FilmWelt: Allein an der Front

In unseren Breiten ist die portugiesische Beteiligung am 1. Weltkrieg relativ unbekannt – zumindest ging es mir so, bis ich vorliegenden Film zufällig auf Amazon Prime entdeckt habe. Wer mehr über die Rolle des Landes in jenem Krieg wissen möchte, sollte allerdings zu anderen Quellen greifen – „Allein an der Front“ ist nur sehr bedingt als Anschauungsmaterial geeignet. Und auch davon abgesehen hat der Film einige Mängel.

Gesamteindruck: 2/7


Held wider Willen.

Es ist ja durchaus lobenswert, dass die portugiesischen Regisseure Gonçalo Galvão Teles und Jorge Paixão da Costa einen wichtigen Teil der jüngeren Geschichte ihrer Nation für die Öffentlichkeit aufbereiten wollten. Und, immerhin, „Allein an der Front“ regt den historisch interessierten Zuschauer tatsächlich dazu an, sich mit dem Leben und Sterben portugiesischer Soldaten im 1. Weltkrieg zu beschäftigen. Davon abgesehen kommt der Film jedoch in keiner Hinsicht über das untere Mittelmaß hinaus.

Worum geht’s?
Im 1. Weltkrieg kämpfen an der Westfront auf Seiten der Entente auch 75.000 Mann aus dem bis 1916 neutralen Portugal. Einer von ihnen ist der Landwirt Aníbal Augusto Milhais. Der Familienvater ging als „Millionen-Soldat“ in die Geschichte ein, nachdem er den Rückzug seiner Kameraden während der deutschen Frühjahrsoffensive 1918 allein mit einem Maschinengewehr gedeckt hatte. „Allein an der Front“ erzählt seine Geschichte…

Die Geschichte um den „Millionen-Soldat“ ist definitiv Stoff, der sich für die filmische Umsetzung eignet: Ein Mann, der sich einer gewaltigen Übermacht entgegenstellt und dadurch vielen Kameraden das Leben rettet – allein das liest sich nach nahezu perfektem Ausgangsmaterial, zumal es sich ja angeblich wirklich so oder so ähnlich zugetragen haben soll; bedenkt man ferner, dass die portugiesischen Soldaten großteils wenig motiviert in eine Schlacht, die nicht die ihre war, geworfen wurden, könnte man damit ohne große Schwierigkeiten ein Statement wider den Krieg herausarbeiten.

Doch leider wird „Allein an der Front“ weder dem den historischen Ereignissen noch dem realen Mann, der portraitiert werden soll, gerecht. Woran das liegt, kann ich nur vermuten: Dass das Budget nicht gerade üppig gewesen sein dürfte, sieht man dem Film zwar an, das allein wäre aber kein Grund für eine schlechte Wertung. Eher kann ich mir vorstellen, dass die Regisseure zu viel an Respekt vor einem der großen Helden ihrer Nation hatten. Oder dass sie um jeden Preis vermeiden wollten, ihm ein allzu pathetisches Denkmal zu setzen – was bei seiner Geschichte tatsächlich verlockend gewesen wäre. Diese Falle konnten die Verantwortlichen zwar vermeiden, einen spannenden und durchgängig sehenswerten Film haben sie deshalb aber nicht gedreht.

Perspektivenwechsel als Atmosphärekiller.

Der größte Fehler von „Allein an der Front“ ist meines Erachtens der ständige Wechsel der Perspektive: Wir erleben abwechselnd den jungen Milhais an der Front, dann wieder sein älteres Ego als Privatmann, der Jahre nach dem Krieg versucht, sich vor einer Ehrung zu drücken und dabei mit seiner Tochter über seine Fronterlebnisse spricht. Im Endeffekt sind beide Szenerien halbgar: Den alten Milhais will man dem Publikum als vom Krieg gezeichnet verkaufen; seine seelischen Verletzungen und die Beteuerungen, kein Held zu sein, wirken jedoch bestenfalls oberflächlich. Es ist kaum möglich, sein Verhalten und seine Dialoge mit der Sinnlosigkeit und Brutalität des Krieges und den Schwierigkeiten einer Rückkehr ins Privatleben zusammenzubringen. Daraus folgt, dass sich fast jede dieser Szenen in die Länge zieht. Zumindest haben sie schöne Landschaftsaufnahmen zu bieten, das ist aus meiner Sicht aber alles, was daran sehenswert ist.

Durch die fehlende Tiefgründigkeit abseits der Front sehnt man sich als Zuschauer – so ungern man es zugibt – nach den Szenen in den Schützengräben Flanderns. Die bekommt man, aber auch ihnen fehlt es am gewissen Etwas (man möge mir diese Plattitüde verzeihen): Die Soldaten sind zwar gerade noch ausreichend charakterisiert und das Leben und Sterben im Schützengraben scheint einigermaßen realistisch dargestellt. Allerdings kommen mir die Kämpfe (vor allem die Kamerafahrten entlang des portugiesischen Grabens) wie eine Kopie aus dem Klassiker „Im Westen nichts Neues“ (1930) vor.

