FilmWelt: The Green Knight

Die Sage von König Artus und seinen Rittern der Tafelrunde ist eine alte Geschichte, die längst ihren Fixplatz im kollektiven Gedächtnis der westlichen Welt hat. Sir Gawain, ein Neffe von Artus, soll, so die Sage, einer jener Ritter gewesen sein. Von ihm handelt vorliegender Film von David Lowery, der Ende Juli 2021 in die Kinos gekommen ist.

Gesamteindruck: 7/7


Das etwas andere Helden-Epos.

Ich habe mir „The Green Knight“ in einem kleinen Lichtspielhaus hier in Wien in der englischen Originalfassung angesehen. Letzteres kann ich jedem Interessenten mit einigermaßen soliden Sprachkenntnissen empfehlen; es ist ein Genuss, die Protagonisten sprechen zu hören – etwas, das keine noch so gute Synchronisation erreichen kann. Das aber nur am Rande – hier soll es nun darum gehen, ob „The Green Knight“ generell eine Sichtung wert ist.

Worum geht’s?
Gawain ist das Gegenteil eines tugendhaften Ritters: Der junge Neffe von König Artus treibt sich abends im Bordell herum, wo er häufig auch völlig verkatert zu sich kommt. Das ändert sich an einem Weihnachtsabend: Ein Grüner Ritter, der mehr an einen Baum als an einen Menschen erinnert, reitet in den Thronsaal, in dem die Ritter der Tafelrunde den Heiligen Abend feiern. Er stellt den Männern eine Aufgabe, die es einem von ihnen ermöglicht, Mut zu beweisen und Ehre zu erlangen – die Chance für Gawain, endlich zu einem angesehenen Ritter zu werden. Doch die Sache hat einen Haken, denn genau ein Jahr später muss es der Wagemutige erneut mit dem Grünen Ritter aufnehmen…

Die Geschichte, die der mir bis dato unbekannte Regisseur David Lowery in „The Green Knight“ erzählt, orientiert sich grob an der klassischen Ritterromanze „Sir Gawain and the Green Knight“, die vermutlich aus dem 14. Jahrhundert stammt. Harter und heute kaum noch lesbarer Stoff also – ich kann aber zumindest in einer Hinsicht Entwarnung geben: Im Gegensatz zur 2015er-Verfilmung des Shakespeare-Klassikers „Macbeth“ sprechen die Charaktere in vorliegendem Film modernes Englisch; ein paar „thees“ und „thous“ sowie gelegentlich ein paar altertümlich anmutende Sätze sind zwar vorhanden; die wirken aber eher wie in modernen Fantasy-Romanen und sollten damit kein großes Problem darstellen.

Ist das Kunst? Ja, ist es!

Locker-flockige Unterhaltung ist „The Green Knight“ trotz dieser Zugeständnisse an aktuelle Sehgewohnheiten allerdings nicht. Im Gegenteil – dieser Film erfüllt meines Erachtens nur die Minimalerfordernisse für einen kommerziellen Erfolg, der Rest ist, so kitschig das auch klingen mag, Kunst. Besonders interessant: „The Green Knight“ fühlt sich sehr authentisch Werk an – dafür sorgen die Komposition aus Bild, Ton und hervorragender Ausstattung. Die Geschichte selbst wurde im Vergleich zur Urfassung zwar verändert, die Anpassungen wurden für mein Dafürhalten aber recht behutsam durchgeführt. Zusammengefasst heißt das: Dieser Film vermittelt einerseits den Eindruck, eine Geschichte zu erzählen, wie sie sich ein Literat des Mittelalters ausgedacht haben könnte und untermalt das andererseits mit einer nahezu perfekt passenden Bildsprache – ohne verstaubt zu wirken, wohlgemerkt.

Ähnliches gilt für die Charaktere, wobei man hier sagen muss, dass ein Ritter, wie ihn Dev Patel hier spielt, für die alten Minnesänger kaum erzähl- und besingbar gewesen sein dürfte. Will sagen: In der Realität wird es sicher solche Ritter gegeben haben, allerdings wären ihre Verfehlungen nie in diesem Ausmaß in ein Heldenepos aufgenommen worden. Was dem Historiker die Haare zu Berge stehen lässt, freut dafür den Kritiker: David Lowerys Gawain ist ein Held wider Willen. Der Tunichtgut kommt eher zufällig zum Handkuss, findet zwar schließlich doch noch seinen Mut, zieht aber zu keinem Zeitpunkt voller Vorfreude aus, um seine Aufgabe zu erfüllen. Diese Art von Charakter passt einfach hervorragend in die heutige Zeit und ist bestens zur Identifikation geeignet. Noch dazu spielt Dev Patel den jungen Ritter ausgesprochen glaubwürdig und sympathisch.

Weg und Ziel.

In Hinblick auf die Handlung ist der Weg das Ziel. Und das im wahrsten Sinne des Wortes, begleiten wir doch den Gutteil des Films den Helden auf der Suche nach seiner Bestimmung. Die Aufnahmen, mittels derer das geschieht, beeindrucken zu jeder Zeit – und das teilweise auf sehr spezielle Art: Dem Regisseur gelingt es, den Zuseher direkt in die Rolle des mittelalterlichen Menschen zu versetzen. Gawain zieht durch das Land, er sieht dabei die Armut und die Finsternis seiner Zeit – und er sieht Wunder, die den Menschen damals unerklärlich gewesen sein müssen, er sieht Riesen durch die Lande ziehen und hört einen Fuchs sprechen.

Wer diese Dinge als simple Fantasy abtun möchte, kann das gerne machen; ich selbst hatte, dank der mächtigen Bildsprache, unterstützt vom nicht minder beeindruckenden Ton, stets einen anderen Eindruck: Genau so, wie es im Film dargestellt hat, könnten es die Menschen jener Zeit gesehen haben. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, wie ich es erklären soll – es hat mich jedenfalls nachhaltig beeindruckt, so viel ist sicher.

Unterm Strich ist „The Green Knight“ definitiv ein Film, der fordert. Zwar gibt es den einen oder anderen kurzweiligen Kampf, den Großteil der über zweistündigen Laufzeit machen allerdings genüsslich ausgebreitete Bilder und einige längere Dialoge aus. Wenn man es schafft, sich darauf einzulassen, sieht man hier einen der innovativsten, mutigsten – und hypnotischsten – Filme der vergangenen Jahre. Ein Meisterwerk also? Ich sage: Ja, auch wenn der Regisseur es hier und da mit seinen Kamerafahrten übertreibt und die Geduld des Zuschauers auf eine härtere Probe stellt, als notwendig gewesen wäre. Davon abgesehen wüsste ich aber nicht, was ich an „The Green Knight“ aussetzen sollte, daher: Volle Punktzahl und die klare Empfehlung, sich dieses Spektakel mit Zwischentönen keinesfalls entgehen zu lassen.

Gesamteindruck: 7/7


Originaltitel: The Green Knight.
Regie:
David Lowery
Drehbuch: David Lowery
Jahr: 2021
Land: USA, Irland
Laufzeit: ca. 130 Minuten
Besetzung (Auswahl): Dev Patel, Alicia Vikander, Joel Edgerton, Sean Harris, Kate Dickie, Ralph Ineson



FilmWelt: Der Babadook

Der „Schwarze Mann“ hat ja verschiedenste Gestalten und Gesichter und wurde auf ebenso vielfältige Weise in dutzenden, wahrscheinlich sogar hunderten Filmen verarbeitet. Als ich gelesen habe, worum es in „Der Babadook“ geht bzw. den Trailer gesehen habe, dachte ich zunächst an einen typischen Horrorfilm, der sich auf mehr oder weniger kreative Art diesem Schreckgespenst widmet. Stimmt auch, irgendwie – und doch ist der australischen Regisseurin Jennifer Kent, die auch für das Drehbuch verantwortlich zeichnet, eine ziemlich eigenständige Variation des Themas gelungen.

Gesamteindruck: 6/7


Die Angst vorm Schwarzen Mann.

Mein Interesse war jedenfalls geweckt – einerseits, weil der Film eben nicht aus Hollywood kommt, sondern aus Australien, also einem Land, das hierzulande nicht unbedingt für klassischen Horror bekannt ist. Andererseits wird in „Der Babadook“ nicht eine Bande kreischender Teenies über die Leinwand gejagt, wie es beispielsweise im von mir unlängst kommentierten „Slender Man“-Debakel der Fall ist. Im Gegenteil, vorliegender Film portraitiert eine Mutter-Kind-Beziehung, in der das titelgebende Monster zum Nebendarsteller wird. Weniger unheimlich ist der Streifen deshalb aber mitnichten.

Worum geht’s?
Amelia Vanek ist verzweifelt: Die alleinerziehende Mutter ist mit ihrem hyperaktiven Sohn Samuel, der zu allem Überfluss unter ständigen Alpträumen und Angstzuständen leidet, überfordert. Entsprechend schwierig gestaltet sich das Zusammenleben der kleinen Familie. Eines Abends liest sie ihrem Sprössling aus einem Buch vor, das sie noch nie in ihrer Wohnung gesehen hat und in dem es um eine schaurige Gestalt namens Mister Babadook geht. Bald müssen Mutter und Sohn feststellen, dass der Schwarze Mann keine Erfindung ist…

Wie eingangs erwähnt: Hübsche Teenager werden in „Der Babadook“ nicht über den Bildschirm gehetzt. Das ändert allerdings wenig am Kreisch-Faktor, denn es geht vor allem anfangs darum, die Probleme, die die Mutter (grandios gespielt von Essie Davis) mit ihrem physisch und psychisch nicht sehr pflegeleichten Sohn (Noah Wiseman) hat, glaubhaft darzustellen. Heißt: Der Film tut alles dafür, die Nerven des Publikums ähnlich zu strapazieren, wie es die Figuren im Film erleben müssen. Als kinderloser Zuseher musste ich das erstmal verdauen; tatsächlich dachte ich zu Beginn noch an eine typisch-nervige Kinderrolle, die leider immer wieder ohne Sinn und Verstand in Filme eingebaut wird. Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase musste ich allerdings zugeben, dass die Regisseurin es ausgezeichnet verstanden hat, eine problembehaftete Beziehung darzustellen: Man ist als Zuschauer hin- und hergerissen zwischen Gereiztheit, Wut und Mitleid mit dem launischen Sohnemann – und fühlt zwischendurch immer wieder sehr deutlich, wie sehr die Mutter ihren Jungen trotz allem liebt. Die ganze Bandbreite ist da und wird von Jennifer Kents Drehbuch und ihren beiden Hauptdarstellern bemerkenswert gut auf die Leinwand gebracht.

Hebt sich vom üblichen Horror ab.

Aber auch davon abgesehen ist „Der Babadook“ recht unkonventionell. Der Aufbau ist auffallend langsam und bedächtig. Dadurch, dass es nur zwei Hauptpersonen gibt, entfällt das altbekannte Schema, eine Figur nach der anderen zu eliminierten – zum Glück, denn zu diesem Thema ist ohnehin längst alles gesagt. Vorliegender Film ermöglicht hingegen eine tatsächliche Identifikation mit den Charakteren, man hat das Gefühl, sie und ihre Lebensumstände sehr gut kennenzulernen. Da spielt natürlich hinein, was ich weiter oben bereits zu den Figuren ausgeführt habe, das eher gemächliche Tempo tut sein übriges dazu. Genau habe ich es nicht gestoppt – aber gefühlsmäßig beginnt der Film eigentlich erst zur Halbzeit, tatsächlich unheimlich (im Sinne von „übersinnlich“) zu werden. Alles, was davor kommt, dient dem Aufbau von Charakteren und Atmosphäre.

Eine Sache, die ich auch nicht unerwähnt lassen möchte: Im Gegensatz zu den meisten anderen Horrorfilmen bekommt die Titelfigur hier keinen so großen Raum, wie man meinen möchte. Klar, wenn der Babadook sein Unwesen treibt, geht das nicht ganz ohne Jump-Scares ab. Dennoch ist der Schrecken, den dieser Film vermittelt, eher subkutan. Am Ende stellt man sich die Frage, ob der Babadook überhaupt ein Monster wie der Slender Man oder von mir aus auch Freddy Krueger ist. Plausibler scheint mir, dass die im Film kaum einmal zur Gänze sichtbare Figur ein Sinnbild für den sich rapide verschlechternden Geisteszustand der Protagonisten (vor allem natürlich der Mutter) ist. Das mag auch der Grund sein, wieso im Film nicht einmal ansatzweise erklärt wird, was der Babadook eigentlich ist; ähnlich gelagerte Streifen berufen sich dafür meist auf Legenden, erfinden diese oft auch selbst. Wo der Babadook herkommt, ist hingegen völlig unklar, was den Eindruck, er ist ein düsteres Symbolbild, verstärkt.

Nur kleine Abzüge.

Wirklich auszusetzen habe ich wenig. Nicht verhehlen möchte ich aber, dass ich mit dem Finale nicht ganz einverstanden bin – die allerletzte Szene führt meine Interpretation des Gesehenen ein wenig ad absurdum, suggeriert sie doch, es gäbe den Babadook tatsächlich in unserer realen Welt. Diesen Twist hätte ich nicht gebraucht, weil er dem Film am Ende ein wenig von seiner Botschaft zu rauben scheint. Zumindest habe ich diese Erzählung als eine Art Warnung interpretiert, was passieren kann, wenn allein erziehende Mütter von der Gesellschaft vollkommen im Stich gelassen werden. Ist das nicht der Fall und „Der Babadook“ war schlicht und einfach als Horrorfilm gedacht, kann man – so denke ich – über die etwas merkwürdige Auflösung eher hinweg sehen.

So oder so handelt es sich meiner Ansicht nach um einen guten Film, der spannend ist und sich erfrischend vom Horror-Einheitsbrei abhebt. Surreal ist „Der Babadook“, gleichzeitig ein einfühlsames und emotionales Portrait mit sehr interessanten Effekten und – das sei auch noch erwähnt – einer Technik und Kameraführung, die ihn deutlich von Hollywood-Produktionen unterscheidet. Mir hat’s jedenfalls gefallen.

Gesamteindruck: 6/7


Originaltitel: The Babadook.
Regie:
Jennifer Kent
Drehbuch: Jennifer Kent
Jahr: 2014
Land: Australien
Laufzeit: ca. 95 Minuten
Besetzung (Auswahl): Essie Davis, Noah Wiseman, Hayley McElhinney, Barbara West, Daniel Hanshalt



FilmWelt: Gretel & Hänsel

Erzählt man Kindern heutzutage noch Märchen? Mangels Nachwuchs kann ich das nicht beurteilen, würde mich aber nicht wundern, man darauf verzichtet. Die Öffentlichkeit reagiert heute ohnehin deutlich sensibler auf derart düstere und brutale Geschichten, wie das klassische Märchen von „Hänsel & Gretel“ eben auch eine ist. Und das ist auch schon das Stichwort: Vorliegende Verfilmung richtet sich eindeutig an ein erwachsenes Publikum, Kindern sollte man definitiv nicht zeigen, was Regisseur Oz Perkins aus der Geschichte gemacht hat.

Gesamteindruck: 3/7


Ich rieche Menschenfleisch!

Der Stoff, aus dem die Märchen sind, hatte immer schon erschreckende Aspekte: Böse Hexen, entführte Kinder, Folter und Tod gehören standardmäßig zum Programm. Es sollte also alles für eine entsprechend furchteinflößende und/oder bizarre filmische Umsetzung angerichtet sein. Schade nur, dass – soviel sei vorab verraten – Anspruch und Wirklichkeit im Falle von „Gretel & Hänsel“ relativ weit auseinander klaffen.

Worum geht’s?
Gretel und ihr jüngerer Bruder Hänsel wachsen in einem Dorf auf, in dem bittere Armut zum Alltag gehört. Ihre Mutter verstößt sie schließlich, weil sie die Geschwister nicht mehr ernähren kann. Auf der Suche nach Arbeit und Nahrung wandern die beiden immer tiefer in den Wald, bis sie schließlich auf ein düsteres Haus stoßen, in dem sie durch ein Fenster einen reich gedeckten Tisch sehen. Der Hunger lässt sie aller Vorsicht vergessen und ins Haus schleichen – wo sie prompt von der Bewohnerin, einer echten Hexe, erwischt werden…

Moment, „Gretel & Hänsel“? Nein, das ist kein Schreibfehler, Regisseur Oz Perkins hat die Namen tatsächlich umgedreht. Entsprechend ist es die ältere Schwester, die in dieser Verfilmung die Hauptrolle spielt – gemeinsam übrigens mit der Hexe. Hänsel wird zum Nebendarsteller degradiert und seine Rolle beschränkt sich im Wesentlichen darauf, von Gretel beschützt bzw. von der Hexe in ihren Bann geschlagen zu werden. Ein interessanter Ansatz, der dem klassischen Märchen einen anderen, deutlich moderneren Anstrich verpasst. Ob und wie sich das alles als eine Art feministische Befreiungsgeschichte lesen lässt, wage ich nicht abschließend zu beurteilen, mir scheint jedoch, dass der Film und speziell auch dessen Ende, in diese Richtung zeigt. Dagegen ist absolut nichts zu sagen, im Gegenteil: Es ist erfrischend zu sehen, wie man einer so traditionellen Geschichte neue Bedeutung geben kann.

Atmosphärisch top.

„Gretel & Hänsel“ ist ein Film, der aber vor allem abseits der ungewöhnlichen Herangehensweise an die Story zu beeindrucken weiß. Zuallererst wäre die eigentümliche, durchgehend düster und bedrohlich wirkende Atmosphäre zu nennen. Zu verdanken ist das einerseits dem höchst passenden Soundtrack, der die Stimmung fast schon beängstigend gut unterstreicht; vor allem aber sind es die Bilder, die eine ganz eigene Ästhetik versprühen. Es ist gar nicht so leicht zu erklären: Eigentlich wirkt z. B. der Wald, in dem sich die Geschwister verirren, wunderschön. Die Kamera fängt ihn so ein, wie man sich einen Wald eben vorstellt – und doch ist in jeder einzelnen Szene eine diffuse Bedrohung spürbar. So wie in „Gretel & Hänsel“ gelingt es meines Erachtens nur in ganz wenigen Filmen, allein durch Bild und Ton eine unterschwellige und Gefahr auszudrücken. Und das wohlgemerkt ohne viel Action, Jump-Scares und Blut. Auch wenn die Ästhetik eine völlig andere ist, hat das ein bisschen was von „Blair Witch Project“ (1999); und auch an „The Witch“ (2015) musste ich ein- oder zweimal denken.

Ein weiterer Pluspunkt sind die Schauspieler. Im Wesentlichen gibt es drei Personen, die den Film tragen – und alle drei machen ihre Sache sehr gut. Speziell Alice Krige möchte ich hervorheben, ihre Darstellung der Hexe ist – und das meine ich positiv – hintergründig-bizarr. Sie verpasst ihrer Figur eine für den Zuseher sehr bedrohlich wirkende Aura. Das wäre schon aller Ehren wert, noch interessanter ist aber, dass man trotz aller Vorbehalte ständig (fast unterschwellig) die Anziehungskraft, die sie auf Gretel ausübt, spüren und nachvollziehen kann. Eine nachgerade paradoxe Situation, die nochmal untermauert, wie stark Alice Krige im Zusammenspiel mit Sophia Lillis hier agiert.

Inhaltlich mau.

Leider kann der Inhalt nicht mit der bestechenden Optik, dem tollen Sound und der ansprechenden Darstellung mithalten. Es ist, als hätte sich der Regisseur damit verausgabt, möglichst starke Bilder zu produzieren und dabei auf die Handlung vergessen. Und so mäandert „Gretel & Hänsel“ vor sich hin, reiht schöne Naturaufnahmen und kammerspielartige Szenen in düsteren Räumen aneinander – und ergeht sich zwischendurch in nichtssagenden und langwierigen Dialogen. Philosophisch? Mag sein, aber auch ziemlich langweilig, wenn ich ehrlich bin.

Und die Handlung abseits der guten Idee, das Märchen auf andere Art und Weise zu erzählen? Leider bleibt sie weit hinter dem zurück, was man sich nach dem Trailer oder dem Lesen der Inhaltsangabe erwartet und erhofft. Der Film ist sehr ruhig, was in Ordnung wäre – wenn er denn irgendwo hin führen würde. Ein Höhepunkt fehlt jedoch, sodass man nach 90 Minuten das Gefühl hat, viel länger vor dem Fernseher gesessen zu sein. Das ist irrsinnig schade – zeigt aber letztlich, dass es an guten Ideen gefehlt hat. Nein, das stimmt nicht: Die Ideen waren da, aber offenbar niemand, der sie zu Ende gedacht und entsprechend ausgearbeitet hat.

Fazit: „Gretel & Hänsel“ ist vor allem eines: Verschwendetes Potenzial. Vielleicht wollte ich den Film auch einfach zu gerne mögen, was die Enttäuschung meist umso bitterer macht? Ich weiß es nicht. Fakt ist, dass ich am Ende unzufriedener war, als ich mir zunächst eingestehen wollte. Damit kann es trotz einer Ästhetik, die ich so in letzter Zeit sehr selten gesehen habe, nur für eine unterdurchschnittliche Wertung reichen.

Gesamteindruck: 3/7


Originaltitel: Gretel & Hansel.
Regie:
Oz Perkins
Drehbuch: Rob Hayes
Jahr: 2020
Land: USA
Laufzeit: ca. 90 Minuten
Besetzung (Auswahl): Sophia Lillis, Sammy Leakey, Alice Krige, Jessica de Gouw, Fiona O’Shaugnessy



SerienWelt: Game of Thrones – Staffel 1

Wenige Tage vor Erscheinen dieser Rezension war es soweit: Eine der beliebtesten und gleichzeitig auch meistdiskutierten Fernsehserien endete nach 8 Staffeln und 73 Episoden. Zur Umsetzung dieses Mammut-Projektes benötigte das Produzentenduo David Benioff und D.B. Weiss 8 Jahre – die erste Folge von „Game of Thrones“ wurde 2011 ausgestrahlt. Nach so langer Zeit hat man vielleicht das eine oder andere Detail vergessen, kann sich nicht mehr so gut erinnern, was in den einzelnen Staffeln passiert ist. Daher mein Entschluss, quasi direkt nach dem Abspann der finalen Folge noch einmal mit Staffel 1, Folge 1 zu beginnen und – mit etwas Abstand zum ersten Durchgang – Rezensionen zu den einzelnen Staffeln zu verfassen.

Gesamteindruck: 7/7


Großartige Umsetzung.

VORSICHT: Eventuell können „Game of Thrones“-Rezensionen auf WeltenDing Spoiler enthalten!

Die 1. Staffel der US-Serie „Game of Thrones“ behandelt den gleichnamigen 1. Band von George R.R. Martins großer Saga „A Song of Ice and Fire“ (in der deutschen Version: „Das Lied von Eis und Feuer“). Dabei werden in zehn Folgen die Geschehnisse der Buchvorlage ziemlich exakt wiedergegeben. Es gibt natürlich gewisse Anpassungen, hier und da wurde gestrafft und nicht alles ist exakt so, wie man es vielleicht aus den Büchern kennt. Gleichwohl sind die Unterschiede zwischen Buch und Serie in Staffel 1 verhältnismäßig gering.

Inhalt in Kurzfassung
Viele Jahre nachdem er in einer blutigen Rebellion die Macht übernommen hat, bittet König Robert Baratheon seinen Freund und Waffenbruder Eddard „Ned“ Stark, seine rechte Hand zu werden. Schnell zeigt sich, dass die Politik in den Sieben Königslanden vor allem von Intrigen um Macht und Geld bestimmt wird – ein Parkett, auf dem der rechtschaffene Eddard Stark sich schnell mächtige Feinde macht, während er einer Verschwörung auf die Spur kommt, die bereits seinem Vorgänger zum Verhängnis wurde. Zeitgleich erhebt sich im hohen Norden hinter der von den Männern der Nachtwache gehüteten „Mauer“ eine unheimliche Bedrohung für die Reiche der Menschen – und auf einem anderen Kontinent schmieden die letzten Überlebenden der vor der Rebellion herrschenden Dynastie Pläne, aus dem Exil zurückzukehren und den Eisernen Thron für sich zu beanspruchen. 

Vorweg: Ich habe direkt nach 2 oder 3 Folgen der 1. Staffel von „Game of Thrones“ begonnen, die Bücher zu lesen – und habe jedes davon genossen. Die Serie habe ich, wie angedeutet, komplett gesehen, fand aber, bevor ich meine Meinung dazu abgebe, einen 2. Durchgang aller Folgen und Staffeln notwendig. Damit sollte ich eher in der Lage sein, das Gesehene mit etwas emotionalem Abstand und halbwegs objektiv reflektieren zu können.

Viel besser geht es (vermutlich) kaum.

Generell sind Umsetzungen von großen literarischen Vorbildern ja oft eine zwiespältige Sache. Um den Anforderungen des visuellen Mediums gerecht zu werden, muss die Handlung häufig gestreckt oder gerafft werden, hinzu kommt, dass Figuren oft nicht so aussehen und sich nicht so verhalten wie in der Vorlage und das es allgemein sehr schwierig ist, eine bestimmte Atmosphäre einzufangen. Vieles davon hat allerdings mit der individuellen Vorstellung der Leser bzw. Seher zu tun – und allen kann man es naturgemäß nie recht machen.

In „Game of Thrones“ wurde im Prinzip dennoch alles richtig gemacht. Das beginnt bereits mit der Auswahl der Schauspieler: Zum Zeitpunkt der 1. Staffel dürft das einzige, einer breiteren Masse bekannte Gesicht Sean Bean (u. a. Boromir in „Der Herr der Ringe“) als Lord Eddard Stark sein. Bean wird von einer damals weitgehend unbekannten, aber dennoch sehr guten Riege an Darstellern unterstützt. Besonders hervorzuheben sind dabei Peter Dinklage (Tyrion Lannister), Lena Headey (Cersei Lannister), Aidan Gillen (Petyr Baelish) und Iain Glenn (Jorah Mormont) die ihre Rollen tatsächlich so gut spielen, dass man sich direkt in das Buch versetzt fühlt – auch wenn die Optik oft nicht so ganz stimmt. Aber auch alle anderen Figuren wurden sehr gut besetzt, lediglich Jack Gleeson (Joffrey Baratheon) wirkt für mich ein wenig farblos und überfordert.

Das Drehbuch ist sehr gut gelungen und schafft es ausgezeichnet, Stimmung und Atmosphäre der Saga einzufangen. Alle wichtigen Ereignisse aus dem literarischen Vorbild kommen vor oder werden erwähnt – man hat als Kenner des Buches eigentlich kaum das Gefühl, dass etwas Wichtiges weggelassen wurde. Hier zeigt sich auch die Stärke einer mehrteiligen Serie gegenüber einem Kinofilm: Es bleibt genug Zeit, die Charaktere zu entwickeln und die Geschichte ausführlich zu erzählen.

Ebenfalls perfekt umgesetzt wurde die Optik. Es ist eigentlich unglaublich, mit welcher Liebe zum Detail hier für eine Fernsehproduktion gearbeitet wurde. Ein ausreichendes Budget hat es wohl möglich gemacht… Das beginnt bereits beim aufwändigen und epischen Intro und setzt sich über für Serienverhältnisse überdurchschnittlich gute Effekte und Choreografien fort. Auch Landschaft, Bauten, Waffen und Wetter wirken wie aus einem Guss – hier gibt es beim besten Willen nichts auszusetzen. Überraschend war der für eine US-Serie erstaunlich hohe Anteil an Gewalt. Für Enthauptungen, Schwertkämpfe und Turniere wurden soviel Kunstblut und -eingeweide verwendet, wie schon lange in keiner Serie mehr (abgesehen vielleicht vom zeitgenössischen „The Walking Dead“). Auch vor nackten Körpern in eindeutigen Stellungen schreckten die Verantwortlichen nicht zurück – im prüden Amerika sicher ein Schock. Die Serie richtet sich jedenfalls eindeutig an Erwachsene, was aber nicht nur daran, sondern auch an der generellen Komplexität und vielen „politischen“ Szenen liegt.

Synchronisation als einziger Kritikpunkt.

Größter, oft einziger Kritikpunkt vieler Rezensenten ist die deutsche Synchronisation. Tatsächlich ist es so, dass man sich das Ganze nach Möglichkeit im englischen Original ansehen sollte; gleiches gilt ja auch für die Buchvorlage. Sollten die dafür notwendigen Kenntnisse fehlen und man sich nicht mit Untertiteln herumschlagen wollen, ist die deutsche Variante natürlich die einzige Möglichkeit. Hier ist es so, dass sich die Verantwortlichen an die Übersetzung des Buches gehalten haben. Es wurden also praktisch alle Eigennamen eingedeutscht, ähnlich wie man das aus „Herr der Ringe“ kennt. Auch wenn diese Meinung viele nicht teilen werden: ich empfinde das als die bessere Variante gegenüber dem Beibehalten der englischen Begriffe. Allerdings wäre ein wenig mehr Augenmaß notwendig gewesen – ob man beispielsweise „Casterly Rock“ wirklich mit „Casterly Stein“ übersetzen muss, sei dahingestellt. Noch schlimmer ist die Eindeutschung gewisser Familiennamen, was aber in der Serie zum Glück nicht so extrem ins Gewicht fällt (ob nun „Lannister“ oder „Lennister“ ist in der Aussprache praktisch egal, ,ganz im Gegensatz zum Buch). Dass man „Königsweg“ anstelle von „Kingsroad“ sagt ist für mich hingegen eine akzeptable Lösung. Ich denke generell, dass man sich relativ schnell daran gewöhnt und das kein Grund für eine Abwertung sein muss. Die Synchronsprecher wurden übrigens gut und passend ausgewählt, hätten aber etwas emotionaler agieren können.

Eine Problematik, die eventuell abschrecken könnte, wenn man die Vorlage nicht kennt ist deren Komplexität. Bereits im Buch werden Ereignisse und Intrigen nur nach und nach enthüllt, alles ist zu Beginn relativ schwer zu verstehen und mysteriös. Das ist auch bei der TV-Serie so, darum könnten sich Zuschauer, die die Vorlage nicht kennen, vergleichsweise schwer tun, in Staffel 1 mitzukommen. Auch die Fülle der vorgestellten Charaktere macht die Sache nicht unbedingt einfacher. Aber das ist – wie gesagt – auch beim Buch so und wurde sehr authentisch übernommen.

Fazit: Mit „Game of Thrones“ ist den Produzenten David Benioff und D. B. Weiss tatsächlich ein Geniestreich gelungen. Es gibt wohl nur eine handvoll Filme oder Serien, die es bisher so gut geschafft haben, ein komplexes literarisches Vorbild auf ein visuelles Medium zu übertragen. Von der Ausstattung über die Schauspieler bis hin zur Dramaturgie passt einfach alles. Kenner der Bücher werden sich über die liebevolle Umsetzung freuen und wer mit der TV-Serie in George R. R. Martins Universum einsteigt, bekommt wohl richtig Lust, die Bücher zu lesen und noch tiefer einzutauchen. Gut gemacht, viel besser geht es eigentlich nicht!.

Gesamteindruck: 7/7


Originaltitel: Game of Thrones
Idee: David Benioff, D. B. Weiss
Land: USA
Jahr: 2011
Episoden: 10
Länge: ca. 60 Minuten
Gesehen auf: Sky
Haupt-Besetzung (Auswahl): Sean Bean, Peter Dinklage, Emilia Clarke, Lena Headey, Kit Harington, Sophie Turner, Maisie Williams, Nikolaj Coster-Waldau, Alfie Allen, Mark Addy



 

BuchWelt: Der Krake

China Miéville


„Der Krake“ ist das erste Werk von China Miéville, das ich gelesen habe. Dass gleich meine Premiere so schwierig zu bewerten sein würde, hätte ich nicht gedacht. Denn rein vom Klappentext her klingen sowohl dieses als auch seine anderen Werke durchaus nach Stoff, den ich gerne lese. Und auch während und nach der Lektüre wollte ich dieses Buch unbedingt mögen. Es schien mir unverzeihlich, dass ich damit nicht warm werden konnte. Und doch muss ich so ehrlich sein und sagen: „Der Krake“ hat mir über weite Strecken nicht gefallen.

Gesamteindruck: 3/7


(Zu) abgefahren.

Das Problem, das ich mit „Der Krake“ habe, ist nicht die Story an sich. Die besteht aus einer guten, nicht alltäglichen Idee, eingebettet in eine Welt, die der unseren entspricht, letztlich aber doch ganz anders funktioniert. Die Mär von Zauberern, Hexen, Engeln und anderen merkwürdigen Wesen, die unbemerkt unter uns leben, ist guter Stoff, den ich persönlich bisher vor allem von Sergej Lukianenko (die „Wächter“-Serie) oder Neil Gaiman („American Gods“) kannte. „Der Krake“ haut mit seinen verschiedenen Kulten, mit Göttern und Magie in eine sehr ähnliche Kerbe. Leider schafft es China Miéville jedoch nicht, aus diesen Zutaten eine durchgehend fesselnde Geschichte zu basteln. Im Gegenteil, mehrere Probleme haben mir die Lektüre länger werden lassen, als es die gar nicht so umfangreiche Haupthandlung vermuten lässt.

Inhalt in Kurzfassung
Die Hauptattraktion in einem Londoner Museum ist ein Riesenkalmar, der präpariert in Formalin in einem großen Glasbehälter schwimmt. Als das Exponat auf unerklärliche Weise verschwindet, gerät Kurator und Durchschnittstyp Billy Harrow in einen Strudel bizarrer Ereignisse. Die Suche nach dem riesigen Tintenfisch führt ihn zu einem mysteriösen Kult, der den Kalmar als Gott verehrt. Doch damit nicht genug, der Held wider Willen erfährt nach und nach, dass es in „seiner“ Stadt von mysteriösen Sekten und Kulten wimmelt und dass Zauberei und Magie nicht nur existieren, sondern durchaus gefährlich sein können.  

„Der Krake“ bzw. sein Autor ist ein Vertreter des „New Weird“, einer relativ neuen Literaturströmung, die vor allem in der Science Fiction eingeordnet werden könnte, würde sie sich nicht vor allem durch Aufweichung von Genre-Grenzen auszeichnen. In diesem Fall haben wir es mit einer Mischung aus (Urban) Fantasy, Science Fiction, Thriller und Krimi zu tun, garniert mit britisch-trockenem Humor. Klingt gut? Mag sein, letztlich muss man aber konstatieren, dass sich das Buch – zumindest stellenweise – genauso zerfahren liest, wie man nach dieser Beschreibung befürchtet. Die Handlung folgt zwar einem roten Faden; der verschwindet allerdings immer wieder im Wust der (mal besseren, mal schlechteren) Ideen. Bei vielen im positiven Sinne absurden Einfällen hat man das Gefühl, dass China Miéville geradezu gezwungen war, sie mit aller Gewalt in der Geschichte unterzubringen. Die Handlung bringen sie allerdings nicht wirklich voran. Entsprechend ist das Lesevergnügen einem ständigen Auf und Ab unterworfen.

Gute Ideen allein reichen nicht.

Das wirkt sich vor allem aufgrund der Länge des Buches nahezu katastrophal aus. Der angesprochene rote Faden mag brauchbar sein, ist aber so dünn, dass er auch auf halb so vielen Seiten locker hätte erzählt werden können. Dazwischen gibt es ein Stückwerk aus Ideen, die wie reiner Selbstzweck wirken. So werden die Figuren zwar von einem skurrilen Schauplatz zum nächsten geführt, entwickeln sich dabei praktisch aber nicht weiter. Und auch der Story bleibt kaum Zeit und kein Raum, interessant vorangetrieben zu werden.  Das macht die Lektüre insgesamt zäh und anstrengend, es dauert immer wieder lange Absätze, bis man (inhaltlich) wieder ein Stückchen vorankommt. Hat man es dann irgendwann geschafft, die 740 Seiten zu bewältigen, bleibt man einigermaßen konsterniert zurück. Die Auflösung, soweit man von einer solchen überhaupt sprechen kann, hat mich persönlich jedenfalls mehr verwirrt als befriedigt. Ein Buch wie „Der Krake“ muss zwar annähernd so skurril enden, wie die darin vorgestellten Ideen sind; das heißt aber nicht, dass der Schluss kaum verständlich daherkommen muss.

Ein Wort noch zu den Charakteren: Möglichkeiten zur Identifikation bestehen kaum. Auch, weil relativ viele Figuren durch die bizarren Szenen gehetzt werden. Näher beschrieben wird kaum jemand. So muss man sich damit abfinden, beispielsweise nicht zu erfahren, was es mit den Erzbösewichten Goss & Subby wirklich auf sich hat, wer „das Tattoo“ vor seiner Verbannung war oder wer Grisamentum eigentlich ist. Auch die extrem passive Hauptfigur Billy Harrow bleibt flach und ist kein Sympathieträger, mit dem man mitfiebern kann. Am ehesten schaffen es noch der alt-ägyptische Gewerkschaftsboss (!) Wati , die derbe Polizistin Collingswood und Dane, seines Zeichens Agent des Kraken-Kultes, den Leser für sich zu gewinnen. Das ist allerdings ein schwacher Trost, wenn man bedenkt, wie viele Charaktere im Buch eigentlich vorkommen.

Es ist bei Übersetzungen natürlich immer schwierig zu beurteilen, wie groß der Anteil des Autors am Nichtgefallen des Buches überhaupt ist. Das sei der Fairness halber erwähnt, denn vom immer wieder gepriesenen, ganz besonderen Stil China Miévilles konnte ich in diesem Buch nicht allzu viel entdecken. Im Gegenteil: Eine Neigung zu telegrammhaft abgehackten Sätzen ist das, was ein relativ früher Dämpfer für das Lesevergnügen war – auch weil man den merkwürdigen Gedankengängen stellenweise kaum folgen kann. Das ist zwar nicht der Grund für die schwache Gesamtwertung, es ist allerdings ein Puzzlestein, der dazu beiträgt.

Alles in allem ist „Der Krake“ weit davon entfernt, das schlechteste Buch aller Zeiten zu sein. Nichtsdestotrotz wirkt der Roman zum Teil, als wäre er noch in Manuskript-Form veröffentlicht worden. Eine grundlegende Überarbeitung der Handlung und eine Straffung des Drumherums hätten dem Werk meines Erachtens gut getan. So muss es für großzügige drei Punkte reichen, vor allem weil der Autor durch kreativen Einfallsreichtum glänzt. Hätte er es nur geschafft, die Hälfte seiner abstrusen Ideen mit der Geschichte, die er eigentlich erzählen will, schlüssig zu verbinden, wäre viel mehr möglich gewesen. Wie es aber nun einmal ist, glaube ich kaum, dass ich dieses Buch noch einmal zur Hand nehmen werde und würde das auch Liebhabern von kruden Genre-Mixturen nur sehr bedingt empfehlen.

Gesamteindruck: 3/7


Autor: China Miéville
Originaltitel: Kraken.
Erstveröffentlichung: 2010
Umfang: ca. 740 Seiten
Gelesene Sprache: Deutsch
Gelesene Version: Taschenbuch


 

BuchWelt: Beren und Lúthien

J.R.R. Tolkien


J.R.R. Tolkien war schon zu Lebzeiten mit „Der kleine Hobbit“ (1937) und „Der Herr der Ringe“ (1954/55) großer Erfolg beschieden. Durch die Verfilmungen von Peter Jackson zu Beginn des 21. Jahrhunderts gab es noch einmal einen Popularitätsschub für den 1973 verstorbenen Autor. Dass die genannten Bücher keineswegs exemplarisch für Tolkiens Schaffen und nicht sein Hauptwerk sind, interessiert dabei kaum. Entsprechend zwiegespalten sind dann auch die Reaktionen zum „Silmarillion“ (postum 1977), zum „Buch der verschollenen Geschichten“ (postum 1983-1996) und eben auch zu „Beren und Lúthien“ (postum 2017), auch wenn die darin erzählten Geschichten wesentlich wichtiger für Tolkien selbst waren.

Gesamteindruck: 4/7


Erreicht das selbst gesteckte Ziel nicht.

Nach dem Tod von John Ronald Reuel Tolkien (1973) sah sich dessen Sohn Christopher einer wahrhaft epischen Aufgabe gegenüber. Sein Vater hatte eine gigantische Menge an Geschichten und Fragmenten in verschiedenen Stadien der Fertigstellung hinterlassen. Daraus hätte, so der Plan des Autors, irgendwann sein Opus Magnum, „Das Silmarillion“, entstehen sollen. Dazu kam es aufgrund seines Todes nicht mehr. Seinem Sohn fiel die Arbeit zu, das Rohmaterial, das teilweise bis zu 50 Jahre alt war, in eine zur Veröffentlichung geeignete Form zu bringen. Christopher Tolkien, selbst Professor für englische Sprache in Oxford, ging bei dieser Aufgabe unglaublich akribisch und in geradezu fanatischer Detailarbeit vor. Bestes Beispiel dafür war bis dato „Das Buch der verschollenen Geschichten“ in zwölf Bänden (ab 1983, auf Deutsch erschienen sind nur Band I und II). 2017 legt der mittlerweile selbst schon hochbetagte Sohn des legendären Schriftstellers als Herausgeber sein – wie er selbst im Vorwort andeutet – voraussichtlich letztes Werk aus dem Nachlass seines Vaters vor. Und hier zeigt sich noch einmal die ganze Gelehrtheit des Sohnes, der aus einer eigentlich recht kurzen Geschichte alles herausholt, was es dazu zu sagen geben dürfte.

Inhalt in Kurzfassung
„Die Geschichte von Beren und Lúthien“ ist eine zentrale Erzählung Tolkiens. Darin geht es – natürlich – um das größte aller Themen: Die Liebe. Neben der namensgebenden Geschichte, die nicht sehr umfangreich ist und nur einen geringen Teil dieses Buches ausmacht, versucht sich Herausgeber Christopher Tolkien an einer Darstellung der Genese eben dieser Erzählung. Und, was vielleicht noch wichtiger ist, er versucht sie erstmals ohne zu sehr auf ihren komplexen Kontext einzugehen, wiederzugeben.

Für eine umfassende Bewertung eines solchen Werkes muss man etwas weiter ausholen. Der Autor und Sprachwissenschaftler J.R.R. Tolkien hat, was die Wahrnehmung seines Werkes in der Öffentlichkeit betrifft, zwei Gesichter. Einerseits gibt es die zwei allseits bekannten Bestseller „Der kleine Hobbit“ und „Der Herr der Ringe“. Gut lesbar, toll geschrieben und zu Recht bei Millionen von Lesern außergewöhnlich beliebt. Andererseits – und wesentlich weniger beachtet – gibt es das, was Tolkien selbst signifikant wichtiger war als seine bereits zu seinen Lebzeiten erfolgreicheren Bücher. Die Erzählungen „aus den frühesten Tagen“, eine Sammlung von Sagen, beginnend mit einer vollkommen eigenständigen Schöpfungsmythologie, die im „Silmarillion“ zusammengefasst sind und auf das sich die Helden in „Der Herr der Ringe“ immer wieder beziehen. Dieses Buch galt schon vor 40 Jahren als „schwierig“ und entspricht heute vermutlich noch viel weniger den Lesegewohnheiten der Masse.

Wohl aber gibt es im „Silmarillion“ (genauer gesagt: in J.R.R. Tolkiens Nachlass aus unvollendeten Geschichten und Fragmenten) einzelne Erzählungen, die man auch einem breiteren Publikum präsentieren kann, wenn es gelänge, sie aus dem größeren Zusammenhang herauszulösen und dennoch verständlich zu halten. Der Versuch, genau das zu tun, ist Christopher Tolkien mit „Die Kinder Húrins“ gut gelungen. Allerdings war dort die Ausgangslage mit einer längeren und vollständigeren Erzählung einfacher. Mit „Beren und Lúthien“, mithin eine der wichtigsten Geschichten aus der Feder des älteren Tolkien, hatte sein Sohn offenbar größere Schwierigkeiten. Worin diese Probleme lagen und wie er diese letztlich so gut es ihm möglich war gelöst hat, macht einen großen Teil dieses Buches aus.

Schwierige Bewertung.

Doch wie soll man so etwas bewerten? Ich denke, grundsätzlich macht das Buch genau das was es soll und ist so geworden, wie Christopher Tolkien es wollte. Wer „Das Buch der verschollenen Geschichten“ kennt, weiß genau, was das bedeutet: Seitenlange Ausführungen des Herausgebers, in denen er detailliert wiedergibt, wie er die einzelnen Fragmente zusammengefügt hat, was sein Vater wann geschrieben hat und wie er das im Nachlass vorgefundene Material interpretiert. Für jeden, der ein gewisses Interesse an Literaturwissenschaft hat und sich im Detail für die Entstehung von Tolkiens Universum interessiert, ist das durchaus interessant.

Hier muss nun allerdings ein großes „Aber“ folgen, denn: Ganz gelingt es Christopher Tolkien freilich nicht, „Beren und Luthien“ für sich stehen zu lassen. Immer wieder muss er auf Versatzstücke aus „Silmarillion“, „Verschollene Geschichten“ und andere Dokumente zurückgreifen, um wichtige Elemente der Erzählung zu erklären. Ein Beispiel: In der Geschichte von „Beren und Lúthien“ spielt ein Silmaril eine wichtige Rolle. Man kann nun keinesfalls voraussetzen – und das tut Tolkien auch nicht – dass jeder Leser anno 2017 weiß, was es mit diesem Edelstein auf sich hat und wieso so viel Aufhebens darum gemacht wird. Das werden nur diejenigen wissen, die z.B. „Das Silmarillion“ gelesen haben. Und so muss sich Christopher Tolkien damit behelfen, Passagen aus anderen Texten wiederzugeben, um Zusammenhänge in der gebotenen Kürze zu erklären. Das macht er nicht in seinen eigenen Worten, sondern mit den Worten seines Vaters, die entweder schon veröffentlicht sind oder in irgendwelchen Notizblöcken stehen. Erschwerend kommt hinzu, dass dies teilweise in Prosa, über weite Strecken aber auch in Form von Stabreimen passiert.

Klingt zerfahren? Ist es auch, weil es genau dem zuwider läuft, was der Herausgeber eigentlich erreichen wollte. Die Geschichte, die er erzählen will, sollte verständlich und leicht lesbar, sprich: auch etwas für die Masse sein. Das trifft zwar für den Teil zu, der durchgehend erzählt wird (eine Version, die dem entspricht, was in den „Verschollenen Geschichten“ steht), jedoch unvollendet ist. Abgesehen von diesen ca. 30 Seiten gibt es viele Einschübe und Erklärungen seitens Christopher Tolkien. Hinzu kommt, dass Teile der Geschichte, die sich nach dem zusammenhängenden Teil zutragen, vom älteren Tolkien auch wesentlich, teilweise Jahre, später geschrieben wurden. Das bedeutet: Andere Namen, andere Orte, ein deutlich anderer Stil.

Leichte Lesbarkeit? Fehlanzeige.

Entsprechend gemischt muss das Fazit ausfallen. Selbst als einigermaßen an der literaturwissenschaftlichen Komponente interessierter Leser (siehe meine Bewertung zum „Buch der verschollenen Geschichten“) muss man konstatieren, dass die Ausführungen in „Beren und Lúthien“ teilweise langatmig ausgefallen sind – speziell, weil die Geschichte an sich eigentlich recht kurz ist. Noch dazu sind sie für Kenner der Materie zum Teil redundant, zumindest kann man sich dieses Eindrucks nicht erwehren. Positiv daran könnte sein, dass es damit gelingen mag, auch jüngere Personen, die sich für die literarische Entstehung von Tolkiens Werk interessieren, für die diesbezüglichen Versuche Christopher Tolkiens zu begeistern. Dass es sich dabei um eine große Zahl von Lesern handelt, wage ich zu bezweifeln.

„Beren und Lúthien“ als Geschichte ist hingegen – lässt man die zerfahrene Darstellung außen vor – ein Treffer. Man muss natürlich den altertümlichen Stil mögen, der Tolkiens „Erzählungen aus den ältesten Tagen“ innewohnt. Es darf auch nicht stören, dass man sich mit einer Vielzahl an Namen und Orten herumschlagen muss (dafür gibt es im Anhang eine Übersicht). Wenn das gelingt, liest man tatsächlich eine sehr schöne, dramatische Geschichte, die von Liebe handelt, die über den Tod hinausgeht. Es ist tatsächlich mehr als eine bloße Erzählung, handelt es sich dabei, wie aus verschiedenen Dokumenten hervorgeht, doch um die romantisierte Geschichte der Beziehung von J.R.R. Tolkien und seiner Frau Edith (daher sind auf deren Grabsteinen in Oxford neben ihren wirklichen Namen auch Beren und Lúthien zu lesen). Im Haben muss man übrigens auch die als „Farbtafeln“ bezeichneten Illustrationen von Alan Lee verbuchen. Die sind tatsächlich ausgesprochen sehenswert – das aber nur als Randbemerkung.

Insgesamt kann es aus meiner Sicht damit keine bessere Bewertung als 4 Punkte geben. Wer „Das Buch der Verschollenen Geschichten“ für das Non-Plus-Ultra hält, kann gerne 2 Punkte hinzufügen. Wer hingegen nur „Der Herr der Ringe“ kennt und mag und wem „Das Silmarillion“ schon zu hoch ist, der wird auch hiermit nichts anfangen können.

Von falschen Erwartungen.

Zum letzten Satz noch eine Schlussbemerkung: Im Falle von „Beren und Lúthien“ zeigt sich deutlich, wie schwierig es geworden ist, den Lesern das zu geben, was sie erwarten. Ob es mit dem Marketing des Verlages zu tun hat, weiß ich nicht – aber offenbar haben potentielle Leser den Eindruck gewonnen, es handle sich hierbei um ein Werk in dem Tolkien-Stil, der den Autor berühmt gemacht hat. Dass dem nicht so ist, dürfte vielen erst beim Blick ins Buch klar geworden sein. An einer Vielzahl von schlechten Bewertungen, die auf vollkommen falschen Erwartungen beruhen, mangelt es daher nicht. Ob Christopher Tolkien sich dieser Problematik überhaupt bewusst war, als er dieses Projekt in Angriff genommen hat, weiß ich nicht – ich gehe aber nicht davon aus, dass er von dieser Resonanz auf den Abschluss seines Lebenswerkes begeistert sein wird. Eben auch, weil es sich dabei um die Geschichte seiner Eltern und damit eine echte Herzensangelegenheit handelt. Aber das mag nur mein persönlicher Eindruck sein.

Gesamteindruck: 4/7


Autor: J.R.R. Tolkien
Originaltitel: The Tale of Beren and Lúthien.
Erstveröffentlichung: 2017 (postum)
Umfang: ca. 300 Seiten
Gelesene Sprache: Deutsch
Gelesene Version: Hardcover

FilmWelt: Seventh Son

„Seventh Son“ macht sehr viel richtig: Die Action stimmt, die Effekte passen, die Story ist passabel, die Schauspieler können meistens punkten, der Film ist durchaus unterhaltsam. Leider bleibt die Geschichte für meinen Geschmack etwas zu oberflächlich. Und auch wenn ich weiß, dass „Seventh Son“ vorwiegend unterhalten will, wird mir ein bisschen zu wenig erklärt. Könnte natürlich damit zu tun haben, dass der Film auf einer literarischen Vorlage basiert, die – so meine Vermutung – wesentlich mehr Erklärungsansätze bietet. Nutzt aber nichts – ein Film muss auch für sich alleine funktionieren.

Gesamteindruck: 4/7


Kein Meisterwerk, aber durchaus unterhaltsam.

„Seventh Son“ ist ein brauchbarer Fantasy-Film. Die Story vom Bauernsohn, der auszieht, um ein Held zu werden, ist natürlich bekannt, wird aber erfreulich straff abgehandelt und weiß daher einigermaßen zu unterhalten. Besonders hervorzuheben ist hingegen die Action, die perfekt choreografiert ist und kaum an den wie üblich bis zum Exzess eingesetzten Computer-Effekten leidet. Ich würde sogar behaupten, dass man in einem solchen Film selten derart gute Kampf- und Actionszenen sieht, die noch dazu kaum Längen haben und sich auch nicht gleich abnutzen. Leider ist inhaltlich nicht genug Substanz vorhanden, auch dann nicht, wenn man „Seventh Son“ in erster Linie als kurzweilige Unterhaltung und nicht als dramatisches Meisterwerk auffasst.

Inhalt in Kurzfassung
Ein alter Geisterjäger hat vor vielen Jahren eine böse Hexe zu ewiger Gefangenschaft verbannt. Zumindest dachte er das – viele Jahre später kann sie entkommen und beginnt ihre Gefolgschaft erneut um sich zu scharen. Der „Spook“, wie der Geisterjäger hier genannt wird, hat hingegen nur seinen Gehilfen, den siebten Sohn eines siebten Sohnes, an seiner Seite. Ausbilden muss er ihn im Schnellverfahren. Zusammen bestehen Meister und Lehrling einige Abenteuer, bis sie sich der Hexenkönigin und ihren Untertanen zum letzten Kampf stellen.

Jedem, der schon einmal etwas von der „Geralt“-Saga des polnischen Autors Andrzej Sapkowski bzw. der Computerspiel-Reihe „The Witcher“ gehört hat, wird die Geschichte, die in „Seventh Son“ erzählt wird, bekannt vorkommen. Wobei es weniger die Geschichte an sich ist – vielmehr ist es die Figur des „Spook“, die offenbar stark von eben jenem Hexer Geralt inspiriert wurde. Die Parallelen sind offensichtlich: Sowohl Spook als auch Hexer verdingen sich als eine Art Geisterjäger, der – gegen klingende Münze – allerlei finstere Geschöpfe vernichtet und verbannt. Zimperlich sind beide nicht, was die Wahl der Waffen und die Methoden zur Vernichtung ihrer Gegner betrifft. Und noch eine Gemeinsamkeit gibt es: Weder Spook noch Hexer sind bei den Menschen sonderlich beliebt, werden aber als notwendiges Übel angesehen, um schmutzige und gefährliche Arbeiten zu erledigen. Im Wesentlichen gibt es nur zwei Unterschiede zwischen den Figuren: Einerseits hat der Spook im Gegensatz zum Hexer einen Gehilfen, den er selbst ausbildet, andererseits ist er ein normaler Mensch während der Hexer eine Art magiebegabter Mutant ist. Ansonsten gibt es keine Unterschiede – beide sind intelligent, Meister mit verschiedensten Waffen, ständig übel gelaunt und einem guten Tropfen nicht abgeneigt. Die Vorlage zum Film „Seventh Son“ ist allerdings nicht der Hexer, sondern der „Spook“-Zyklus, eine Fantasy-Reihe für Kinder, geschrieben vom Briten Joseph Delaney. Ob und wie sehr der sich bei Sapkowski bedient hat, kann jeder für sich selbst beurteilen.

Schwache Nebencharaktere, mittelprächtige Hauptfiguren.

Dass die Story das Rad nicht neu erfindet, habe ich bereits erwähnt. Muss sie natürlich nicht – dass so etwas auch gut gehen kann, zeigt „Seventh Son“ meiner Ansicht nach recht deutlich. Der Film unterhält gut, auch wenn ich persönlich die gemeinsame Vergangenheit von Hexenkönigin und Geisterjäger etwas zu dick aufgetragen finde. Darüber kann man allerdings hinwegsehen – ganz im Gegensatz zu den teils recht schwachen Charakteren. Dabei macht es mir nicht einmal etwas aus, dass die Nebenfiguren per se extrem schablonenhaft daherkommen. Dass ihre Geschichte, ihre Motivation und ihre Absichten aber so gar nicht beleuchtet werden, stört mich hingegen schon. Das umso mehr, weil man ja eigentlich das Gefühl hätte, es wäre an dieser Stelle mehr möglich gewesen. Ich hätte beispielsweise zu gerne gewusst, was Radu, der Anführer der Assassinen, mit seiner Armee so gemacht hat, bis ihn die Hexenkönigin zu sich ruft. So ist er eigentlich nur der Befehlshaber über eine Bande von Kanonenfutter. Glatt, ohne Ecken und Kanten wie seine Kollegen, die genau darum nicht wirklich gefährlich sondern wie leichte Beute für den Spook wirken. Das könnte natürlich der Adaption einer Buchvorlage geschuldet sein, die – so meine Vermutung – wesentlich detaillierter sein sollte.

Aber auch von den Hauptfiguren bin ich nicht ganz überzeugt. Jeff Bridges gefällt mir als gealterter Spook sehr gut, hat ein bisschen was von seiner Paraderolle als Jeffrey Lebowsky. Seine Verkörperung des zynischen und vom Leben als Außenseiter gezeichneten Geisterjägers kann jedenfalls überzeugen. Sein Gehilfe Tom Ward, der „Siebte Sohn“, wird passabel von Ben Barnes dargestellt – ein echter Sympathieträger, wie er in dieser Rolle vermutlich sein sollte, ist er jedoch nicht. Julianne Moore als böse Hexenkönigin Mutter Malkin macht ihre Sache recht gut, hätte aber von der Charakterentwicklung her etwas mehr Feinschliff gebraucht. Bleibt noch Alicia Vikander, die das „Halbblut“ Alice spielt. Auch hier gilt: Die Schauspielerin macht ihre Sache ordentlich, die Rolle ist allerdings denkbar klischeehaft angelegt. Leider.

Letztlich ist „Seventh Son“ ein unterhaltsamer Hollywood-Blockbuster. Ob der Film überhaupt mehr sein möchte, weiß ich nicht – ich hätte es definitiv besser gefunden, wenn etwas mehr Tiefe vorhanden gewesen wäre. Dann wäre der Film wohl länger geworden, was aus meiner Sicht auch überhaupt kein Problem gewesen wäre. So gibt es 4 Punkte für einen lässigen Streifen, der sehr kurzweilig daherkommt, bei dem man aber durchgehend das Gefühl hat, dass wichtige Aspekte der Vorlage fehlen.

Gesamteindruck: 4/7


Originaltitel: Seventh Son
Regie: Sergey Bodrow
Jahr: 2014
Land: USA, UK, Russland
Laufzeit: 102 Minuten
Besetzung (Auswahl): Ben Barnes, Jeff Bridges, Julianne Moore, Alice Vikander, Kit Harrington



 

BuchWelt: „Kryson“ – Zusammenfassende Bewertung

Bernd Rümmelein


Leider krankt „Kryson“ an einem Problem, das ähnlich gelagerte Zyklen und Einzelbücher immer wieder haben. Irgendwann geht allzu ambitionierten Werken einfach die Luft aus, die Autoren scheinen mit der eigenen Schöpfung überfordert. Vielleicht verliert man auch als Schreiber irgendwann die Lust, sich mit einer immer umfangreicher werdenden Erzählung, die immer neue Handlungsstränge öffnet, auseinanderzusetzen, was nur menschlich wäre. Für den Leser ist es dennoch ein Ärgernis, so eben auch bei „Kryson“.

Gesamteindruck: 4/7


Gute Serie mit unwürdigem Finale.

Umfangreiche Geschichten bieten häufig eine Vielzahl an Charakteren, Schauplätzen und Handlungssträngen. Für den Liebhaber komplexer Werke ist das gut, heben sie sich doch stark vom seichten Einerlei ab und lassen den Leser meist wesentlich intensiver in die beschriebenen Welten eintauchen. Das bedeutet übrigens nicht, dass man gleichzeitig immer mal wieder simplere Bücher liest, ganz im Gegenteil.

„Kryson“ ist grundsätzlich eine vielschichtige Welt. Es gibt junge und alte Völker, es gibt Magie, es gibt gut ausgearbeitete Schauplätze, es gibt eine meist brauchbar dargestellte Tier- und Pflanzenwelt. Insgesamt wird zwar nicht die ganz große Komplexität (wie sie z.B. „The Malazan Book of the Fallen“ von Steven Erikson bietet) erreicht, aber es ist durchaus gefällig, was Bernd Rümmelein mit seiner Welt der Gegensätze geschaffen hat. Besonders interessant sind die Charaktere, die teilweise dramatische Entwicklungen durchlaufen und oft ganz anders sind bzw. werden, als es auf den ersten Blick scheint. Soweit hat der deutsche Autor tatsächlich alles richtig gemacht. Diesen guten Eindruck können auch augenscheinliche Schwächen wie das über sämtliche Bände (!) stiefmütterliche Lektorat (auffallend viele Tippfehler, häufige Wortwiederholungen, holprige Sätze) und ein paar logische Ungereimtheiten, die sich immer wieder eingeschlichen haben, kaum stören. Schade ist es allemal, dass der damalige Fantasy-Ableger der Ueberreuter-Verlages offenbar nicht das Geld für eine professionelle Überarbeitung aufgebracht hat. Dabei zeigen Cover und Gestaltung, dass man durchaus in der Lage war, ein Werk ansprechend zu gestalten. Zumindest optisch.

Die Bücher lesen sich – von wenigen Ausnahmen abgesehen – relativ schnell. Die Sprache ist gelegentlich etwas zu modern, meist aber passend. Alles in allem ein locker-flockiges Werk, was aber irgendwo auch zeigt, dass es mit der Komplexität nicht ganz so weit her ist. So erklärt sich zumindest das Gefühl, nach rund 4.000 Seiten kein wirkliches Schwergewicht gelesen zu haben. Ob das ein Problem ist, wird je nach Leser unterschiedlich ausfallen. Ich selbst bin da ein wenig zwiegespalten –  etwas Zeit wendet man zum Lesen ja doch auf, von daher ist es mir lieber, wenn ich nach der Lektüre das Gefühl habe, etwas wirklich Bedeutsames „erlebt“ zu haben.

Aber all das sind eigentlich Nebenschauplätze. Die wirklichen Schwierigkeiten und somit auch der Grund für die dürftige Wertung beginnen in den finalen Bänden. „Das Buch der Macht“ (Band V) soll eigentlich die von langer Hand vorbereitete Suche nach eben diesem Buch thematisieren. Das passiert auch – die entscheidenden Ereignisse und Prüfungen werden allerdings im Eiltempo abgehandelt, sodass nur ungläubiges „Und das war’s jetzt?“ der vorherrschende Eindruck ist, wenn man an „Das Buch der Macht“ zurückdenkt.

Der Abschlussband „Tag und Nacht“ kann hingegen als wahrer Page-Turner begeistern und ist spannend bis zum Schluss. Doch leider wird hier das gravierendste Problem schlagend: Die Seiten fliegen nur so dahin, aber spätestens nach zwei Dritteln des Buches bekommt man es als Leser mit der Angst zu tun, weil immer noch nicht erkennbar ist, wie der Autor diverse Handlungsstränge zu Ende bringen will. Man hofft natürlich auf das Finale, wo jedoch keine befriedigende Lösung präsentiert wird. Tatsächlich scheint Bernd Rümmelein die Kreativität ausgegangen zu sein. Nimmt man beispielsweise die sieben Streiter, die ja ein zentrales Element darstellen, geht der Autor den radikalen Weg des Todes. Das wäre ja in Ordnung, wirkt hier aber vollkommen sinnlos und deplatziert. So kann man einen Plot zwar auch zu Ende bringen, ein würdiger Abschluss eines wichtigen Teils der Handlung sieht jedoch anders aus.

Zu allem Überfluss beschränkt sich das ungute Gefühl, das durch solche Methoden beim Leser erzeugt wird, nicht auf einzelne Handlungsebenen. „Tag und Nacht“ und damit die „Kryson“-Reihe endet im Nichts. Denn was ist noch schlimmer, als das abrupte Ende durch den unmotivierten Tod einer Figur? Richtig, man lässt gut vorbereitete und wichtige Fäden einfach lose baumeln und schreibt trotzdem das Wort „Ende“ unter den letzten Absatz des Buches. Was ist denn nun mit den magischen Sajkalrae-Brüdern passiert? Wie geht es mit Madhrab und Elischa weiter? Wer ist der Narr Tarratar wirklich? All das und noch mehr wird nicht geklärt.

Wird es eine Fortsetzung geben, in der die Geschichte Krysons weitererzählt wird? Ich weiß es nicht. Ich hoffe es eigentlich nicht, weil ich denke, dass der Autor lange genug Zeit hatte, die Serie vernünftig enden zu lassen. Ich brauche keine Fortsetzung, ich hätte ein vernünftiges Ende gebraucht, dass die vielen, großteils interessanten Fäden interessant verknüpft. So bleibt das schale Gefühl, dass dem Autor die Lust vergangen ist. Und dem Leser geht es ähnlich, mein Interesse an „Kryson“ ist damit erloschen. Vorerst. Oder für immer? Ich weiß es nicht.

Für die „Kryson“-Reihe gibt es wohlwollende 4 Punkte. Vieles ist gut, wenn das Ende (besser) ausgearbeitet wäre, hätte es locker eine höhere Punktezahl geben können. Schade.

Einzelwertungen:

  1. Kryson I: Die Schlacht am Rayhin: 4/7
  2. Kryson II: Diener des dunklen Hirten: 5/7
  3. Kryson III: Zeit der Dämmerung: 5/7
  4. Kryson IV: Das verlorene Volk: 4/7
  5. Kryson V: Das Buch der Macht: 3/7
  6. Kryson VI: Tag und Nacht: 2/7

Gesamteindruck: 4/7


Autor: Bernd Rümmelein
Umfang: 6 Bände, ca. 4.000 Seiten
Originaltitel:
 Kryson.
Gelesene Sprache: Deutsch


 

FilmWelt: 10 Cloverfield Lane

„Cloverfield“ hat mich damals sehr positiv überrascht, konnte der Film doch sowohl dem Monster- als auch dem Found Footage-Genre neue Facetten hinzufügen. Entsprechend gespannt war ich auf den zweiten Film, der das „Kleefeld“ im Titel trägt. Was ich dann gesehen habe, war unerwartet und anders. Aber im Gegensatz zu „Cloverfield“ weniger aus inhaltlicher Sicht, sondern weil man nach dem Vorgänger einfach etwas Anderes erwartet hat. Ob man davon letztlich begeistert oder enttäuscht ist, ist eine Frage des Umgangs mit diesen Erwartungen, zumindest für denjenigen, der „Cloverfield“ gesehen hat. Die wenigen, die das nicht haben, können so oder so unvoreingenommen an „10 Cloverfield Lane“ gehen.

Gesamteindruck: 5/7


Kein „Cloverfield 2“, dennoch sehr interessant.

„Cloverfield“ war ein sehr guter Vertreter der Found Footage-Zunft. Die Fortsetzung, die man klugerweise nicht „Cloverfield 2“ genannt hat, ist hingegen völlig anders geartet. Wir haben es hier mit einer Art Kammerspiel, im Wesentlichen getragen von nur drei Schauspielern, zu tun. Anstatt verwackelter Aufnahmen mit der Handkamera dominieren „normale“ Bilder; die Perspektive beschränkt sich meist auf die Innenansicht eines Atombunkers, der sich augenscheinlich in einer Cloverfield Lane, irgendwo in der Nähe von New Orleans, befindet. Aber auch storytechnisch gibt es zu „Cloverfield“ – obwohl der Film tatsächlich im selben Universum spielt – keine Verbindung. Zumindest ist eine solche bisher nicht ersichtlich, vielleicht fallen die Puzzle-Stücke mit Teil 3, der „God Particle“ heißen soll, zusammen. Man wird sehen.

Abseits dieser Überlegungen ist „10 Cloverfield Lane“ ein Film, der die Isolation von der Außenwelt und deren Auswirkungen auf Handlungen und Psyche der Betroffenen zum Thema hat. Interessant ist, dass auch in diesem Film – und das ist dann doch eine kleine Verbindung zu „Cloverfield“ – keinen allwissenden Zuseher gibt. Wie die Figur Michelle, die erst zu sich kommt, als sie bereits im Bunker ist, hat auch das Publikum keine Ahnung, was sich in der Außenwelt abspielt. Ob es dort tatsächlich eine Bedrohung gibt oder ob der augenscheinlich psychopathisch veranlagte Erbauer des Bunkers (sehr gut gespielt von John Goodman) ein krankes Spiel spielt, erschließt sich erst gegen Ende des Films. Das hält „10 Cloverfield Lane“ trotz Beschränkung auf einen einzigen Schauplatz extrem spannend.

Weder innerhalb noch außerhalb des Bunkers ist also alles wie es scheint, da wie dort warten Rätsel auf den Zuschauer. Letztlich ist man zwar ständig auf der Suche nach Querverbindungen zu „Cloverfield“, davon unberührt möchte man aber auch wissen, was es mit dem Bunker, seinem Erbauer und den „Gästen“ auf sich hat. Dass das alles überhaupt funktioniert, ist dem guten Drehbuch zu verdanken – und auch der Kameraführung, die die Enge und Bedrohlichkeit des nur auf den ersten Blick heimeligen Schutzraums perfekt einfängt. Die Schauspieler machen ihre Sache gut, John Goodman muss – wie erwähnt – besonders hervorgehoben werden. Aber auch an der Leistung seiner jüngeren Kollegen ist nichts auszusetzen, wenn es Schwächen gibt, liegen die vermutlich eher in den stellenweise etwas hölzernen Dialogen begründet.

Alles in allem ein sehr guter, beinahe schon unerwartet starker Film. Überraschend humorlos kommt „10 Cloverfield Lane“ übrigens auch daher, ein bisschen Sarkasmus und Ironie gib es hier und da, was die bedrohliche Atmosphäre aber nur noch unterstreicht. Von einem Meisterwerk mag ich zwar nicht sprechen und auch an „Cloverfield“ kommt der quasi-Nachfolger nicht ganz heran – dennoch ist Regisseur Dan Trachtenberg hier ein Achtungserfolg gelungen.

Gesamteindruck: 5/7


Originaltitel: 10 Cloverfield Lane
Regie: Dan Trachtenberg
Jahr: 2016
Land: USA
Laufzeit: 103 Minuten
Besetzung (Auswahl): John Goodman, Mary Elizabeth Winstead, John Gallagher jr., Suzanne Cryer



 

BuchWelt: Kryson VI – Tag und Nacht

Bernd Rümmelein


„Tag und Nacht“ ist Band VI des 6-bändigen Fantasy-Zyklus „Kryson“, geschrieben vom deutschen Autor Bernd Rümmelein. Auf WeltenDing werden nach und nach Rezensionen zu allen Bänden veröffentlicht, abschließend gibt es eine Gesamtbewertung des Zyklus. Wer eine Kaufempfehlung möchte, sollte also bis dahin warten.

Gesamteindruck (Band VI): 3/7


Viele offene Fragen.

Nach dem doch einigermaßen enttäuschenden Band V von Bernd Rümmeleins Saga um „Kryson“ hatte ich gehofft, dass vieles, was daran zu kritisieren war, nur als Vorbereitung für das große Finale zu werten war. Und tatsächlich ist es so, dass die Suche nach dem Buch der Macht in Band VI, „Tag und Nacht“, weitergeht. Zum Glück, denn so abgespeist zu werden, wie es der Autor im Vorgängerbuch getan hat, haben die treuen Leser nicht verdient. Leider kommt es auch im finalen Band anders, als man sich erhofft hat…

Zunächst aber zum Positiven: Bernd Rümmelein hat mit „Tag und Nacht“ tatsächlich ein nahezu durchgehend spannendes Buch geschrieben. Vor allem im letzten Drittel schafft man es kaum, den Band aus der Hand zu legen, so sehr reißen die Ereignisse mit. Ein Page-Turner, flott geschrieben und genauso schnell und angenehm zu lesen. Paradoxerweise schafft der Autor es aber dennoch nicht, die „Kryson“-Reihe zu dem guten Abschluss zu bringen, den sie (und der Leser) verdient hat. An der Spannung liegt es nicht, vielmehr verschärft sich die bereits in „Das Buch der Macht“ sichtbare Tendenz, hektisch zu werden und Handlungsstränge „abzuwürgen“. Wenn – um das wohl traurigste Beispiel dafür herauszupicken – praktisch in einem Nebensatz drei der sieben Streiter um das Buch der Macht getötet werden, hat das meines Erachtens was von Selbstdemontage. Wozu werden Charaktere lange aufgebaut und ausgearbeitet (mal mehr, mal weniger gut), wenn sie dann einen sinnlosen, schnellen Tod sterben müssen? Und das gilt nicht nur für die genannten Streiter. Ja, Bernd Rümmelein lässt die Personen in diesem Buch, mehr noch als im Vorgänger, wie die Fliegen sterben. Sinn macht das keinen, es wirkt, und das ist der größte Kritikpunkt, den ich überhaupt anbringen kann, als ob der Autor einfach keine Idee gehabt hätte, wie er die Vielzahl an eröffneten Handlungssträngen zu einem vernünftigen Abschluss bringen kann. Offenbar hat er sich für den leichtesten Weg entschieden – Klappe zu, Affe tot sozusagen. Das wirkt nicht nur überhastet, sondern schlicht unwürdig für einen solchen Zyklus.

Über das Schicksal anderer wichtiger Bestandteile der Serie gibt es hingegen überhaupt keine Aufklärung – exemplarisch seien die magischen Sajkalrae-Brüder genannt, bei denen bis zum Schluss unklar bleibt, was mit ihnen passiert ist. Hinzu kommen neue Handlungsstränge, die in Richtung Fortsetzung deuten, so z. B. zwei wiedergeborene Hauptfiguren, die vorher ebenfalls sang- und klanglos ins Land der Tränen gegangen sind. Deren Rückkehr nach Kryson wird am Ende zwar angedeutet, zu mehr reicht es aber nicht. Und das, nachdem besagte Wiedergeburt über mehrere Seiten des Buches vorbereitet wurde.

Ob und wie das alles einzuordnen ist? Ich weiß es nicht – kommt drauf an, ob es eine Fortsetzung gibt. Davon hätte ich bis dato nichts gehört, mir persönlich wäre unabhängig davon ein schlüssiges, in sich abgeschlossenes Finale lieber gewesen. So hängt man in der Luft, was immer ein ungutes Gefühl ist und für „Tag und Nacht“ magere 3 Punkte bedeutet.

Eine Gesamtwertung der Serie folgt nach Einzelbesprechungen zu allen Bänden.

Gesamteindruck (Band VI): 3/7


Autor: Bernd Rümmelein
Originaltitel: Tag und Nacht.
Erstveröffentlichung: 2013
Umfang: ca. 630 Seiten
Gelesene Sprache: Deutsch
Gelesene Version: Taschenbuch