FilmWelt: The Crucifixion

„The Crucifixion“ soll auf einer wahren Begebenheit beruhen: In Rumänien kam 2005 eine psychisch kranke Nonne bei einem Exorzismus ums Leben. Der durchführende Priester und mehrere beteiligte Ordensschwestern wurden daraufhin zu relativ milden Freiheitsstrafen verurteilt. Der Fall selbst blieb teilweise mysteriös, die genaue Todesursache ist nach wie vor unklar. In der abgelegenen Gegend, in der sich diese Ereignisse zutrugen, glauben viele Menschen noch heute, dass das Opfer nicht krank war sondern tatsächlich unter Besessenheit durch einen Dämon gelitten hatte – und dass der Exorzist lediglich sein Bestes getan hatte, der jungen Frau zu helfen.

Gesamteindruck: 3/7


In allen Belangen Durchschnitt.

Die Wertungen, die „The Crucifixion“ bis dato erhalten hat, sprechen eigentlich Bände: 5/10 bei IMDb, 8% bei Rotten Tomatoes, um nur zwei zu nennen. Der englische Wikipedia-Eintrag zum Film wies mit Stand 8. Jänner 2019 gar eine Wertung von 0% (!), basierend auf 5 Reviews bei Rotten Tomatoes aus. Im deutschsprachigen Raum scheint der Film deutlich besser wegzukommen, zumindest, wenn man Amazon als Referenz nimmt (aktuell 3,6/5 Sternen für die Blu-ray bzw. 3,4/5 Sternen bei Prime Video). Ich habe mir den Film auf Amazon Prime Video angesehen und hatte vorher keine Ahnung von den schwachen internationalen Kritiken. Um es vorweg zu nehmen: „The Crucifixion“ ist bei weitem kein Meisterwerk, von einer Vollkatastrophe wie vor allem das Tomatometer suggeriert, ist er aber ein gutes Stück entfernt.

Inhalt in Kurzfassung
Als eine investigative US-Journalistin erfährt, dass in Rumänien ein Priester und mehrere Nonnen nach einem missglückten Exorzismus wegen Mordes angeklagt wurden, wittert sie eine große Story. Sie reist in die rumänische Provinz, um mehr über die Ereignisse zu erfahren, die zum Tod einer jungen Ordensschwester geführt haben. Vor Ort wird schnell deutlich, dass im entlegenen Osten Europas der Konflikt zwischen Religion und Rationalität noch nicht entschieden ist. Und je länger die Recherchen dauern, desto weiter scheint das Pendel in Richtung Spiritualität auszuschlagen.

Leider hat „The Crucifixion“ mit einigen gravierenden Schwächen zu kämpfen. Zunächst wäre da der fehlende Newswert (um einen Begriff aus der Medienbranche zu verwenden): Wie so ein Exorzismus – zumindest im Film – abläuft, wissen wir seit „Der Exorzist“ (1973): Vom Priester ständig wiederholte Verse aus dem Handbuch, darunter die Frage nach dem Namen des Dämons, Weihwasser, Kruzifixe usw. Oder die Zeichen der vermeintlichen Besessenheit: Unmögliche Verrenkungen, gerne auch freies Schweben, das Sprechen in fremden Zungen usw. Und auch die Frage, ob die „Besessene“ wirklich von einem Dämon beherrscht wird oder „nur“ geisteskrank ist – all das kennt man zur Genüge. Leider weicht „The Crucifixion“ keinen Millimeter von den ausgetretenen Pfaden ab, sodass man stets weiß, was einen erwartet. Nun könnte man annehmen, dass der Weg sozusagen das Ziel ist und uns „The Crucifixion“ auf andere Weise neue Einsichten bringt. Dem ist nicht so – auch die Recherchen der Protagonisten folgen Schema F. Heißt: Zunächst will niemand mit ihr reden, dann aber doch. Zunächst ist sie nicht gewillt, an Übernatürliches zu glauben, muss es schließlich aber doch tun bzw. am eigenen Leib erfahren. Abgesehen davon, dass ein solcher Aufbau typisch für einen derartigen Film ist, wird er in „The Crucifixion“ eher bieder umgesetzt, was der Spannung zusätzlich abträglich ist.

Als ob all das nicht schlimm genug wäre, krankt der Film krankt an weiteren Ecken. Ein Problem ist die innere Logik, die meines Erachtens stellenweise fehlt (oder sie ist vorhanden und ich war nicht aufmerksam genug, was auch nicht unbedingt für den Film spricht). Das beginnt bereits mit der Prämisse, dass sich eine Journalistin aus New York beweisen möchte, indem sie zu einem solchen Fall irgendwo im tiefsten Rumänien recherchiert. Dass die Protagonistin selbst ihre Probleme mit der Religion hat, wird zwar angedeutet – das reicht mir persönlich aber nicht für diesen Trip aus. Identifizieren kann man sich mit ihr ohnehin schwer – das liegt aber nicht an der passablen Leistung von Sophie Cookson, sondern daran, dass die Figur praktisch gar nicht eingeführt wird. Die Nebendarsteller sind hingegen durchweg in Ordnung, leiden aber auch unter Mängeln im Drehbuch – z.B.: Wieso können sich die einfachen Dorfbewohner, Priester und Nonnen mit der Protagonistin in fließendem Englisch unterhalten?

