BuchWelt: „Enwor“ – Zusammenfassende Bewertung

Wolfgang Hohlbein & Dieter Winkler


Wolfgang Hohlbein ist einer der bekanntesten Namen der deutschsprachigen Fantasy. Ein Vielschreiber, was man vor allem seinem Spätwerk sehr deutlich anmerkt. Der Enwor-Zyklus stammt hingegen großteils aus den 1980er Jahren, zählt also eher zum Frühwerk des Autors. Noch dazu hat Hohlbein sich Enwor nicht im Alleingang ausgedacht, sondern hatte mit Dieter Winkler einen Partner – zumindest bei der Konzeption, geschrieben hat Hohlbein die ersten 10 Bände im Alleingang. All das ändert meiner Ansicht nach nichts daran, dass Enwor (leider!) ein Sinnbild von Wolfgang Hohlbeins Schaffen ist. Es ist stellenweise unfassbar gut, andernorts immer noch besser als vieles, was die Konkurrenz zustande bringt, oft ein Ärgernis und manchmal einfach grottenschlecht weil schlampig.

Gesamteindruck: 4/7


Ein stetiges Auf und Ab.

Der Enwor-Zyklus besteht aus 11 Bänden, was auf manche Leser zunächst abschreckend wirken mag. Das muss man allerdings relativieren, insgesamt haben wir es mit „nur“ 3.300 Seiten zu tun, viele der Bücher haben einen Umfang von deutlich unter 300 Seiten. Es ist also durchaus möglich, den Zyklus relativ zügig zu beenden. Das Überspringen von einzelnen Bänden ist nicht möglich – wir haben es hier mit einem kontinuierlichen Aufbau einer komplexen Geschichte zu tun.

Qualitativ gibt es an Enwor in der Retrospektive einiges auszusetzen, sowohl am Gesamtwerk als auch an einzelnen Teilen. Die Güte von Wolfgang Hohlbeins Arbeit (er ist nunmal der Hauptautor!) schwankt manchmal sogar innerhalb der Einzelbände sehr stark. Die grundsätzliche Idee der Geschichte ist natürlich über jeden Zweifel erhaben, sie wirkt auch heute noch frisch und unverbraucht. Elemente aus Fantasy und Science Fiction, sogar ein wenig vom Lovecraft’schen Mythos der „Großen Alten“, vermengen sich zu einer tollen Vision, die theoretisch ihresgleichen suchen sollte. In der Praxis ist es jedoch leider so, dass die Welt, die Hohlbein erschafft, bei weitem nicht so logisch und in sich stimmig ist, wie es beispielsweise J.R.R. Tolkien oder Steven Erikson gelingt. Das scheint mir einzig und allein an der – was ist es eigentlich? – Schlampigkeit oder Ungeduld des Autors liegen.

Hundert verschiedene Dinge werden angedeutet, aber nur ein verschwindender Bruchteil davon wird zu Ende gedacht. Interessante Handlungsstränge wechseln sich mit undeutbaren Absätzen ab, ähnlich ist es mit den Dialogen, die zwischen Wortwitz und Dramatik auf der einen und Belanglosigkeit bzw. sogar Lächerlichkeit auf der anderen Seite wechseln. Selbst die dramatischen Wendungen, die großteils extrem spannend umgesetzt wurden, sind manchmal zuviel des Guten (vor allem in Band 10). Sogar die Landkarten sind bis auf eine („Das schwarze Schiff“, eine sehr gute Übersicht!) samt und sonders zum Vergessen. Einzig und allein der Held Skar weiß durchgehend zu gefallen – wenn man das katastrophale „Elfte Buch“ herausnimmt. In diesem Abschlussband nimmt auch etwas überhand, was den Enwor-Leser eigentlich von Anfang an begleitet: Die Sprache der Hauptfiguren orientiert sich zum Teil doch sehr an unserer eigenen – damit meine ich Satz- und Wortkonstruktionen, die einfach nicht in ein Fantasy-Werk (oder auch Science Fiction Buch – je nachdem) passen und die Atmosphäre immer wieder empfindlich stören.

Damit komme ich trotz der sehr guten Rahmenbedingungen nicht umhin, die Enwor-Saga als „durchschnittlich“ einzustufen, was mich zwar einige Überwindung kostet, aber letzthin gerechtfertigt scheint. Meiner Ansicht nach extrem schade, da hier so viel mehr drin gewesen wäre, wenn sich der Autor mehr Zeit genommen und alles nur ein wenig besser ausgearbeitet hätte.

Für Fantasy-Fans ist der Zyklus dennoch eine Überlegung wert, weil auf diesem Gebiet weitaus Schlechteres veröffentlich wurde und die gute Idee durchaus Beachtung verdient. Lediglich Band 11 (und alles, was danach kommt) kann man sich tatsächlich komplett schenken.

Einzelwertungen:

  1. Enwor 1: Der wandernde Wald: 5/7
  2. Enwor 2: Die brennende Stadt: 6/7
  3. Enwor 3: Das tote Land: 5/7
  4. Enwor 4: Der steinerne Wolf: 3/7
  5. Enwor 5: Das schwarze Schiff: 2/7
  6. Enwor 6: Die Rückkehr der Götter: 4/7
  7. Enwor 7: Das schweigende Netz: 4/7
  8. Enwor 8: Der flüsternde Turm: 6/7
  9. Enwor 9: Das vergessene Heer: 6/7
  10. Enwor 10: Die verbotenen Inseln: 5/7
  11. Enwor 11: Das elfte Buch: 1/7

Gesamteindruck: 4/7


Autorden: Wolfang Hohlbein & Dieter Winkler
Umfang: 11 Bände, ca. 3.300 Seiten
Originaltitel:
 Enwor.
Gelesene Sprache: Deutsch


 

BuchWelt: Das Elfte Buch

Wolfgang Hohlbein


„Das Elfte Buch“ ist Band 11 des 11-bändigen Fantasy-Zyklus „Enwor“, erdacht von den deutschen Autoren Wolfgang Hohlbein und Dieter Winkler. Auf WeltenDing werden nach und nach Rezensionen zu allen 11 Bänden veröffentlicht, abschließend gibt es eine Gesamtbewertung des Zyklus.

Gesamteindruck (Band 11): 1/7


Erschreckend schwaches Spätwerk des Enwor-Zyklus.

Es stellt sich zu Beginn die Frage, ob man „Das Elfte Buch“, das 1999, also zehn (!) Jahre nach dem ursprünglichen Abschluss der Enwor-Saga („Die verbotenen Inseln“) erschienen und in der Handlung 300 Jahre später angesiedelt ist, überhaupt zum Original-Enwor-Zyklus zählen sollte. Dagegen spricht das doch recht eindeutige und endgültige Finale von Band 10, das zwar unbefriedigend und unausgereift wirkte, jedoch trotzdem ein recht würdiger Abschied für den großen Helden war. Im Gegenzug lässt die Bezeichnung „Enwor 11“ und das Wiederauftauchen von Skar sowie die Verbindungslinien zu dessen und Enwors Vergangenheit doch eher darauf schließen, dass wir es hier mit einer mehr oder weniger direkten Fortsetzung zu tun haben. Dass das nicht notwenig gewesen wäre (vor allem in der vorliegenden Qualität) ist die Meinung vieler Enwor-Fans, der ich mich vorbehaltlos anschließen muss. Das Buch ist (nicht nur) im Hinblick auf den Gesamtzyklus sogar so schwach, dass ich es ein Fall für die World of Shame ist.

Dabei ist der Einstieg durchaus vielversprechend. Skar erwacht, ohne zu wissen, was passiert und wie viel Zeit vergangen ist, unter dem Wasserfall, der in „Die verbotenen Inseln“ zu seinem Schicksal wurde. Dieses Erwachen und langsame Erinnern bis er schließlich zum ersten Mal auf Lebewesen trifft, wurde vom Autor – geschrieben wurde diesmal von Enwor-Miterfinder Dieter Winkler, was zu Gunsten der größeren Bekanntheit von Wolfgang Hohlbein allerdings verschwiegen wird – sehr gut und durchaus Enwor-typisch dargestellt. Die Welt nimmt den Leser sofort wieder gefangen und ehe man es sich versieht, hat man die ersten 120 Seiten bewältigt. Danach ist der erste Teil abgeschlossen und das Unheil nimmt seinen Lauf.

Ab dem zweiten Teil, der über die nächsten 200 (!) Seiten lediglich von einem Kampf in einer Höhle handelt verändert sich der Stil der gesamten Geschichte. Die Veränderung ist nicht einmal unmerklich – es ist, als ob plötzlich ein anderer Autor am Werk wäre, der die Handlung zwar kennt, aber eben einen gänzlich anderen Schreibstil hat – allein die Art und Weise auf die die Charaktere sprechen hat sich grundlegend geändert (oder hat Skar vorher schon einmal „Huch!“ gesagt?). Dafür kommen meiner Ansicht nach nur zwei Gründe in Frage: Entweder hat Hohlbein genau bis zu dieser Stelle noch selbst geschrieben und dann an seinen (ungenannten) Co Dieter Winkler übergeben – oder der erste Abschnitt wurde, von wem auch immer, gleich anschließend an „Die verbotenen Inseln“ (1989) verfasst und der Stil des Autors hat sich in den zehn Jahren dazwischen grundlegend geändert (in diesem Falle stark verschlechtert).

Egal, wie man es sieht bzw. wie es wirklich war, ein absolut inhomogenes Bild wird erzeugt, das den Leser wünschen lässt, der Autor hätte nach Band 10 Schluss gemacht. Das Verhalten der Figuren wirkt derart an den Haaren herbeigezogen, dass die lächerlichen Dialoge und die ungenügenden Ortsbeschreibungen auch keine große Rolle mehr spielen. Ein weiteres Negativbeispiel für die neue Erzählweise ist, dass Skar über ungefähr ein Drittel des Buches ohne Hose (und natürlich auch ohne Unterhose) herumläuft, was höchstens unfreiwillig komisch wirkt und keinerlei Storyrelevanz hat. Dass der Schluss des Buches noch dazu völlig offen und unbefriedigend ist, braucht wohl nicht mehr extra erwähnt werden – viele werden es ohnehin nicht bis hierher geschafft haben.

Hinzu kommt – neben einigen kleineren und größeren logischen Ungereimtheiten – dass vielfach ganze Absätze aus verschiedenen Vorgängerbüchern kopiert und eingefügt wurden. Das mag Neueinsteigern zwar das Lesen erleichtern, wirkt aber insgesamt eher wie Faulheit bzw. Angst davor, sich mit seinen eigenen Logikfehlern erneut auseinander zu setzen. Insgesamt bleibt alles völlig undurchschaubar, unnötig in die Länge gezogen und derartig oberflächlich, dass man von einem Kauf tatsächlich nur abraten kann – nur dann kann man Enwor nämlich in guter Erinnerung behalten. Inzwischen sind übrigens unter dem Titel „Neue Abenteuer“ weitere, von Dieter Winkler verfasste, Bände erschienen, die ich mir aber nicht mehr antun werde.

Die zusammenfassende Wertung der Serie ist hier zu finden.

Gesamteindruck (Band 11): 1/7


Autor: Wolfgang Hohlbein & Dieter Winkler (nicht genannt)
Originaltitel: Das Elfte Buch.
Erstveröffentlichung: 1999
Umfang: ca. 480 Seiten
Gelesene Sprache: Deutsch
Gelesene Version: Taschenbuch


 

BuchWelt: Die verbotenen Inseln

Wolfgang Hohlbein


„Die verbotenen Inseln“ ist Band 10 des 11-bändigen Fantasy-Zyklus „Enwor“, erdacht von den deutschen Autoren Wolfgang Hohlbein und Dieter Winkler. Auf WeltenDing werden nach und nach Rezensionen zu allen 11 Bänden veröffentlicht, abschließend gibt es eine Gesamtbewertung des Zyklus.

Gesamteindruck (Band 10): 5/7


Spannendes, aber chaotisches (vorläufiges) Ende.

Einen fulminanten Auftakt mit Action und Hochspannung bietet „Die verbotenen Inseln“, der 10. (und ursprünglich letzte) Band des Enwor-Zyklus von Wolfgang Hohlbein. Das Buch schließt unmittelbar an die Ereignisse des Vorgängers „Das vergessene Heer“ an und geht in ähnlich atemberaubend-spannender Weise weiter.

Der Autor bietet noch einmal seine ganze Erzählkunst auf, um den Leser in die Welt von Enwor zu versetzen. Das Buch ist auf eine Art und Weise geschrieben, die es nahezu unmöglich macht, es zur Seite zu legen. Ein echter Page-Turner also, was vor allem an zwei Dingen festgemacht werden kann: Zum einen ist die Spannung durchgängig hoch (was leider nicht für alle Enwor-Bände gesagt werden kann), zum anderen ist die Handlung von absolut überraschenden Wendungen durchsetzt. So kann man gegen Ende nur staunen, wenn man überlegt, welchen Verlauf der Zyklus bis zu seinem Finale genommen hat.

Neben dieser erzählerischen Qualität schafft es Wolfgang Hohlbein in Band 10 allerdings leider nicht, seine Schwächen (wie im Vorgänger) zu verbergen bzw. ganz beiseite zu lassen. Es gibt in diesem Buch einige (und in der Gesamtserie eine Unzahl) offener Handlungsstränge, die nicht oder unbefriedigend zu Ende geführt werden. Verschiedene Logikfehler haben die Enwor-Fans mittlerweile nahezu lieb gewonnen, unbedingt notwendig sind sie dennoch nicht. Durch diese Probleme endet das Buch mehr oder weniger im Chaos – wirklich schlau wird man daraus nicht. So bleibt es im Endeffekt dem Leser nahezu völlig selbst überlassen, die Geschehnisse zu interpretieren und einen Sinn hinter Skars langer Reise zu entdecken. Hohlbein bleibt klare Antworten schuldig, was zu einem zutiefst unbefriedigenden Gefühl führt, das im Nachhinein den gesamten Zyklus etwas hinunterzieht. Hinzu kommt die allerletzte Wendung in der Handlung, die zwar wirklich überraschend ist, aber prinzipiell doch einiges, das man vorher gelesen hat, ad absurdum führt. Was mit Skar zum Schluss passiert, hinterlässt also einige Fragezeichen, da sein letzter Feind ihn schon lange Zeit vorher eliminieren hätte können. Warum das nicht passiert ist, bleibt völlig offen, wie einige andere Fragen, betreffend die Quorrl und die Sternengeborenen, ihr Verhältnis zueinander und die Rolle einzelner Figuren in dem großen Spiel der Mächte, das der Enwor-Zyklus letztlich ist.

Der zehn (!) Jahre später erschienene Nachfolger, „Das Elfte Buch“, hätte hier Abhilfe schaffen können, dass das aber nicht passiert ist, ist eine andere Geschichte.

Die zusammenfassende Wertung der Serie ist hier zu finden.

Gesamteindruck (Band 10): 5/7


Autor: Wolfgang Hohlbein
Originaltitel: Die verbotenen Inseln.
Erstveröffentlichung: 1989
Umfang: ca. 250 Seiten
Gelesene Sprache: Deutsch
Gelesene Version: Taschenbuch


 

BuchWelt: Das vergessene Heer

Wolfgang Hohlbein


„Das vergessene Heer“ ist Band 9 des 11-bändigen Fantasy-Zyklus „Enwor“, erdacht von den deutschen Autoren Wolfgang Hohlbein und Dieter Winkler. Auf WeltenDing werden nach und nach Rezensionen zu allen 11 Bänden veröffentlicht, abschließend gibt es eine Gesamtbewertung des Zyklus.

Gesamteindruck (Band 9): 6/7


Der Höhepunkt der Enwor-Reihe.

Alles, was für den unmittelbaren Vorgänger, „Der flüsternde Turm“, gilt, kann auch für „Das vergessene Heer“, den 9. Band von Wolfgang Hohlbeins großer Enwor-Saga, gesagt werden. Mit einer Ausnahme: Hier ist es dem Autor gelungen ein wirklich von vorne bis hinten spannendes und in sich schlüssiges Werk zu schaffen. Nach dem langsamen, behäbigen und zum Teil ärgerlich langatmigen Aufbau der Gesamtserie scheint es, als ob die treuen Leser in den letzten Bänden der Geschichte belohnt werden sollen.

Wie dem auch sei, im „vergessenen Heer“, das zu den kürzesten Büchern des Zyklus zählt, gibt es neben ständiger Action und interessanten Beschreibungen der Landschaft weitere Erklärungen zum Hintergrund des gesamten Geschehens. Man gewinnt endlich Einblicke in die Lebensweise und Psychologie der Quorrl (die allerdings nicht allzu tief gehen) und erfährt, wieso es die Reptilienwesen überhaupt gibt. Die Darstellung des Helden Skar ist immerhin konsequent – wieder einmal ist er schwer verletzt bzw. krank, was ihn selbstverständlich nicht daran hindert, zu kämpfen und zu überleben. Noch stärker als in allen Vorgängern erinnert der Satai dabei an einen Jedi-Ritter aus Star Wars.

Teil 9 ist neben „Die Brennende Stadt“ das einzige Enwor-Buch, an dem ich praktisch nichts auszusetzen finde. Lediglich der Titel selbst kommt mir im Buch ein wenig zu kurz – was „Das Vergessene Heer“ eigentlich genau ist, zieht sich zwar irgendwie durch die Handlung (vor allem ab der zweiten Hälfte), wird aber lediglich in Nebensätzen wirklich konkret angesprochen. Exakt dasselbe Phänomen trat bereits beim „flüsternden Turm“ auf, sodass man sich hier fragt, ob die Bücher irgendwie falsch „geschnitten“ wurden. Ein Teil des Vorgängers scheint nämlich in dieses Werk hineinzuragen (nahezu die Hälfte des Buches handelt vom „flüsternden Turm“), während das Finale des „vergessenen Heeres“ eigentlich kein richtiges ist, sondern im nächsten Band fortgesetzt wird.

Das soll aber nicht als Kritik, sondern eher als Hinweis verstanden werden. Wer soweit durchgehalten hat, wird sowieso auch noch die Folgebände lesen und diese vielleicht auch schon im Regal stehen haben, sodass es hier zu keiner Unterbrechung im Lesefluss kommt.

Die zusammenfassende Wertung der Serie ist hier zu finden.

Gesamteindruck (Band 9): 6/7


Autor: Wolfgang Hohlbein
Originaltitel: Das vergessene Heer.
Erstveröffentlichung: 1989
Umfang: ca. 250 Seiten
Gelesene Sprache: Deutsch
Gelesene Version: Taschenbuch


 

BuchWelt: Der flüsternde Turm

Wolfgang Hohlbein


„Der flüsternde Turm“ ist Band 8 des 11-bändigen Fantasy-Zyklus „Enwor“, erdacht von den deutschen Autoren Wolfgang Hohlbein und Dieter Winkler. Auf WeltenDing werden nach und nach Rezensionen zu allen 11 Bänden veröffentlicht, abschließend gibt es eine Gesamtbewertung des Zyklus.

Gesamteindruck (Band 8): 6/7


Hochspannung und endlich ein paar Erklärungen.

„Der Flüsternde Turm“ ist bereits der 8. Band des Enwor-Zyklus von Wolfgang Hohlbein. Dieser Teil beginnt recht zögerlich – das erste Viertel des Buches ist zwar nicht wirklich langweilig, plätschert aber eher vor sich hin. Alles wirkt ungewohnt oberflächlich und uninspiriert. Wenn man diese Herausforderung jedoch überstanden hat, gibt es zunächst – endlich – eine Kurzzusammenfassung der bisherigen Ereignisse und ihrer Bedeutung. Alleine dafür sollte das Buch gelesen werden, man erfährt nach so langer Zeit noch einmal gebündelt, was es mit Skar, den Sternengeborenen, dem Dronte und einigen anderen Dingen auf sich hat, über die man bisher maximal spekulieren konnte. Schade, dass Hohlbein diese Idee nicht schon früher hatte, dann wären einige Teile der Saga weniger mühsam zu lesen gewesen.

Nach diesen recht kurzen Erklärungen gibt es eine dramatische Wendung in der Handlung und ab diesem Zeitpunkt ist die Spannung gewohnt (und wunschgemäß) auf höchstem Niveau. Auch scheint der Autor endlich die richtige Inspiration gefunden zu haben, um sein Werk stimmungsvoll weiterzuführen. Man erfährt so viel Neues über Skar, die Quorrl, die Errish und andere Dinge, dass es fast unmöglich ist, das Buch zur Seite zu legen – durchaus bemerkenswert, da das in einigen der Vorgänger-Bände bei weitem nicht so war. Schade, dass diesmal schon nach rund 250 Seiten Schluss ist; obwohl man sich vielleicht eher darüber freuen sollte, weil nicht so viel Platz für Füll- und Stückwerk bleibt wie in anderen Teilen.

Was dennoch auffällt, ist eine seit den vorangegangenen Teilen abnehmende Qualität der Landschaftsbeschreibungen, die in den ersten Bänden noch positiv prägend für Hohlbeins Werk waren. Mittlerweile lassen die Darstellungen (die auch kaum noch von Illustrationen unterstützt werden, Karten sind ebenfalls keine mehr enthalten), keine wirklich realistischen Bilder mehr im Kopf entstehen, woran auch immer das liegt. Das ist allerdings nur ein Detail am Rande, das nicht so wichtig ist und den Lesefluss vielleicht sogar verbessert.

