FilmWelt: Godzilla vs. Kong

„Godzilla vs. Kong“ ist der vierte Film aus dem mittlerweile als „MonsterVerse“ bekannten Franchise und markiert – wie anhand des Titels leicht zu erraten ist – das Aufeinandertreffen der zwei wohl bekanntesten Kreaturen der Filmgeschichte. Auf dieses epische Gefecht wurde seit dem Start der Reihe (2014) hingearbeitet. Und eigentlich hätte vorliegender Blockbuster schon 2020 in die Kinos kommen sollen, aufgrund der Covid-19-Pandemie mussten sich die Fans allerdings ein ganzes Jahr gedulden, bis es im Sommer 2021 endlich soweit war.

Gesamteindruck: 3/7


Kampf der Giganten.

Wenn man diesen Film bewerten will, läuft im Endeffekt alles auf eine Frage hinaus: Was erwartet man sich von einem Streifen, der „Godzilla vs. Kong“ heißt? Die kurze Antwort: Genau das, was der Titel verspricht, nämlich zünftige Monster-Action mit einem epochalen Ausmaß an Zerstörung. Das bietet der Film auch, womit diese Rezension eigentlich schon wieder zu Ende sein könnte. Wer also tatsächlich nur sehen möchte, wie sich Affe und Echse den Schädel einschlagen, kann zu obiger Wertung gerne ein oder zwei Punkte addieren und braucht nicht unbedingt weiterzulesen. Wer aber wissen möchte, wieso mein Gesamteindruck trotz bravouröser Erfüllung des Produktversprechens nicht so rosig ausfällt, muss sich ein paar Minuten Zeit nehmen.

Worum geht’s?
Skull Island, Heimat des Riesengorillas King Kong, wurde durch den Monarch-Konzern in ein völlig von der Außenwelt abgeschirmtes Habitat verwandelt, das dem stetig wachsenden Primaten langsam zu eng wird. Im Gegensatz dazu streift die riesige Echse Godzilla frei durch die Weltmeere und ist immer noch gefeierter Held der Menschheit. Bis sich das Ungetüm plötzlich entschließt, an Land zu gehen und eine Forschungseinrichtung der High Tech-Firma Apex Cybernetics dem zu Erdboden gleichzumachen. Jenes Unternehmen würde zu gern eine mächtige Energiequelle in die Hände bekommen, die in der Heimat der Monster, der Hohlerde, vermutet wird. Um dorthin zu gelangen, wird wiederum die Hilfe von King Kong benötigt, den man prompt aus seinem Habitat holt, um ihn zum Eingang ins Erdinnere zu bringen. Das erweckt die Aufmerksamkeit von Godzilla, der keineswegs vorhat, seine Stellung als König der Monster kampflos aufzugeben…

„Lasst sie kämpfen“ hat ein kluger Mann (Ken Watanabe alias Dr. Ishiro Serizawa in „Godzilla“, 2014) einst gesagt. Besser könnte man nicht beschreiben, wo die Stärken und Schwächen von „Godzilla vs. Kong“ meines Erachtens liegen. Zunächst das Gute: Sie kämpfen. Und das auf durchaus sehenswerte Weise, denn die Spezialeffekte sind wirklich vom Feinsten. Zwei große Kämpfe der Titelfiguren gibt es im Film, beide unterscheiden sich stark genug, um nicht langweilig zu werden – und vor allem sind beide ausgezeichnet choreographiert (wenn man das bei computergenerierten Ungeheuern überhaupt so nennen kann). Die Zerstörungen, die dabei angerichtet werden, sind entsprechend ihren Ausmaßen natürlich verheerend, was für Freunde des gepflegten Katastrophenfilms ein wahrer Augenschmaus ist. Begleitet wird das brutale Treiben von einer ohrenbetäubenden Soundkulisse, an der es wenig bis nichts auszusetzen gibt. Im Übrigen steht es dem Film gut zu Gesicht, Kong als Außenseiter, aber auch schlaueren der beiden Rivalen zu stilisieren, während Godzilla schlicht seinen Instinkten zu folgen scheint. Das hat schon ein bisschen was von einem Kampf Mensch gegen unbändige Natur, eine Darstellung, die im ersten Moment sehr klischeehaft scheint, aber eigentlich dennoch ganz gut passt. Alles in allem: Daumen hoch, selten in der Filmgeschichte hat ein so epochaler Kampf die in ihn gesetzten Erwartungen dermaßen gut erfüllt.

Kurz zum Hintergrund: „Godzilla vs. Kong“ ist nicht das erste Aufeinandertreffen der wohl ikonischsten Monster der Filmgeschichte. Bereits 1962 ließ der legendäre „Godzilla“-Schöpfer Ishirō Honda die gigantischen Kreaturen in „Die Rückkehr des King Kong“ gegeneinander kämpfen. Dass es seither zu keinem derartigen Gipfeltreffen mehr gekommen ist, mag im ersten Moment seltsam erscheinen. Der Wille war da, vor allem aus Japan – es scheiterte aber letztlich immer an der dafür notwendigen Verleihung der Rechte. Jahrzehnte später scheint dieses Problem aus der Welt geschafft, was eben den Start der amerikanischen MonsterVerse-Reihe mit „Godzilla“ (2014) ermöglichte, während in Japan mit dem (sehr starken) „Shin Godzilla“ 2016 ein eigener Reboot gestartet wurde (ob es damit weitergeht ist zum Zeitpunkt dieser Rezension unklar, allerdings wäre es theoretisch möglich, denn ein entsprechender Vertrag mit den amerikanischen „Godzilla“-Machern Legendary Entertainment, der genau das ausschloss, endete mit „Godzilla vs. Kong“).

Was mich alles stört.

Woran hapert es also, wenn der Film das, was man von ihm erwartet, geradezu perfekt macht? Nun, „Lasst sie kämpfen“ ist eine Medaille mit zwei Seiten: Man sollte nämlich auch erklären, warum (bzw. worum) gekämpft wird. Tut man das nicht, hat man so etwas wie „Celebrity Deathmatch“ (die ganz alten werden sich erinnern…), was nett ist, aber nicht für einen abendfüllenden Blockbuster reicht. Ein Mindestmaß an interessanter Story und Charakteren wäre dafür zumindest wünschenswert. Das war übrigens schon bei den alten „Godzilla“-Filmen aus Japan so, die immer dann besonders gut waren, wenn sie auf eine Botschaft und/oder halbwegs kantige (menschliche) Figuren setzten. „Godzilla vs. Kong“ lebt hingegen, wie schon seine Vorgänger, praktisch nur vom Spaß an der Freud‘. Das bisschen Botschaft (die Unkontrollierbarkeit der Natur), das der Film zu vermitteln versucht, ist kaum der Rede wert.

Gleiches gilt für die menschlichen Charaktere, die bereits in „Godzilla II: King of the Monsters“ (2019) zur austauschbaren Staffage geworden sind. Daran ändert dieses Sequel trotz krampfhafter Bemühungen, das Problem ab und an mal mit Humor zu übertünchen, nichts. Ob man das den Schauspielern anlasten kann, ist fraglich; man merkt einfach an allen Ecken und Enden, dass das Drehbuch auf eine epische Schlacht ausgelegt ist. Der ganze Rest wirkt auf mich wie eine höchst lästige, aber leider notwendige Pflicht. Nur so lässt sich aus meiner Sicht der hanebüchene Unsinn erklären, den die Autoren Eric Pearson und Max Borenstein als „Story“ gemeinsam mit Regisseur Adam Wingard über das Publikum hereinbrechen lassen. Ich selbst habe „Godzilla vs. Kong“ übrigens im Kino gesehen, was in zweifacher Hinsicht ein Erlebnis war: Einerseits wirkt der Schlagabtausch der kolossalen Viecher auf der großen Leinwand in 3D und mit entsprechendem Sound unglaublich intensiv. Andererseits gab es immer wieder spontanes Gelächter von den Rängen, wenn ein besonders an den Haaren herbeigezogener Einfall über die Leinwand flimmerte.

Ich weiß, ich weiß: Bei solchen Filmen sollte es eigentlich heißen Augen und Ohren auf, Hirn aus. Nur wollte mir das in diesem Fall so gar nicht gelingen, weil ich einfach nicht verstehen kann, dass man dermaßen viele Dummheiten darin unterbringen musste. Ein Beispiel ist die wohl blödeste Idee des vorangegangenen Films, die ich in meiner entsprechenden Rezension auch als solche gewürdigt habe: Die Hohlerde, die man nicht nur erneut aufgreifen, sondern gleich als absolutes Schlüsselelement platzieren musste (wenigstens ist die Darstellung derselben durchaus gelungen, wenngleich man sich fragt, woher dort das Licht kommt – aber ich schweife ab). Oder: Was soll das mit dem Schädel von Ghidora, dem Antagonisten aus „Godzilla II: King of the Monsters“, der zur telepathischen (!) Steuerung eines Roboters dient? „Seine Hälse waren so lang, dass seine Köpfe telepathisch miteinander kommuniziert haben“… ja, genau. Gaaanz großartiger Twist. Nicht.

Neben solchen Lächerlichkeiten gibt es auch ein paar kleinere Fragezeichen – darunter Probleme wie die ständig wechselnde Größe der monströsen Protagonisten (mal passen beide auf einen Flugzeugträger, dann sind sie wieder so hoch wie ein Wolkenkratzer), den scheinbar aus dem Nichts entwickelten technischen Möglichkeiten (die aber nicht ausreichen, um einen Titanen ernsthaft zu verletzen), die „U-Bahn“ von Florida nach Hongkong (!) oder die Tatsache, dass ein paar jugendliche Podcast-Hörer sich problemlos und ohne erwischt zu werden in einem Hochsicherheitstrakt bewegen können.

Spannung? Fehlt leider (auch).

Man sieht schon: Mir hat das ganze Drumherum nicht gefallen. Dazu stehe ich. Das soll im Übrigen nicht heißen, dass jeder der dutzenden japanischen „Godzilla“-Streifen eine Offenbarung war, denn das ist beileibe nicht so. Ich finde es aber sehr schade, in welche Richtung sich dieses Filmuniversum nach den wirklich guten „Godzilla“ (2014) und „Kong: Skull Island“ (2017) bewegt hat. Vielleicht ist das MonsterVerse selbst sogar der Grund dafür: Es mag von Anfang an als Produkt, als Franchise wie man das heute so schön nennt, konzipiert worden sein; dennoch finde ich, dass in den zwei Auftaktfilmen eine Menge Herzblut steckte. Das ist mit „Godzilla 2“ verloren gegangen und wurde wohl endgültig Ideen untergeordnet, die den größten kommerziellen Erfolg versprechen. Dazu kommt, dass man sich mit dem MonsterVerse selbst ein bisschen in die Ecke manövriert hat: Alles muss zusammenhängen und eine halbwegs kongruente Story erzählen, was aber scheinbar nur noch über möglichst haarsträubend konstruierte Prämissen gelingt – eben weil die Zeit zu fehlen scheint, vernünftig darüber nachzudenken, was die Titanen wirklich bedeuten könnten. Überflüssig zu erwähnen, dass mir diese Herangehensweise nicht zusagt. Denn eigentlich würde mir eine zusammenhängende Reihe gut gefallen – aber bitte nicht so, sondern zumindest ein bisschen realistischer und mit wenigstens ein oder zwei memorablen (menschlichen) Charakteren. Es ist fast schon gemein, wie das MonsterVerse eine tiefgründige Welt anteasert – und nichts daraus macht.

Im Übrigen ist der Film nur bis zu einem gewissen Grad spannend. Schuld daran sind neben dem sub-optimalen Drehbuch vor allem zwei Faktoren: Die Titanen wirken allesamt praktisch unkaputtbar. Egal, was ihnen passiert, sie tragen so gut wie nie auch nur einen Kratzer davon, was nicht gerade dazu beiträgt, dass man wirklich mitfiebert bzw. jemals meint, das ein Kampf tödlich ausgehen könnte (was im Finale passiert ist übrigens recht früh vorhersehbar).

Zweiter Grund ist die vollkommen oberflächliche Art, wie in den zwei jüngsten MonsterVerse-Filmen mit Menschen umgegangen wird. Damit meine ich nicht den angesprochenen eklatanten Mangel an Charakteren, sondern spreche von einer generellen Problematik: Speziell Godzilla ist ein echter Zerstörer; denkt man darüber nach, was die Echse in „ihren“ drei MonsterVerse-Auftritten für Verheerungen angerichtet hat, fragt man sich, wie der Bursche von den Figuren im Film überhaupt bewundert werden kann. Das müssen jedes Mal zigtausende Tote gewesen sein, die auf sein Konto gehen, was man aber nie zu sehen bekommt. In „Godzilla 2“ wird dieses Thema zumindest angedeutet, daraus gemacht wird aber nichts – und in „Godzilla vs. Kong“ spielt es überhaupt keine Rolle mehr. Schon klar, die Titanen sind die Stars der Filme – aber als Zuseher identifiziert man sich schon auch mit den winzigen Menschlein, die von ihnen in Massen zerschmettert werden. Weil es aber keinen nennenswerten menschlichen Charaktere gibt, ist das fast egal – wahrscheinlich thematisiert es der Film genau deshalb auch nicht, obwohl es meines Erachtens deutlich mehr Drama und Spannung bringen würde. Aber hey, was weiß ich schon. 😉

Empfehlung: Hirn aus. Und zwar komplett.

Was unterm Strich bleibt, ist ein Film, dessen Kampfszenen unterhalten und begeistern, der abgesehen davon aber nichts zu bieten hat, das auch nur ansatzweise intelligent wäre. Im Gegenteil, wenn man es genau nimmt, ist „Godzilla vs. Kong“ eine Beleidigung für den Intellekt jedes Zuschauers. Nicht, weil die Vorstellung gigantischer Kreaturen, die gegeneinander kämpfen, per se dumm ist – nein, nur, weil alles, was der Film dazwischen erzählt, eine Aneinanderreihung von Peinlichkeiten ist. Man hätte wohl besser versucht, sie tatsächlich einfach kämpfen gelassen – womit wir wieder beim „Celebrity Deathmatch“ wären – statt krampfhaft an einem Universum festzuhalten, das kläglich daran scheitert, den Eindruck von Tiefe zu simulieren. Oder man hätte sich Zeit nehmen sollen, die Zusammenhänge in sich stimmig und halbwegs glaubhaft zu erklären. So ist „Godzilla vs. Kong“ eine merkwürdige Mischung aus verkrampft und beeindruckend. Und damit kann ich nur eine Empfehlung wiederholen: Augen und Ohren auf, Hirn (komplett) aus! Wenn man das schafft, mag der Film wirklich sehr unterhaltsam sein. Mir ist es leider (?) nicht gelungen.

Drei Punkte für die Monster-Action. Und zwar nur dafür.

Gesamteindruck: 3/7


Originaltitel: Godzilla vs. Kong.
Regie:
Adam Wingard
Drehbuch: Max Borenstein, Eric Pearson
Jahr: 2021
Land: USA
Laufzeit: ca. 115 Minuten
Besetzung (Auswahl): Alexander Skarsgård, Mille Bobby Brown, Rebbeca Hall, Brian Tyree Henry, Kaylee Hottle



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FilmWelt: Kong: Skull Island

Der Riesenaffe, seines Zeichens erstes Filmmonster der Geschichte, feierte anno 2017 seine Rückkehr auf die große Leinwand. Und „Kong: Skull Island“ ist tatsächlich ein großartiger Film geworden. Das war so nicht unbedingt zu erwarten – aber genau wie beim amerikanischen „Godzilla“ von 2014, der übrigens vom gleichen Team produziert wurde, hat man auch hier (fast) alles richtig gemacht. Sogar noch etwas besser.

Gesamteindruck: 6/7


Starker Reboot.

Die Geschichte um den Riesengorilla Kong, der bereits seit 1933 die Kinobesucher das Fürchten lehrt, ist ein Klassiker der Filmhistorie. Entsprechend gespannt war man vor dem Kinobesuch natürlich, wie eine zeitgemäße Adaption des alt-ehrwürdigen Stoffes aussehen würde. „Kong: Skull Island“ ist natürlich nicht die erste Variante, die dem Publikum in jüngerer Zeit vorgestellt wurde. Immerhin gab es mit „King Kong“ bereits 2005 eine tiefe Verbeugung vor dem Original, die von Peter Jackson sehr ansprechend in Szene gesetzt wurde. „Skull Island“ (2017) ist nun keine Fortsetzung von Jacksons Hommage, sondern eine gänzlich eigenständige Herangehensweise, dem alten Affen erneut Leben einzuhauchen.

Rein äußerlich zeigt sich das an einem wesentlich größeren und imposanteren Kong, der eher dem entspricht, was man aus dem 1933er Original kennt. Davon abgesehen sind die üblichen Zutaten enthalten: Die ständig in Nebel und Sturm verborgene Insel, die prähistorische anmutende Tierwelt, die seltsamen Ureinwohner hinter ihrem Schutzwall, die ach-so-zivilisierten Eindringlinge, die nichts Gutes auf die Insel bringen. Trotz dieser Berechenbarkeit ist „Kong: Skull Island“ erfrischend anders. Einerseits fehlt – und das ist in diesem Fall kein Verlust – die gesamte „der Affe und die weiße Frau“-Thematik, andererseits legt der Film den Fokus sehr stark auf die namensgebende Insel und lässt den üblichen Ausflug nach New York vollkommen außen vor. Hinzu kommt ein gutes Drehbuch mit brauchbaren Dialogen und ganz coole Charaktere.

Hauptdarsteller ist und bleibt jedoch der riesige Affe. Und hier unterliegt der Film nicht dem in „Godzilla“ (2014) kritisierten Phänomen: Bereits in der ersten Szene von „Skull Island“ wird klar, wer die größte Attraktion auf der Insel ist – man muss nicht stundenlang warten, um dann mit wenigen Monster-Szenen abgespeist zu werden. Kong ist sehr präsent, zum Glück aber dennoch nicht so sehr, dass sich Abnützung einstellt. Die Effekte such übrigens, nicht nur was Kong selbst betrifft, ihresgleichen, ohne dass man das Gefühl eines ständigen Overkills hat. Der Affe sieht unglaublich gut aus, seine Bewegungen sind trotz seiner unglaublichen Größe geschmeidig, die Kämpfe ansprechend. Dazu kommt ein furchteinflößender Dschungel, bevölkert von gefährlichen Urzeit-Kreaturen. Untermalt wird all das von einem grandiosen Soundtrack, der perfekt in die Zeit der Handlung (kurz nach dem Vietnam-Krieg) passt. Noch ein Punkt der auffällt: „Skull Island“ bietet zahlreiche größere und kleinere Anspielungen auf andere Filme, beispielsweise „Apocalypse Now“, was schon der Blick aufs Filmposter deutlich macht. Auch das sorgt durchaus für gute Laune, sodass man letztlich von einem rundum gelungenen Gesamtpaket sprechen kann.

Ein abschließender Tipp: Es gibt eine Post-Credit-Szene, die man sich jedenfalls ansehen sollte. Denn dadurch wird enorme Vorfreude auf weitere Monster-Filme geschürt.

Gesamteindruck: 6/7


Originaltitel: Kong: Skull Island
Regie: Jordan Vogt-Roberts
Jahr: 2017
Land: USA
Laufzeit: 119 Minuten
Besetzung (Auswahl): Tom Hiddleston, Samuel L. Jackson, John Goodman, Brie Larson,



 

FilmWelt: Logan – The Wolverine

17 Jahre und 9 Filme – so lange bzw. oft hat der australische Schauspieler Hugh Jackman den Wolverine bisher verkörpert. Eine verdammt lange Zeit im schnelllebigen Film-Business. In „Logan“ gibt Jackman zum vermutlich letzten Mal den wortkargen Helden mit den Adamantium-Krallen und den beeindruckenden Fähigkeiten zur Selbstheilung. Das ist nur recht und billig – einerseits war Wolverine aufgrund seiner vielen Ecken und Kanten schon immer der interessanteste aller X-Men, andererseits IST Jackman Wolverine. „Logan“ ist der Abgesang auf diese Rolle und als solcher ein durchaus guter Film geworden. Kleine Schwächen gibt es, aber grundsätzlich hätte man sich kaum ein besseres Finale wünschen können.

Gesamteindruck: 6/7


Abgesang auf den widerwilligsten aller Superhelden.

Dass es ausgerechnet den nahezu unverwundbaren Wolverine so böse erwischt wie in „Logan – The Wolverine“ (der Originaltitel lautet schlicht und einfach „Logan“, was für mein Dafürhalten wesentlich besser den Kern des Films trifft), hätte kaum jemand für möglich gehalten. Aber es ist so – der Marvel-Film zeigt uns einen Mann, der kaum mehr an den wohl beliebtesten aller X-Men erinnert. In nicht allzu ferner Zukunft gehören Wolverine und Professor X (wie immer grandios gespielt von Patrick Stewart, der offenbar niemals älter wird und nach wie vor aussieht, wie Captain Picard in den 30 Jahre alten Folgen von „Star Trek – The Next Generation“) zu den letzten freien Mutanten, die X-Men scheinen nicht mehr zu existieren. Wobei frei ein sehr relativer Begriff ist – sie fristen ein trauriges Dasein in einem öden Versteck. Der mittlerweile trotz unnatürlich langer Lebensspanne mächtig in die Jahre gekommene Wolverine hat sogar noch weniger Heldenhaftes an sich hat, als zu seinen besten Zeiten, in denen er bei weitem kein strahlender Ritter war. Tatsächlich ist es dermaßen deprimierend, den an Alzheimer erkrankten Professor und seinen einstigen Schützling, der sich als Limousinen-Fahrer über Wasser hält, dessen Verletzungen nicht mehr richtig heilen und der nur mehr humpelnd durch die Szenen schleicht, zu beobachten, dass man den Film fast als reinrassiges Drama bezeichnen könnte.

Aber nur fast – denn im krassen Gegensatz zur Nachdenklichkeit vieler Szenen lässt Regisseur James Mangold seinen Wolverine dermaßen brutal von der Leine, wie man es noch in 10 Jahren X-Men auf der großen Leinwand noch nie gesehen hat. Der tragische, ständig unglaublich schlecht gelaunte Anti-Held schnetzelt sich durch seine Gegner, dass das Blut nur so spritzt. Arme und Beine werden abgetrennt, die berühmten Adamantium-Krallen bohren sich durch Körper, Schädel werden gespalten – dass dieser Film FSK 16 sein soll, scheint mir der blanke Hohn zu sein. Irgendwie aber auch realistisch – ich mein, der Typ hat 3 lange, rasiermesserscharfe Klingen an jeder Hand – wie soll das sonst aussehen, wenn er die als Waffe einsetzt? Tatsächlich erinnert das komplette Setting in weiten Teilen an einen der klassischen, blutigen Western von früher und hebt sich damit allein schon atmosphärisch stark vom üblichen Marvel-Blockbuster-Programm ab.

Inhaltlich gibt es auf den ersten Blick wenig Neues zu berichten. Einmal mehr versuchen Bösewichte, Mutanten zu fangen. Viel mehr gibt es dazu nicht zu sagen. All das passiert in den üblichen Action-Sequenzen inklusive Verfolgungsjagden, in denen die zahlenmäßig weit überlegenen und bestens ausgerüsteten Gegner es nicht schaffen, ihre Opfer zu schnappen. All das unterscheidet sich kaum bis gar nicht von dem, was man praktisch aus jedem X-Men-Film kennt. Was „Logan“ besser macht, sind letztlich die Nuancen. Allein, dass man sich traut, den großen Helden dermaßen verwundbar und angeschlagen darzustellen, sieht man nicht jeden Tag. Das allein ist schon harter Tobak und erzeugt eine sehr düstere Grundstimmung. In Kombination mit den brutalen Kämpfen, in denen weder der Hauptdarsteller, noch seine quasi-Tochter, die er nach einigem Hin & Her vor ihren Häschern retten möchte, geschont werden ist das schon ein sehr eigenes Gefühl, das beim Zuseher entsteht. Um es deutlich zu sagen: Derartig wuchtige und detaillierte Gewalt gegen Kinder, aber auch durch Kinder hat man in einem Hollywood-Blockbuster vermutlich noch nie gesehen.

Letztlich ist der Film – soviel kann man, denke ich verraten – als wohl endgültiger Abgesang auf Wolverine tatsächlich ein würdiges Ende für den Helden wider Willen. Ich denke, dass auch Hugh Jackman ganz froh darüber sein wird, wobei man ja nie ausschließen sollte, dass es noch ein Comeback geben könnte, das zeitlich vor „Logan“ spielt. Ich persönlich würde aber lieber sehen, wenn es das nun endgültig mit dem Jackman-Wolverine war. Seine Darstellung des „Vielfraßes“ (denn nichts Anderes heißt „Wolverine“ auf Deutsch) hat den Charakter geprägt, zumindest für diejenigen, die mit der Comic-Vorlage nicht so firm sind. Besser als Hugh Jackman es in „Logan“ macht, ist es meines Erachtens sowieso nicht möglich.

Ganz reicht es allerdings trotz aller positiven Aspekte nicht für die Höchstwertung und den Status als Meisterwerk. Dafür hat der Film auf 138 Minuten ein paar Längen zu viel. Es hätte für mein Dafürhalten nicht geschadet, die eine oder andere Action-Szene etwas zu straffen und auch manch ruhige Sequenz wirkt etwas gestreckt auf mich. Nicht ganz ausgereift auch die Darstellung der Gegenspieler, die nicht so viel Gefahr ausstrahlen, wie sie eigentlich sollten und letztlich nicht über die simple Schwarz-/Weiß-Schablone hinauskommen. Sehr schade, da hätte es sicher Möglichkeiten für mehr Tiefe gegeben, ohne die Fokusierung auf die Titelfigur (und dessen Schützling) aus den Augen zu verlieren. Noch besser wäre im Hinblick darauf natürlich gewesen, wenn man Liev „Sabretooth“ Schreiber als Erzfeind von Wolverine erneut an den Start gebracht hätte. Schade, dass man sich da nicht einig wurde.

Das ändert aber nichts daran, dass „Logan“ der beste Wolverine-Film ist, neben „X-Men“ (2000) der beste aus dem gesamten Franchise (alle Nachfolger werden ihrerseits von den 3 Filmen um Wolverine übertroffen) und der beste von Marvel seit Ewigkeiten. Solide 6 Punkte macht das alles in allem. An die „The Dark Night“-Reihe aus dem Hause DC kommt er zwar nicht ganz heran, „Logan“ ist von allen Marvel-Filmen aber bei weitem am nächsten dran.

(c) critic.de

Gesamteindruck: 6/7


Originaltitel: Logan
Regie: James Mangold
Jahr: 2017
Land: USA
Laufzeit: 138 Minuten
Besetzung (Auswahl): Hugh Jackman, Patrick Stewart, Dafne Keen, Boyd Holbrook, Richard E. Grant



 

FilmWelt: Schlacht um Midway

„Schlacht um Midway“ ist top besetzt (u. a. am Start: Fonda, Heston, Coburn, Mitchum) und eigentlich auch ganz gut gespielt. Zumindest, wenn man die Maßstäbe für einen linientreuen, patriotisch angehauchten US-Kriegsfilm aus den 1970er Jahren ansetzt, die nun nicht allzu hoch sind. Auch technisch ist das, was Regisseur Jack Smight (†  2003) auf die Beine stellt, gut gemacht und ausreichend spektakulär. Und historisch scheint mir das Ganze wesentlich akkurater zu sein als die „Pearl Harbor“-Katastrophe von Michael Bay. Eine hohe Wertung muss dem Film aber trotzdem versagt bleiben, vor allem, weil er aus heutiger Sicht nicht das erfüllt, was man sich erhofft: Ein Statement gegen den Krieg.

Gesamteindruck: 4/7


Krieg als strategisches Abenteuer.

Die historische Schlacht um Midway, die dem gleichnamigen Film als Hintergrund dient, war ein Wendepunkt am Pazifik-Schauplatz des 2. Weltkrieges. Den Amerikanern gelang es, der bis dahin weitgehend überlegenen Flotte der Japaner eine Niederlage beizubringen und damit die Initiative an sich zu reißen, die bis Kriegsende nicht mehr verloren ging. Der Film nimmt sich dieses Themas an, vorwiegend (natürlich) aus US-amerikanischer Sicht. Die japanische Seite wird zwar ebenfalls beleuchtet, jedoch weit weniger prominent. Diese Herangehensweise entspricht durchaus den Erwartungen an einen Kriegsfilm aus den 1970ern, letztlich ist es löblich, dass überhaupt versucht wird, auch ein bisschen vom Pech, das die Japanaer in bzw. vor dieser Schlacht eben auch hatten, darzustellen.

Wenn man sich die Fakten über „Schlacht um Midway“ zu Gemüte führt, ist man zunächst geradezu erschlagen von der Star-Power, die Regisseur Jack Smight auffährt: Henry „Admiral Nimitz“ Fonda (zwei Oscars) steht an der Seite von Charlton „Captain Garth“ Heston, Cliff „Commander Jessop“ Robertson und James „Captain Maddox“ Coburn (jeweils ein Oscar), dazu diverse Golden Globe-Preisträger und der sehr bekannte Robert „Admiral Halsey“ Mitchum, dem eine größere Auszeichnung in seiner Karriere verwehrt blieb. Dass mit einer solchen Besetzung schauspielerisch alles im Grünen Bereich ist, sollte also nicht überraschen. Im Übrigen machen auch die großteils von asiatisch-stämmigen Amerikanern gespielten Japaner eine sehr gute Figur, was oft genug übersehen wird. Und auch hinter der Kamera werkeln diverse Preisträger, darunter Komponist John Williams, x-facher Oscar- und Golden Globe-Gewinner.

Die Schauspieler und ihre Leistung sind meiner Ansicht nach also nicht für die durchwachsene Bewertung des Films verantwortlich, ebensowenig sind es Technik und Ausstattung, die sich auf der Höhe der Zeit bewegen und auch heute noch einen sehr guten Eindruck machen. Wobei es schon ein wenig auffällt, dass für die Dreharbeiten nur amerikanische Schiffe zur Verfügung standen, die auch der japanischen Seite als Kulisse dienten, aber sei’s drum. „Schlacht um Midway“ krankt auch nicht an der Handlung, die, soweit man das als Laie sagen kann, durchaus den realen Begebenheiten Rechnung trägt. Das Problem ist aus meiner Sicht einzig und allein im Drehbuch zu suchen.

Kurz gesagt: Der Film ist im Endeffekt zu oberflächlich, er konzentriert sich zu sehr auf die technischen und strategischen Seiten des Geschehens. Was der Film nicht zeigt (und wodurch er heutigen Sehgewohnheiten einfach zuwider läuft), ist die Auswirkung des Krieges auf die Soldaten, auf den Einzelnen. Der Krieg wird in „Schlacht um Midway“ zu einer Materialschlacht; die Perspektive konzentriert sich im Großen und Ganzen auf die Admiralität, die ihre Flieger und Schiffe mal hierhin, mal dorthin schiebt, ohne sich groß um die Verluste, die daraus entstehen, zu kümmern. Das mag sogar realistisch sein, leider wird es aber nicht genutzt, um gerade an diesen Zuständen Kritik zu üben. Die kleine Liebesgeschichte, die vorkommt, hätte es für mein Dafürhalten sowieso nicht gebraucht, sie ist aber glücklicherweise nicht entscheidend für die Handlung.

Es mag durchaus sein, dass all das für einen Kriegsfilm aus den 1970ern gereicht hat und vielleicht sogar gewünscht war. Das ändert aber nichts daran, dass es mir persönlich als Zuseher im Jahr 2017 zu wenig ist. Dennoch: Wenn man ohne Erwartung von tieferen Einblicken in die Soldaten-Seele rangeht, kann der Film durchaus unterhalten. Nicht mehr und nicht weniger.

Gesamteindruck: 4/7


Originaltitel: Midway
Regie: Jack Smight
Jahr: 1976
Land: USA
Laufzeit: 132 Minuten
Besetzung (Auswahl): Henry Fonda, Charlton Heston, James Coburn, Robert Mitchum, Robert Wagner, Glenn Ford, Toshirō Mifune



 

FilmWelt: Rogue One: A Star Wars Story

Star Wars. Eine Institution, die seit ihrer filmischen Wiedererweckung mit der sehr umstrittenen „Episode 1 – Die dunkle Bedrohung“ (1999) mehr von ihrem einstigen Nimbus verloren hat, als man es für möglich gehalten hätte. 2016 kam mit „Rogue One: A Star Wars Story“ erstmals eine Art Spin-off auf die Leinwand, das zwar einen Handlungsfaden aus den Hauptfilmen aufgreift, grundsätzlich jedoch vollkommen für sich allein stehen kann.

Gesamteindruck: 6/7


Noch besser als erhofft.

Zum Inhalt von „Rogue One“ möchte ich in der Rezension nicht allzu viel verraten, aber ich denke, jeder Fan kennt den Vorspann zum allerersten Film aus dem Jahr 1977 (mittlerweile „Star Wars: Episode IV – Eine neue Hoffnung“, damals noch „Krieg der Sterne“). Daraus zitiert (muss man sich natürlich im typischen Star Wars-Crawl vorstellen):

Während der Schlacht
ist es Spionen der Rebellen
gelungen, Geheimpläne
über die absolute Waffe
des Imperiums in ihren
Besitz zu bringen, den
TODESSTERN, eine
bewaffnete Raumstation,
deren Feuerkraft ausreicht,
um einen ganzen Planeten
zu vernichten.

In „Rogue One“ wird also thematisiert (übrigens ohne „Crawl“), wie die Rebellen an die Pläne des Todessterns kommen, die ihnen letztlich die Zerstörung dieser Massenvernichtungswaffe ermöglichen. Chronologisch ist der Film also kurz vor den Geschehnissen von „Eine neue Hoffnung“ einzuordnen. Die Geschichte der Rebelleneinheit, die für den Diebstahl verantwortlich zeichnet, wird meines Erachtens großteils sehr schlüssig erzählt, auch wenn diverse Unwahrscheinlichkeiten und logische Probleme auftauchen. Grundsätzlich ist die Handlung jedoch sehr solide und fügt sich inhaltlich ziemlich nahtlos in den Gesamtkomplex „Star Wars“ ein. Im Endeffekt wird dadurch sogar ein großes Mysterium, nämlich die eklatante Schwäche des Todessterns, geklärt.

Sehr interessant an „Rogue One“ – und nach der Übernahme der Star Wars-Rechte durch Disney im ersten Moment durchaus unerwartet – ist der insgesamt recht dunkle Grundtenor des Films. Irgendwo war zu lesen, dass der Film das Wort „Wars“ wesentlich mehr in den Vordergrund stellt, als alle seine Vorgänger. Die konnte man problemlos als altmodische Märchen mit Western- und Science Fiction-Feeling durchgehen lassen. „Rogue One“ hat hingegen auch Szenen zu bieten, die man so bisher eher aus Kriegsfilmen kennt. Es wird also gekämpft und gestorben, erstmals sind es allerdings nicht nur die imperialen Sturmtruppen, die empfindliche Verluste hinnehmen müssen. Letztlich geht der Film sogar so weit, dem Zuseher einerseits keine klischeehaft guten Rebellen zu präsentieren, andererseits auch ein wirkliches Happy End zu verwehren. Im Gegenteil, was zum Schluss hin passiert ist in höchstem Maße tragisch. Und damit meine ich nicht die allerletzte Szene mit ihrem Nostalgie-Faktor, sondern das Finale als Ganzes. Das hätte ich von einem Film aus dem Star Wars-Universum so  nicht erwartet. Und genau das ist es auch, was „Rogue One“ wesentlich besser macht als erwartet.

Was gibt es sonst noch zu berichten? Dass der Film optisch und akustisch ein Genuss ist, braucht wohl nicht extra erwähnt zu werden. Zu beachten ist vielleicht, dass in diesem Fall die Balance zwischen Action (die üblichen Gefechte mit Laserwaffen, Lichtschwerter kommen hingegen so gut wie nicht vor) und ruhigen Szenen gelungen ist, wobei die Kämpfe mit ihren schnellen Schnitten natürlich dem aktuellen Stand der Technik entsprechen, was auch nicht jedermanns Sache ist.

Anknüpfungspunkte für die alten Star Wars-Anhänger gibt es diverse, manche klein und versteckt, manche umso auffälliger. Alles in allem gut gelöst, würde ich sagen. Was die Schauspieler betrifft, bin ich ein wenig zwiegespalten. Oder sind es vielleicht nicht die Schauspieler und es liegt am Drehbuch? Jedenfalls: Die Riege war mir großteils unbekannt (Roger Whitaker, der nicht sehr viele Szenen hat, war für mich der prominenteste Name), was ja nicht schlecht sein muss. Allerdings fiel es mir einigermaßen schwer, Sympathien für die beiden Rebellen-Hauptdarsteller Felicity „Jyn Erso“ Jones und Diego „Cassian Andor“ Luna zu entwickeln. Es mag an ihren Rollen liegen, die wesentlich zerrissener angelegt scheinen, als in allen anderen Star Wars-Filmen, aber so richtig konnte man sich nicht damit identifizieren. Ähnliches gilt für ihren Gegenspieler „Orson Krennic“ (gespielt von Ben Mendelssohn), der meiner Ansicht nach nicht so richtig in Fahrt kommt. Regelrecht ironisch: Mir gefällt in „Rogue One“ ausgerechnet die Rolle am besten, deren ursprünglicher Darsteller bereits seit 1994 tot ist: „Wilhuff Tarkin“, ursprünglich gespielt von Peter Cushing. 2016 wird der neben dem Imperator und Darth Vader wohl bösartigste Charakter von von Guy Henry dargestellt, dem man mittels Maske und CGI das Gesicht von Cushing „aufsetzte“. Schade, dass es nicht mehr Szenen mit ihm gibt – diese Rolle wurde meines Ermessens wirklich hervorragend angelegt.

Alles in allem ist „Rogue One“ für jeden, der ein bisschen Sympathie für das Star Wars-Universum aufbringen kann, ein sehenswerter Film. Und das nicht nur, weil man ihn der Vollständigkeit halber sehen „muss“, sondern weil er tatsächlich gut gemacht ist. Die Walt Disney Motion Pictures Group hat es damit tatsächlich geschafft, einen Großteil der Befürchtungen, die man nach der Übernahme von Lucasfilm hatte, zu zerstreuen. Das ist schon 2015 mit Episode VII („Das Erwachen der Macht“) einigermaßen gelungen, „Rogue One“ setzt aber meiner Ansicht nach noch einiges an Qualität drauf – einfach weil der Film mutig neue Wege beschreitet und nicht so sehr auf Nummer sicher und Altbewährtes getrimmt ist.

Anno 2016 lautet eine spannende Frage also: Wie geht es weiter mit Star Wars? Wird die Hauptreihe, deren Fortsetzung 2017 folgt, vom „Anthology“-Dreiteiler (dessen Auftakt „Rogue One“ ist und der 2018 fortgesetzt wird) sogar noch übertroffen? Wird interessant, das zu beobachten. Bis dahin kann sich jeder, der es nicht ohnehin schon getan hat, ohne Bedenken „Rogue One: A Star Wars Story“ ansehen.

Gesamteindruck: 6/7

(c) starwars.com

(c) starwars.com


Originaltitel: Rogue One: A Star Wars Story
Regie: Gareth Edwards
Jahr: 2016
Land: USA
Laufzeit: 134 Minuten
Besetzung (Auswahl): Felicity Jones, Diego Luna, Ben Mendelsohn, Donnie Yen, Mads Mikkelsen, Forest Whitaker



 

FilmWelt: Der Hobbit: Eine unerwartete Reise

Viel wurde im Vorfeld über die Verfilmung von „Der Kleine Hobbit“ (1937, J. R. R. Tolkien) geschrieben und spekuliert. Ein Gutteil davon war natürlich Kalkül und dem Hype um die Filmtrilogie – und letztlich auch dem Erfolg – keineswegs abträglich. In einem solchen Fall schrillen beim skeptischen Zuschauer natürlich die Alarmglocken, denn zu oft erweist sich ein angebliches Meisterwerk als Rohrkrepierer. Im Falle von „Der Hobbit – Eine unerwartete Reise“ können aber auch die kritischsten Zuseher und die größten Tolkien-Fans beruhigt zugreifen: Der Film ist hervorragend.

Gesamteindruck: 7/7


Verdiente Vorschusslorbeeren.

Auf die Geschichte, die dem Film zugrunde liegt, einzugehen, ist in einer Rezension eigentlich nicht notwendig. Es reicht zu sagen, dass Peter Jackson sich sehr genau an die Romanvorlage hält – deren Kürze kommt ihm hier zugute, denn im Gegensatz zu „Der Herr der Ringe“ musste er beim „Hobbit“ nichts weglassen und nur manche Szenen ändern. Allzu grobe Eingriffe in die Handlung des Buches gibt es in „Eine unerwartete Reise“ aber nicht. Eine Befürchtung im Vorfeld war eher umgekehrter Natur – wie sollte es der ambitionierte Regisseur schaffen, ein so kurzes Kinderbuch in einen epischen Mehrteiler für die Leinwand zu verwandeln?

Die Antwort erscheint – zumindest mir als Tolkien-Fan – plausibel: Jackson hält sich nicht nur an die Romanvorlage sondern verknüpft das Ganze mit weiteren Informationen, die im „Kleinen Hobbit“ nicht vorkommen, wohl aber in „Herr der Ringe“ (und teils sogar im „Silmarillion“) erklärt werden. Ein Beispiel ist „Der Weise Rat“ mit Saruman (wieder grandios gespielt vom 2015 verstorbenen Sir Christopher Lee in einer seiner letzten Rollen) und Galadriel, der im „Kleinen Hobbit“ maximal in einem Nebensatz erwähnt wird, während man in „Herr der Ringe“ erfährt, dass der Rat parallel zu Bilbos Reise nicht untätig war. Ähnlich ist es mit dem Auftritt von Radagast, der allerdings in keiner Buchvorlage die Festung im Düsterwald erkundet. Derartige Verknüpfungen gibt es viele – dadurch entsteht ein ausgesprochen homogenes und in sich stimmiges Gesamtbild, das das von Tolkien geschriebene Buch (das auch als solches eher isoliert da steht) im Endeffekt sogar übertrifft. Positiver Nebeneffekt ist, dass man so ein Wiedersehen mit alten Bekannten feiern kann. So vergeht die lange Spielzeit natürlich wie im Fluge.

Die Schauspieler wurden gut gewählt, auch wenn einige Zwerge (siehe Kili, Fili und der von Richard Armitage gespielte Anführer Thorin Eichenschild) für mein Gefühl ein bisschen zu „menschlich“ aussehen. Insbesondere Martin Freeman in der Hauptrolle ist aber ein wahrer Glücksgriff für diesen Film. Die Figuren, die die Schauspieler verkörpern, haben – mit wenigen Ausnahmen – das Problem, im Buch so gut wie nicht beschrieben zu werden. Das betrifft eigentlich alle Zwerge (mit Ausnahme von Thorin und Balin). Nachdem das Buch an dieser Stelle einfach nicht deutlicher ist, bin ich umso mehr vom Job, den Peter Jackson und sein Team gemacht haben, begeistert. Prinzipiell halte ich lediglich die große Zahl an Gefährten zwar für problematisch, aber dafür kann der Regisseur nichts, so ist die Vorlage nun einmal. Zumindest sind die Zwerge optisch ausgesprochen fantasievoll und mit Liebe fürs Detail gestaltet worden. Die Dialoge wurden großteils 1:1 aus dem Buch übernommen, sind also zum Teil sehr einfach gestrickt aber immerhin authentisch.

Drehbuch, Handlung und Besetzung sind also mehr als in Ordnung – aber wie sieht es mit der Technik aus? Zunächst ist der Soundtrack zu beachten, der erwartungsgemäß episch ausfällt. Allein für das Lied der Zwerge („Misty Mountains Cold“), dessen Melodie auch das Hauptthema ist, hat sich Howard Shore höchstes Lob verdient. Quasi nebenbei wurden auch immer wieder Versatzstücke aus den „Herr der Ringe“-Filmen eingebaut, somit entsteht auch hier Homogenität und das Gefühl eines großen Ganzen. Dem steht die Optik in nichts nach. Zumindest, wenn man dem Stil, den man mittlerweile aus „Herr der Ringe“ kennt, grundsätzlich etwas abgewinnen kann. Die Effekte sind gut und professionell – mit einer Ausnahme: Das Tempo ist speziell bei den Kämpfen sehr hoch, was in Verbindung mit dem neuen Bildformat (48 Bilder pro Sekunde) ein gewöhnungsbedürftiges Seherlebnis zur Folge hat. Das fällt zwar irgendwann nicht mehr auf, es bleibt aber der Beigeschmack, dass es Jackson mit der Action ein wenig übertreibt, um die Technik richtig auszureizen.

Der Film ist – trotz der Kinderbuchthematik – ernst und düster genug, um nahtlos an „Herr der Ringe“ anschließen zu können. Es gibt praktisch keine Längen, Technik, Drehbuch und Charaktere stimmen. Klare Höchstwertung für den ersten von drei „Hobbit“-Teilen. Haare in der Suppe gibt es tatsächlich nicht sehr viele zu finden. Eventuell hätte man auf den von Kaninchen gezogenen Schlitten von Radagast verzichten können. Ansonsten fällt mir beim besten Willen kein gröberer Kritikpunkt ein. Als Tolkien-Fan muss man halt – wie bei Buchverfilmungen üblich – mit einigen, in diesem Fall kleinen, Änderungen zur Vorlage leben.

Noch eine kurze Schlussbemerkung: Eigentlich ist es schade, dass Jackson zunächst „Herr der Ringe“ verfilmt hat und nun einen so episch ausgedehnten „Hobbit“ nachschiebt. Ich denke, mit der „Hobbit“-Erfahrung hätte der grundsätzlich wesentlich tiefergehende Stoff von „Herr der Ringe“ noch besser auf der Leinwand zur Geltung kommen können, eventuell auch in mehr als drei Teilen. Aber diese Spekulation ist sowieso müßig – „Der Hobbit – Eine unerwartete Reise“ ist einfach ein exzellenter Film.

Gesamteindruck: 7/7


Originaltitel: The Hobbit: An Unexpected Journey
Regie: Peter Jackson
Jahr: 2012
Land: USA/UK/Neuseeland
Laufzeit: 169 Minuten (Kino), 182 Minuten (Extended Edition)
Besetzung (Auswahl): Martin Freeman, Ian McKellen, Richard Armitage, Cate Blanchett, Hugo Weaving, Christopher Lee



 

FilmWelt: Snow White and the Huntsman

Märchen bieten ja einiges an Stoff, der sich für epische Filmumsetzungen eignet. Und es war im Endeffekt nur eine Frage der Zeit, bis Hollywood das für sich entdeckt (bzw. wieder entdeckt). Auch das bekannte Märchen vom „Schneewittchen“ ist zu Blockbuster-Ehren gekommen und muss sich mit diversen Fantasy-Größen messen lassen. Und zieht dabei gegen die meisten seiner Konkurrenten klar den Kürzeren. Eine Kauf- oder Ansehempfehlung kann es jedenfalls von mir nicht geben.

Gesamteindruck: 2/7


Ausstattung: Top! Drehbuch: Flop!

Um es vorweg zu nehmen: Unbedingt gesehen haben muss man diesen Film nicht, auch wenn es durchaus einige positive Aspekte gibt. So macht der Streifen optisch Einiges her. Sowohl Ausstattung als auch Kostüme, Landschaften und Effekte sind gut bis sehr gut und passen hervorragend zur Märchen-Thematik. Ebenfalls gelungen ist der Soundtrack, auch wenn es sich dabei um die übliche, recht epische Fantasy-Kost handelt. In Bezug auf Optik und Akustik ist also alles im grünen Bereich.

Viel mehr uneingeschränkt Positives kann ich aber beim besten Willen nicht ausmachen. Das liegt vor allem am Drehbuch, das einigermaßen durchwachsen ist. Die Story vom „Schneewittchen“ kennt man natürlich, insofern weiß man ja ungefähr, was einen erwartet. Leider wirkt der Film an vielen Stellen arg gestreckt und teilweise fast erschreckend substanzlos. Hier scheinen sich die Verantwortlichen ein bisschen zu sehr auf die optische Opulenz verlassen zu haben. Aber selbst wenn man davon absieht, kommt nur gelegentlich wirkliche Spannung auf und ab der Halbzeit werden die Längen teilweise zu echter Langeweile. Vor allem die Kämpfe hat man so oder so ähnlich in letzter Zeit schon tausendmal gesehen. Alles in allem läuft der Film nach den gewohnten Fantasy-Mustern ab, was ihn sehr vorhersehbar macht – bekanntes Märchen hin oder her.

Dem schwachen Drehbuch passen sich – zumindest teilweise – auch die schauspielerischen Leistungen an. Der „Huntsman“ (Chris „Thor“ Hemsworth) ist im Prinzip in Ordnung, auch wenn er es mit seiner Darstellung des ruppigen Trunkenboldes ein wenig übertreibt. Auch Charlize Theron als böse Stiefmutter spielt ganz gut. Neben diesen beiden gehen die übrigen Rollen ein wenig unter – was aber nichts gegen Kristen Stewart als „Snow White“ ist. Die junge Dame schafft es absolut nicht, ihre Figur auch nur einigermaßen sympathisch rüberkommen zu lassen – oder hat das mit der Synchronisation zu tun? Wie auch immer, begeisterndes Spiel sieht für mich anders aus. Sehr gut sind übrigens die Zwerge gelungen – lustig und ruppig, das gefällt, auch wenn man sich fragt, warum es unbedingt acht statt sieben Zwerge sein mussten.

Zu den geschilderten – aus meiner Sicht recht großen – Problemen gesellen sich noch kleinere Ungereimtheiten. Beispielsweise fragt man sich schon, warum „Snow White“ ausgerechnet das „Vaterunser“ betet. Christentum im Fantasy-Land? Völlig unverständlich… Und was zum …ähem… Teufel haben sich die Verantwortlichen dabei gedacht, weder „Snow White“ noch „Huntsman“ zu übersetzen? Nicht nur im Titel, sondern auch im Film? Das stört mich – der wahrlich nicht zu übertriebener Deutschtümelei neigt – ungemein. Charlize Theron spielt ja auch nicht die „Stepmother“ sondern die Stiefmutter, der König ist der „König“ und nicht der „King“. Nur die beiden Hauptpersonen wurden Englisch belassen – der Sinn entzieht sich mir völlig. Was vielleicht noch einigen Filmfreaks auffallen wird: Es gibt eine stattliche Anzahl an Szenen, bei denen man sich nicht gerade unauffällig bei anderen Streifen bedient hat. Um nicht zu sagen: Dreist geklaut. Beispielsweise flüchtet Snow White auf einem weißen Gaul vor diversen schwarz gekleideten Häschern auf schwarzen Pferden – die ganze Umsetzung inklusive Kameraarbeit erinnert frappierend an eine ähnliche Szene aus „Der Herr der Ringe – Die Gefährten“. Oder der „Spiegel“, der sich zunächst verflüssigt und danach menschenähnliche Form annimmt: „Terminator 2“ lässt grüßen. Das Auftauchen der Schwiegermutter aus einem Milchbad (?) lässt spontan an „Die Königin der Verdammten“ denken… Diese Liste ließe sich noch länger fortführen, man merkt aber schon, worauf ich hinaus will. Prinzipiell gilt ja oft „besser gut geklaut, als schlecht selber gemacht“, aber hier haben es die Filmemacher doch ein wenig übertrieben.

Mehr als zwei Punkte sind damit meiner Ansicht nach nicht drin für „Snow White & The Huntsman“. Schade eigentlich, ich denke die ganze Thematik hätte mit einem besseren Drehbuch wesentlich mehr hergegeben. Gerade im Hinblick auf die mehr als ordentliche Optik des Films.

Gesamteindruck: 2/7


Originaltitel: Snow White and the Huntsman
Regie: Rupert Sanders
Jahr: 2012
Land: USA
Laufzeit: 127 Minuten
Besetzung (Auswahl): Kristen Stewart, Chris Hemsworth, Charlize Theron, Bob Hoskins


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