BuchWelt: Solaris

Stanisław Lem


Trotz einer zugegebenermaßen teils erschreckend schwach anmutenden Übersetzung ist „Solaris“, das wohl bekannteste Werk des polnischen Autors Stanisław Lem, heute ein Klassiker – aber nicht nur der Science Fiction, das wäre eindeutig zu kurz gegriffen, sondern vor allem auch der Philosophie und Psychologie. Nicht umsonst wurde das Buch mehrmals verfilmt und hat sogar den Sprung auf die Theaterbühne geschafft.

Gesamteindruck: 7/7


Die Grenzen der Erkenntnis.

Wer bereits andere Bücher von Stanisław Lem kennt, wird über das verkrampfte Deutsch des Buches sicherlich hinwegsehen können und sich am eigenwilligen Stil des Autors erfreuen. Die Schreibweise des polnischen Visionärs ist teilweise derart realistisch und quasi-wissenschaftlich angelegt, dass man ab und an versucht ist, sich zu versichern, ob das Wort „Roman“ überhaupt irgendwo auf dem Umschlag steht. Lem zitiert oft aus seinen (fiktiven) Quellen und skizziert dabei ein in sich stimmiges Bild der 100-jährigen Erforschung eines fremden Planeten und der verschiedenen „wissenschaftlichen Schulen“, die diese „Solarisforschung“ hervorgebracht hat. Diese Richtungen, die sich teils völlig widersprechen haben eigentlich nur eines gemeinsam: Den Mangel an wirklichen Erkenntnissen über den vermutlich intelligenten Ozean, der einen ganzen Planeten umschließt. Was es für die Forscher, letztlich für einen Menschen, bedeutet, vor etwas zu stehen, das einfach nicht begreif-, erforsch- und verstehbar ist, ist das große Thema dieses Romans.

Technische Aspekte der künftigen Gesellschaft oder gar „Techno-Babble“ findet man in „Solaris“ so gut wie gar nicht – wie es die Menschen schaffen, den Weltraum zu durchqueren bleibt beispielsweise völlig offen. Auch politische Fragen bleiben weitestgehend außen vor. Dafür werden während der Erforschung des Fremden tiefe Einblicke in die menschliche Psychologie und Philosophie geboten. Neueinsteiger dürften sich damit eventuell schwer tun, allerdings ist die Eingewöhnungsphase erstaunlich kurz. Leichte Science Fiction-Lektüre sieht dennoch anders aus, was potentielle Leser unbedingt bedenken sollten. Denn wer eine actionorientierte Handlung mit Kämpfen, Energiewaffen usw. erwartet, ist bei Lem an der falschen Adresse. Auch eine Dystopie, wie sie Lem selbst beispielsweise in „Der futurologische Kongress“ andeutet, vermag man in „Solaris“ nicht zu erkennen.

Wie es sich für ein Werk, das wissenschaftlichen Hintergrund vermitteln will, gehört, wimmelt es darin von Namen und Quellenangaben. Störend wirkt das zu keiner Zeit, im Gegenteil, diese Herangehensweise lässt den Leser noch tiefer in dieses Universum eintauchen. Dieser Stil ist den mir bekannten Werken von Lem gemein und zeichnet schon für sich genommen einen außergewöhnlichen Autor aus. Ähnliches habe ich bisher vor allem bei bei Frank Herbert („Ein Cyborg fällt aus“) gesehen, wenngleich sich Lem vergleichsweise angenehmer liest.

Bei aller Liebe zu Klassikern des Genres kann man dennoch einen Kritikpunkt anführen (von der sub-optimalen Übersetzung abgesehen): Das Ende wirkt, als ob dem Autor einfach das Papier ausgegangen wäre, das Buch schließt einfach im Nirgendwo. Ein offener Schluss an sich ist ja kein Problem, aber die Art und Weise wie das hier gemacht wurde, widerlegt den behutsamen und gründlichen Aufbau des Werkes. Zwar kein Grund für einen Punkteabzug, eine kleine Enttäuschung bleibt dadurch aber dennoch zurück.

Gesamteindruck: 7/7solaris


Autor: Stanisław Lem
Originaltitel: Solaris.
Erstveröffentlichung: 1961
Umfang: ca. 240 Seiten
Gelesene Sprache: Deutsch
Gelesene Version: Hardcover


 

BuchWelt: Auf zwei Planeten

Kurd Laßwitz


Man muss sich bei der Lektüre von „Auf zwei Planeten“ immer wieder wundern, dass dieses Buch bereits Ende des 19. (!) Jahrhunderts erschienen ist. Sowohl thematisch (Invasion von Außerirdischen), umfänglich (im Original fast 1.000 Seiten) als auch inhaltlich (visionäre Beschreibung damals fast undenkbarer Technologien) hat man ständig das Gefühl, ein wesentlich moderneres bzw. später erschienenes Werk zu lesen. Lediglich der Stil und einige bereits von der Wirklichkeit überholte Aspekte weisen auf die tatsächliche Erscheinungszeit des Buches hin.

Gesamteindruck: 6/7


Eine frühe Invasion.

