MusikWelt: Thalassic

Ensiferum


Mit ihrem 8. Longplayer begeben sich Ensiferum auf ungewohntes Terrain: „Thalassic“ ist altgriechisch und bedeutet soviel wie „von der See“ oder „zum Meer gehörend“. Um ein richtiges Konzeptalbum handelt es sich jedoch nicht; die einzelnen Tracks haben zwar alle mehr oder weniger das feuchte Element zum Thema, erzählen aber keine zusammenhängende Geschichte. Doch nicht nur die Sprache des Titels und das Thema sind ungewöhnlich, denn Ensiferum haben nach einem neuerlichen Personalwechsel gleich auch den Power Metal-Anteil deutlich nach oben geschraubt.

Gesamteindruck: 6/7


Ungewohntes Terrain.

Die letzten Ensiferum-Alben (allen voran „Two Paths“, 2017) litten unter Ideenlosigkeit. Oder den falschen Ideen. Mit „Thalassic“ gelingt es den Finnen meiner Ansicht nach, das Ruder einigermaßen herumzureißen – ob der Kurswechsel dauerhaft ist, wird die Zeit zeigen müssen, ebenso ob und wie der neue Sound bei den alten Fans ankommt. „Neuer Sound“? Ja, richtig gelesen, denn Neuzugang Pekka Montin übernimmt auf „Thalassic“ nicht nur die vakante Position am Keyboard, sondern auch weite Teile des Klargesangs. Der Finne überzeugt mit einem theatralischen Organ, irgendwo zwischen einem jungen Tobias Sammett (EdguyAvantasia) und Timo Kotipelto (Stratovarius) und bildet damit einen starken Kontrast zu Schreihals Petri Lindroos. Freilich gab es auch auf den bisherigen Alben von Ensiferum Klargesang, doch nie dermaßen präsent – erstmals in der mittlerweile 25-jährigen Bandgeschichte (wobei das Debüt erst 2001, also vor „nur“ 20 Jahren, erschienen ist) hat man das Gefühl, dass harsche und klare Vocals vollkommen gleichberechtigt nebeneinander stehen. Wenn man sich die Sache genauer besieht, ist das allerdings nur eine Weiterentwicklung eines Ansatzes, den man schon auf dem mediokren Vorgänger „Two Paths“ versucht hat. Bereits dort haben sich neben Lindroos weitere Bandmitglieder am Mikro versucht, allerdings mit recht unterschiedlichem Erfolg. Nun ist mit Montin erstmals ein Mann an Bord, der über eine ausgebildete und kraftvolle Singstimme verfügt. Zusätzlich wurden seine Gesangsspuren im Mix stark in den Vordergrund gestellt, sodass sie zum Teil sogar das Gebrüll von Lindroos zu dominieren scheinen.

All das verschiebt Ensiferum genre-technisch tatsächlich ein Stück weiter in Richtung Power Metal. Schluck. In einer Sache kann man allerdings direkt Entwarnung geben: Wer nach der ersten Auskoppelung „Rum, Women, Victory“ befürchtet hatte, Ensiferum würden sich langsam aber sicher in Alestorm verwandeln, kann beruhigt aufatmen. Zum einen ist das die einzige Spaßnummer, die textlich an die schottischen Piraten erinnert, zum anderen klingen Ensiferum allem Klargesang zum Trotz über weite Strecken immer noch wie sie selbst. Das heißt, auch auf „Thalassic“ stehen acht Songs (plus das gute Intro „Seafarer’s Dream“), die teilweise hart und schnell, teilweise getragen und hymnisch, aber immer extrem eingängig sind.

Macht Spaß. Zumindest mir.

Klassische Ensiferum-Nummern, für alle, die es am liebsten traditionell mögen, sind mit „Rum, Women, Victory“ (sieht man vom Piraten-Text ab), „Andromeda“, „Run From the Crushing Tide“, „For Sirens“ und „Cold Northland (Väinämöinen Part III)“ (dazu gleich noch ein Wort) mehr als genug vorhanden. Lauter gute Tracks, die jeden, der den melodisch-folkigen Stil der Band grundsätzlich mag, überzeugen sollten. Dazu kommt durch das zusätzliche Gesangstalent am zweiten Mikro noch eine von Ensiferum bisher nur in Ausnahmefällen erreichte Epik – man höre dazu vor allem „One With the Sea“, eine Nummer, die man so nicht mehr von den Schwertträgern erwartet hätte. Der letzte in dieser Intensität und Tonalität vergleichbare Song datiert aus 2004 („Lost in Despair“ auf „Iron“).

Und weil wir gerade von der Vergangenheit reden, sei, wie oben kurz angedeutete, auch der zweite super-epische Track auf „Thalassic“ erwähnt: „Cold Northland (Väinämöinen Part III)“ ist eine Reminiszenz auf „Old Man“ und „Little Dreamer“, die ersten beiden Parts von „Väinämöinen“, die 2001 auf dem Debüt „Ensiferum“ standen. Tatsächlich gelingt es den Finnen (von denen 2001 nur Markus Toivonen schon an Bord war) dieses alte Thema gut und konsequent in die Neuzeit zu transportieren – auch hier dank ihres neuen Sängers, der sich das Mikro brüderlich mit Schreihals Petri Lindroos teilt. Gefällt mir ganz ausgezeichnet!

Der Rest des Materials auf „Thalassic“ ist kurz, bewegt sich nie über die 5-Minuten-Marke.  Wirklich negativ ist mir tatsächlich kein einziger Track aufgefallen. Eventuell würde ich bekritteln, dass Ensiferum es mit dem Folk-Anteil in „Midsummer Magic“ etwas zu bunt treiben (das klingt mir zu sehr nach Korpiklaani, mag dem einen oder anderen gefallen, mir nicht ganz so gut), der Gesang in „The Defence of the Sampo“ ziemlich merkwürdig anmutet und die Texte zum Teil gezwungen wirken (oder ihre Intonierung, man höre Auskoppelung Nummer 2, „Andromeda“).

Ansonsten geht das Album aber sehr gut rein, wenn man sich mit der gesangstechnisch so ungewohnten Ausrichtung per se anfreunden kann. Tatsächlich halte ich das für den größten Knackpunkt bei „Thalassic“ – denn auch ich war mir zunächst nicht sicher, ob ich die Platte überhaupt mag. Dann, nach einigen Durchläufen und diversen Ohrwürmern, war ich mir nicht sicher, ob ich „Thalassic“ als Ensiferum-Fan der ersten Stunde überhaupt mögen „darf“. Schließlich, nach ein paar weiteren Durchgängen, habe ich beschlossen, dass mir das egal ist. Dieses Album macht von vorne bis hinten einfach nur Spaß. Mir jedenfalls geht es so – ich gebe auch zu, dass ich eine gewisse Power Metal-Affinität habe und immer schon hatte. Wem die abgeht, der wird „Thalassic“ wohl nicht so positiv aufnehmen und darf gerne den einen oder anderen Punkt abziehen. Für mich ist dieses Album jedenfalls großes Kino, auch wenn es nicht an die ganz alten Großtaten der Finnen heranreicht.

PS: Ich persönlich finde es trotz allem schade, dass für Netta Skog (ex-Turisas) bei Ensiferum nach nur einem Album schon wieder Schluss war. Auch wenn Neuzugang Pekka Montin es offenbar besser als seine Vorgängerin geschafft hat, für frischen Wind zu sorgen, werde ich die extrovertierte Finnin mit ihrem Akkordeon vor allem bei Live-Auftritten vermissen. Von dem, was man bisher mitbekommen hat (das Video zu „Andromeda“ und die Covid-bedingte Release-Show im Studio) ist Montin zwar ein begnadeter Sänger, muss aber wohl erst in den Ensiferum-Kosmos reinfinden. Zum Zeitpunkt dieser Rezension wirkt er jedenfalls noch ein bisschen wie ein Fremdkörper zwischen den altgedienten Recken… aber all das nur am Rande, hat ja mit der Qualität von „Thalassic“ nicht zu tun.


Track – Titel – Länge – Wertung

metal-archives.com

  1. Seafarer’s Dream – 3:01 – 5/7
  2. Rum, Women, Victory – 4:16 – 5/7
  3. Andromeda – 4:04 – 6/7
  4. The Defence of the Sampo – 4:50 – 4/7
  5. Run from the Crushing Tide – 4:22 – 5/7
  6. For Sirens – 4:40 – 5/7
  7. One with the Sea – 6:10 – 6/7
  8. Midsummer Magic – 3:42 – 5/7
  9. Cold Northland (Väinämöinen Part III) – 8:41 – 7/7

Gesamteindruck: 6/7 


Ensiferum auf “Thalassic” (2020):

  • Petri Lindroos – Vocals, Guitars
  • Markus Toivonen – Guitars, Vocals, Backing Vocals
  • Sami Hinkka – Bass, Vocals, Backing Vocals
  • Janne Parviainen – Drums
  • Pekka Montin – Keyboards, Vocals, Backing Vocals

Anspieltipp: Cold Northland (Väinämöinen Part III)

 

MusikWelt: From Afar

Ensiferum


Gut zehn Jahre ist es mittlerweile her, dass Ensiferum mit ihrem 4. Longplayer „From Afar“ um die Ecke kamen. In meiner Erinnerung war das Album gut, bot aber mit „From Afar“ und „Twilight Tavern“ nur zwei Songs, die ich bis heute regelmäßig höre und die sich nach wie vor praktisch immer auf der Live-Setlist der Finnen finden. Höchste Zeit also, mit ein paar neuen Durchläufen herauszufinden, wie der Rest der Songs klingt. Und vor allem, ob die Enttäuschung, an die ich mich zu erinnern glaube, tatsächlich gerechtfertigt war.

Gesamteindruck: 6/7


Epische Breite.

Der Start ins Album ist tatsächlich auch heute noch so amtlich wie 2009: Vom Intro „By the Dividing Stream“ über „From Afar“ und „Twilight Tavern“ entsteht sofort das typische Ensiferum-Feeling. Vor allem der Titeltrack hat es in sich und ist meines Erachtens eine der besten Nummern der „Schwertträger“ überhaupt. Einfach nur die Faust in die Luft strecken und mitbrüllen möchte man hier. Abgesehen von diesem heroischen Doppelschlag ist in meinem Hirn noch das leicht merkwürdige „Stone Cold Metal“ mit seinem Western-Zwischenteil abgespeichert – aus heutiger Sicht der erste Song einer für Ensiferum inhaltlich und teils auch musikalisch ungewohnten Machart, dem auf den nächsten Alben Nummern wie z.B. „Two of Spades“ folgen sollten. Geht ganz gut rein, hat aber relativ wenig mit dem bis dato durchgezogenen Folk Metal zu tun.

So weit, so gut. Spannender wird es dann beim Rest von „From Afar“. Schuld daran (wenn man so will) sind zwei Tracks, die in der Mitte und am Ende des Albums platziert wurden und dadurch alles dazwischen ein wenig in Vergessenheit geraten lassen. Namentlich ist das der für Ensiferum-Verhältnisse überlange „Heathen Throne“-Zweiteiler, bestehend aus eben „Heathen Throne“ und „The Longest Journey (Heathen Throne Part II)“. Hier muss man dann doch genauer hinhören, als man es von den ersten Alben der Finnen gewohnt war, erst dann offenbart sich die schöne Epik dieser Tracks. Hier haben es Ensiferum tatsächlich geschafft, Komplexität und Songwriting-Skills an Stelle ihrer sonst eher einfachen Hymnen zu setzen. Das mag nicht jedem gefallen, weil es nicht den schnellen und fröhlichen Humppa-Kick eines „Twilight Tavern“ bietet – ich finde bei genauerer Betrachtung den Versuch, etwas andere Songs zu schreiben aber durchaus gelungen. Und, seien wir uns ehrlich: Auch „Heathen Throne“ ist kein Prog Metal. Aber nicht mehr und nicht weniger als eine schön durchkomponierte Erzählung in der man zu jeder Sekunde den Stil von Ensiferum erkennt.

Man sollte genau hinhören.

Letztlich macht jeder neue Durchgang von „From Afar“ klar, was bei mir damals (2009) passiert ist. Ich stand damals noch stark unter dem Eindruck der ersten drei Alben der „Schwertträger“, die allesamt großartig, aber auch sehr leicht zugänglich waren. Platte Nummer 4 hat dagegen zwei überlange Tracks zu bieten, die sich naturgemäß etwas schwerer erschließen. Bis zu diesem Zeitpunkt war der sehr gute „Victory Song“ (von „Victory Songs“, 2007) der einzige Versuch der Band, auf der Langstrecke was zu reißen. Diese Nummer verfügte allerdings über einen extrem eingängigen Refrain, was sie deutlich leichter konsumierbar macht, als die zwei Parts von „Heathen Throne“. Nicht, dass die nicht auch eingängig wären, aber ein bisschen muss man sie sich schon erarbeiten. Und genau das hat bei mir 2009 offenbar nicht geklappt, ich konnte und wollte „From Afar“ nicht die notwendige Zeit geben. Für den schnellen Erfolg sind der Titeltrack und „Twilight Tavern“ natürlich bestens geeignet, wer aber mehr davon erwartet und erhofft, wird im ersten Moment tatsächlich enttäuscht sein. Völlig zu unrecht, wie ich heute gerne zugebe.

Und damit ist auch schon alles gesagt. „From Afar“ ist eine Art zweigeteiltes Album, auf dem neben zwei atypischen Songs, die eigentlich als Einheit gelten müssen, eine handvoll Nummern stehen, die so oder so ähnlich auf jedem Longplayer der Finnen Platz finden würden.


Track – Titel – Länge – Wertung

metal-archives.com

  1. By the Dividing Stream – 3:50 – 5/7
  2. From Afar – 4:51 – 7/7
  3. Twilight Tavern – 5:38 – 6/7
  4. Heathen Throne – 11:09 – 6/7
  5. Elusive Reaches – 3:26 – 5/7
  6. Stone Cold Metal – 7:25 – 5/7
  7. Smoking Ruins – 6:40 – 6/7
  8. Tumman Virran Taa – 0:52 – 5/7
  9. The Longest Journey (Heathen Throne Part II) – 12:49 – 6/7

Gesamteindruck: 6/7 


Ensiferum auf “From Afar” (2009):

  • Petri Lindroos – Vocals, Guitars
  • Markus Toivonen – Guitars, Vocals, Backing Vocals
  • Sami Hinkka – Bass, Vocals, Backing Vocals
  • Janne Parviainen – Drums
  • Emmi Silvennoinen – Keyboards, Organ, Backing Vocals

Anspieltipp: From Afar

 

MusikWelt: Two Paths

Ensiferum


Ensiferum konnten in ihrer Frühphase mit drei Geniestreichen überzeugen: Das Debüt „Ensiferum“ (2001) und die darauf folgenden „Iron“ (2004) und „Victory Songs“ (2007) waren ganz, ganz groß. Danach wurde es leider ein wenig zäh – und „Two Paths“ von 2017 verbessert die Situation nicht wirklich.

Gesamteindruck: 3/7


Der falsche Pfad.

Vielleicht beruht die schwankende Qualität, die ab 2007 im Hause Ensiferum eingezogen ist, auf Spätwirkungen des Abganges von Jari Mäenpää (g, v), der die Band 2004 verließ, um mit Wintersun … ähh… „durchzustarten“ (wie das aus- bzw. weitergegangen ist, ist eine andere Geschichte). So oder so gab es in den 10 Jahren zwischen „Victory Songs“ und „Two Paths“ durchaus  geile Tracks zu hören. Leider stand denen im Gegenzug regelmäßig eine ähnliche Menge an mehr oder weniger belanglosem Füllmaterial gegenüber. Übrigens: In der Rückschau habe ich auch das 2015er-Werk „One Man Army“ ein bisschen zu optimistisch bewertet, 5/7 Punkten hätten es auch getan. Eine Verbesserung gegenüber den unmittelbaren Vorgängern war dennoch zu hören und man hoffte, dass die Finnen damit die Kurve gekriegt hätten.

Dass das leider nicht der Fall ist, zeigt „Two Paths“ sehr deutlich: Die Hälfte der Songs ist einigermaßen brauchbar, der Rest mehr oder weniger für die Tonne. War u.a. auch auf „Unsung Heroes“ (2012) so, dort waren die starken Tracks allerdings wesentlich besser als ihre Pendants auf „Two Paths“. Insgesamt haben wir es hier also mit dem schwächeren Album zu tun – was zwangsläufig bedeutet, dass „Two Paths“ sogar der bisherige Tiefpunkt der Diskografie der „Schwertträger“ ist.

„A path so bright…“

Positiv ist zunächst anzumerken, dass man auf „Two Paths“ auf eine überlange Nummer verzichtet. Denn seien wir uns ehrlich: Abgesehen von „Victory Song“ gibt es in dieser Hinsicht nichts, was man zwingend öfter als einmal gehört haben muss. Aber auch andere Ansätze sind – von der Grundidee her – durchaus löblich: Gesangstechnisch zeigt man sich beispielsweise variabler als je zuvor, indem man das Mikro gleich vier Protagonisten überlässt. Der Löwenanteil bleibt bei Petri Lindroos dessen Gebrüll meiner Ansicht nach immer schon sehr stark war. Neu ist, dass Gitarrist Markus Toivonnen und Bassist Sami Hinkka ebenfalls als Lead-Sänger zu hören sind. Und auch Neuzugang Netta Skog (ehemals Turisas, sie ersetzte Langzeit-Keyboarderin Emmi Silvennoinen allerdings auch nicht dauerhaft, wie man heute weiß) darf ihre Stimmbänder strapazieren.

