BuchWelt: „Kryson“ – Zusammenfassende Bewertung

Bernd Rümmelein


Leider krankt „Kryson“ an einem Problem, das ähnlich gelagerte Zyklen und Einzelbücher immer wieder haben. Irgendwann geht allzu ambitionierten Werken einfach die Luft aus, die Autoren scheinen mit der eigenen Schöpfung überfordert. Vielleicht verliert man auch als Schreiber irgendwann die Lust, sich mit einer immer umfangreicher werdenden Erzählung, die immer neue Handlungsstränge öffnet, auseinanderzusetzen, was nur menschlich wäre. Für den Leser ist es dennoch ein Ärgernis, so eben auch bei „Kryson“.

Gesamteindruck: 4/7


Gute Serie mit unwürdigem Finale.

Umfangreiche Geschichten bieten häufig eine Vielzahl an Charakteren, Schauplätzen und Handlungssträngen. Für den Liebhaber komplexer Werke ist das gut, heben sie sich doch stark vom seichten Einerlei ab und lassen den Leser meist wesentlich intensiver in die beschriebenen Welten eintauchen. Das bedeutet übrigens nicht, dass man gleichzeitig immer mal wieder simplere Bücher liest, ganz im Gegenteil.

„Kryson“ ist grundsätzlich eine vielschichtige Welt. Es gibt junge und alte Völker, es gibt Magie, es gibt gut ausgearbeitete Schauplätze, es gibt eine meist brauchbar dargestellte Tier- und Pflanzenwelt. Insgesamt wird zwar nicht die ganz große Komplexität (wie sie z.B. „The Malazan Book of the Fallen“ von Steven Erikson bietet) erreicht, aber es ist durchaus gefällig, was Bernd Rümmelein mit seiner Welt der Gegensätze geschaffen hat. Besonders interessant sind die Charaktere, die teilweise dramatische Entwicklungen durchlaufen und oft ganz anders sind bzw. werden, als es auf den ersten Blick scheint. Soweit hat der deutsche Autor tatsächlich alles richtig gemacht. Diesen guten Eindruck können auch augenscheinliche Schwächen wie das über sämtliche Bände (!) stiefmütterliche Lektorat (auffallend viele Tippfehler, häufige Wortwiederholungen, holprige Sätze) und ein paar logische Ungereimtheiten, die sich immer wieder eingeschlichen haben, kaum stören. Schade ist es allemal, dass der damalige Fantasy-Ableger der Ueberreuter-Verlages offenbar nicht das Geld für eine professionelle Überarbeitung aufgebracht hat. Dabei zeigen Cover und Gestaltung, dass man durchaus in der Lage war, ein Werk ansprechend zu gestalten. Zumindest optisch.

Die Bücher lesen sich – von wenigen Ausnahmen abgesehen – relativ schnell. Die Sprache ist gelegentlich etwas zu modern, meist aber passend. Alles in allem ein locker-flockiges Werk, was aber irgendwo auch zeigt, dass es mit der Komplexität nicht ganz so weit her ist. So erklärt sich zumindest das Gefühl, nach rund 4.000 Seiten kein wirkliches Schwergewicht gelesen zu haben. Ob das ein Problem ist, wird je nach Leser unterschiedlich ausfallen. Ich selbst bin da ein wenig zwiegespalten –  etwas Zeit wendet man zum Lesen ja doch auf, von daher ist es mir lieber, wenn ich nach der Lektüre das Gefühl habe, etwas wirklich Bedeutsames „erlebt“ zu haben.

Aber all das sind eigentlich Nebenschauplätze. Die wirklichen Schwierigkeiten und somit auch der Grund für die dürftige Wertung beginnen in den finalen Bänden. „Das Buch der Macht“ (Band V) soll eigentlich die von langer Hand vorbereitete Suche nach eben diesem Buch thematisieren. Das passiert auch – die entscheidenden Ereignisse und Prüfungen werden allerdings im Eiltempo abgehandelt, sodass nur ungläubiges „Und das war’s jetzt?“ der vorherrschende Eindruck ist, wenn man an „Das Buch der Macht“ zurückdenkt.

Der Abschlussband „Tag und Nacht“ kann hingegen als wahrer Page-Turner begeistern und ist spannend bis zum Schluss. Doch leider wird hier das gravierendste Problem schlagend: Die Seiten fliegen nur so dahin, aber spätestens nach zwei Dritteln des Buches bekommt man es als Leser mit der Angst zu tun, weil immer noch nicht erkennbar ist, wie der Autor diverse Handlungsstränge zu Ende bringen will. Man hofft natürlich auf das Finale, wo jedoch keine befriedigende Lösung präsentiert wird. Tatsächlich scheint Bernd Rümmelein die Kreativität ausgegangen zu sein. Nimmt man beispielsweise die sieben Streiter, die ja ein zentrales Element darstellen, geht der Autor den radikalen Weg des Todes. Das wäre ja in Ordnung, wirkt hier aber vollkommen sinnlos und deplatziert. So kann man einen Plot zwar auch zu Ende bringen, ein würdiger Abschluss eines wichtigen Teils der Handlung sieht jedoch anders aus.

Zu allem Überfluss beschränkt sich das ungute Gefühl, das durch solche Methoden beim Leser erzeugt wird, nicht auf einzelne Handlungsebenen. „Tag und Nacht“ und damit die „Kryson“-Reihe endet im Nichts. Denn was ist noch schlimmer, als das abrupte Ende durch den unmotivierten Tod einer Figur? Richtig, man lässt gut vorbereitete und wichtige Fäden einfach lose baumeln und schreibt trotzdem das Wort „Ende“ unter den letzten Absatz des Buches. Was ist denn nun mit den magischen Sajkalrae-Brüdern passiert? Wie geht es mit Madhrab und Elischa weiter? Wer ist der Narr Tarratar wirklich? All das und noch mehr wird nicht geklärt.

Wird es eine Fortsetzung geben, in der die Geschichte Krysons weitererzählt wird? Ich weiß es nicht. Ich hoffe es eigentlich nicht, weil ich denke, dass der Autor lange genug Zeit hatte, die Serie vernünftig enden zu lassen. Ich brauche keine Fortsetzung, ich hätte ein vernünftiges Ende gebraucht, dass die vielen, großteils interessanten Fäden interessant verknüpft. So bleibt das schale Gefühl, dass dem Autor die Lust vergangen ist. Und dem Leser geht es ähnlich, mein Interesse an „Kryson“ ist damit erloschen. Vorerst. Oder für immer? Ich weiß es nicht.

Für die „Kryson“-Reihe gibt es wohlwollende 4 Punkte. Vieles ist gut, wenn das Ende (besser) ausgearbeitet wäre, hätte es locker eine höhere Punktezahl geben können. Schade.

Einzelwertungen:

  1. Kryson I: Die Schlacht am Rayhin: 4/7
  2. Kryson II: Diener des dunklen Hirten: 5/7
  3. Kryson III: Zeit der Dämmerung: 5/7
  4. Kryson IV: Das verlorene Volk: 4/7
  5. Kryson V: Das Buch der Macht: 3/7
  6. Kryson VI: Tag und Nacht: 2/7

Gesamteindruck: 4/7


Autor: Bernd Rümmelein
Umfang: 6 Bände, ca. 4.000 Seiten
Originaltitel:
 Kryson.
Gelesene Sprache: Deutsch


 

BuchWelt: Kryson VI – Tag und Nacht

Bernd Rümmelein


„Tag und Nacht“ ist Band VI des 6-bändigen Fantasy-Zyklus „Kryson“, geschrieben vom deutschen Autor Bernd Rümmelein. Auf WeltenDing werden nach und nach Rezensionen zu allen Bänden veröffentlicht, abschließend gibt es eine Gesamtbewertung des Zyklus. Wer eine Kaufempfehlung möchte, sollte also bis dahin warten.

Gesamteindruck (Band VI): 3/7


Viele offene Fragen.

Nach dem doch einigermaßen enttäuschenden Band V von Bernd Rümmeleins Saga um „Kryson“ hatte ich gehofft, dass vieles, was daran zu kritisieren war, nur als Vorbereitung für das große Finale zu werten war. Und tatsächlich ist es so, dass die Suche nach dem Buch der Macht in Band VI, „Tag und Nacht“, weitergeht. Zum Glück, denn so abgespeist zu werden, wie es der Autor im Vorgängerbuch getan hat, haben die treuen Leser nicht verdient. Leider kommt es auch im finalen Band anders, als man sich erhofft hat…

Zunächst aber zum Positiven: Bernd Rümmelein hat mit „Tag und Nacht“ tatsächlich ein nahezu durchgehend spannendes Buch geschrieben. Vor allem im letzten Drittel schafft man es kaum, den Band aus der Hand zu legen, so sehr reißen die Ereignisse mit. Ein Page-Turner, flott geschrieben und genauso schnell und angenehm zu lesen. Paradoxerweise schafft der Autor es aber dennoch nicht, die „Kryson“-Reihe zu dem guten Abschluss zu bringen, den sie (und der Leser) verdient hat. An der Spannung liegt es nicht, vielmehr verschärft sich die bereits in „Das Buch der Macht“ sichtbare Tendenz, hektisch zu werden und Handlungsstränge „abzuwürgen“. Wenn – um das wohl traurigste Beispiel dafür herauszupicken – praktisch in einem Nebensatz drei der sieben Streiter um das Buch der Macht getötet werden, hat das meines Erachtens was von Selbstdemontage. Wozu werden Charaktere lange aufgebaut und ausgearbeitet (mal mehr, mal weniger gut), wenn sie dann einen sinnlosen, schnellen Tod sterben müssen? Und das gilt nicht nur für die genannten Streiter. Ja, Bernd Rümmelein lässt die Personen in diesem Buch, mehr noch als im Vorgänger, wie die Fliegen sterben. Sinn macht das keinen, es wirkt, und das ist der größte Kritikpunkt, den ich überhaupt anbringen kann, als ob der Autor einfach keine Idee gehabt hätte, wie er die Vielzahl an eröffneten Handlungssträngen zu einem vernünftigen Abschluss bringen kann. Offenbar hat er sich für den leichtesten Weg entschieden – Klappe zu, Affe tot sozusagen. Das wirkt nicht nur überhastet, sondern schlicht unwürdig für einen solchen Zyklus.

Über das Schicksal anderer wichtiger Bestandteile der Serie gibt es hingegen überhaupt keine Aufklärung – exemplarisch seien die magischen Sajkalrae-Brüder genannt, bei denen bis zum Schluss unklar bleibt, was mit ihnen passiert ist. Hinzu kommen neue Handlungsstränge, die in Richtung Fortsetzung deuten, so z. B. zwei wiedergeborene Hauptfiguren, die vorher ebenfalls sang- und klanglos ins Land der Tränen gegangen sind. Deren Rückkehr nach Kryson wird am Ende zwar angedeutet, zu mehr reicht es aber nicht. Und das, nachdem besagte Wiedergeburt über mehrere Seiten des Buches vorbereitet wurde.

Ob und wie das alles einzuordnen ist? Ich weiß es nicht – kommt drauf an, ob es eine Fortsetzung gibt. Davon hätte ich bis dato nichts gehört, mir persönlich wäre unabhängig davon ein schlüssiges, in sich abgeschlossenes Finale lieber gewesen. So hängt man in der Luft, was immer ein ungutes Gefühl ist und für „Tag und Nacht“ magere 3 Punkte bedeutet.

Eine Gesamtwertung der Serie folgt nach Einzelbesprechungen zu allen Bänden.

Gesamteindruck (Band VI): 3/7


Autor: Bernd Rümmelein
Originaltitel: Tag und Nacht.
Erstveröffentlichung: 2013
Umfang: ca. 630 Seiten
Gelesene Sprache: Deutsch
Gelesene Version: Taschenbuch


 

BuchWelt: Kryson V – Das Buch der Macht

Bernd Rümmelein


„Das Buch der Macht“ ist Band V des 6-bändigen Fantasy-Zyklus „Kryson“, geschrieben vom deutschen Autor Bernd Rümmelein. Auf WeltenDing werden nach und nach Rezensionen zu allen Bänden veröffentlicht, abschließend gibt es eine Gesamtbewertung des Zyklus. Wer eine Kaufempfehlung möchte, sollte also bis dahin warten.

Gesamteindruck (Band V): 3/7


Dem „Kryson“-Zyklus geht die Luft aus.

„Das Buch der Macht“ ist der Band der „Kryson“-Reihe, der mich bisher am wenigsten überzeugen konnte. Zwar schafft Bernd Rümmelein auch diesmal eine Vielzahl an guten, spannenden Abschnitten. Dennoch beschleicht den Leser in vorliegendem Band mehr als einmal das Gefühl, dass der Autor Seiten füllen wollte oder unter Zeitdruck geschrieben hätte. Entsprechend krampfhaft und holprig lesen sich manche Passagen. Mit der Verwandlung eines wichtigen Protagonisten in einen Fisch (!) und den Abenteuern, die er in dieser Gestalt erlebt, gibt es sogar ein durchgehend mehr als zweifelhaftes Thema, das für den Fortlauf der Geschichte, soviel darf ich vorwegnehmen, keinerlei Relevanz hat. Ärgerlich, weil mir völlig schleierhaft ist, welchen Sinn der Autor mit einem solchen Handlungsstrang verfolgt. Das fällt umso mehr auf, weil „Das Buch der Macht“ mit etwas über 600 Seiten ohnehin dünner als seine Vorgänger und sein Nachfolger ausgefallen ist. So wirkt sich das Füllmaterial noch negativer aus. Unabhängig von diesem Lapsus gibt es am fünften „Kryson“-Band die üblichen Mängel: Tippfehler, inhaltliche Ungereimtheiten, ganz generell: ein äußerst bescheidenes Lektorat. Am schlimmsten dabei: Über mehrere Seiten hinweg wird das Volk der Nno-bei-Maya als „Nno-bei-Maja“ bezeichnet. Dass ein solcher Fehler niemandem (auch nicht dem Autor selbst) auffällt, ist schon bezeichnend für die stiefmütterliche Behandlung, die der Ueberreuter-Verlag seinem „Otherworld“-Label offenbar angedeihen hat lassen.

Leider gibt es aber auch ein anderes Problem, das auch durch ein besseres Lektorat nicht hätte beseitigt werden können: Der „Kryson“-Zyklus ist insgesamt ohnehin kein Wunder an Komplexität, auch wenn es viele überraschende Wendungen gibt und Dinge immer wieder nicht so sind, wie sie auf den ersten Blick scheinen. Dennoch: „Das Buch der Macht“ vermittelt erstmals in der Reihe das Gefühl, man liest ein echtes Leichtgewicht. Der Grund dafür ist schnell erzählt: Immer wieder wurde die schicksalshafte Suche nach dem Buch der Macht thematisiert. Auch die zugehörige Prophezeiung um die sieben Streiter erweckte den Eindruck, dass der Leser sich auf ein spannendes und komplexes Abenteuer freuen darf. Letztlich ist die Suche aber ein Ausbund an Banalität, die Eroberung des Buches wird in einem einzigen Kapitel abgehandelt. Auch die Interaktion zwischen den Streitern ist nicht so, wie man es sich erhofft hätte. Kurz gesagt: Die eigentlich völlig unterschiedlichen Charaktere stehen trotz gemeinsamer Sache nahezu isoliert voneinander da. Schade, denn eigentlich hätte dem Buch das Abrücken von der Konzentration auf den Charakter Madhrab sehr gut getan.

All das bedeutet aber nicht, dass „Das Buch der Macht“ durchgehend schlecht ist. Es gibt durchaus spektakuläre Momente, epische Kämpfe und kraftvoll geschriebene Passagen. All das nützt aber im Gesamteindruck recht wenig, wenn ausgerechnet das Thema, dass den Leser seit vielen Bänden begleitet, viel zu kurz kommt. Mehr als drei Punkte sind damit leider nicht drin.

Eine Gesamtwertung der Serie folgt nach Einzelbesprechungen zu allen Bänden.

Gesamteindruck (Band V): 3/7


Autor: Bernd Rümmelein
Originaltitel: Das Buch der Macht.
Erstveröffentlichung: 2011
Umfang: ca. 610 Seiten
Gelesene Sprache: Deutsch
Gelesene Version: Taschenbuch


 

BuchWelt: Kryson IV – Das verlorene Volk

Bernd Rümmelein


„Das verlorene Volk“ ist Band IV des 6-bändigen Fantasy-Zyklus „Kryson“, geschrieben vom deutschen Autor Bernd Rümmelein. Auf WeltenDing werden nach und nach Rezensionen zu allen Bänden veröffentlicht, abschließend gibt es eine Gesamtbewertung des Zyklus. Wer eine Kaufempfehlung möchte, sollte also bis dahin warten.

Gesamteindruck (Band IV): 4/7


Hält das bisherige Niveau der „Kryson“-Reihe

Einmal mehr weckt der Titel eines „Kryson“-Buches Erwartungen. „Das verlorene Volk“ (gemeint sind die sagenumwobenen Nno-bei-Maya) kommt jedoch – wie es schon bei der „Schlacht am Rayhin“ in Band I war – nur sehr knapp zu Ehren. Immerhin kann man sich dann auch gleich vorstellen, wie es wohl in Band V („Das Buch der Macht“) sein wird. Das aber nur am Rande, der Inhalt ist ja wichtiger als der Titel. Und in diesem Bereich gelingt es Bernd Rümmelein einmal mehr, das gute Gesamt-Niveau über weite Strecken zu halten. Heißt: Auch „Das verlorene Volk“ kommt nicht ohne Längen aus, ist jedoch weit davon entfernt, ein schlechtes Buch zu sein. Zwar kein Meisterwerk (wie es auch seine Vorgänger nicht waren), aber dennoch spannend und und mit guten Ideen ausgestattet.

Interessant eigentlich, wie sehr sich die „Kryson“-Bände von der Qualität her gleichen. Trotz unterschiedlicher Handlung sind es jedes Mal die gleichen Punkte, die entweder kritisiert oder gelobt werden können. So hat auch „Das verlorene Volk“ mit zwei großen Schwächen zu kämpfen, die teilweise zusammen hängen: Lektorat und Sprache. Es ist einfach schade, dass es einerseits eine über das übliche Maß hinausgehende Zahl von Tipp- und Satzzeichenfehlern sowie Wortwiederholungen gibt, andererseits die sprachliche Gestaltung und Teile des Satzbaus eine Überarbeitung benötigt hätten. Solche Dinge wären ja eigentlich recht einfach zu beheben – mag sein, dass dem mittlerweile aufgelösten Verlag einfach das Geld fehlte, ändert aber nichts daran, dass so kein guter Eindruck beim Leser entsteht. Es gibt außerdem im gesamten Zyklus inhaltliche Ungenauigkeiten, die zum Teil bei den Beschreibungen von Figuren und Landschaften auffallen. All das ist auch in „Das verlorene Volk“ vorhanden und stört den Gesamteindruck.

Inhaltlich vermag der Autor seiner Reihe weitere neue Aspekte hinzuzufügen. Zur Erinnerung: Am Ende von Band III („Zeit der Dämmerung“) gab es ja einen Zeitsprung, der die Handlung viele Jahre in die Zukunft katapultierte. Das ermöglicht Rümmelein, schöne und friedvolle (aber für einen düsteren Fantasy-Roman auch langweilige) Zeiten zu überspringen und gleich wieder dort anzusetzen, wo es dramatisch wird. Letztlich trotz einiger Vorbehalte ein gelungenes Experiment, das man so in einer so dicht gepackten Reihe auch nicht oft zu lesen bekommen wird. Die größte Frage bei einem derartigen Kniff richtet sich nach der Charakterentwicklung – ist es überhaupt möglich, die Figuren Jahrzehnte in die Zukunft zu transportieren, in denen der Leser nichts von ihnen mitbekommt und trotzdem das Gefühl zu erzeugen, dass sie sich seit dem Band davor konstant weiterentwickelt haben? Ganz sauber und zufriedenstellend ist diese Kurve wohl kaum zu kriegen. Bernd Rümmelein schafft es jedoch einigermaßen, auch wenn einige Fragezeichen stehen bleiben (vor allem der Figur des Renlasol tut das Überspringen der Jahrzehnte nicht gut, aber auch den Personen, die am Ende von Band III noch Kinder waren; speziell bei Tomal fragt man sich zwangsläufig nach der Entwicklung seiner Persönlichkeit). Es braucht jedenfalls ein bisschen Zeit und ein paar Seiten, bis man sich damit abgefunden hat, dass alle Figuren wesentlich älter geworden sind und man als eigentlich allwissender Leser nicht bis kaum weiß, was ihnen in der Zwischenzeit widerfahren ist.

Abgesehen von diesen Unwägbarkeiten, die den Einen mehr, den Anderen weniger stören werden, gibt es an „Das verlorene Volk“ nicht viel auszusetzen. Bernd Rümmelein schildert die einmal mehr sehr düsteren und dramatischen Ereignisse, die Kryson heimsuchen, in schnell zu lesender, meist sehr spannender Art. Ein kleiner Nachteil, den dieses Buch seinen Vorgängern gegenüber hat, ist das Fehlen eines Höhepunktes. Zumindest für mein Gefühl – das Finale ist (ganz im Gegensatz zum Einstieg) weder aufschlussreich genug, noch lässt es einem den Atem stocken. Damit gibt es vier Punkte für „Das verlorene Volk“.

Eine Gesamtwertung der Serie folgt nach Einzelbesprechungen zu allen Bänden.

Gesamteindruck (Band IV): 4/7


Autor: Bernd Rümmelein
Originaltitel: Das verlorene Volk.
Erstveröffentlichung: 2010
Umfang: ca. 600 Seiten
Gelesene Sprache: Deutsch
Gelesene Version: Taschenbuch


 

BuchWelt: Kryson III – Zeit der Dämmerung

Bernd Rümmelein


„Zeit der Dämmerung“ ist Band III des 6-bändigen Fantasy-Zyklus „Kryson“, geschrieben vom deutschen Autor Bernd Rümmelein. Auf WeltenDing werden nach und nach Rezensionen zu allen Bänden veröffentlicht, abschließend gibt es eine Gesamtbewertung des Zyklus. Wer eine Kaufempfehlung möchte, sollte also bis dahin warten.

Gesamteindruck (Band III): 5/7


Der „Kryson“-Zyklus bleibt spannend.

Spätestens zur Hälfte des dritten Bandes von Bernd Rümmeleins „Kryson“-Zyklus wird klar, dass es nicht bei 3 Bänden bleiben kann. Die Handlungsstränge sind mittlerweile zu vielschichtig geworden und vieles ist nicht so, wie es am Anfang noch schien. Auch die Anzahl der für die Handlung wichtigen Charaktere hat sich bereits seit Band 2 erhöht – bleibt also zu hoffen, dass der Autor alle Figuren und losen Fäden zu einem guten Ende zusammenführen kann. Das ist zur „Zeit der Dämmerung“ allerdings noch Zukunftsmusik.

Handlungstechnisch gibt es in Band III der „Kryson“-Saga – vielleicht auch aufgrund der geringfügigen Erhöhung der Seitenzahl – einige kleinere Längen. Diese zu überwinden sollten jedoch für den interessierten Leser, der die Helden bis hierher begleitet hat, kein Problem darstellen. Im Großen und Ganzen kann auch dieses Buch stets begeistern – mit Action, unerwarteten Wendungen und einer Prise Humor. Grundsätzlich herrscht trotz einiger amüsanter Wortwechsel aber wieder die eher düstere Stimmung vor, die bereits die Vorgänger-Bände auszeichnete. Tatsächlich verschärft Rümmelein das Leiden, das einige seiner Figuren und dem Leser mittlerweile ans Herz gewachsenen Charaktere erdulden müssen, sogar noch einmal deutlich. Wer zart besaitet ist, wird aber ohnehin nicht so weit gekommen sein, alle anderen sollten mittlerweile wissen, welche Härte ihnen vom Autor zugemutet wird.

Interessant und vermutlich nicht nach jedermanns Geschmack ist der Kniff, den der Autor zum Ende hin anwendet: Eine Art Zeitsprung und ein abrupter Bruch innerhalb der sonst in sich sehr konsistenten Geschichte, der das eigentliche Finale des Bandes wie einen Fremdkörper wirken lässt. Ob diese Bruchstelle, die schließlich dazu führt, alles, was in den bisherigen drei Bänden passiert ist, wie Vorgeplänkel wirkt, gut für die Gesamthandlung ist, bleibt abzuwarten. Ein gelungener Cliffhanger ist es jedenfalls, wobei man sich fragen könnte, ob es vielleicht besser gewesen wäre, diesen Übergang an den Anfang von Band IV („Das verlorene Volk“) zu stellen. Wie auch immer: Man darf gespannt sein, wie es in Zukunft auf Kryson weitergeht. Für „Zeit der Dämmerung“ gibt es gute fünf Punkte.

Eine Gesamtwertung der Serie folgt nach Einzelbesprechungen zu allen Bänden.

Gesamteindruck (Band III): 5/7kryson3


Autor: Bernd Rümmelein
Originaltitel: Zeit der Dämmerung.
Erstveröffentlichung: 2009
Umfang: ca. 800 Seiten
Gelesene Sprache: Deutsch
Gelesene Version: Taschenbuch


 

BuchWelt: Kryson II – Diener des Dunklen Hirten

Bernd Rümmelein


„Diener des dunklen Hirten“ ist Band II des 6-bändigen Fantasy-Zyklus „Kryson“, geschrieben vom deutschen Autor Bernd Rümmelein. Auf WeltenDing werden nach und nach Rezensionen zu allen Bänden veröffentlicht, abschließend gibt es eine Gesamtbewertung des Zyklus. Wer eine Kaufempfehlung möchte, sollte also bis dahin warten.

Gesamteindruck (Band II): 5/7


Großartig – aber leider nicht von Anfang an.

Bereits bei Band I („Die Schlacht am Rayhin“) von Bernd Rümmeleins Geschichte um „Kryson“, die Welt der Gegensätze, gab es einige langwierige Passagen zu überstehen. Im Folgeband „Diener des Dunklen Hirten“ ist das nicht viel anders: Die ersten 200 Seiten sind langatmig und zäh. Nicht unbedingt langweilig, aber einfach nicht flüssig geschrieben, was umso mehr auffällt, wenn man gleich nach dem grandiosen Finale von Band I weiter liest. Diese ersten Seiten zu überstehen wird nicht jedem Leser gelingen. Wer es dennoch schafft, bekommt danach jedoch ein Werk zu lesen, dass seinem Vorgänger in praktisch allen Belangen überlegen ist. Denn in der Folge gelingt es dem Autor tatsächlich, die Spannung auf durchgängig sehr hohem Niveau zu halten. Das Buch aus der Hand zu legen wird im Laufe der Lektüre zunehmend zu einer Herausforderung für den Leser.

Rümmelein schafft es sogar, einige der bisherigen Kritikpunkte zu eliminieren. Die Figuren gewinnen in „Diener des dunklen Hirten“ dramatisch an Tiefe, es werden zusätzliche Völker und Personen eingeführt und die gesamte Welt wirkt deutlich belebter und glaubwürdiger. Auch die größere Hintergrundgeschichte, die in „Die Schlacht am Rayhin“ lediglich angedeutet und in Nuancen vorhanden war, nimmt an Fahrt auf und ist von einigen Wendungen durchzogen, die immer durchdacht und auf ein Ziel ausgerichtet wirken. Interessant auch, dass der Autor seine Figuren noch weniger schont als im nicht gerade zimperlichen Serien-Auftakt. Keiner der Helden und Bösewichte wird mit Samthandschuhen angefasst, eine extrem harte Gangart, die aber durchaus gefällt.

Was leider wieder zu kritisieren ist: Wiederholungen, Wiederholungen und… Wiederholungen. Es wurde in „Die Schlacht am Rayhin“ beispielsweise erklärt, was es mit dem Bluttrinker Quadalkar auf sich hat. Mehrfach. Darüber hat man sich geärgert und gehofft, dass das Thema damit erledigt sei. Dem ist leider nicht so, diese Geschichte kehrt in Varianten wieder. Und auch sonst gibt es immer wieder Dinge zu lesen, die man schon weiß. Sehr schade.

Das und das schwache erste Drittel wiegen so schwer, dass zwei Punkte abgezogen werden müssen. Sehr schade, vor allem auch, weil der Rest von „Diener des dunklen Hirten“ den Auftakt der „Kryson“-Reihe locker in die Tasche steckt.

Eine Gesamtwertung der Serie folgt nach Einzelbesprechungen zu allen Bänden.

Gesamteindruck (Band II): 5/7kryson2


Autor: Bernd Rümmelein
Originaltitel: Diener des Dunklen Hirten.
Erstveröffentlichung: 2009
Umfang: ca. 770 Seiten
Gelesene Sprache: Deutsch
Gelesene Version: Taschenbuch


 

BuchWelt: Kryson I – Die Schlacht am Rayhin

Bernd Rümmelein


„Die Schlacht am Rayhin“ ist Band 1 des 6-bändigen Fantasy-Zyklus „Kryson“, geschrieben vom deutschen Autor Bernd Rümmelein. Auf WeltenDing werden nach und nach Rezensionen zu allen Bänden veröffentlicht, abschließend gibt es eine Gesamtbewertung des Zyklus. Wer eine Kaufempfehlung möchte, sollte also bis dahin warten.

Gesamteindruck (Band 1): 4/7


Stellenweise langwieriger Auftakt.

Der Titel „Die Schlacht am Rayhin“ führt zunächst eine wenig in die Irre. Der Leser muss sich nämlich bis zum letzten Drittel des Werkes gedulden, bis das namensgebende Gefecht so richtig beginnt (abgesehen von kleineren Scharmützeln). Das restliche Buch befasst sich mit der Einführung der Charaktere und dem langsamen Aufbau der Handlung, die spürbar auf Fortsetzung ausgelegt ist. Dass ein solcher Versuch eines behutsamen Aufbaus auch nach hinten losgehen kann, hat man allerdings schon in anderen Zyklen gesehen – Bernd Rümmelein gelingt jedoch das Kunststück, die Spannung seines einführenden Werkes in genau dem Maß zu steigern, dass der Schluss tatsächlich einen Höhepunkt markiert. Die letzten Seiten machen es fast unmöglich, das Buch aus der Hand zu legen. So gesehen eine gelungene Sache also, vergisst man dadurch doch beinahe, wie sehr der Autor den Lesern in den Seiten davor mit Informationen überschüttet.

