FilmWelt: Shin Godzilla

Kaijū-Filmen liegt – zumindest auf den ersten Blick – immer eine ähnliche Prämisse zugrunde: Ein gigantisches Ungeheuer bringt Tod und Zerstörung über die Menschheit. Die Verwüstungen werden dabei höchst spektakulär dargestellt, was in der Regel auch den hauptsächlichen Unterhaltungswert ausmacht. Man sollte aber eines nicht vergessen: Bereits der originale „Godzilla“ (1954) hatte einen deutlich ernsteren Hintergrund (die atomare Bedrohungslage) als im Westen wahrgenommen. Und so ist es auch mit „Shin Godzilla“ (2016), dem ersten japanischen Godzilla-Streifen nach über 10 Jahren, der seinerseits Bezug auf aktuelle Ereignisse nimmt.

Gesamteindruck: 6/7


Monströse Katastrophe.

„Shin Godzilla“ (dt. etwa „Neuer Godzilla“) wird häufig als Allegorie auf die Nuklearkatastrophe von Fukushima (2011) gesehen. Damals hatte ein Seebeben einen verheerenden Tsunami ausgelöst, der rund 20.000 Menschen das Leben gekostet hat. Zu allem Überfluss wurde ein Kernkraftwerk in der Präfektur Fukushima schwer beschädigt, eine Kernschmelze war die Folge. Tausende mussten ihre Häuser verlassen, ob und wann sie zurückkehren können, ist nach wie vor ungewiss. So viel in aller Kürze zu dieser Tragödie – und ja, es macht tatsächlich Sinn, „Shin Godzilla“ als kritische Aufarbeitung des damaligen Geschehens zu betrachten. Aber auch ohne die Hintergründe zu kennen, kann man den 29. japanischen Film über die Riesenechse als einen der gelungensten Vertreter seiner Art betrachten.

Worum geht’s?
Als in der Bucht von Tokio das Meerwasser an einer Stelle zu kochen scheint, gibt es die verschiedensten Theorien – vom defekten Atom-Uboot bis hin zum unterseeischen Vulkan. Einer der eilig zusammengetrommelten Experten glaubt gar an ein großes, unbekanntes Lebewesen. Diese Ansicht wird zunächst nicht ernst genommen – bis sich schließlich tatsächlich ein gigantisches Monster unaufhaltsam seinen Weg durch die Millionenstadt zu bahnen beginnt…

Vorab noch ein Wort zum Hintergrund: Der bis „Shin Godzilla“ letzte japanische Film über das allseits beliebte Monster war „Godzilla: Final Wars“ aus dem Jahr 2004. Zehn Jahre später sollte das Ungetüm erneut die Leinwände unsicher machen – allerdings zum zweiten Mal in der Geschichte (nach der umstrittenen 1998er-Fassung von Roland Emmerich) nicht in Japan, sondern in den USA produziert. Der Erfolg des 2014er-Films war eindrucksvoll genug, um Rechte-Inhaber Tōhō zu überzeugen, seine ikonische Echse auch in deren Heimat auf der Leinwand wiederzubeleben. Das Publikum bestätigte dieses Ansinnen und machte „Shin Godzilla“ zum bis dato erfolgreichsten japanischen Film des Franchise. Zum Zeitpunkt dieser Rezension im Jänner 2022 steht „Shin Godzilla“ dennoch mehr oder weniger allein da: Tōhō hat zwar weitere Realverfilmgungen angekündigt, bisher lebt der japanische Godzilla im Gegensatz zu seinem amerikanischen MonsterVerse-Pendant jedoch leider nur im Anime-Bereich fort.

Kein purer Monster-Film.

„Shin Godzilla“ beginnt ganz klassisch: Ewas ist faul in der Bucht von Tokio, Schiffe und Besatzungen verschwinden und relativ schnell erhaschen wir auch einen Blick auf etwas, das der Schwanz einer großen Kreatur zu sein scheint, die alsbald auch in ihrer ganzen Pracht auftaucht. Zwei Dinge fallen bereits in diesem Abschnitt des Films auf: Godzilla befindet sich anfangs noch in einem frühen Stadium seiner Entwicklung, sein (mehr oder weniger) bekanntes Erscheinungsbild manifestiert sich erst im Laufe der Zeit. Und: „Shin Godzilla“ mutet über weite Strecken wie eine Dokumentation an, beispielsweise indem Name und Funktion verschiedener Personen eingeblendet werden und ein Teil des Materials den Anschein erweckt, es handle sich dabei um Amateuraufnahmen oder Bilder aus „Bodycams“. Ob solche Stilmittel auch in älteren japanischen Godzilla-Streifen zum Einsatz gekommen sind, entzieht sich meiner Kenntnis; jedenfalls fühlt sich diese pseudo-dokumentarische Herangehensweise sehr modern an und passt vor allem auch ausgezeichnet zur Intention des Films.

Das führt mich direkt zum nächsten Punkt, der, sofern man sich darauf einlässt, das Gefühl des Realismus noch verstärkt: Dass es so etwas wie Godzilla gibt, wird hier weder als normal hingenommen, noch spielen Erklärungsversuche für die Herkunft eines solchen Monsters eine zentrale Rolle. Heißt: Im Gegensatz zu den meisten anderen Filmen dieser Art (inklusive der amerikanischen Varianten) wird das Monster von den Verantwortlichen als eine Art Naturkatastrophe gesehen. Einer solchen Herr zu werden mag teilweise gelingen, im Wesentlichen sind derartige Gewalten aber meist unaufhaltsam und man kann nur versuchen, die Schäden so gering wie möglich zu halten. Diese Sicht auf die Riesenechse ist – zumindest für mich – völlig neu und führt letzten Endes zu einem erfrischend anderen Filmerlebnis: Was löst eine Katastrophe epischen Ausmaßes im Verwaltungsapparat eines Landes aus? Wie organisiert die Regierung Krisen- und Einsatzstäbe, welche Verluste verursacht ein solches Ereignis für die Menschen, aber auch für die Wirtschaft?

So gesehen ist das Genre die eigentliche Überraschung (und das Alleinstellungsmerkmal) von „Shin Godzilla“: Wir haben es hier mehr mit einem Katastrophen- als einem Monsterfilm zu tun. Dafür spricht auch, dass der Gigant sehr indifferent betrachtet wird – und das betrifft einerseits die Charaktere im Film, andererseits aber auch die Zuschauer:innen. Godzilla ist in dieser Inkarnation weder gut noch böse, er ist einfach da, hat zwar sein bekanntes und furchteinflößendes Äußeres, ist aber letzten Endes nichts anderes als ein Sinnbild für einen Unglücksfall. Positiv hervorheben möchte ich an dieser Stelle übrigens, dass „Shin Godzilla“ nicht der Versuchung erliegt, seiner Titelfigur auch nur annähernd Züge eines Helden zu verleihen, wie das ja in vielen Filmen des Franchise der Fall ist. Man kann ihn aber auch nicht hassen – es ist also durchaus erstaunlich, wie gut es dem Drehbuch gelingt, einer dermaßen bekannten Figur einen völlig neuen Charakter zu verpassen.