Auf dem Papier klingt das erstmal gut und nach einer neuen Facette im Schaffen von Ensiferum. Leider ist es in der Praxis nicht ganz so gelungen, weil zumindest Hinkka kein großer Sänger vor dem Herrn ist. Markus Toivonnen auch nicht, aber dessen naiv-kauziger Gesang begleitet Ensiferum schon länger und kann durchaus als sympathisches Alleinstellungsmerkmal gelten. Allerdings sollte er dann doch eher dosiert eingesetzt werden, finde ich. Und Sami Hinkka? Der ist live bestens als Growl-Unterstützung für Lindroos und gelegentlicher Clear-Background für Toivonnen geeignet. Aber den Lead wie auf „God Is Dead“ braucht man ihm aus meiner Sicht nicht nochmal umzuhängen. Der Vollständigkeit halber: Netta Skog (u.a. auf „Feast with Valkyries“) macht ihre Sache gut, habe ich aber auch nicht anders erwartet.

Was die Instrumentierung betrifft, gibt es einen Ruck in eine für Ensiferum einigermaßen ungewohnte Ecke zu vermelden: Skog spielt ja Akkordeon statt der in der Band traditionell verwendeten Keyboards. Das lässt im einen oder anderen Song einen deutlichen Party-Einschlag entstehen (nachzuhören etwa bei „God Is Dead“ und „Don’t You Say“). Da muss man dann als Zuhörer schon mal schlucken, weil es doch extrem gewöhnungsbedürftig ist. Interessant, dass gerade zweitere Nummer trotz ihrer Einfachheit und Deplatziertheit so unterhaltsam ist, dass man sie als eines der wenigen Stücke auf „Two Paths“ immer wieder hören kann. Was aber nichts daran ändert, dass die Finnen sich dadurch selbst in eine Nische setzen, die bisher eher Spaß-Truppen wie Korpiklaani oder Alestorm vorbehalten war. Ich persönlich möchte Ensiferum dort eigentlich nicht sehen, wenn ich ehrlich bin.

„A path so dark…“

Es ist also durchaus etwas in Bewegung da bei Ensiferum. Leider – und das ist der Knackpunkt – sind die Songs samt und sonders nicht gut genug, um diese Entwicklung auch musikalisch ordentlich oder auch nur durchdacht wirken zu lassen. Als Beispiel sei eine der besseren Nummern, „Way Of The Warrior“ genannt, zu der es auch ein Video gibt. Hier hört man alle möglichen Versatzstücke raus, fühlt sich mal an „One More Magic Potion“, mal an „Twilight Tavern“, mal an „Token Of Time“ erinnert. Ja, lauter hochklassige Nummern, was den Qualitätsmalus von „Way Of The Warrior“ nur umso deutlicher zutage treten lässt. Ähnlich ist es beim härtesten Track, „King of Storms“, der nicht schlecht ist, aber es auch nicht schafft, so richtig den Funken überspringen zu lassen. Die restlichen guten Tracks sollte ich auch noch nennen: „Two Paths“ mit den brüderlich geteilten Vocals von Lindroos und Toivonnen, „Feast with Valkyries“, das genau den richtigen Folk-Einschlag für Ensiferum hat, dann hinten raus noch das etwas langsamere „Hail to the Victor“. Der Rest ist großteils entbehrlich, mit dem merkwürdigen „God Is Dead“ als Tiefpunkt.

Auch meine Meinung zur Produktion von „Two Paths“ ist dem Albumtitel entsprechend zweigeteilt: Einerseits ist der Sound gut. Es wurde ja einmal mehr so analog wie möglich aufgenommen, was man deutlich hört; „trocken“ ist wohl der richtige Ausdruck. Leider macht der Mix das eigentlich positive Klangerlebnis in der Praxis zunichte, denn offenbar hat es dem verantwortlichen Techniker gefallen, alle Instrumente, Effekte und Stimmen mehr oder weniger gleich laut abzumischen. Dadurch wirkt alles sehr konfus, nichts hat Raum, sich richtig zu entfalten. Die logische Folge: „Two Paths“ ist anstrengender zu hören, als es aufgrund der Songs eigentlich sein dürfte. Das alles soll aber nur eine Randnotiz sein, die Probleme liegen vordergründig ohnehin nicht in der Produktion.

Kreativität leidet unter Aktivität?

Eine Theorie, die ich in einem anderen Review gelesen habe, besagt, dass Ensiferum ihrem geradezu mörderischen Rhythmus aus Album-Tour-Album-Tour usf. Tribut zollen müssen. Kann gut sein – ich beobachte ähnliche Verschleißerscheinungen bei anderen Bands, die ebenfalls ständig unterwegs zu sein scheinen. Sabaton und Amon Amarth fallen mir da ad hoc ein. Nicht falsch verstehen: Der beste Platz für Heavy Metal ist nach wie vor auf der Bühne. Wenn dadurch aber die Kreativität leidet, sollte man sich überlegen, ob man es nicht ein wenig ruhiger angehen sollte. Ob nun gerade das der Grund ist, wieso „Two Paths“ nicht so recht zünden will, sei dahingestellt – in meinen Ohren ist es jedoch so, dass das Songwriting von Ensiferum früher wesentlich tiefer war, dass man einfach mehr zu sagen hatte. Das hier ist beliebige Stangenware, die man so keinesfalls von den einstigen Meistern ihrer Klasse hören will.

metal-archives.com


Track – Titel – Länge – Wertung

  1. Ajattomasta unesta – 2:12 – 3/7
  2. For Those About to Fight for Metal – 5:17 – 4/7
  3. Way of the Warrior – 3:57 – 4/7
  4. Two Paths – 4:48 – 5/7
  5. King of Storms – 5:16 – 3/7
  6. Feast with Valkyries – 4:08 – 5/7
  7. Don’t You Say – 3:59 – 4/7
  8. I Will Never Kneel – 5:00 – 4/7
  9. God Is Dead – 4:15 – 2/7
  10. Hail to the Victor – 5:10 – 4/7
  11. Unettomaan Aikaan – 3:39 – 4/7

Gesamteindruck: 3/7 


Ensiferum auf “Two Paths” (2017):

  • Petri Lindroos – Vocals, Guitars
  • Markus Toivonen – Guitars, Vocals, Backing Vocals
  • Sami Hinkka – Bass, Vocals, Backing Vocals
  • Janne Parviainen – Drums
  • Netta Skog – Accordeon, Backing Vocals

Anspieltipp: Two Paths

 

MusikWelt: Shadowheart

Kivimetsän Druidi


„Shadowheart“ (2008), das Full-Length-Debüt der Finnen Kivimetsän Druidi, ist in meinen Ohren ein klassischer Fall von „zu viel gewollt – zu wenig gekonnt“. Man möchte der Band zwar nicht den guten Willen absprechen, aber das, was sie dem Hörer hier vorsetzt, löst wahrlich keine Begeisterungsstürme aus. Zu viele Tonspuren lassen die Songs teils chaotischer wirken, als sie sind, die Hooks, von denen diese Art von Folk-/Symphonic-/was-auch-immer-Metal lebt, sind kaum vorhanden, die Stücke wirken hausbacken und unausgereift.  

Gesamteindruck: 2/7


Muss man nicht gehört haben.

Nach dem üblichen Intro starten Kivimetsän Druidi mit dem verhältnismäßig starken „Blacksmith“, das mit rasendem Doublebass-Einsatz und gut gemachtem, männlich/weiblichem Wechselgesang punktet, recht passabel ins Album. Dieses Niveau erreichen auf „Shadowheart“ ansonsten lediglich das eingängige und abwechslungsreiche „The Tyrant“, das auch mit coolem Chorgesang aufwartet und das relativ poppig angelegte „Verivala“. Der Rest der Songs bleibt farblos und blass und kann mit den genannten Stücken nicht ansatzweise mithalten.

Grundsätzlich gibt es zwei Probleme, die eine höhere Wertung verhindern. Erstens: Die Eigenständigkeit der Gruppe tendiert gegen Null. Bei „The Tyrant“ lassen in der Melodieführung beispielsweise die Landleute von Ensiferum mehr als deutlich grüßen, an anderen Stellen sind es wiederum Finntroll, Battlelore oder Bal-Sagoth (!), bei denen man sich bedient hat. Grundsätzlich ist es ja kein Fehler, sich an den besten des Faches zu orientieren, im Fall von Kivimetsän Druidi will jedoch kaum ein Track zünden. Alles klingt wie wild und ohne Sinn und Verstand zusammengewürfelt. Berechenbar sind die Finnen zwar nicht unbedingt, aber das muss auch nicht immer etwas Gutes sein, wie man an diesem zerfahrenen Album deutlich erkennen kann. Ohrwurm-Melodien und Hooks, die sich im Gehirn festfräßen, sind hier leider Fehlanzeige und auch die Epik, die verwandte Bands schaffen, sucht man auf „Shadowheart“ vergeblich.

Zweites Problem: Es ist ja nicht so, dass ich grundsätzlich was gegen Duette zwischen bösem, männlichem Gegrunze und lieblichem Frauengesang habe. Leider schießen Kivimetsän Druidi dabei aber gehörig über das Ziel hinaus. Die heisere Männerstimme von Joni Koskinen weiß noch einigermaßen zu gefallen und wird auch genretypisch eingesetzt. Dass er stellenweise ein wenig kraftlos klingt, muss man wohl eher der Produktion ankreiden. Sein weibliches Gegenstück Leeni-Maria Hovila hingegen… Nunja, auch sie kann singen. Aber warum wurde ihre Stimme so stark in den Vordergrund gemischt, dass sie alles zuzudecken droht? Wenn die blonde Sängerin beispielsweise bei „Burden“ einsetzt, ist das einfach zu viel des Guten. Abgesehen davon hat man beim Schreiben der Lyrics offenbar keine Rücksicht darauf genommen hat, ob die Texte im jeweiligen Song überhaupt gut singbar sind – entsprechend abenteuerlich klingt die Phrasierung von Hovila teilweise.

Technisch kann man den Finnen keine großen Vorwürfe machen. Dass die Gitarren so sehr im Hintergrund stehen und von allerlei Synthies (gern auch mal fanfarenhaft) übertönt werden, hätte der Produzent hören (und ausbügeln) müssen. Gleiches gilt wie erwähnt für die unterschiedlich lauten Stimmen. Bandintern sollte sich der Mann an den Drums (Atte Martinen) fragen, ob man wirklich immer Vollgas gehen muss – oder ob es bei grundsätzlich langsamen Stücken eine Überlegung wert wäre, mal nicht auf Doublebass zu setzen.

Neben den oben genannten, brauchbaren Nummern, gibt es auf „Shadowheart“ alles in allem leider nur Stangenware, die man so oder so ähnlich schon um Längen besser gehört hat. Dass das nicht für eine höhere Wertung reicht, sollte nicht verwundern. Bis zum Totalausfall ist es zwar noch ein großer Schritt, aber Lust, mehr von Kivimetsän Druidi zu hören, hat dieses Album nicht bei mir ausgelöst.


Track – Titel – Länge – Wertung

  1. Northwind – Prelude – 1:29 – 3/7
  2. Blacksmith – 6:01 – 6/7
  3. Jäässä Varttunut – 5:51 – 4/7
  4. Halls Of Shadowheart – 4:36 – 2/7
  5. Pedon Loitsu – 5:57 – 3/7
  6. Burden – 4:31 – 2/7
  7. The Tyrant – 5:44 – 5/7
  8. Tiarnách – Verinummi – 2:33 – 2/7
  9. Verivala– 4:01 – 5/7
  10. Korpin Laulu – 5:19 – 2/7
  11. Mustan Valtikan Aika – 7:00 – 3/7

Gesamteindruck: 3/7 


Kivimetsän Druidi auf “Shadowheart” (2008):

  • Leeni-Maria Hovila − Vocals
  • Joni Koskinen − Guitars, Vocals
  • Antti Rinkinen − Lead Guitars, Backing Vocals
  • Simo Lehtonen − Bass, Backing Vocals
  • Antti Koskinen − Keyboards, Backing Vocals
  • Atte Marttinen − Drums, Backing Vocals

Anspieltipp: Blacksmith

MusikWelt: Victory Songs

Ensiferum


„Victory Songs“, das Drittwerk von Ensiferum, kommt nicht ganz an das Debüt und bisherige Opus Magnum der Band heran. Aber: Es ist praktisch genauso gut und hat die Höchstwertung locker verdient. Tatsächlich ist das Niveau des Songwritings auf „Victory Songs“ sogar eine Spur ausgefeilter als auf „Ensiferum“, auf dem die Finnen dafür freier aufspielen. Insgesamt nehmen sich die beiden Werke nicht viel und können bis dato (2016) gemeinsam als Höhepunkte in der Historie der Truppe gesehen werden. Und das noch vor Hammer-Alben wie „Iron“ (2004) und „One Man Army“ (2015) – so etwas ist aller Ehren wert!

Gesamteindruck: 7/7


Trotz Besetzungsturbulenzen im Vorfeld: Grandios!

Die finnischen „Schwertträger“ (so die Übersetzung des Bandnamens) Ensiferum konnten mit ihrem Debüt „Ensiferum“ (2001) und dem darauf folgenden „Iron“ (2004) extrem starke Zeichen in der damals noch recht jungen Pagan- und Folk-Szene setzen. Und auch „Victory Songs“ (2007) haut in dieselbe Kerbe, obwohl man damals durchaus skeptisch sein durfte – immerhin war der Truppe vor diesem Album mit Sänger/Gitarrist und Publikumsliebling Jari Mäenpää ein wichtiger Mann abhanden gekommen. Als Nachfolger ist der inzwischen längst fix zur Band gehörende Petri Lindroos (ex-Norther) auf „Victory Songs“ zu hören. Der stimmliche Unterschied zwischen den beiden Blondschöpfen ist sehr groß, dennoch empfinde ich persönlich Lindroos keineswegs als den schlechteren Schreihals. Ein guter Gitarrist ist er sowieso; kompositorisch hat er zu seinem Ensiferum-Debüt nicht viel beigetragen, auf späteren Alben zeigt sich jedoch, dass mit Lindroos auch auf dieser Ebene durchaus zu rechnen ist. Übrigens wurden auch Drummer und Bassist gewechselt, was damals weniger Beachtung fand, letztlich aber zum bis heute stabilen Bandgefüge mit Sami Hinkka (b) und Janne Parvainen (d) geführt hat.

Genug der Einleitung, kommen wir zum Album. „Victory Songs“ beginnt standesgemäß mit einem Intro, das allerdings nicht ganz überzeugen kann, man hat von Ensiferum definitiv schon bessere Einleitungen gehört. Danach geht es aber mit fünf aufeinanderfolgenden Nummern in höchste Punkteregionen, worauf zwei kleine Ausreißer und ein großes Highlight als Finale folgen. Zunächst zu den Ausreißern: „The New Dawn“ ist die einzige Nummer, an der Neuzugang Petri Lindroos kompositorisch beteiligt war. Das Stück geht gut nach vorne, sticht im Gegensatz zum Gros der guten Ensiferum-Songs jedoch nicht mit einem herausragenden Refrain hervor. Das macht „The New Dawn“ reichlich unscheinbar und wenn man von mir verlangen würde, alle Stücke auf „Victory Songs“ aufzuzählen, würde ich Song Nummer 8 höchstwahrscheinlich vergessen – daraus folgt: Klar der schwächste Track auf dieser Scheibe. Das zweite Lied, das den ansonsten so hohen Anspruch nicht ganz halten kann ist in meinen Ohren „Raised By The Sword“. Ja, die Nummer ist getragen und episch, scheitert aber für mein Dafürhalten auch ein wenig am eigenen Anspruch. Das ist alles recht gefällig, auch der Wechsel zwischen Klar- und Schreigesang. Aber trotzdem, so richtig zünden mag das Stück nicht. Schade eigentlich, man hat das Gefühl, dass man weiß, wohin Ensiferum damit wollten; nur leider kommt es bei mir nicht so richtig an. Das ist natürlich kein Beinbruch und auch kein Totalausfall, sondern Jammern auf sehr, sehr hohem Niveau. Es fällt eben umso mehr auf, weil davor die geballte Ladung an ausgezeichneten Songs steht.

Die besten der besten auf „Victory Songs“ sind ebenfalls recht schnell ausgemacht, weil sie sich noch fixer im Gehörgang festsetzen als der ebenfalls bärenstarke Rest. „Deathbringer From The Sky“ ist beispielsweise eine Uptempo-Hymne mit ausgezeichnetem Refrain, heldenhaften „Oh-oh-oh“-Chören und einem schön Tapping-Solo von Bassist Sami Hinkka. Grandios, wie Ensiferum hier das Heldenpathos leben lassen. Das gelingt ihnen auch in „One More Magic Potion“, wo die clean gesungenen Chorpassagen besonders hervorzuheben sind. Ebenfalls 7 Punkte wert: Die komplett im Klargesang gehaltene Ballade „Wanderer“ mit ihrem super-catchy Refrain und der quasi-Rausschmeißer (als Bonustrack gibt’s mit „Lady In Black“ noch ein verzichtbares Uriah Heep-Cover) „Victory Song“. Letzteres ist das beste Stück in Überlänger, das Ensiferum bis dato hinbekommen haben.  Knapp 11 Minuten, die zu keiner Sekunde langweilig sind. Dafür sorgen das aggressive Gebrüll, die grandios gesungenen Passagen mit Klargesang, der starke Refrain und der finnische Teil, der teilweise a capella vorgetragen wird. Noch dazu hat der Titeltrack ein verdammt geile Galopp-Riffing aufzuweisen.

Überzeugen können übrigens auch die zwei unter diesen Perlen nicht vertretenen Songs: Nach dem eher gemächlichen Intro setzt „Blood Is The Price Of Glory“ einen pfeilschnellen Kontrapunkt. Bei „Ahti“ teilen sich Petri Lindroos und Sami Hinkka den Gesang – und das ausgesprochen gekonnt. Auch hier: Guter Refrain und das geschriene „Ahti!“ ist natürlich ein Garant für gute Live-Stimmung. Der mächtige Ahti muss sich allein deswegen mit einem kleinen Abzug begnügen, weil er sich in Dauerrotation wesentlich schneller abnutzt als der Rest des Materials.


Track – Titel – Länge – Wertung

  1. Ad Victoriam – 3:10 – 4/7
  2. Blood Is The Price Of Glory – 5:17 – 6/7
  3. Deathbringer From The Sky – 5:10 – 77
  4. Ahti – 3:55 – 6/7
  5. One More Magic Potion – 5:21 – 7/7
  6. Wanderer – 6:32 – 7/7
  7. Raised By The Sword – 6:11 – 5/7
  8. The New Dawn – 3:42 – 4/7
  9. Victory Song – 10:42 – 7/7
  10. Lady In Black (Bonus, Uriah Heep-Cover) – 10:00 – 4/7

Gesamteindruck: 7/7 


Ensiferum auf “Victory Songs” (2007):

  • Petri Lindroos – Vocals, Guitar, Backing Vocals, Banjo
  • Markus Toivonen – Guitar, Vocals, Backing Vocals, Banjo, Shaman Drum
  • Sami Hinkka – Bass, Vocals, Backing Vocals
  • Janne Parviainen – Drums, Bodhran
  • Meiju Enho – Keyboards

Anspieltipp: Deathbringer From The Sky

MusikWelt: Iron

Ensiferum


Das Zweitwerk der finnischen Band Ensiferum wird den hohen Erwartungen, die mit dem exzellenten Debüt „Ensiferum“ (2001) gesteckt wurden, aus meiner Sicht sehr gut gerecht. Da mir sowohl der Vorgänger als auch der Nachfolger „Victory Songs“ insgesamt eine Spur besser gefallen, „Iron“ aber alles andere als schlecht ist, vergebe ich hier gute sechs Punkte. Fans der Band und Freunde folkiger Melodien mit aggressivem Gesang können auf jeden Fall bedenkenlos zugreifen.

Gesamteindruck: 6/7


Zweitwerk, das die hohen Erwartungen erfüllt.

Von den zehn Songs, die uns Ensiferum auf „Iron“ kredenzen, sind zumindest sechs außerordentlich gut gelungen. Das Titelstück bietet beispielsweise eingängiges, markantes Riffing, das von fanfarenhaften Keyboards unterlegt ist, an deren Klang man sich allerdings erst einmal gewöhnen muss. Ist das passiert, wird man das Hauptthema kaum noch los – eignet sich auch sehr gut, um live („Tätätädä-Tätätädä!“) für Stimmung zu sorgen. „Into Battle“ ist hingegen die Fortführung des „Battle Song“, was leicht an der Ähnlichkeit in Namen und Text zu bemerken ist. Das Stück ist fast genauso gut gelungen wie der „Vorgänger“, hier hat man nichts anbrennen lassen. Interessant sind auch die beiden ruhigeren Lieder: „Lost In Despair“ ist eine klassische Ensiferum-Ballade mit rauem Klargesang, die auf einer Stufe mit „The Wanderer“ von „Victory Songs“ (2007) steht. „Tears“ ist eher ungewöhnlich – hier gibt es Frauengesang zu hören. Mutige Entscheidung, die sich lohnt – der Song passt zwar nicht ganz zum restlichen Material, gefällt aber ob seiner Außergewöhnlichkeit dennoch sehr gut. Ebenfalls stark: das sanft beginnende und sich danach immer mehr steigernde „LAI LAI HEI“, bei dem zum Teil auf Finnisch gesungen wird. Das alles wird lediglich von „Tale Of Revenge“ in den Schatten gestellt – eine echte Hymne mit unwiderstehlicher Keyboardmelodie und außergewöhnlicher Gesangslinie in der Bridge – exzellent umgesetzt und extrem eingängig, vereint das Stück alle Trademarks der Band in sich.

Unter den restlichen vier Songs befinden sich zwei Instrumentals, die ja immer Geschmacksache sind. Mir gefallen beide recht gut, unbedingt brauche ich solche Tracks aber nicht. Lediglich „Sword Chant“ (mit etwas merkwürdig klingendem Gesang) und „Slayer Of Light“ (trotz bretthartem, thrashigem Riff) fallen ein wenig ab, haben keinen allzu großen Widererkennungswert.


Track – Titel – Länge – Wertung

  1. Ferrum Aeternum – 3:28 – 5/7
  2. Iron – 3:53 – 6/7
  3. Sword Chant – 4:44 – 5/7
  4. Mourning Heart (Interlude) – 1:23 – 4/7
  5. Tale of Revenge – 4:30 – 7/7
  6. Lost in Despair – 5:37 – 7/7
  7. Slayer of Light – 3:10 – 5/7
  8. Into Battle – 5:52 – 6/7
  9. LAI LAI HEI – 7:15 – 7/7
  10. Tears – 3:20 – 7/7

Gesamteindruck: 6/7 


Ensiferum auf “Iron” (2004):

  • Jari Mäenpää – Vocals, Guitar
  • Markus Toivonen – Guitar, Vocals
  • Jukka-Pekka Miettinen – Bass
  • Oliver Fokin – Drums, Percussion
  • Meiju Enho – Keyboards
  • Kaisa Saari [Guest] – Vocals, Tin Whistles

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MusikWelt: Ensiferum

Ensiferum


Das selbstbetitelte Debüt der „Schwertträger“ aus Finnland atmet mit jeder Note unglaubliche Frische, unbändige Kreativität und viel zu selten gehörte Spielfreude. Garniert mit dem Gefühl des Hörers, dass hier etwas Großes entsteht – zu Recht, wie die weitere Karriere von Ensiferum gezeigt hat. Auf „Ensiferum“ gibt es im Endeffekt tatsächlich nur Hymnen. Sogar der schwächste Song des Albums ist immer noch 5 von 7 Punkten wert. Viel besser kann man sein Debüt eigentlich nicht abliefern.

Gesamteindruck: 7/7


Hymnen für die Schlacht.

Zugegeben, die Überschrift zu dieser Rezension lehnt sich an den Manowar-Klassiker „Battle Hymns“ an. Grund dafür ist ganz einfach, dass man auch beim Genuss des selbstbetitelten Debüts von Ensiferum vom ersten Takt an heroisches Schlachtengetümmel und große Helden alter Zeiten vor sich sieht.

Bereits der Opener „Hero In A Dream“ zeigt (nach dem üblichen Intro) deutlich, wie viel Gespür die Finnen für eingängige Hymnen mit einem gehörigen Schuss Heldenpathos haben. Eine Hochgeschwindigkeitsnummer mit tollen Riffs, einem leicht mitsingbaren Refrain und einer unwiderstehlichen Melodie. Vor allem das Keyboard wurde gut, d. h. ohne negativ aufzufallen, integriert. Auch der Chor im Mittelteil ist bestens gelungen, insgesamt also ein perfekter Einstieg in die Platte. In dieselbe Kategorie, nämlich „perfekt“, fällt auch der am anderen Ende des Albums stehende und mittlerweile zum Klassiker avancierte „Battle Song“, bei dem vor allem das extrem schnelle Bassspiel zu Beginn begeistert. Auch sehr schnell und ausgezeichnet gemacht: „Windrider“, bei dem elegante, akustische Zwischenteile für die notwendige Abwechslung sorgen.

„Abwechslung“ ist auch das Stichwort für die weiteren Stücke: Bei „Token Of Time“ wird das Gaspedal nicht voll durchgetreten, dafür ist der Song wesentlich wuchtiger. Vor allem der Klar- und Chorgesang kann überzeugen. Ähnlich beim in der Mitte des Albums platzierten Zweiteiler „Väinämöinen“, der aus dem gesangstechnisch ein wenig an Amon Amarth erinnernden „Old Man“ und dem etwas ruhigeren „Little Dreamer“ (mit Ausbrüchen im Mittelteil) besteht. Sehr interessant ist auch „Guardians Of Fate“, das mit einem punkigen Beginn überrascht, danach eine schöne Melodie und tollen, rauen Klargesang im Refrain aufweist. „Abandoned“ und „Eternal Wait“ sind hingegen zwei langsame Lieder, wobei ersteres Stück wie ein typischer Vollgas-Kracher beginnt, sich danach aber in einen Stampfer mit Anleihen einer Power-Balladae verwandelt. „Eternal Wait“ ist die erste „richtige“ Ballade der Band und zeigt, wie gut Ensiferum auch in diesem Bereich sein können. Der Song versinkt nicht im Pathos, ist ausreichend heavy und vor allem der aggressive/klare Wechselgesang ist großes Kino.

Viele Haare in der Suppe gibt es also nicht zu finden. Einziger Punkt, an dem sich vielleicht einige harte Kritiker stören werden: Der Gesang, vor allem der Klargesang kommt stellenweise wohl pathetischer als ursprünglich gewünscht aus den Boxen. Auffällig vor allem bei „Treacherous Gods“, das zwar sehr heavy und groovig klingt, im Gesangsbereich aber zugegebenermaßen einen Schritt zu weit geht. Allerdings ist die Humppa-Einlage am Ende wirklich hörenswert, sodass auch hier nicht von einem Ausfall gesprochen werden kann.

Lediglich der Bonus-Track „Goblin’s Dance“ fällt in meinen Ohren ein wenig ab. Das liegt vor allem daran, dass er nicht so recht zum restlichen Material passen will. Das Stück ist sehr Black Metal-lastig, durch die Humppa-Anleihen könnte es sogar auf einer Platte von Finntroll eine gute Figur machen (kein Wunder, ist doch deren Keyboarder Henri „Trollhorn“ Sorvali auf „Ensiferum“ als Gast zu hören).

Ansonsten gibt es aber absolut nichts zu bemängeln, sodass alles andere als die Höchstwertung zu wenig wäre. Der zeitweise gescholtene Gesang bzw. die merkwürdige Betonung mit teilweise starkem, finnischem Akzent und die manchmal seichten Reime und Texte empfinde ich bei diesem Debüt eher als sympathisch als störend. Das Mitsing-Potential ist sehr hoch, das gesamte Songwriting kann überzeugen – klare Kaufempfehlung.


Track – Titel – Länge – Wertung

  1. Intro – 1:50 – 5/7
  2. Hero In A Dream – 3:40 – 7/7
  3. Token Of Time – 4:16 – 7/7
  4. Guardians Of Fate – 3:34 – 6/7
  5. Old Man (Väinämöinen Part I) – 5:33 – 7/7
  6. Little Dreamer (Väinämöinen Part II) – 5:21 – 6/7
  7. Abandoned – 6:50 – 6/7
  8. Windrider – 5:41 – 7/7
  9. Treacherous Gods – 5:14 – 5/7
  10. Eternal Wait – 5:14 – 6/7
  11. Battle Song – 3:20 – 7/7
  12. Goblin’s Dance (Bonus) – 4:29 – 4/7

Gesamteindruck: 7/7 


Ensiferum auf “Ensiferum” (2001):

  • Jari Mäenpää – Vocals, Guitar
  • Markus Toivonen – Guitar
  • Jukka-Pekka Miettinen – Bass
  • Oliver Fokin – Drums, Percussion
  • Henri „Trollhorn“ Sorvali [Guest]– Keyboards

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MusikWelt: Unsung Heroes

Ensiferum


„Unsung Heroes“ wäre gar nicht so schlecht. Wäre da nicht die zweite Albumhälfte, die völlig verkorkst ist. Fast klingt das Album so, als hätte man irgendwo noch eine Handvoll klassischer Ensiferum-Stücke gefunden, die man gerne auf ein Album packen würde. Gute Idee, aber das restliche Material auf der Platte passt leider nicht in diese Kategorie. Oder war es umgekehrt? Man hatte gute Song-Ideen für ein paar starke Nummern, musste aber, um auf Album-Länge zu kommen, noch ein paar ausrangierte Songs bzw. Songteile dazu nehmen? So oder so: „Unsung Heroes“ ist zwar dank der starken ersten Halbzeit kein Totalausfall – das schwächste Ensiferum-Album bisher ist es aber dennoch.

Gesamteindruck: 4/7


Geht in der zweiten Hälfte völlig k.o.

Die Finnen Ensiferum hatten meiner Ansicht nach bis zum Vorgänger von „Unsung Heroes“ („From Afar“, 2009) drei Meisterwerke abgeliefert. Angesprochenes „From Afar“ war auch noch sehr, sehr stark, brauchte aber – von einigen Ausnahmen abgesehen – den einen oder anderen Durchlauf mehr, um so richtig zu zünden. „Unsung Heroes“ (2012) fällt gegenüber diesem beeindruckenden Backkatalog allerdings deutlich ab. Dafür gibt es meines Erachtens zwei Hauptgründe.

Grund Nummer 1 hat etwas mit der Produktion zu tun. Das Album ist vom Klang her zwar nicht wirklich schlecht, dennoch klingt es ein wenig lasch. Im Zusammenhang mit dem Songwriting, vor allem in der zweiten Hälfte der Platte, wirkt sich das tatsächlich deutlich hörbar aus. Noch dazu ist der Mix für mein Dafürhalten sub-optimal, speziell was die Stimme von Petri Lindroos betrifft, die meines Erachtens sehr kraftlos aus den Boxen kommt. Das wirkt fast so, als hätte der Frontmann etwas an seinem Gesangsstil geändert, was aber – so glaube ich zumindest – tatsächlich mehr am Mix als an ihm selbst liegt. Noch dazu wurden offenbar sehr viele Spuren verwendet und eine Menge an Details in die Songs eingebaut – allein aus diesem Grund wäre meiner Meinung nach eine „andere“ Produktion besser gewesen.

Grund Nummer 2 ist wesentlich gravierender: Die Hälfte der zehn Songs entfachen bei weitem nicht die Wirkung, die man sich von einer Band wie Ensiferum erwartet und erhofft. Dabei geht „Unsung Heroes“ sehr gut und durchaus typisch los. „Symbols“ ist ein schönes Intro und wesentlich besser als vieles, was man in diesem Bereich sonst oft zu hören bekommt. Gleich darauf folgt mit „In My Sword I Trust“ das Highlight und der mit Abstand stärkste Song der Platte. Die typische Kombination aus gegrowlter Strophe, clean gesungener Bridge und im Chor gebrülltem Refrain – das ist ein veritabler, eingängiger Hit, der so auch auf jeder anderen Platte der Band locker hätte stehen können. Auch der auf dieses Feuerwerk folgende Titelsong hat seine Momente – zumindest wird das dem Hörer nach mehreren Durchläufen klar, beim ersten Versuch zündet „Unsung Heroes“ noch nicht. Dann lernt man die exzellente Gitarrenmelodie und den guten Gesang jedoch zu schätzen, auch wenn das Stück keinen klassischen Ohrwurm-Charakter hat. Abgerundet wird der tolle Auftakt des Albums dann noch durch „Burning Leaves“, das eher im Midtempo-Bereich angesiedelt ist und mit Hymnenhaftigkeit punkten kann. Auch hier: Die Kombination Strophe/Bridge/Refrain ist wunderbar abgestimmt und einmal mehr von herausragender Gitarrenarbeit unterlegt. Wobei das Stück nicht ganz so stark wie die zwei Lieder davor ist – und man erstmals das Gefühl hat, dass es Ensiferum hier mit der Song-Länge etwas übertreiben und ein wenig schneller zum Punkt kommen könnten. Aber sei’s drum, insgesamt können die ersten vier Stücke auf „Unsung Heroes“ definitiv überzeugen.

Danach geht es leider bergab. „Celestial Bond“ ist zwar in Ordnung, erinnert von der Machart her ein wenig an „Tears“ (auf „Iron“, 2004), ohne jedoch dessen Qualität zu erreichen. Ob man es mag, liegt wohl an der Grundsatzfrage, ob man bei Ensiferum eine Sängerin hören möchte oder nicht. Mich stört der Frauengesang überhaupt nicht, aber das Songwriting sollte halt auch passen, und das ist im Falle von „Celestial Bond“ eher mittelprächtig. Oder, anders gesagt: Würde bei Nightwish super passen, funktioniert bei Ensiferum aber auf diese Weise nicht sonderlich gut. „Retribution Shall Be Mine“ ist als Kontrastprogramm bretthart und schnell – was aber aufgrund der Produktion nicht so zur Geltung kommt, wie es wohl beabsichtigt war. Abgesehen davon klingt der Song als wäre ein stimmiger Refrain schlicht vergessen worden. Rasant ist zwar grundsätzlich gut, aber „nur rasant“ können andere auch, im Falle von „Retribution Shall Be Mine“ fehlt ein Alleinstellungsmerkmal, weil es den typischen Heldenrefrain nicht gibt. Nach diesem schnellen „Zwischenspiel“ folgt mit „Star Queen“ der zweite Teil von „Celestial Bond“. Auch dieses Stück hat balladeske Züge, diesmal mit Männergesang, was es anstatt in Richtung Nightwish eher in Richtung Sonata Arctica tendieren lässt. Hätte meiner Ansicht nach nicht unbedingt sein müssen. Danach gibt’s mit „Pohjola“ nochmal etwas auf die Ohren – und zwar auf Finnisch. Den Refrain kann man trotzdem mitgröhlen – ansonsten ist das Stück mit seinem schwülstigen Opern-Chor aber nicht so toll. Noch dazu ist es (inklusive Spoken-Word-Teil, der ein wenig an Rhapsody Of Fire erinnert) länger als notwendig. Wäre nach drei oder vier Minuten Schluss gewesen, wäre das kein Problem – aber mehr als sechs Minuten? Dafür ist der Song nicht spannend genug. Vorletztes Stück auf dem regulären Album ist mit „Last Breath“ ist eine weitere Ballade – über die man aber am besten den Mantel des Schweigens hüllt, wenn man bedenkt, wie gut Ensiferum in diesem Bereich sein können. Bei „Last Breath“ lassen von der Gesangslinie her Primordial ein wenig grüßen; mehr Positives fällt mir dazu nicht ein.

Das wäre aber alles zu verschmerzen, wenn da nicht der Abschlusstrack wäre. 17 Minuten dauert „Passion Proof Power“ und ist damit bis dato der längste Song, den Ensiferum geschrieben haben. Es gibt sicher Leute, die dieses Werk für das Nonplusultra halten, es abwechslungsreich, durchdacht und episch finden. Verstehen kann ich das nicht – für mich wirkt „Passion Proof Power“ zusammenhanglos, überkompliziert und – traurig aber wahr – kaum vernünftig hörbar. Der Song beinhaltet diverse Versatzstücke, die man auf diesem Album speziell aus der zweiten Hälfte bereits kennt: Ein wenig Sonata Arctica hier (Teile der Keyboards, merkwürdiger Lead-Gitarren-Sound), ein bisschen Nightwish da (Teile des Gesangs), garniert mit einer Prise Rhapsody Of Fire (Theatralik/Dramatik). Leider greifen diese Parts nicht so ineinander, dass man sagen könnte, dass am Ende das ureigene Ensiferum-Gefühl herauskommt. Einerseits fehlt es dafür an Eingängigkeit, andererseits hat man zwar viele unterschiedliche Zutaten vermengt, die aber einfach nicht zusammenfinden wollen.

Zu erwähnen ist auch noch der kurze Gastauftritt, den Die Apokalyptischen Reiter in „Passion Proof Power“ haben – auch, weil man dadurch (und durch das recht lange Intro des Songs) die Spielzeit des Songs ein wenig relativieren kann. Grundsätzlich ist es aber ein netter Gag, den Thüringern eine kleine (deutsche!) Sprechrolle zu geben. Dass sie es dabei tatsächlich schaffen, die Band Ensiferium zu nennen, ist schon fast ein Klassiker. Wäre interessant zu wissen, ob das so geplant war.

Auf der Limited Edition von „Unsung Heroes“ findet sich mit „Bamboleo“ übrigens eine Cover-Version der Gipsy Kings. Naja, Cover haben bei Ensiferum Tradition, warum also nicht. Die Aufregung war bei Erscheinen des Albums dennoch groß – zu Unrecht, wie ich finde. Die Auswahl des Cover-Songs zeugt meiner Ansicht nach durchaus von Humor. Gut eingespielt wurde das Stück auch. Kein Grund sich zu beschweren also, ist ja nicht so, dass das mehr als ein kleiner Bonus für die Fans ist.


Track – Titel – Länge – Wertung

  1. Symbols – 1:51 – 5/7
  2. In My Sword I Trust – 5:20 – 7/7
  3. Unsung Heroes – 5:54 – 6/7
  4. Burning Leaves – 6:03 – 5/7
  5. Celestial Bond – 4:15 – 3/7
  6. Retribution Shall Be Mine – 4:27 – 3/7
  7. Star Queen (Celestial Bond Part II) – 5:55 – 4/7
  8. Pohjola – 6:05 – 4/7
  9. Last Breath – 4:29 – 3/7
  10. Passion Proof Power – 17:00 – 1/7
  11. Bamboleo (Gipsy Kings-Cover) – 3:45 – 5/7

Gesamteindruck: 4/7 


Ensiferum auf “Unsung Heroes” (2012):

  • Petri Lindroos – Vocals, Guitar, Backing Vocals, Banjo
  • Markus Toivonen – Guitar, Vocals, Backing Vocals, Banjo, Shaman Drum
  • Sami Hinkka – Bass, Vocals, Backing Vocals
  • Janne Parviainen – Drums, Shaman Drum
  • Emmi Silvennoinen – Keyboards, Hammond, Backing Vocals

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MusikWelt: One Man Army

Ensiferum


„One Man Army“ lässt den Hörer nach dem ersten Durchgang mit offenem Mund zurück. So hart, mit solchen Thrash- und Death-Anleihen hat man Ensiferum selten (eigentlich noch nie) gehört. Das fällt insbesondere im Vergleich zum eher laschen Vorgänger, der auch das erste schwächere Album der Finnen war, auf. Mit „One Man Army“ macht die kriegerische Truppe aus Suomi jedenfalls so gut wie alles richtig und kann wieder an alte Glanzzeiten anschließen (ohne sie freilich zu übertreffen). Ein bisschen Luft nach oben ist also noch, die Wiedergutmachung hat aber bestens geklappt.

Gesamteindruck: 6/7


Mit ungewohnter Härte zurück zu alter Stärke.

Ensiferum hatten für mich in der Pagan- und Folk-Szene schon immer besonderen Stellenwert: Nicht so bierernst und humorlos wie Týr oder Moonsorrow (die ich im Übrigen beide sehr schätze), aber auch nicht so party-tauglich wie Korpiklaani und Alestorm. Irgendwo in der Mitte, ähnlich ihren Landsmännern von Finntroll, von denen man sich musikalisch aber deutlich abhebt. Fröhliche und dramatische Melodien treffen bei Ensiferum auf durchwegs gut präsentierte Folklore, inklusive martialischem Äußerem, und das alles auf ein musikalisches Gerüst gespannt, das sich vorwiegend aus traditionellem Heavy Metal und Melodic Death Metal bedient. Dennoch: Anno 2015, im Erscheinungsjahr von „One Man Army“, scheint die Erfolgswelle der Folk-Metal-Mixtur, der durchgehenden Pagan- und Heidenfeste weitgehend abgeebbt zu sein und die Szene kann sich langsam „gesundschrumpfen“. Ensiferum gehören zu den Urgesteinen (gegründet 1995, Debüt-Album 2001) und werden vermutlich sowohl Aufstieg als auch Fall „ihrer“ Szene überstehen.

Zumindest glaube ich nach Genuss von „One Man Army“ fest daran, dass es so sein wird. Nach dem Vorgänger „Unsung Heroes“ (2012) sah das noch anders aus. Ja, „In My Sword I Trust“ konnte man gelten lassen und in „Passion, Proof, Power“ gab es ein nettes Wiederhören mit den Apokalyptischen Reitern. Aber sonst? Nichts, was in Erinnerung bleiben musste – alles zu lasch und im Endeffekt einfach schwach im Songwriting. Und wie so oft, wenn ein Album nicht gut ist, beginnt man, die Band langsam, aber sicher auf dem absteigenden Ast zu sehen. Umso schöner, dass Ensiferum mit „One Man Army“ entgegen arbeiten können – dass es jedoch ein derart harter Rundum- und Befreiungsschlag wird, war meines Erachtens nicht zu erwarten. Denn 2015 ist bei den „Schwertträgern“ (so die Übersetzung von Ensiferum) einiges neu: Zunächst wurde das Label gewechselt, Metal Blade ist nun die Heimat der Band, was bei einem Blick auf das Potpourri der Plattenfirma sehr passend scheint. Gewechselt wurde auch der Künstler, der das Album-Cover gestaltet hat. Bisher war hier immer ein Werk von Kristian „Necrolord“ Wåhlin zu bewundern (unverwechselbar!), nun gibt es etwas von Gyula Havancsák zu sehen, der trotz neuem Stil gekonnt eine optische Verbindung zu den alten Covern geschafft hat. Die dritte Neuerung ist meines Erachtens die augen- bzw. ohrenfälligste: Am Mischpult hat diesmal mit Anssi Kippo (u. a. Children Of Bodom) ein neuer Mann Platz genommen und Ensiferum einen Sound verpasst, der so organisch und bretthart ist, dass man aus dem Staunen nicht herauskommt. Genau so muss das klingen!

Doch nun endlich zu den Songs. Mit dem Intro „March Of War“ geht es noch sehr traditionell los – langsames Akustik-Geklimper, das man so oder so ähnlich schon oft gehört hat, auch von Ensiferum selbst. Naja, sogar schon besser, wenn man z. B. „Ferrum Aeternum“ (auf „Iron“, 2004) als Maßstab nimmt. Danach bricht aber die Hölle los: Gleich das zweite Stück, „Axe Of Judgement“ haut so direkt rein, wie kaum ein anderes Ensiferum-Stück der vergangenen Jahre. Vom eröffnenden Schrei von Sänger Petri Lindroos über den Double-Drum-Galopp bis zur perfekten Gitarrenarbeit: Hier passt alles. Was aber vor allem beeindruckt – und das ist nicht nur bei diesem Song so – ist das rhythmische Fundament. Unglaublich, wie die Band in diesem Bereich über sich hinaus wächst. Diverse „Oh-Oh-Oh“-Chöre untermauern auch noch einmal das Helden-Gefühl, eine Disziplin, in der Manowar früher alleiniger Meister waren.

Dabei wird es nach dieser grandiosen Eröffnung sogar noch besser: Beeindruckt „Axe Of Judgement“ vor allem mit schierer Härte, folgt mit „Heathen Horde“ gleich eine richtige Hymne. Typisch Ensiferum – aggressiver Gesang in der Strophe, danach super-eingängiger Refrain mit Klargesang und Chor (den es dazwischen auch gibt), das alles getragen von einer dieser typisch-folkigen Gitarren-Melodien: Ohrwurm-Alarm! Ähnliches gilt auch für den Titel-Track mit seinem ungewöhnlich thrashigen Riffs und dem in episch-erhabener Manier gesungenen Worten, die dem Track und dem Album ihre Namen geben. Das Gitarren-Solo bei Halbzeit ist übrigens extra-geschmeidig und gehört trotz seiner Kürze mit zum Besten, was das Duo Lindroos/Toivonen in diesem Bereich bisher hinbekommen haben. Zu diesem Track wurde übrigens auch ein Video produziert.

Nach dieser Eröffnung mit drei harten Songs gibt es eine kurze Verschnaufpause namens „Burden Of The Fallen“. Ein akustisches Intermezzo mit (englischem) Klargesang im Ensiferum-typischen, sympathisch-naivem Akzent. An sich ist das aber nur ein kurzes (1:49 Minuten) Zwischenstück, eine Art Intro für ein weiteres Härte-Monster, das die Melodie von „Burden Of The Fallen“ im Chor wieder aufnimmt: „Warrior Without A War“, mein Lieblingsstück auf „One Man Army“. Die Strophe ist nicht ganz so schnell, eher groovend und in diesem geilen Midtempo-Galopp, bevor im Refrain-Teil so richtig auf Vollgas gedreht wird und sich Petri Lindroos den Gesang mit Bassist Sami Hinkka teilt. Einfach gut, ebenso der Chor, der das Ganze unterlegt und das sanftere Intermezzo gegen Ende des Stücks.

An dieser Stelle, also Halbzeit der Platte, folgt dann erstmal ein Bruch. „Cry For The Earth Bounds“ ist eher ein Stück, das in den Soundtrack von „Conan“ oder „Der Herr der Ringe“ passen würde. Großteils getragenes Tempo, Chor, dazwischen Schrei-Gesang; in der Mitte unterbrochen durch ein wenig weiblichen Gesang, dann wieder wie in der ersten Hälfte. Das ist alles zwar sehr schön episch (in einem Rhapsody Of Fire’schen Sinne), so ganz kann ich mich aber nicht damit anfreunden. Vor allem auch, weil das Stück einfach zu lang ist.

Interessant wird es dann bei „Two Of Spades“, einem wiederum pfeilschnellen Stück. Musikalisch klingt das ein wenig nach den härteren Sachen von Turisas (wozu auch die Untermalung mit der Fidel – oder ist es ein Banjo? – beiträgt). Im Zwischenteil gibt es dann Poppiges mit allerhand „Huh-Hah!“ zu hören, Disco unterlegt mit Western-Anleihen. Das liest sich jetzt schauderhaft, passt aber erstaunlich gut rein und ist durchaus party-tauglich. Auch der Text gibt Anlass zum Stirnrunzeln – geht es doch nicht um Kämpfe und Helden sondern um das Kartenglück. Ich persönlich mag den Song, verstehe aber, wenn sich daran die Geister scheiden.

„My Ancestor’s Blood“ und „Descendants, Defiance, Domination“ sind dann – ihren Titeln entsprechend – wieder im klassischen Ensiferum-Kosmos angesiedelt. Ersteres beginnt wie ein verlorener Song von Children Of Bodom und wird dann zu einer lupenreinen Hymne, ungefähr vergleichbar mit „Tale Of Revenge“ von „Iron“. Zweiteres ist diesmal der Song mit Überlänge, 11:20 Minuten sind es geworden. Und ja, sie haben es geschafft: Erstmals seit „Victory Song“ (auf „Victory Songs“, 2007) gefällt mir wieder ein langes Stück der finnischen Helden. Abwechlsungsreich, mit ergreifender Melodie, schön gesungen – was will man mehr. Wenn noch ein guter Refrain dabei wäre, würde es perfekt passen.

Dennoch ist das entgegen der Erwartungen nicht der Schluss der CD, danach gibt es noch „Neito Pohjolan“ zu hören. Das fällt mit seiner Wild-West-Melodie und dem Frauengesang noch mehr aus dem Rahmen, als „Two Of Spades“. Wie dort, erwähne ich auch hier Turisas, denn deren ehemalige Akkordeon-Spielerin Netta Skog gibt sich hier an eben diesem Instrument und auch am Mikro die Ehre. Ein netter Abschluss für das Album, auch wenn ich hier lieber eines der härteren Stücke gesehen hätte. Aber auch so passt das ganz gut.

Eine Bonus-CD gibt es zu „One Man Army“ übrigens auch. Die darauf enthaltenen Stücke sind – wie so oft – ein netter Gag, mehr aber auch nicht. Zumindest geht es mir so. „Rawhide“ ist der Titelsong einer Western-Serie, gecovert u. a. von den Blues Brothers (für den gleichnamigen Film) und hier eben von Ensiferum, die ihre Cover-Tradition damit fortsetzen. Naja. Großartig geht anders. Besser ist das zweite Cover, „Warmetal“, im Original von der obskuren finnischen Truppe Barathrum, gelungen. Das hat schon fast Black Metal-Züge und steht Ensiferum recht gut zu Gesicht. Auf Position drei der Bonus CD steht mit „Candour And Lies“ die englischsprachige Version von „Neito Pohjolan“, diesmal mit männlichem (Klar-)Gesang. Eher überflüssig, würde ich sagen, mir gefällt die reguläre Version besser. Das letzte Stück auf dieser CD nennt sich schlicht „Bonus Song“, klingt nach Children Of Bodom im Proberaum und ist ganz spaßig – könnte vom Prinzip her auch von Alestorm sein, wenn man einen Humor-Vergleich anstellen möchte.


Track – Titel – Länge – Wertung

  1. March Of War – 1:32 – 3/7
  2. Axe Of Judgement – 4:33 – 6/7
  3. Heathen Horde – 4:12 – 7/7
  4. One Man Army – 4:25 – 7/7
  5. Burden Of The Fallen – 1:49 – 4/7
  6. Warrior Without A War – 5:24 – 7/7
  7. Cry For The Earth Bounds – 7:31 – 4/7
  8. Two Of Spades – 3:39 – 6/7
  9. My Ancestor’s Blood – 4:30 – 6/7
  10. Descendants, Defiance, Domination – 11:20 – 6/7
  11. Neito Pohjolan – 4:10 – 5/7

Gesamteindruck: 6/7 

Bonus CD

  1. Rawhide – 2:34 – 3/7
  2. Warmetal – 2:54 – 5/7
  3. Candour And Lies – 4:10 – 2/7
  4. Bonus Song – 4:29 – 5/7

Gesamteindruck: 4/7


Ensiferum auf “One Man Army” (2015):

  • Petri Lindroos – Vocals, Guitar, Backing Vocals
  • Markus Toivonen – Guitar, Vocals, Backing Vocals
  • Sami Hinkka – Bass, Backing Vocals
  • Janne Parviainen – Drums
  • Emmi Silvennoinen – Keyboard, Piano, Hammond, Backing Vocals

Thematisch verwandte Beiträge auf WeltenDing: