FilmWelt: Under the Skin

In der deutschsprachigen Fassung trägt „Under the Skin“ den Subtitel „Tödliche Verführung“. Die Intention scheint klar: Hauptdarstellerin Scarlett Johansson ist zweifellos verführerisch, was sich definitiv besser für die Promotion eignet als der vergleichsweise schwierige Inhalt des Werks. Dennoch – oder gerade deshalb – empfinde ich den deutschen Titel als völlig unpassend, unterstellt er der namenlosen Protagonistin doch eine Intention, die in diesem Sinne gar nicht im Film vorkommt.

Gesamteindruck: 4/7


„Akte X“ für die Kunstgalerie.

„Under the Skin“ ist nicht zu verwechseln mit dem französischen Film „In My Skin“ (2002), den ich unlängst hier auf WeltenDing behandelt habe. Wobei es trotz höchst unterschiedlichen Inhalts tatsächlich Gemeinsamkeiten gibt, wenn man es genau betrachtet: In beiden Werken spielt eine rätselhafte Frau die Hauptrolle, der Anteil an Nacktszenen ist ähnlich hoch (und ähnlich unaufdringlich bzw. künstlerisch in der Darstellung), die Handlung ist hüben wie drüben kaum zu erahnen – und bei beiden Filmen dürfte die Machart einer breiteren kommerziellen Verwertbarkeit entgegenstehen. Wobei letzteres bei vorliegendem Werk aufgrund der bekannten Hauptdarstellerin deutlich einfacher gewesen sein dürfte.

Worum geht’s?
Eine dunkelhaarige und namenlose Schönheit ist in ihrem Lieferwagen in Glasgow und Umgebung unterwegs. Dabei spricht sie wahllos Männer an und versucht, sie zum Mitfahren zu überreden. Lässt sich ein Unglücklicher darauf ein, bringt sie ihn in ein heruntergekommenes Haus, das er nie mehr verlässt…

Es ist mir nicht leicht gefallen, die Handlung von „Under the Skin“ zusammenzufassen. Und im ersten Moment mag das, was in meiner sehr kurzen Inhaltsangabe steht (viel mehr passiert wirklich nicht!), auch tatsächlich nach der eingangs kritisierten „Tödliche Verführung“ klingen. Dem ist aber nur bei oberflächlicher Betrachtung so; in Wirklichkeit ist das namenlose Wesen nicht von (Mord-)Lust oder ähnlichen Begierden getrieben, sondern scheint einzig und allein seinem Instinkt (oder seiner Programmierung?) zu folgen. Platz für positive oder negative Gefühle gibt es dabei nicht. Darum wäre es meiner Meinung nach ausreichend gewesen, den Film auch im deutschsprachigen Verleih entweder nur „Under the Skin“ oder eben „Unter der Haut“ zu nennen, weil das den Kern der Sache deutlich besser trifft – dreht sich das Werk doch um die Frage, was sich unter dem optisch so verführerischen Äußeren verbirgt.

Ähnlich schwierig wie die Beschreibung der Handlung ist die Frage nach dem Genre zu beantworten. Am ehesten würde ich „Under the Skin“ als Mischung aus Science Fiction, Mystery und Horror bezeichnen; ich denke, etwas gestrafft hätte der Film auch eine gute „Akte X“-Folge abgeben können. Zumindest was Handlung und Inhalt angeht – ein ganz anderes Thema ist die technische Ausführung: „Under the Skin“ ist eine Mischung aus traditioneller Kameraarbeit und einem weit größeren Anteil an Szenen, die teilweise mit Hand- und versteckten Kameras gedreht wurden, was für einen ganz eigenen Touch sorgt. Mit einer klassischen Mockumentary oder einem Found Footage-Film haben wir es aber nicht zu tun, denn es gibt keine Protagonisten, die die Kameras bedienen. Ich denke, dass Regisseur Jonathan Glazer mit seiner Herangehensweise ein Gefühl von Unmittelbarkeit und Spontanität erzeugen wollte. Das ist ihm meines Erachtens gut gelungen, die Atmosphäre (auch in Verbindung mit dem Soundtrack, der an Horrorfilme der 1960er und 70er Jahre erinnert) ist sehr speziell und mir fällt auf Anhieb kein Film mit einer ähnlichen Stimmung ein.

Im Haben ist schließlich auch die Leistung von Scarlett Johansson zu verbuchen, deren Marvel-Karriere zu jener Zeit bereits gestartet war. „Under the Skin“ wird komplett von ihrer intensiven Darstellung einer mysteriösen Figur getragen. Bemerkenswert auch der Wandel, den die Protagonistin im Laufe des Films erfährt: Anfangs noch völlig emotionslos und gerade deshalb so beunruhigend und verstörend, wird sie im Laufe der Handlung zusehends zerbrechlicher und schafft es schließlich sogar, echte Sympathien beim Zuseher zu wecken. Dass die US-Schauspielerin das dermaßen gut hinbekommt, liegt zwar auch am Drehbuch – dennoch muss man den Hut vor ihrer Leistung ziehen, „Under the Skin“ war mit Sicherheit kein einfacher Film für sie.

Handlung glänzt durch Abwesenheit.

Dass ich trotz der genannten Punkte nicht ganz überzeugt bin, liegt an der Handlung. Beziehungsweise an der fast völligen Abwesenheit einer solchen. Vielleicht war die Entwicklungszeit – Wikipedia nennt hier zehn (!) Jahre – dann doch etwas zu lang und die Drehbuchautoren Jonathan Glazer und Walter Campbell haben sich verzettelt? Ich kenne die Vorlage nicht („Under the Skin“ soll auf einem gleichnamigen Roman aus dem Jahr 2000 basieren, dessen Inhaltsangabe aber zeigt, dass sich der Film nur sehr lose daran orientiert), es würde mich aber wundern, wenn das Buch auch dermaßen handlungsarm wäre.

Im Wesentlichen beobachten wir die Protagonistin, wie sie mehrfach Männer in ihr Haus bringt, wo sie in einer merkwürdigen Flüssigkeit zu versinken scheinen. Diese Szenen – und vorher der Versuch, ein Opfer zu finden – laufen immer ähnlich ab, wodurch das Gefühl eines künstlich in die Länge gezogenen Films entsteht. Ich habe oben ja „Akte X“ erwähnt und bleibe dabei: Die Handlung von „Under the Skin“ hätte man in einer Folge jener Serie deutlich gestrafft unterbringen können (den künstlerischen Ansatz zugegebenermaßen nicht). Neben den Längen, die eben daraus entstehen, gibt es ein weiteres Problem: Der Film erklärt – nichts. Weder erfahren wir, was die Protagonistin ist, noch, was es mit dem Motorradfahrer auf sich hat, der offenbar hinter ihr aufräumt – oder wieso sie plötzlich an ihrer Mission zu zweifeln beginnt. Ja, nicht mal, ob sie überhaupt eine „Mission“ hat, wird klar.

Nicht falsch verstehen: Ich kann grundsätzlich schon was mit Filmen anfangen, die dem Publikum ein breites Feld an Interpretationsmöglichkeiten bieten. Darum fand ich „In My Skin“ (kein Verschreiber!) gar nicht so schlecht, wie es viele Bewertungen suggerieren würden. Was mir als Zuschauer aber in „Under the Skin“ abverlangt wird, ist dann doch etwas zu viel des Guten. Fast schon paradox ist, dass der Film tatsächlich nachwirkt: Seine Atmosphäre ist so eigenartig, dass man sich immer wieder dabei ertappt, Scarlett Johannson im eigenen Kopfkino zu beobachten. Aber bei mir war es wirklich nur dieser künstlerische Aspekt, der mich tatsächlich beeindruckt hat. In Hinblick auf die Handlung habe ich mich hingegen mehrfach gefragt, ob die Verantwortlichen vielleicht selbst keine Ahnung hatten, welche Geschichte sie erzählen wollten. Kurz: „Under the Skin“ lässt den Zuseher völlig allein, es gibt praktisch nichts, an dem man sich festhalten oder entlangtasten kann.

Schwer zu bewerten.

Wie soll man das nun bewerten? Nun, ich kann die Begeisterung jener Kritiker verstehen, die den künstlerischen Aspekt loben. Wer sich auf eine sehr spezielle Reise begeben möchte und massentauglichere Sehgewohnheiten ablegen kann, wird mit diesem unkonventionellen Film wohl seine Freude haben (ein wenig Science Fiction-Affinität muss man aber schon mitbringen, denke ich). Auch, dass die von Jonathan Glazer geschaffene Atmosphäre, also die Kombination aus Bild, Ton und Schauspiel, länger nachwirkt, als man bei einem so handlungsarmen Werk meinen könnte, würde ich definitiv positiv bewerten.

Auf der anderen Seite ist „Under the Skin“ kein isoliertes Nischenprodukt. Klar, ein Hollywood-Blockbuster ist es nicht, aber wir haben es dennoch mit einem Film zu tun, der auch auf ein Publikum außerhalb der, ich nenne sie mal so, Kunstszene trifft. Für ein solches ist er meines Erachtens nur bedingt geeignet – muss er auch nicht sein, dennoch kann und darf man ihn auch diesem Blickwinkel beurteilen. Ich selbst sitze in dieser Hinsicht ein wenig zwischen den Stühlen: Ich weiß die Atmosphäre, die „Under the Skin“ umgibt, durchaus zu schätzen. Aber, es tut mir leid, Freunde der hohen Kunst, ich kann einfach nicht ganz aus meiner Haut (höhö…) heraus: Ein Film soll auch unterhalten, auf welche Weise auch immer. Dieser hier tut das nur bedingt.

Fazit: Vier von sieben möglichen Punkten für einen Film, der so einzig- und eigenartig ist, wie kaum ein zweiter. In manchen Gemütslagen würd ich wohl 6/7 geben, in manchen nur 2/7. Das sagt eh schon alles – oder nichts?

Gesamteindruck: 4/7


Originaltitel: Under the Skin.
Regie:
Jonathan Glazer
Drehbuch: Jonathan Glazer, Walter Campbell
Jahr: 2013
Land: Großbritannien
Laufzeit: ca. 105 Minuten
Besetzung (Auswahl): Scarlett Johansson, Joe Szula, Kryštof Hádek, Adam Pearson, Dave Acton, Michael Moreland



FilmWelt: 1917

Heutzutage ist man ja eher skeptisch, wenn Literatur, Filme, Musik oder andere Kunstformen mit Preisen und Auszeichnungen geradezu überschüttet werden. Im Falle des 2019 erschienen Kriegsfilms „1917“ muss ich hingegen sagen, dass vor allem die Awards für Kamera und Regie (darunter auch ein Oscar bzw. Golden Globe) hochverdient sind. Das Ansehen lohnt sich aber auch unabhängig davon.

Gesamteindruck: 6/7


Ein Kriegspanorama.

Meiner Wahrnehmung nach hat es sich in Kriegsfilmen seit einiger Zeit eingebürgert, dem Publikum die Identifikation mit den Figuren über Elemente des Liebesfilms näherzubringen. Es scheint fast, als wären die Leiden auf dem Schlachtfeld nicht mehr genug, um entsprechende Emotionen zu wecken. Warum das so ist, weiß ich nicht – vielleicht vermuten die Filmemacher eine gewisse Abstumpfung bei den Zusehern, vielleicht dient es dazu, Frauen als Zielgruppe des vermeintlich männlich geprägten Genres zu begeistern. Wie dem auch sei, „1917“ hat mit derartigen Anwandlungen sehr wenig am Hut und beschränkt sich durchgängig auf die Darstellung einer Episode an der Westfront des 1. Weltkrieges.

Worum geht’s?
Im Frühjahr 1917 scheint es, als würde sich das deutsche Heer in Nordfrankreich auf dem Rückzug befinden. Das britische Oberkommando, weit hinter der Front, hat hingegen Informationen, dass es sich dabei um eine Falle handelt und entschließt sich, den geplanten Angriff abzubrechen. Zwei Meldegänger müssen diesen Befehl an die Front bringen – auf dem Spiel steht das Leben der 1.600 Männer, die die Briten zum Angriff bereitgestellt haben

Dass die Dreharbeiten enorm aufwändig gewesen sein müssen, hat nicht nur mit den (sehr guten) Effekten und den mit viel Liebe zum Detail hergerichteten Drehorten zu tun. Vielmehr ist es die Art und Weise, wie der Film konzipiert ist: „1917“ erweckt den Anschein, nur einen einzigen Schnitt zu haben, also aus zwei Echtzeit-Sequenzen zu bestehen, die ziemlich in der Mitte der 120-minütigen Spielzeit zusammengefügt wurden. Auch wenn der Film in Wirklichkeit deutlich öfter geschnitten wurde – perfekte Choreografie und auf die Szene abgestimmte Effekte verstecken die Cuts nahezu vollkommen – ist jedes Lob, das in diesem Zusammenhang für Regie und Kamera ausgesprochen wurde, voll und ganz gerechtfertigt. Denn diese Technik schafft eine Unmittelbarkeit, die so wohl noch nie in einem Kriegsfilm zu sehen war.

Mittendrin statt nur dabei.

Klar, die Handkamera in der Eröffnungssequenz von „Der Soldat James Ryan“ (1998) ist noch näher am Geschehen – beschränkt sich aber auf einzelne Szenen. „1917“ wirkt dagegen völlig anders, nicht wie aus der Ego-Perspektive gefilmt, sondern so, als würde man tatsächlich mal neben, mal vor, mal hinter den Soldaten hergehen, mal ganz nahe, dann wieder weiter weg. Dadurch wird der Film zu einer Art riesigem Panorama, zu einem Schlachtengemälde, in dem man sich als Zuseher, so scheint es, frei bewegt. Beginnend in der Etappe hinter der englischen Front durchqueren wir an der Seite der Meldegänger die Schützengräben und Bunker, dann das Niemandsland bis hin zur verlassenen Linie der Deutschen, nur um dann durch deren Etappe den Frontbogen zu durchschneiden bis es wieder in die englischen Gräben geht. Dazwischen – und besonders unwirklich – angedeuteter Häuserkampf in einem zerschossenen, brennenden Dorf; mithin ein Aspekt, den man heute selten mit dem 1. Weltkrieg verbindet und der doch sehr real war.

Man kann nicht genug betonen, wie beeindruckend diese schier endlose Kamerafahrt optisch ist. Und zwar sowohl im Großen (die Schützengräben und Trichterfelder, eine unübersehbare Anzahl an Soldaten, Dörfer und Höfe) als auch im Kleinen (Stacheldraht, Schlamm, zerstörte Geschütze und Leichen in verschiedenen Stadien der Verwesung). Tatsächlich fällt mir auch bei längerem Nachdenken kein Film ein, der die düstere Stimmung und die grauenvollen Bilder, die Alltag an den Fronten des 1. Weltkrieges gewesen sein müssen, so beeindruckend einfängt – selten war das Schlachtfeld so bedrückend und unheimlich.

Die Bilder passen auch zur Grundstimmung des Films – bzw. erzeugen diese natürlich stark mit. Nirgendwo in „1917“ ist so etwas wie Abenteuerstimmung oder Kriegsbegeisterung zu spüren; im Gegenteil, alles wirkt düster und trostlos und man ist als Zuschauer unendlich froh, nicht dort zu sein, wo sich die Hauptfiguren durch den Morast quälen. Die Action, die durchaus vorhanden ist, passt sich dem an und wirkt nur ganz selten wie Selbstzweck (obwohl es auch das gibt). Ein pazifistisches Statement gegen den Krieg ist „1917“ indes nicht. Der Regisseur lässt einfach die Bilder für sich sprechen, was aus meiner Sicht zur Abschreckung ausreicht.

Positiv sei schließlich noch die schauspielerische Leistung hervorgehoben: George MacKay und Dean-Charles Chapman machen ihre Sache für mein Dafürhalten sehr gut. Sie schaffen das Kunststück, einerseits die noch nicht ganz erloschene Abscheu der Soldaten vor dem, was sie sehen müssen darzustellen, andererseits die immer deutlicher spürbare Abstumpfung der Männer glaubhaft zu machen. Wobei ich hierzu anmerken möchte, dass die Chemie zwischen den beiden zwar zu stimmen scheint – die Dialoge, die das Drehbuch für sie vorgesehen hat, die Identifikation jedoch nicht sonderlich unterstützen. Viel wird im Film ohnehin nicht gesprochen, was gut zu Technik und Story passt. Wenn es allerdings Text gibt, ist er aus meiner Sicht von eher schwankender Qualität.

Technik schlägt Handlung.

Ist also alles im Grünen Bereich? Nicht ganz, denn die Handlung kann mit der beeindruckenden Technik nicht vollständig Schritt halten. Die eher zweckmäßigen Dialoge habe ich bereits erwähnt, das Grundproblem liegt aber eher in der Glaubwürdigkeit der Handlung. Jeder, der sich näher mit dem 1. Weltkrieg beschäftigt hat, weiß über eine Tatsache Bescheid: Es gab in keiner (!) der beteiligten Armeen Bedenken, 1.600 Mann in den Tod zu schicken. Sich sorgende und wohlmeinende Vorgesetzte mag es auf Kompanie-Ebene gegeben haben, die Führer der Großverbände zeichneten sich hingegen hüben wie drüben durch den höchst sorglosen und äußerst fahrlässigen Umgang mit Menschenleben aus. Lange Rede, kurzer Sinn: Das dargestellte deutsche Rückzugsmanöver hat es unter dem Decknamen „Unternehmen Alberich“ im Jahre 1917 tatsächlich gegeben – der Rest ist frei erfunden und sollte auch so betrachtet werden.

Ein Wort noch zur Darstellung der deutschen Soldaten, die in der Nahaufnahme allerdings nur in zwei Szenen vorkommen: Ich würde das nicht unbedingt als Ruhmesblatt für den Regisseur bezeichnen. Speziell die Situation um den Piloten, der zunächst von den Engländern gerettet wird, nur um sich dann als Bösewicht zu entpuppen, empfand ich als vollkommen unnötiges Schüren von Ressentiments. Das aber nur am Rande, ich bin mir nicht sicher, wie das vor dem geschichtlichen Hintergrund einzuordnen ist.

Sieht man über diese Problematik hinweg, bleibt eine leidlich spannende Handlung, die – ich wiederhole mich – vor allem von den starken Bildern lebt. Mir hat der Film jedenfalls trotz teilweise hinterfragenswerter Darstellung historischer Ereignisse so gut gefallen, dass ich nur ganz knapp unter der Höchstwertung bleibe. Wer auch immer ihn sich ansehen möchte, sollte das tun – dabei aber immer auch ein bisschen die tatsächliche Geschichte des 1. Weltkrieges im Hinterkopf behalten.

Gesamteindruck: 6/7


Originaltitel: 1917.
Regie:
Sam Mendes
Drehbuch: Sam Mendes, Krysty Wilson-Cairns
Jahr: 2019
Land: USA, UK
Laufzeit: ca. 120 Minuten
Besetzung (Auswahl): George MacKay, Dean-Charles Chapman, Gerran Howell, Michael Jibson, Benedict Cumberbatch



FilmWelt: Private Peaceful

„Private Peaceful – Mein Bruder Charlie“, so der deutschsprachige Titel dieses Films, basiert auf einem Buch von Michael Morpurgo. Die Novelle aus dem Jahr 2003 richtet sich an Kinder und Jugendliche und ist wohl der Grund dafür, warum vorliegender Film so aufgebaut ist, wie er es eben ist. Ich könnte mir vorstellen, dass „Private Peaceful“ als Buchverfilmung sogar gut funktioniert; sieht man ihn jedoch, wie ich es getan habe, ohne diesen Kontext, bleibt am Ende ein etwas zwiespältiger Gesamteindruck.