Über den Nordpol weiß man heute längst Bescheid. Als Kurt Laßwitz‘ Mammut-Werk „Auf zwei Planeten“ im Jahre 1897 erschien, war das noch anders; die tatsächliche Entdeckung des Pols lag noch rund zehn Jahre in der Zukunft. Für den deutschen Autor war es aus heutiger Sicht daher vermutlich ein logischer Schritt, seinen Roman dort beginnen zu lassen, wohin noch nie ein Mensch seinen Fuß gesetzt hatte. Man kann sich vorstellen, dass die Zeitgenossen von Laßwitz durchaus geglaubt haben mochten, dass es möglich wäre, dass Marsmenschen am Pol landen würden oder sogar schon gelandet wären. Leider fand „Auf zwei Planeten“ damals keine große Verbreitung, sodass nicht in größerem Umfang überliefert ist, wie das Buch in den Jahren nach seiner Veröffentlichung rezipiert wurde.

Aus heutiger Sicht kann man jedenfalls sagen: „Chapeau, Kurd Laßwitz!“. „Auf zwei Planeten“ ist visionär – und das unter mehr als einem Gesichtspunkt. Da wäre zunächst der wissenschaftliche Aspekt, der beispielsweise die großflächige Nutzung von Sonnenenergie vorhersagt, die Möglichkeiten der Luft- und Raumfahrt beleuchtet und die industrielle Gewinnung von Nahrung prophezeit. Natürlich weiß man heute, dass es auf dem Mars keine Bäume gibt oder dass so etwas wie ein „Äther“ als interstellares Medium nicht existiert, zur Zeit von Laßwitz lag das für die Wissenschaft allerdings durchaus im Bereich des Möglichen. Umso erstaunlicher, wie es ihm in diesem Buch gelingt, weit über seine Zeit hinaus zu denken.

Ein zweiter Punkt, den man sogar als noch wichtiger erachten muss, ist der gesellschaftskritische Ansatz, der wiederum in mehrere Teilaspekte zerfällt und – so die Vermutung – auch zur Folge hatte, dass Teile von Laßwitz‘ Werk zur Zeit des Nationalsozialismus verboten waren. So stellt der Roman die Frage, ob es möglich ist, ein Volk mit Gewalt – und sei diese noch so gut gemeint – umzuerziehen. Den Marsmenschen misslingt das: Obwohl ihre Ziele grundsätzlich gut zu sein scheinen und selten mit physischer Gewalt durchgesetzt werden, fühlt sich die Menschheit unterdrückt. Das könnte – so meine Interpretation – durchaus eine Allegorie auf die Kolonialbestrebungen des 19. Jahrhunderts sein, die Laßwitz damit anprangert. Geradezu unerhört muss manchen Zeitgenossen des Autors hingegen die Idee eines „Menschenbundes“ vorgekommen sein. Laßwitz benutzt die Bedrohung durch die Außerirdischen, um die Menschheit zu einen und gemeinsam gegen die Invasoren arbeiten zu lassen. Das allein liest sich für mich im Kontext der Zeit betrachtet geradezu prophetisch (wenn man in Richtung UNO oder Genfer Konventionen schaut, die damals noch nicht einmal als ferne Idee existierten), dass der Autor die Menschheit noch dazu möglichst gewaltlos zu ihrem Ziel gelangen lassen möchte (was freilich nicht immer gelingt), muss komplett gegen den Zeitgeist gelaufen sein, der damals bereits Richtung 1. Weltkrieg steuerte.

Aus diesen Beschreibungen kann man erkennen, wie wegweisend „Auf zwei Planeten“ für die weitere Entwicklung der Science Fiction gewesen sein könnte. Natürlich nicht allein – ungefähr aus der gleichen Zeit stammende Autoren wie Jules Verne oder H. G. Wells sind ja noch bekanntere Beispiele für visionäre Zukunftsliteratur. Für mein Gefühl war und ist Kurd Laßwitz jedoch unterschätzt, vielleicht weil sein Werk nicht so umfangreich ist (was aber nicht für „Auf zwei Planeten“ an sich gilt, liegt die Seitenanzahl hier in der Originalversion doch bei über 1.000). Nimmt man die sozialkritische Komponente hinzu, schrammt das Buch knapp an der Höchstwertung vorbei. Leider gibt es ein paar erzählerische Längen, sodass es nicht ganz reicht. Ein frühes Meisterwerk der Science Fiction ist „Auf zwei Planeten“ aber definitiv.

Gesamteindruck: 6/7planeten


Autor: Kurd Laßwitz
Originaltitel: Auf zwei Planeten.
Erstveröffentlichung: 1897
Umfang: ca. 660 Seiten
Gelesene Sprache: Deutsch
Gelesene Version: eBook


 

FilmWelt: Star Trek Beyond

„Star Trek Beyond“ ist der erste der neuen „Star Trek“-Filme, bei dem das Feindbild vieler altmodischer Trekkies, J. J. Abrams, nicht auf dem Regiestuhl Platz genommen hat. Als Produzent war er zwar dabei, Regie führte allerdings Justin Lin, der für diverse „Fast & Furious“-Teile verantwortlich zeichnete. Daran ist schon zu erkennen, dass niemand damit rechnen sollte, dass „Beyond“ zu den Wurzeln zurückkehrt. Dennoch ist dieser Film der bisher beste Teil des Reboots geworden.

Gesamteindruck: 5/7


Bis dato bester Teil des Reboots.

„Star Trek“ startete 2009 das alt-ehrwürdige Universum von Gene Roddenberry komplett neu. Auch wenn das Ergebnis die Fangemeinde zwiegespalten hat, kam man nicht umhin, zuzugeben, dass es noch schlimmer hätte kommen können. Der Nachfolger, „Into Darkness“ (2013), war eine Spur besser, ließ aber immer noch den Tiefgang vermissen, den der gemeine Trekkie so gerne gesehen hätte. 2016 ging es dann mit Teil 3 weiter: „Star Trek Beyond“ (wer hat eigentlich die Doppelpunkte oder Bindestriche aus den Titeln eliminiert?).

Grundsätzlich sollte man sich mittlerweile ja an den neuen Stil gewöhnt haben, der im Star Trek-Universum herrscht: Rasante Action, schnelle Schnitte, wilde Musik. Und doch macht „Beyond“ einiges anders als seine Vorgänger. Zunächst löst sich der Film komplett vom prä-Reboot-Star Trek. Das bedeutet, dass die Handlung nicht auf bereits bestehende Strukturen aufbaut, sondern eigens für diesen Film entworfen wurde. Ein Pluspunkt, weil so weniger Vergleichsmöglichkeiten da sind und das neue Star Trek-Universum endlich für sich selbst zu stehen lernt. Das führt auch dazu, dass sich das Drehbuch endlich etwas mehr auf die Charaktere konzentrieren kann. Die wirken erstmals einigermaßen etabliert, was weiteren Filmen nur gut tun kann. An dieser Stelle wäre es natürlich interessant, zu erfahren, was jemand, der vor dem Reboot noch nie etwas von „Star Trek“ gehört hat, über die generelle Charakterentwicklung denkt. Ich selbst tue mir leider nach wie vor zu schwer, die alten von den neuen Figuren zu trennen – speziell bei Chris Pine fällt mir das auf, den ich einfach nicht mit dem von William Shatner geprägten Captain James T. Kirk in Verbindung bringen kann. Allerdings muss ich auch zugeben, dass sich diese Situation bessert, seit man ihn zumindest ein wenig ruhiger auftreten lässt.

Die Story, die „Beyond“ erzählt ist – im Gegensatz zu den ersten beiden Teilen des Reboots – eher an das angelehnt, was man aus der Original-Serie kennt. Die Enterprise ist mitten in ihrer berühmten 5-Jahres-Mission, alles geht seinen Gang, bis der Frieden plötzlich unterbrochen wird und man ausrückt, um das Universum zu retten. Dabei trifft man jedoch erstmals nicht auf alte Bekannte, sondern auf neue Feinde. Das ist als positive Entwicklung zu werten, auch wenn man sich als altgedienter Trekkie etwas schwerer mit der Orientierung tut. Erinnert hat mich die Geschichte ein wenig an den Coppola-Klassiker „Apocalypse Now“ (1979), freilich ohne dessen Tiefgang zu erreichen. Man kommt jedenfalls nicht umhin, „Beyond“ als durchwegs spannenden Film ohne nennenswerte Längen zu beschreiben.

Grund zur Kritik gibt es eigentlich nicht viel, wenn man akzeptiert, dass Star Trek mittlerweile zum Popcorn-Kino ohne allzu großen Anspruch geworden ist. Es herrscht diese Gigantomanie, die man vorher nur aus Star Wars kannte (siehe die Raumstation „Yorktown“), alles ist wesentlich schneller, die Dialoge sind gut aber nicht mehr so ausgefeilt, ebenso die erzählten Geschichten.

Wer damit leben kann, sieht mit „Star Trek Beyond“ einen keineswegs perfekten, aber doch soliden Film. Wer es immer noch nicht geschafft hat, sich ganz vom klassischen Star Trek-Universum zu lösen, wird mit „Beyond“ wohl auch keine große Freude haben, vielleicht aber mehr als mit den beiden Vorgängern. Es ist irgendwie merkwürdig, das zu behaupten, dennoch ist es so: Star Trek ist zur Geschmacksache geworden. Nicht nur generell, sondern – vor allem! – innerhalb der Trekkie-Gemeinde.

Gesamteindruck: 5/7


Originaltitel: Star Trek Beyond
Regie: Justin Lin
Jahr: 2016
Land: USA
Laufzeit: 123 Minuten
Besetzung (Auswahl): Chris Pine, Zachary Quinto, Idris Elba, Sofia Boutella, Karl Urban, John Cho, Simon Pegg



 

BuchWelt: Der futurologische Kongress

Stanisław Lem


„Der futurologische Kongress“ ist ein skurriles Meisterwerk, voll von schwarzem Humor und düsteren Prognosen. Verschiedene Schichten der Realität mischen sich darin so stark, dass man stellenweise an seinem eigenen Verstand zu zweifeln beginnt. Nebenbei schafft Stanisław Lem eine Vielzahl an zukünftigen Begriffen, die ihresgleichen sucht und gelegentlich schon stark verwirren kann. Dem Titel zum Trotz hat das Buch allerdings nicht allzu viel mit Science Fiction zu tun – es handelt sich eher um ein Gedankenexperiment, dessen Elemente vielfach von der moderneren Science Fiction aufgegriffen wurden (Beispiele aus dem Filmbereich: „Matrix“ oder „eXistenZ“).

Gesamteindruck: 7/7


Die Zukunft wird düster.

Interessant ist vor allem, wie es dem polnischen Autor gelungen ist, neben all der Düsterkeit, die dieses Werk zweifellos umgibt, den bei ihm schon immer latent vorhandenen Humor einzubauen und auf die Spitze zu treiben. Das funktioniert nur stellenweise über Situationskomik. Der Großteil des Witzes wurzelt allein in Stil und Sprache. Es macht einfach unglaubliche viel Spaß, die Dialoge zwischen der Hauptfigur und dem nicht minder skurrilen Professor Trottelreiner zu verfolgen.

Aber auch wenn der Faktor Humor in diesem Werk um einiges höher ist, als in den anderen Büchern von Stanisław Lem, verliert man nie den ernsten Hintergrund der Geschichte aus den Augen. Gerade dieser Teil ist es nämlich, der das Buch trotz seiner geringen Seitenanzahl so wichtig macht und einen Eindruck im Leser hinterlässt, den andere Romane auf 1.000 Seiten nicht schaffen. Die ständige Frage: „Was wäre, wenn die Welt ganz anders aussieht, als wir sie wahrnehmen?“ wird hier auf eine Art und Weise beantwortet, die bei genauerer Betrachtung das Blut in den Adern gefrieren lässt. Nicht ob der Abstrusität von Lems Antwort, sondern einfach aufgrund dessen, dass die Vorstellung, es könnte so sein wie im Buch, gar nicht einmal so abwegig ist. Eine Meisterleistung des Autors, die ihresgleichen sucht und nur mit der Höchstnote belohnt werden kann. Der Begriff „Meilenstein“ wird heute geradezu inflationär verwendet – auf dieses Buch trifft er jedoch ohne Vorbehalte zu.

Gesamteindruck: 7/7


Autor: Stanisław Lem
Originaltitel: Kongres futurologiczny.
Erstveröffentlichung: 1971
Umfang: 144 Seiten
Gelesene Sprache: Deutsch
Gelesene Version: Taschenbuch


 

BuchWelt: Congo

Michael Crichton


Sowohl der Klappentext als auch die z. B. bei Amazon zu findende Inhaltsangabe von Michael Crichtons 1980er Werk „Congo“ führen ein wenig in die Irre. Dort wird suggeriert, dass graue, hochintelligente Gorillas eine wichtige Rolle im Buch spielen, was nur indirekt stimmt. Crichton berichtet vielmehr über die Organisation einer Expedition nach Afrika und spart dabei – typischerweise – nicht mit Kritik an der Wissenschaft. Ein (fast) durch und durch lesenswertes Buch.

Gesamteindruck: 5/7


Starker Doku-Roman.

Die geheimnisvollen Gorillas, die vor auch aus dem gleichnamigen Film aus dem Jahr 1995 bekannt sind, sind lediglich der Grund, wieso eine Expedition losgeschickt wird, innerhalb der Handlung tauchen sie mehr oder weniger nur als Randfiguren auf. Für viele Leser, die sich wünschen, mehr über diese Kreaturen zu erfahren, ist das Buch somit sicherlich eine Enttäuschung.

Alle anderen bekommen eine spannende, im Stile einer Dokumentation verfasste Geschichte zu lesen, die sich als echter Page-Turner erweist. Das liegt vor allem am typischen Crichton-Stil, der (pseudo-) wissenschaftliche Theorien und Erkenntnisse derart gekonnt mit Fiktion mischt, dass man sich stellenweise in einem Tatsachenbericht wähnt. Aus diesem Grund finde ich den ursprünglichen deutschen Titel des Buches, „Expedition Kongo“, wesentlich aussagekräftiger und besser – das Hauptanliegen von Michael Crichton scheint zu sein, eine Expedition nach Schwarzafrika in allen Details und Unwägbarkeiten zu beschreiben. Die Schwierigkeiten, die allein das Ausrüsten und Absetzen einer Expedition in den Dschungel hervorruft werden ebenso behandelt wie die Probleme, denen die Teilnehmer an Ort und Stelle angekommen, gegenüberstehen. Wem eine solche Schilderung gefällt (ähnliches kann man u. a. auch in Crichtons „Andromeda“ und „DinoPark“ lesen), der kann bedenkenlos zugreifen.

Zwei ab und zu geäußerte Kritikpunkte können dennoch angesprochen werden. Zum einen wurde das Buch 1980 geschrieben und spielt 1979. Zwangsläufig wurden mittlerweile diverse biologische, politische und vor allem technische Beschreibungen von der Wirklichkeit eingeholt bzw. überholt. Daran gemessen, was in dieser Zeit wirklich passiert ist, erweist sich Crichton in „Congo“ stellenweise als schlechter Prophet – ganz im Gegensatz zu einigen seiner anderen Werke. Dennoch ist es sehr interessant, die Gedanken einer früheren Epoche über die Zukunft (also unsere Gegenwart) zu erfahren, sodass ich diesen Punkt keineswegs als störend empfinde.

Etwas anders verhält es sich mit den Personen der Handlung, die in diesem Roman nahezu immer flach und stereotyp wirken. Hier hätte ich mir ein wenig mehr Tiefgang gewünscht; der Autor dürfte sich aber voll und ganz auf die Beschreibung der äußeren Umstände konzentriert haben. Ein wirkliches Ärgernis ist das zwar nicht, jedoch bietet vor allem die merkwürdige Beziehung zwischen den Figuren „Elliot“ und „Amy“, die in krassem Gegensatz zu den ansonsten weitgehend fehlenden Charakterinteraktionen steht, Grund genug für Punkteabzüge. Ansonsten ist dieses Werk aus dem Vermächtnis eines exzellenten Unterhaltungsschriftstellers praktisch uneingeschränkt zu empfehlen.

Gesamteindruck: 5/7


Autor: Michael Crichton († 2008)
Originaltitel: Congo.
Erstveröffentlichung: 1980
Umfang: 351 Seiten
Gelesene Sprache: Deutsch
Gelesene Version: Taschenbuch


FilmWelt: 2012

Natürlich darf man an einen Emmerich-Blockbuster nicht mit der Erwartung herangehen, eine wissenschaftlich korrekte Dokumentation zu sehen. Aber auch die Mindestvoraussetzungen für einen inhaltlich halbwegs brauchbaren Film erfüllt dieser Streifen bei weitem nicht. Zu dümmlich die Dialoge, zu vorhersehbar die Handlung, zu flach die Charaktere – all das ist meiner Ansicht nach auch für ausgewiesenes Popcorn-Kino zu wenig.

Gesamteindruck: 3/7


Effekt-Overkill ohne jegliche Substanz.

Wenn man Filme mag, in denen der Regisseur sozusagen mit der groben Kelle austeilt und in denen möglichst viel kaputt geht, ist man mit „2012“ prinzipiell gut bedient. Selten, vermutlich überhaupt nie, gab es bisher in einem Film dermaßen umfassende Verwüstungen zu bewundern. Egal, ob der Ausbruch des Yellowstone-Supervulkans, das regelrechte Versinken von Metropolen im Boden bzw. im Meer oder die Zerstörungen, die von gigantischen Tsunamis angerichtet werden – all das ist tricktechnisch sehr gut umgesetzt und lässt kaum Wünsche offen. Wobei der Overkill an computergenerierten Special Effects zur Folge hat, dass wesentlich mehr „unecht“ wirkt, als in anderen Filmen; die Grenzen der Technik sind in einigen Szenen doch recht deutlich zu erkennen. Daran muss man sich erst einmal gewöhnen. Dennoch: An dieser Front wurde prinzipiell alles richtig gemacht.

Mehr hat „2012“ im Wesentlichen jedoch nicht zu bieten. Zunächst merkt man von Anfang an sehr deutlich, dass die Special Effects der eigentliche Star des Films sind. Die Schauspieler (allen voran der durchaus sympathische John Cusack) sind zwar bemüht, stellen aber völlig gesichtlose, maximal als Verkörperung von amerikanischen Heldenklischees durchgehende Charaktere dar. Gleiches gilt für die Story – die Apokalypse erhält zwar einen pseudo-wissenschaftlichen Anstrich, der nicht ganz verkehrt ist, die restliche Handlung kann man jedoch getrost vergessen. Alles ist dermaßen vorhersehbar, dass einfach keine richtige Spannung aufkommen will und man – statt mit den Hauptpersonen mitzufiebern – nur auf die nächste Effektorgie wartet. Grundsätzlich wurde sowohl bei Charakteren als auch in Bezug auf die Story ohne Not wirklich jedes Klischee in den Film gepackt, dass man aus den letzten Jahrzehnten des Popcorn-Kinos kennt.

Am meisten stört, wie oft Hauptdarsteller Cusack praktisch in letzter Sekunde dem Tod von der Schippe springt. Es wäre vollkommen in Ordnung gewesen, die einzelnen Katastrophen zumindest gelegentlich für sich stehen zu lassen – leider hat man sich dazu entschieden, die Darsteller in mörderischem Tempo durch die nicht vorhandenen Kulissen zu jagen. Die Folge ist Kopfschütteln und stellenweise sogar Gelächter, wenn die Protagonisten in einer Limousine durch ein gerade einstürzendes Hochhaus brettern oder mit einer schweren Transportmaschine Flugmanöver wie mit einer Cessna durchführen. Atemlose Spannung kommt so jedenfalls nicht auf. Dass Roland Emmerich zusätzlich auch noch ganz tief in den Pathetik-Topf greift, seinen Darstellern dümmliche Dialoge in den Mund legt und den Spagat zwischen Familien- und globaler Tragödie nicht hinbekommt, spielt im Endeffekt so gut wie keine Rolle mehr. Genauso ist es mit dem jämmerlichen Versuch, dem Ganzen durch einen schwarzen US-Präsidenten, einer „Frau Bundeskanzlerin“ und ähnlichen Personen einen aktuellen, realistischen Anstrich zu verleihen.

Gute Momente gibt es vor allem dann, wenn der Film echte Ironie statt unfreiwilliger Komik zeigt. Beispielsweise wenn das Weiße Haus durch einen US-Flugzeugträger zermalmt wird oder der Petersdom Gläubige während dem Gebet unter sich begräbt.

Im Endeffekt reicht das alles für drei Punkte – das aber auch nur deshalb, weil es einige – auch inhaltlich – schlechtere Filme gibt. Zumindest hat man bei „2012“ im Vergleich zu anderen Filmen (wie zum Beispiel der unsäglichen Geschichtsverfälschung „Pearl Harbor“, den nicht mal die hervorragenden Effekte rausreißen können) nicht das Gefühl, dass sich der Streifen selbst allzu ernst nimmt. Der Film tut niemandem weh, ist in seiner Art zumindest konsequent und setzt optische Maßstäbe. Zu mehr reicht es aber nicht, soll es wohl auch nicht. Mir persönlich ist das aber auch bei einem solchen Blockbuster einfach zu wenig.

Gesamteindruck: 3/7


Originaltitel: 2012
Regie: Roland Emmerich
Jahr: 2009
Land: USA, Kanada
Laufzeit: 158 Minuten
Besetzung (Auswahl): John Cusack, Chiwetel Ejiofor, Amanda Peet, Woody Harrelson, Dany Glover



 

FilmWelt: Star Trek Into Darkness

Man kann nicht behaupten, dass J.J. Abrams das Star Trek-Universum in den Sand gesetzt hätte. Das wäre eine maßlose Übertreibung, so schlecht sind die neuen Filme keineswegs. Aber auch bei „Into Darkness“ bleibt im Endeffekt die Erkenntnis stehen, dass das, was man gesehen hat, nur mehr oberflächlich mit „Star Trek“ zu tun hat, wie es ursprünglich gedacht war. Einiges ist hier besser als in Teil 1, dennoch reicht es im Endeffekt nicht für eine höhere Punktzahl. Ein klassischer Fall von „ich will es unbedingt mögen, schaffe es aber einfach nicht so richtig“.

Gesamteindruck: 4/7


Weiterhin fehlt dringend notwendiger Tiefgang.

Meine Hoffnung nach dem Neustart der alt-ehrwürdigen Filmreihe mit neuer Crew war, dass sich Regisseur J. J. Abrams nach Teil 1 („Star Trek“, 2009) um ein wenig mehr Tiefgang bemühen würde. Leider erfüllt „Into Darkness“ (2013) diese Hoffnung kaum. Doch beginnen wir mit dem Positiven: Optik und Akustik sind wiederum sehr gut gelungen. Die Special Effects sind große Klasse und wirken im Vergleich zu anderen Blockbustern ausgesprochen „realistisch“. Alles ist noch eine Spur rasanter, als beim ohnehin nicht gerade langsamen Vorgänger. Auch das wurde gut umgesetzt. Untermalt wird diese Action vom passenden, bombastischen Soundtrack. Gut komponiert, sehr gut eingesetzt.

… und viel mehr uneingeschränkt Positives gibt es eigentlich nicht zu berichten. Zumindest nicht für altmodische Trekkies, zu denen auch ich mich zähle. Denn: Man versucht krampfhaft, die Männerfreundschaft zwischen dem impulsiven James T. Kirk und dem logisch-emotionslosen Spock auf das Niveau zu bringen, das sie bereits in der Original-Serie, aber noch wesentlich mehr in den Filmen mit der „alten“ Crew hatte. Das gelingt meines Erachtens kaum. Zum einen liegt das an den Schauspielern, an die man sich nach wie vor nicht so wirklich gewöhnt hat – während William Shatner und Leonard Nimoy echte Charakterköpfe waren bzw. sich während langer Jahre dazu entwickelten, sind speziell Chris Pine, aber auch Zachary Quinto immer noch relativ farblos. Wobei man hier schon eine Verbesserung gegenüber dem ersten Teil konstatieren kann. Zum anderen dürfte es dem Drehbuch geschuldet sein, dass ausgerechnet dieses zentrale Star Trek-Thema nicht richtig zur Geltung kommt. Bis auf eine Szene, die – mit umgekehrten Vorzeichen – aus „Der Zorn des Khan“ übernommen wurde, fällt es durch die rasante Action schwer, eine emotionale Bindung zu den Charakteren herzustellen. Sprich: Es gibt oberflächliche Streitigkeiten zwischen Kirk und Spock, die man schon aus „Star Trek“ zur Genüge kennt. So richtig in die Tiefe geht das alles nicht, auch deshalb, weil kaum auf die Ereignisse aus Teil 1 Bezug genommen wird. So kann es natürlich kein Gefühl eines größeren Zusammenhangs geben. Sub-optimal ist auch, dass das Drehbuch fast vollkommen auf die restliche Crew vergisst, die zwar ihre Momente hat, insgesamt aber weit von einem eingespielt wirkenden Ensemble entfernt ist. Durch diese Problematik wirkt „Into Darkness“ meines Erachtens relativ zerfahren und isoliert. Wobei, eigentlich wirkt nicht „Into Darkness“ so, sondern das neue Star Trek-Universum insgesamt. Mir persönlich fehlt das Gefühl für ein „großes Ganzes“.

Was gibt es noch zu berichten? Im Gegensatz zu „Star Trek“, das eine neue Vorgeschichte erzählt, geht „Into Darkness“ stärker auf Ereignisse ein, die man bereits aus den Original-Filmen bzw. der Original-Serie kennt. Ohne Spoiler ist das kaum zu erklären – aber der Feind, der im ganzen Film gejagt wird, stellt sich am Ende als alter Bekannter heraus. Auch die neue, von Alice Eve verkörperte Wissenschaftsoffizierin dürfte Kennern der Materie sehr bekannt vorkommen.

Eigentlich ist dieser Versuch, altes Material zu integrieren, sehr löblich; damit bekommen auch die alten Fans wichtige Punkte, an denen sie sich „festhalten“ können. Andererseits tut sich dadurch ein weiteres Problem auf: Man sieht deutlich, wie groß der Unterschied in Bezug auf Action, Technik aber leider auch Tiefgang zwischen den alten Filmen und dem Neustart ist. Die Story von „Into Darkness“ ist sehr dünn, schafft stellenweise aber dennoch das Kunststück, zu verwirren. Nicht Fisch, nicht Fleisch. Und auf die erneute Einbindung von Leonard Nimoy († 2015) hätte man getrost verzichten können – ist zwar nur eine ganz kurze Szene, aber völlig entbehrlich für die Handlung ist sie dennoch. Da ist mir der „Tribble“, der auch zu kurzen Ehren kommt, lieber.

Was bleibt also nach dem Genuss von „Into Darkness“? Für mich zwei Erkenntnisse: Erstens ist einer der erfolgreichsten Franchises aller Zeiten noch lange keine Garantie für einen guten Film. Das Star Trek-Universum ist ein unglaublich erfolgreicher Franchise – aus guten Gründen, die mit dem Neustart leider nicht mehr viel zu tun haben. Zweitens – und diese Erkenntnis bezieht sich nicht allein auf „Into Darkness“, sondern auf viele neue Filme – scheint die herausragende Technik, die den Regisseuren heute vergleichsweise günstig zur Verfügung steht, oft die Kreativität zu beeinträchtigen. Wer einen futuristischen Action-Film sehen will, wer Sternenflotten-Offiziere mag, die sich wie Jedi-Ritter bewegen, wer auf Rasanz und perfekte Special-Effects steht, ist bei „Into Darkness“ gut aufgehoben. Wer einfach nur „Star Trek“ will, wie es ursprünglich gedacht war, wird – wie schon mit dem Vorgänger – auch mit diesem Film nicht warm werden.

Das Ergebnis: Vier Punkte – beim Vorgänger waren es ebenfalls „nur“ vier, für meinen persönlichen Geschmack hat sich die Hoffnung nicht erfüllt, dass das Star Trek-Universum wieder etwas mehr Tiefgang erhält. Unterhalten hat mich der Film, das Gefühl etwas „Großes“ zu sehen, ist ausgeblieben. Leider.

Gesamteindruck: 4/7


Originaltitel: Star Trek Into Darkness
Regie: J. J. Abrams
Jahr: 2013
Land: USA
Laufzeit: 127 Minuten
Besetzung (Auswahl): Chris Pine, Zachary Quinto, Benedict Cumberbatch, Bruce Greenwood, Karl Urban, Leonard Nimoy



 

FilmWelt: Star Trek

Diese Neuinterpretation des mittlerweile alt-ehrwürdigen Star Trek“-Stoffes dürfte die meisterwartete und -diskutierte Veröffentlichung 2009 gewesen sein. Für einen bekennenden Trekkie ist es entsprechend schwer, eine einigermaßen objektive Kritik zu verfassen. Einen Versuch ist es aber allemal wert.

Gesamteindruck: 4/7


Ähnlich und doch ganz anders.

Positiv fällt sofort auf, dass es gelungen ist, den Charme des Originals zumindest einigermaßen zu konservieren. Übrigens bleibt das gesamte Original-Star Trek-Universum unangetastet, was einem Kniff zu verdanken ist, der mit Zeitreisen und alternativen Realitäten zu tun hat. Keine schlechte Idee und eine tiefe Verbeugung vor der Legende, auch wenn die Umsetzung ein wenig holprig geworden ist. Dass heutzutage nicht mehr im Papp-Raumschiff durch den Weltraum geflogen sondern auf zeitgemäße Effekte gesetzt wird, dürfte ebenfalls nur wenige Zuseher stören. Alle anderen erleben ein Actionspektakel, wie man es von früheren Star Trek-Produktionen überhaupt nicht kannte. An einigen Stellen schießen die Filmemacher leider auch über das Ziel hinaus und machen das Ganze ziemlich unglaubwürdig; unterhaltsam ist es aber allemal. Das liegt vor allem an den gelungenen Effekten und dem bombastischen Sound, beides kann durchaus als „superb“ bezeichnet werden. Gewöhnungsbedürftig ist hingegen das Schiffsdesign: Von außen ziemlich genau der alten Serie entsprechend, hat sich im Innenleben der „USS Enterprise“ einiges getan. Vor allem die Brücke wirkt wesentlich moderner, aber auch chaotischer als früher. Mit wenig Ruhm bekleckert hat man sich übrigens beim feindlichen Raumschiff: Warum eine Bergbaumaschine eine solche Form und Größe haben soll (erinnert ein wenig an die „Schatten“ aus „Babylon 5“), erschließt sich mir überhaupt nicht. Ansonsten gehen Design und Action leicht in Richtung Star Wars, was völlig neuartig und eigentlich auch überflüssig ist. Vor allem die Weigerung, technische Aspekte in der Handlung zu berücksichtigen finde ich nicht sonderlich gut – Techno-Babble war immer ein wichtiger Teil dieses Universums. Andererseits ist es natürlich gut, dass ein Technik-Overkill wie in „Star Trek: Voyager“ vermieden wurde, aber ganz hätte man meiner Meinung nach nicht darauf verzichten sollen.

Die schauspielerische Leistung und die Besetzung der Hauptrollen sind im Großen und Ganzen im grünen Bereich. An dieser Stelle muss man allerdings ein Stück weit von den über Jahr(zehnt)e gewachsenen Erfahrungen über die Verhaltensmuster der Akteure abrücken. Vor allem der neue Kirk ist um einiges ungestümer als das beileibe nicht ruhige Original. Was allerdings schwerer wiegt, ist die zum Teil völlige Neuausrichtung der Beziehung der Charaktere untereinander. Hier gibt es einige Szenen, die für reichlich Gesprächsstoff dothrn – mir persönlich gefällt es recht gut, bis auf die Beziehung zwischen Spock und Uhura, bei der man offensichtlich auf eine Erklärung, wieso alles so gekommen ist, wie es nun ist, „vergessen“ hat. Ansonsten macht die junge Riege ihren Job ganz gut, und der Auftritt von Altmeister Leonard Nimoy († 2015) als (altes) alter ego von Spock sorgt für einen schönen emotionalen Schub.

Worüber all der optische und akustische Firlefanz jedoch nicht hinwegtäuschen kann: Der Tiefgang ist – wie schon davor (freilich unter völlig anderen Voraussetzungen) in „Der Aufstand“ und „Nemesis“ weit von dem entfernt, was man sich gewünscht hätte. Die Story selbst ist eine belanglose Geschichte über Rache, die man aus verschiedenen Serien-Folgen und aus „Der Zorn des Khan“ sowie „Nemesis“ bereits zur Genüge kennt. Fast scheint es, als hätte man sich mehr auf das Drumherum, auf die möglichst behutsame Adaption einer Legende, konzentriert, als auf den eigentlichen Inhalt. Es gibt einige „Löcher“ in der Dramaturgie, Sprünge und kleinere Logikfehler – schade, hier wäre mehr Feinschliff notwendig gewesen. Woran es ebenfalls hapert: Es gibt in diesem Film keinen starken Bösewicht, sondern nur einen gesichts- und konturlosen Romulaner, dessen Wunsch nach Rache völlig aufgesetzt wirkt. Auch hier: Verschenktes Potential!

Meine Hoffnung war 2009 noch, dass „Star Trek“ lediglich zur Einführung der neuen (alten) Enterprise-Crew diente und alle Ressourcen auf diese (durch das übermächtige Vorbild so schwere) Aufgabe konzentriert wurden. Wenn es einigermaßen gelungen ist, diese zu etablieren, könnten auch weitere Beiträge zum Thema den dringend notwendigen Tiefgang erreichen und zu etwas ganz Großem führen. Dass es bis dato (also nach zwei Filmen, mit dem dritten in den Startlöchern) nicht wirklich so gekommen ist, ist leider auch nicht wegzudiskutieren.

Was dem Film nichtsdestotrotz von der ersten Minute an zugute gehalten werden kann: Er sorgt für einen Neustart des inzwischen festgefahrenen, von Gene Roddenberry geschaffenen Universums. Dass man sich als alter Fan gerade daran stört, ist irgendwo schon sehr tragisch; aus meiner Sicht war diese Frischzellenkur dennoch fällig und könnte immer noch zu einem interessanten Projekt werden – je nachdem, ob man es endlich schafft, sich von der Non-Stop-Action zu lösen. Die Zeit muss ohnehin zeigen, ob die Fans bereit sind, die moderne Gestaltung anzunehmen – ich fürchte aber, dass die älteren Zuschauer nicht mehr damit warm werden können. Vermutlich auch nicht müssen – es gibt sicher genug Menschen, die Star Trek genau so sehen wollen.

Meine sehr durchschnittliche Wertung von vier Punkten liegt darin begründet, dass zu sehr auf Action und zu wenig auf Tiefgang gesetzt wurde. Der Film ist locker und leicht konsumierbar, macht Spaß, regt die Fantasie aber keineswegs so sehr an, wie es seine erfolgreichen Vorgänger schafften. Damit bleibt für weitere Fortsetzungen genügend Luft nach oben.

Gesamteindruck: 4/7


Originaltitel: Star Trek
Regie: J. J. Abrams
Jahr: 2009
Land: USA
Laufzeit: 127 Minuten
Besetzung (Auswahl): Chris Pine, Zachary Quinto, Leonard Nimoy, Eric Bana, Bruce Greenwood, Karl Urban