BuchWelt: Beren und Lúthien

J.R.R. Tolkien


J.R.R. Tolkien war schon zu Lebzeiten mit „Der kleine Hobbit“ (1937) und „Der Herr der Ringe“ (1954/55) großer Erfolg beschieden. Durch die Verfilmungen von Peter Jackson zu Beginn des 21. Jahrhunderts gab es noch einmal einen Popularitätsschub für den 1973 verstorbenen Autor. Dass die genannten Bücher keineswegs exemplarisch für Tolkiens Schaffen und nicht sein Hauptwerk sind, interessiert dabei kaum. Entsprechend zwiegespalten sind dann auch die Reaktionen zum „Silmarillion“ (postum 1977), zum „Buch der verschollenen Geschichten“ (postum 1983-1996) und eben auch zu „Beren und Lúthien“ (postum 2017), auch wenn die darin erzählten Geschichten wesentlich wichtiger für Tolkien selbst waren.

Gesamteindruck: 4/7


Erreicht das selbst gesteckte Ziel nicht.

Nach dem Tod von John Ronald Reuel Tolkien (1973) sah sich dessen Sohn Christopher einer wahrhaft epischen Aufgabe gegenüber. Sein Vater hatte eine gigantische Menge an Geschichten und Fragmenten in verschiedenen Stadien der Fertigstellung hinterlassen. Daraus hätte, so der Plan des Autors, irgendwann sein Opus Magnum, „Das Silmarillion“, entstehen sollen. Dazu kam es aufgrund seines Todes nicht mehr. Seinem Sohn fiel die Arbeit zu, das Rohmaterial, das teilweise bis zu 50 Jahre alt war, in eine zur Veröffentlichung geeignete Form zu bringen. Christopher Tolkien, selbst Professor für englische Sprache in Oxford, ging bei dieser Aufgabe unglaublich akribisch und in geradezu fanatischer Detailarbeit vor. Bestes Beispiel dafür war bis dato „Das Buch der verschollenen Geschichten“ in zwölf Bänden (ab 1983, auf Deutsch erschienen sind nur Band I und II). 2017 legt der mittlerweile selbst schon hochbetagte Sohn des legendären Schriftstellers als Herausgeber sein – wie er selbst im Vorwort andeutet – voraussichtlich letztes Werk aus dem Nachlass seines Vaters vor. Und hier zeigt sich noch einmal die ganze Gelehrtheit des Sohnes, der aus einer eigentlich recht kurzen Geschichte alles herausholt, was es dazu zu sagen geben dürfte.

Inhalt in Kurzfassung
„Die Geschichte von Beren und Lúthien“ ist eine zentrale Erzählung Tolkiens. Darin geht es – natürlich – um das größte aller Themen: Die Liebe. Neben der namensgebenden Geschichte, die nicht sehr umfangreich ist und nur einen geringen Teil dieses Buches ausmacht, versucht sich Herausgeber Christopher Tolkien an einer Darstellung der Genese eben dieser Erzählung. Und, was vielleicht noch wichtiger ist, er versucht sie erstmals ohne zu sehr auf ihren komplexen Kontext einzugehen, wiederzugeben.

Für eine umfassende Bewertung eines solchen Werkes muss man etwas weiter ausholen. Der Autor und Sprachwissenschaftler J.R.R. Tolkien hat, was die Wahrnehmung seines Werkes in der Öffentlichkeit betrifft, zwei Gesichter. Einerseits gibt es die zwei allseits bekannten Bestseller „Der kleine Hobbit“ und „Der Herr der Ringe“. Gut lesbar, toll geschrieben und zu Recht bei Millionen von Lesern außergewöhnlich beliebt. Andererseits – und wesentlich weniger beachtet – gibt es das, was Tolkien selbst signifikant wichtiger war als seine bereits zu seinen Lebzeiten erfolgreicheren Bücher. Die Erzählungen „aus den frühesten Tagen“, eine Sammlung von Sagen, beginnend mit einer vollkommen eigenständigen Schöpfungsmythologie, die im „Silmarillion“ zusammengefasst sind und auf das sich die Helden in „Der Herr der Ringe“ immer wieder beziehen. Dieses Buch galt schon vor 40 Jahren als „schwierig“ und entspricht heute vermutlich noch viel weniger den Lesegewohnheiten der Masse.

Wohl aber gibt es im „Silmarillion“ (genauer gesagt: in J.R.R. Tolkiens Nachlass aus unvollendeten Geschichten und Fragmenten) einzelne Erzählungen, die man auch einem breiteren Publikum präsentieren kann, wenn es gelänge, sie aus dem größeren Zusammenhang herauszulösen und dennoch verständlich zu halten. Der Versuch, genau das zu tun, ist Christopher Tolkien mit „Die Kinder Húrins“ gut gelungen. Allerdings war dort die Ausgangslage mit einer längeren und vollständigeren Erzählung einfacher. Mit „Beren und Lúthien“, mithin eine der wichtigsten Geschichten aus der Feder des älteren Tolkien, hatte sein Sohn offenbar größere Schwierigkeiten. Worin diese Probleme lagen und wie er diese letztlich so gut es ihm möglich war gelöst hat, macht einen großen Teil dieses Buches aus.

Schwierige Bewertung.

Doch wie soll man so etwas bewerten? Ich denke, grundsätzlich macht das Buch genau das was es soll und ist so geworden, wie Christopher Tolkien es wollte. Wer „Das Buch der verschollenen Geschichten“ kennt, weiß genau, was das bedeutet: Seitenlange Ausführungen des Herausgebers, in denen er detailliert wiedergibt, wie er die einzelnen Fragmente zusammengefügt hat, was sein Vater wann geschrieben hat und wie er das im Nachlass vorgefundene Material interpretiert. Für jeden, der ein gewisses Interesse an Literaturwissenschaft hat und sich im Detail für die Entstehung von Tolkiens Universum interessiert, ist das durchaus interessant.

Hier muss nun allerdings ein großes „Aber“ folgen, denn: Ganz gelingt es Christopher Tolkien freilich nicht, „Beren und Luthien“ für sich stehen zu lassen. Immer wieder muss er auf Versatzstücke aus „Silmarillion“, „Verschollene Geschichten“ und andere Dokumente zurückgreifen, um wichtige Elemente der Erzählung zu erklären. Ein Beispiel: In der Geschichte von „Beren und Lúthien“ spielt ein Silmaril eine wichtige Rolle. Man kann nun keinesfalls voraussetzen – und das tut Tolkien auch nicht – dass jeder Leser anno 2017 weiß, was es mit diesem Edelstein auf sich hat und wieso so viel Aufhebens darum gemacht wird. Das werden nur diejenigen wissen, die z.B. „Das Silmarillion“ gelesen haben. Und so muss sich Christopher Tolkien damit behelfen, Passagen aus anderen Texten wiederzugeben, um Zusammenhänge in der gebotenen Kürze zu erklären. Das macht er nicht in seinen eigenen Worten, sondern mit den Worten seines Vaters, die entweder schon veröffentlicht sind oder in irgendwelchen Notizblöcken stehen. Erschwerend kommt hinzu, dass dies teilweise in Prosa, über weite Strecken aber auch in Form von Stabreimen passiert.

Klingt zerfahren? Ist es auch, weil es genau dem zuwider läuft, was der Herausgeber eigentlich erreichen wollte. Die Geschichte, die er erzählen will, sollte verständlich und leicht lesbar, sprich: auch etwas für die Masse sein. Das trifft zwar für den Teil zu, der durchgehend erzählt wird (eine Version, die dem entspricht, was in den „Verschollenen Geschichten“ steht), jedoch unvollendet ist. Abgesehen von diesen ca. 30 Seiten gibt es viele Einschübe und Erklärungen seitens Christopher Tolkien. Hinzu kommt, dass Teile der Geschichte, die sich nach dem zusammenhängenden Teil zutragen, vom älteren Tolkien auch wesentlich, teilweise Jahre, später geschrieben wurden. Das bedeutet: Andere Namen, andere Orte, ein deutlich anderer Stil.

Leichte Lesbarkeit? Fehlanzeige.

Entsprechend gemischt muss das Fazit ausfallen. Selbst als einigermaßen an der literaturwissenschaftlichen Komponente interessierter Leser (siehe meine Bewertung zum „Buch der verschollenen Geschichten“) muss man konstatieren, dass die Ausführungen in „Beren und Lúthien“ teilweise langatmig ausgefallen sind – speziell, weil die Geschichte an sich eigentlich recht kurz ist. Noch dazu sind sie für Kenner der Materie zum Teil redundant, zumindest kann man sich dieses Eindrucks nicht erwehren. Positiv daran könnte sein, dass es damit gelingen mag, auch jüngere Personen, die sich für die literarische Entstehung von Tolkiens Werk interessieren, für die diesbezüglichen Versuche Christopher Tolkiens zu begeistern. Dass es sich dabei um eine große Zahl von Lesern handelt, wage ich zu bezweifeln.

„Beren und Lúthien“ als Geschichte ist hingegen – lässt man die zerfahrene Darstellung außen vor – ein Treffer. Man muss natürlich den altertümlichen Stil mögen, der Tolkiens „Erzählungen aus den ältesten Tagen“ innewohnt. Es darf auch nicht stören, dass man sich mit einer Vielzahl an Namen und Orten herumschlagen muss (dafür gibt es im Anhang eine Übersicht). Wenn das gelingt, liest man tatsächlich eine sehr schöne, dramatische Geschichte, die von Liebe handelt, die über den Tod hinausgeht. Es ist tatsächlich mehr als eine bloße Erzählung, handelt es sich dabei, wie aus verschiedenen Dokumenten hervorgeht, doch um die romantisierte Geschichte der Beziehung von J.R.R. Tolkien und seiner Frau Edith (daher sind auf deren Grabsteinen in Oxford neben ihren wirklichen Namen auch Beren und Lúthien zu lesen). Im Haben muss man übrigens auch die als „Farbtafeln“ bezeichneten Illustrationen von Alan Lee verbuchen. Die sind tatsächlich ausgesprochen sehenswert – das aber nur als Randbemerkung.

Insgesamt kann es aus meiner Sicht damit keine bessere Bewertung als 4 Punkte geben. Wer „Das Buch der Verschollenen Geschichten“ für das Non-Plus-Ultra hält, kann gerne 2 Punkte hinzufügen. Wer hingegen nur „Der Herr der Ringe“ kennt und mag und wem „Das Silmarillion“ schon zu hoch ist, der wird auch hiermit nichts anfangen können.

Von falschen Erwartungen.

Zum letzten Satz noch eine Schlussbemerkung: Im Falle von „Beren und Lúthien“ zeigt sich deutlich, wie schwierig es geworden ist, den Lesern das zu geben, was sie erwarten. Ob es mit dem Marketing des Verlages zu tun hat, weiß ich nicht – aber offenbar haben potentielle Leser den Eindruck gewonnen, es handle sich hierbei um ein Werk in dem Tolkien-Stil, der den Autor berühmt gemacht hat. Dass dem nicht so ist, dürfte vielen erst beim Blick ins Buch klar geworden sein. An einer Vielzahl von schlechten Bewertungen, die auf vollkommen falschen Erwartungen beruhen, mangelt es daher nicht. Ob Christopher Tolkien sich dieser Problematik überhaupt bewusst war, als er dieses Projekt in Angriff genommen hat, weiß ich nicht – ich gehe aber nicht davon aus, dass er von dieser Resonanz auf den Abschluss seines Lebenswerkes begeistert sein wird. Eben auch, weil es sich dabei um die Geschichte seiner Eltern und damit eine echte Herzensangelegenheit handelt. Aber das mag nur mein persönlicher Eindruck sein.

Gesamteindruck: 4/7


Autor: J.R.R. Tolkien
Originaltitel: The Tale of Beren and Lúthien.
Erstveröffentlichung: 2017 (postum)
Umfang: ca. 300 Seiten
Gelesene Sprache: Deutsch
Gelesene Version: Hardcover

BuchWelt: Kryson VI – Tag und Nacht

Bernd Rümmelein


„Tag und Nacht“ ist Band VI des 6-bändigen Fantasy-Zyklus „Kryson“, geschrieben vom deutschen Autor Bernd Rümmelein. Auf WeltenDing werden nach und nach Rezensionen zu allen Bänden veröffentlicht, abschließend gibt es eine Gesamtbewertung des Zyklus. Wer eine Kaufempfehlung möchte, sollte also bis dahin warten.

Gesamteindruck (Band VI): 3/7


Viele offene Fragen.

Nach dem doch einigermaßen enttäuschenden Band V von Bernd Rümmeleins Saga um „Kryson“ hatte ich gehofft, dass vieles, was daran zu kritisieren war, nur als Vorbereitung für das große Finale zu werten war. Und tatsächlich ist es so, dass die Suche nach dem Buch der Macht in Band VI, „Tag und Nacht“, weitergeht. Zum Glück, denn so abgespeist zu werden, wie es der Autor im Vorgängerbuch getan hat, haben die treuen Leser nicht verdient. Leider kommt es auch im finalen Band anders, als man sich erhofft hat…

Zunächst aber zum Positiven: Bernd Rümmelein hat mit „Tag und Nacht“ tatsächlich ein nahezu durchgehend spannendes Buch geschrieben. Vor allem im letzten Drittel schafft man es kaum, den Band aus der Hand zu legen, so sehr reißen die Ereignisse mit. Ein Page-Turner, flott geschrieben und genauso schnell und angenehm zu lesen. Paradoxerweise schafft der Autor es aber dennoch nicht, die „Kryson“-Reihe zu dem guten Abschluss zu bringen, den sie (und der Leser) verdient hat. An der Spannung liegt es nicht, vielmehr verschärft sich die bereits in „Das Buch der Macht“ sichtbare Tendenz, hektisch zu werden und Handlungsstränge „abzuwürgen“. Wenn – um das wohl traurigste Beispiel dafür herauszupicken – praktisch in einem Nebensatz drei der sieben Streiter um das Buch der Macht getötet werden, hat das meines Erachtens was von Selbstdemontage. Wozu werden Charaktere lange aufgebaut und ausgearbeitet (mal mehr, mal weniger gut), wenn sie dann einen sinnlosen, schnellen Tod sterben müssen? Und das gilt nicht nur für die genannten Streiter. Ja, Bernd Rümmelein lässt die Personen in diesem Buch, mehr noch als im Vorgänger, wie die Fliegen sterben. Sinn macht das keinen, es wirkt, und das ist der größte Kritikpunkt, den ich überhaupt anbringen kann, als ob der Autor einfach keine Idee gehabt hätte, wie er die Vielzahl an eröffneten Handlungssträngen zu einem vernünftigen Abschluss bringen kann. Offenbar hat er sich für den leichtesten Weg entschieden – Klappe zu, Affe tot sozusagen. Das wirkt nicht nur überhastet, sondern schlicht unwürdig für einen solchen Zyklus.

Über das Schicksal anderer wichtiger Bestandteile der Serie gibt es hingegen überhaupt keine Aufklärung – exemplarisch seien die magischen Sajkalrae-Brüder genannt, bei denen bis zum Schluss unklar bleibt, was mit ihnen passiert ist. Hinzu kommen neue Handlungsstränge, die in Richtung Fortsetzung deuten, so z. B. zwei wiedergeborene Hauptfiguren, die vorher ebenfalls sang- und klanglos ins Land der Tränen gegangen sind. Deren Rückkehr nach Kryson wird am Ende zwar angedeutet, zu mehr reicht es aber nicht. Und das, nachdem besagte Wiedergeburt über mehrere Seiten des Buches vorbereitet wurde.

Ob und wie das alles einzuordnen ist? Ich weiß es nicht – kommt drauf an, ob es eine Fortsetzung gibt. Davon hätte ich bis dato nichts gehört, mir persönlich wäre unabhängig davon ein schlüssiges, in sich abgeschlossenes Finale lieber gewesen. So hängt man in der Luft, was immer ein ungutes Gefühl ist und für „Tag und Nacht“ magere 3 Punkte bedeutet.

Eine Gesamtwertung der Serie folgt nach Einzelbesprechungen zu allen Bänden.

Gesamteindruck (Band VI): 3/7


Autor: Bernd Rümmelein
Originaltitel: Tag und Nacht.
Erstveröffentlichung: 2013
Umfang: ca. 630 Seiten
Gelesene Sprache: Deutsch
Gelesene Version: Taschenbuch


 

BuchWelt: Kryson V – Das Buch der Macht

Bernd Rümmelein


„Das Buch der Macht“ ist Band V des 6-bändigen Fantasy-Zyklus „Kryson“, geschrieben vom deutschen Autor Bernd Rümmelein. Auf WeltenDing werden nach und nach Rezensionen zu allen Bänden veröffentlicht, abschließend gibt es eine Gesamtbewertung des Zyklus. Wer eine Kaufempfehlung möchte, sollte also bis dahin warten.

Gesamteindruck (Band V): 3/7


Dem „Kryson“-Zyklus geht die Luft aus.

„Das Buch der Macht“ ist der Band der „Kryson“-Reihe, der mich bisher am wenigsten überzeugen konnte. Zwar schafft Bernd Rümmelein auch diesmal eine Vielzahl an guten, spannenden Abschnitten. Dennoch beschleicht den Leser in vorliegendem Band mehr als einmal das Gefühl, dass der Autor Seiten füllen wollte oder unter Zeitdruck geschrieben hätte. Entsprechend krampfhaft und holprig lesen sich manche Passagen. Mit der Verwandlung eines wichtigen Protagonisten in einen Fisch (!) und den Abenteuern, die er in dieser Gestalt erlebt, gibt es sogar ein durchgehend mehr als zweifelhaftes Thema, das für den Fortlauf der Geschichte, soviel darf ich vorwegnehmen, keinerlei Relevanz hat. Ärgerlich, weil mir völlig schleierhaft ist, welchen Sinn der Autor mit einem solchen Handlungsstrang verfolgt. Das fällt umso mehr auf, weil „Das Buch der Macht“ mit etwas über 600 Seiten ohnehin dünner als seine Vorgänger und sein Nachfolger ausgefallen ist. So wirkt sich das Füllmaterial noch negativer aus. Unabhängig von diesem Lapsus gibt es am fünften „Kryson“-Band die üblichen Mängel: Tippfehler, inhaltliche Ungereimtheiten, ganz generell: ein äußerst bescheidenes Lektorat. Am schlimmsten dabei: Über mehrere Seiten hinweg wird das Volk der Nno-bei-Maya als „Nno-bei-Maja“ bezeichnet. Dass ein solcher Fehler niemandem (auch nicht dem Autor selbst) auffällt, ist schon bezeichnend für die stiefmütterliche Behandlung, die der Ueberreuter-Verlag seinem „Otherworld“-Label offenbar angedeihen hat lassen.

Leider gibt es aber auch ein anderes Problem, das auch durch ein besseres Lektorat nicht hätte beseitigt werden können: Der „Kryson“-Zyklus ist insgesamt ohnehin kein Wunder an Komplexität, auch wenn es viele überraschende Wendungen gibt und Dinge immer wieder nicht so sind, wie sie auf den ersten Blick scheinen. Dennoch: „Das Buch der Macht“ vermittelt erstmals in der Reihe das Gefühl, man liest ein echtes Leichtgewicht. Der Grund dafür ist schnell erzählt: Immer wieder wurde die schicksalshafte Suche nach dem Buch der Macht thematisiert. Auch die zugehörige Prophezeiung um die sieben Streiter erweckte den Eindruck, dass der Leser sich auf ein spannendes und komplexes Abenteuer freuen darf. Letztlich ist die Suche aber ein Ausbund an Banalität, die Eroberung des Buches wird in einem einzigen Kapitel abgehandelt. Auch die Interaktion zwischen den Streitern ist nicht so, wie man es sich erhofft hätte. Kurz gesagt: Die eigentlich völlig unterschiedlichen Charaktere stehen trotz gemeinsamer Sache nahezu isoliert voneinander da. Schade, denn eigentlich hätte dem Buch das Abrücken von der Konzentration auf den Charakter Madhrab sehr gut getan.

All das bedeutet aber nicht, dass „Das Buch der Macht“ durchgehend schlecht ist. Es gibt durchaus spektakuläre Momente, epische Kämpfe und kraftvoll geschriebene Passagen. All das nützt aber im Gesamteindruck recht wenig, wenn ausgerechnet das Thema, dass den Leser seit vielen Bänden begleitet, viel zu kurz kommt. Mehr als drei Punkte sind damit leider nicht drin.

Eine Gesamtwertung der Serie folgt nach Einzelbesprechungen zu allen Bänden.

Gesamteindruck (Band V): 3/7


Autor: Bernd Rümmelein
Originaltitel: Das Buch der Macht.
Erstveröffentlichung: 2011
Umfang: ca. 610 Seiten
Gelesene Sprache: Deutsch
Gelesene Version: Taschenbuch


 

BuchWelt: Kryson IV – Das verlorene Volk

Bernd Rümmelein


„Das verlorene Volk“ ist Band IV des 6-bändigen Fantasy-Zyklus „Kryson“, geschrieben vom deutschen Autor Bernd Rümmelein. Auf WeltenDing werden nach und nach Rezensionen zu allen Bänden veröffentlicht, abschließend gibt es eine Gesamtbewertung des Zyklus. Wer eine Kaufempfehlung möchte, sollte also bis dahin warten.

Gesamteindruck (Band IV): 4/7


Hält das bisherige Niveau der „Kryson“-Reihe

Einmal mehr weckt der Titel eines „Kryson“-Buches Erwartungen. „Das verlorene Volk“ (gemeint sind die sagenumwobenen Nno-bei-Maya) kommt jedoch – wie es schon bei der „Schlacht am Rayhin“ in Band I war – nur sehr knapp zu Ehren. Immerhin kann man sich dann auch gleich vorstellen, wie es wohl in Band V („Das Buch der Macht“) sein wird. Das aber nur am Rande, der Inhalt ist ja wichtiger als der Titel. Und in diesem Bereich gelingt es Bernd Rümmelein einmal mehr, das gute Gesamt-Niveau über weite Strecken zu halten. Heißt: Auch „Das verlorene Volk“ kommt nicht ohne Längen aus, ist jedoch weit davon entfernt, ein schlechtes Buch zu sein. Zwar kein Meisterwerk (wie es auch seine Vorgänger nicht waren), aber dennoch spannend und und mit guten Ideen ausgestattet.

Interessant eigentlich, wie sehr sich die „Kryson“-Bände von der Qualität her gleichen. Trotz unterschiedlicher Handlung sind es jedes Mal die gleichen Punkte, die entweder kritisiert oder gelobt werden können. So hat auch „Das verlorene Volk“ mit zwei großen Schwächen zu kämpfen, die teilweise zusammen hängen: Lektorat und Sprache. Es ist einfach schade, dass es einerseits eine über das übliche Maß hinausgehende Zahl von Tipp- und Satzzeichenfehlern sowie Wortwiederholungen gibt, andererseits die sprachliche Gestaltung und Teile des Satzbaus eine Überarbeitung benötigt hätten. Solche Dinge wären ja eigentlich recht einfach zu beheben – mag sein, dass dem mittlerweile aufgelösten Verlag einfach das Geld fehlte, ändert aber nichts daran, dass so kein guter Eindruck beim Leser entsteht. Es gibt außerdem im gesamten Zyklus inhaltliche Ungenauigkeiten, die zum Teil bei den Beschreibungen von Figuren und Landschaften auffallen. All das ist auch in „Das verlorene Volk“ vorhanden und stört den Gesamteindruck.

Inhaltlich vermag der Autor seiner Reihe weitere neue Aspekte hinzuzufügen. Zur Erinnerung: Am Ende von Band III („Zeit der Dämmerung“) gab es ja einen Zeitsprung, der die Handlung viele Jahre in die Zukunft katapultierte. Das ermöglicht Rümmelein, schöne und friedvolle (aber für einen düsteren Fantasy-Roman auch langweilige) Zeiten zu überspringen und gleich wieder dort anzusetzen, wo es dramatisch wird. Letztlich trotz einiger Vorbehalte ein gelungenes Experiment, das man so in einer so dicht gepackten Reihe auch nicht oft zu lesen bekommen wird. Die größte Frage bei einem derartigen Kniff richtet sich nach der Charakterentwicklung – ist es überhaupt möglich, die Figuren Jahrzehnte in die Zukunft zu transportieren, in denen der Leser nichts von ihnen mitbekommt und trotzdem das Gefühl zu erzeugen, dass sie sich seit dem Band davor konstant weiterentwickelt haben? Ganz sauber und zufriedenstellend ist diese Kurve wohl kaum zu kriegen. Bernd Rümmelein schafft es jedoch einigermaßen, auch wenn einige Fragezeichen stehen bleiben (vor allem der Figur des Renlasol tut das Überspringen der Jahrzehnte nicht gut, aber auch den Personen, die am Ende von Band III noch Kinder waren; speziell bei Tomal fragt man sich zwangsläufig nach der Entwicklung seiner Persönlichkeit). Es braucht jedenfalls ein bisschen Zeit und ein paar Seiten, bis man sich damit abgefunden hat, dass alle Figuren wesentlich älter geworden sind und man als eigentlich allwissender Leser nicht bis kaum weiß, was ihnen in der Zwischenzeit widerfahren ist.

Abgesehen von diesen Unwägbarkeiten, die den Einen mehr, den Anderen weniger stören werden, gibt es an „Das verlorene Volk“ nicht viel auszusetzen. Bernd Rümmelein schildert die einmal mehr sehr düsteren und dramatischen Ereignisse, die Kryson heimsuchen, in schnell zu lesender, meist sehr spannender Art. Ein kleiner Nachteil, den dieses Buch seinen Vorgängern gegenüber hat, ist das Fehlen eines Höhepunktes. Zumindest für mein Gefühl – das Finale ist (ganz im Gegensatz zum Einstieg) weder aufschlussreich genug, noch lässt es einem den Atem stocken. Damit gibt es vier Punkte für „Das verlorene Volk“.

Eine Gesamtwertung der Serie folgt nach Einzelbesprechungen zu allen Bänden.

Gesamteindruck (Band IV): 4/7


Autor: Bernd Rümmelein
Originaltitel: Das verlorene Volk.
Erstveröffentlichung: 2010
Umfang: ca. 600 Seiten
Gelesene Sprache: Deutsch
Gelesene Version: Taschenbuch


 

BuchWelt: Kryson III – Zeit der Dämmerung

Bernd Rümmelein


„Zeit der Dämmerung“ ist Band III des 6-bändigen Fantasy-Zyklus „Kryson“, geschrieben vom deutschen Autor Bernd Rümmelein. Auf WeltenDing werden nach und nach Rezensionen zu allen Bänden veröffentlicht, abschließend gibt es eine Gesamtbewertung des Zyklus. Wer eine Kaufempfehlung möchte, sollte also bis dahin warten.

Gesamteindruck (Band III): 5/7


Der „Kryson“-Zyklus bleibt spannend.

Spätestens zur Hälfte des dritten Bandes von Bernd Rümmeleins „Kryson“-Zyklus wird klar, dass es nicht bei 3 Bänden bleiben kann. Die Handlungsstränge sind mittlerweile zu vielschichtig geworden und vieles ist nicht so, wie es am Anfang noch schien. Auch die Anzahl der für die Handlung wichtigen Charaktere hat sich bereits seit Band 2 erhöht – bleibt also zu hoffen, dass der Autor alle Figuren und losen Fäden zu einem guten Ende zusammenführen kann. Das ist zur „Zeit der Dämmerung“ allerdings noch Zukunftsmusik.

Handlungstechnisch gibt es in Band III der „Kryson“-Saga – vielleicht auch aufgrund der geringfügigen Erhöhung der Seitenzahl – einige kleinere Längen. Diese zu überwinden sollten jedoch für den interessierten Leser, der die Helden bis hierher begleitet hat, kein Problem darstellen. Im Großen und Ganzen kann auch dieses Buch stets begeistern – mit Action, unerwarteten Wendungen und einer Prise Humor. Grundsätzlich herrscht trotz einiger amüsanter Wortwechsel aber wieder die eher düstere Stimmung vor, die bereits die Vorgänger-Bände auszeichnete. Tatsächlich verschärft Rümmelein das Leiden, das einige seiner Figuren und dem Leser mittlerweile ans Herz gewachsenen Charaktere erdulden müssen, sogar noch einmal deutlich. Wer zart besaitet ist, wird aber ohnehin nicht so weit gekommen sein, alle anderen sollten mittlerweile wissen, welche Härte ihnen vom Autor zugemutet wird.

Interessant und vermutlich nicht nach jedermanns Geschmack ist der Kniff, den der Autor zum Ende hin anwendet: Eine Art Zeitsprung und ein abrupter Bruch innerhalb der sonst in sich sehr konsistenten Geschichte, der das eigentliche Finale des Bandes wie einen Fremdkörper wirken lässt. Ob diese Bruchstelle, die schließlich dazu führt, alles, was in den bisherigen drei Bänden passiert ist, wie Vorgeplänkel wirkt, gut für die Gesamthandlung ist, bleibt abzuwarten. Ein gelungener Cliffhanger ist es jedenfalls, wobei man sich fragen könnte, ob es vielleicht besser gewesen wäre, diesen Übergang an den Anfang von Band IV („Das verlorene Volk“) zu stellen. Wie auch immer: Man darf gespannt sein, wie es in Zukunft auf Kryson weitergeht. Für „Zeit der Dämmerung“ gibt es gute fünf Punkte.

Eine Gesamtwertung der Serie folgt nach Einzelbesprechungen zu allen Bänden.

Gesamteindruck (Band III): 5/7kryson3


Autor: Bernd Rümmelein
Originaltitel: Zeit der Dämmerung.
Erstveröffentlichung: 2009
Umfang: ca. 800 Seiten
Gelesene Sprache: Deutsch
Gelesene Version: Taschenbuch


 

BuchWelt: Kryson II – Diener des Dunklen Hirten

Bernd Rümmelein


„Diener des dunklen Hirten“ ist Band II des 6-bändigen Fantasy-Zyklus „Kryson“, geschrieben vom deutschen Autor Bernd Rümmelein. Auf WeltenDing werden nach und nach Rezensionen zu allen Bänden veröffentlicht, abschließend gibt es eine Gesamtbewertung des Zyklus. Wer eine Kaufempfehlung möchte, sollte also bis dahin warten.

Gesamteindruck (Band II): 5/7


Großartig – aber leider nicht von Anfang an.

Bereits bei Band I („Die Schlacht am Rayhin“) von Bernd Rümmeleins Geschichte um „Kryson“, die Welt der Gegensätze, gab es einige langwierige Passagen zu überstehen. Im Folgeband „Diener des Dunklen Hirten“ ist das nicht viel anders: Die ersten 200 Seiten sind langatmig und zäh. Nicht unbedingt langweilig, aber einfach nicht flüssig geschrieben, was umso mehr auffällt, wenn man gleich nach dem grandiosen Finale von Band I weiter liest. Diese ersten Seiten zu überstehen wird nicht jedem Leser gelingen. Wer es dennoch schafft, bekommt danach jedoch ein Werk zu lesen, dass seinem Vorgänger in praktisch allen Belangen überlegen ist. Denn in der Folge gelingt es dem Autor tatsächlich, die Spannung auf durchgängig sehr hohem Niveau zu halten. Das Buch aus der Hand zu legen wird im Laufe der Lektüre zunehmend zu einer Herausforderung für den Leser.

Rümmelein schafft es sogar, einige der bisherigen Kritikpunkte zu eliminieren. Die Figuren gewinnen in „Diener des dunklen Hirten“ dramatisch an Tiefe, es werden zusätzliche Völker und Personen eingeführt und die gesamte Welt wirkt deutlich belebter und glaubwürdiger. Auch die größere Hintergrundgeschichte, die in „Die Schlacht am Rayhin“ lediglich angedeutet und in Nuancen vorhanden war, nimmt an Fahrt auf und ist von einigen Wendungen durchzogen, die immer durchdacht und auf ein Ziel ausgerichtet wirken. Interessant auch, dass der Autor seine Figuren noch weniger schont als im nicht gerade zimperlichen Serien-Auftakt. Keiner der Helden und Bösewichte wird mit Samthandschuhen angefasst, eine extrem harte Gangart, die aber durchaus gefällt.

Was leider wieder zu kritisieren ist: Wiederholungen, Wiederholungen und… Wiederholungen. Es wurde in „Die Schlacht am Rayhin“ beispielsweise erklärt, was es mit dem Bluttrinker Quadalkar auf sich hat. Mehrfach. Darüber hat man sich geärgert und gehofft, dass das Thema damit erledigt sei. Dem ist leider nicht so, diese Geschichte kehrt in Varianten wieder. Und auch sonst gibt es immer wieder Dinge zu lesen, die man schon weiß. Sehr schade.

Das und das schwache erste Drittel wiegen so schwer, dass zwei Punkte abgezogen werden müssen. Sehr schade, vor allem auch, weil der Rest von „Diener des dunklen Hirten“ den Auftakt der „Kryson“-Reihe locker in die Tasche steckt.

Eine Gesamtwertung der Serie folgt nach Einzelbesprechungen zu allen Bänden.

Gesamteindruck (Band II): 5/7kryson2


Autor: Bernd Rümmelein
Originaltitel: Diener des Dunklen Hirten.
Erstveröffentlichung: 2009
Umfang: ca. 770 Seiten
Gelesene Sprache: Deutsch
Gelesene Version: Taschenbuch


 

BuchWelt: Kryson I – Die Schlacht am Rayhin

Bernd Rümmelein


„Die Schlacht am Rayhin“ ist Band 1 des 6-bändigen Fantasy-Zyklus „Kryson“, geschrieben vom deutschen Autor Bernd Rümmelein. Auf WeltenDing werden nach und nach Rezensionen zu allen Bänden veröffentlicht, abschließend gibt es eine Gesamtbewertung des Zyklus. Wer eine Kaufempfehlung möchte, sollte also bis dahin warten.

Gesamteindruck (Band 1): 4/7


Stellenweise langwieriger Auftakt.

Der Titel „Die Schlacht am Rayhin“ führt zunächst eine wenig in die Irre. Der Leser muss sich nämlich bis zum letzten Drittel des Werkes gedulden, bis das namensgebende Gefecht so richtig beginnt (abgesehen von kleineren Scharmützeln). Das restliche Buch befasst sich mit der Einführung der Charaktere und dem langsamen Aufbau der Handlung, die spürbar auf Fortsetzung ausgelegt ist. Dass ein solcher Versuch eines behutsamen Aufbaus auch nach hinten losgehen kann, hat man allerdings schon in anderen Zyklen gesehen – Bernd Rümmelein gelingt jedoch das Kunststück, die Spannung seines einführenden Werkes in genau dem Maß zu steigern, dass der Schluss tatsächlich einen Höhepunkt markiert. Die letzten Seiten machen es fast unmöglich, das Buch aus der Hand zu legen. So gesehen eine gelungene Sache also, vergisst man dadurch doch beinahe, wie sehr der Autor den Lesern in den Seiten davor mit Informationen überschüttet.

Und so schleichen sich trotz allgemein recht kurzweiliger Erzählweise ein paar Probleme ein, die vermutlich der zu diesem Zeitpunkt noch recht geringen Erfahrung des Autors geschuldet sein dürften. Oder der 2005 gegründete und mittlerweile im Uebberreuter-Verlag aufgegangene, österreichische Publisher „Otherworld“ hatte keinen vernünftigen Lektor zur Hand. Denn abgesehen vom einen oder anderen Tipp- und Grammatikfehler, den man noch verschmerzen kann, gibt es ein echtes Ärgernis: Wiederholungen einzelner Sachverhalte. Das passiert mal in fast exakt gleichen Worten wie einige Seiten davor, an anderen Stellen wiederum durch Umschreibungen, die letztlich aber auch nicht verbergen können, dass man das Gelesene bereits kennt. Gern auch mehrfach. Das hätte sich – ebenso wie diverse Wortwiederholungen in ein und demselben Satz und diverse holprige Formulierungen – von einem erfahrenen Lektor leicht ausbügeln lassen. Keine Ahnung, was da schiefgelaufen ist, das Lesevergnügen wird dadurch jedenfalls spürbar geschmälert. Abgesehen davon könnte man vielleicht als negativ anmerken, dass der Stil und die Art und Weise, wie die Figuren reden, ein bisschen zu modern für einen Fantasy-Roman wirkt. Hier wäre durch ein wenig Fein-Tuning wesentlich mehr Atmosphäre möglich gewesen. Zuguterletzt gibt es noch einige kleinere Unstimmigkeiten in den Verhaltensweisen sowie ein ab und an vorkommender Wechsel bei den Längenmaßen (Meter vs. Fuß), die zumindest in der von mir gelesenen Ausgabe vorkommen.

Kritisieren kann man auch, dass die Welt, die Rümmelein erschaffen hat, hier noch zu wenig durchdacht und unfertig wirkt. Es ist durchaus Vielschichtigkeit unter der Oberfläche zu erahnen, jedoch dringt diese für mein Dafürhalten nie ganz bis zum Leser durch. Wobei ich gestehen muss, dass mir das Konzept der Welt der Gegensätze insgesamt schon sehr gut gefällt. Aber stellenweise beschleicht den Leser eben doch der Eindruck, dass die Tiefe nur durch massives Infodumping vorgegaukelt wird und sich darunter nicht so viel verbirgt. Ob und wie sich das in den Folgebänden weiterentwickelt, muss man sehen. Für „Die Schlacht am Rayhin“ gibt es jedenfalls gute 4 Punkte, die das Buch dem starken Finale und der gelungenen Charakterzeichnung zu verdanken hat.

Anzumerken sei noch, dass „Kryson“ keine Serie für Zartbesaitete ist. Es wird geschändet, gefoltert und gemordet – und diese Handlungen werden auch noch ganz genau beschrieben. Als Leser kommen daher nur Erwachsene in Frage.

Eine Gesamtwertung der Serie folgt nach Einzelbesprechungen zu allen Bänden.

Gesamteindruck (Band I): 4/7kryson1


Autor: Bernd Rümmelein
Originaltitel: Die Schlacht am Rayhin.
Erstveröffentlichung: 2009
Umfang: ca. 580 Seiten
Gelesene Sprache: Deutsch
Gelesene Version: Taschenbuch


 

BuchWelt: „The Malazan Book of the Fallen“ – Vorläufige Bewertung

Steven Erikson


Knapp zwei Jahre habe ich (mit kurzen Unterbrechungen) gebraucht, um Steven Eriksons großes Epos „The Malazan Book of the Fallen“ komplett durchzulesen. Ich habe über das Gelesene nachgedacht, habe versucht, mir darüber klar zu werden, was in diesem Mammut-Werk alles passiert ist. Ich habe Reviews, Beschreibungen und Blogs gelesen. Eines ist mir daraus klar geworden: Ich möchte keine endgültige Bewertung abgeben. Nicht, bevor ich mich zumindest ein zweites Mal über diese knapp 9.000 Seiten gemacht habe. Denn: In einem Durchgang war das alles einfach nicht zu verarbeiten.

(Vorläufiger) Gesamteindruck: 5/7


Abschließende Bewertung: (Noch) unmöglich.

Die oben (bzw. unten) stehende Wertung ist daher als „vorläufig“ gekennzeichnet. Im Folgenden werde ich versuchen, die Für und Wider dieser gigantischen Serie darzulegen, ich werde das ohne Spoiler tun und ich werde versuchen, alles so nachvollziehbar wie möglich zu machen. Vorangestellt kurz mein Eindruck, für wen „The Malazan Book of the Fallen“ nichts ist:

  • Alle, die eine strikten Einteilung in Gut und Böse wollen
  • Alle, denen bereits „A Song of Ice and Fire“ zu komplex war/ist
  • Alle, die keine Sex- und ausufernden Gewalt-Szenen nebst derber Sprache lesen wollen
  • Alle, die nichts von militärischer Strategie lesen wollen
  • Alle, die sofort oder zumindest umgehend Erklärungen für das Gelesene brauchen
  • Alle, die eine Geschichte mit einem klar definiertem Anfangspunkt wollen

Ursprünglich hatte ich vor, direkt eine abschließende Bewertung dieser in allen Belangen epischen Serie abzugeben. Nach einigen Tagen des Nachdenkens bin ich aber zum Schluss gelangt, dass ich das nicht wirklich kann und will. Tatsächlich ist die Geschichte dermaßen umfangreich, komplex und ineinander verschlungen, dass ich nicht glaube, dass man sie in einem Lesedurchgang erfassen kann. Ich habe mich nach Abschluss von Band 10 („The Crippled God“) ein wenig im Internet umgesehen – viele Rezensenten und Kommentatoren sind der Ansicht, dass zumindest ein zweiter Durchgang notwendig ist. Ansonsten läuft man Gefahr, der Serie eine schwächere Bewertung zu geben, als sie eigentlich verdient hat.

Die Schwierigkeiten für den Autor (und letztlich auch den Leser) liegen bei einer so umfangreichen Serie aus meiner Sicht in der Konsistenz des Gesamtwerkes – und auch in dessen hoffentlich befriedigendem Abschluss. Basics wie eine grundsätzlich stimmige, in sich logische Welt, eine gelungene Charakterzeichnung und eindringliche Landschaftsbilder gehen in langen Buchreihen oft genug daneben, Steven Erikson hat diesbezüglich in „The Malazan Book of the Fallen“ allerdings seine Hausaufgaben gemacht. Mehr als das: All diese Punkte sind erfüllt, teilweise sogar so gut, wie in keinem vergleichbaren Werk, das ich bisher gelesen habe.

Konsistenz und Abschluss als Benchmarks.

Was die Konsistenz des Gesamtwerkes betrifft, ist Steven Erikson meines Erachtens nichts vorzuwerfen. Im Gegensatz zu George R. R. Martin, der sich bei „Das Lied von Eis und Feuer“ von der (exzellenten) TV-Serie „A Game of Thrones“ überholen hat lassen (und der mittendrin steckt, offenbar keine Lust mehr hat oder nicht weiß, wohin die Reise gehen soll) und Robert Jordan, der leider verstarb, bevor „Das Rad der Zeit“ fertig gestellt war, hat Erikson seine Reihe abgeschlossen. Das ist z. B. Terry Goodkind mit „Das Schwert der Wahrheit“ auch gelungen, jedoch bei weitem nicht auf diesem erzählerischen Niveau. Was die Bewertung der einzelnen Bände betrifft – denn auch das gehört zur Konsistenz – ist zu sagen, dass 8 von 10 Teilen auf hohem bis sehr hohem Niveau angesiedelt sind. Einzige Ausreißer sind für mein Dafürhalten die Bände 8 („Toll the Hounds“) und 10 („The Crippled God“). Während Teil 8 im Gegensatz zum Rest irgendwie hingeschludert wirkt und trotz eines massiven Wendepunktes für die Gesamtstory nahezu völlig farblos bleibt, ist Band 10 eigentlich hervorragend gelungen und geschrieben. Dort liegt das Problem eher in seinem Dasein als Abschluss der Serie. Dazu aber gleich mehr – „The Malazan Book of the Fallen“ ist in sich jedenfalls großteils konsistent und stimmig.

Der Abschluss ist hingegen eine Sache, die nicht so leicht – und, wie gesagt, nicht ohne einen weiteren Durchgang – endgültig zu bewerten ist. Steven Erikson hat in dieser Serie eine schier überwältigende Anzahl an Charakteren eingeführt. Viele davon waren sehr gut gezeichnet, viele sind dem Leser ans Herz gewachsen, viele waren einfach wahnsinnig cool. Und nur ganz wenige waren langweilig oder gar ärgerlich. Zu den vielen Figuren, von denen nicht wenige als Hauptpersonen auftreten, kommt eine große Anzahl an mal mehr, mal weniger wichtigen Handlungssträngen. Im Endeffekt glaube ich, dass alle davon mit der großen Rahmenhandlung, die die Klammer bildet, verknüpft waren.

Begleitlektüre notwendig.

Und das ist die Krux: Ich glaube, dass es so ist. Ich weiß es ehrlich gesagt nicht, weil ich es bis zum Ende entweder vergessen, es überlesen oder es im Moment des Lesens einfach nicht verstanden habe. Daher bleibt nach Abschluss von „The Crippled God“ einiges für mich im Dunkeln, was mich zunächst zur Annahme geführt hat, dass Erikson den Schluss einfach aufgrund der Vielzahl der Stränge versemmelt habe, weil er selbst nicht mehr wusste, was er machen wollte. Kommentare von Öfter-als-einmal-Lesern legen nahe, dass dem nicht so ist – und das möchte ich unbedingt selbst herausfinden.

Bis ich das mache, wird noch einige Zeit vergehen. Nun möchte ich erst mal etwas anderes lesen. Bald darauf werde ich wohl zunächst etwas machen, was ebenfalls diverse Internet-Kommentatoren empfehlen. Ich habe mir bereits Band 1 der noch nicht vollendeten „Kharkanas-Trilogie“, ebenfalls von Steven Erikson sowie „The Tales of Bauchelain und Korbal Breach“ und „Novels of the Malazan Empire“ (von Eriksons Kollegen Ian Cameron Esslemont – die beiden haben gemeinsam das Malazan-Universum geschaffen) gekauft. Diese Werke sowie die ebenfalls gerade erst begonnene Prequel-Trilogie „Path to Ascendancy“ sollen essentiell für ein tieferes Verständnis der Gesamtthematik „The Malazan Book of the Fallen“ sein. Gleichzeitig lassen sie auch durchblicken, dass die Geschichte dieses Universums längst nicht zu Ende erzählt ist und (hoffentlich) viele Pre- und Sequels folgen werden. Vielleicht war es von Anfang an so gedacht und die Probleme mit den (vermeintlich) offenen Handlungssträngen resultieren daraus? Ich weiß es nicht – aber ich will und werde es herausfinden.

Gut oder schlecht – Versuch einer Übersicht.

Schwarz/Weiß-Zuschreibungen wie „gut“ und „schlecht“ lassen sich offenbar auf „The Malazan Book of the Fallen“ genauso wenig anwenden, wie auf die darin vorkommenden Charaktere. Letztlich ist es aber so, dass einem ein Buch einfach gut gefallen muss, damit man es empfehlen kann – und das ist nach meinem jetzigen Wissensstand beim Werk von Steven Erikson so. Mit allen Einschränkungen, die ich erwähnt habe. Ob es so bleibt? Das wird die Zeit zeigen. Vorerst versuche ich, ein paar Eindrücke in Listenform wiederzugeben.

Zunächst die Punkte, die mir bereits beim diesem ersten Lesedurchgang ausgezeichnet gefallen haben:

  • Charaktere: Gut und böse? Das sind Kategorien, die es bei Steven Erikson nicht gibt. Und mit „nicht“ meine ich: Überhaupt nicht. Jede der zahlreichen Figuren, die in im Malazan-Universum vorkommen, ist so ambivalent wie wir alle. Es gibt gute und böse Absichten und ebensolche Taten, es gibt Schurken, es gibt Mörder und es gibt sogar den einen oder anderen selbstlosen Charakter. Was es nicht gibt, ist ein „richtiger“ Held, ein Ritter in strahlender Rüstung. Keinem einzigen der Personen, die in „The Malazan Book of the Fallen“ vorkommen, würde ich diese Zuschreibung verpassen. Und das ist gut so.
  • Welt: Die Welt, in der die Serie spielt, ist – soweit ich nicht irgend etwas überlesen habe – namenlos. Es gibt Kontinente, die Namen tragen, es gibt Königreiche, Städte und Dörfer. Und zwar sehr viele davon – hier zeigt sich eine ähnliche Vielfalt wie bei den Charakteren. Hinzu kommt eine unbekannte Zahl an „Gewirren“ („Warrens“ im Original). Dabei handelt es sich meinem Verständnis nach um so etwas wie Parallel-Universen/-Welten, aus denen einerseits die Zauberkundigen ihre magische Kraft beziehen, die andererseits aber auch betret- und bereisbar sind.
  • Komplexität: Meine Ausführungen zu Charakteren und Welt deuten bereits an, wie es um die Komplexität dieses Werkes bestellt ist. Das Universum von Steven Erikson ist bevölkert von verschiedensten Rassen, ausgestorben, lebendig, unsterblich, menschlich und nicht-menschlich, die zum Teil in höchst komplexer Wechselwirkung miteinander stehen. Dazu kommen alte Götter und jüngere „Aufgestiegene“ (im Original „Ascendants“), die nicht nur in ihrem Pantheon sitzen, sondern sich direkt in der Welt bewegen und dort auch sterben können und die direkt oder indirekt starken Einfluss aufeinander und auf die Lebewesen im Malazan-Universum nehmen (daher auch der deutsche Titel „Das Spiel der Götter“). Kulturelle und religiöse Eigenheiten werden ebenso beschrieben wie die Geschichte verschiedener Völker. Politik im großen Stil vermischt sich mit Motiven von Einzelpersonen zum einer unglaublich vielschichtigen Gesamtheit – darauf muss man sich erst einmal einlassen, wenn  man das schafft, ist „The Malazan Book of the Fallen“ allerdings ein wahrer Augenöffner, was den Aufbau einer realistisch anmutenden Fantasy-Welt betrifft.
  • Stil: Es ist fast unglaublich, aber Steven Erikson schafft es, diese Serie in einem ausgesprochen flüssigen, leicht lesbaren Stil zu gestalten. Ich habe sie auf Englisch gelesen und es gab aus rein sprachlicher Sicht nichts, was mich ermüdet hätte.

Als nächstes einige Punkte, die ich als ambivalent ansehen würde:

  • Einstieg: Steven Erikson schreibt es im Vorwort selbst: Der Einstiegsband, „Gardens of the Moon“, schmeißt den Leser direkt ins kalte Wasser. Das ist keine Übertreibung. Selten fühlte ich mich am Start eines Buches dermaßen allein gelassen. Wir starten mitten in einer Geschichte, die bereits lange vorher begonnen hat. Wir starten in einer fertigen Welt, es werden Namen und Rassen genannt, von denen man noch nie gehört hat – all das ohne weiterführende Erklärungen. Man muss schon viele, viele Seiten überwinden, um überhaupt eine Idee (und mehr ist es nicht) zu bekommen, wie z. B. ein „Tiste Andii“ aussieht oder was eigentlich ein „Warren“ ist. Erikson schreibt zum Einstieg in sein großes Werk u. a.: „[…] Even more problematic, the first novel Begins halfway through a seeming marathon – you either hit the ground running and stay on your feet or you’re toast.“ Er macht es also nicht wie z. B. J.R.R. Tolkien in „Der Herr der Ringe“ sondern eher wie Frank Herbert in „Dune“. Auch den Vorteil dieser Methode hält er im Vorwort gleich selbst fest: Es sei besser, wenn der Leser gleich von Anfang an weiß, ob er mit diesem Mammutwerk fortfahren will, oder ob es überhaupt nichts für ihn ist. Darum würde man die Lektüre entweder nach dem ersten Drittel von „Gardens of the Moon“ abbrechen – oder eben bis zum bitteren Ende dabei bleiben. Ich komme nicht umhin, ihm hier recht zu geben, auch wenn es eine verdammt harte Nuss war, überhaupt bis Band 2 zu kommen. Tatsächlich tauchen auch in den Folgebänden z. T. völlig unbegreifliche Handlungsstränge und offene Enden auf, auf deren Auflösung der erfahrene „Malazan“-Leser einfach immer weiter hofft – auch das kann ein Antrieb sein, die Serie zu beenden.
  • Rahmenhandlung: Das, was man als „Spiel der Götter“ bezeichnen könnte umfasst im Wesentlichen alle 10 Bände dieser Reihe, geht aber eigentlich darüber hinaus. Ich bin mir nun, nachdem ich „The Crippled God“ beendet habe, immer noch nicht sicher, ob ich die Rahmenhandlung so nacherzählen könnte, wie sie gedacht war. Ich habe aber ein Gefühl, das mich ein bisschen an die „The Elder Scrolls“-Computerspielserie erinnert. So richtig wird man daraus nicht schlau aus dem, was Erikson hier aufgetischt hat. Vielleicht ändert sich das nach noch einem Durchgang.
  • Nebenhandlungs-Stränge: Während viele Handlungsstränge einfach perfekt passen und sich auch gut in das Gesamtkonzept einfügen, sind manche eher ärgerlich und widersetzen sich hartnäckig dem Verständnis. Ob sie dadurch schlecht sind, ist mir nicht klar – es kann gut sein, dass ich irgendwo ein Detail übersehen habe, das verhindert, dass alles an seinen Platz fällt, wenn man so will.

Negativ sind mir beim ersten Lesedurchgang folgende Punkte aufgefallen:

  • Schwache Auflösung von Handlungssträngen: „The Crippled God“ führt viele Handlungsfäden zusammen. Manche, die von Anfang an offen waren, werden auch schon in früheren Bänden abgeschlossen. Das Problem daran: Manchmal passiert das nur in einem Nebensatz, den man vielleicht gar nicht versteht, weil das, worauf er sich bezieht, schon weit zurück liegt. Aber sei’s drum, das kann man mit einem zweiten Durchgang vielleicht beheben. Dieses Durchhaltevermögen werden viele Leser eventuell aber nicht haben. Problematischer sind die schwache Auflösung mancher Stränge bzw. die fast schon stiefmütterliche Behandlung mancher Figuren. Man wird aus Vielem einfach nicht schlau. (Wichtige) Charaktere sterben manchmal einfach, ohne, dass man am Schluss einen Sinn darin erkennen kann, andere kommen zwar durch, ihr Schicksal wird aber nicht näher beleuchtet. Das ist schade – denn so hat man das Gefühl, dass Einiges von dem, was vorher mühsam aufgebaut wurde, vollkommen unter Wert geschlagen wird.
  • Nicht-Auflösung von Handlungssträngen: Tatsächlich löst „The Crippled God“ und auch die Bände davor nicht alles auf, was offen geblieben ist. Aus dem Stegreif fällt mir eine ganze Liste an Figuren auf, deren Schicksal bzw. die damit verwobene Handlung völlig offen bleibt. Weil dieser Text spoilerfrei bleiben soll, werde ich die Namen jetzt nicht nennen – es reicht, zu sagen, dass es mehr als zehn Personen sind, von denen man letztlich unbedingt wissen möchte, was mit ihnen passiert ist. Dass man das nicht erfährt ist – gelinde gesagt – frustrierend.
  • Lyrik: Jedem Kapitel ist ein Gedicht vorangestellt. Diese Texte (die aus der fiktiven Feder von Malazan-Bewohnern stammen) liest man anfangs noch halbwegs interessiert. Im Prinzip sind sie aber langweilig und überflüssig. Wer gerne Gedichte liest, kann vielleicht was damit anfangen, ich fand sie eher lästig und habe sie ab der Hälfte der Reihe nicht einmal mehr überflogen.

 

(Vorläufiger) Gesamteindruck: 5/7


Autor: Steven Erikson
Umfang: 10 Bände, ca. 8.900 Seiten
Originaltitel:
 The Malazan Book of the Fallen.
Gelesene Sprache: Englisch


 

BuchWelt: „Das Schwert der Wahrheit“ – Zusammenfassende Bewertung

Terry Goodkind


Terry Goodkind gleich auf der Außenseite des Buchdeckels (!), noch dazu im obersten Drittel, als „wahren Erben J.R.R. Tolkiensanzupreisen ist meiner Ansicht nach eine höchst unglückliche Entscheidung. Sicherlich können durch eine solche Ansage Leser gewonnen werden, aber demgegenüber dürfte es auch sehr viele geben, bei denen aufgrund derart plakativer Vergleiche alle Alarmglocken schrillen. Nach der Lektüre des ersten Bandes von Goodkinds großer Saga um „Das Schwert der Wahrheit“ kann man jedenfalls konstatieren: die Genialität eines Tolkien erreicht sein angeblicher Erbe bei weitem nicht, durchgängig schlecht ist sein Zyklus deshalb aber auch nicht geworden.

Gesamteindruck: 4/7


Teils zu umständlich: 7.000 Seiten hätten genügt.

Der Umfang des ursprünglichen Zyklus um „Das Schwert der Wahrheit“ liegt bei knapp 10.000 Seiten in elf Bänden. Das ist das, was ich gelesen habe – mittlerweile sind weitere, damit zusammenhängende Geschichten und Romane erschienen, über die ich mir kein Urteil erlauben will und kann. Es sei allerdings gesagt, dass ich nach dem Abschluss der elf Bände kein überbordendes Verlangen verspürt habe, mich noch einmal in Terry Goodkinds Welt zu begeben.

Doch warum ist das so? Insgesamt schafft es Goodkind meiner Ansicht nach nicht, die gigantische Seitenzahl mit ausreichend Inhalt zu füllen. Im Gegenteil – leider beschleicht den Leser in nahezu jedem Band das Gefühl, dass der Autor nach Wortanzahl bezahlt wurde. Dieser Eindruck entsteht durch langatmige und umständliche Dialoge, die oft völlig unverständlich sind bzw. kaum etwas zur eigentlichen Handlung beitragen. Hinzu kommen Passagen, die zum einen in jedem (!) Band bereits Gesagtes und Geschehenes ausführlichst wiederholen und zum anderen uninteressante, langweilige Landschaftsbeschreibungen bieten. Diese Dinge stellen – aus der Retrospektive betrachtet – höchst merkwürdige Unterbrechungen im Lesefluss dar und wollen einfach nicht zu den schnellen und flüssig lesbaren Abschnitten passen, die „Das Schwert der Wahrheit“ bei aller Kritik auch zuhauf zu bieten hat.

Inhaltlich kann man drei Dinge Hauptfaktoren hervorheben, die das Lesevergnügen sehr deutlich schmälern:

  • Erstens hat die im Endeffekt recht brauchbare Hintergrundgeschichte den Haken, dass man ihr bisweilen kaum folgen kann. Die Schlussfolgerungen, die die Figuren ziehen, mögen ihnen klar sein, allein schafft der Autor es selten, auch beim Leser den Aha-Effekt zu erzielen, den er seinen Charakteren in den Mund legt.
  • Zweitens zeigt sich vor allem ab der Mitte des Zyklus eine verstärkte Neigung des Autors, (zumindest) fragwürdige Thesen und Moralvorstellungen anzuführen. Wobei „anzuführen“ wohl das falsche Wort ist, „predigen“ ist zutreffender. Manche Fans mag das nicht stören, bei mir hinterließen einige Aussagen allerdings einen schalen Beigeschmack, vor allem, da aus sie nicht aus dem Mund der Charaktere, sondern aus dem des Autors selbst zu kommen scheinen.
  • Der dritte Negativ-Faktor ist gleichzeitig der Bedeutendste: An vielen Stellen schafft es Goodkind nicht, seine zeitweise unüberschaubaren Handlungsstränge zu einem gelungenen Abschluss zu bringen. Es wirkt bisweilen, als ob ihm einfach die Ideen ausgegangen wären. Gelöst wird dieses Problem mit einer gewissen „Deus-Ex-Machina“-Haltung: die Charaktere zaubern dabei die unwahrscheinlichsten Lösungen aus dem Hut und unvorstellbare Geistesblitze lassen Sie vorher Unverständliches plötzlich kombinieren. Vor allem die Ausweichmöglichkeit der Prophezeiungen hat es dem Autor angetan, wirkt aber oft völlig an den Haaren herbeigezogen und scheint nur dem Zweck zu dienen, einige der zahlreichen Logiklöcher und merkwürdigen Verhaltensweisen zu tarnen. Daraus ergibt sich auch, dass die Handlung in der Rückschau für eine so große Seitenanzahl recht dünn wirkt.

Auf der Habenseite stehen einige für das Fantasy-Genre durchaus neuartige Ideen und eine – abseits aller Zerfahrenheit – reizvolle Geschichte. Wichtiger ist aber, dass Terry Goodkind durchaus in der Lage ist, Spannung zu erzeugen und Probleme auf angemessene Art zu lösen – schade, dass er das nicht dauerhaft schafft.

Alles in allem muss man konstatieren, dass diese umfangreiche Saga für mich nicht über eine Durchschnittswertung hinauskommen kann. Die genannten Mängel könnten bei Lesern, die sich nach atmosphärischer Dichte und/oder flüssigem Erzählstil á lá „Der Herr der Ringe“ (J.R.R. Tolkien) sehnen oder die aufgrund des Umfanges eine gewisse Komplexität erwarten, wie sie beispielsweise „Das Lied von Eis und Feuer“ (George R. R. Martin) oder „Das Spiel der Götter“ (Steven Erikson) bieten, dazu führen, dass nach Abschluss von Band 11 ein großes Fragezeichen stehenbleibt. Das Wort „Zeitverschwendung“ möchte ich eigentlich nicht in den Mund nehmen, aber es ist tatsächlich so, das weit über ein Drittel des gesamten Zyklus einfach nichts Lesenswertes bietet – mir ist das einfach zu wenig. Dessen sollte man sich gewahr sein, bevor man der Serie einige Monate seiner Zeit und um die 100 Euro seines Geldes opfert. Wer viel Tiefe erwartet, wird ohnehin schwer enttäuscht sein.

Einzelwertungen:

  1. Das Schwert der Wahrheit 1: Das erste Gesetz der Magie: 5/7
  2. Das Schwert der Wahrheit 2: Die Schwestern des Lichts: 4/7
  3. Das Schwert der Wahrheit 3: Die Günstlinge der Unterwelt: 6/7
  4. Das Schwert der Wahrheit 4: Der Tempel der vier Winde: 3/7
  5. Das Schwert der Wahrheit 5: Die Seele des Feuers: 2/7
  6. Das Schwert der Wahrheit 6: Schwester der Finsternis: 5/7
  7. Das Schwert der Wahrheit 7: Die Säulen der Schöpfung: 6/7
  8. Das Schwert der Wahrheit 8: Das Reich des dunklen Herrschers: 3/7
  9. Das Schwert der Wahrheit 9: Die Magie der Erinnerung: 4/7
  10. Das Schwert der Wahrheit 10: Am Ende der Welten: 4/7
  11. Das Schwert der Wahrheit 11: Konfessor: 4/7

Gesamteindruck: 4/7


Autor: Terry Goodkind
Umfang: 11 Bände, ca. 9.700 Seiten
Originaltitel:
 The Sword of Truth.
Gelesene Sprache: Deutsch


 

BuchWelt: Konfessor

Terry Goodkind


„Konfessor“ ist Buch 11 des 11-bändigen Fantasy-Zyklus „Das Schwert der Wahrheit“, geschrieben vom US-amerikanischen Autor Terry Goodkind. Auf WeltenDing werden nach und nach Rezensionen zu allen 11 Bänden veröffentlich, abschließend gibt es eine Gesamtbewertung des Zyklus. Wer eine Kaufempfehlung möchte, sollte also bis dahin warten.

Gesamteindruck: 4/7


Qualitatives Auf und Ab vor durchwachsenem Finale.

Im elften und den ursprünglichen Zyklus abschließenden Band seiner großen Saga um „Das Schwert der Wahrheit“ bricht Terry Goodkind – endlich – mit einer vielen Lesern in den vorangegangenen Teilen verhasst gewordenen Tradition: Die Einführung in die Geschehnisse wird nicht von langwierigen Wiederholungen bestimmt, sondern setzt nahtlos nach den Ereignissen von „Am Ende der Welten“ an. Es bleibt also spannend und man kann kaum erwarten, endlich die entscheidenden Enthüllungen zu erfahren. Der Autor berichtet in guter, flüssig zu lesender Sprache von spannenden Kämpfen und interessanten Begebenheiten, die den Ehrgeiz des Lesers schüren, auch die letzten gut 600 Seiten des Zyklus zu genießen.

Schade, dass sich Goodkind wiederum selbst durch sein unverhohlenes Schielen nach einer höheren Seitenanzahl ein Bein stellt. Die gut aufgebaute Spannung wird nämlich immer wieder von umständlichen Dialogen, die metaphysische Probleme zum Thema haben und sich jeglichem Verständnis entziehen, unterbrochen. Erschwerend kommt hinzu, dass diese Gespräche oft auch keinerlei Relevanz für die eigentliche Handlung haben. Das kommt einer erneuten Einladung zum Querlesen ganzer Abschnitte gleich – diese kann von allen potentiellen Lesern, die keinen Spaß an derart langatmigen Passagen haben, ohne Reue angenommen werden. Man verpasst dadurch definitiv nichts Wichtiges. Als Beispiel sei genannt, dass zunächst äußerst umständlich die Regeln des Ja’La-Spiels erklärt werden. Als ob diese theoretische Lehrstunde nicht trocken genug wäre, wird danach seitenlang auch noch ein komplettes Spiel beschrieben, was sich in etwa so spannend liest, wie ein detaillierter schriftlicher Bericht einer Fußballpartie, bei der man praktisch keinen Spieler kennt. Das mag für Einzelne interessant sein, die Masse dürfte dagegen so gut wie nichts damit anfangen können (vor allem weil sich aus der Natur der Geschichte sehr schnell ergibt, wer das Spiel im Endeffekt gewinnt). Sportberichterstattung scheint jedenfalls – genau wie Landschaftsbeschreibungen – nicht gerade zu Goodkinds Stärken zu gehören.

Wenn man diese Passagen, die insgesamt gut 200 der weit über 600 Seiten einnehmen, übersteht, hat man jedoch ein durchaus spannendes und kurzweiliges Buch vor sich, das zunächst alle positiven Eigenschaften der Vorgängerbände in sich vereint und trotz der angeführten Schwächen sogar eine sehr hohe Wertung verdienen würde. Den Konjunktiv verwende ich mit gutem Grund, da sich zwei große Schwierigkeiten auftun. Erstens haben sich im Laufe des Zyklus sehr viele lose Fäden der Geschichte angesammelt, was unter anderem an den vielen Charakteren liegt, die zum Einsatz kamen. Gerade der vermehrte Einsatz von „alten“ Figuren in „Konfessor“ wirkt sehr aufgesetzt und macht die unvollendeten Handlungsstränge unangenehm deutlich. Schwerer wiegt aber, dass der Schluss selbst eher so wirkt, als ob dem Autor die Ideen aus- und die Lust vergangen wäre. Ein befriedigendes Ende einer so umfangreichen Geschichte sieht jedenfalls anders aus, vor allem, wenn man die ausufernden und langwierigen Beschreibungen bedenkt, die ansonsten Stilmittel von Terry Goodkind sind. Spätestens auf den letzten Seiten werden die Erklärungen sehr hanebüchen und das eigentliche Ende scheint einfach lustlos hingeschrieben zu sein. Schade, damit ist erneut – trotz bester Ausgangslage – nur eine durchschnittliche Wertung möglich.

Es folgen einige Bemerkungen zur Serie als Ganzes und eine Übersicht über die Bewertung der Einzelbände. Dort lege ich auch dar, wie ich zu einer eher ernüchternden Gesamtwertung komme.

Gesamteindruck: 4/7


Autor: Terry Goodkind
Originaltitel: Confessor.
Erstveröffentlichung: 2007
Umfang: 672 Seiten
Gelesene Sprache: Deutsch
Gelesene Version: Taschenbuch