Größter Lichtblick: Die Atmosphäre.

Auch wenn das alles jetzt sehr negativ klingt, gibt es doch Punkte, die für „The Crucifixion“ sprechen. Am auffälligsten ist die gute Kamera-Arbeit bzw. die perfekte Auswahl der Schauplätze. Das rumänische Hinterland wirkt düster und gleichzeitig wunderschön, die Gegend, in der gedreht wurde, sieht authentisch nach Scheideweg zwischen 19. und 21. Jahrhundert aus. So stellt man sich ein Dorf im heutigen Rumänien tatsächlich vor. Außerdem voll im Grünen Bereich: die Special Effects und die unaufdringliche, musikalische Untermalung. Und sogar die Schauspieler sind – wie erwähnt – großteils in Ordnung und machen ihre Sache gut.

Letztlich ist es die düstere Gesamtatmosphäre, die den Film vor einer noch schlechteren Wertung bewahrt. Die Bilder sind in Verbindung mit der einen oder anderen intensiven Szene tatsächlich sehr gut komponiert. Und auch wenn ich diverse Schwächen des Films aufgezählt habe, ist er bei weitem nicht das, was man kompletten Müll nennen würde. Dafür sind Machart, Schauspieler und letztlich auch Dreh- und Dialogbuch einfach zu professionell. Das größte Problem ist meines Erachtens, dass „The Crucifixion“ a) den Balanceakt zwischen Realität und Mystery nicht schafft und b) nichts präsentiert, das nicht so oder so ähnlich in vielen anderen Produktionen zu sehen war.

PS: Das hier könnte übrigens ein Fall für den Kollegen von Filmschrott sein. Dessen ehrliche Meinung zu diesem Film würde mich mehr interessieren als das, was auf Rotten Tomatoes & Co steht.

Gesamteindruck: 3/7


Originaltitel: The Crucifixion
Regie: Xavier Gens
Jahr: 2017
Land: USA, UK, Rumänien
Laufzeit: 90 Minuten
Besetzung (Auswahl): Sophie Cookson, Brittany Ashworth, Corneliu Ulici, Ada Lupu



 

FilmWelt: Possession – Das Dunkle In Dir

Für „Possession“ muss eine Gesamtwertung von drei Punkten reichen. Der Grund: Der Film ist im Endeffekt weder Fisch noch Fleisch. Gute Ideen werden durch klischeehafte Szenen zunichte gemacht, statt echtem Humor oder wenigstens Sarkasmus gibt es nur unfreiwillige Komik. Ganz schlecht ist der Film natürlich nicht, aber für höhere Weihen reicht das, was in diesem Exorzismus-Streifen geboten wird, bei weitem nicht.

Gesamteindruck: 3/7


Exorzisten-Horror ohne Überraschungen und Höhepunkte.

Mit „Possession“ kann Regisseur Ole Bornedal dem beinahe schon eigenständigen Genre des Exorzismusfilms nicht viel Neues hinzufügen. Lediglich, dass der böse Dämon, der wie üblich von einem unschuldigen Mädchen Besitz ergreift, aus der jüdischen Mythologie stammt, ist bisher noch nicht dagewesen. Aber einen essentiellen Unterschied zwischen der „Dybbuk-Box“ und anderen Artefakten, die zur Besessenheit führen, kann der Zuseher nicht erkennen. Ebenso spielt es letztlich keine großartige Rolle, ob der Exorzismus durch einen Priester oder – wie in diesem Fall – einen Rabbi durchgeführt wird.

Ohne zuviel auf die Handlung eingehen zu wollen: Die Geschichte entspricht dem für einen derartigen Film üblichen Muster. Die Effekte sind prinzipiell in Ordnung, das Publikum wird an den passenden, teils leider arg vorhersehbaren Stellen erschreckt. Auch einige der bekannten Klischees (u. a. zerrüttete Familie, die sich im Angesicht der Gefahr langsam wieder annähert) sind selbstredend vorhanden. In Ordnung, wenn auch nicht herausragend, ist die Leistung der großteils wenig bekannten Schauspieler. Niemand aus der Riege sticht besonders hervor, maximal Matthew Paul „Matisyahu“ Miller kann als jüdischer Exorzist für Akzente sorgen.

Ebenfalls erwähnenswert: Generell ist „Possession“ ein völlig humorloser Film. Das führt dazu, dass – wie so oft in einem solchen Fall – in verschiedenen Situationen trotzdem ausgiebig gelacht werden darf. Insbesondere beim übertriebenen und absurden Finalkampf kann man sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. Leider ist dieser Humor aus Sicht der Filmemacher wohl eher unfreiwillig und ein weiteres Manko des Streifens.

Gesamteindruck: 3/7


Originaltitel: The Possession
Regie: Ole Bornedal
Jahr: 2012
Land: USA
Laufzeit: 92 Minuten
Besetzung (Auswahl): Natasha Calis, Jeffrey Dean Morgan, Kyra Sedgwick, Matthew Paul „Matisyahu“ Miller



Thematisch verwandte Beiträge auf WeltenDing: