemacht. Doch was nützen die besten Ansätze, wenn das Drehbuch es nicht schafft, sie zu einem überzeugenden Gesamtbild zu vereinigen?

Worum geht’s?
Anfang der 1980er stürzt eine sowjetische Raumkapsel in Kasachstan ab. Die Retter sind schnell zur Stelle und finden einen Überlebenden vor. Als sich herausstellt, dass mit dem Kosmonauten etwas nicht stimmt, wird er in eine Forschungseinrichtung gebracht. Dort soll eine Psychologin, die mit umstrittenen Mitteln arbeitet, versuchen, zum Patienten durchzudringen. Bald merkt sie, dass ihr Schützling etwas aus dem Weltall mitgebracht hat…

Nein, neu ist der Grundgedanke von „Sputnik“ wahrlich nicht: Regisseur Jegor Abramenko hat Versatzstücke, die man aus anderen, teils überaus erfolgreichen Science Fiction-/Horror-Werken kennt, genommen und versucht, daraus etwas Eigenständiges zu kreieren. Das ist natürlich legitim – und in vorliegendem Fall durchaus gelungen: Die Mär vom Weltraumfahrer, der nach einer Begegnung der 3. Art eine gefährliche, außerirdische Lebensform in sich trägt, ist zwar 1:1 aus „Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt“ (1979) übernommen. Allerdings geht „Sputnik“ einen Schritt weiter: Was, wenn die Kreatur den Wirt verlässt, dieser den Vorgang überlebt – und die beiden eine symbiotische Beziehung haben, d. h. weder keiner von beiden ohne den anderen überleben kann?

Ein überaus spannender Ansatz, der auch den an sich wenig überraschenden Versuch der Militärs, den fremden Organismus für sich nutzbar zu machen, eine neue Dimension hinzufügt: Wie mit dem Kosmonauten umgehen, wie mit der gefährlichen Kreatur, wenn man weder den einen noch den anderen verletzen darf? Diese Frage ist auch durch den Ort des Geschehens interessant: In einer Forschungseinrichtung der Sowjetunion, mitten im Kalten Krieg, scheint tatsächlich alles möglich zu sein.

An dieser Stelle sei auch die nüchterne und düstere Ausstattung, die sich doch recht stark von der klassischen Hollywood-Optik unterscheidet, lobend erwähnt. Und weil auch die russischen Schauspieler ihre Sache großteils sehr ordentlich machen, stellt sich spätestens jetzt die Frage, wieso „Sputnik“ bei mir nicht ganz so toll abschneidet wie bei der professionellen Kritik.

Gut 30 Minuten zu lang.

Meiner Ansicht nach liegen die Schwächen ganz klar im Drehbuch. Dabei geht „Sputnik“ sehr gut los und schafft schnell eine düstere und bedrückende Atmosphäre. Die Spannung ist hoch und der Film schafft es sehr gut, das Geheimnis, das die außerirdische Kreatur und ihren Wirt umgibt, zu verschleiern. Sobald aber rund um die Halbzeit klar ist, worum es eigentlich geht – und sich überflüssigerweise auch noch die bereits vorher erwartbaren, zärtlichen Gefühle zwischen den Hauptdarstellern verdichten – geht „Sputnik“ die Puste aus.

Ungefähr zu diesem Zeitpunkt beginnt der Film, sich zu ziehen – am Ende ist er meines Erachtens gut 30 Minuten zu lang. Immer wieder machen sich Passagen bemerkbar, die wesentlich schneller hätten abgehandelt werden, so aber die anfangs so gut aufgebaute Atmosphäre empfindlich stören. Man muss im Endeffekt auch konstatieren, dass die Handlung relativ vorhersehbar ist, speziell in der zweiten Hälfte des Films. All das ist schade, weil es „Sputnik“ für mich zu einem Werk macht, das ich mir wohl kaum ein zweites Mal – geschweige denn noch öfter – ansehen werde.

Fazit: Von der andernorts gelobten Vielschichtigkeit ist bei mir nicht viel hängen geblieben. Im Gegenteil, ich fand den Film zum Ende hin immer geradliniger und, so ehrlich muss man sein, auch langweiliger. Von mir kann es daher nur eine mittelmäßige Wertung geben – ich hätte mir schlicht und einfach mehr erwartet und erhofft.

PS: Ich glaube, „Sputnik“ hätte ein herausragender Kurzfilm sein können. Oder eine starke Folge von „Akte X – Die unheimlichen Fälle des FBI“. Wobei, wenn ich so drüber nachdenke: Gab es da nicht mindestens eine Folge mit sehr ähnlichem Inhalt? Sicher bin ich mir nicht, aber es könnte gut sein…

Gesamteindruck: 3/7


Originaltitel: Спутник.
Regie:
Jegor Abramenko
Drehbuch: Oleg Malowitschko, Andrei Solotarew
Jahr: 2020
Land: Russland
Laufzeit: ca. 115 Minuten
Besetzung (Auswahl): Oxana Akinschina, Pjotr Fjodorow, Fjodor Bondartschuk, Anton Wassiljew



FilmWelt: Sie leben

„Sie leben“ aus dem Jahr 1988 gilt als Kultfilm – zumindest aus heutiger Sicht, das zeitgenössische Publikum war wesentlich kritischer und sorgte im kommerziellen Sinne für einen bestenfalls mittelprächtigen Erfolg. Ich selbst muss gestehen, dass ich den Streifen mit Wrestling-Legende „Rowdy“ Roddy Piper († 2015) nie gesehen habe. Höchste Zeit also, diese Lücke endlich zu schließen.

Gesamteindruck: 5/7


Der Rowdy und die Aliens.

Was einen Kultfilm ausmacht bzw. wie man überhaupt definieren kann, was es braucht, um Kultstatus zu erreichen, ist ein Problem, das wohl nie gelöst werden wird. Rein subjektiv betrachtet kann „Sie leben“ für mich kein Kult sein, weil ich den Film weder in seinem Erscheinungsjahr noch in den Jahren danach gesehen habe. Das unterscheidet ihn beispielsweise von „Conan der Barbar“, für den ich in seinem Erscheinungsjahr zu jung war, den ich später aber unzählige Male gesehen habe und den ich auch heute noch trotz all seiner Mängel für typischen Kultfilm halte. „Sie leben“ kann ich hingegen nur mit den Augen von 2021, also völlig ohne emotionalen Bezug, beurteilen. Unter diesem Gesichtspunkt ist folgender Beitrag zu verstehen.

Worum geht’s?
In den heruntergekommen Außenbezirken von Los Angeles kommt ein Gelegenheitsarbeiter einer gigantischen Verschwörung auf die Schliche: Die Erde ist – offenbar schon seit geraumer Zeit – von Außerirdischen besetzt. Mit unterschwelligen Botschaften, versteckt in der allgegenwärtigen Werbung, kontrollieren die Fremden die ahnungslose Menschheit. Doch es gibt Widerstand: Eine spezielle Sonnenbrille ermöglicht es, das wahre Gesicht der Außerirdischen, die im täglichen Leben wie Menschen aussehen, zu erkennen. Als der namenlose Held eher zufällig über eine solche Brille stolpert, sieht er es nach einem Moment der schockierten Verzweiflung, als seine Mission an, die Menschheit vom Joch der Fremden zu befreien…

Ein Blick auf die Filmografie von Multitalent John Carpenter (er ist einer der wenigen Regisseure, die auch als Komponisten für Filmmusik erfolgreich waren/sind) zeigt: Im Erscheinungsjahr von „Sie leben“ hatte seine Karriere ihren Zenit bereits überschritten. Die Erinnerung an Carpenters teils revolutionäre Filme war damals aber noch so frisch, dass es verlockend gewesen sein dürfte, dem Originaltitel vorliegenden Streifens ein „John Carpenter’s…“ voranzustellen. Erinnert mich persönlich ein wenig an das, was man rund 15 Jahre später mit dem Namen von Quentin Tarantino gemacht hat. Heißt all das nun aber, dass „Sie leben“ ein schlechter Film ist? Heißt es, dass das Prädikat „Kult“ zu leichtfertig vergeben wird? Oder dass der US-Regisseur hier gar ein Werk vorgelegt hat, dass so schlecht ist, dass man es schon wieder unterhaltsam findet?

Ein Wrestler in der Hauptrolle.

Zunächst zu den Formalitäten: „Sie leben“ ist eine Mischung aus Science Fiction, Horror und Action. Wieso der Film auch heute noch den „FSK 18“-Sticker (bzw. sein digitales Pendant dazu) trägt, ist mir allerdings nicht klar. Der Held ballert zwar immer mal wieder wild um sich, was auch ordentlich Blut spritzen lässt, allzu brutale Details spart Carpenter jedoch weitgehend aus. Oder sind wir heute einfach schon zu abgestumpft? Hat vielleicht die eine Nacktszene am Ende gereicht? Ich weiß es nicht – wer jedenfalls auf einen ultra-brutalen Slasher hofft, wird mit Sicherheit eine Enttäuschung erleben. Das gilt übrigens auch für die „Außerirdischen“, deren Masken auch 1988 nicht mehr so richtig State of the Art gewesen sein mögen und heute niemanden mehr erschrecken dürften.

Die Hauptrolle spielt mit dem 2015 verstorbenen „Rowdy“ Roddy Piper ein zu jener Zeit sehr bekannter und beliebter Wrestler. Wer jedoch denkt, dass allein das gegen die Qualität von „Sie leben“ sprechen muss, sei beruhigt: Piper macht seine Sache mehr als ordentlich, deutlich besser sogar, als viele Wrestler, die sich vor und nach ihm als Schauspieler versucht haben. Freilich ist das vor allem dem Regisseur zu verdanken, der seinem Star gerade so viel Persönlichkeit verpasst, dass eine Identifikation möglich ist, statt ihn voll und ganz auf seine Muskeln zu reduzieren. Piper selbst spielt den einfachen Mann von der Straße, einen hart arbeitenden, aber glücklosen Tagelöhner, der nicht einmal einen Namen hat (in den Credits wird er „Nada“, also „Nichts“, genannt). Und das macht der Profi-Catcher durchaus gefällig; viel zu sagen hat er ohnehin nicht, was er aber sagt passt bestens zu seiner Rolle.

