FilmWelt: Schlacht um Midway

„Schlacht um Midway“ ist top besetzt (u. a. am Start: Fonda, Heston, Coburn, Mitchum) und eigentlich auch ganz gut gespielt. Zumindest, wenn man die Maßstäbe für einen linientreuen, patriotisch angehauchten US-Kriegsfilm aus den 1970er Jahren ansetzt, die nun nicht allzu hoch sind. Auch technisch ist das, was Regisseur Jack Smight (†  2003) auf die Beine stellt, gut gemacht und ausreichend spektakulär. Und historisch scheint mir das Ganze wesentlich akkurater zu sein als die „Pearl Harbor“-Katastrophe von Michael Bay. Eine hohe Wertung muss dem Film aber trotzdem versagt bleiben, vor allem, weil er aus heutiger Sicht nicht das erfüllt, was man sich erhofft: Ein Statement gegen den Krieg.

Gesamteindruck: 4/7


Krieg als strategisches Abenteuer.

Die historische Schlacht um Midway, die dem gleichnamigen Film als Hintergrund dient, war ein Wendepunkt am Pazifik-Schauplatz des 2. Weltkrieges. Den Amerikanern gelang es, der bis dahin weitgehend überlegenen Flotte der Japaner eine Niederlage beizubringen und damit die Initiative an sich zu reißen, die bis Kriegsende nicht mehr verloren ging. Der Film nimmt sich dieses Themas an, vorwiegend (natürlich) aus US-amerikanischer Sicht. Die japanische Seite wird zwar ebenfalls beleuchtet, jedoch weit weniger prominent. Diese Herangehensweise entspricht durchaus den Erwartungen an einen Kriegsfilm aus den 1970ern, letztlich ist es löblich, dass überhaupt versucht wird, auch ein bisschen vom Pech, das die Japanaer in bzw. vor dieser Schlacht eben auch hatten, darzustellen.

Wenn man sich die Fakten über „Schlacht um Midway“ zu Gemüte führt, ist man zunächst geradezu erschlagen von der Star-Power, die Regisseur Jack Smight auffährt: Henry „Admiral Nimitz“ Fonda (zwei Oscars) steht an der Seite von Charlton „Captain Garth“ Heston, Cliff „Commander Jessop“ Robertson und James „Captain Maddox“ Coburn (jeweils ein Oscar), dazu diverse Golden Globe-Preisträger und der sehr bekannte Robert „Admiral Halsey“ Mitchum, dem eine größere Auszeichnung in seiner Karriere verwehrt blieb. Dass mit einer solchen Besetzung schauspielerisch alles im Grünen Bereich ist, sollte also nicht überraschen. Im Übrigen machen auch die großteils von asiatisch-stämmigen Amerikanern gespielten Japaner eine sehr gute Figur, was oft genug übersehen wird. Und auch hinter der Kamera werkeln diverse Preisträger, darunter Komponist John Williams, x-facher Oscar- und Golden Globe-Gewinner.

Die Schauspieler und ihre Leistung sind meiner Ansicht nach also nicht für die durchwachsene Bewertung des Films verantwortlich, ebensowenig sind es Technik und Ausstattung, die sich auf der Höhe der Zeit bewegen und auch heute noch einen sehr guten Eindruck machen. Wobei es schon ein wenig auffällt, dass für die Dreharbeiten nur amerikanische Schiffe zur Verfügung standen, die auch der japanischen Seite als Kulisse dienten, aber sei’s drum. „Schlacht um Midway“ krankt auch nicht an der Handlung, die, soweit man das als Laie sagen kann, durchaus den realen Begebenheiten Rechnung trägt. Das Problem ist aus meiner Sicht einzig und allein im Drehbuch zu suchen.

Kurz gesagt: Der Film ist im Endeffekt zu oberflächlich, er konzentriert sich zu sehr auf die technischen und strategischen Seiten des Geschehens. Was der Film nicht zeigt (und wodurch er heutigen Sehgewohnheiten einfach zuwider läuft), ist die Auswirkung des Krieges auf die Soldaten, auf den Einzelnen. Der Krieg wird in „Schlacht um Midway“ zu einer Materialschlacht; die Perspektive konzentriert sich im Großen und Ganzen auf die Admiralität, die ihre Flieger und Schiffe mal hierhin, mal dorthin schiebt, ohne sich groß um die Verluste, die daraus entstehen, zu kümmern. Das mag sogar realistisch sein, leider wird es aber nicht genutzt, um gerade an diesen Zuständen Kritik zu üben. Die kleine Liebesgeschichte, die vorkommt, hätte es für mein Dafürhalten sowieso nicht gebraucht, sie ist aber glücklicherweise nicht entscheidend für die Handlung.

Es mag durchaus sein, dass all das für einen Kriegsfilm aus den 1970ern gereicht hat und vielleicht sogar gewünscht war. Das ändert aber nichts daran, dass es mir persönlich als Zuseher im Jahr 2017 zu wenig ist. Dennoch: Wenn man ohne Erwartung von tieferen Einblicken in die Soldaten-Seele rangeht, kann der Film durchaus unterhalten. Nicht mehr und nicht weniger.

Gesamteindruck: 4/7


Originaltitel: Midway
Regie: Jack Smight
Jahr: 1976
Land: USA
Laufzeit: 132 Minuten
Besetzung (Auswahl): Henry Fonda, Charlton Heston, James Coburn, Robert Mitchum, Robert Wagner, Glenn Ford, Toshirō Mifune



 

FilmWelt: Die Insel der besonderen Kinder

Eine Gruppe von jungen Menschen mit außergewöhnlichen Fähigkeiten versteckt sich vor der Welt – und vor bösen, ebenfalls „besonderen“ Wissenschaftlern. Das wird dem einen oder anderen aufgrund einer sehr bekannten Reihe von Marvel-Comic-Verfilmungen natürlich bekannt vorkommen. Glücklicherweise kann „Die Insel der besonderen Kinder“ problemlos für sich bestehen und hebt sich vom mutmaßlichen Vorbild wohltuend ab. 

Gesamteindruck: 5/7


Die „X-Jugend“.

Auch wenn „Die Insel der besonderen Kinder“ stilistisch – glücklicherweise – völlig anders gelagert ist, kann man die thematische Verwandtschaft zu den „X-Men“ nicht übersehen. Noch dazu stammt das Drehbuch von Jane Goldman, jener Autorin, die diese Position bereits für zwei X-Men-Filme bekleidet hat. Allerdings basiert „Die Insel der besonderen Kinder“ nicht auf einer Comicvorlage, sondern auf dem gleichnamigen Roman (im Original: „Miss Peregrine’s Home For Peculiar Children“, 2011) des 1980 geborenen Schriftstellers Ransom Riggs. Inwiefern sich der junge Riggs bei den alten X-Men bedient hat, entzieht sich meiner Kenntnis, weil ich bis zum Zeitpunkt dieser Rezension das Buch nicht gelesen habe.

Unabhängig von diesen Gedankengängen weiß der Film über weite Strecken zu gefallen. Zwischendurch gibt es zwar einige Längen, die sind aber zu verschmerzen. Einzige Ausnahme bildet die Darstellung der Beziehung zwischen Emma (Ella Purnell) und Jake (Asa Butterfield), die sich meines Erachtens zu klischeehaft und gleichzeitig recht zäh entwickelt. Insgesamt ist in Bezug auf Charaktere und Besetzung aber alles in Ordnung, auch wenn man beim eigentlich sehr geschätzten Samuel L. Jackson mittlerweile das Gefühl hat, dass er a) praktisch in jedem Film aus Hollywood mitspielt und b) seine Rollen immer sehr, sehr ähnlich sind (speziell wenn er als Bösewicht agiert). Letztlich spielt Jackson den bösen Mr. Barron dennoch passabel, allerdings hätte das Drehbuch ruhig etwas mehr Wert auf den Charakter des Schurken legen können (der in der Romanvorlage übrigens gar nicht vorkommt, vielleicht ist das das Problem).

Und noch ein Wort zur Besetzung: Die Rolle der Miss Peregrine hat Tim Burton meines Erachtens ganz klar für seine ehemalige Lebensgefährtin Helena Bonham Carter, die man ja aus diversen Burton-Filmen (zuletzt „Alice im Wunderland: Hinter den Spiegeln“, 2016) kennt, angelegt. Eva Green (bekannt u. a. aus der Serie „Penny Dreadful“) sieht in „Die Insel der besonderen Kinder“ nicht nur wie eine junge Ausgabe von Bonham Carter aus – sie agiert auch sehr ähnlich. Ich würde das weder als positiv noch als negativ bewerten, es ist einfach ein Punkt, der auffällt.

Ansonsten sieht man die Handschrift von Tim Burton vornehmlich in der Optik der „Hollowgasts“. Deren unheimliches Aussehen und ihre Art, Opfer zu verfolgen und zu töten zeigt, dass der Film für Kinder nicht geeignet ist. Dafür sorgt auch der eine oder andere Splatter-Effekt. A pro pos Effekte: Optisch ist „Die Insel der besonderen Kinder“ ausgesprochen gut gelungen – auch, weil man es mit dem Einsatz von Special Effects und CGI nicht übertreibt (bzw. sehr geschickt agiert), was heutzutage eine wohltuende Ausnahme ist.

Allerdings ist nicht alles Gold, was glänzt. Auch wenn die Geschichte sehr solide erzählt wird und Drehbuch sowie Schauspieler ihre Sache großteils sehr gut machen, hat der Film meiner Meinung nach ein wenig mit der Logik zu kämpfen. Das ist beim Thema „Zeitschleifen“ nicht ungewöhnlich – in diesem Fall ist mir aber ein bisschen zu viel „timey-wimey“ dabei, sodass man sich vor allem zum Schluss hin sehr schwer tut, überhaupt folgen zu können. Und das sage ich als Fan von Science Fiction im Allgemeinen und Zeitreise-Geschichten im Speziellen. Leider wirkt das Finale dadurch überhastet und zu wenig ausgearbeitet – wobei ich nicht verhehlen möchte, dass ich vielleicht ein wenig zu kritisch bin, was die Logik betrifft.

Alles in allem macht das gute 5 Punkte für einen unterhaltsamen Film, der kleine Längen hat und gelegentlich vielleicht etwas zu viel will, ohne sich richtig zu erklären.

Gesamteindruck: 5/7


Originaltitel: Miss Peregrine’s Home for Peculiar Children
Regie: Tim Burton
Jahr: 2016
Land: USA/UK/Belgien
Laufzeit: 127 Minuten
Besetzung (Auswahl): Asa Butterfield, Ella Purnell, Eva Green, Samuel L. Jackson, Judi Dench



 

FilmWelt: Sweeney Todd

Von Tim Burton hat man ja schon die unterschiedlichsten Themen serviert bekommen – 2007 gesellte sich ein Musical aus dem Jahr 1979 dazu, dessen Wurzeln sogar bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts zurück reichen. Allein schon diese Konstellation macht zumindest neugierig auf den Film.

Gesamteindruck: 5/7


Eine Geschichte über Rache.

Wer von „Sweeney Todd – Der teuflische Barbier aus der Fleet Street“ leicht verständliches Popcorn-Kino erwartet, wird sich wohl bereits in den ersten Minuten abwenden. Das liegt nicht an der komplexen Handlung, sondern vielmehr daran, dass hier tatsächlich ein Broadway-Musical adaptiert wurde, das heißt, es wird sehr viel mit Gesang gearbeitet und wenig gesprochen. Das kann vor allem durch die nicht sehr eingängige Musik (die allerdings ein wichtiges Markenzeichen des Stückes an sich ist) schon mal anstrengend werden. Andererseits ist es relativ einfach, der Geschichte zu folgen, mit einigermaßen guten Englischkenntnissen kann man sich voll auf das eigentliche Geschehen konzentrieren und braucht die Untertitel nur in Ausnahmefällen. Die schauspielerische (und meiner Meinung nach auch die gesangliche) Leistung von Burtons Haus-und-Hof-Mimen-Duo Johnny Depp und Helena Bonham Carter geht vollkommen in Ordnung und ist dem Thema mehr als angemessen.

Die Geschichte selbst wäre an sich schnell erzählt und wird durch die Songs auf Spielfilmlänge ausgedehnt – ein durchaus legitimes Mittel, wenn man bedenkt, dass das in jedem Actionfilm ähnlich ist. Statt Lieder werden dort eben mehrminütige Verfolgungsjagden oder Kampfsequenzen geboten, um die nötige Filmdauer zu erreichen. Was als größere Kunst empfunden wird, kann eigentlich nur Geschmackssache sein, ihre Daseinsberechtigung haben beide Formen. Dass die Gesangsdarbietung dabei durchaus ihre Längen hat, soll allerdings nicht verhehlt werden. Auch, dass eigentlich nicht sehr viel wirkliche Spannung aufkommt (wie man sie auch von einer Musical-Adaption irgendwie erwartet, wenn sie für den Mainstream angeboten wird), ist kaum abzustreiten. Daran können auch die stimmungsvoll eingefangenen Kulissen und das insgesamt sehr düstere Setting nicht viel ändern.

Als sehr einfach und damit durchaus nicht schlecht in Szene gesetzt empfinde ich die Moral, die hinter dem Ganzen steckt – das Streben nach Rache, das im Endeffekt nur zum eigenen Untergang führt. Durch dieses wahrlich Unhappy End werden auch die exzessiven Gewaltdarstellungen relativiert – wobei man natürlich sagen muss, dass deren absolute Überzeichnung sowieso kaum eine fragwürdige Interpretation zulässt.

Punkteabzüge gibt es für einige Längen, die in den Gesangs-Sequenzen entstehen (manchmal ertappt man sich sogar dabei, wie man mit der „Fastforward“-Taste liebäugelt) und für die zum Teil fehlende Spannung. Größter Minuspunkt ist allerdings das unfertig wirkende Ende, das das Publikum doch einigermaßen ratlos zurücklässt. Man erfährt nicht, wie es mit den recht gut aufgebauten Nebenrollen weitergeht, was sehr schade ist (wobei ich allerdings nicht weiß, wie es damit im Original-Musical aussieht) – solide 5 Punkte.

Gesamteindruck: 5/7


Originaltitel: Sweeney Todd: The Demon Barber of Fleet Street.
Regie: Tim Burton
Jahr: 2007
Land: USA
Laufzeit: 116 Minuten
Besetzung (Auswahl): Johnny Depp, Helena Bonham Carter, Alan Rickman, Timothy Spall



 

MusikWelt: …And Justice For All

 Metallica


Insgesamt setzt „…And Justice For All“ den von Metallica seit dem Debüt eingeschlagenen Kurs der stetigen Weiterentwicklung fort. Da das Album jedoch produktionstechnisch ein Rückschritt und die Songauswahl zwar überzeugend, jedoch einen Tick schwächer als auf beiden Vorgängern ist, gibt es 6 Punkte. Nicht schlecht für eine Platte einer Band auf personellem und musikalischem Scheideweg.

Gesamteindruck: 6/7


Musikalische Weiterentwicklung, produktionstechnischer Rückschritt.

Wenn man das 1988er-Album von Metallica zum ersten Mal hört, fallen sofort einige Veränderungen gegenüber den früheren Werken auf. Zum einen hat sich die Produktion, die zuvor bei „Master Of Puppets“ (1986) erstmals wirklich gut war, verschlechtert. Es gibt praktisch keinen Bass mehr zu hören, was wohl an der schwierigen Zeit nach dem Tod des ursprünglichen Bassisten Cliff Burton († 1986) lag. Dessen Nachfolger Jason Newsted musste ein extrem schweres Erbe antreten, was – in der Rückschau – eigentlich nie so richtig funktioniert hat. Was weniger an Newsted selbst gelegen haben dürfte, aber das ist eine andere Geschichte.

Doch damit nicht genug, auch die restliche Produktion klingt irgendwie saft- und kraftlos. Damals war das noch nicht zu erkennen, aber mittlerweile wissen wir ja, dass sich an diesem Thema bis zum immer noch aktuellen Album „Death Magnetic“ nach wie vor die Geister scheiden. Schade eigentlich, denn gerade auf „…And Justice For All“ stehen komplexe Kompositionen, die sich eine viel besser Klangqualität verdient, diese sogar gebraucht hätten, um sich vollständig zu entfalten.

Auffällig ist auch, dass diesmal nur wenige der Songs wirklich beim ersten Anhören sofort zu gefallen wissen und sich im Gehörgang festsetzen. Das liegt an der bereits angesprochenen Komplexität, die noch dazu durch die Überlänge einzelner Stücke verstärkt wird. So fallen beim ersten Hören lediglich drei Stücke sofort auf, die allerdings hervorragend sind und trotz guter Eingängigkeit nichts an Langzeitwirkung einbüßen: der Opener „Blackened“, das stoisch riffende „Eye Of The Beholder“ und einer der besten Metal-Tracks überhaupt: die Antikriegshymne „One“. Ebenfalls gut gelungen ist der Titeltrack, eine auf über 9 Minuten ausgedehnte Thrash-Hymne, die ihresgleichen sucht. Auch das Instrumental („To Live Is To Die“) weiß zu gefallen, wenngleich es für meinen Geschmack nicht an „The Call Of Ktulu“ (auf „Ride The Lightning“, 1984) und auch nicht ganz an „Orion“ (auf „Master Of Puppets“) heranreicht. „The Frayed Ends Of Sanity“ geht ebenfalls in Ordnung, während der Rausschmeißer „Dyers Eve“ für mich arg durchschnittlich klingt.

Am unteren Ende des Spektrums finden sich das eher langweilige „The Shortest Straw“ und – auch wenn das viele nicht hören mögen – der schwere Groover „Harvester Of Sorrow“. Ja, live kommt die Nummer ganz gut, auf Album langweilt mich das Stück dennoch relativ schnell.


Track – Titel – Länge – Wertung

  1. Blackened – 6:40 – 7/7
  2. …And Justice For All – 9:44 – 6/7
  3. Eye Of The Beholder – 6:25 – 6/7
  4. One – 7:24 – 7/7
  5. The Shortest Straw – 6:35 – 3/7
  6. Harvester Of Sorrow – 5:42 – 4/7
  7. The Frayed Ends Of Sanity – 7:40 – 5/7
  8. To Live Is To Die (Instrumental) – 9:48 – 5/7
  9. Dyers Eve – 5:12 – 4/7

 Gesamteindruck: 6/7 


Metallica auf “…And Justice For All” (1988):

  • James Hetfield − Vocals, Rhythm Guitar
  • Kirk Hammett − Lead Guitar
  • Jason Newsted – Bass
  • Lars Ulrich − Drums

Anspieltipp: One


 

MusikWelt: Master Of Puppets

 Metallica


Unglaublich hoch haben sich Metallica die Messlatte mit den legendären Vorgängern „Kill ‚Em All“ (1983) und „Ride The Lightning“ (1984) für „Master Of Puppets“ (1986) gelegt. So hoch, dass es – zumindest aus meiner Sicht – nicht möglich war, sie zu überspringen. Genauso ist es auch gekommen.

Gesamteindruck: 7/7


Der dritte Klassiker en Suite.

Ja, es mag für viele, die dieses Album für absolut unangreifbar halten, wie Gotteslästerung klingen. Dennoch: Mit „Master Of Puppets“ (1986) können Metallica meiner Ansicht nach vor allem den extrem starken Vorgänger nicht ganz übertreffen, das hohe Niveau allerdings halten. Im Songwriting ist eine deutliche Veränderung, hin zu noch mehr Details, zu hören, was nur eine konsequente Fortsetzung des von Beginn an eingeschlagenen Kurses ist. Damit ist die grobe Marschrichtung vorgegeben. Eine weitere – sehr starke – Verbesserung von Gesangsleistung und Produktion ist ebenfalls zu bemerken, was den Songs sehr gut zu Gesicht steht.

Am Beginn der Platte steht allerdings mit „Battery“ ein sehr einfaches, punkig-thrashiges Stück, das unglaublich nach vorne geht. Besser kann man ein Album kaum einläuten, der Song ist dank des einprägsamen Intros auch live zur Konzerteröffnung fantastisch geeignet. In eine ähnliche Kerbe haut der Rausschmeißer „Damage Inc.“. Dazwischen gibt es mit „Welcome Home (Sanitarium)“ eine grandiose, für Metallica typische Halbballade mit intelligentem Text, mit „Orion“ ein gutes Instrumental (das aber nicht ganz an das Meisterwerk auf diesem Gebiet, „The Call Of Ktulu“ von „Ride The Lightning“, heranreicht) und mit „Disposable Heroes“ einen komplexen Thrasher in Überlänge, der aufgrund der tollen Gitarrenarbeit trotz der üppigen Spielzeit auf Anhieb zu gefallen weiß. Alles andere überragend ist natürlich der sogar noch längere Titeltrack, wohl eines der besten und abwechslungsreichsten Stücke, das die Band je geschrieben hat. Von der harten Strophe über den Mitschrei-Refrain bis hin zu den doppelläufigen Gitarren-Leads im Mittelteil stimmt an dieser Nummer einfach alles, in meinen Ohren der Höhepunkt des Schaffens der Jungs aus der Bay Area (lediglich „One“ und „The Four Horsemen“ kommen da, was das Feeling betrifft, einigermaßen hin). Was man der Truppe auch noch zugute halten muss, sind die sehr guten, kritischen Texte, die vor allem im Titeltrack, „Welcome Home (Sanitarium)“ und „Disposable Heroes“ regelrecht vom Hocker reißen.

Weniger begeisternd, aber immer noch über dem Durchschnitt liegt für mich „Leper Messiah“, das zwar ein sehr gutes Solo hat, aber ansonsten mehr schlecht als recht zünden will, was im Vergleich zu den vorangegangenen Nummern allerdings auch schwierig ist. Schwer zu bewerten ist für mich außerdem „The Thing That Should Not Be“, ein tonnenschwerer Groover, der live zwar sehr gut kommt, auf Platte aber nie so richtig Fahrt aufnimmt. Das Stück ist zwar nicht schlecht und weit vom Totalausfall entfernt, nur wirklich glücklich werde ich damit auch nicht – das ist jedoch Meckern auf hohem Niveau.

Letztendlich habe ich also in der ersten und zweiten Hälfte der Platte jeweils ein Stück, das ich nicht als so perfekt empfinde (gemessen am Rest der Nummern) – damit ist für mich „Ride The Lightning“ insgesamt der beste Output von Metallica. Für 7 Punkte reicht das bei mir aber auch für „Master Of Puppets“ immer noch, wenngleich auch nicht ganz so klar wie bei der 1984er Göttergabe. Ohne mein heutiges Wissen um das, was Metallica in den folgenden zwei Jahrzehnten machten (von dem mir einiges gefiel, einiges nicht) hätte ich vielleicht sogar einen Punkt abgezogen. So ist und bleibt „Master Of Puppets“ allerdings eines der prägendsten und besten Werke der Metal-Historie.


Track – Titel – Länge – Wertung

  1. Battery – 5:12 – 7/7
  2. Master Of Puppets – 8:36 – 7/7
  3. The Thing That Should Not Be – 6:37 – 4/7
  4. Welcome Home (Sanitarium) – 6:27 – 7/7
  5. Disposable Heroes – 8:17 – 7/7
  6. Leper Messiah – 5:40 – 5/7
  7. Orion (Instrumental) – 8:28 – 6/7
  8. Damage, Inc. – 5:29 – 6/7

 Gesamteindruck: 7/7 


Metallica auf “Master Of Puppets” (1986):

  • James Hetfield − Vocals, Rhythm Guitar
  • Kirk Hammett − Lead Guitar
  • Cliff Burton (†) – Bass, Backing Vocals
  • Lars Ulrich − Drums, Percussion

Anspieltipp: Master Of Puppets


 

MusikWelt: Ride The Lightning

 Metallica


Bot das Debüt der Jungs aus der Bay Area („Kill ‚Em All“, 1983) noch ungestüme Rasanz und Wildheit, gelang es Metallica nur ein Jahr später mit dem Zweitwerk „Ride The Lightning“, ihre Aggression in ein wenig kontrolliertere Bahnen zu lenken. Das Songwriting der Band war nie besser als auf vorliegendem Werk und dem Nachfolger „Master Of Puppets“ (1986), den ich persönlich als nahezu gleich genial einstufe (ja, nicht jeder Fan der alten Schule findet, dass „Master Of Puppets“ die bessere Platte ist).

Gesamteindruck: 7/7


Ein Klassiker – zu Recht hoch gelobt.

„Ride The Lightning“ genießt im Prinzip seit seiner Veröffentlichung den Status eines Klassikers – zu Recht, wie ich an einigen Punkten festmachen möchte. Augenfälligste Veränderung gegenüber dem Debüt ist das abwechslungsreichere Songwriting. Hier wird nicht mehr auf Teufel komm raus gethrasht, es finden sich im Gegenteil eine Handvoll langsamere Nummern, die aber gerade dadurch eine unglaubliche Intensität erreichen. Dazu passt auch, dass sich auf dem gesamten Album für meine Ohren kein einziger Ausfall befindet – ein Luxus, den sich die Band danach leider nie mehr leistete. Hier stimmt einfach alles, vom brachialen Opener „Fight Fire With Fire“ über den Titeltrack und das schnelle „Trapped Under Ice“ bis hin zum auch anno 2016 immer noch besten Metallica-Instrumental „The Call Of Ktulu“, in dem die damals noch sehr junge Truppe zeigt, was für ein musikalisches Talent in ihr steckt.

Dazwischen gibt es mit „For Whom The Bell Tolls“ und „Creeping Death“ zwei Über-Songs, die mit Recht auch heute noch ganz oben auf der Setlist stehen. Ersteres ist dabei ein Musterbeispiel, wie man mit relativ simplen Mitteln einen Klassiker fabrizieren kann, während letzteres durch seinen Mitgröl-Refrain und das gebellte „Die! Die! Die!“ im Mittelteil zu bestechen weiß. Mit „Fade To Black“ stimmen Metallica auch erstmals (halb-) balladeske Töne an, die durchaus zu gefallen wissen. Dass man den Text dabei nicht allzu ernst nehmen sollte, dürfte sich mittlerweile bereits herumgesprochen haben. Der Song selbst ist sehr gut aufgebaut und nimmt eigentlich alles vorweg, was bei „One“ später perfektioniert wurde, versprüht aber den etwas raueren Charme. Wenn man unbedingt ein Haar in der Suppe finden möchte, kann man „Escape“ als Schwachpunkt des Albums erwähnen. Grund dafür mag der etwas unspektakuläre Aufbau sein, der die Nummer im Kreis der Klassiker ein wenig untergehen lässt. Dem kann ich nicht widersprechen, um einen Totalausfall handelt es sich allerdings nicht, eher um einen durchschnittlichen Song, was auf dieser Platte natürlich umso stärker auffällt.

Ein weiterer Punkt, der erwähnt werden sollte, ist der Gesang von James Hetfield, der zwar noch weit von seinen späteren Leistungen entfernt ist, sich aber dennoch stark gegenüber „Kill ‚Em All“ verbessert hat. Seinen gesanglichen Höhepunkt hatte der Frontmann meines Erachtens in den 1990ern, aber der Quantensprung war nie so groß wie zwischen den ersten beiden Alben. Man muss dem Sänger sowieso zugute halten – ob man die Gesamtentwicklung von Metallica nun gut findet oder nicht – dass seine Vocals zumindest hervorragend zur jeweiligen Platte passen. Damit einher gehen auch die Texte, die sich auf „Ride The Lightning“ deutlich weiterentwickelt haben und erstmals in eine sozialkritische Richtung gehen.

Als Fazit kann stehenbleiben, dass es den Jungs aus San Francisco mit „Ride The Lightning“ gelungen ist, das sowieso schon superbe Debüt noch zu toppen – eine außergewöhnliche Leistung, die natürlich nur die Höchstwertung bedeuten kann.


Track – Titel – Länge – Wertung

  1. Fight Fire With Fire – 4:45 – 6/7
  2. Ride The Lightning – 6:36 – 7/7
  3. For Whom The Bell Tolls – 5:09 – 7/7
  4. Fade To Black – 6:57 – 6/7
  5. Trapped Under Ice – 4:04 – 6/7
  6. Escape – 4:23 – 5/7
  7. Creeping Death – 6:36 – 7/7
  8. The Call Of Ktulu (Instrumental) – 8:53 – 7/7

 Gesamteindruck: 7/7 


Metallica auf “Ride The Lightning” (1984):

  • James Hetfield − Vocals, Rhythm Guitar
  • Kirk Hammett − Lead Guitar
  • Cliff Burton (†) – Bass, Backing Vocals
  • Lars Ulrich − Drums, Percussion

Anspieltipp: Creeping Death


 

FilmWelt: Ed Wood

Alles in allem ein, vor allem aus ästhetischer Sicht, sehr gut gelungener Film. Leider wirkt die Geschichte unvollständig und lässt den Zuschauer damit ein wenig ratlos zurück. Aufgewogen wird das durch die Liebe zum Detail und den Respekt, den Regisseur Tim Burton in jeder einzelnen Szene für den realen Ed Wood und dessen dilettantische Riege an Schauspielern durchschimmern lässt. Fast könnte man dadurch zum Schluss kommen, dass die Filme, die „der schlechteste Regisseur aller Zeiten“ zu verantworten hatte, zu Unrecht belächelt wurden.

Gesamteindruck: 5/7


Sehr schöner Film, als Biographie aber unvollständig.

Die Geschichte des „schlechtesten Regisseurs aller Zeiten“ (wobei ich mir aus heutiger Sicht nicht sicher bin, dass Ed Wood dieser Titel überhaupt gebührt) bietet natürlich reichlich interessanten Stoff. Allerdings liegt genau darin ein Problem der Verfilmung: Regisseur Tim Burton greift sich einen sehr kurzen Ausschnitt aus Woods Leben heraus und erzeugt damit einen einigermaßen verfälschten Eindruck. Zwar waren die Dreharbeiten zu „Bride of the Monster“ und „Plan 9 from Outer Space“ der Höhepunkt der Karriere des Regisseurs, dennoch wäre es für eine Biografie (und als solcher soll der Film ja auch verstanden werden) angemessener, wenn das ganze Leben der Hauptfigur beleuchtet würde. Vor allem ist es ja so, dass Woods Leben kein Happy-End hatte, wie der Film suggeriert. Das erfährt man zwar im Abspann, leider wird gerade dadurch das Gefühl der Unvollständigkeit gefördert. Mag sein, dass der Regisseur das beabsichtigt hat, ich persönlich hätte jedoch gerne mehr über die Person Ed Wood erfahren.

Was Burton jedoch sehr gut gelungen ist, ist die Darstellung der Freundschaft zwischen Ed Wood und Bela Lugosi, der seinen Zenit damals längst überschritten hatte. Hier läuft Martin Landau zur Hochform auf – man freut sich über jeden seiner Auftritte als abgewrackter, vom Drogenmissbrauch gezeichneter, ungarischer Star der skurrilen, Wood’schen Schauspieltruppe. Im Vergleich dazu wirkt die Darbietung von Burton Haus- und Hofschauspieler Johnny Depp ein wenig zu hölzern, aber dennoch akzeptabel. Sehr gut sind auch die Nebendarsteller – lediglich die Rolle des Wrestlers Tor Johnson, verkörpert von George „The Animal“ Steele wirkt für mich ein wenig zu klischeehaft.

Was die technische Ausführung betrifft, scheint es die natürlichste Sache der Welt zu sein, dass ein solcher Streifen in schwarz/weiß gehalten ist. Überhaupt erinnert die gesamte Umsetzung an einen Film aus den 50er Jahren, Beleuchtung, Kostüme, selbst der Ton sind angemessen, wenn auch glücklicherweise von entschieden besserer Qualität als in einem Ed Wood-Original. Hier merkt man Tim Burton seine Liebe zum Detail und seine Liebe zu alten „B-Movies“ jederzeit an, ebenso den Respekt, den er damit dem „schlechtesten Regisseur aller Zeiten“ zollen möchte. Nicht, dass die Filme von Wood dadurch plötzlich zu Meisterwerken würden – jedoch schafft es Burton, die Zuschauer auf die Seite des liebenswerten Verlierers zu ziehen und ungeahnte Sympathiewerte für ihn zu wecken.

Gesamteindruck: 5/7


Originaltitel: Ed Wood.
Regie: Tim Burton
Jahr: 1994
Land: USA
Laufzeit: 127 Minuten
Besetzung (Auswahl): Johnny Depp, Martin Landau, Sarah Jessica Parker, Patricia Arquette



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