Hier ist dann auch das mutmaßlich karge Budget deutlich sichtbar: Der Großteil der Szenen spielt sich direkt in der vergleichsweise günstigen Kulisse des Grabens ab, die Angriffe wirken hingegen wie die immer selbe Sequenz aus leicht abgeänderter Perspektive. Dennoch ist dieser Teil des Films deutlich besser gelungen, was den Schauspielern zu verdanken ist, die die Angst der Soldaten, aber auch die Machtlosigkeit gegenüber ihren Vorgesetzten und den allgemeinen Umständen recht glaubwürdig wiedergeben. Das ändert freilich nichts daran, dass der ständige Wechsel der Perspektive jeden Anflug von Atmosphäre direkt im Keim erstickt.

Szenen greifen nicht ineinander.

Der größte Schwachpunkt von „Allein an der Front“ ist die Handlung selbst. Denn seinem Titel wird das Werk genau genommen kaum gerecht – weder dem deutschsprachigen noch dem Original („Der Millionen-Soldat“). Der Film ist im Wesentlichen eine Aneinanderreihung einzelner Szenen, die mehr schlecht als recht ineinander greifen und sich nicht zu einer kongruenten Geschichte verbinden wollen. Es mangelt ferner an Hintergrundinformationen – dass Milhais die Front entgegen dem Befehl allein verteidigt und was das bedeutet, streift der Film letzten Endes nur am Rande. Würde es nicht in der Inhaltsangabe stehen, hätte ich – so ehrlich muss ich sein – nicht gewusst, worum es überhaupt geht. Das liegt mitunter auch daran, dass die Regisseure sich bemüht haben, das Trauma und Chaos des Stellungskrieges bildlich sichtbar zu machen. Dieser gut gemeinte Versuch scheitert aus meiner Sicht kläglich und trägt nur noch mehr zur Verwirrung des Zuschauers bei.

So bleibt „Allein an der Front“ unterm Strich kein Film, den man unbedingt gesehen haben muss. Schade, denn eigentlich hätten die Rolle Portugals im 1. Weltkrieg und die Geschichte um den Millionen-Soldat eine andere, bessere Umsetzung verdient gehabt. Und ja, ich erkenne durchaus an, dass in der portugiesischen Filmindustrie nicht viel Geld vorhanden sein dürfte – dennoch kann das nicht über die genannten Schwächen hinweg trösten.

Gesamteindruck: 2/7


Originaltitel: Soldado Milhões.
Regie:
Gonçalo Galvão Teles, Jorge Paixão da Costa
Drehbuch: Jorge Paixão da Costa, Mário Botequilha
Jahr: 2018
Land: Portugal
Laufzeit: ca. 85 Minuten
Besetzung (Auswahl): João Arrais, Miguel Borges, Raimundo Cosme, Lúcia Moniz, Ivo Canelas



FilmWelt: Danger Close – Die Schlacht von Long Tan

Unlängst habe ich in meiner Rezension zu „Kokoda – Das 39. Bataillion“ (2006) festgestellt, dass die australische Beteiligung am 2. Weltkrieg selten in Filmen thematisiert wird. Dass Soldaten aus Australien und Neuseeland auch am Vietnamkrieg beteiligt waren, war mir hingegen völlig neu – bis ich vorliegenden Film aus dem Jahr 2019 gesehen habe.

Gesamteindruck: 2/7


Kampf unter Gummibäumen.

Der halbwegs reflektierte Kriegsfilm-Zuschauer ist natürlich vorsichtig: Traditionell wird dieses Genre immer wieder genutzt, um patriotische, nicht selten sogar nationalistische Ideologien zu verbreiten. Und das bis heute – man denke nur an Filme wie „Pearl Harbor“ (2001), um ein relativ junges Beispiel zu nennen. Ganz so schlimm wie jenes von Michael Bay verbrochene Werk ist „Danger Close“ freilich nicht, mit einem guten Film haben wir es aber auch nicht unbedingt zu tun; eine Botschaft wider den Krieg sucht man im Endeffekt auch hier vergeblich. Genau genommen wirkt der australische Streifen eher wie ein Action-Film, der maximal ein paar Bilder bietet, die den Einzelnen abschrecken mögen. Ob das allein reicht, um dem Krieg den Videospiel-Charakter zu nehmen, sei dahingestellt.

Worum geht’s?
1966 werden australische und neuseeländische Truppen in ihrem Hauptquartier in Vietnam angegriffen. Nachdem festgestellt wurde, dass der Mörserbeschuss von einer nahegelegenen Gummibaum-Plantage kommt, wird eine Kompanie unter dem Kommando des hartgesottenen Major Harry Smith zur Aufklärung losgeschickt. Bald sehen sich seine jungen und unerfahrenen Soldaten einem zahlenmäßig weit überlegenen Gegner gegenüber, der sie zu überrennen droht…

Der Vietnamkrieg ist aus westlicher Sicht meist eine vorwiegend amerikanisch-vietnamesische Angelegenheit. Doch auch Australien und, in geringerem Umfang, Neuseeland, hatten in den 1960er Jahren mehrere tausend Mann im Konfliktgebiet stationiert. Davon kehrten übrigens mehr als 500 nicht mehr in ihre Heimat zurück. Diese Tatsachen waren mir bisher nicht bewusst – und auch über die Gründe der australischen Politik, sich an diesem Krieg zu beteiligen, schwebt bei mir ein großes Fragezeichen. „Danger Close – Die Schlacht von Long Tan“ thematisiert die ersten größeren Kämpfe, in die australische Einheiten in Vietnam involviert waren. Als Geschichtsstunde eignet sich der Film jedoch nicht, wer mehr über dieses Thema wissen möchte, muss sich anderweitig informieren.

Action statt Tiefe.

„Danger Close“ ist ein Action-orientierter Kriegsfilm, der keinerlei Wert auf Hintergrundinformationen oder eine differenzierte Charakterzeichnung legt – ich denke, so kann man das Geschehen zusammenfassen. Das muss nicht automatisch negativ sein – in vorliegendem Fall trägt es aber durchaus zur mauen Gesamtwertung bei. Das Problem ist, dass der Film letzten Endes zwei Stunden lang zeigt, wie eine anonyme Masse asiatischer Soldaten gegen die Stellungen weniger Australier anrennt. Dazwischen gibt es kurze Feuerpausen, bevor das Gemetzel von vorne beginnt. Immer wieder wird dazwischen die Artillerie zur Unterstützung angefordert, mal stirbt der eine, dann wieder der andere Kamerad – all das scheint sich über die gesamte Laufzeit endlos und in immer ähnlichen Einstellungen zu wiederholen. Ermüdend – das ist das Prädikat, das mir dazu einfällt, auch wenn es ein wenig der Non-Stop-Action auf dem Bildschirm zu widersprechen scheint.

Dass man dabei als Zuseher trotz zahlreicher Tode relativ wenig empfindet, liegt an den auffällig schwachen Charakteren. In der kämpfenden Truppe gibt es nur zwei, die man sich merken kann: Den von Travis Fimmel dargestellten Major Smith und dann noch Private Large, der von Daniel Webber gespielt wird. Der Rest des Trupps ist kaum weniger anonym als die Heerscharen an Gegnern, derer sie sich tapfer erwehren. Was die genannten Helden betrifft, gibt es übrigens zwei gravierende Probleme: Travis Fimmel spielt den toughen Major mit einem gehörigen Schuss Ragnar Lodbrok – es ist, als hätte der australische Mime sein komplettes Repertoire in der Erfolgsserie „Vikings“ (2013-2020) verbraten. Er scheint es nicht zu schaffen, sich von jener übermächtigen Rolle zu lösen, was vor allem in der Mimik viel zu oft durchblitzt. Im Übrigen sei erwähnt, dass Major Smith alles andere als ein Sympathieträger ist. Und, auch nicht zu unterschätzen: Mit Kurzhaarfrisur und in militärischer Uniform sieht Fimmel nicht nur unglaublich unscheinbar aus, sondern scheint auch nicht recht gewusst zu haben, wie er seinen Charakter mit Leben füllen soll. Für mich ist das damit einer der wenigen Fälle, in denen der Darsteller tatsächlich eine Mitschuld an einem misslungenem Hauptcharakter trägt.

Was die zweite vermeintliche Identifikationsfigur betrifft, macht Private Large ein ganz anderes Problem offenbar: Dieser Charakter wird von Anfang an rebellisch gezeichnet – und zwar auf eine Art, die keinen Zweifel daran aufkommen lässt, dass er mit seinem Major zunächst zusammenkrachen und sich dann als dessen wichtigster Mann herausstellen wird. Irgendwann im Film versöhnen sich diese beiden Figuren also – und dass das für mindestens einen der beiden das Todesurteil ist, ist klar, sobald die vorher so gegensätzlichen Typen beginnen, über ihre Familien zu sprechen. Überraschungen? Fehlanzeige!

Schade drum.

Mir ist übrigens klar, dass „Danger Close“ auf realen Personen und Ereignissen basiert. Alles, was ich oben geschrieben habe, soll also bitte nicht als mangelnder Respekt aufgefasst werden – es mag sein, dass es sich zwischen Major und Private tatsächlich genau so abgespielt hat. „Danger Close“ ist allerdings ein Film und keine Dokumentation und von einem solchen erwartet man dann schon ein Mindestmaß an Identifikationsmöglichkeiten. Oder zumindest die Chance, ihre Tragödie „mitzuerleben“. Beides leistet „Danger Close“ für mein Dafürhalten nicht.

Unterm Strich bleibt damit ein Film stehen, der vermutlich bald in Vergessenheit geraten wird. Und das völlig zu Recht – abgesehen von seinen wirklich wunderbaren Bildern, deren Komposition sich allerdings mehr als deutlich beim Klassiker „Apocalypse Now“ (1979) bedient, gibt es hier nichts, das eine Sichtung wert wäre. Eventuell könnte man noch ins Feld führen, dass man dadurch auf ein Kapitel australischer Geschichte stößt, von dem man bisher noch nichts wusste – ob das reicht, um sich diese zwei Stunden zu geben, muss jeder für sich entscheiden. Ich persönlich bezweifle es, einfach, weil es „Danger Close“ gerade in dieser Hinsicht an Tiefe fehlt. Schade eigentlich, gerade diese wenig bekannte Episode dieses schrecklichen Konflikts hätte sich eigentlich eine sinnvollere Behandlung verdient gehabt.