Ihm zur Seite stellt Carpenter den körperlich ähnlich beeindruckenden Schauspieler Keith David. Dessen Rolle mag im ersten Moment wie der typische schwarze Sidekick wirken, ist letzten Endes aber doch eine Spur besser als dieses Klischee. Irgendwann liefern sich die beiden einen Faustkampf, der – so ist hier und da zu lesen – als einer der ikonischsten der Filmgeschichte gilt. Sechs Minuten gehen für diese Szene drauf – ob das nun zu viel, zu wenig oder genau richtig ist, mag jeder für sich entscheiden. Mir persönlich hat der Fight ganz gut gefallen, obwohl ich normalerweise kein Fan so lang ausgewalzter Kämpfe bin.

Noch ein Wort zu den Nebenrollen: Die Darsteller sind allesamt gut gewählt und machen ihre Sache ordentlich. Viel mehr gibt es dazu nicht zu sagen; hervorzuheben ist eventuell Meg Foster, eine der wenigen Frauen, die in „Sie leben“ etwas mehr Screentime hat. Sie spielt die unnahbare und kühle Schönheit, was irgendwie auch ein Klischee ist – wenn man sich allerdings zum Zeitpunkt, wenn sie ins Bild kommt, bereits mit der speziellen Machart dieses Films engagiert hat, findet man eigentlich nichts mehr dabei.

Eine Botschaft für die heutige Zeit.

Inhaltlich ist „Sie leben“ ein sehr interessantes Werk. Einerseits wirkt praktisch alles an diesem Film ein wenig aus der Zeit gefallen – er sieht aus, hört und fühlt sich wie ein Werk an, das gut und gerne 10, vielleicht sogar 30 Jahre früher erscheinen können. Und auch die Story ist für sich genommen ein schlechter Witz. Bei genauerer Betrachtung sieht die Sache freilich anders aus: Die Botschaft, die John Carpenter in „Sie leben“ vermittelt, passt hervorragend in die 1980er, noch besser aber in die folgenden Jahrzehnte – und wirkt heute noch aktueller als je zuvor. Es geht um nicht weniger als die vollständige und allumfassende Kommerzialisierung der Gesellschaft durch große Unternehmen. Die mag in den USA der 1980er begonnen haben, dass sie sich aber so rasant entwickeln und in Rekordzeit die gesamte westliche Welt erfassen würde, hat sich Carpenter wohl auch in seinen wildesten Träumen nicht vorstellen können. Heute sind wir tatsächlich in eine Art von Abhängigkeit geraten, die der, die in „Sie leben“ beschrieben wird, nicht unähnlich ist. Von diesem Standpunkt aus betrachtet hat John Carpenter mit diesem Werk ein sehr eindeutiges, linkes Statement wider den Kapitalismus abgeliefert.

Eines ist aber auch klar: Vorliegender Film ist trotz dieses prophetischen und ernsten Hintergrunds kein philosophisches Meisterwerk. Ja, der Unterton dieser diffusen Bedrohung ist ein treibendes Motiv – das bedeutet aber nicht, dass „Sie leben“ ein todernster Streifen ist. Im Gegenteil: Gerade weil John Carpenter darauf verzichtet, zu predigen, weil er seine Figuren nicht von einer besseren Welt schwadronieren lässt, ist „Sie leben“ eher lockere Unterhaltung, von der man sich nicht allzu viel erwarten darf. Anspruchsvoll ist der Film so gut wie nie, allein, die …äh… Rowdy-hafte Art, wie der namenlose Held sich mit der automatischen Waffe seiner Feinde entledigt, hat mehr vom seichten Action-Reißer als von durchdachter Science Fiction. Und auch auf die Logik pfeift der Regisseur: Wie die Widerstandsbewegung beispielsweise zu ihren Wunder-Sonderbrillen kommt und wieso dieser zusammengewürfelte Haufen bisher immun gegen die subliminale Beeinflussung war, bleibt ein Rätsel.

Sei es, wie es ist: „Sie leben“ ist ein Film, der auch heute noch zu unterhalten weiß. Ein bisschen muss man sich aber schon darauf einlassen – nicht nur wegen der abstrusen Story, sondern auch, weil es sich dabei um ein, ich nenne es in Ermangelung eines besseren Begriffs mal so, eher trockenes Werk handelt. Wer das kann und ein Freund der gepflegten Satire ist (denn dieses Genre passt wohl am besten), kann und wird auch 2021 seine Freude an der Kollaboration von Kult-Regisseur und Kult-Wrestler haben.

Gesamteindruck: 5/7


Originaltitel: John Carpenter’s They Live.
Regie:
John Carpenter
Drehbuch: John Carpenter
Jahr: 1988
Land: USA
Laufzeit: ca. 95 Minuten
Besetzung (Auswahl): Roddy Piper, Keith David, Meg Foster, George Flower, Peter Jason, Raymond St. Jacques



FilmWelt: The Arrival – Die Ankunft

1996 war ein schwieriges Jahr für die Menschheit, musste sich unser geliebter Heimatplanet doch gleich mehrerer Invasionen aus dem All erwehren: „Mars Attacks!“, „Star Trek: Der erste Kontakt“ und „Independence Day“ (übrigens der kommerziell erfolgreichste Film des Jahres) ließen Außerirdische landen, die nicht viel Federlesens mit unserer Spezies machten. Mit einem ähnlichen Thema, allerdings deutlich weniger beachtet, kam im gleichen Jahr auch „The Arrival – Die Ankunft“ mit Charlie Sheen in die Kinos. Finanziell war der Film im Vergleich zu den genannten Blockbustern ein Flop – zu Recht? Oder haben wir es hier mit einem verkannten Geniestreich zu tun?

Gesamteindruck: 3/7


Aliens in Mexiko.

Zunächst ein Wort zum Regisseur: David Twohy hatte bis „The Arrival – Die Ankunft“ 1996 in die US-Kinos kam, einen ganzen („Auf der Flucht“, 1993) und einen halben („Warlock – Satans Sohn“, 1989) Hit – die aber als Drehbuchschreiber. Gleichzeitig listet einer der legendärsten Flops der Filmgeschichte, „Waterworld“ (1995), Twohy als Autor in den Credits. An bekanntem Drehbuchmaterial folgten später „Die Akte Jane“ (1997), „A Perfect Getaway“ (2009) sowie die „Riddick“-Reihe mit Vin Diesel. Auf dem Regiestuhl nahm Twohy für „The Arrival“ hingegen erst zum zweiten Mal überhaupt Platz; sein Debüt „Timescape“, 1992, ist mir bis dato nicht bekannt. Die Karriere des US-Amerikaners ist alles in allem eher unspektakulär – 1996 dürfte er nach dem „Waterworld“-Desaster jedoch dringend einen Erfolg gebraucht haben. Ein Wunsch, der sich mit „The Arrival“ weder kommerziell noch inhaltlich erfüllt hat, so viel sei vorweggenommen.

Worum geht’s?
Im Rahmen des SETI-Programms sucht Radioastronom Zane Zaminsky nach Signalen außerirdischer Zivilisationen. Als er eines Nachts tatsächlich fündig wird, meldet er das pflichtbewusst seinen Vorgesetzten – nur um kurz darauf gefeuert zu werden. Doch das ist nicht das einzige Ungemach, schon bald sieht sich der paranoide Astronom von dunklen Mächten verfolgt. Für ihn ist klar: Etwas ganz Großes soll hier vertuscht werden…

Inhaltlich hat „The Arrival“ gegenüber den eingangs erwähnten SicFi-Hits des Jahres 1996 ein Alleinstellungsmerkmal: Statt möglichst spektakulär die katastrophalen Auswirkungen eines außerirdischen Angriffs zu zeigen, stehen hier Geheimhaltung, Verschwörung und Vertuschung im Mittelpunkt. Freilich gibt es auch dafür ein Vorbild, das Mitte der 1990er sensationelle und bis heute nachhallende Erfolge feierte: „Akte X – Die unheimlichen Fälle des FBI“ geht in in Sachen Vertuschung von Alien-Kontakten in eine ähnliche Richtung (Anmerkung am Rande: Die Staffeln 3 und 4 der Serie um die Agenten Fox Mulder und Dana Scully fallen ungefähr in den Zeitraum, in dem auch „The Arrival“ veröffentlicht wurde).

Die Ausgangsposition vorliegenden Werks entspricht also durchaus dem Zeitgeist der 1990er und setzt gleichzeitig einen klaren Kontrapunkt zu den Zerstörungsorgien anderer Kinofilme. Und doch gibt es ein gewaltiges Problem: „The Arrival“ verfügt über eine Handlung, die man so oder so ähnlich in einer Folge „Akte X“ hätte unterbringen können. Die besten Episoden jener Serie sind – im Gegensatz zu „The Arrival“ – durchgehend spannend, die Charaktere etabliert und die Erklärungen innerhalb ihrer Prämisse logisch und verständlich. Hier haben wir hingegen einiges an Leerlauf, keine starken Figuren und immer wieder hanebüchene Szenen. Erwähnt sei an dieser Stelle außerdem, dass „Akte X“ die deutlich besseren, weil realistischeren Special Effects für sich verbuchen kann (die oben genannten Filme sowieso).

Durchschnittliche Kost.

Die Geschichte um verdeckte Alien-Operationen auf der Erde wäre eigentlich interessant – allerdings ist das Drehbuch kaum geeignet, die Hochspannung, unter der vor allem der Held wider Willen ständig steht, zu transportieren. Alles an „The Arrival“ wirkt schwerfällig und kaum zu Ende gedacht. Schade, denn eigentlich ist der Einstieg sehr gut gelungen – aber irgendwann, vielleicht nach einem Drittel der Laufzeit, hat man das Gefühl, dass David Towhy nicht mehr wusste, wie er weitermachen soll. Das Ergebnis sind teils haarsträubende Prämissen – allein wie es die Hauptfigur schafft, eine geheime Basis in Mexiko zu betreten, ist dermaßen unglaubwürdig, dass es fast schon schmerzt. Aber auch wenn man es schafft, über solche Mängel hinwegzusehen, ist und bleibt „The Arrival“ in Hinblick auf Storytelling, Effekte, Action und Spannung unterdurchschnittlich. Klar, es gibt schlechteres zu sehen – aber dermaßen unspektakulär hätte ich mir den Film eigentlich nicht vorgestellt.

In Hinblick auf die Charaktere kann ich mich zum Abschluss kurz fassen: Die Guten sind wenig sympathisch, den Bösen fehlt es an Charisma. Mehr will mir dazu partout nicht einfallen, keine einzige Rolle in „The Arrival“ ist ansatzweise memorabel, sieht man vom aus heutiger Sicht höchst merkwürdigen Aussehen von Charlie Sheen ab. Dass in einer solchen Misere auch die Schauspieler nicht gerade glänzen, ist logisch und soll hier nur am Rande erwähnt werden.

Ich habe irgendwo gelesen, dass „The Arrival“ von Genre-Fans durchaus goutiert wird. Ich selbst halte mich eigentlich auch für einen solchen – mit diesem Film konnte ich aber sehr wenig anfangen. Das hat nichts mit seiner Prämisse zu tun, wohl aber mit der Qualität der Umsetzung. Und die ist beim besten Willen nicht mehr als 3 von 7 Punkten wert. Das ist eigentlich schon sehr großzügig, noch einmal würde ich mir den Film definitiv nicht ansehen.

Gesamteindruck: 3/7


Originaltitel: The Arrival.
Regie:
David Twohy
Drehbuch: David Twohy
Jahr: 1996
Land: USA, Mexiko
Laufzeit: ca. 115 Minuten
Besetzung (Auswahl): Charlie Sheen, Ron Silva, Lindsay Crouse, Teri Polo, Richard Schiff, Tony T. Johnson



FilmWelt: Forbidden World

Die Überlegungen, welchen Film man sich als nächstes im Streamingdienst seines Vertrauens zu Gemüte führt, treiben oft merkwürdige Blüten. Von Mundpropaganda über Meister Zufall bis hin zu einem bombastischen Trailer oder – ganz profan – einer interessanten Inhaltsangabe kann alles dabei sein. In vorliegendem Fall waren es letzteres sowie die Sternewertung bei Amazon („Forbidden World“ ist zum Zeitpunkt dieser Rezension im Prime Abo kostenlos verfügbar), die mich zum Ansehen dieses mir bis dahin völlig unbekannten Werkes verführt haben.

Gesamteindruck: 2/7


„Wir haben Gott gespielt.“

Zunächst kurz zu den Formalitäten, die Kennern der B-Movie-Szene eventuell bekannt sein dürften: „Forbidden World“ ist einer von mehreren Titeln dieses Science Fiction-Films aus dem Jahr 1982. „Mutant“ und „Subject 21“ sind zwei weitere, die im Übrigen deutlich besser zum Inhalt passen, denn ein „verbotener Planet“ kommt in der Handlung eigentlich nicht vor. Im deutschsprachigen Verleih ist der Film auch als „Mutant – Das Grauen im All“ bekannt. Zu erwähnen ist weiters, dass es, ich vermute, aufgrund verschiedener Ekel- und Nacktszenen, verschiedene Schnittfassungen gibt, die Gesamtlänge schwankt dadurch zwischen 73 und 78 Minuten. Amazon Prime scheint die ungekürzte Ausgabe im Programm zu haben, wenn mich nicht alles täuscht.

Worum geht’s?
Eine isolierte Forschungsstation auf dem Planeten Xerbia sendet einen Notruf in die Galaxis: Ein Experiment ist außer Kontrolle geraten und die Wissenschaftler benötigen dringend Unterstützung bei der Eindämmung. Pilot Mike Colby eilt zu Hilfe – und muss bald feststellen, dass die Forscher eine höchst gefährliche Kreatur geschaffen haben, die sich gegen sie gewandt hat…

Die Story, die Regisseur Allan Holzman und Drehbuchschreiber Tim Curnen (mir persönlich sind beide völlig unbekannt) für ihren Produzenten Roger Corman, seines Zeichens bis heute Spezialist für B-Movies, erzählen, finde ich grundsätzlich gelungen. Wir haben es hier mit solider Science Fiction-Kost zu tun, die so oder so ähnlich zwar schon damals nicht ganz neu war, an deren Eckpunkten man aber kaum etwas aussetzen kann. Im Gegenteil, der kritische Ansatz (Zitat aus dem Film: „Wir spielen hier Gott!“) ist heute sogar aktueller denn je. Bei genauerer Betrachtung entpuppt sich die Handlung im Großen und Ganzen als eine Variante von „Das Ding aus einer anderen Welt“ (1951) mit Gore-Effekten, die weit über das hinausgehen, was man dort bzw. im ebenfalls ähnlich gelagerten „Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt“ (1979) zu sehen bekommt. Garniert ist das Ganze mit einer Portion Nacktheit, die keinerlei Relevanz für die Story hat, völlig aufgesetzt wirkt und wohl nur um ihrer selbst Willen eingebaut wurde.

Ein bisschen Ambialenz.

Irgendwo zwischen Soll und Haben würde ich – neben dem Verlauf der Geschichte – zwei Aspekte verbuchen: Zunächst ist „Forbidden World“ – im Rahmen der Möglichkeiten – gar nicht so schlecht gespielt (speziell im Vergleich zu anderen Filmen seiner Preisklasse, wozu auch die jüngsten Produktionen von Roger Corman zählen). Vor allem der leitende Wissenschaftler Dr. Hauser und dessen kettenrauchender Kollege Dr. Timbergen sind durchaus brauchbare Figuren und werden vor allem gut von Linden Chiles bzw. Fox Harris verkörpert. Den Rest der Truppe kann man hingegen gerade noch passable Leistungen attestieren, wobei hierbei wie üblich auch das Drehbuch zu berücksichtigen ist – dazu etwas weiter unten mehr.

Der zweite ambivalente Punkt betrifft die Ausstattung. Die in Teilen einen ausgezeichneten Eindruck, speziell das Innere und Äußere des Raumschiffs in der Anfangssequenz (und auch der Raumkampf) sowie die Forschungsstation stehen teureren Produktionen jener Zeit nicht viel nach. Eine kurze Recherche hat mir gezeigt, dass die Kulissen teilweise für Frühwerke von James Cameron (die ich bis dato noch nicht gesehen habe) zum Einsatz gekommen sein sollen, bei denen ebenfalls Roger Corman als Produzent fungierte. Ähnliches gilt – sogar in noch stärkerem Ausmaß – für die teils ausgesprochen ekelhaften Gore-Szenen, die überraschend realistisch wirken. Die Optik passt also, zumindest was die erwähnten Teile des Films betrifft. Auch hier folgt noch ein „Aber“.

Die Frage ist nun: Reicht das alles für einen brauchbaren Film? Meine diplomatische Antwort: Jein. Eines ist klar: „Forbidden World“ ist ein B-Movie, daran führt kein Weg vorbei. Aber selbst wenn ich das berücksichtige, kann ich die doch sehr hohe Amazon-Wertung (4 von 5 Sternen bei 289 Bewertungen ist schon eine Hausnummer!), die noch höher wäre, gäbe es nicht eine Reihe von Verrissen aufgrund einer mutmaßlich technisch minderwertigen DVD-Veröffentlichung, nicht nachvollziehen. Wer aber ausgewiesener Fan relativ obskurer B-Filme ist, kann wohl den einen oder andere Punkt addieren. Denn eines muss ich auch ganz ehrlich zugeben: Die von mir etwas weiter oben genannten, positiven Features findet man in diesem Segment auch nicht so häufig in dieser Güte.

Ist und bleibt B-Ware.

An sich gibt es ja verschiedene Möglichkeiten, an Budget-Produktionen heranzugehen. Man kann Filme wie diesen entweder als pure Trash-Unterhaltung sehen, man kann aber auch das Improvisationstalent in technischer und inhaltlicher Hinsicht zu schätzen wissen. Egal, wie man es betrachtet – „Forbidden World“ ist meiner Meinung nach ein Werk, das zwischen den Stühlen sitzt. Ein Beispiel ist die Technik: Ich habe etwas weiter oben Effekte und Ausstattung gelobt – das Kreaturen-Design ist hingegen einfach nur billig und schlecht gemacht (und sieht nicht annähernd so aus wie auf dem Film-Cover). B-Movie hin oder her: Das Monster, das die Station terrorisiert, ist alles andere als furchteinflößend, im Gegenteil, es sorgt für unfreiwillige Lacher. Man kann vielleicht schon die Problematik, die sich daraus ergibt, erahnen: „Forbidden World“ wäre eigentlich ein ernsthafter Film. Wenn das Schmunzeln, das sich zwischendurch immer wieder in das Gesicht des Zuschauers schummelt, beabsichtigt war, ist das meines Erachtens misslungen, weil man immer an unfreiwilligen Humor denkt.

Schlimmer sind freilich die Probleme mit Drehbuch und Darstellung. So mag die Story zwar grundsätzlich gut sein, der Film macht aber wenig daraus, das über rohe Gewalt hinaus geht. Die Erklärungen zum fremdartigen Lebewesen machen wenig bis keinen Sinn, die Charaktere verhalten sich unlogisch, die gesamte Geschichte wirkt, als hätte man sie nur deshalb auf Action ausgelegt, weil man nicht recht wusste, wie man die angedeuteten Problemstellungen moralischer Natur angehen sollte. Dazu kommt der gesamte Aufbau, der früh auf den einzelnen Überlebenden und seine Gespielin hinausläuft. Und ja, ich weiß, dass man als Science Fiction-Fan immer wieder über hanebüchenen Unsinn hinwegsehen kann und muss – aber dieses Werk hat leider das Problem, dass man die Tiefgründigkeit, die angedeutet wird, erwartet – und zu keinem Zeitpunkt bekommt.

Nichts für Feminist:innen.

Ein Punkt, bei dem ich nicht recht wusste, wie ich ihn einordnen soll, sind die Frauenrollen in „Forbidden World“. Es mag revisionistisch anmuten, wenn man die Darstellung der beiden Damen per se kritisiert, denn bis weit in die 1980er wurden Frauen auch in großen Produktionen kaum jemals als gleichberechtigte Heldinnen abgebildet; obwohl es durchaus auch abseits der „Alien“-Reihe Ausnahmen gab, immerhin sind beispielsweise die Nebendarstellerinnen in den vor Männlichkeit nur so strotzenden Schwarzenegger-Highlights „Conan der Barbar“ (1982) oder „Predator“ (1987) alles andere als willenlose Püppchen. Ich bin ferner nicht der Meinung, dass jeder Film zwangsweise eine starke weibliche Rolle aufweisen muss. Was aber in „Forbidden World“ gemacht wird, ist schon harter Tobak: Der ach so charismatische Held (in Wirklichkeit finde ich den Charakter nicht sonderlich sympathisch) kommt auf die Forschungsstation, dort gibt es nur zwei weibliche Wesen, die ihm natürlich sofort verfallen, was mit fast schon Porno-artigen „Dialogen“ und entsprechender Mimik und Gestik untermalt wird. Und damit nicht genug: Abseits der nackten Haut beschränken sich die Damen darauf, aus vollem Halse kreischend durch die Station zu rennen, immer in die Arme der sie vermeintlich beschützenden Männer.

Heute wäre eine solche Darstellung – zum Glück – kaum noch möglich, es sei denn in einer Persiflage. Ob „Forbidden World“ eine solche ist, entzieht sich meiner Kenntnis, für mein Gefühl nimmt sich der Film dafür allerdings eine Spur zu ernst (s. o., ich meine damit übrigens keine Ernsthaftigkeit á lá „Alien“, sondern eher die humorlose Leichtigkeit diverser Action-Kracher). Bei einem aktuellen Film müsste es dafür jedenfalls eine massive Abwertung geben, in vorliegendem Falle ist es eine Frage der Sichtweise: Auf einer Meta-Ebene könnte man Filme wie diesen auch als historisches Dokument sehen, als eine Art Zeitzeugnis für die Darstellung von Frauen in Action- und Science Fiction-Filmen bis ins späte 20. Jahrhundert. Denn dafür ist „Forbidden World“ durchaus ein Beispiel, würde ich sagen – und gleichzeitig davon ausgehen, dass die Darstellung von Weiblichkeit im Erscheinungsjahr noch relativ wenig bis keinen Anlass zur Kritik gegeben haben dürfte.

All das ändert freilich nichts daran, dass der Plot insgesamt ohnehin recht dünn ist und die Rollen (bis auf die zwei weiter oben genannten) kaum Charakter besitzen. Damit wenigstens der strahlende Held etwas mehr Charakter bekommen hätte, hätte es wohl einen deutlich stärkeren Gegenpart gebraucht – sei es durch eine etwas tiefgründigere Figur bei den Wissenschaftler:innen (da hätte sich tatsächlich eine der Frauen angeboten) oder durch ein deutlich beängstigenderes Monster. Weil nichts davon vorhanden ist, reicht es bei mir für großzügige 2 von 7 Punkten. Ich habe tatsächlich schon schlechtere Filme gesehen – und in seiner Kategorie macht „Forbidden World“ sowohl technisch als auch in den Grundzügen der Handlung relativ viel her.

Anmerkung am Schluss: Die Filmmusik würde ich fast schon als „kultig“ bezeichnen. 80er-Synthies, die zu merkwürdig anmutenden Bildüberlagerungen wummern – das ist tatsächlich allerfeinstes B-Movie-Material!

Gesamteindruck: 2/7


Originaltitel: Forbidden World (aka „Mutant“ aka „Subject 20“).
Regie:
Allan Holzman
Drehbuch: Tim Curnen
Jahr: 1982
Land: USA
Laufzeit: ca. 80 Minuten
Besetzung (Auswahl): Jesse Vint, Dawn Dunlap, June Chadwick, Linden Chiles, Fox Harris, Michael Bowen



FilmWelt: Under the Skin

In der deutschsprachigen Fassung trägt „Under the Skin“ den Subtitel „Tödliche Verführung“. Die Intention scheint klar: Hauptdarstellerin Scarlett Johansson ist zweifellos verführerisch, was sich definitiv besser für die Promotion eignet als der vergleichsweise schwierige Inhalt des Werks. Dennoch – oder gerade deshalb – empfinde ich den deutschen Titel als völlig unpassend, unterstellt er der namenlosen Protagonistin doch eine Intention, die in diesem Sinne gar nicht im Film vorkommt.

Gesamteindruck: 4/7


„Akte X“ für die Kunstgalerie.

„Under the Skin“ ist nicht zu verwechseln mit dem französischen Film „In My Skin“ (2002), den ich unlängst hier auf WeltenDing behandelt habe. Wobei es trotz höchst unterschiedlichen Inhalts tatsächlich Gemeinsamkeiten gibt, wenn man es genau betrachtet: In beiden Werken spielt eine rätselhafte Frau die Hauptrolle, der Anteil an Nacktszenen ist ähnlich hoch (und ähnlich unaufdringlich bzw. künstlerisch in der Darstellung), die Handlung ist hüben wie drüben kaum zu erahnen – und bei beiden Filmen dürfte die Machart einer breiteren kommerziellen Verwertbarkeit entgegenstehen. Wobei letzteres bei vorliegendem Werk aufgrund der bekannten Hauptdarstellerin deutlich einfacher gewesen sein dürfte.

Worum geht’s?
Eine dunkelhaarige und namenlose Schönheit ist in ihrem Lieferwagen in Glasgow und Umgebung unterwegs. Dabei spricht sie wahllos Männer an und versucht, sie zum Mitfahren zu überreden. Lässt sich ein Unglücklicher darauf ein, bringt sie ihn in ein heruntergekommenes Haus, das er nie mehr verlässt…

Es ist mir nicht leicht gefallen, die Handlung von „Under the Skin“ zusammenzufassen. Und im ersten Moment mag das, was in meiner sehr kurzen Inhaltsangabe steht (viel mehr passiert wirklich nicht!), auch tatsächlich nach der eingangs kritisierten „Tödliche Verführung“ klingen. Dem ist aber nur bei oberflächlicher Betrachtung so; in Wirklichkeit ist das namenlose Wesen nicht von (Mord-)Lust oder ähnlichen Begierden getrieben, sondern scheint einzig und allein seinem Instinkt (oder seiner Programmierung?) zu folgen. Platz für positive oder negative Gefühle gibt es dabei nicht. Darum wäre es meiner Meinung nach ausreichend gewesen, den Film auch im deutschsprachigen Verleih entweder nur „Under the Skin“ oder eben „Unter der Haut“ zu nennen, weil das den Kern der Sache deutlich besser trifft – dreht sich das Werk doch um die Frage, was sich unter dem optisch so verführerischen Äußeren verbirgt.

Ähnlich schwierig wie die Beschreibung der Handlung ist die Frage nach dem Genre zu beantworten. Am ehesten würde ich „Under the Skin“ als Mischung aus Science Fiction, Mystery und Horror bezeichnen; ich denke, etwas gestrafft hätte der Film auch eine gute „Akte X“-Folge abgeben können. Zumindest was Handlung und Inhalt angeht – ein ganz anderes Thema ist die technische Ausführung: „Under the Skin“ ist eine Mischung aus traditioneller Kameraarbeit und einem weit größeren Anteil an Szenen, die teilweise mit Hand- und versteckten Kameras gedreht wurden, was für einen ganz eigenen Touch sorgt. Mit einer klassischen Mockumentary oder einem Found Footage-Film haben wir es aber nicht zu tun, denn es gibt keine Protagonisten, die die Kameras bedienen. Ich denke, dass Regisseur Jonathan Glazer mit seiner Herangehensweise ein Gefühl von Unmittelbarkeit und Spontanität erzeugen wollte. Das ist ihm meines Erachtens gut gelungen, die Atmosphäre (auch in Verbindung mit dem Soundtrack, der an Horrorfilme der 1960er und 70er Jahre erinnert) ist sehr speziell und mir fällt auf Anhieb kein Film mit einer ähnlichen Stimmung ein.

Im Haben ist schließlich auch die Leistung von Scarlett Johansson zu verbuchen, deren Marvel-Karriere zu jener Zeit bereits gestartet war. „Under the Skin“ wird komplett von ihrer intensiven Darstellung einer mysteriösen Figur getragen. Bemerkenswert auch der Wandel, den die Protagonistin im Laufe des Films erfährt: Anfangs noch völlig emotionslos und gerade deshalb so beunruhigend und verstörend, wird sie im Laufe der Handlung zusehends zerbrechlicher und schafft es schließlich sogar, echte Sympathien beim Zuseher zu wecken. Dass die US-Schauspielerin das dermaßen gut hinbekommt, liegt zwar auch am Drehbuch – dennoch muss man den Hut vor ihrer Leistung ziehen, „Under the Skin“ war mit Sicherheit kein einfacher Film für sie.

Handlung glänzt durch Abwesenheit.

Dass ich trotz der genannten Punkte nicht ganz überzeugt bin, liegt an der Handlung. Beziehungsweise an der fast völligen Abwesenheit einer solchen. Vielleicht war die Entwicklungszeit – Wikipedia nennt hier zehn (!) Jahre – dann doch etwas zu lang und die Drehbuchautoren Jonathan Glazer und Walter Campbell haben sich verzettelt? Ich kenne die Vorlage nicht („Under the Skin“ soll auf einem gleichnamigen Roman aus dem Jahr 2000 basieren, dessen Inhaltsangabe aber zeigt, dass sich der Film nur sehr lose daran orientiert), es würde mich aber wundern, wenn das Buch auch dermaßen handlungsarm wäre.

Im Wesentlichen beobachten wir die Protagonistin, wie sie mehrfach Männer in ihr Haus bringt, wo sie in einer merkwürdigen Flüssigkeit zu versinken scheinen. Diese Szenen – und vorher der Versuch, ein Opfer zu finden – laufen immer ähnlich ab, wodurch das Gefühl eines künstlich in die Länge gezogenen Films entsteht. Ich habe oben ja „Akte X“ erwähnt und bleibe dabei: Die Handlung von „Under the Skin“ hätte man in einer Folge jener Serie deutlich gestrafft unterbringen können (den künstlerischen Ansatz zugegebenermaßen nicht). Neben den Längen, die eben daraus entstehen, gibt es ein weiteres Problem: Der Film erklärt – nichts. Weder erfahren wir, was die Protagonistin ist, noch, was es mit dem Motorradfahrer auf sich hat, der offenbar hinter ihr aufräumt – oder wieso sie plötzlich an ihrer Mission zu zweifeln beginnt. Ja, nicht mal, ob sie überhaupt eine „Mission“ hat, wird klar.

Nicht falsch verstehen: Ich kann grundsätzlich schon was mit Filmen anfangen, die dem Publikum ein breites Feld an Interpretationsmöglichkeiten bieten. Darum fand ich „In My Skin“ (kein Verschreiber!) gar nicht so schlecht, wie es viele Bewertungen suggerieren würden. Was mir als Zuschauer aber in „Under the Skin“ abverlangt wird, ist dann doch etwas zu viel des Guten. Fast schon paradox ist, dass der Film tatsächlich nachwirkt: Seine Atmosphäre ist so eigenartig, dass man sich immer wieder dabei ertappt, Scarlett Johannson im eigenen Kopfkino zu beobachten. Aber bei mir war es wirklich nur dieser künstlerische Aspekt, der mich tatsächlich beeindruckt hat. In Hinblick auf die Handlung habe ich mich hingegen mehrfach gefragt, ob die Verantwortlichen vielleicht selbst keine Ahnung hatten, welche Geschichte sie erzählen wollten. Kurz: „Under the Skin“ lässt den Zuseher völlig allein, es gibt praktisch nichts, an dem man sich festhalten oder entlangtasten kann.

Schwer zu bewerten.

Wie soll man das nun bewerten? Nun, ich kann die Begeisterung jener Kritiker verstehen, die den künstlerischen Aspekt loben. Wer sich auf eine sehr spezielle Reise begeben möchte und massentauglichere Sehgewohnheiten ablegen kann, wird mit diesem unkonventionellen Film wohl seine Freude haben (ein wenig Science Fiction-Affinität muss man aber schon mitbringen, denke ich). Auch, dass die von Jonathan Glazer geschaffene Atmosphäre, also die Kombination aus Bild, Ton und Schauspiel, länger nachwirkt, als man bei einem so handlungsarmen Werk meinen könnte, würde ich definitiv positiv bewerten.

Auf der anderen Seite ist „Under the Skin“ kein isoliertes Nischenprodukt. Klar, ein Hollywood-Blockbuster ist es nicht, aber wir haben es dennoch mit einem Film zu tun, der auch auf ein Publikum außerhalb der, ich nenne sie mal so, Kunstszene trifft. Für ein solches ist er meines Erachtens nur bedingt geeignet – muss er auch nicht sein, dennoch kann und darf man ihn auch diesem Blickwinkel beurteilen. Ich selbst sitze in dieser Hinsicht ein wenig zwischen den Stühlen: Ich weiß die Atmosphäre, die „Under the Skin“ umgibt, durchaus zu schätzen. Aber, es tut mir leid, Freunde der hohen Kunst, ich kann einfach nicht ganz aus meiner Haut (höhö…) heraus: Ein Film soll auch unterhalten, auf welche Weise auch immer. Dieser hier tut das nur bedingt.

Fazit: Vier von sieben möglichen Punkten für einen Film, der so einzig- und eigenartig ist, wie kaum ein zweiter. In manchen Gemütslagen würd ich wohl 6/7 geben, in manchen nur 2/7. Das sagt eh schon alles – oder nichts?

Gesamteindruck: 4/7


Originaltitel: Under the Skin.
Regie:
Jonathan Glazer
Drehbuch: Jonathan Glazer, Walter Campbell
Jahr: 2013
Land: Großbritannien
Laufzeit: ca. 105 Minuten
Besetzung (Auswahl): Scarlett Johansson, Joe Szula, Kryštof Hádek, Adam Pearson, Dave Acton, Michael Moreland



FilmWelt: The Phoenix Tapes ’97

Found Footage-Filme gibt es mittlerweile ja in allen möglichen Formen und Qualitäten, alles losgetreten von „The Blair Witch Project“ (1999). Im Gegensatz zu jenem Klassiker basiert „The Phoenix Tapes ’97“ auf einem Ereignis, das im Jahre 1997 tatsächlich im US-Bundesstaat Arizona stattgefunden hat.

Gesamteindruck: 2/7


Was wird hier vertuscht?

„The Phoenix Tapes ’97“ unterscheidet sich aber nicht nur durch das Aufgreifen eines historisch belegten Vorfalls von anderen Filmen seiner Gattung. Zusätzlich wurden Elemente eingebaut, die dem Werk den Anschein einer Dokumentation geben: Der Vater eines der betroffenen Männer wurde „interviewt“ und macht düstere Andeutung über gewisse Vertuschungsaktionen der US-Regierung. Dieses Material weist deutlich höhere Bildqualität auf, als der Rest des Films, sodass der Eindruck entsteht, das Interview wäre lange nach den „gefundenen“ Videobändern aufgenommen worden. Ein geschickter Schachzug, der das ohnehin schon sehr große Gefühl, hier authentisches Material zu sehen, noch erhöht.

Worum geht’s?
März 1997: Ein entspannter Wochenendausflug verwandelt sich in einen Horrortrip, als sich vier Freunde mit ihrem Wohnmobil irgendwo in Arizona verfahren. Nachts werden die Männer zunächst von unheimlichen Geräuschen und merkwürdigen Lichtern am Himmel wachgehalten. Glauben sie zunächst noch an einen Meteoriten, stellt sich bald heraus, dass sie nicht mehr allein in dieser Gegend sind. Das Material, das sie mit ihren Handkameras aufgenommen haben, wurde irgendwann gefunden. Die vier Männer blieben verschwunden…

Gewisse Fragen stellen sich bei jedem Film, beispielsweise wie gut er unterhält, ob die Story stimmig ist oder ob die Schauspieler eine ansprechende Leistung bieten. Das ist auch im Found Footage-Genre so, allerdings hat diese Gattung einen weiteren Anspruch zu erfüllen: Sie muss immer authentisch wirken und darf nie einen professionellen Eindruck erwecken (freilich gibt es innerhalb dieser Konvention dennoch mehr oder minder professionelle bzw. professionell wirkende Ansätze). Eben jene (vermeintliche) Authentizität machte „The Blair Witch Project“ damals so erfolgreich: Unterstützt von einer überaus geschickt aufgesetzten Kampagne wirkte alles daran dermaßen realistisch, dass man sich legitim fragen konnte, ob der Film wahrhaftig das Verschwinden von drei jungen Leuten dokumentiert. Natürlich gibt es dazu auch Gegenbeispiele; eines davon ist „Cloverfield“ (2008), das sich zwar technisch nahezu perfekt der Found Footage-Technik bedient, dabei aber nie Zweifel an seiner Fiktionalität aufkommen lässt. Wenn wir nun annehmen, dass das auf Pseudo-Authentizität bedachte „The Blair Witch Project“ und das Unterhaltungsprodukt „Cloverfield“ zwei gegensätzliche Positionen im Spektrum der Found Footage-Produktionen einnehmen, würde ich „The Phoenix Tapes ’97“ definitiv in der Nähe von Ersterem ansiedeln. Genau genommen legt vorliegendes Werk den Authentizitäts-Faktor sogar noch eine Stufe höher und dürfte der plausibelste Vertreter seines Genres sein, den ich bis zum Zeitpunkt dieser Rezension gesehen habe.

Authentischer geht es kaum…

Diese kühne Aussage mache ich an zwei Faktoren fest: Erstens gab es im März 1997 in der Nähe von Phoenix im US-Bundesstaat Arizona tatsächlich ein mysteriöses Ereignis, bei dem tausende Augenzeugen eine Anzahl von Lichtern am Nachthimmel gesehen haben. Worum es sich dabei handelte, ist bis heute nicht vollständig geklärt. Fakt ist jedoch, dass die damals ungewöhnlich breite Berichterstattung, aber auch spätere Sendungen wie „Ancient Aliens“ dafür gesorgt haben bzw. immer noch dafür sorgen, dass der Vorfall im kollektiven Gedächtnis verankert bleibt. Und auch fiktionale Werke, darunter einige Filme, geben dem Thema immer wieder neue Nahrung. Allein dadurch entsteht schon ein Gefühl von Authentizität.

Der zweite Faktor betrifft den Film selbst. Dem hilft paradoxerweise zunächst, dass er im Großen und Ganzen vollkommen unbeachtet geblieben ist und auch von keinem großen Verleih übernommen wurde (derzeit ist er übrigens kostenlos im Prime-Abo von Amazon zu sehen, wo ich ihn aber auch eher zufällig entdeckt habe). Das mag dem Budget nicht gerade zuträglich gewesen sein, sorgt aber für eine zusätzliche Portion Glaubwürdigkeit, weil es den Eindruck erweckt, hier hätte gar niemand versucht, einen Unterhaltungsfilm zu produzieren. Am Rande passt dazu auch, dass „The Phoenix Tapes ’97“ über keinerlei Credits verfügt. Das bedeutet, dass man nicht so richtig weiß, wer die Personen sind, die man beim Herumstolpern im Unterholz beobachtet. All das zusammen lässt den Zuschauer jedenfalls immer mal wieder überlegen, ob sich das, was man zu sehen bekommt, vielleicht wirklich genau so zugetragen hat.

…unterhaltsamer aber schon.

Es gibt eigentlich sogar noch einen dritten Punkt, der die scheinbare Authentizität erhöht – bei dem bin ich allerdings sehr zwiegespalten: „The Phoenix Tapes ’97“ wurde mit Handkameras, die genau in jene Zeit passen, aufgenommen (zumindest erweckt das Material genau diesen Eindruck). Klingt im ersten Moment gut, ist in Wirklichkeit aber problematisch: „The Blair Witch Project“ ist grundsätzlich ähnlich gefilmt, die Aufnahmen sind allerdings von deutlich höherer Qualität hinsichtlich Bild, Ton und Schnitt. Anders ausgedrückt: Wer den 1999er Klassiker aufgrund seiner Anmutung schwer zu konsumieren fand, braucht sich die Phoenix Tapes gar nicht erst anzusehen. Die Bilder sind extrem verwackelt, oft unscharf, speziell die Nachtaufnahmen sind so grobkörnig, dass eigentlich kaum etwas zu erkennen ist. Der Ton ist schwankend, was noch zu verschmerzen wäre, allerdings sind die vier Herren akustisch teilweise nicht zu verstehen (eine Synchronisation gibt es meines Wissens übrigens nicht, aber notfalls helfen die ab und an unfreiwillig komischen Untertitel ganz gut weiter). Ein Schnitt im eigentlichen Sinne ist nicht vorhanden, was problematisch ist, weil dadurch einige Szenen Längen haben.

Wie gesagt: All das macht den Film sowohl technisch als auch atmosphärisch sehr plausibel, trägt aber mindestens ebenso viel dazu bei, das „The Phoenix Tapes ’97“ – ganz im Gegensatz zu „The Blair Witch Project“ und vielen seiner Nachfolger – relativ anstrengend ist. Neben den genannten Punkten liegt das auch daran, dass man eine Story oder ein Drehbuch nicht mal so richtig erahnen kann. Im Gegenteil, der Film erinnert ungut daran, was passiert, wenn man mit seinen Freunden auf Urlaub fährt und immer mal wieder die Kamera einschaltet bzw. das dabei entstandene und unbearbeitete Material Bekannten zeigt, die nicht dabei waren. Haben die meisten wohl schon erlebt – und sich fürchterlich dabei gelangweilt. Die vier Protagonisten (auch die mögen authentisch sein, weil man sie aber nicht persönlich kennt und sie nicht charakterisiert werden, sind sie komplett austauschbar) machen ihre Scherze, die man als Außenstehender großteils nicht kapiert, sie wandern, sie laufen davon usw. Da ziehen sich die für einen solchen Film eigentlich vorbildlichen 67 Minuten teilweise kurios in die Länge.

Abschließend sei erwähnt, dass man gegen Ende hin tatsächlich Aliens zu sehen bekommt. Spätestens da ist dann natürlich Schluss mit der Authentizität und auch dem Letzten wird klar, dass „The Phoenix Tapes ’97“ ein Werk der Fiktion und keine Dokumentation ist. Ganz hat Regisseur/Produzent/Darsteller Turner Clay (seines Zeichens wohl eine Art Spezialist für Found Footage) das Muster also doch nicht durchgehalten.

Fazit: Ein Punkt für die technisch wirklich großartige hergestellte Authentizität, ein zweiter für die brauchbare Atmosphäre, die immer mal wieder unheimlich durchblitzt. Mehr ist aus meiner Sicht aber nicht drin; wer auf Found Footage und/oder UFOs steht, kann aber mal einen Blick riskieren. Alle anderen seien gewarnt: Über weite Strecken ist „The Phoenix Tapes ’97“ weder unheimlich noch sonst irgendwie gehaltvoll.

Gesamteindruck: 2/7


Originaltitel: The Phoenix Tapes ’97.
Regie:
Turner Clay
Drehbuch: Turner Clay
Jahr: 2016
Land: USA
Laufzeit: ca. 65 Minuten
Besetzung (Auswahl): Turner Clay



FilmWelt: Valerian – Die Stadt der tausend Planeten

Dieser Film – ein Herzensprojekt von Regisseur Luc Besson – reiht sich nahtlos in die Riege jener Produktionen ein, die stark im Ungleichwicht sind: „Valerian – Die Stadt der tausend Planeten“ sieht unglaublich gut aus und zeugt von einer Liebe zum Detail, die man in der Form eher selten sieht. Man spürt den Enthusiasmus, mit dem sich der französische Filmemacher in die Adaptierung der Comicvorlage für die große Leinwand geworfen hat. Leider hat er jedoch – wie so viele seiner amerikanischen Kollegen – den Fehler gemacht, sich darauf zu verlassen, dass die grandiose Optik Mängel in der Story und im Drehbuch kaschiert. Bei bekannten US-Franchises mag das immer mal wieder für gute Ergebnisse reichen, in diesem Fall floppte der Film an den Kinokassen. Zu recht, wie ich konstatieren muss…

Gesamteindruck: 3/7


So viele Details, so wenige Ideen.

Ich habe den Comic „Valerian und Veronique“ (im französischen Original „Valérian et Laureline“) nie gelesen. Von daher kann ich nicht sagen, ob die Umsetzung einigermaßen werkstreu ist oder die Vorlage mit Füßen tritt. So gesehen vielleicht ganz gut, denn damit kann ich „Die Stadt der tausend Planeten“ als eigenständigen Film betrachten – und als solcher muss er ja funktionieren, weil ich mir nicht vorstellen kann, dass die Comic-Serie außerhalb von Frankreich weit verbreitet ist.

Worum geht’s?
Im 28. Jahrhundert arbeiten Major Valerian und Sergeant Laureline als Spezialagenten für die Regierung. Ihre aktuelle Mission: Den letzten Transmutator, der noch im Universum existiert, sicherstellen. Zunächst scheint es sich dabei um einen Routine-Auftrag zu handeln, bald stellt sich jedoch heraus, dass mehr dahinter steckt und hohe Militärs ein dunkles Geheimnis verbergen.

Zu einer Sache kann, will und muss ich Luc Besson definitiv gratulieren: Er lässt diesen Film einfach unglaublich gut aussehen und man merkt, dass es ihm wichtig war, eine fast schon unendlich wirkende Vielfalt abzubilden. Ich vermute, dass der Regisseur großer Fan des Comics ist und sich wie ein kleines Kind gefreut haben muss, als er den Zuschlag für die Verfilmung bekommen hat. Angeblich sieht man im Film an die 200 (!) unterschiedliche außerirdische Spezies – ich weiß nicht, ob es so etwas schon einmal gegeben hat, aber hier waren der Fantasie offenbar keine Grenzen gesetzt. Per se erinnert die Bildsprache übrigens stark an „Das fünfte Element“, fast scheint es, als hätte Besson mit der deutlich besseren Technik, die ihm genau 20 Jahre nach jenem Überraschungserfolg zur Verfügung stand, eine Vision, die er schon damals hatte, endgültig umsetzen können. Meistens ist „Die Stadt der tausend Planeten“ knallbunt, oft auch erschreckend düster, immer jedoch voller Fantasie. Das betrifft übrigens nicht nur die Ausstattung, auch die rasante Action, die den gesamten Film durchzieht, sieht ausgesprochen ästhetisch aus und ist großartig choreografiert. Zur Optik muss man also sagen: Hut ab; trotz massivem CGI-Einsatz wirkt übrigens alles wie aus einem Guss, was in modernen Produktionen keineswegs selbstverständlich ist.

Wenn das alles aber so großartig ist – wie komme ich dann zur enttäuschenden Gesamtwertung? Naja, es ist vermutlich nicht schwer zu erraten und ein mittlerweile leider weit verbreitetes Problem: Story, Drehbuch und Charaktere bleiben meilenweit hinter der glitzernden Fassade zurück. Dem Plot kann man dabei noch am wenigsten vorwerfen – er ist halt sehr konservativ, bietet so gut wie keine Überraschungen und ordnet sich weitgehend der atemlosen Action unter. Es ist das übliche „wir müssen verhindern, das dieses Transmutator-Dingens in falsche Hände gerät“-Spiel. Das wäre ja nun gar nicht verkehrt, würde die Story wenigstens die eine oder andere Wendung nehmen. Tut sie meines Erachtens nicht (ich empfand „Das fünfte Element“ in dieser Hinsicht als deutlich intelligenter und erfrischender) – und das macht ein erneutes Ansehen des Films überflüssig, denn man wird dadurch keine versteckten Andeutungen o. ä. entdecken, die einem beim ersten Durchlauf entgangen sind.

Keine Sympathieträger.

Kann man bei der Story noch beide Augen zudrücken (bzw. das Hirn in bester Hollywood-Action-Tradition abschalten), habe ich mit Drehbuch und Charakteren echte Probleme. Beim Drehbuch ist mir zunächst eine massive Diskrepanz zwischen der fast schon als übersteigert zu betrachtenden Lässigkeit der Figuren und der immer wieder durchkommenden Brutalität der Action aufgefallen. Ich bin wahrlich niemand, der ein Problem mit harten Filmen hat – aber „Die Stadt der tausend Planeten“ wirkt über weite Strecken (es reicht eigentlich, den Trailer zu sehen) wie ein Film für Jugendliche. Das liegt wohl an den sehr jungen Hauptdarstellern und an der weitgehend bunten Optik. Andererseits wird oft und gerne ordentlich gemetzelt – und das in Teilen durchaus detailliert. Wie gesagt: Mich stört das an und für sich nicht, dennoch finde ich die genannte Diskrepanz äußerst irritierend. An dieser Stelle sei, weil es gerade passt, auf eines von vielen Plot-Holes hingewiesen: Im letzten Drittel des Films muss unser Held seine Partnerin aus einer Art Tempel retten, den er als Mensch aber nicht betreten darf. Um einen diplomatischen Zwischenfall mit den primitiv wirkenden Außerirdischen zu vermeiden, verkleidet er sich nach langem Hin & Her als ein solcher – nur um später, als die Befreiungsaktion misslingt, erst recht alle Aliens zu beseitigen. Konsequenz ergibt sich daraus keine, was bei mir das Gefühl eines nicht zu Ende gedachten Drehbuchs weiter verfestigt hat.

Nun noch etwas Klartext zu den Charakteren: Ich kann mich ad hoc an keinen Film erinnern, in dem mir sowohl Haupt- als auch Nebenfiguren dermaßen unsympathisch waren. Vielleicht bin ich zu alt, um das zu verstehen – aber weder der als physisch und psychisch unkaputtbarer Superheld und -macho überzeichnete, selbstverliebte und in keiner Situation ansatzweise ernsthafte Valerian, noch die unterkühlte und arrogante Laurelin haben mir irgendeine Möglichkeit zur Identifikation geboten. Letztere lässt wenigstens ab und an so etwas wie Verletzlichkeit durchschimmern – aber eigentlich stand ich beiden Helden vollkommen emotionslos gegenüber. Da rettet auch der großteils eh ziemlich platte Humor nichts. Es ist schon klar, was hier versucht wurde: Die beiden Helden sollten sich als eine Art dysfunktionales Paar laufend gegenseitig Stichwörter geben, so etwas wie „Gilmore Girls“ im Weltraum. Nur leider haut das aus meiner Sicht überhaupt nicht hin, sondern ist bestenfalls holprig, schlimmstenfalls peinlich (speziell die „romantischen“ Einlagen mit pubertierendem Balzverhalten unseres Top-Agenten spottet jeder Beschreibung). Übrigens konnten mich auch die Nebenrollen überhaupt nicht überzeugen. Im Endeffekt fand ich ausgerechnet die Nicht-Schauspielerin Rihanna in ihrer Rolle als tragische Gestaltwandlerin Bubble am besten, gefolgt von Ethan Hawke als zwielichtigen Clubbesitzer (den aber schon mit Einschränkungen).

Schade um die guten Ideen.

Bisher dachte ich, das Problem läge an Hollywood. Tut es wohl auch, irgendwie – denn dort werden die vermeintlichen Erfolgsrezepte produziert, an denen sich (Action-)Filmemacher scheinbar auch außerhalb dieses Molochs zu orientieren haben. Luc Besson hat die Hollywood-Formel, nach der Schein wichtiger ist als Sein, mittlerweile offenbar leider auch verinnerlicht. Dabei hat der Mann u. a. mit „Léon – Der Profi“ (1994) und „Das fünfte Element“ (1997) bewiesen, dass er mehr als nur oberflächliche Action kann.

Ganz ehrlich: Ich wollte diesen Film wirklich mögen. Und so übel, wie das alles klingt ist „Die Stadt der tausend Planeten“ eh nicht. Man kann sich den Film durchaus ansehen, vielleicht auch zweimal, weil es tatsächlich viele Details zu entdecken gibt – nicht an der simplen Handlung, aber der Hintergrund der gigantischen Raumstation „Alpha“ erschlägt einen im ersten Moment mit einer unglaublichen Kleinteiligkeit. So gesehen kann sich ein zweiter oder dritter Besuch schon lohnen. Andererseits habe ich selten einen Film gesehen, in dem die Schere zwischen Schein und Sein dermaßen auseinanderklafft. Nein, stimmt nicht, einer ist mir nach kurzem Nachdenken doch eingefallen: „Avatar“ (2009), dessen wegweisende Technik Luc Besson als Anstoß genannt hat, sich an „Die Stadt der tausend Planeten“ heranzuwagen. Und ähnlich wie James Cameron ordnet sein französischer Kollege alles der hervorragenden Optik unter. Das mag vielen reichen, mir schon lange nicht mehr. Und, wie die Einspielergebnisse zeigen, bin ich keineswegs allein. Bessons Produktionsfirma stand nach diesem Film kurz vor der Pleite, was die Chancen auf eine Fortsetzung zum Zeitpunkt dieser Rezension (Februar 2021) nicht gerade rosig erscheinen lässt. Ist aber vielleicht auch besser so.

Gesamteindruck: 3/7


Originaltitel: Valerian and the City of a Thousand Planets.
Regie:
Luc Besson
Drehbuch: Luc Besson
Jahr: 2017
Land: Frankreich
Laufzeit: ca. 140 Minuten
Besetzung (Auswahl): Dane DeHaan, Cara Delevigne, Clive Owen, Rihanna, Ethan Hawke, Sam Spruell



FilmWelt: Edge of Tomorrow

Man fragt sich beim Ansehen von „Edge of Tomorrow“ unwillkürlich, was Hollywood-Star Tom Cruise gedacht haben mag, als ihm das Drehbuch vorgelegt wurde. Eine Invasion nahezu unbesiegbarer Aliens? Geschenkt. Cruise als Soldat, der helfen muss, die Außerirdischen zu vertreiben? Kein Problem. Aber dass der Star des Films zeitweise im Sekundentakt stirbt, wird beim bekennenden Scientologen wohl für ein sehenswertes Gesicht gesorgt haben. Noch dazu ist man nicht zimperlich: Explosionen, Kopfschüsse, Fahrzeuge, die ihn überrollen, brutale Ausbildungsmethoden – all das und noch mehr kostet Hauptfigur Bill Cage immer wieder das Leben. Den Zuschauer wird’s – zumindest anfangs – wenig stören, ist der Presseoffizier doch ein ausgesprochen unsympathischer Feigling.

Gesamteindruck: 5/7


Und täglich grüßt das Alien.

Vielleicht war es Tom Cruise ja ein Trost, dass keiner der unzähligen Tode, die er in „Edge of Tomorrow“ stirbt, endgültig ist. Das Motiv des ständigen Wieder-Erlebens des gleichen Tages kennt man genau so aus dem Kultfilm „Und täglich grüßt das Murmeltier“ (1993 mit dem grandiosen Bill Murray). Abgesehen davon haben die beiden Filme jedoch nichts gemeinsam (vielleicht noch ein bisschen Situationskomik und – selbstverständlich – die Frage nach einer Möglichkeit, aus dem ständigen Kreislauf auszubrechen).

Inhalt in Kurzfassung*
Ein Soldat wider Willen stirbt auf dem Schlachtfeld im Kampf gegen übermächtige Aliens. Doch kurz nach seinem Tod wacht er wieder auf – und es ist der Tag zuvor. Das gleiche passiert ihm unzählige Male in diesem Film, bis er schließlich herausfindet, was diese „Gabe“ zu bedeuten hat und wie er sie verwenden kann, um die Erde von den außerirdischen Aggressoren zu befreien.

* Der Versuch eines neuen Features auf WeltenDing. Ich versuche Spoiler zu vermeiden.

„Edge of Tomorrow“ ist dem Genre der Military-Science Fiction zuzuordnen. Das bedeutet: Viel Action, große Schlachten und die klare Ausrichtung auf die Darstellung militärischer Handlungs- und Denkweisen. Der Höhepunkt kriegerischer Herrlichkeit ist eine Art Remake der berühmten Eröffnungsszene aus „Der Soldat James Ryan“ (1998). Zwar erreicht die Landung in der Normandie in „Edge of Tomorrow“ nicht Spielberg’sche Intensität, ein epischer Anblick ist es aber allemal, wenn die Transportflieger hunderte, tausende Soldaten in mechanischen Kampfanzügen am Strand absetzen. Überhaupt ist der Film in Bezug auf die Optik sehr gelungen, auch wenn die computergenerierten Effekte natürlich allgegenwärtig sind. Für einen Science Fiction-Blockbuster ist das allerdings durchaus in Ordnung, auch wenn ich mir gewünscht hätte, dass die Darstellung der Invasoren etwas weniger „Matrix“-like wäre. Wie dem auch sei: „Edge of Tomorrow“ sieht sehr, sehr gut aus.

Trotz mittelprächtiger Story sehr unterhaltsam.

Die Handlung reißt hingegen nur unbedingt vom Hocker. Dass die unter dem Eindruck einer Invasion geeinte Menschheit trotz technischer Unterlegenheit alles daran setzt, die Invasoren zu vertreiben, ist erwartbar. Die Zeitsprung-Geschichte leidet hingegen – und das ist ein großer Unterschied zu „Und täglich grüßt das Murmeltier“ – darunter, dass versucht wird, sie zu erklären. Wie meist in solchen Fällen, macht das relativ wenig Sinn und wirkt einigermaßen verworren. Natürlich will man wissen, wieso der gleiche Tag immer und immer wieder von vorne beginnt, richtig zufrieden stellt die präsentierte Lösung jedoch nicht.

Allerdings, und das kann man nicht genug betonen, sorgt gerade die ständige Wiederholung des gleichen Tages (die Nuancen unterscheiden sich selbstverständlich hinreichend) für ganz viele unterhaltsame Momente. Denn nur so entsteht einerseits die Siutationskomik, wenn die Hauptfigur es beispielsweise besonders gut machen will und dennoch nach wenigen Sekunden stirbt. Andererseits gelingt es auf diese Weise, die eigentlich vollkommen abstruse Charakterentwicklung vom feigen PR-Mann im Offiziersrang hin zur Kampfmaschine glaubwürdig und gut zu zeichnen. Diese beiden Punkte machen den Film trotz seines Hau-drauf-Charakters letztlich so unterhaltsam und spannend.

Im Endeffekt ist es wohl genau das, was „Edge of Tomorrow“ bieten will: Action und Unterhaltung ohne tieferen Sinn und ohne großartige Botschaft. Das gelingt ihm meines Erachtens sehr gut. 5 Punkte für einen Blockbuster, der sich selbst glücklicherweise nicht ernst nimmt und zeigt, dass es doch noch möglich ist, gutes Popcorn-Kino abzuliefern. Abzüge in der B-Note gibt es für das Ende, wo dem Streifen dann doch ein wenig Luft und Inspiration ausgehen.

 

Gesamteindruck: 5/7


Originaltitel: Edge of Tomorrow
Regie: Doug Liman
Jahr: 2014
Land: USA, UK, KOR
Laufzeit: 113 Minuten
Besetzung (Auswahl): Tom Cruise, Emily Blunt, Brendan Gleeson, Bill Paxton



 

FilmWelt: Alien: Covenant

„Prometheus – Dunkle Zeichen“ war 2012 ein merkwürdiges Ding zwischen Hoffnungsschimmer auf einen guten Neustart der „Alien“-Reihe und Enttäuschung, weil einfach kein wirklich guter Film. Schon damals hoffte man auf Besserung bzw. dringend notwendige Erläuterungen in einer Fortsetzung. Die ist nun, 2017, mit „Alien: Covenant“ in die Kinos gekommen. Zusammenfassend kann man sagen: Das Warten hat sich nicht wirklich gelohnt.

Gesamteindruck: 3/7


Eine herbe Enttäuschung.

Ein Verdienst des mittlerweile klassischen „Alien“-Stoffs, der 1979 mit dem ersten Film seinen Ausgangspunkt genommen hat, war die erste Frau in einer Action-Hauptrolle – darauf wird im Zusammenhang mit dem von Kult-Regisseur Ridley Scott ersonnen Werk immer wieder gerne verwiesen. Und offenbar ist es ein ungeschriebenes Gesetz, dass eine Frau bis heute in jedem Film dieses Franchise die Hauptrolle zu spielen hat. Nun ist es nicht so, dass ich damit ein Problem hätte. Im Gegenteil, das durchbricht auch heute, fast 40 Jahre nach dem ersten Auftritt von Ellen Ripley, immer noch ein Klischee. Allerdings sind die Fußstapfen, die Sigourney Weaver in ihrer ersten großen Rolle hinterlassen hat, zu gewaltig für ihre Nachfolgerinnen. Im 2017er Film „Alien: Covenant“ wird das besonders deutlich. Konnte sich Noomi Rapace in „Prometheus – Dunkle Zeichen“ (2012) noch einigermaßen passabel verkaufen, gelingt das Katherine Waterston in der Fortsetzung so gut wie gar nicht. Beide werden von Michael Fassbender, der jeweils den Androiden David bzw. dessen Nachfolgemodell Walter verkörpert, an die Wand gespielt. Das tritt in „Covenant“ noch deutlicher zutage als in „Prometheus“.

Inhalt in Kurzfassung*
Die Besatzung des Kolonieschiffs „USCSS Covenant“ wird nach einem Notfall aus dem Kälteschlaf geholt und empfängt ein Funksignal, das offenbar menschlicher Herkunft ist. Gesendet wird es von einem gut für eine Kolonie geeigneten, erdähnlichen Planeten, den man daraufhin natürlich anfliegt. Dort angekommen beginnt die übliche Alien-Action, man trifft auf alte Bekannte und neue Monster. Achtung: Enthält längere, metaphysische Dialoge über den Sinn des (künstlichen) Lebens.

* Der Versuch eines neuen Features auf WeltenDing. Ich versuche Spoiler zu vermeiden.

Das Problem scheint – wie so oft – nicht eine vermeintlich schwache Schauspielerin zu sein. Denn das Drehbuch ist meiner Ansicht nach leider keineswegs geeignet, die Darsteller gut dastehen zu lassen. Im Wesentlichen gibt es nur drei einigermaßen ausgearbeitete Rollen – zwei davon paradoxerweise vom gleichen Schauspieler (eben Michael Fassbender) verkörpert. Zusätzlich hat Billy Cudrup als  stellvertretender Kommandant Christopher Oram ein wenig Persönlichkeit bekommen. Wichtigste Figur sollte (der Logik der weiblichen Heldin folgend) aber eigentlich Terraforming-Expertin Daniels sein. Die bietet jedoch aufgrund ihrer recht weinerlichen Art kaum Identifikationsfläche. Auf diese Weise kann man eine weibliche Hauptrolle meiner Meinung nach nicht etablieren. Leider zeichnet sich Regisseur Scott auch beim Rest der Crew seines Kolonieschiffs nicht aus. Tatsächlich wächst dem Zuseher kein einziges Besatzungsmitglied richtig ans Herz – sie bleiben austauschbare Abziehbilder, teilweise sogar schrecklich klischeebehaftet – dazu braucht man sich nur den Piloten Tenessee anzusehen.

So ist es auch nicht verwunderlich, dass man kaum Angst bekommt, wenn die Mannschaft der Reihe nach dahingemetzelt wird – teilweise im Sekundentakt.  Bei manchen ist man direkt erleichtert, wenn man bedenkt, wie sie agieren „dürfen“. Oder war es jemals in einem Film eine gute Idee, mal kurz austreten zu gehen? Oder trotz Angebots einer Begleitung allein nach dem überfälligen Kameraden zu suchen? Der Tod der Figuren erscheint als Strafe für solche Verhaltensweisen fast schon gerecht. Überhaupt sind einige Ideen, die im Film auftauchen, mäßig kreativ. Man fragt sich selbstverständlich von Beginn an, wie es diesmal wohl angestellt wird, dass ein a) ein Funksignal das Raumschiff zu einem Planeten lockt (was in diesem Fall ein besonders unwahrscheinlicher Zufall ist, der jeder Wahrscheinlichkeit vollkommen widerspricht und auch nicht erschöpfend geklärt wird), b) ein Besatzungsmitglied von einem Alien „infiziert“ wird und c) ein Xenomorph in das Raumschiff kommt. Wirklich gut gelöst wird nichts davon – wobei, was heißt nicht gut? Es wird so gelöst, wie es immer war. Das muss nicht schlecht sein, ist aber mittlerweile für sich genommen auch zum Klischee geworden.

Vieles bleibt ungeklärt.

Was bleibt also? Natürlich die Story, von der man sich erhofft hat, dass diverse offene Fragen aus „Prometheus“ aufgegriffen und – hoffentlich – geklärt werden. Leider erwartet den Zuseher auch an dieser Stelle eine herbe Enttäuschung, zumindest ist es mir so ergangen. Ja, Ridley Scott versucht, einiges zu erörtern. Allerdings nicht in einem ausreichenden und damit befriedigenden Ausmaß. Abgesehen davon eröffnet der Film gleichzeitig eine Reihe neuer, ungelöster Fragen, sodass es letztlich nicht ansatzweise „klickt“. Fast hat man das Gefühl, der Regisseur hätte sich mit seinen metaphysischen Überlegungen, die in „Prometheus“ noch nicht ganz so prominent waren, übernommen. Mag sein, dass ein bereits geplanter Nachfolger das gerade rückt, aber das macht „Covenant“ leider nicht leichter konsumierbar. Denn wenn sich Androiden in philosophischen Mutmaßungen ergehen, erinnert das sehr ungut an den katastrophalen „Matrix Reloaded“, der 2003 an einem ähnlichen Spagat gescheitert ist. Letztlich ist „Covenant“ hin- und hergerissen zwischen Action und Philosophie, was ihn wesentlich schwerfälliger daherkommen lässt als seinen alles andere als perfekten Vorgänger.

Verhängnisvolle Entmystifizierung.

Ein Punkt, der die „Alien“-Reihe immer schon ausgezeichnet hat, soll nicht unerwähnt bleiben: Das namensgebende Wesen aus einer fremden Welt wird in „Covenant“ weiter entmystifiziert. Die Verantwortlichen mögen das nicht so sehen, weil „Prometheus“ und „Covenant“ keine Fortsetzungen oder Prequels sondern eher ein Neustart sein sollen – für den „Alien“-Fan spielt das jedoch keine Rolle. Bereits die „Prometheus“-Aliens waren nicht die Monster, die man aus dem Original kannte. In „Covenant“ wird das – diverser Erklärungen sei „Dank“ – noch deutlicher. Die Entscheidung, das in der ursprünglichen Reihe als perfekt an jeden Lebensraum angepassten, extrem widerstandsfähigen Jäger dargestellte Wesen zu einer Art Waffe zu machen, nimmt ihm paradoxerweise fast vollkommen den Schrecken. Es ist kein unbekannter, uns völlig fremder Organismus mehr sondern etwas, das man bauen kann. Und das ist der Punkt, an dem ich mir trotz der genannten Unzulänglichkeiten am schwersten mit „Alien: Covenant“ tue: Das Grauen bekommt ohne Not einen quasi-rationalen Grund. Das will mir einfach nicht gefallen, manchmal ist es besser, wenn man nicht alles sieht und alles weiß.

Im Endeffekt ist „Alien: Covenant“ der bisher wohl blutigste Teil der Geschichte um die Xenomorphen. So schnell wurde eine Besatzung selten dezimiert, so blutig noch nie. Das sollte wohl die Löcher in der Handlung stopfen helfen – und man hat ja schließlich auch den Ruf der Brutalität zu verlieren. Nur leider reicht das allein heute nicht mehr, schon gar nicht, wenn der Rest des Filmes ein völlig anderes Tempo anschlägt und die beiden Teile so gar nicht ineinander greifen wollen. Magere 3 Punkte für einen Film, der hoffentlich nicht das unrühmliche Ende für das „Alien“-Universum bedeutet.

Gesamteindruck: 3/7


Originaltitel: Alien: Covenant
Regie: Ridley Scott
Jahr: 2017
Land: USA
Laufzeit: 122 Minuten
Besetzung (Auswahl): Michael Fassbender, Katherine Waterston, Billy Crudup, Danny McBride, Guy Pearce



 

BuchWelt: Solaris

Stanisław Lem


Trotz einer zugegebenermaßen teils erschreckend schwach anmutenden Übersetzung ist „Solaris“, das wohl bekannteste Werk des polnischen Autors Stanisław Lem, heute ein Klassiker – aber nicht nur der Science Fiction, das wäre eindeutig zu kurz gegriffen, sondern vor allem auch der Philosophie und Psychologie. Nicht umsonst wurde das Buch mehrmals verfilmt und hat sogar den Sprung auf die Theaterbühne geschafft.

Gesamteindruck: 7/7


Die Grenzen der Erkenntnis.

Wer bereits andere Bücher von Stanisław Lem kennt, wird über das verkrampfte Deutsch des Buches sicherlich hinwegsehen können und sich am eigenwilligen Stil des Autors erfreuen. Die Schreibweise des polnischen Visionärs ist teilweise derart realistisch und quasi-wissenschaftlich angelegt, dass man ab und an versucht ist, sich zu versichern, ob das Wort „Roman“ überhaupt irgendwo auf dem Umschlag steht. Lem zitiert oft aus seinen (fiktiven) Quellen und skizziert dabei ein in sich stimmiges Bild der 100-jährigen Erforschung eines fremden Planeten und der verschiedenen „wissenschaftlichen Schulen“, die diese „Solarisforschung“ hervorgebracht hat. Diese Richtungen, die sich teils völlig widersprechen haben eigentlich nur eines gemeinsam: Den Mangel an wirklichen Erkenntnissen über den vermutlich intelligenten Ozean, der einen ganzen Planeten umschließt. Was es für die Forscher, letztlich für einen Menschen, bedeutet, vor etwas zu stehen, das einfach nicht begreif-, erforsch- und verstehbar ist, ist das große Thema dieses Romans.

Technische Aspekte der künftigen Gesellschaft oder gar „Techno-Babble“ findet man in „Solaris“ so gut wie gar nicht – wie es die Menschen schaffen, den Weltraum zu durchqueren bleibt beispielsweise völlig offen. Auch politische Fragen bleiben weitestgehend außen vor. Dafür werden während der Erforschung des Fremden tiefe Einblicke in die menschliche Psychologie und Philosophie geboten. Neueinsteiger dürften sich damit eventuell schwer tun, allerdings ist die Eingewöhnungsphase erstaunlich kurz. Leichte Science Fiction-Lektüre sieht dennoch anders aus, was potentielle Leser unbedingt bedenken sollten. Denn wer eine actionorientierte Handlung mit Kämpfen, Energiewaffen usw. erwartet, ist bei Lem an der falschen Adresse. Auch eine Dystopie, wie sie Lem selbst beispielsweise in „Der futurologische Kongress“ andeutet, vermag man in „Solaris“ nicht zu erkennen.

Wie es sich für ein Werk, das wissenschaftlichen Hintergrund vermitteln will, gehört, wimmelt es darin von Namen und Quellenangaben. Störend wirkt das zu keiner Zeit, im Gegenteil, diese Herangehensweise lässt den Leser noch tiefer in dieses Universum eintauchen. Dieser Stil ist den mir bekannten Werken von Lem gemein und zeichnet schon für sich genommen einen außergewöhnlichen Autor aus. Ähnliches habe ich bisher vor allem bei bei Frank Herbert („Ein Cyborg fällt aus“) gesehen, wenngleich sich Lem vergleichsweise angenehmer liest.

Bei aller Liebe zu Klassikern des Genres kann man dennoch einen Kritikpunkt anführen (von der sub-optimalen Übersetzung abgesehen): Das Ende wirkt, als ob dem Autor einfach das Papier ausgegangen wäre, das Buch schließt einfach im Nirgendwo. Ein offener Schluss an sich ist ja kein Problem, aber die Art und Weise wie das hier gemacht wurde, widerlegt den behutsamen und gründlichen Aufbau des Werkes. Zwar kein Grund für einen Punkteabzug, eine kleine Enttäuschung bleibt dadurch aber dennoch zurück.

Gesamteindruck: 7/7solaris


Autor: Stanisław Lem
Originaltitel: Solaris.
Erstveröffentlichung: 1961
Umfang: ca. 240 Seiten
Gelesene Sprache: Deutsch
Gelesene Version: Hardcover