Japanische Krisenpolitik im Fokus.

Apropos Drehbuch: Godzilla ist in diesem Werk nicht nur eine spektakuläre, sondern auch eine höchst wandlungsfähige Katastrophe, was letzten Endes der sich 2011 laufend ändernden Situation im Kernkraftwerk Fukushima entspricht. Mit diesem Kniff gelingt es Regisseur und Drehbuchautor Hideaki Anno in aller Deutlichkeit zu zeigen, wie hilflos ein schwerfälliger Staats- und Verwaltungsapparat einer Katastrophe unvorstellbaren Ausmaßes gegenüber steht. Wir sehen, wie die Entscheidungsträger:innen zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Politik hin- und hergerissen sind, wie sie zaudern und zögern, aber auch, wie sie gelegentlich durchaus im Sinne der Menschen handeln. Wir sehen ferner, wie klein und hilflos unsere Spezies gegenüber den Mächten der Natur ist – und was passieren kann, wenn wir diese manipulieren und glauben, das auch noch kontrollieren zu können. Ob Godzilla nun für eine menschengemachte oder eine Naturkatastrophe steht, scheint mir dabei nebensächlich zu sein, die Krux ist, dass das Leben von Millionen in einem solchen Fall von Menschen abhängt, die es nicht gewohnt sind, Entscheidungen ohne Blick auf den nächsten Wahltermin zu treffen. So gesehen könnte Godzilla auch gut für Covid-19 stehen, aber das würde hier zu weit führen…

Fazit: Empfehlenswert!

„Shin Godzilla“ hat zwei Vorzüge – einerseits die neuartige Herangehensweise an eine alt-ehrwürdiges Genre, andererseits seine Entsprechung in den Katastrophen unserer realen Welt und wie unsere Poltiker:innen damit umgehen. Im Übrigen – und das habe ich noch überhaupt nicht erwähnt – verfügt der Film über gute Schauspieler und schöne Effekte, wobei man bei letzteren definitiv keine US-Maßstäbe anlegen darf, sondern sich auf für uns übertrieben wirkende Fernost-Explosionen & Co. einstellen sollte. Nicht vergessen darf man außerdem, dass ein sehr starkes Drehbuch die Spannung praktisch durchgehend hoch hält.

Eineinhalb Kritikpunkte möchte ich auch nicht unter den Tisch fallen lassen: Am meisten hat mich tatsächlich das Aussehen von Godzilla gestört. Grundsätzlich durchaus gelungen, verstehe ich nicht, warum man dem Monster so merkwürdige, wie Fremdkörper wirkende Arme verpassen musste. Das passt aus meiner Sicht überhaupt nicht. Der halbe Kritikpunkt geht an das Finale: Der Film endet sozusagen im Nirgendwo, freilich nicht ohne das deutlich sichtbare Versprechen auf eine Fortsetzung. Das war so wohl auch zu erwarten, aber hier ist es – im Gegensatz zu ähnlichen Werken – tatsächlich so, dass wir einen bewegungsunfähigen Godzilla mitten in Tokio stehen sehen, bevor der Film abbricht. Das ist relativ unbefriedigend, würde ich sagen. Abgesehen von diesen kleinen Kritikpunkten ist „Shin Godzilla“ für mein Dafürhalten aber durchwegs sehenswert.

Gesamteindruck: 6/7


Originaltitel: シン・ゴジラ.
Regie:
Hideaki Anno
Drehbuch: Hideaki Anno
Jahr: 2016
Land: Japan
Laufzeit: ca. 120 Minuten
Besetzung (Auswahl): Rando Yaguchi, Hideki Akasaka, Kayoko Ann Patterson



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FilmWelt: Godzilla vs. Kong

„Godzilla vs. Kong“ ist der vierte Film aus dem mittlerweile als „MonsterVerse“ bekannten Franchise und markiert – wie anhand des Titels leicht zu erraten ist – das Aufeinandertreffen der zwei wohl bekanntesten Kreaturen der Filmgeschichte. Auf dieses epische Gefecht wurde seit dem Start der Reihe (2014) hingearbeitet. Und eigentlich hätte vorliegender Blockbuster schon 2020 in die Kinos kommen sollen, aufgrund der Covid-19-Pandemie mussten sich die Fans allerdings ein ganzes Jahr gedulden, bis es im Sommer 2021 endlich soweit war.

Gesamteindruck: 3/7


Kampf der Giganten.

Wenn man diesen Film bewerten will, läuft im Endeffekt alles auf eine Frage hinaus: Was erwartet man sich von einem Streifen, der „Godzilla vs. Kong“ heißt? Die kurze Antwort: Genau das, was der Titel verspricht, nämlich zünftige Monster-Action mit einem epochalen Ausmaß an Zerstörung. Das bietet der Film auch, womit diese Rezension eigentlich schon wieder zu Ende sein könnte. Wer also tatsächlich nur sehen möchte, wie sich Affe und Echse den Schädel einschlagen, kann zu obiger Wertung gerne ein oder zwei Punkte addieren und braucht nicht unbedingt weiterzulesen. Wer aber wissen möchte, wieso mein Gesamteindruck trotz bravouröser Erfüllung des Produktversprechens nicht so rosig ausfällt, muss sich ein paar Minuten Zeit nehmen.

Worum geht’s?
Skull Island, Heimat des Riesengorillas King Kong, wurde durch den Monarch-Konzern in ein völlig von der Außenwelt abgeschirmtes Habitat verwandelt, das dem stetig wachsenden Primaten langsam zu eng wird. Im Gegensatz dazu streift die riesige Echse Godzilla frei durch die Weltmeere und ist immer noch gefeierter Held der Menschheit. Bis sich das Ungetüm plötzlich entschließt, an Land zu gehen und eine Forschungseinrichtung der High Tech-Firma Apex Cybernetics dem zu Erdboden gleichzumachen. Jenes Unternehmen würde zu gern eine mächtige Energiequelle in die Hände bekommen, die in der Heimat der Monster, der Hohlerde, vermutet wird. Um dorthin zu gelangen, wird wiederum die Hilfe von King Kong benötigt, den man prompt aus seinem Habitat holt, um ihn zum Eingang ins Erdinnere zu bringen. Das erweckt die Aufmerksamkeit von Godzilla, der keineswegs vorhat, seine Stellung als König der Monster kampflos aufzugeben…

„Lasst sie kämpfen“ hat ein kluger Mann (Ken Watanabe alias Dr. Ishiro Serizawa in „Godzilla“, 2014) einst gesagt. Besser könnte man nicht beschreiben, wo die Stärken und Schwächen von „Godzilla vs. Kong“ meines Erachtens liegen. Zunächst das Gute: Sie kämpfen. Und das auf durchaus sehenswerte Weise, denn die Spezialeffekte sind wirklich vom Feinsten. Zwei große Kämpfe der Titelfiguren gibt es im Film, beide unterscheiden sich stark genug, um nicht langweilig zu werden – und vor allem sind beide ausgezeichnet choreographiert (wenn man das bei computergenerierten Ungeheuern überhaupt so nennen kann). Die Zerstörungen, die dabei angerichtet werden, sind entsprechend ihren Ausmaßen natürlich verheerend, was für Freunde des gepflegten Katastrophenfilms ein wahrer Augenschmaus ist. Begleitet wird das brutale Treiben von einer ohrenbetäubenden Soundkulisse, an der es wenig bis nichts auszusetzen gibt. Im Übrigen steht es dem Film gut zu Gesicht, Kong als Außenseiter, aber auch schlaueren der beiden Rivalen zu stilisieren, während Godzilla schlicht seinen Instinkten zu folgen scheint. Das hat schon ein bisschen was von einem Kampf Mensch gegen unbändige Natur, eine Darstellung, die im ersten Moment sehr klischeehaft scheint, aber eigentlich dennoch ganz gut passt. Alles in allem: Daumen hoch, selten in der Filmgeschichte hat ein so epochaler Kampf die in ihn gesetzten Erwartungen dermaßen gut erfüllt.

Kurz zum Hintergrund: „Godzilla vs. Kong“ ist nicht das erste Aufeinandertreffen der wohl ikonischsten Monster der Filmgeschichte. Bereits 1962 ließ der legendäre „Godzilla“-Schöpfer Ishirō Honda die gigantischen Kreaturen in „Die Rückkehr des King Kong“ gegeneinander kämpfen. Dass es seither zu keinem derartigen Gipfeltreffen mehr gekommen ist, mag im ersten Moment seltsam erscheinen. Der Wille war da, vor allem aus Japan – es scheiterte aber letztlich immer an der dafür notwendigen Verleihung der Rechte. Jahrzehnte später scheint dieses Problem aus der Welt geschafft, was eben den Start der amerikanischen MonsterVerse-Reihe mit „Godzilla“ (2014) ermöglichte, während in Japan mit dem (sehr starken) „Shin Godzilla“ 2016 ein eigener Reboot gestartet wurde (ob es damit weitergeht ist zum Zeitpunkt dieser Rezension unklar, allerdings wäre es theoretisch möglich, denn ein entsprechender Vertrag mit den amerikanischen „Godzilla“-Machern Legendary Entertainment, der genau das ausschloss, endete mit „Godzilla vs. Kong“).

Was mich alles stört.

Woran hapert es also, wenn der Film das, was man von ihm erwartet, geradezu perfekt macht? Nun, „Lasst sie kämpfen“ ist eine Medaille mit zwei Seiten: Man sollte nämlich auch erklären, warum (bzw. worum) gekämpft wird. Tut man das nicht, hat man so etwas wie „Celebrity Deathmatch“ (die ganz alten werden sich erinnern…), was nett ist, aber nicht für einen abendfüllenden Blockbuster reicht. Ein Mindestmaß an interessanter Story und Charakteren wäre dafür zumindest wünschenswert. Das war übrigens schon bei den alten „Godzilla“-Filmen aus Japan so, die immer dann besonders gut waren, wenn sie auf eine Botschaft und/oder halbwegs kantige (menschliche) Figuren setzten. „Godzilla vs. Kong“ lebt hingegen, wie schon seine Vorgänger, praktisch nur vom Spaß an der Freud‘. Das bisschen Botschaft (die Unkontrollierbarkeit der Natur), das der Film zu vermitteln versucht, ist kaum der Rede wert.

Gleiches gilt für die menschlichen Charaktere, die bereits in „Godzilla II: King of the Monsters“ (2019) zur austauschbaren Staffage geworden sind. Daran ändert dieses Sequel trotz krampfhafter Bemühungen, das Problem ab und an mal mit Humor zu übertünchen, nichts. Ob man das den Schauspielern anlasten kann, ist fraglich; man merkt einfach an allen Ecken und Enden, dass das Drehbuch auf eine epische Schlacht ausgelegt ist. Der ganze Rest wirkt auf mich wie eine höchst lästige, aber leider notwendige Pflicht. Nur so lässt sich aus meiner Sicht der hanebüchene Unsinn erklären, den die Autoren Eric Pearson und Max Borenstein als „Story“ gemeinsam mit Regisseur Adam Wingard über das Publikum hereinbrechen lassen. Ich selbst habe „Godzilla vs. Kong“ übrigens im Kino gesehen, was in zweifacher Hinsicht ein Erlebnis war: Einerseits wirkt der Schlagabtausch der kolossalen Viecher auf der großen Leinwand in 3D und mit entsprechendem Sound unglaublich intensiv. Andererseits gab es immer wieder spontanes Gelächter von den Rängen, wenn ein besonders an den Haaren herbeigezogener Einfall über die Leinwand flimmerte.

Ich weiß, ich weiß: Bei solchen Filmen sollte es eigentlich heißen Augen und Ohren auf, Hirn aus. Nur wollte mir das in diesem Fall so gar nicht gelingen, weil ich einfach nicht verstehen kann, dass man dermaßen viele Dummheiten darin unterbringen musste. Ein Beispiel ist die wohl blödeste Idee des vorangegangenen Films, die ich in meiner entsprechenden Rezension auch als solche gewürdigt habe: Die Hohlerde, die man nicht nur erneut aufgreifen, sondern gleich als absolutes Schlüsselelement platzieren musste (wenigstens ist die Darstellung derselben durchaus gelungen, wenngleich man sich fragt, woher dort das Licht kommt – aber ich schweife ab). Oder: Was soll das mit dem Schädel von Ghidora, dem Antagonisten aus „Godzilla II: King of the Monsters“, der zur telepathischen (!) Steuerung eines Roboters dient? „Seine Hälse waren so lang, dass seine Köpfe telepathisch miteinander kommuniziert haben“… ja, genau. Gaaanz großartiger Twist. Nicht.

Neben solchen Lächerlichkeiten gibt es auch ein paar kleinere Fragezeichen – darunter Probleme wie die ständig wechselnde Größe der monströsen Protagonisten (mal passen beide auf einen Flugzeugträger, dann sind sie wieder so hoch wie ein Wolkenkratzer), den scheinbar aus dem Nichts entwickelten technischen Möglichkeiten (die aber nicht ausreichen, um einen Titanen ernsthaft zu verletzen), die „U-Bahn“ von Florida nach Hongkong (!) oder die Tatsache, dass ein paar jugendliche Podcast-Hörer sich problemlos und ohne erwischt zu werden in einem Hochsicherheitstrakt bewegen können.

Spannung? Fehlt leider (auch).

Man sieht schon: Mir hat das ganze Drumherum nicht gefallen. Dazu stehe ich. Das soll im Übrigen nicht heißen, dass jeder der dutzenden japanischen „Godzilla“-Streifen eine Offenbarung war, denn das ist beileibe nicht so. Ich finde es aber sehr schade, in welche Richtung sich dieses Filmuniversum nach den wirklich guten „Godzilla“ (2014) und „Kong: Skull Island“ (2017) bewegt hat. Vielleicht ist das MonsterVerse selbst sogar der Grund dafür: Es mag von Anfang an als Produkt, als Franchise wie man das heute so schön nennt, konzipiert worden sein; dennoch finde ich, dass in den zwei Auftaktfilmen eine Menge Herzblut steckte. Das ist mit „Godzilla 2“ verloren gegangen und wurde wohl endgültig Ideen untergeordnet, die den größten kommerziellen Erfolg versprechen. Dazu kommt, dass man sich mit dem MonsterVerse selbst ein bisschen in die Ecke manövriert hat: Alles muss zusammenhängen und eine halbwegs kongruente Story erzählen, was aber scheinbar nur noch über möglichst haarsträubend konstruierte Prämissen gelingt – eben weil die Zeit zu fehlen scheint, vernünftig darüber nachzudenken, was die Titanen wirklich bedeuten könnten. Überflüssig zu erwähnen, dass mir diese Herangehensweise nicht zusagt. Denn eigentlich würde mir eine zusammenhängende Reihe gut gefallen – aber bitte nicht so, sondern zumindest ein bisschen realistischer und mit wenigstens ein oder zwei memorablen (menschlichen) Charakteren. Es ist fast schon gemein, wie das MonsterVerse eine tiefgründige Welt anteasert – und nichts daraus macht.

Im Übrigen ist der Film nur bis zu einem gewissen Grad spannend. Schuld daran sind neben dem sub-optimalen Drehbuch vor allem zwei Faktoren: Die Titanen wirken allesamt praktisch unkaputtbar. Egal, was ihnen passiert, sie tragen so gut wie nie auch nur einen Kratzer davon, was nicht gerade dazu beiträgt, dass man wirklich mitfiebert bzw. jemals meint, das ein Kampf tödlich ausgehen könnte (was im Finale passiert ist übrigens recht früh vorhersehbar).

Zweiter Grund ist die vollkommen oberflächliche Art, wie in den zwei jüngsten MonsterVerse-Filmen mit Menschen umgegangen wird. Damit meine ich nicht den angesprochenen eklatanten Mangel an Charakteren, sondern spreche von einer generellen Problematik: Speziell Godzilla ist ein echter Zerstörer; denkt man darüber nach, was die Echse in „ihren“ drei MonsterVerse-Auftritten für Verheerungen angerichtet hat, fragt man sich, wie der Bursche von den Figuren im Film überhaupt bewundert werden kann. Das müssen jedes Mal zigtausende Tote gewesen sein, die auf sein Konto gehen, was man aber nie zu sehen bekommt. In „Godzilla 2“ wird dieses Thema zumindest angedeutet, daraus gemacht wird aber nichts – und in „Godzilla vs. Kong“ spielt es überhaupt keine Rolle mehr. Schon klar, die Titanen sind die Stars der Filme – aber als Zuseher identifiziert man sich schon auch mit den winzigen Menschlein, die von ihnen in Massen zerschmettert werden. Weil es aber keinen nennenswerten menschlichen Charaktere gibt, ist das fast egal – wahrscheinlich thematisiert es der Film genau deshalb auch nicht, obwohl es meines Erachtens deutlich mehr Drama und Spannung bringen würde. Aber hey, was weiß ich schon. 😉

Empfehlung: Hirn aus. Und zwar komplett.

Was unterm Strich bleibt, ist ein Film, dessen Kampfszenen unterhalten und begeistern, der abgesehen davon aber nichts zu bieten hat, das auch nur ansatzweise intelligent wäre. Im Gegenteil, wenn man es genau nimmt, ist „Godzilla vs. Kong“ eine Beleidigung für den Intellekt jedes Zuschauers. Nicht, weil die Vorstellung gigantischer Kreaturen, die gegeneinander kämpfen, per se dumm ist – nein, nur, weil alles, was der Film dazwischen erzählt, eine Aneinanderreihung von Peinlichkeiten ist. Man hätte wohl besser versucht, sie tatsächlich einfach kämpfen gelassen – womit wir wieder beim „Celebrity Deathmatch“ wären – statt krampfhaft an einem Universum festzuhalten, das kläglich daran scheitert, den Eindruck von Tiefe zu simulieren. Oder man hätte sich Zeit nehmen sollen, die Zusammenhänge in sich stimmig und halbwegs glaubhaft zu erklären. So ist „Godzilla vs. Kong“ eine merkwürdige Mischung aus verkrampft und beeindruckend. Und damit kann ich nur eine Empfehlung wiederholen: Augen und Ohren auf, Hirn (komplett) aus! Wenn man das schafft, mag der Film wirklich sehr unterhaltsam sein. Mir ist es leider (?) nicht gelungen.

Drei Punkte für die Monster-Action. Und zwar nur dafür.

Gesamteindruck: 3/7


Originaltitel: Godzilla vs. Kong.
Regie:
Adam Wingard
Drehbuch: Max Borenstein, Eric Pearson
Jahr: 2021
Land: USA
Laufzeit: ca. 115 Minuten
Besetzung (Auswahl): Alexander Skarsgård, Mille Bobby Brown, Rebbeca Hall, Brian Tyree Henry, Kaylee Hottle



FilmWelt: Godzilla 2: King of the Monsters

Ich mag ja die alten, japanischen Godzilla-Filme sehr gern, weil ich finde, dass sie trotz (oder gerade wegen) ihrer aus heutiger Sicht unbeholfen wirkenden Monster-Darstellung eines hatten, das vielen modernen Produktionen immer häufiger abgeht: Charakter. „Godzilla“ (2014) war in dieser Hinsicht gar nicht verkehrt, der Nachfolger „Godzilla II: King of the Monsters“ (2019) hat mich hingegen enttäuscht.

Gesamteindruck: 4/7


Monster-Menagerie.

Amerikanische „Godzilla“-Filme? Da war doch was… Richtig, der letzte Versuch vor dem 2014er-Relaunch datiert aus dem Jahre 1998, war von Roland Emmerich und wird allgemein wenig wohlwollend betrachtet. Ich persönlich fand den Film gut; hätte der Regisseur die Optik der Riesenechse nicht dermaßen radikal umgestaltet, wäre die Sache wohl anders ausgegangen. Aber das nur am Rande, denn seit 2014 sieht Godzilla auch in Hollywood wieder deutlich traditioneller aus, sodass man sich zumindest diesbezüglich kaum beschweren kann. Über andere Dinge hingegen sehr wohl, zumindest was diese Fortsetzung von 2019 betrifft, die ich im Gesamteindruck knapp unter der 1998er-Version einordnen würde. Ja, wirklich!

Worum geht’s?
2014 hat das gigantische Monster Godzilla zwar die Welt gerettet, dabei wurden aber weite Teile von San Francisco dem Erdbeben gleichgemacht. Unter den vielen Toten war auch der Sohn von Emma und Mark Russell, die entsprechend schlecht auf den Riesen zu sprechen sind. Gemeinsam haben sie ein Gerät entwickelt, das der Organisation Monarch die Kommunikation mit den Titanen genannten Monstern ermöglichen soll. Als Emma mitsamt Gerät und gemeinsamer Tochter entführt wird, soll Mark als Berater bei der Suche helfen. Gleichzeitig versuchen Öko-Terroristen, weitere Titanen aus ihrem Schlaf zu wecken, damit diese die durch menschliche Ausbeutung bedrohte Erde retten und das natürliche Gleichgewicht wieder herstellen…

Ein Kritikpunkt an „Godzilla“ (ich spreche im folgenden übrigens immer vom 2014er Film) war, dass selbiger relativ wenig Screentime bekommen hat. Stimmt, ich habe das auch so in Erinnerung und es wird sicher objektive Aussagen dazu geben, wie viele Minuten das Monster tatsächlich im Bild war. Dennoch mag ich die Kritik nicht so recht teilen, schon gar nicht nach dem Genuss von „Godzilla 2“, der deutlich macht, was passieren kann, wenn man den umgekehrten Weg geht: Man sieht sich schneller als ich es je für möglich gehalten hätte, an Kreaturen, die einander brüllend gegenüber stehen, satt. Dazu kommt noch, dass die optisch großartigen Monster-Fights stark an Dramatik vermissen lassen; will sagen: Man hat bis zum Ende hin nie den Eindruck, dass die Viecher einander wirklich gefährlich werden können, sodass die Spannung trotz rasanter Bildschirm-Action eher gemächlich vor sich hin köchelt.

Optik kaschiert Plot.

Wie angedeutet, schaut „Godzilla 2“ exzellent aus. Das betrifft sowohl die hervorragende Kameraarbeit, die von düsteren Bildern und wunderbaren Farbenspielen geprägt ist, als auch die Titanen selbst. Beides zeigt mit aller Deutlichkeit, was heutzutage technisch möglich ist. Besonderen Applaus von meiner Seite auch dafür, dass all das im Vergleich zu vielen Produktionen der jüngeren Vergangenheit gar nicht so sehr nach CGI-Overkill aussieht, wie man meinen könnte. Tatsächlich haben die Verantwortlichen für mein Dafürhalten eine sehr gute Symbiose aus dem ursprünglichen Charme der im Gummi-Kostüm als Godzilla & Co. agierenden Japaner und moderner Computertechnik hinbekommen. Das war schon in „Godzilla“ ein Pluspunkt und trifft auf den Nachfolger im gleichen Ausmaß zu.

Doch leider, und das ist mein Problem mit „Godzilla 2“, habe ich das Gefühl, dass die Effekthascherei vor allem dazu dient, den lahmen Plot zu kaschieren. „Godzilla“ hatte meiner Meinung nach eine gute Story – die Titanen kannte damals noch niemand und das Rätseln um ihren Ursprung hatte schon was. Jedenfalls war mir das deutlich lieber als die dünne Geschichte von „Godzilla 2“, die sich im Wesentlichen darum dreht, die Monster mit irgendeinem hanebüchen erklärten Gerät zu kontrollieren (dass das nach hinten losgeht ist wenig überraschend und tut letztlich auch nicht viel zur Sache). Nebenbei bemerkt: „Godzilla“ war vergleichsweise realistisch und spielte in einem normalen 2014 während „Godzilla 2“ für meinen Geschmack etwas zu viel Science Fiction auffährt. Hier sei erwähnt, dass mir durchaus bewusst ist, dass es auch im japanischen „Godzilla“-Franchise solche Auswüchse gab; für mich macht es aber einen Unterschied, ob die Filme, so wie damals, für sich stehen oder ob sie – wie heute – in einen größeren Kontext eingebettet sind. Ist letzteres der Fall, ist es aus meiner Sicht deutlich wichtiger, auf die innere Logik zu achten, wenn man ein wirklich stimmiges Filmuniversum kreieren möchte.*

Dazu passt auch, dass teilweise ausgesprochen wirres Zeug ins Drehbuch gemischt wurde – beispielsweise, wenn sich aus dem Nichts herausstellt, dass die Theorie von der Hohlerde simmt. Wtf?! Und wozu das Ganze? Nur, damit man erklären kann, wieso Godzilla schnell seinen Standort wechseln kann, wobei die zurückgelegten Distanzen aus meiner Sicht trotz dieses deus ex machina vollkommen an den Haaren herbeigezogen scheinen (wieso sind übrigens gegen Ende des Films plötzlich alle Titanen gleichzeitig in den USA? Logik?). Oder, um ein anderes Beispiel zu nennen, man entdeckt plötzlich die „Heimat“ von Godzilla, eine Art Tempel tief unter dem Meer. Interessante Sache – die dem Publikum aber einfach so hingeworfen wird, ohne näher darauf einzugehen. Ärgerlich, weil verschenktes, nicht zu Ende gedachtes Potenzial, würde ich sagen… Übrigens, und das scheint im Angesicht dieser Punkte fast schon unerheblich, scheint Godzilla immer mal wieder gewissen Größenschwankungen unterworfen zu sein.

* Dabei handelt es sich um das „MonsterVerse“, zu dem auch King Kong gehört, der 2017 mit „Kong: Skull Island“ einen ähnlich guten Relaunch hingelegt hat, wie Godzilla drei Jahre zuvor.

Charakterzeichnung höchst mangelhaft.

Ich denke, dass all das nicht dermaßen dramatisch wäre, wie es klingt, wenn die Charaktere gut wären. Oder sympathisch. Oder mit Ecken und Kanten. Von dieser Front kann ich aber leider überhaupt nichts Gutes berichten, sieht man vom aus dem Vorgänger bekannten Ken Watanabe ab, der seine Rolle als Dr. Serizawa erneut stark verkörpert. Der Rest des Casts steht – im Gegensatz zu Teil 1 – vollkommen im Schatten der Titanen. Ironie des Schicksals: Das hat relativ wenig mit der umfangreicheren Screentime der Monster zu tun, sondern schlicht und einfach damit, dass die Charaktere (und letztlich auch ihre Darsteller) auch für sich genommen geradezu erschreckend blass bleiben. Gefühle wirken dadurch wie unechter Kitsch, Dialoge, die düster und schicksalsschwanger gemeint sind, werden unfreiwillig komisch und/oder langatmig und der Humor fühlt sich fast immer aufgesetzt an. Das gilt übrigens sowohl für die Guten als auch für die Bösewichte – der von mir eigentlich sehr geschätzte Charles Dance wirkt als Terroristen-Boss dermaßen lustlos und demotiviert, dass man sich fragt, ob es hinter den Kulissen Ärger gegeben hat.

Harte Worte… Und ja, ich weiß, das ist Popcorn-Kino und ein Blockbuster, den man nicht zu ernst nehmen sollte. Leider will mir das nicht gelingen, einerseits weil Teil 1 zeigt, dass es auch anders gegangen wäre, andererseits, weil sich „Godzilla 2“ selbst ziemlich ernst nimmt. Um das auf mich als Zuseher zu übertragen, wäre aber zumindest ein Mindestmaß an Tiefgang erforderlich gewesen. Weil das fehlt, sitzt der Film mehr oder weniger zwischen den Stühlen, was ich sehr schade finde. Hier muss man auch Regisseur/Drehbuchautor Michael Dougherty in die Verantwortung nehmen – der kann zwar gute Action inszenieren, mit dem Inhalt scheint er aber Probleme zu haben, wie auch andere Beispiele aus seiner Filmografie zeigen („X-Men 2“, „Superman Returns“). Bleibt zu hoffen, dass der zum Zeitpunkt dieser Rezension (Februar 2021) unter seiner Regie fertig abgedrehte „Godzilla vs. Kong“ besser wird – man wird es dann irgendwann hier zu lesen bekommen.

Fazit: Wer sich damit zufrieden gibt, dass Godzilla und sein Erzfeind Ghidhora aufeinander gehetzt werden und sich nach allen Regeln der Kunst diverse Köpfe einschlagen, hat kaum Grund, zu meckern. Wobei ich auch bei Ausblenden aller von mir geschilderten Probleme zu keinem Zeitpunkt das Gefühl hatte, hier eine wirklich epische Auseinandersetzung zu erleben, aber das mögen andere anders sehen. Wer ein bisschen mehr möchte, wird wohl enttäuscht sein. Traurig, weil ich mich grundsätzlich über das Wiedersehen mit einigen Monstern meiner Jugend gefreut habe. Aber es hilft alles nichts:„Godzilla“ sehe ich mir immer mal wieder gerne an. „Godzilla 2“ ist einmal ganz gut, ein zweites Mal noch ok, öfter braucht man jedoch nicht mehr als 2 Stunden Lebenszeit in diesen Film zu investieren.

Gesamteindruck: 4/7


Originaltitel: Godzilla 2: King of the Monsters.
Regie:
Michael Dougherty
Drehbuch: Max Borenstein, Michael Dougherty, Zach Shields
Jahr: 2019
Land: USA
Laufzeit: ca. 130 Minuten
Besetzung (Auswahl): Kyle Chandler, Vera Farmiga, Millie Bobby Brown, Ken Watanabe, Charles Dance



FilmWelt: Godzilla (1954)

Oft belächelt als billiger schwarz-weiß-Film, in dem ein Typ im Gummikostüm Papp-Hochhäuser zum Einsturz bringt, ist der originale „Godzilla“ von 1954 heute zu Recht ein Klassiker. Das ist auch einer Neufassung zu verdanken, die Szenen beinhaltet, die für die internationalen Versionen herausgeschnitten wurden. Denn so macht der Film wesentlich mehr Sinn und zeigt ein differenziertes Bild, das nicht mehr so viel mit der dumpfen Monster-Action zu tun hat, die dem westlichen Publikum damals suggeriert wurde.

Gesamteindruck: 6/7


Unerwartet düster und ernst.

Als Godzilla 1954 auf der Leinwand erschien, hätte wohl niemand gerechnet, dass das Monster mit dem charakteristischen Urschrei die Herzen der Zuschauer im Sturm erobern würde. Heute, 2018, gibt es mehr als 30 Filme mit der riesigen Echse, die bis auf aktuell zwei US-Adaptionen samt und sonders aus Japan stammen. Eine unglaubliche Erfolgsgeschichte, wenn man bedenkt, mit welchen Mitteln die Filme jahrzehntelang produziert wurden.

Inhalt in Kurzfassung
Vor einer Insel im japanischen Meer sinken aus unbekanntem Grund mehrere Schiffe. Schließlich wird als Ursache der Havarien ein riesiges, Saurier-ähnliches Monster, von den Inselbewohnern „der Godzilla“ genannt, ausgemacht. Alle Versuche, den Giganten, der Kurs auf Tokio nimmt, aufzuhalten, scheitern und die Stadt wird von Godzilla in Schutt und Asche gelegt. Die machtlosen Militärs müssen das Schicksal Japans schließlich in die Hände eines Wissenschaftlers legen, der eine Möglichkeit gefunden hat, dem Monster beizukommen. Dabei gerät er allerdings selbst in eine moralische Zwickmühle.

Ich habe den 1954er „Godzilla“ bis vor wenigen Tagen tatsächlich kein einziges Mal gesehen, die schwarz-weiß-Bilder haben mich immer abgeschreckt. Und auch das Wissen um die teilweise naiven Effekte und merkwürdigen Dialoge späterer Godzilla-Filme war nicht hilfreich – ich konnte mir nicht vorstellen, dass ein bald 65 Jahre alter Film besser sein könnte als so mancher seiner Nachfolger. Glücklicherweise habe ich mich nun doch entschlossen, diese Lücke in meiner Filmographie endlich zu schließen. Denn: „Godzilla“ ist tatsächlich ein kraftvoller, düsterer und exzellent gemachter Film.

Zunächst ein paar Worte zur Optik: Es ist ja bekannt, dass das Monster von einem Schauspieler in einem Ganzkörperkostüm dargestellt wurde (der 2017 verstorbene Haruo Nakajima verkörperte Godzilla bis 1972). Stilistisch ist das schon ein krasser Unterschied zum thematisch ähnlich gelagerten King Kong, der mit seiner Stop-Motion-Technologie bereits 1933 die Ära der Spezialeffekte eingeläutet hatte. Interessanterweise stört diese Tatsache den Filmgenuss wesentlich weniger, als man annehmen könnte. Im Gegenteil, Godzilla sieht gar nicht so unecht aus – vielleicht gerade weil der Film in schwarz-weiß gehalten wurde. Und auch die angerichteten Verwüstungen, die das Markenzeichen aller Godzilla-Filme sind, sehen dank detaillierter und liebevoller Modelle weniger naiv aus als es heute mit der fortgeschrittenen Computertechnologie oft gelingen will.

Gnadenloser Kampf ohne jeglichen Humor.

Was den Film von seinen Nachfolgern abhebt, hat allerdings nicht so viel mit der Optik zu tun. Es ist vielmehr die düstere Grundstimmung, die „Godzilla“ auszeichnet. Das beginnt bereits mit dem Verhalten des Ungeheuers: Godzilla hatte 1954 noch nichts von einem heldenhaften Beschützer der Menschheit, der sich gerne auch mit anderen Monstern zusammentut, um Japan oder sogar die Welt zu retten. Im Gegenteil, das Monster ist gnadenlos, zerstört nicht nur Tokio sondern tötet dabei auch unzählige Menschen. Diese Kollateralschäden werden auch durchaus plakativ dargestellt, was ich in einem Monsterfilm aus den 1950er Jahren so nicht erwartet hätte.

Damit wird auch deutlich, was heute kaum mehr jemandem bewusst ist: Godzilla ist einerseits natürlich ein Unterhaltungsfilm, andererseits aber auch eine starke Allegorie auf die Schrecken der Atombombenabwürfe auf Japan im Rahmen des 2. Weltkrieges. Das kommt in den Dialogen immer wieder heraus und zeigt sich auch in der Machtlosigkeit der Menschen gegenüber dem Monster, das mit ungeheurer Gewalt über sie hereinbricht. Entsprechend humorlos und ernst ist der Film auch – ebenfalls ein krasser Unterschied zum Großteil der Folgeproduktionen. Dass Godzilla am Ende nur mit einer Waffe aufgehalten werden kann, die zur Massenvernichtung geeignet wäre, sorgt zum Schluss noch einmal für einen ganz speziellen Twist in Hinblick auf das traurige Schicksal von Hiroshima und Nagasaki.

Alles in allem ist der originale „Godzilla“ für mein Dafürhalten ein sehr guter Film. Einer, den man als Fan des Monsters sowieso gesehen haben muss, der aber auch für Filmhistoriker interessant sein dürfte. Und auch für Menschen, die entweder einfach unterhalten werden wollen (denn auch das tut der Film) oder sich gerne absurd verpackte Allegorien auf reale Ereignisse ansehen. Gerade letzteres ist ein irrwitziger Zugang, für den den Machern von „Godzilla“ aller Respekt gebührt.

Gesamteindruck: 6/7


Originaltitel: ゴジラ (Gojira)
Regie: Ishirō Honda
Jahr: 1954
Land: Japan
Laufzeit: 96 Minuten
Besetzung (Auswahl): Akira Takarada, Momoko Kōchi, Akihiko Hirata, Takashi Shimura, Haruo Nakajima



 

FilmWelt: The Cloverfield Paradox

„Cloverfield“ (2008) hat durch seine erfrischende Herangehensweise an das Monsterfilm-Genre heute nahezu Klassikerstatus. Natürlich war man als Zuseher am Ende versessen auf weitere Erklärungen – die Frage nach der Herkunft des Monsters beherrschte die Diskussion. Gerüchte über Fortsetzungen waren immer wieder zu hören, letztlich musste man bis 2016 und „10 Cloverfield Lane“ warten. Ein guter Film, keine Frage, wenn auch keine wirklich Fortsetzung. „The Cloverfield Paradox“ kam schließlich 2018. Nicht ins Kino sondern direkt auf Netflix. Ein Hinweis auf die Schwäche des Films und das geringe zu erwartende Zuschauerinteresse?

Gesamteindruck: 2/7


Muss man nicht gesehen haben.

Endet ein Film gänzlich ohne Erklärungen, ist das immer eine Zwickmühle. Einerseits fühlt man sich als Zuseher dadurch oft unbefriedigt, andererseits umgibt das den betreffenden Film mit einem Mysterium, der ihn erst richtig interessant macht. Außerdem: Spekulation und das Anstrengen der eigenen Fantasie sind ja per se nichts Schlechtes. Die Neugier bleibt natürlich trotz selbst gezimmerter oder in Foren gelesener Überlegungen bestehen. Denn auch die schönsten Theorien bleiben ja genau das und man hat immer das Gefühl, dass nur „offizielle“ Erklärungen die letzte Befriedigung bringen. So ungefähr war es wohl auch bei „Cloverfield“, dem Film, der zehn Jahre vor „The Cloverfield Paradox“ in die Kinos kam. Der Star des Films war ein riesiges Monster, von dem niemand wusste, was es wollte und wo es herkam. Das wurde auch im Quasi-Nachfolger „10 Cloverfield Lane“ nicht geklärt, sodass die Hoffnungen der Fan-Gemeinde auf den 2018 überraschend auf Netflix veröffentlichten „The Cloverfield Paradox“ lagen.

Inhalt in Kurzfassung
2028 sind die Energiereserven der Erde so gut wie verbraucht. Die letzte Hoffnung der Menschheit: Der Shepard-Teilchenbeschleuniger, der unendlich viel Energie liefern könnte. Installiert ist das Wunder der Technik auf der internationalen Cloverfield-Raumstation. Die Frustration an Bord ist groß, brachten bisherige Tests doch keine positiven Ergebnisse. In einem neuen Versuch zeigt sich der Shepard schließlich doch stabil, allerdings nur für einen kurzen Moment. Der darauf folgende Energiestoß beschädigt nicht nur die Station, sondern lässt gleichzeitig scheinbar die Erde verschwinden. Doch damit nicht genug, merkwürdige und unheimliche Ereignisse lassen die Crew immer mehr in Richtung Wahnsinn abgleiten.

Irgendwie kommt einem die Story bekannt vor. Und wenn man den Film gesehen hat, ist das nicht das einzige Element, das man in anderen Produktionen bereits mehr als einmal gesehen hat. Um ein paar davon zu nennen: „Event Horizon“, „The Abyss“, „Solaris“ oder auch „Sphere“ haben meines Erachtens ganz deutlich Pate für Geschichte und/oder Optik von „The Cloverfield Paradox“ gestanden. Nun ist es ja nicht zwingend negativ, sich bei größeren oder kleineren Klassikern zu bedienen. Leider hat „The Cloverfield Paradox“ Probleme, die über das ausgiebige Paraphrasieren von ähnlich gelagerten Filmen hinausgehen.

Wirre Handlung ohne große Substanz.

Beginnen wir mit der Handlung. Abgesehen davon, dass sie für sich genommen wenig spannend ist, hat sie zwei Punkte, die entschieden zu kritisieren sind. Erstens ist der Film im Detail sehr verwirrend und mit einer Vielzahl von losen Fäden durchzogen. Und damit meine ich nicht, dass das Ende offen wäre, sondern, dass einige Szenen keiner verständlichen Logik folgen. Als Beispiel: Das Gyroskop, eine Art Kompass, der es der Raumstation ermöglicht, ihre eigene Position im Weltraum zu bestimmen, ist nach dem Unfall verschwunden. Dass ein abgetrennter Arm (!) mit Eigenleben der Crew aufschreibt (!!), wo das Ding zu finden ist, ist befremdlich genug. Der Fundort des Gyroskops (den der Arm übrigens richtig beschreibt) ist um nichts besser. Wie es dort hingekommen ist? Wieso der Arm lebendig ist? Wieso der ursprüngliche Besitzer des Arms keine Schmerzen hat und nicht blutet? Wird alles nicht erklärt. Und das wirkt keinesfalls rätselhaft sondern dilettantisch und (unfreiwillig) komisch. Es ist so, als ob man die Frage nach den Hintergründen solcher Ereignisse einfach aus dem Film geschnitten hätte. Das führt im Übrigen auch dazu, dass die philosophisch-moralischen Fragestellungen, die sich aus so gefährlichen Experimenten zwangsläufig ergeben sollten, nicht beim Zuseher ankommen. Substanz? Kaum vorhanden – und das trotz der Komplexität des Themas.

Das zweite Problem mit der Geschichte ist, dass sie den Namen „Cloverfield“ trägt. Damit meine ich nicht primär, dass der Film dieses Titels unwürdig ist (obwohl er das tatsächlich ist). „10 Cloverfield Lane“ war ja ursprünglich ein Film, der nichts mit dem Cloverfield-Universum zu tun hatte. Erst relativ spät wurden der Name geändert und Szenen, die eine Verbindung zu jenem Universum herstellten, hinzugefügt. Das ist sogar einigermaßen gut gelungen. Bei „The Cloverfield Paradox“ verhält es sich anders. Hier wurde ein bestehendes Skript („God Particle“) genommen und versucht, es mit aller Gewalt so anzupassen, dass man es unter „Cloverfield“ laufen lassen konnte. Entsprechend angestrengt wirken dann auch die Anspielungen, die ab und an im Film vorkommen, wobei ich vermutlich einiges davon gar nicht mitbekommen habe, weil das Seh-„Vergnügen“ auch so schon anstrengend genug war.

Keine Identifikationsfiguren.

All das würde eigentlich schon reichen, um „The Cloverfield Paradox“ als echten Rohrkrepierer abzutun. Doch leider ist es damit noch nicht genug, denn auch der Cast kann nichts dazu beitragen, den Film besser zu machen. Abgesehen von Daniel Brühl, den man zumindest im deutschsprachigen Raum gut kennt, ist kein bekannter Schauspieler an Bord. Das hat selbstverständlich nichts über die Qualität zu sagen, eventuell aber darüber, dass sich kein bekannterer Name für das Projekt interessiert hat. So zumindest der Eindruck.

Jedenfalls haben es die Darsteller vor allem deshalb schwer, weil ihre Rollen nicht unbedingt tiefgründig angelegt wurden. Abgesehen von der Hauptperson Ava Hamilton ist kein Charakter mit mehr als ein paar rudimentären Hintergrundinfos ausgestattet. Entsprechend kann man sich nicht mit den Personen, die da durch die Raumstation gejagt werden und kaum Zeit zum Durchschnaufen haben, identifizieren. Das gilt übrigens auch für die Hauptdarstellerin bzw. ihre Rolle, weil ihre tragische Hintergrundgeschichte schlicht und ergreifend langweilt. Sie bietet nichts Neues und ist daher kaum geeignet, den Film zu tragen. Schade für die durchaus begabte Schauspielerin Gugu Mbatha-Raw.

Ein echtes Debakel.

Man sieht schon: „The Cloverfield Paradox“ ist katastrophal schlecht geworden. Als Einzelfilm wäre die Niederlage wohl nicht ganz so verheerend ausgefallen, als Teil des „Cloverfield“-Franchise kann man meines Erachtens kaum etwas Positives finden. Ja, es gibt einzelne Szenen, die zu gefallen wissen. Der größte Glücksmoment war für mich übrigens die Schlussszene, bei der man nach Genuss des restlichen Films allerdings den Eindruck hat, dass sie nur als Versuch, das Steuer doch noch herumzureißen, eingesetzt wurde. Viel mehr ist da einfach nicht. Gnädige zwei Punkte gibt es dafür und für den einen oder anderen guten Effekt sowie die passende Sound-Untermalung.

PS: Eine Fortsetzung ist geplant. Ich weiß nicht, ob ich mich freuen oder fürchten soll.

Gesamteindruck: 2/7


Originaltitel: The Cloverfield Paradox
Regie: Julius Onah
Jahr: 2018
Land: USA
Laufzeit: 102 Minuten
Besetzung (Auswahl): Gugu Mbatha-Raw, Daniel Brühl, Elizabeth Debicki, Aksel Hennie,  Zhang Ziyi, Chris O’Dowd



 

FilmWelt: Kong: Skull Island

Der Riesenaffe, seines Zeichens erstes Filmmonster der Geschichte, feierte anno 2017 seine Rückkehr auf die große Leinwand. Und „Kong: Skull Island“ ist tatsächlich ein großartiger Film geworden. Das war so nicht unbedingt zu erwarten – aber genau wie beim amerikanischen „Godzilla“ von 2014, der übrigens vom gleichen Team produziert wurde, hat man auch hier (fast) alles richtig gemacht. Sogar noch etwas besser.

Gesamteindruck: 6/7


Starker Reboot.

Die Geschichte um den Riesengorilla Kong, der bereits seit 1933 die Kinobesucher das Fürchten lehrt, ist ein Klassiker der Filmhistorie. Entsprechend gespannt war man vor dem Kinobesuch natürlich, wie eine zeitgemäße Adaption des alt-ehrwürdigen Stoffes aussehen würde. „Kong: Skull Island“ ist natürlich nicht die erste Variante, die dem Publikum in jüngerer Zeit vorgestellt wurde. Immerhin gab es mit „King Kong“ bereits 2005 eine tiefe Verbeugung vor dem Original, die von Peter Jackson sehr ansprechend in Szene gesetzt wurde. „Skull Island“ (2017) ist nun keine Fortsetzung von Jacksons Hommage, sondern eine gänzlich eigenständige Herangehensweise, dem alten Affen erneut Leben einzuhauchen.

Rein äußerlich zeigt sich das an einem wesentlich größeren und imposanteren Kong, der eher dem entspricht, was man aus dem 1933er Original kennt. Davon abgesehen sind die üblichen Zutaten enthalten: Die ständig in Nebel und Sturm verborgene Insel, die prähistorische anmutende Tierwelt, die seltsamen Ureinwohner hinter ihrem Schutzwall, die ach-so-zivilisierten Eindringlinge, die nichts Gutes auf die Insel bringen. Trotz dieser Berechenbarkeit ist „Kong: Skull Island“ erfrischend anders. Einerseits fehlt – und das ist in diesem Fall kein Verlust – die gesamte „der Affe und die weiße Frau“-Thematik, andererseits legt der Film den Fokus sehr stark auf die namensgebende Insel und lässt den üblichen Ausflug nach New York vollkommen außen vor. Hinzu kommt ein gutes Drehbuch mit brauchbaren Dialogen und ganz coole Charaktere.

Hauptdarsteller ist und bleibt jedoch der riesige Affe. Und hier unterliegt der Film nicht dem in „Godzilla“ (2014) kritisierten Phänomen: Bereits in der ersten Szene von „Skull Island“ wird klar, wer die größte Attraktion auf der Insel ist – man muss nicht stundenlang warten, um dann mit wenigen Monster-Szenen abgespeist zu werden. Kong ist sehr präsent, zum Glück aber dennoch nicht so sehr, dass sich Abnützung einstellt. Die Effekte such übrigens, nicht nur was Kong selbst betrifft, ihresgleichen, ohne dass man das Gefühl eines ständigen Overkills hat. Der Affe sieht unglaublich gut aus, seine Bewegungen sind trotz seiner unglaublichen Größe geschmeidig, die Kämpfe ansprechend. Dazu kommt ein furchteinflößender Dschungel, bevölkert von gefährlichen Urzeit-Kreaturen. Untermalt wird all das von einem grandiosen Soundtrack, der perfekt in die Zeit der Handlung (kurz nach dem Vietnam-Krieg) passt. Noch ein Punkt der auffällt: „Skull Island“ bietet zahlreiche größere und kleinere Anspielungen auf andere Filme, beispielsweise „Apocalypse Now“, was schon der Blick aufs Filmposter deutlich macht. Auch das sorgt durchaus für gute Laune, sodass man letztlich von einem rundum gelungenen Gesamtpaket sprechen kann.

Ein abschließender Tipp: Es gibt eine Post-Credit-Szene, die man sich jedenfalls ansehen sollte. Denn dadurch wird enorme Vorfreude auf weitere Monster-Filme geschürt.

Gesamteindruck: 6/7


Originaltitel: Kong: Skull Island
Regie: Jordan Vogt-Roberts
Jahr: 2017
Land: USA
Laufzeit: 119 Minuten
Besetzung (Auswahl): Tom Hiddleston, Samuel L. Jackson, John Goodman, Brie Larson,