Gesamteindruck: 2/7


Originaltitel: Danger Close: The Battle of Long Tan.
Regie:
Kriv Stenders
Drehbuch: Stuart Beattie, Jack Brislee, James Nicholas, Karel Segers, Paul Sullivan
Jahr: 2019
Land: AUS
Laufzeit: ca. 120 Minuten
Besetzung (Auswahl): Travis Fimmel, Luke Bracey, Richard Roxburgh, Daniel Webber, Anthony Hayes



FilmWelt: Kokoda – Das 39. Bataillon

„Kokoda – Das 39. Bataillon“ ist ein australischer Kriegsfilm, der einen Teil des als Kokoda-Track-Kampagne in die Geschichte eingegangenen Konflikts im 2. Weltkrieg thematisiert. Regisseur Alister Grierson versucht, die Schrecken dieser Auseinandersetzung am Beispiel einer kleinen, versprengten Einheit zu zeigen. Ganz will ihm das trotz beeindruckender Bilder leider nicht gelingen.

Gesamteindruck: 4/7


Im Dschungel (aber nicht in Vietnam).

In Hinblick auf den 2. Weltkrieg sind in Europa Filme, die den Kampf des nationalsozialistischen Deutschlands und seiner Verbündeten gegen die Alliierten zeigen, vorherrschend. Dabei wurde der bisher verheerendste Konflikt der Menschheitsgeschichte auch auf der anderen Seite der Welt mit großer Härte und Brutalität ausgefochten. Dass sich dort das Kaiserreich Japan und die USA unversöhnlich gegenüber standen, ist zwar ebenfalls ein gern genommenes Motiv für Filme unterschiedlicher Güte. Weit weniger im Fokus stehen hierzulande hingegen zahlreiche kleinere Konflikte jener Region, in denen Soldaten und Zivilbevölkerung freilich um nichts weniger zu erleiden hatten.

Worum geht’s?
1942 hat der 2. Weltkrieg weite Teile der Welt erfasst. Auch Papua wird nicht von den Kampfhandlungen verschont: Hier liefern sich Australien und das japanische Kaiserreich einen blutigen Konflikt. Die anfangs zahlenmäßig unterlegenen Australier kämpfen mit dem Mut der Verzweiflung – können sie die Japaner hier nicht aufhalten, droht eine Invasion ihres Heimatlandes. In den Wirren der Schlacht gerät eine kleine australische Einheit hinter die feindlichen Linien…

Vorliegender Film erzählt letzten Endes eine bekannte Geschichte, die in zahllosen Filmen verarbeitet wurde: Die Mär von der verlorengegangenen Einheit, die unter zahllosen Entbehrungen und Opfern versucht, die eigenen Linien zu erreichen. Das ist natürlich legitim – auch und vor allem weil sich die Handlung derartiger Filme meist an realen Begebenheiten orientiert. Und doch: Der Ablauf ist immer recht ähnlich, sodass man heute schon ganz besondere Qualität bieten muss, um den geneigten Fan und Kenner hinter dem Ofen hervorzulocken.

Beklemmende Atmosphäre.

Zunächst die gute Nachricht: „Kokoda“ ist technisch durchaus fein gemacht. Die Optik ist sogar überdurchschnittlich gut – trotz eines im Vergleich zu US-Produktionen kaum nennenswerten Budgets. Regisseur und Drehbuchautor Alister Grierson (als Schreiber war außerdem John Lonie an Bord) machten, so meine Einschätzung, aus der Not eine Tugend: Viele Action-Szenen, die ja immer mit enormen Kosten verbunden sind, bekommt man in „Kokoda“ nicht zu Gesicht. Klar, der eine oder andere wilde Schusswechsel ist dabei, hin und wieder explodieren die Granaten und auch die Ausstattung als solche dürfte nicht ganz billig gewesen sein. Insgesamt setzen die Filmemacher jedoch vor allem auf die bedrückende und fast schon klaustrophobisch anmutende Stimmung des Dschungelkampfes. Das gelingt ihnen so gut, dass „Kokoda“ in seinen besten Momenten an filmische Highlights erinnert, die das US-Trauma des Vietnamkrieges zum Thema haben – und nicht an einen Film, der im 2. Weltkrieg spielt.

Überhaupt ist die Atmosphäre das größte Plus dieses Werkes: Der unglaublich dichte Dschungel, Schlamm, Wetterkapriolen, Krankheiten, die hiesige Tierwelt und der desolate Zustand der schlecht vorbereiteten Soldaten – all das stellt der Regisseur so dar, dass man sich auch auf dem bequemen Sofa unwohl und dreckig zu fühlen beginnt. Dieses Gefühl wird noch durch die Darstellung des Gegners verstärkt: Ähnlich wie in den großen Vietnam-Kriegsfilmen taucht der Feind immer nur kurz und kaum erkennbar auf. Die Kameraeinstellungen sind so gewählt, dass man praktisch nie das Gesicht eines Japaners erkennen kann – was die diffuse Gefahr, die für die australischen Soldaten geradezu nervenzerreißend gewesen sein muss, auch für den Zuschauer zumindest im Ansatz erlebbar macht.

Wenige Identifikationsmöglichkeiten.

Dass „Kokoda“ trotz dieser guten Grundvoraussetzungen nicht so richtig punkten kann, liegt – man kann es sich vielleicht denken – an Drehbuch und Charakteren. Zu ersterem reicht es fast zu sagen, dass ich das, was in den 1940er Jahren tatsächlich auf Papua passiert ist, keineswegs relativieren oder irgendwie schmälern möchte. Dennoch hätte ich mir etwas mehr Spannung gewünscht – und ein paar Längen weniger. Die entstehen zwischendurch immer mal wieder, wenn es Ruhepausen gibt. Nicht falsch verstehen: Durchgehende Action will niemand in einem solchen Film haben. Nur müssen ruhigere Momente sinnvoll gefüllt werden und das ist in „Kokoda“ eher selten der Fall. Denn dafür bräuchte der Film starke Charaktere, die entsprechend gute Dialoge abliefern. Beides ist kaum vorhanden – letzten Endes gibt es eigentlich keine einzige Figur, die Sympathiewerte oder wenigstens ein Mindestmaß an Charisma besitzt.

Damit meine ich übrigens nicht, dass die Schauspieler, von denen man kaum einen aus größeren Produktionen kennt, schlecht wären. Im Gegenteil, die Mimen machen einen ordentlichen Job in der Darstellung der Leiden des einfachen Soldaten. Nur ist das im Endeffekt auch schon alles, was sie zu tun haben, denn einen echten, tiefgründigen Charakter hat der Regisseur keiner Rolle zugedacht. Wohl auch deshalb ist in „Kokoda“ ein Problem zu beobachten, das man auch aus anderen Kriegsfilmen kennt: Die Uniformen und der allgegenwärtige Dreck machen die jungen Männer kaum unterscheidbar – wenn es dann auch noch an markanten Charakterzügen mangelt, hat man als Zuseher echte Identifikationsprobleme.

So gesehen bin ich mir nicht ganz sicher, wieso „Kokoda“ teilweise geradezu überschwänglich rezensiert wird. Ich persönlich empfinde den Film zwar als optisch herausragend, atmosphärisch streckenweise sehr dicht und schauspielerisch passabel; auch als historisch akkurat kann er gelten, denke ich. Aber insgesamt reicht das aus meiner Sicht dennoch nur für ein sehr solides Werk, das es nicht schafft, diese ausgezeichnete Grundlage mit interessanten Charakteren zu füllen. Daher: 4 von 7 Punkten von mir. Möglich wären deutlich mehr gewesen, aber dafür hätte mich wenigstens eine einzige Figur wirklich berühren müssen.

Gesamteindruck: 4/7


Originaltitel: Kokoda.
Regie:
Alister Grierson
Drehbuch: Alister Grierson, John Lonie
Jahr: 2006
Land: AUS
Laufzeit: ca. 120 Minuten
Besetzung (Auswahl): Jack Finsterer, Travis McMahon, Simon Stone, Luke Ford, Tom Budge, Angus Sampson



FilmWelt: Der Babadook

Der „Schwarze Mann“ hat ja verschiedenste Gestalten und Gesichter und wurde auf ebenso vielfältige Weise in dutzenden, wahrscheinlich sogar hunderten Filmen verarbeitet. Als ich gelesen habe, worum es in „Der Babadook“ geht bzw. den Trailer gesehen habe, dachte ich zunächst an einen typischen Horrorfilm, der sich auf mehr oder weniger kreative Art diesem Schreckgespenst widmet. Stimmt auch, irgendwie – und doch ist der australischen Regisseurin Jennifer Kent, die auch für das Drehbuch verantwortlich zeichnet, eine ziemlich eigenständige Variation des Themas gelungen.

Gesamteindruck: 6/7


Die Angst vorm Schwarzen Mann.

Mein Interesse war jedenfalls geweckt – einerseits, weil der Film eben nicht aus Hollywood kommt, sondern aus Australien, also einem Land, das hierzulande nicht unbedingt für klassischen Horror bekannt ist. Andererseits wird in „Der Babadook“ nicht eine Bande kreischender Teenies über die Leinwand gejagt, wie es beispielsweise im von mir unlängst kommentierten „Slender Man“-Debakel der Fall ist. Im Gegenteil, vorliegender Film portraitiert eine Mutter-Kind-Beziehung, in der das titelgebende Monster zum Nebendarsteller wird. Weniger unheimlich ist der Streifen deshalb aber mitnichten.

Worum geht’s?
Amelia Vanek ist verzweifelt: Die alleinerziehende Mutter ist mit ihrem hyperaktiven Sohn Samuel, der zu allem Überfluss unter ständigen Alpträumen und Angstzuständen leidet, überfordert. Entsprechend schwierig gestaltet sich das Zusammenleben der kleinen Familie. Eines Abends liest sie ihrem Sprössling aus einem Buch vor, das sie noch nie in ihrer Wohnung gesehen hat und in dem es um eine schaurige Gestalt namens Mister Babadook geht. Bald müssen Mutter und Sohn feststellen, dass der Schwarze Mann keine Erfindung ist…

Wie eingangs erwähnt: Hübsche Teenager werden in „Der Babadook“ nicht über den Bildschirm gehetzt. Das ändert allerdings wenig am Kreisch-Faktor, denn es geht vor allem anfangs darum, die Probleme, die die Mutter (grandios gespielt von Essie Davis) mit ihrem physisch und psychisch nicht sehr pflegeleichten Sohn (Noah Wiseman) hat, glaubhaft darzustellen. Heißt: Der Film tut alles dafür, die Nerven des Publikums ähnlich zu strapazieren, wie es die Figuren im Film erleben müssen. Als kinderloser Zuseher musste ich das erstmal verdauen; tatsächlich dachte ich zu Beginn noch an eine typisch-nervige Kinderrolle, die leider immer wieder ohne Sinn und Verstand in Filme eingebaut wird. Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase musste ich allerdings zugeben, dass die Regisseurin es ausgezeichnet verstanden hat, eine problembehaftete Beziehung darzustellen: Man ist als Zuschauer hin- und hergerissen zwischen Gereiztheit, Wut und Mitleid mit dem launischen Sohnemann – und fühlt zwischendurch immer wieder sehr deutlich, wie sehr die Mutter ihren Jungen trotz allem liebt. Die ganze Bandbreite ist da und wird von Jennifer Kents Drehbuch und ihren beiden Hauptdarstellern bemerkenswert gut auf die Leinwand gebracht.

Hebt sich vom üblichen Horror ab.

Aber auch davon abgesehen ist „Der Babadook“ recht unkonventionell. Der Aufbau ist auffallend langsam und bedächtig. Dadurch, dass es nur zwei Hauptpersonen gibt, entfällt das altbekannte Schema, eine Figur nach der anderen zu eliminierten – zum Glück, denn zu diesem Thema ist ohnehin längst alles gesagt. Vorliegender Film ermöglicht hingegen eine tatsächliche Identifikation mit den Charakteren, man hat das Gefühl, sie und ihre Lebensumstände sehr gut kennenzulernen. Da spielt natürlich hinein, was ich weiter oben bereits zu den Figuren ausgeführt habe, das eher gemächliche Tempo tut sein übriges dazu. Genau habe ich es nicht gestoppt – aber gefühlsmäßig beginnt der Film eigentlich erst zur Halbzeit, tatsächlich unheimlich (im Sinne von „übersinnlich“) zu werden. Alles, was davor kommt, dient dem Aufbau von Charakteren und Atmosphäre.

Eine Sache, die ich auch nicht unerwähnt lassen möchte: Im Gegensatz zu den meisten anderen Horrorfilmen bekommt die Titelfigur hier keinen so großen Raum, wie man meinen möchte. Klar, wenn der Babadook sein Unwesen treibt, geht das nicht ganz ohne Jump-Scares ab. Dennoch ist der Schrecken, den dieser Film vermittelt, eher subkutan. Am Ende stellt man sich die Frage, ob der Babadook überhaupt ein Monster wie der Slender Man oder von mir aus auch Freddy Krueger ist. Plausibler scheint mir, dass die im Film kaum einmal zur Gänze sichtbare Figur ein Sinnbild für den sich rapide verschlechternden Geisteszustand der Protagonisten (vor allem natürlich der Mutter) ist. Das mag auch der Grund sein, wieso im Film nicht einmal ansatzweise erklärt wird, was der Babadook eigentlich ist; ähnlich gelagerte Streifen berufen sich dafür meist auf Legenden, erfinden diese oft auch selbst. Wo der Babadook herkommt, ist hingegen völlig unklar, was den Eindruck, er ist ein düsteres Symbolbild, verstärkt.

Nur kleine Abzüge.

Wirklich auszusetzen habe ich wenig. Nicht verhehlen möchte ich aber, dass ich mit dem Finale nicht ganz einverstanden bin – die allerletzte Szene führt meine Interpretation des Gesehenen ein wenig ad absurdum, suggeriert sie doch, es gäbe den Babadook tatsächlich in unserer realen Welt. Diesen Twist hätte ich nicht gebraucht, weil er dem Film am Ende ein wenig von seiner Botschaft zu rauben scheint. Zumindest habe ich diese Erzählung als eine Art Warnung interpretiert, was passieren kann, wenn allein erziehende Mütter von der Gesellschaft vollkommen im Stich gelassen werden. Ist das nicht der Fall und „Der Babadook“ war schlicht und einfach als Horrorfilm gedacht, kann man – so denke ich – über die etwas merkwürdige Auflösung eher hinweg sehen.

So oder so handelt es sich meiner Ansicht nach um einen guten Film, der spannend ist und sich erfrischend vom Horror-Einheitsbrei abhebt. Surreal ist „Der Babadook“, gleichzeitig ein einfühlsames und emotionales Portrait mit sehr interessanten Effekten und – das sei auch noch erwähnt – einer Technik und Kameraführung, die ihn deutlich von Hollywood-Produktionen unterscheidet. Mir hat’s jedenfalls gefallen.