Und so schleichen sich trotz allgemein recht kurzweiliger Erzählweise ein paar Probleme ein, die vermutlich der zu diesem Zeitpunkt noch recht geringen Erfahrung des Autors geschuldet sein dürften. Oder der 2005 gegründete und mittlerweile im Uebberreuter-Verlag aufgegangene, österreichische Publisher „Otherworld“ hatte keinen vernünftigen Lektor zur Hand. Denn abgesehen vom einen oder anderen Tipp- und Grammatikfehler, den man noch verschmerzen kann, gibt es ein echtes Ärgernis: Wiederholungen einzelner Sachverhalte. Das passiert mal in fast exakt gleichen Worten wie einige Seiten davor, an anderen Stellen wiederum durch Umschreibungen, die letztlich aber auch nicht verbergen können, dass man das Gelesene bereits kennt. Gern auch mehrfach. Das hätte sich – ebenso wie diverse Wortwiederholungen in ein und demselben Satz und diverse holprige Formulierungen – von einem erfahrenen Lektor leicht ausbügeln lassen. Keine Ahnung, was da schiefgelaufen ist, das Lesevergnügen wird dadurch jedenfalls spürbar geschmälert. Abgesehen davon könnte man vielleicht als negativ anmerken, dass der Stil und die Art und Weise, wie die Figuren reden, ein bisschen zu modern für einen Fantasy-Roman wirkt. Hier wäre durch ein wenig Fein-Tuning wesentlich mehr Atmosphäre möglich gewesen. Zuguterletzt gibt es noch einige kleinere Unstimmigkeiten in den Verhaltensweisen sowie ein ab und an vorkommender Wechsel bei den Längenmaßen (Meter vs. Fuß), die zumindest in der von mir gelesenen Ausgabe vorkommen.

Kritisieren kann man auch, dass die Welt, die Rümmelein erschaffen hat, hier noch zu wenig durchdacht und unfertig wirkt. Es ist durchaus Vielschichtigkeit unter der Oberfläche zu erahnen, jedoch dringt diese für mein Dafürhalten nie ganz bis zum Leser durch. Wobei ich gestehen muss, dass mir das Konzept der Welt der Gegensätze insgesamt schon sehr gut gefällt. Aber stellenweise beschleicht den Leser eben doch der Eindruck, dass die Tiefe nur durch massives Infodumping vorgegaukelt wird und sich darunter nicht so viel verbirgt. Ob und wie sich das in den Folgebänden weiterentwickelt, muss man sehen. Für „Die Schlacht am Rayhin“ gibt es jedenfalls gute 4 Punkte, die das Buch dem starken Finale und der gelungenen Charakterzeichnung zu verdanken hat.

Anzumerken sei noch, dass „Kryson“ keine Serie für Zartbesaitete ist. Es wird geschändet, gefoltert und gemordet – und diese Handlungen werden auch noch ganz genau beschrieben. Als Leser kommen daher nur Erwachsene in Frage.

Eine Gesamtwertung der Serie folgt nach Einzelbesprechungen zu allen Bänden.

Gesamteindruck (Band I): 4/7kryson1


Autor: Bernd Rümmelein
Originaltitel: Die Schlacht am Rayhin.
Erstveröffentlichung: 2009
Umfang: ca. 580 Seiten
Gelesene Sprache: Deutsch
Gelesene Version: Taschenbuch


 

BuchWelt: „Enwor“ – Zusammenfassende Bewertung

Wolfgang Hohlbein & Dieter Winkler


Wolfgang Hohlbein ist einer der bekanntesten Namen der deutschsprachigen Fantasy. Ein Vielschreiber, was man vor allem seinem Spätwerk sehr deutlich anmerkt. Der Enwor-Zyklus stammt hingegen großteils aus den 1980er Jahren, zählt also eher zum Frühwerk des Autors. Noch dazu hat Hohlbein sich Enwor nicht im Alleingang ausgedacht, sondern hatte mit Dieter Winkler einen Partner – zumindest bei der Konzeption, geschrieben hat Hohlbein die ersten 10 Bände im Alleingang. All das ändert meiner Ansicht nach nichts daran, dass Enwor (leider!) ein Sinnbild von Wolfgang Hohlbeins Schaffen ist. Es ist stellenweise unfassbar gut, andernorts immer noch besser als vieles, was die Konkurrenz zustande bringt, oft ein Ärgernis und manchmal einfach grottenschlecht weil schlampig.

Gesamteindruck: 4/7


Ein stetiges Auf und Ab.

Der Enwor-Zyklus besteht aus 11 Bänden, was auf manche Leser zunächst abschreckend wirken mag. Das muss man allerdings relativieren, insgesamt haben wir es mit „nur“ 3.300 Seiten zu tun, viele der Bücher haben einen Umfang von deutlich unter 300 Seiten. Es ist also durchaus möglich, den Zyklus relativ zügig zu beenden. Das Überspringen von einzelnen Bänden ist nicht möglich – wir haben es hier mit einem kontinuierlichen Aufbau einer komplexen Geschichte zu tun.

Qualitativ gibt es an Enwor in der Retrospektive einiges auszusetzen, sowohl am Gesamtwerk als auch an einzelnen Teilen. Die Güte von Wolfgang Hohlbeins Arbeit (er ist nunmal der Hauptautor!) schwankt manchmal sogar innerhalb der Einzelbände sehr stark. Die grundsätzliche Idee der Geschichte ist natürlich über jeden Zweifel erhaben, sie wirkt auch heute noch frisch und unverbraucht. Elemente aus Fantasy und Science Fiction, sogar ein wenig vom Lovecraft’schen Mythos der „Großen Alten“, vermengen sich zu einer tollen Vision, die theoretisch ihresgleichen suchen sollte. In der Praxis ist es jedoch leider so, dass die Welt, die Hohlbein erschafft, bei weitem nicht so logisch und in sich stimmig ist, wie es beispielsweise J.R.R. Tolkien oder Steven Erikson gelingt. Das scheint mir einzig und allein an der – was ist es eigentlich? – Schlampigkeit oder Ungeduld des Autors liegen.

Hundert verschiedene Dinge werden angedeutet, aber nur ein verschwindender Bruchteil davon wird zu Ende gedacht. Interessante Handlungsstränge wechseln sich mit undeutbaren Absätzen ab, ähnlich ist es mit den Dialogen, die zwischen Wortwitz und Dramatik auf der einen und Belanglosigkeit bzw. sogar Lächerlichkeit auf der anderen Seite wechseln. Selbst die dramatischen Wendungen, die großteils extrem spannend umgesetzt wurden, sind manchmal zuviel des Guten (vor allem in Band 10). Sogar die Landkarten sind bis auf eine („Das schwarze Schiff“, eine sehr gute Übersicht!) samt und sonders zum Vergessen. Einzig und allein der Held Skar weiß durchgehend zu gefallen – wenn man das katastrophale „Elfte Buch“ herausnimmt. In diesem Abschlussband nimmt auch etwas überhand, was den Enwor-Leser eigentlich von Anfang an begleitet: Die Sprache der Hauptfiguren orientiert sich zum Teil doch sehr an unserer eigenen – damit meine ich Satz- und Wortkonstruktionen, die einfach nicht in ein Fantasy-Werk (oder auch Science Fiction Buch – je nachdem) passen und die Atmosphäre immer wieder empfindlich stören.

Damit komme ich trotz der sehr guten Rahmenbedingungen nicht umhin, die Enwor-Saga als „durchschnittlich“ einzustufen, was mich zwar einige Überwindung kostet, aber letzthin gerechtfertigt scheint. Meiner Ansicht nach extrem schade, da hier so viel mehr drin gewesen wäre, wenn sich der Autor mehr Zeit genommen und alles nur ein wenig besser ausgearbeitet hätte.

Für Fantasy-Fans ist der Zyklus dennoch eine Überlegung wert, weil auf diesem Gebiet weitaus Schlechteres veröffentlich wurde und die gute Idee durchaus Beachtung verdient. Lediglich Band 11 (und alles, was danach kommt) kann man sich tatsächlich komplett schenken.

Einzelwertungen:

  1. Enwor 1: Der wandernde Wald: 5/7
  2. Enwor 2: Die brennende Stadt: 6/7
  3. Enwor 3: Das tote Land: 5/7
  4. Enwor 4: Der steinerne Wolf: 3/7
  5. Enwor 5: Das schwarze Schiff: 2/7
  6. Enwor 6: Die Rückkehr der Götter: 4/7
  7. Enwor 7: Das schweigende Netz: 4/7
  8. Enwor 8: Der flüsternde Turm: 6/7
  9. Enwor 9: Das vergessene Heer: 6/7
  10. Enwor 10: Die verbotenen Inseln: 5/7
  11. Enwor 11: Das elfte Buch: 1/7

Gesamteindruck: 4/7


Autorden: Wolfang Hohlbein & Dieter Winkler
Umfang: 11 Bände, ca. 3.300 Seiten
Originaltitel:
 Enwor.
Gelesene Sprache: Deutsch


 

BuchWelt: Das Elfte Buch

Wolfgang Hohlbein


„Das Elfte Buch“ ist Band 11 des 11-bändigen Fantasy-Zyklus „Enwor“, erdacht von den deutschen Autoren Wolfgang Hohlbein und Dieter Winkler. Auf WeltenDing werden nach und nach Rezensionen zu allen 11 Bänden veröffentlicht, abschließend gibt es eine Gesamtbewertung des Zyklus.

Gesamteindruck (Band 11): 1/7


Erschreckend schwaches Spätwerk des Enwor-Zyklus.

Es stellt sich zu Beginn die Frage, ob man „Das Elfte Buch“, das 1999, also zehn (!) Jahre nach dem ursprünglichen Abschluss der Enwor-Saga („Die verbotenen Inseln“) erschienen und in der Handlung 300 Jahre später angesiedelt ist, überhaupt zum Original-Enwor-Zyklus zählen sollte. Dagegen spricht das doch recht eindeutige und endgültige Finale von Band 10, das zwar unbefriedigend und unausgereift wirkte, jedoch trotzdem ein recht würdiger Abschied für den großen Helden war. Im Gegenzug lässt die Bezeichnung „Enwor 11“ und das Wiederauftauchen von Skar sowie die Verbindungslinien zu dessen und Enwors Vergangenheit doch eher darauf schließen, dass wir es hier mit einer mehr oder weniger direkten Fortsetzung zu tun haben. Dass das nicht notwenig gewesen wäre (vor allem in der vorliegenden Qualität) ist die Meinung vieler Enwor-Fans, der ich mich vorbehaltlos anschließen muss. Das Buch ist (nicht nur) im Hinblick auf den Gesamtzyklus sogar so schwach, dass ich es ein Fall für die World of Shame ist.

Dabei ist der Einstieg durchaus vielversprechend. Skar erwacht, ohne zu wissen, was passiert und wie viel Zeit vergangen ist, unter dem Wasserfall, der in „Die verbotenen Inseln“ zu seinem Schicksal wurde. Dieses Erwachen und langsame Erinnern bis er schließlich zum ersten Mal auf Lebewesen trifft, wurde vom Autor – geschrieben wurde diesmal von Enwor-Miterfinder Dieter Winkler, was zu Gunsten der größeren Bekanntheit von Wolfgang Hohlbein allerdings verschwiegen wird – sehr gut und durchaus Enwor-typisch dargestellt. Die Welt nimmt den Leser sofort wieder gefangen und ehe man es sich versieht, hat man die ersten 120 Seiten bewältigt. Danach ist der erste Teil abgeschlossen und das Unheil nimmt seinen Lauf.

Ab dem zweiten Teil, der über die nächsten 200 (!) Seiten lediglich von einem Kampf in einer Höhle handelt verändert sich der Stil der gesamten Geschichte. Die Veränderung ist nicht einmal unmerklich – es ist, als ob plötzlich ein anderer Autor am Werk wäre, der die Handlung zwar kennt, aber eben einen gänzlich anderen Schreibstil hat – allein die Art und Weise auf die die Charaktere sprechen hat sich grundlegend geändert (oder hat Skar vorher schon einmal „Huch!“ gesagt?). Dafür kommen meiner Ansicht nach nur zwei Gründe in Frage: Entweder hat Hohlbein genau bis zu dieser Stelle noch selbst geschrieben und dann an seinen (ungenannten) Co Dieter Winkler übergeben – oder der erste Abschnitt wurde, von wem auch immer, gleich anschließend an „Die verbotenen Inseln“ (1989) verfasst und der Stil des Autors hat sich in den zehn Jahren dazwischen grundlegend geändert (in diesem Falle stark verschlechtert).

Egal, wie man es sieht bzw. wie es wirklich war, ein absolut inhomogenes Bild wird erzeugt, das den Leser wünschen lässt, der Autor hätte nach Band 10 Schluss gemacht. Das Verhalten der Figuren wirkt derart an den Haaren herbeigezogen, dass die lächerlichen Dialoge und die ungenügenden Ortsbeschreibungen auch keine große Rolle mehr spielen. Ein weiteres Negativbeispiel für die neue Erzählweise ist, dass Skar über ungefähr ein Drittel des Buches ohne Hose (und natürlich auch ohne Unterhose) herumläuft, was höchstens unfreiwillig komisch wirkt und keinerlei Storyrelevanz hat. Dass der Schluss des Buches noch dazu völlig offen und unbefriedigend ist, braucht wohl nicht mehr extra erwähnt werden – viele werden es ohnehin nicht bis hierher geschafft haben.

Hinzu kommt – neben einigen kleineren und größeren logischen Ungereimtheiten – dass vielfach ganze Absätze aus verschiedenen Vorgängerbüchern kopiert und eingefügt wurden. Das mag Neueinsteigern zwar das Lesen erleichtern, wirkt aber insgesamt eher wie Faulheit bzw. Angst davor, sich mit seinen eigenen Logikfehlern erneut auseinander zu setzen. Insgesamt bleibt alles völlig undurchschaubar, unnötig in die Länge gezogen und derartig oberflächlich, dass man von einem Kauf tatsächlich nur abraten kann – nur dann kann man Enwor nämlich in guter Erinnerung behalten. Inzwischen sind übrigens unter dem Titel „Neue Abenteuer“ weitere, von Dieter Winkler verfasste, Bände erschienen, die ich mir aber nicht mehr antun werde.

Die zusammenfassende Wertung der Serie ist hier zu finden.

Gesamteindruck (Band 11): 1/7


Autor: Wolfgang Hohlbein & Dieter Winkler (nicht genannt)
Originaltitel: Das Elfte Buch.
Erstveröffentlichung: 1999
Umfang: ca. 480 Seiten
Gelesene Sprache: Deutsch
Gelesene Version: Taschenbuch


 

BuchWelt: Die verbotenen Inseln

Wolfgang Hohlbein


„Die verbotenen Inseln“ ist Band 10 des 11-bändigen Fantasy-Zyklus „Enwor“, erdacht von den deutschen Autoren Wolfgang Hohlbein und Dieter Winkler. Auf WeltenDing werden nach und nach Rezensionen zu allen 11 Bänden veröffentlicht, abschließend gibt es eine Gesamtbewertung des Zyklus.

Gesamteindruck (Band 10): 5/7


Spannendes, aber chaotisches (vorläufiges) Ende.

Einen fulminanten Auftakt mit Action und Hochspannung bietet „Die verbotenen Inseln“, der 10. (und ursprünglich letzte) Band des Enwor-Zyklus von Wolfgang Hohlbein. Das Buch schließt unmittelbar an die Ereignisse des Vorgängers „Das vergessene Heer“ an und geht in ähnlich atemberaubend-spannender Weise weiter.

Der Autor bietet noch einmal seine ganze Erzählkunst auf, um den Leser in die Welt von Enwor zu versetzen. Das Buch ist auf eine Art und Weise geschrieben, die es nahezu unmöglich macht, es zur Seite zu legen. Ein echter Page-Turner also, was vor allem an zwei Dingen festgemacht werden kann: Zum einen ist die Spannung durchgängig hoch (was leider nicht für alle Enwor-Bände gesagt werden kann), zum anderen ist die Handlung von absolut überraschenden Wendungen durchsetzt. So kann man gegen Ende nur staunen, wenn man überlegt, welchen Verlauf der Zyklus bis zu seinem Finale genommen hat.

Neben dieser erzählerischen Qualität schafft es Wolfgang Hohlbein in Band 10 allerdings leider nicht, seine Schwächen (wie im Vorgänger) zu verbergen bzw. ganz beiseite zu lassen. Es gibt in diesem Buch einige (und in der Gesamtserie eine Unzahl) offener Handlungsstränge, die nicht oder unbefriedigend zu Ende geführt werden. Verschiedene Logikfehler haben die Enwor-Fans mittlerweile nahezu lieb gewonnen, unbedingt notwendig sind sie dennoch nicht. Durch diese Probleme endet das Buch mehr oder weniger im Chaos – wirklich schlau wird man daraus nicht. So bleibt es im Endeffekt dem Leser nahezu völlig selbst überlassen, die Geschehnisse zu interpretieren und einen Sinn hinter Skars langer Reise zu entdecken. Hohlbein bleibt klare Antworten schuldig, was zu einem zutiefst unbefriedigenden Gefühl führt, das im Nachhinein den gesamten Zyklus etwas hinunterzieht. Hinzu kommt die allerletzte Wendung in der Handlung, die zwar wirklich überraschend ist, aber prinzipiell doch einiges, das man vorher gelesen hat, ad absurdum führt. Was mit Skar zum Schluss passiert, hinterlässt also einige Fragezeichen, da sein letzter Feind ihn schon lange Zeit vorher eliminieren hätte können. Warum das nicht passiert ist, bleibt völlig offen, wie einige andere Fragen, betreffend die Quorrl und die Sternengeborenen, ihr Verhältnis zueinander und die Rolle einzelner Figuren in dem großen Spiel der Mächte, das der Enwor-Zyklus letztlich ist.

Der zehn (!) Jahre später erschienene Nachfolger, „Das Elfte Buch“, hätte hier Abhilfe schaffen können, dass das aber nicht passiert ist, ist eine andere Geschichte.

Die zusammenfassende Wertung der Serie ist hier zu finden.

Gesamteindruck (Band 10): 5/7


Autor: Wolfgang Hohlbein
Originaltitel: Die verbotenen Inseln.
Erstveröffentlichung: 1989
Umfang: ca. 250 Seiten
Gelesene Sprache: Deutsch
Gelesene Version: Taschenbuch