Gesamteindruck: 4/7


Brüder im Krieg.

Leider war eine meiner ersten Assoziationen beim Genuss von „Private Peaceful“ alles andere als positiv: Die zweite Hälfte der ohnehin sehr weit ausgreifenden Vorgeschichte hat mich ungut an Michael Bays „Pearl Harbor“-Desaster aus dem Jahr 2001 erinnert. Überhaupt habe ich das Gefühl, dass jener Streifen, der auf diesem Blog in der „World of Shame“ gelandet ist, eine Reihe von Filmen zur Folge hatte, die die Themen Krieg und Liebe auf merkwürdige Weise vermischt haben, wohl um ein breiteres Publikum zu erreichen. Das aber nur am Rande; tut hier ohnehin nicht so viel zur Sache, denn glücklicherweise ist „Private Peaceful“ inhaltlich deutlich besser gelungen. Der Aufbau ist allerdings sehr ähnlich: Zunächst wird auch hier das zivile Leben junger Männer beleuchtet, dann gibt es ein einschneidendes Ereignis, das die Herren dazu bringt, sich für den Kriegsdienst zu melden.

Inhalt in Kurzfassung
In England wachsen die Brüder Charlie und Thomas „Tommo“ Peaceful in ärmlichen Verhältnissen, aber doch glücklich und behütet, auf. Irgendwann tritt die abenteuerlustige Molly in ihr Leben und die drei sind fortan unzertrennlich. Das ändert sich auch im Teenager-Alter nicht, bis es kommt, wie es kommen muss: Beide Brüder verlieben sich in Molly, einer glücklich, der andere unglücklich. Als der Erste Weltkrieg ausbricht, meldet sich zunächst der noch minderjährige Tommo freiwillig, später widerstrebend auch Charlie. So gelangen die Burschen schließlich in die Schützengräben in Flandern, wo es immer schwieriger wird, aufeinander aufzupassen

Eventuell kann man es aus der Inhaltsbeschreibung herauslesen: „Private Peaceful“ ist eine Mischung aus Coming of Age, Liebes- und Kriegsfilm. Ich nehme an, dass sich potenziellen Interessenten die Frage nach dem Verhältnis dieser drei Blöcke stellt. Mitgestoppt habe ich es nicht, gefühlsmäßig bestehen aber die ersten zwei Drittel der Laufzeit von 100 Minuten darin, die Brüder beim Aufwachsen zu beobachten. Das letzte Drittel des Films beschäftigt sich dann – ich denke zu ungefähr gleichen Teilen – mit der Liebesgeschichte und dem Stellungskrieg gegen die deutschen Truppen. Wer also auf deftige Szenen vom Schlachtfeld wartet, braucht relativ viel Geduld.

Das heißt aber nicht, dass die Geschichte, die „Private Peaceful“ erzählt, nicht gut wäre. Tatsächlich ist es so, dass der Teil, der sich mit Kindheit und Jugend der Peaceful-Brüder beschäftigt, überraschend sympathisch rüberkommt, was wohl auch an den guten Leistungen aller beteiligten Darsteller liegt. Identifikationsmöglichkeiten gibt es jedenfalls zur Genüge, was später im Film natürlich immer wichtiger wird. Bei der Weiterentwicklung der Handlung fürchtet man dann zunächst einen „Pearl Harbor“-Effekt, allerdings mündet „Private Peaceful“ zum Glück nicht im klebrig-süßen Liebesdrama. Im Gegenteil, der Film in dieser Hinsicht angenehm unkitschig und sehr simpel gehalten. Ein bisschen Humor hier, ein wenig Eifersucht dort, dazu die Ungerechtigkeit der damaligen Gesellschaft – all das wurde geschickt verpackt, wobei man eine gewisse Oberflächlichkeit nicht gänzlich verstecken konnte. Wobei hier nicht vergessen werden sollte, dass die Vorlage ein Kinderbuch ist.

Zum Ende hin leider nicht überzeugend.

Ich denke, an dieser Stelle kann ich es nicht mehr verhehlen: Natürlich wartet man als erwachsener Zuseher letzten Endes darauf, wie „Private Peaceful“ den Krieg darstellt. Gar nicht so sehr, weil man unbedingt Blut sehen mag (davon gibt es übrigens relativ wenig), sondern weil es letztlich doch eher das Drama des Krieges ist, für das man sich einen solchen Film überhaupt ansieht. Zumindest geht es mir so (Puh, nachdem das jetzt raus ist, geht es mir besser!). Was man in „Private Peaceful“ von der Situation in Flandern zu sehen bekommt, ist wie angedeutet nicht allzu viel – es ist aber durchaus gelungen und scheint die Stimmung am Schlachtfeld und in der Etappe sehr gut einzufangen.

Dennoch muss ich konstatieren, dass die Dramatik – speziell in Hinblick auf den doch sehr bedächtigen Aufbau – zum Finale hin enttäuschend ist. Wobei die Ereignisse für sich genommen schon sehr aufwühlend und gravierend sind, aber irgendwie konnten sie mich nicht so richtig packen. Genau kann ich es mir nicht erklären, es ist, als würden die vielen Uniformen und der Drill den jungen Soldaten ihre Persönlichkeit nehmen. Das mag realistisch sein, für den Film ist aber Gift, denn plötzlich ist die gut aufgebaute Bindung zu den Charakteren praktisch weg. Ihr Schicksal, so dramatisch es ist, hat zumindest bei mir keine großen Gefühle mehr erzeugt.

Meine Vermutung ist, dass das auch etwas mit dem Ende des Films zu tun hat. „Private Peaceful“ thematisiert im Finale ein dunkles Kapitel britischer Militärgeschichte: Im Laufe des Krieges wurden mehrere hundert Soldaten zum Tode verurteilt und starben durch die Hand ihrer Kameraden bzw. durch ignorante Vorgesetzte, die ein Exempel statuieren wollten. Ein wichtiges Thema, nur leider bricht der Film direkt nach der Schlüsselszene ab („Le Pantalon“, deutsch: „Fürs Vaterland erschossen“, 1997, setzt sich übrigens mit einem ähnlichen Aspekt der französischen Armee filmisch auseinander). Hier hätte ich wahnsinnig gern erfahren, wie es mit Private Peaceful, seinen Kameraden und den völlig unfähigen Vorgesetzten weitergegangen wäre. Ich vermute, dass die einfachen Soldaten nicht viel machen konnten – ich hätte zum Schluss aber dennoch ihre Verzweiflung und Ohnmacht noch einmal stärker thematisiert. So kostet das abrupte Ende, das wohl auch aus der Buchvorlage übernommen wurde, ein bis zwei Punkte, denn es erzeugt ein Gefühl, dass ein interessantes Thema deutlich oberflächlicher gestreift wurde, als man es sich nach dem guten Aufbau erhofft.

Fazit: „Private Peaceful“ scheitert (naja…) aus meiner Sicht tatsächlich auf den letzten Metern, wenn man so will. Bis dahin ist alles besser, als ich es mir erwartet hätte: Der Aufbau ist gelungen, die Identifikationsfiguren sind da, es gibt praktisch keine Kitsch, alles wird gut und nachvollziehbar dargelegt. In den Schützengräben geht das Gefühl verloren und am Ende fehlt es ganz eindeutig an Tiefgang. Wer von „Private Peaceful“ ein überzeugendes Statement gegen den Krieg erwartet, wird daher eher enttäuscht sein, wer sich mehr für die Coming of Age-Geschichte interessiert und den Film insgesamt als solche betrachtet, kann hingegen ein Pünktchen addieren.

Gesamteindruck: 4/7


Originaltitel: Private Peaceful.
Regie:
Pat O’Connor
Drehbuch: Simon Reade
Jahr: 2012
Land: Großbritannien
Laufzeit: ca. 100 Minuten
Besetzung (Auswahl): Jack O’Connell, Hero Fiennes-Tiffin, George MacKay, Samuel Bottomley, Alexandra Roach, Izzy Meikle-Small, Richard Griffiths



FilmWelt: His House

Das Spukhaus ist im Horror-Genre ein altbekanntes und nicht tot zu kriegendes Motiv. Dass es zu diesem Thema noch etwas Neues zu sehen gibt, hätte ich eigentlich nicht erwartet – und doch schafft es „His House“ (2020), einer eigentlich sehr alten Geschichte aktuelle Facetten hinzuzufügen.

Gesamteindruck: 5/7


Der Horror nach der Flucht.

„His House“ soll – so habe ich es irgendwo gelesen – der beste Horrorfilm des Jahres 2020 sein. Ich erlaube mir dazu kein Urteil, schlicht, weil ich das aktuelle Filmgeschehen kaum verfolge. Ich glaube sogar, dass „Kadaver“ der einzige Horrorstreifen aus dem Jahr 1 der Corona-Pandemie ist, den ich gesehen habe. Und auch wenn „His House“ die norwegische Version der Postapokalypse klar schlägt, wäre es unfair, zu behaupten, Remi Weekes‘ Werk würde nur mangels Alternativen gelobt.

Inhalt in Kurzfassung
Bol und Rial haben es geschafft: Sie sind aus den Wirren ihrer vom Krieg heimgesuchten Heimat entkommen und haben die Flucht nach Europa überlebt. Irgendwo in England wird dem Ehepaar schließlich – vorerst auf Probe – Asyl gewährt und ein heruntergekommenes Haus als Bleibe zugestanden. Bald merken die beiden, dass es dort nicht mit rechten Dingen zugeht – oder ist es vielleicht doch „nur“ das Trauma der Flucht, das sie quält?

„His House“ beginnt, wie sollte es anders sein, mit der Vorstellung der Charaktere. Regisseur Remi Weekes geht diese Prozedur aber ein wenig anders an: Er beschreibt weniger die Personen an sich sondern konzentriert sich eher auf die traumatisierende Erfahrung der Flucht aus der kriegsgebeutelten Heimat. Natürlich erfährt man das eine oder andere über die zwei Hauptfiguren, im Wesentlichen sind die Charaktereigenschaften aber eher angedeutet. Interessanterweise reicht das aus, um Bol und Rial sehr plastisch wirken zu lassen, was, neben einem guten Drehbuch, vor allem der exzellenten Darstellung durch Sope Dirisu und Wunmi Mosaku geschuldet ist.

Blendet man die Horror-Elemente aus oder sieht sie als Folge der psychischen Belastung der Flucht, funktioniert „His House“ als Flüchtlingsdrama. Als solches zeigt der Film nicht nur die verstörende Komponente der Flucht an sich, sondern geht auch ungeschönt darauf ein, wie weit Menschen gehen würden, wenn Angst und Verzweiflung groß genug sind. So gesehen ist „His House“ ein zwar verhältnismäßig schlichter, will sagen: wenig tiefgehender, aber doch einigermaßen ausgewogener Beitrag zur Flüchtlingsthematik.

Realität vs. Horror – oder beides.

Freilich ist das alles Interpretationssache. Wer sich damit nicht allzu sehr auseinandersetzen möchte, muss das nicht – und sieht meiner Ansicht nach dennoch einen guten Horrorfilm. Der Nervenkitzel ist durchaus gegeben, wenn sich die Stimmung der neuen Hausbesitzer von anfänglicher Freude langsam aber stetig in Richtung Angst und Schrecken ändert. Der Spuk, der im Haus umgeht, ist ausgezeichnet umgesetzt und kommt im Großen und Ganzen ohne überbordende Brutalität aus. Lediglich ein oder zwei arg vorhersehbare Jump Scares und die gegen Ende viel zu deutliche und damit entzaubernde Darstellung des Bösen trüben das Vergnügen ein wenig. Ansonsten sei an dieser Stelle aber speziell der männliche Hauptdarsteller Sope Dirisu hervorgehoben, der die Angst, die sein Charakter ständig erlebt, aber auch dessen Entschlossenheit, um sein Haus zu kämpfen, ausgesprochen realistisch rüber bringt.

Im Endeffekt ist es aus meiner Sicht aber tatsächlich die Kombination aus dem realen Drama der Flucht und dem metaphysischen Fluch, der auf dem Haus und dem Ehepaar lastet, der „His House“ weit über den Grusel-Durchschnitt hinaushebt. Denn beides für sich genommen ist zwar gut gemacht, aber nichts, was man nicht anderswo im einen Fall tiefgründiger, im anderen unheimlicher bekommen könnte. Es klingt wie ein Klischee, ist aber dennoch so: Die Mischung macht’s. Und die schafft im Falle dieses Films etwas Neues, Unverbrauchtes, in dem sehr unterschiedliche aber dennoch altbekannte Elemente neu gemischt und verpackt werden.

Gesamteindruck: 5/7


Originaltitel: His House.
Regie:
Remi Weekes
Drehbuch: Felicity Evans, Remi Weekes, Toby Venables
Jahr: 2020
Land: Großbritannien
Laufzeit: ca. 90 Minuten
Besetzung (Auswahl): Wunmi Mosaku, Sope Disiru, Matt Smith, Javier Botlet, Emily Taaffe



FilmWelt: The Ritual

Wenn in einem einsamen, dunklen und unnatürlich stillen Wald plötzlich unheimliche Geräusche zu hören sind, wenn Wanderer von bizarren Alpträumen gequält werden und furchterregende Dinge zu sehen glauben, ist eine Assoziation naheliegend: „Blair Witch Project“. Und tatsächlich spielt der britische Film „The Ritual“ (2017) auf ähnliche Weise mit den menschlichen Ur-Ängsten wie DER Found Footage-Meilenstein der 1990er. Wer allerdings erwartet, dass der Film ähnlich innovativ und angsterregend ist, wird von „The Ritual“ enttäuscht sein.

Gesamteindruck: 3/7


Nicht überzeugend.

„The Ritual“ gehört neben „The Cloverfield Paradox“ (2018) zu den ersten Produktionen, die direkt an den Streaming-Dienst Netflix verkauft und dort veröffentlicht wurden. Das erinnert an die Direct-To-VHS- bzw. -DVD-Produktionen frühere Tage: Befürchtet man den Flop auf der großen Leinwand, geht es eben direkt ins Heimkino. Im Falle der „Cloverfield“-Fortsetzung haben sich diese Befürchtungen auch voll und ganz bestätigt – der Film ist katastrophal schlecht und hätte es im Kino trotz des prestigeträchtigen Namens vermutlich schwer gehabt. „The Ritual“ ist etwas besser gelungen, letztlich aber auch nicht so überzeugend, dass man gern das Geld fürs Kino dafür ausgegeben hätte. Selbstverständlich gibt es auch dort schlechtere Filme zu sehen (die meist sogar mit wesentlich höherem Budget daherkommen), das ändert aber nichts daran, dass „The Ritual“ praktisch auf ganzer Linie enttäuscht.

Inhalt in Kurzfassung
Zu Ehren ihres bei einem Raubüberfall getöteten Freundes unternehmen vier Engländer eine ausgedehnte Wanderung durch Schweden. Als sich einer von ihnen am Bein verletzt, beschließen sie, eine Abkürzung zu ihrem Basislager zu nehmen und dringen dabei immer tiefer in einen dichten Wald ein. Bald merken die Männer, dass es dort nicht mit rechten Dingen zugeht.

Die Prämisse von „The Ritual“ ist dem Grundgedanken von „Blair Witch Project“ gar nicht so unähnlich. Hier wie dort finden sich Menschen in einen unerwartet düsteren Wald wieder, der so gar nichts mit der Zivilisation zu tun hat, wie wir sie kennen. Unheimliche Geräusche und Ereignisse, nackte Angst und Panik – all das hat die legendäre Geschichte um die Hexe von Blair ausgemacht und genau das versucht auch „The Ritual“ zu vermitteln. Die Technik ist allerdings eine andere – wir haben es hier mit keinem pseudo-dokumentarischen Found Footage-Film zu tun sondern mit einem recht konventionellen Horror-Streifen. Dass Regisseur David Bruckner (u.a. „V/H/S“) auf wackelige Handkameras verzichtet, ist meines Erachtens allerdings kein Grund zur Kritik, im Gegenteil, hat dieser Effekt doch neben einigen gutklassigen Filmen auch eine ganze Reihe an Schrott hervorgebracht. Abgesehen davon wäre es tatsächlich ein sehr offensichtliches Plagiat, hätte man „The Ritual“ sozusagen wirklich von den Schauspielern selbst filmen lassen. Noch dazu bringt die „Außenperspektive“ den Zuseher in den Genuss beeindruckender Landschaftsaufnahmen, die das Gefühl für die Einsamkeit der dichten Wälder verstärkt.

Es fehlt an Substanz.

Von der Gegend abgesehen (gefilmt wurde übrigens großteils in Rumänien) beeindruckt allerdings fast nichts an „The Ritual“. Der Film ist solide gemacht – viel mehr ist dazu eigentlich gar nicht zu sagen. Ich versuche es trotzdem: Auf der Habenseite steht der eine oder andere gelungene Schockmoment. Wenngleich Überraschungen ausbleiben und man relativ gut vorab erkennt, wann man sich erschrecken soll, stellt sich in gewissen Situationen wirklicher Nervenkitzel ein. Auch, weil „The Ritual“ es mit den Jump Scares nicht übertreibt und zwischendurch eine bedrohlichere Grundstimmung bevorzugt. Bis zu einem gewissen Grad ist „The Ritual“ sogar sehr spannend und man möchte als Zuseher schon erfahren, was hinter alldem steckt.

Genau das ist aber gleichzeitig das Problem. Man erfährt es tatsächlich, was im Endeffekt dazu führt, dass die Spannungskurve im letzten Drittel zusehends verflacht. Ist man anfangs noch fasziniert von den Runen, die als Warnung erscheinen und von den merkwürdigen Visionen, die die vier Männer plagen, hinterlässt die merkwürdige Auflösung einen sehr schalen Nachgeschmack. Streckenweise suggeriert der Film (und vor allem auch der sehr stark gemachte Trailer) z.B. einen tieferen Bezug zur nordischen Mythologie, der letztlich aber leider nur Mittel zum Zweck ist. Oder auch der relativ plumpe Versuch, „The Ritual“ mit einem etwas „anderen“ Anstrich zu versehen. Es bleibt beim Versuch, der so aufgesetzt wirkt, dass mir lieber gewesen wäre, man hätte im Film keine einzige Rune gesehen. Überhaupt ist die Story arg vorhersehbar und hätte in jeder x-beliebigen Gegend auf der ganzen Welt spielen können – Bezug zu Schweden? Fehlanzeige!

Charaktere lassen zu wünschen übrig.

Die Schauspieler tragen leider auch nichts dazu bei, das Steuer herumzureißen und „The Ritual“ wenigstens in die obere Mittelklasse zu heben. Ob das an den Darstellern oder den ihnen zugedachten Rollen liegt, ist freilich schwer zu sagen, ich würde aber fast Letzteres vermuten. Die Dialoge sind so vorhersehbar wie der ganze Film, die Story von der Männerfreundschaft wird zu keinem Zeitpunkt so vermittelt, dass beim Zuschauer Sympathien für die Charaktere geweckt werden. Wenn man ganz böse sein möchte, könnte man sogar sagen, dass man von Anfang an weiß, wie das Ganze endet – unter anderem deshalb, weil nur eine der Figuren überhaupt so etwas wie eine Persönlichkeit und eine Geschichte hat. Der Rest ist kaum zu unterscheiden und dient damit von Anfang an lediglich als Staffage für das übliche Dezimierungs-Spiel.

„The Ritual“ ist damit – und es tut merkwürdig weh, das zu sagen – ein Film der Kategorie „einmal gesehen, sofort vergessen“. Natürlich gibt es wesentlich schlechtere Streifen – aber halt auch wesentlich bessere. Und dass „The Ritual“ handwerklich gut gemacht ist, wird auch niemand bestreiten. Es fehlt einfach der Tiefgang, sodass sich das Spiel mit den Ur-Ängsten, die der Mensch in einem einsamen Wald empfindet, nur in oberflächlichen Schreck-Momenten entfalten kann. Dass alles, was als Eigenständigkeit gedacht war, vollkommen aufgesetzt wirkt, ist das Tüpfelchen auf dem i. Schade drum.

Gesamteindruck: 3/7


Originaltitel: The Ritual
Regie: David Bruckner
Jahr: 2017
Land: UK
Laufzeit: 94 Minuten
Besetzung (Auswahl): Rafe Spall, Arsher Ali, Robert James-Collier, Sam Troughton, Kerrie McLean



 

BuchWelt: Der Krake

China Miéville


„Der Krake“ ist das erste Werk von China Miéville, das ich gelesen habe. Dass gleich meine Premiere so schwierig zu bewerten sein würde, hätte ich nicht gedacht. Denn rein vom Klappentext her klingen sowohl dieses als auch seine anderen Werke durchaus nach Stoff, den ich gerne lese. Und auch während und nach der Lektüre wollte ich dieses Buch unbedingt mögen. Es schien mir unverzeihlich, dass ich damit nicht warm werden konnte. Und doch muss ich so ehrlich sein und sagen: „Der Krake“ hat mir über weite Strecken nicht gefallen.

Gesamteindruck: 3/7


(Zu) abgefahren.

Das Problem, das ich mit „Der Krake“ habe, ist nicht die Story an sich. Die besteht aus einer guten, nicht alltäglichen Idee, eingebettet in eine Welt, die der unseren entspricht, letztlich aber doch ganz anders funktioniert. Die Mär von Zauberern, Hexen, Engeln und anderen merkwürdigen Wesen, die unbemerkt unter uns leben, ist guter Stoff, den ich persönlich bisher vor allem von Sergej Lukianenko (die „Wächter“-Serie) oder Neil Gaiman („American Gods“) kannte. „Der Krake“ haut mit seinen verschiedenen Kulten, mit Göttern und Magie in eine sehr ähnliche Kerbe. Leider schafft es China Miéville jedoch nicht, aus diesen Zutaten eine durchgehend fesselnde Geschichte zu basteln. Im Gegenteil, mehrere Probleme haben mir die Lektüre länger werden lassen, als es die gar nicht so umfangreiche Haupthandlung vermuten lässt.

Inhalt in Kurzfassung
Die Hauptattraktion in einem Londoner Museum ist ein Riesenkalmar, der präpariert in Formalin in einem großen Glasbehälter schwimmt. Als das Exponat auf unerklärliche Weise verschwindet, gerät Kurator und Durchschnittstyp Billy Harrow in einen Strudel bizarrer Ereignisse. Die Suche nach dem riesigen Tintenfisch führt ihn zu einem mysteriösen Kult, der den Kalmar als Gott verehrt. Doch damit nicht genug, der Held wider Willen erfährt nach und nach, dass es in „seiner“ Stadt von mysteriösen Sekten und Kulten wimmelt und dass Zauberei und Magie nicht nur existieren, sondern durchaus gefährlich sein können.  

„Der Krake“ bzw. sein Autor ist ein Vertreter des „New Weird“, einer relativ neuen Literaturströmung, die vor allem in der Science Fiction eingeordnet werden könnte, würde sie sich nicht vor allem durch Aufweichung von Genre-Grenzen auszeichnen. In diesem Fall haben wir es mit einer Mischung aus (Urban) Fantasy, Science Fiction, Thriller und Krimi zu tun, garniert mit britisch-trockenem Humor. Klingt gut? Mag sein, letztlich muss man aber konstatieren, dass sich das Buch – zumindest stellenweise – genauso zerfahren liest, wie man nach dieser Beschreibung befürchtet. Die Handlung folgt zwar einem roten Faden; der verschwindet allerdings immer wieder im Wust der (mal besseren, mal schlechteren) Ideen. Bei vielen im positiven Sinne absurden Einfällen hat man das Gefühl, dass China Miéville geradezu gezwungen war, sie mit aller Gewalt in der Geschichte unterzubringen. Die Handlung bringen sie allerdings nicht wirklich voran. Entsprechend ist das Lesevergnügen einem ständigen Auf und Ab unterworfen.

Gute Ideen allein reichen nicht.

Das wirkt sich vor allem aufgrund der Länge des Buches nahezu katastrophal aus. Der angesprochene rote Faden mag brauchbar sein, ist aber so dünn, dass er auch auf halb so vielen Seiten locker hätte erzählt werden können. Dazwischen gibt es ein Stückwerk aus Ideen, die wie reiner Selbstzweck wirken. So werden die Figuren zwar von einem skurrilen Schauplatz zum nächsten geführt, entwickeln sich dabei praktisch aber nicht weiter. Und auch der Story bleibt kaum Zeit und kein Raum, interessant vorangetrieben zu werden.  Das macht die Lektüre insgesamt zäh und anstrengend, es dauert immer wieder lange Absätze, bis man (inhaltlich) wieder ein Stückchen vorankommt. Hat man es dann irgendwann geschafft, die 740 Seiten zu bewältigen, bleibt man einigermaßen konsterniert zurück. Die Auflösung, soweit man von einer solchen überhaupt sprechen kann, hat mich persönlich jedenfalls mehr verwirrt als befriedigt. Ein Buch wie „Der Krake“ muss zwar annähernd so skurril enden, wie die darin vorgestellten Ideen sind; das heißt aber nicht, dass der Schluss kaum verständlich daherkommen muss.

Ein Wort noch zu den Charakteren: Möglichkeiten zur Identifikation bestehen kaum. Auch, weil relativ viele Figuren durch die bizarren Szenen gehetzt werden. Näher beschrieben wird kaum jemand. So muss man sich damit abfinden, beispielsweise nicht zu erfahren, was es mit den Erzbösewichten Goss & Subby wirklich auf sich hat, wer „das Tattoo“ vor seiner Verbannung war oder wer Grisamentum eigentlich ist. Auch die extrem passive Hauptfigur Billy Harrow bleibt flach und ist kein Sympathieträger, mit dem man mitfiebern kann. Am ehesten schaffen es noch der alt-ägyptische Gewerkschaftsboss (!) Wati , die derbe Polizistin Collingswood und Dane, seines Zeichens Agent des Kraken-Kultes, den Leser für sich zu gewinnen. Das ist allerdings ein schwacher Trost, wenn man bedenkt, wie viele Charaktere im Buch eigentlich vorkommen.

Es ist bei Übersetzungen natürlich immer schwierig zu beurteilen, wie groß der Anteil des Autors am Nichtgefallen des Buches überhaupt ist. Das sei der Fairness halber erwähnt, denn vom immer wieder gepriesenen, ganz besonderen Stil China Miévilles konnte ich in diesem Buch nicht allzu viel entdecken. Im Gegenteil: Eine Neigung zu telegrammhaft abgehackten Sätzen ist das, was ein relativ früher Dämpfer für das Lesevergnügen war – auch weil man den merkwürdigen Gedankengängen stellenweise kaum folgen kann. Das ist zwar nicht der Grund für die schwache Gesamtwertung, es ist allerdings ein Puzzlestein, der dazu beiträgt.

Alles in allem ist „Der Krake“ weit davon entfernt, das schlechteste Buch aller Zeiten zu sein. Nichtsdestotrotz wirkt der Roman zum Teil, als wäre er noch in Manuskript-Form veröffentlicht worden. Eine grundlegende Überarbeitung der Handlung und eine Straffung des Drumherums hätten dem Werk meines Erachtens gut getan. So muss es für großzügige drei Punkte reichen, vor allem weil der Autor durch kreativen Einfallsreichtum glänzt. Hätte er es nur geschafft, die Hälfte seiner abstrusen Ideen mit der Geschichte, die er eigentlich erzählen will, schlüssig zu verbinden, wäre viel mehr möglich gewesen. Wie es aber nun einmal ist, glaube ich kaum, dass ich dieses Buch noch einmal zur Hand nehmen werde und würde das auch Liebhabern von kruden Genre-Mixturen nur sehr bedingt empfehlen.

Gesamteindruck: 3/7


Autor: China Miéville
Originaltitel: Kraken.
Erstveröffentlichung: 2010
Umfang: ca. 740 Seiten
Gelesene Sprache: Deutsch
Gelesene Version: Taschenbuch


 

FilmWelt: Seventh Son

„Seventh Son“ macht sehr viel richtig: Die Action stimmt, die Effekte passen, die Story ist passabel, die Schauspieler können meistens punkten, der Film ist durchaus unterhaltsam. Leider bleibt die Geschichte für meinen Geschmack etwas zu oberflächlich. Und auch wenn ich weiß, dass „Seventh Son“ vorwiegend unterhalten will, wird mir ein bisschen zu wenig erklärt. Könnte natürlich damit zu tun haben, dass der Film auf einer literarischen Vorlage basiert, die – so meine Vermutung – wesentlich mehr Erklärungsansätze bietet. Nutzt aber nichts – ein Film muss auch für sich alleine funktionieren.

Gesamteindruck: 4/7


Kein Meisterwerk, aber durchaus unterhaltsam.

„Seventh Son“ ist ein brauchbarer Fantasy-Film. Die Story vom Bauernsohn, der auszieht, um ein Held zu werden, ist natürlich bekannt, wird aber erfreulich straff abgehandelt und weiß daher einigermaßen zu unterhalten. Besonders hervorzuheben ist hingegen die Action, die perfekt choreografiert ist und kaum an den wie üblich bis zum Exzess eingesetzten Computer-Effekten leidet. Ich würde sogar behaupten, dass man in einem solchen Film selten derart gute Kampf- und Actionszenen sieht, die noch dazu kaum Längen haben und sich auch nicht gleich abnutzen. Leider ist inhaltlich nicht genug Substanz vorhanden, auch dann nicht, wenn man „Seventh Son“ in erster Linie als kurzweilige Unterhaltung und nicht als dramatisches Meisterwerk auffasst.

Inhalt in Kurzfassung
Ein alter Geisterjäger hat vor vielen Jahren eine böse Hexe zu ewiger Gefangenschaft verbannt. Zumindest dachte er das – viele Jahre später kann sie entkommen und beginnt ihre Gefolgschaft erneut um sich zu scharen. Der „Spook“, wie der Geisterjäger hier genannt wird, hat hingegen nur seinen Gehilfen, den siebten Sohn eines siebten Sohnes, an seiner Seite. Ausbilden muss er ihn im Schnellverfahren. Zusammen bestehen Meister und Lehrling einige Abenteuer, bis sie sich der Hexenkönigin und ihren Untertanen zum letzten Kampf stellen.

Jedem, der schon einmal etwas von der „Geralt“-Saga des polnischen Autors Andrzej Sapkowski bzw. der Computerspiel-Reihe „The Witcher“ gehört hat, wird die Geschichte, die in „Seventh Son“ erzählt wird, bekannt vorkommen. Wobei es weniger die Geschichte an sich ist – vielmehr ist es die Figur des „Spook“, die offenbar stark von eben jenem Hexer Geralt inspiriert wurde. Die Parallelen sind offensichtlich: Sowohl Spook als auch Hexer verdingen sich als eine Art Geisterjäger, der – gegen klingende Münze – allerlei finstere Geschöpfe vernichtet und verbannt. Zimperlich sind beide nicht, was die Wahl der Waffen und die Methoden zur Vernichtung ihrer Gegner betrifft. Und noch eine Gemeinsamkeit gibt es: Weder Spook noch Hexer sind bei den Menschen sonderlich beliebt, werden aber als notwendiges Übel angesehen, um schmutzige und gefährliche Arbeiten zu erledigen. Im Wesentlichen gibt es nur zwei Unterschiede zwischen den Figuren: Einerseits hat der Spook im Gegensatz zum Hexer einen Gehilfen, den er selbst ausbildet, andererseits ist er ein normaler Mensch während der Hexer eine Art magiebegabter Mutant ist. Ansonsten gibt es keine Unterschiede – beide sind intelligent, Meister mit verschiedensten Waffen, ständig übel gelaunt und einem guten Tropfen nicht abgeneigt. Die Vorlage zum Film „Seventh Son“ ist allerdings nicht der Hexer, sondern der „Spook“-Zyklus, eine Fantasy-Reihe für Kinder, geschrieben vom Briten Joseph Delaney. Ob und wie sehr der sich bei Sapkowski bedient hat, kann jeder für sich selbst beurteilen.

Schwache Nebencharaktere, mittelprächtige Hauptfiguren.

Dass die Story das Rad nicht neu erfindet, habe ich bereits erwähnt. Muss sie natürlich nicht – dass so etwas auch gut gehen kann, zeigt „Seventh Son“ meiner Ansicht nach recht deutlich. Der Film unterhält gut, auch wenn ich persönlich die gemeinsame Vergangenheit von Hexenkönigin und Geisterjäger etwas zu dick aufgetragen finde. Darüber kann man allerdings hinwegsehen – ganz im Gegensatz zu den teils recht schwachen Charakteren. Dabei macht es mir nicht einmal etwas aus, dass die Nebenfiguren per se extrem schablonenhaft daherkommen. Dass ihre Geschichte, ihre Motivation und ihre Absichten aber so gar nicht beleuchtet werden, stört mich hingegen schon. Das umso mehr, weil man ja eigentlich das Gefühl hätte, es wäre an dieser Stelle mehr möglich gewesen. Ich hätte beispielsweise zu gerne gewusst, was Radu, der Anführer der Assassinen, mit seiner Armee so gemacht hat, bis ihn die Hexenkönigin zu sich ruft. So ist er eigentlich nur der Befehlshaber über eine Bande von Kanonenfutter. Glatt, ohne Ecken und Kanten wie seine Kollegen, die genau darum nicht wirklich gefährlich sondern wie leichte Beute für den Spook wirken. Das könnte natürlich der Adaption einer Buchvorlage geschuldet sein, die – so meine Vermutung – wesentlich detaillierter sein sollte.

Aber auch von den Hauptfiguren bin ich nicht ganz überzeugt. Jeff Bridges gefällt mir als gealterter Spook sehr gut, hat ein bisschen was von seiner Paraderolle als Jeffrey Lebowsky. Seine Verkörperung des zynischen und vom Leben als Außenseiter gezeichneten Geisterjägers kann jedenfalls überzeugen. Sein Gehilfe Tom Ward, der „Siebte Sohn“, wird passabel von Ben Barnes dargestellt – ein echter Sympathieträger, wie er in dieser Rolle vermutlich sein sollte, ist er jedoch nicht. Julianne Moore als böse Hexenkönigin Mutter Malkin macht ihre Sache recht gut, hätte aber von der Charakterentwicklung her etwas mehr Feinschliff gebraucht. Bleibt noch Alicia Vikander, die das „Halbblut“ Alice spielt. Auch hier gilt: Die Schauspielerin macht ihre Sache ordentlich, die Rolle ist allerdings denkbar klischeehaft angelegt. Leider.

Letztlich ist „Seventh Son“ ein unterhaltsamer Hollywood-Blockbuster. Ob der Film überhaupt mehr sein möchte, weiß ich nicht – ich hätte es definitiv besser gefunden, wenn etwas mehr Tiefe vorhanden gewesen wäre. Dann wäre der Film wohl länger geworden, was aus meiner Sicht auch überhaupt kein Problem gewesen wäre. So gibt es 4 Punkte für einen lässigen Streifen, der sehr kurzweilig daherkommt, bei dem man aber durchgehend das Gefühl hat, dass wichtige Aspekte der Vorlage fehlen.

Gesamteindruck: 4/7


Originaltitel: Seventh Son
Regie: Sergey Bodrow
Jahr: 2014
Land: USA, UK, Russland
Laufzeit: 102 Minuten
Besetzung (Auswahl): Ben Barnes, Jeff Bridges, Julianne Moore, Alice Vikander, Kit Harrington



 

FilmWelt: Moon

Auf dem Mond ist es einsam – sowohl in Wirklichkeit als auch in diesem Film aus Großbritannien. „Moon“ ist ein düsteres Kammerspiel, getragen von einem einzigen Schauspieler, das dem Zuschauer durchaus nahe geht. Leider fehlt es ein wenig an Tiefgang und an der letzten Konsequenz, die Kritik an der Gesellschaft, die ja auch Thema des Films ist, gänzlich anzubringen. Sehenswert ist „Moon“ aber allemal.

Gesamteindruck: 4/7


Interessantes Kammerspiel.

Manchmal erlebt man schon merkwürdige Zufälle. An einem Tag sehe ich mir „Iron Sky“ an, in dem die Nazis auf der dunklen Seite des Mondes Helium-3 abbauen – ein Isotop, das es wirklich gibt, von dem ich aber bis zu diesem Zeitpunkt nie gehört habe. Und kurz darauf liegt „Moon“ in meinem sprichwörtlichen Player, ein britischer Film, in dem genau jenes Isotop ebenfalls auf dem Mond gewonnen wird. Da setzt man mal besser den Aluhut auf, auf der Rückseite unseres Trabanten scheint tatsächlich allerhand zu passieren, das man vor uns verbergen möchte.

Bis auf das Helium-3 gibt es allerdings keine Gemeinsamkeiten zwischen den genannten Filmen (maximal, dass beides europäische Produktionen sind, könnte man noch nennen). „Moon“ ist ein Science Fiction-Drama, ein Kammerspiel, getragen von einem einzigen Schauspieler. Warum man dafür ausgerechnet den Amerikaner Sam Rockwell verpflichtet hat, ist mir zwar nicht klar, aber sei’s drum, er macht seine Sache meines Erachtens sehr gut. Abgesehen von Rockwell kommen in „Moon“ lediglich einige Video-Schnipsel der Familie seiner Figur vor. Und natürlich die künstliche Intelligenz „GERTY“, sehr prägnant gesprochen von Kevin Spacey.

Inhalt in Kurzfassung
Ein einzelner Astronaut, der für ein Unternehmen den großteils automatisierten Abbau von Helium-3 von einer Mondbasis aus überwacht, hat seit drei Jahren keinen direkten Kontakt zur Erde. Einzige Gesellschaft ist die künstliche Intelligenz GERTY. Kurz vor seiner Ablöse wird der psychische und physische Zustand des einsamen Helden immer schlechter, was in Halluzinationen, die schließlich zu einem Unfall führen, gipfelt. Nachdem er offenbar gerettet in der Basis wieder erwacht, werden die Ereignisse immer rätselhafter, steht er doch plötzlich sich selbst gegenüber.

Als Zuseher kann man sich in diesem Film problemlos auf einen einzigen Charakter konzentrieren. Umso wichtiger ist natürlich dessen Darstellung. Das Drehbuch ist grundsätzlich gut, die Probleme des Films liegen aus meiner Sicht eher in seinem mangelnden Tiefgang. Das Thema, das in „Moon“ angeschnitten wird, ist einigermaßen brisant – geht es doch um die skrupellose Ausbeutung eines Individuums zugunsten wirtschaftlicher Interessen. Die Handlung selbst finde ich durchaus in Ordnung – bietet sie doch einen recht überraschenden Twist, die den Film auch ein wenig in Richtung Dystopie rückt.

Leider kratzt „Moon“ in seinem Hauptthema nur an der Oberfläche. Soll heißen, dass der Film zwar gesellschaftliche und wirtschaftliche Gegebenheiten anprangert, das aber nicht in der wünschenswerten Härte und Tiefe. Denn die Erkenntnis, was alles schief läuft, ereilt nur die Hauptfigur – an dem Punkt, an dem es eigentlich gelten würde, entsprechende Veränderungen in der Gesellschaft herbeizuführen, bricht der Film ab. Das ist schade, weil man so den Eindruck bekommt, dass die dramatische und gute Entwicklung der Hauptfigur ein wenig verschwendet wird. Denn darauf konzentriert sich „Moon“ letztlich: Die Begegnung von Sam Bell (so der Name des Hauptcharakters) mit sich selbst und den Folgerungen, die er daraus zieht. Das ist faszinierend und beinhaltet den angesprochenen Twist, es ist aber letztlich nicht ganz das, was man sich im Laufe des Films mehr und mehr erhofft: Die Rückkehr zur Erde und die Konfrontation mit denen, die schuld an der Misere sind. All das wäre allerdings in einem Film ohne Überlänge nicht unterzubringen gewesen, ohne den ruhigen, langen Aufbau empfindlich zu stören. Eine Zwickmühle also, aus der sich Regisseur Duncan Jones zwar einigermaßen gut befreien konnte, ein leicht fader Nachgeschmack bleibt aber.

Passende Optik.

All das bedeutet aber nicht, dass „Moon“ ein schwacher Film wäre. Im Gegenteil, ich habe mich durchgehend gut unterhalten gefühlt. Dazu trägt neben der ruhigen Erzählweise auch die passende Optik bei. Die Mondstation, auf der sich das Drama abspielt, ist zweckmäßig eingerichtet. Das erinnert weniger an Star Trek sondern eher an die klassischen Alien-Filme und sorgt für das Gefühl, dass die gezeigte Zukunft nicht allzu fern ist. Die seltenen Außenaufnahmen zeigen neben der gleichförmigen Mondlandschaft lediglich die riesigen Abbaumaschinen. Beides wurde gut in Szene gesetzt und steigert damit das Gefühl der Einsamkeit auf unserem Trabanten.

Als Fazit bleibt zu sagen, dass „Moon“ ein bemühter und überraschend guter Film ist. Zu schade, dass es ihm letztlich ein wenig an Tiefgang fehlt. Ansonsten hätte es eine noch höhere Punktezahl geben können, aber auch so ist der Streifen für jeden Fan des düsteren Kammerspiels definitiv einen Blick wert.

Gesamteindruck: 4/7


Originaltitel: Moon
Regie: Duncan Jones
Jahr: 2009
Land: UK
Laufzeit: 96 Minuten
Besetzung (Auswahl): Sam Rockwell, Kevin Spacey (Stimme), Dominique McElligott, Rosie Shaw



 

FilmWelt: Children of Men

Wer Dystopien mag ist bei „Children of Men“ richtig. Der Film hat nichts weniger als den Untergang der Menschheit und die Hoffnungslosigkeit, die daraus entsteht, zum Thema. Dass der Regisseur mehr auf gute Charaktere und ein schlüssiges Drehbuch setzt, anstatt den Zuseher mit computergenerierten Effekten, von denen man mittlerweile ohnehin die Nase voll hat, zu bombardieren, macht diese englische Produktion noch interessanter. Ein rundum sehenswerter Film, der mich in allen Belangen positiv überrascht hat.

Gesamteindruck: 6/7


Dystopie mit einem Funken Hoffnung.

Was passiert, wenn die Menschheit kurz vor ihrer Vernichtung steht? Zumindest in Film und Literatur haben sich zwei mögliche Pfade ergeben: Entweder finden die zerstrittenen Völker im Angesicht der Apokalypse endlich zusammen und stemmen sich wie ein einziger Mann gegen die Auslöschung. Oder, und so würden es pessimistische (oder realistische) Zeitgenossen wohl auch für die Realität erwarten, es brechen Unruhen und Anarchie aus, das Faustrecht regiert und alles in allem geht es immer schneller in Richtung Abgrund. Erstere Option wird im Popcorn-Kino á lá „Independence Day“ (1996) oder „Armageddon“ (1998) immer gern verwendet und weiß als Wohlfühl-Faktor gelegentlich durchaus zu unterhalten. Zweiteres ist aber eigentlich die interessantere Variante, zumindest war mir persönlich die Dystopie immer lieber – und sei es nur als Warnung. Ein Selbstläufer ist eine dystopische Vision unserer Zukunft deshalb aber noch lange nicht, auch in diesem Genre gibt es gutes und schlechtes Material zu sehen oder zu lesen. „Children of Men“ ist für mein Dafürhalten glücklicherweise ein guter Vertreter seiner Zunft.

Inhalt in Kurzfassung*
In nicht allzu ferner Zukunft (vom Zeitpunkt dieser Rezension aus gesehen sind es nur mehr zehn Jahre bis dahin) ist die Menschheit vom Aussterben bedroht: Aus nicht näher genannten Gründen werden keinerlei Kinder mehr geboren. Die gesellschaftliche Ordnung steht dadurch am Rande des Zusammenbruchs und kann nur mit brutaler Polizei- und Militärgewalt einigermaßen aufrecht erhalten werden. In dieser Situation soll ein Durchschnittsbürger einem ganz besonderen Mädchen zur Flucht aus einem von Chaos, Brutalität und Terrorismus geprägten Großbritannien verhelfen.

* Der Versuch eines neuen Features auf WeltenDing. Ich versuche Spoiler zu vermeiden.

Die Geschichte, die Regisseur Alfonso Cuarón (bekannt durch Filme wie „Harry Potter und der Gefangene von Askaban“, „Pans Labyrinth“ und „Gravity“) in „Children of Men“ auf die Leinwand bzw. den Schirm bringt, fügt dem Ende-der-Welt-Thema definitiv neue Nuancen hinzu. Dass es nicht Außerirdische oder eine Naturkatastrophe sind, die die Menschheit bedrohen, sorgt für wohltuende Abwechslung. Die Grundannahme, dass ein einzelner Mensch die Welt retten kann/soll, ist nun nicht bahnbrechend neu, allerdings liegt die Stärke des Films in seinen Figuren. Die Anti-Helden, die in „Children of Men“ vor Probleme gestellt werden, die wesentlich realistischer wirken, als vieles, was man sonst speziell aus Hollywood kennt, sind so zerbrechlich, wie jeder Normalsterbliche. Das erzeugt eine Identifikationsfläche, von der so mancher Blockbuster nur träumen kann und macht aus relativ einfachen Zutaten einen hervorragenden Film.

Vor allem der britische Schauspieler Clive Owen, der die Hauptrolle spielt, weiß durchgehend und vorbehaltlos zu überzeugen. Die Art, wie sich sein Charakter entwickelt und er vom widerwilligen, genervten und müden Regierungsangestellten zum unfreiwilligen Helden entwickelt, ist aller Ehren wert. Dass er bis zum tragischen Schluss nur mit Glück und nicht aufgrund seiner überragenden Fähigkeiten durchkommt, macht ihn zur sympathischen Identifikationsfigur für den Zuseher. Aber auch die anderen Rollen bzw. Schauspieler wissen zu überzeugen, auch wenn die weibliche Hauptperson, gespielt von Claire-Hope Ashitey aufgrund der Synchronisation etwas zu anstrengend wirkt.

Drehbuch und Kamera: Top!

„Children of Men“ ist aber nicht nur gut besetzt, sondern weiß auch mit einem intelligenten Drehbuch zu überzeugen – nicht umsonst gab es in dieser Kategorie 2007 sogar eine Oscar-Nominierung (wie auch für Kamera und Schnitt). Die Handlung ist schlüssig erzählt und bietet einige überraschende Wendungen. Einziger Wermutstropfen: Das Ende kommt recht plötzlich. Dass es kein „richtiges“ Happy End gibt, ist natürlich erwartbar, auch wenn die Hoffnung zuletzt nicht ganz stirbt. Dennoch war der Schluss nach den atemlosen und dramatischen Minuten davor ein bisschen unbefriedigend für mich.

Dass es bis zum Ende spannend bleibt, ist freilich auch der hervorragenden Kamera-Arbeit zu verdanken, die für mein Dafürhalten großartig ist. Ein Beispiel: In einer der finalen Szenen befindet sich der Protagonist mitten im Kriegsgebiet. Um die Dramatik dieser Situation besser einzufangen, kommt die Handkamera in einer gefühlt endlosen, vermeintlich ungeschnittenen Sequenz zum Einsatz – das Ergebnis erinnert an die Eröffnungsszene von „Der Soldat James Ryan“ (1998). Das haben auch schon andere Filme versucht, die Intensität der Spielberg’schen Produktion wurde dabei selten (oder nie?) erreicht. „Children of Men“ kommt meiner Ansicht nach jedoch nicht nur heran, sondern – ich bin ketzerisch – übertrifft sie sogar noch. Ja, das meine ich ernst – der Grund ist, dass besagte Szene fast den Schluss des Films bildet und sich lediglich auf den Hauptcharakter konzentriert, zu dem man in der vorhergehenden Stunde eine enge Beziehung aufgebaut hat. Nicht falsch verstehen: Die Invasion in „Der Soldat James Ryan“ thematisiert das anonyme Sterben im Krieg sehr gut, daran gibt es nichts zu rütteln. Die besagte Szene im Flüchtlingslager in „Children of Men“ nimmt aber mindestens genauso mit, weil sie wesentlich persönlicher ist. Allein für diese meisterhafte Leistung gibt es fünf Punkte in der Gesamtwertung.

Prophetisch.

Aus heutiger Sicht sind Teile von „Children of Men“ geradezu prophetisch. 2006 waren die aktuellen Entwicklungen in Großbritannien, der EU und der Welt kaum vorhersehbar. Und doch denkt die (echte) britische Regierung anno 2017 darüber nach, die Menschenrechte für gewisse Gruppen und Ethnien einzuschränken. Das Land steht vor dem Austritt aus der EU und entsprechender außenpolitischer Insolation. Und auch das Zusammenfassen von Flüchtlingen in Lagern zur Abschiebung und all die damit verbundenen, unerfreulichen Vorgängen sind plötzlich gar nicht mehr so fiktional, wie es im Erscheinungsjahr des Films vermutlich noch den Anschein hatte. All das macht „Children of Men“ noch einmal düsterer und trostloser – weil er sich näher an unserer Wirklichkeit bewegt, als Alfonso Cuarón 2006 gewusst haben kann.

Fazit: Ein ausgezeichneter Film, der mit einem etwas ausführlicheren Ende die volle Punktezahl hätte abräumen können.

Gesamteindruck: 6/7


Originaltitel: Children of Men
Regie: Alfonso Cuarón
Jahr: 2006
Land: USA, UK
Laufzeit: 106 Minuten
Besetzung (Auswahl): Clive Owen, Julianne Moore, Michael Caine, Claire-Hope Ashitey, Chiwetel Ejiofor, Pam Ferris, Peter Mullan, Charlie Hunnam



 

WeltenBlog: „High Fidelity“ – Der Soundtrack

Der Soundtrack zum grandiosen Roman von Nick Hornby


„High Fidelity“ ist kein schwer lesbares, philosophisch-vertracktes Werk mit Tiefgang. Im Gegenteil: Es liest sich sehr schnell, es ist einfach geschrieben und es ist – zumindest auf den ersten Blick – oberflächlich. Letzteres stimmt zwar nicht ganz, weil der Roman zumindest von guter Beobachtungsgabe zeugt und im Hinblick darauf mehr Einsichten bieten, wie es zunächst den Anschein hat. Dennoch: „High Fidelity“ ist nicht kompliziert, von einer einzigen Sache abgesehen: Es enthält eine Vielzahl von pop-kulturellen Anspielungen, direkt und indirekt. Einiges davon bezieht sich auf Bücher, Fernsehen und Kino; der bei weitem größte Teil hat jedoch mit dem zu tun, was der Titel suggeriert: Musik, Musik und noch einmal Musik. Da kann man schon einmal den Überblick verlieren, was schade ist, weil einem dadurch viele musikalische Schätze durch die Lappen gehen.


Die Liste aller Listen.

Wer „High Fidelity“ gelesen hat, weiß, dass Protagonist Rob Fleming und seine Freunde keine Meinungen, sondern Listen haben. Die Top 5-Songs für die einsame Insel, die Top 5-Songs für eine Beerdigung, die Top 5-Trennungen usw. usf. Die gesammelten Listen aus dem Buch findet man übrigens beispielsweise hier. Was liegt also näher, als auch eine Liste der Songs anzulegen, die in „High Fidelity“ genannt werden? Zugegeben, ganz neu ist die Idee offenbar nicht, es schwirren ja einige derartige Aufstellungen im Internet herum.

Aber was soll’s, das ist mal eine Arbeit, die Spaß macht, zumindest einem Typen wie mir, der mehr von Rob Fleming hat, als er zugeben will (wenngleich der Musikgeschmack ein entschieden anderer ist). Ich versuche mich einfach mal dran und poste hier und jetzt die Liste der Songs, die Nick Hornby in seinem tollen Buch direkt oder indirekt nennt. In Klammern steht die Seitenanzahl – ob die Chronologie von Neil Young bis Al Green eine Bedeutung in musikalischer Hinsicht hat oder eine Art Entwicklung darstellt, wage ich nicht zu beurteilen.

Ich bin mir übrigens bei einigen Songs keineswegs sicher, welche Version Hornby tatsächlich gemeint hat. Wo das so ist, habe ich gleich mehrere Varianten verlinkt. Der geneigte Leser kann sich selbst überlegen, was besser zu Rob Fleming passen würde. Auch sind mir beim Erstellen der Liste einige kleinere Fehler aufgefallen – so wird z.B. auf Seite 30 der Song „Last Night I Dreamt That Somebody Loved Me“ im Zusammenhang mit Aretha Franklin erwähnt. Nun bin ich kein Experte für Aretha, aber nirgendwo im Netz hätte ich etwas gefunden, das darauf hindeutet, dass diese Nummer von ihr – und nicht von den Smiths – ist. Ob das ein Fehler von Hornby, des Lektorat oder des Übersetzers ist, kann ich nicht beurteilen.

Egal, viel zu lange Vorrede, nun kommen wir zum Wichtigsten.

Die 85 Songs aus „High Fidelity“

  1. Neil Young – Only Love Can Break Your Heart (30)
  2. Aretha Franklin The Smiths – Last Night I Dreamt That Somebody Loved Me (30)
  3. Crazy Horse/Rod Stewart/Everything But The Girl – I Don’t Want To Talk About It (30)
  4. The Everly Brothers/Nazareth/Roy Orbison/Emmylou Harris & Gram Parsons – Love Hurts (31)
  5. Prefab Sprout/The Zombies – When Love Breaks Down (31)
  6. Bee Gees/Al Green/Johnny Mathis/Cher/Florence Henderson – How Can You Mend A Broken Heart (31)
  7. John Prine & Nanci Griffith – The Speed Of The Sound Of Loneliness (31)
  8. Daryll Hall & John Oates/Lou Rawls/Dee Dee Bridgewater/The Captain and Tennille & Dionne Warwick – She’s Gone (31)
  9. Tommy Hunt/Dusty Springfield/Dionne Warwick – I Just Don’t Know What To Do With Myself (31)
  10. Dana – All Kinds Of Everything (48)
  11. Katrina & The Waves – Walking On Sunshine (50)
  12. Mitch Ryder & The Detroit Wheels – Little Latin Lupe Lu (51)
  13. The Righteous Brothers – Little Latin Lupe Lu (51)
  14. The Beatles – Help (52)
  15. The Beatles – Yellow Submarine (52)
  16. Stevie Wonder – I Just Called To Say I Love You (59)
  17. Stevie Wonder – Don’t Drive Drunk (59)
  18. Marvin Gaye – Sexual Healing (61)
  19. Peter Frampton – Baby, I Love Your Way (67)
  20. Peter Frampton – Show Me The Way (67)
  21. Nazareth/Gram Parsons – Love Hurts (69)
  22. The Sex Pistols – God Save The Queen „auf A&M“ (83)
  23. Otis Redding – You Left The Water Running (83)
  24. Smokey Robinson & The Miracles – It’s A Good Feeling (91)
  25. Bobby Bland – No Blow No Show (91)
  26. Jean Knight – Mr. Big Stuff (91)
  27. The Jackson Five – The Love You Save (91)
  28. Donny Hathaway – The Ghetto (91)
  29. Solomon Burke – Got To Gett You Off my Mind (92)
  30. Madonna – Holiday (93)
  31. The Paragons – Happy Go Lucky Girl (100)
  32. Elvis Costello – Alison (101)
  33. Elvis Costello – Little Triggers (101)
  34. Elvis Costello – Man Out Of Time (101)
  35. Elvis Costello – King Horse (101)
  36. Elvis Costello – Everyday I Write The Book Bootleg (102)
  37. Charlie Rich – Behind Closed Doors (132)
  38. The Clash – Janie Jones (150)
  39. Bruce Springsteen – Thunder Road (150)
  40. Nirvana – Smells Like Teen Spirit (150)
  41. Marvin Gaye – Let’s Get It On (150)
  42. Gram Parsons – Return Of The Grievous Angel (150)
  43. Bruce Springsteen – Bobby Jean (160)
  44. Richard Thompson – I Want To See The Bright Lights Tonight (161)
  45. Al Green – Sha La La (Make Me Happy) (169)
  46. Steely Dan – Barrytown (202)
  47. Jeff Beck – Hi Ho Silver Lining (207)
  48. Donald Fagen – The Nightfly (208)
  49. Edwin Astley – The Baron Theme (220)
  50. Elton John – Song For Guy (229)
  51. The Shangri-Las – Leader Of The Pack (229)
  52. Jan & Dean – Dead Man’s Curve (229)
  53. Twinkle – Terry (229)
  54. Ray Peterson/Ricky Valance/Albert West – Tell Laura I Love Her (229)
  55. Madness – One Step Beyond (230)
  56. The Rolling Stones – You Can’t Always Get What You Want (230)
  57. Bob Marley – One Love (231)
  58. Jimmy Cliff – Many Rivers To Cross (231)
  59. Aretha Franklin – Angel (231)
  60. Gladys Knight – You’re The Best Thing That’s Ever Happened To Me (231)
  61. Art Garfunkel – Bright Eyes (258)
  62. [VERMUTUNG] Simply Red – Your Eyes (258) ???
  63. [VERMUTUNG] Peter Gabriel – In Your Eyes (258)
  64. Dusty Springfield – The Look Of Love (268)
  65. Emmylou Harris – Boulder To Bermingham (282)
  66. Paul McCartney – Let It Be (Liveaid) (284)
  67. Flying Burrito Brothers – Sin City (302)
  68. Aretha Franklin – Respect (303)
  69. America – A Horse With No Name (303)
  70. The Playmates – Beep Beep (303)
  71. Boney M – Ma Baker (303)
  72. Charlie Drake – My Boomerang Won’t Come Back (303)
  73. Elvis Presley – Baby, Let’s Play House (304)
  74. Aretha Franklin – Think (304)
  75. Kingsmen – Louie, Louie (304)
  76. Prince – Little Red Corvette (304)
  77. Bob Marley – Stir It Up (304)
  78. Aretha Franklin – Angel (304)
  79. James Brown – Papa’s Got A Brand New Bag (304)
  80. Sly & The Family Stone – A Family Affair (305)
  81. Marvin Gaye – Let’s Get It On (306)
  82. Aretha Franklin – This Is The House That Jack Built (306)
  83. Chuck Berry – Back In The USA (306)
  84. The Clash – (White Man) In Hammersmith Palais (306)
  85. Al Green – I’m So Tired Of Being Alone (306)

Hinzu kommt eine noch wesentlich umfangreichere Zahl von Namensnennungen einzelner Künstler, denen kein spezifischer Song zugeordnet ist. Das reicht von bekannten Namen wie Madness, Bob Dylan, den Beatles und Cat Stevens bis hin zum Soundtrack des Tarantino-Klassikers „Reservoir Dogs“.