Gesamteindruck: 6/7


Originaltitel: The Babadook.
Regie:
Jennifer Kent
Drehbuch: Jennifer Kent
Jahr: 2014
Land: Australien
Laufzeit: ca. 95 Minuten
Besetzung (Auswahl): Essie Davis, Noah Wiseman, Hayley McElhinney, Barbara West, Daniel Hanshalt



FilmWelt: Iron Sky

Der Mond wendet der Erde ja immer die selbe Seite zu, wie es auf seiner Rückseite aussieht, war lange Zeit unbekannt. Naheliegend, dasseine Gruppe von Nazis vor der sich abzeichnenden Niederlage im 2. Weltkrieg genau dort einen geheimen Stützpunkt errichtet haben. Die Überwindung der Entfernung fand mittels Reichsflugscheiben statt, die auch für die spätere Rückkehr und zur Eroberung der Erde eingesetzt werden sollten. So zumindest die Geschichte, die dem Publikum im finnischen (!) Überraschungserfolg „Iron Sky“ präsentiert wird. An dieser Beschreibung merkt man bereits, welch eigentümlichen Film Regisseur Timo Vuorensola hier geschaffen hat.

Gesamteindruck: 5/7


Sehr speziell.

„Iron Sky“ widersetzt sich der Einordnung in ein konkretes Genre. Science Fiction? Komödie? B-Movie? Persiflage? Der Film ist wohl ein bisschen von allem, am ehesten ist er vermutlich als Satire zu klassifizieren. Sucht man nach einem ähnlichen Format, wird man am ehesten bei Tim Burtons „Mars Attacks!“ (1996) fündig, der ungefähr in die gleiche Richtung geht. Allerdings fällt bei „Iron Sky“ der humoristische Anteil deutlich geringer aus. Wobei die im Film durchaus vorhandene Gesellschaftskritik wiederum so absurd verpackt ist, dass man ihn auch nicht richtig ernst nehmen kann. Ein merkwürdiges Zwischending also, kaum zu beschreiben.

Vom Feinsten – und das wiederum unbestritten – sind Optik und Akustik. „Iron Sky“ sieht, vor allem für ein Werk, das nicht aus Hollywood kommt, fast schon unverschämt gut aus. Das betrifft nicht nur die tollen Effekte und grandios dargestellten Raumschiffe (inklusive exzellent gestalteter Weltraum-Schlacht), sondern auch den generellen Anstrich. So wurden beispielsweise die Szenen, die auf der Mondbasis der Nazis spielen, mit geringere Farbsättigung versehen. Das erzeugt einen Eindruck, den man von alten Aufnahmen aus jener Zeit kennt – ein kleines Detail mit großer atmosphärischer Wirkung. Aber auch die Filmmusik muss sich vor den optischen Effekten nicht verstecken: Für den Soundtrack wurde die slowenische Gruppe Laibach verpflichtet, was wie die Faust aufs Auge passt. Allein die Mond-Hymne „Kameraden, wir kehren heim!“ als leicht abgeänderte Form von „Die Wacht am Rhein“ ist Gold wert.

Die Schauspieler konnten mich hingegen nicht ganz überzeugen. Großartig macht seine Sache Götz Otto, der als schneidiger Soldat Klaus Adler brilliert. So und nicht anders stellt man sich einen Wehrmachtsoffizier, egal ob auf dem Mond oder auf der Erde, vor. Zumindest, wenn er das „Wochenschau“-Klischee erfüllen soll. Und auch Julia Dietze funktioniert als naiv-brave Lehrerin Renate Richter. Tatsächlich war es eine gute Idee, für diese Rollen deutsche Schauspieler zu verpflichten – das hat einen ähnlichen Effekt wie in Tarantinos „Inglourious Basterds“ (2009). Der Rest der Riege ist hingegen bemüht, hat aber mit teilweise arg übertriebenen Dialogen zu kämpfen. Vor allem Christopher Kirby als dunkelhäutiger Astronaut/Model James Washington und Peta Sergeant als US-Wahlkampfleiterin Vivian Wagner leiden meiner Ansicht nach an einer viel zu schrillen Darstellung.

Inhaltlich lebt die Story natürlich von ihrer Absurdität. Viel gibt es dazu eigentlich nicht zu sagen – die Handlung mag zwar reichlich grotesk sein, gleichzeitig ist sie aber auch ziemlich dünn. Interessanter ist das, was mitschwingt. Man könnte „Iron Sky“ natürlich als gesellschaftliche Kritik lesen – dass Nazis böse sind, wird zwar nicht extra hervorgehoben, aber allein durch ihre vollkommen überzeichnete Großmannssucht merkt der Zuseher schnell, was die Stunde geschlagen hat. Weitere Erklärungen braucht es in Bezug auf die Mondflüchtlinge eigentlich nicht, es reicht, zu sehen, wie sehr sie sich selbst überschätzen, wie sie Propaganda verbreiten und wie sie letztlich an ihrem eigenen Größenwahn scheitern. Die Darstellung der technisch und philosophisch im Wesentlichen auf dem Stand von 1945 stehengebliebenen Mondnazis („Das ist doch kein Computer“) ist ohnehin ein rein historischer Bezug und schwankt irgendwo zwischen akkurat und überzeichnet.

Für den Zuseher wichtiger ist die Frage nach der Einarbeitung aktueller politischer Entwicklungen. Hier ist es so, dass zwei Faktoren, die derzeit wieder groß in Mode kommen, aufgegriffen werden. Einerseits der amerikanische Anspruch, die wichtigste und größte Nation zu sein und die Welt anzuführen, andererseits die Sehnsucht nach autoritären Symbolen und Herrschern, die im Moment in der westlichen Welt leider ein Comeback feiert. Beides wird im Film aufgegriffen, allerdings muss man jeden, der eine kritische Auseinandersetzung mit diesen Themen erwartet, enttäuschen: Es bleibt bei der Darstellung, Kritik gibt es kaum. Fast scheint es, als hätte der Regisseur das so gewollt, als hätte es ihm gereicht, das Bild, das er mit „Iron Sky“ zeichnet, für sich selbst stehen zu lassen. Vielleicht hat er auch deshalb seinen Film relativ sparsam mit Humor versehen? Bleibt zu hoffen, dass diese von mir vermutete Botschaft auch ankommt, wenn sie so unverpackt und unkommentiert abgegeben wird.

Letztlich ist „Iron Sky“ ein merkwürdiger Film, den man so gerne noch viel lieber mögen würde, als man es tut. Die Idee ist gut, die Intention ist gut, die Ausstattung ist gut – wenn die Umsetzung ein bisschen weniger spröde, ein bisschen lebendiger und greifbarer gelungen wäre, hätten wir es hier mit einem Meisterwerk zu tun. So müssen 5 Punkte für einen durchaus sehenswerten Streifen, der leider unter seinen Möglichkeiten bleibt, reichen.

PS: Ich habe den Director’s Cut gesehen. Wirkliche Längen hatte diese Version nicht; ein Vergleich mit der originalen Kinofassung, die um rund 20 Minuten kürzer ist, fehlt mir.

Gesamteindruck: 5/7


Originaltitel: Iron Sky
Regie: Timo Vuorensola
Jahr: 2012
Land: FIN/GER/AUS
Laufzeit: 113 Minuten (Director’s Cut)
Besetzung (Auswahl): Julia Dietze, Götz Otto, Christopher Kirby, Udo Kier, Tilo Prückner, Peta Sergeant



 

FilmWelt: House of Wax (2005)

„House of Wax“, nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen 1953er-Klassiker (mit Vincent Price), zeigt Hotel-Erbin, It-Girl und was-weiß-ich-noch-alles Paris Hilton erstmals in einer größeren Rolle – die ihr auch prompt die „Goldene Himbeere“ als schlechteste Nebendarstellerin einbrachte. Allerdings: Hilton ist nicht das Hauptproblem des Streifens, bei dem es an allen anderen Ecken und Enden hapert.

Gesamteindruck: 2/7


Überflüssig.

Von der üblichen Story um ein paar Teenies, die irgendwohin (in diesem Fall zu einem Footballspiel) fahren, dabei auf ein paar böse Buben treffen (hier: getrennte siamesiche Zwillinge, die eine von aller Welt abgeschnittene Kleinstadt in ein Wachsfigurenkabinett verwandeln wollen) und von diesen einer nach dem anderen (möglichst bestialisch) umgebracht werden, braucht man nicht weiter zu sprechen. Es handelt sich um biederste Teenie-Horror-Standardkost – tausend mal wurde diese Geschichte bereits durchgekaut. Spannung kommt also kaum auf – zu langatmig ist die Einführung, zu vorhersehbar die Reihenfolge der Morde, zu unspektakulär die Motive der Mörder („schlimme Kindheit“, irgendwer?).

Was bleibt also? a) die Special Effects und b) die schauspielerische Leistung. Während a), wie in fast allen Filmen dieses Genres, gelungen ist (die üblichen versifften Kulissen und gute Ekel-Effekte), trennt sich bei b) die Spreu vom Weizen. Und hier haben wir es durchgehend mit „Spreu“ zu tun. Denn: Wenn man keinen Unterschied zwischen der Schauspielkunst einer „Ikone“ (Vorsicht, Ironie!) wie Paris Hilton und der restlichen Riege bemerkt, muss etwas falsch gelaufen sein.

Man kann nicht sagen, dass Hilton schlecht spielt, sie macht wohl das, was sie kann. Aber dass die übrige Riege, aus der den meisten wohl vor allem die „Gilmore Girls“-Stars Jared Padalecki und Chad Michael Murray ein Begriff sein werden, ebenso farblos bleiben, ist schon ein Armutszeugnis. Es mag auch die Schuld des Drehbuchs mit seinen dümmlichen Dialogen, uninteressanten Charakteren und der schablonenhaften Erzählweise sein – das entschuldigt aber nicht die uninspirierte Leistung der Darsteller. Letztlich retten nur die brauchbaren Effekte und Kulissenden Film vor einer noch niedrigeren Wertung.

Gesamteindruck: 2/7


Originaltitel: House of Wax
Regie: Jaume Collet-Serra
Jahr: 2005
Land: USA/Australien
Laufzeit: 113 Minuten
Besetzung (Auswahl): Elisha Cuthbert, Chad Michael Murray, Brian Van Holt, Paris Hilton, Jared Padalecki



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