„Der flüsternde Turm“ ist im Endeffekt – zusammen mit seinen beiden unmittelbaren Nachfolgern – einer der kurzweiligsten und spannendsten Bände der gesamten Reihe. In diesem Buch (und noch viel mehr in Teil 9 und 10) werden Hohlbeins Stärken aufgezeigt, während seine Schwächen nahezu nicht vorhanden sind. Dadurch entsteht beinahe ein Zwang, auch die restlichen Teile der Saga regelrecht zu verschlingen. Lediglich der etwas uninspirierte Anfang und das Wissen um das, was später noch folgt, verhindern hier die Höchstwertung.

Die zusammenfassende Wertung der Serie ist hier zu finden.

Gesamteindruck (Band 8): 6/7


Autor: Wolfgang Hohlbein
Originaltitel: Der flüsternde Turm.
Erstveröffentlichung: 1989
Umfang: ca. 250 Seiten
Gelesene Sprache: Deutsch
Gelesene Version: Taschenbuch


 

BuchWelt: Das schweigende Netz

Wolfgang Hohlbein


„Das schweigende Netz“ ist Band 7 des 11-bändigen Fantasy-Zyklus „Enwor“, erdacht von den deutschen Autoren Wolfgang Hohlbein und Dieter Winkler. Auf WeltenDing werden nach und nach Rezensionen zu allen 11 Bänden veröffentlicht, abschließend gibt es eine Gesamtbewertung des Zyklus.

Gesamteindruck (Band 7): 4/7


Gute Action – schwache Erklärungen.

Ein wenig verwirrend ist der Beginn von „Das schweigende Netz“, Band 7 der Enwor-Saga von Wolfgang Hohlbein, schon. Vor allem, wenn man ihn gleich nach dem Vorgänger („Die Rückkehr der Götter“) liest. Der Zeitsprung, der die Ereignisse trennt ist zwar nicht allzu lang, aber anscheinend ist inzwischen doch sehr viel passiert, das man erst nach und nach erfährt (oder auch gar nicht). Die nahezu uneinnehmbare Burg aus Teil 6 ist erobert – wie das zustande gekommen ist, erfährt man ebenso wenig, wie beschrieben wird, wie Skar zum Hohen Satai wurde.

Gerade diese Lücken sind es, die dem Enwor-Zyklus extrem viel von seinem durchaus vorhandenen Potential nehmen. Problematisch dabei ist vor allem, dass sich die fehlenden Handlungsstränge und kaum nachvollziehbaren Erklärungen derart häufen. Wirklich schade, da auch der 7. Band, wie schon sein unmittelbarer Vorgänger, grundsätzlich gut gelungen ist. Der überwiegende Teil der Handlung spielt wieder in der Festung, die man schon aus „Die Rückkehr der Götter“ kennt. Nach deren Eroberung handelt das Buch hauptsächlich von den Reibereien, die langsam aber sicher zwischen den Satai und ihren Verbündeten entstehen. Hohlbein gelingt es recht gut, eine sich langsam aber stetig entwickelnde Zersetzung der Armee zu beschreiben, die in der ultimativen Schlacht gipfelt. All das ist sehr spannend und flüssig geschrieben, sodass man das knapp über 300 Seiten starke Werk sehr schnell beendet hat.

Soweit so gut – der Autor schafft es aber leider (wieder einmal) nicht, schlüssige Erklärungen für das Handeln der Gegner unserer Helden zu liefern. Es bleibt alles mehr oder weniger unklar und unscharf. Dabei scheint es so, dass Hohlbein zwar Ideen hat, wie er die Handlungsfäden zusammenführen könnte, aber den entscheidenden Schritt, die Vermittlung an den Leser, nicht schafft. Dass er seinen Hauptprotagonisten Skar anscheinend alles verstehen lässt, was dem Publikum verborgen bleibt, macht die Sache noch unangenehmer. So fragt man sich an manchen Stellen, wie klug ein Satai eigentlich sein muss, um alle Geschehnisse so aneinander zu fügen, dass sie wirklichen Sinn ergeben.

Die Wortgruppenwiederholung des Buches ist diesmal der Nebensatz „…, weißt du?“, der vor allem in der Mitte des Werkes beinahe in jedem zweiten Dialog vorkommt. Durch die angenehme und flüssige Schreibweise stört das allerdings nicht allzu sehr. Scheinbar wurde auch ein neuer Illustrator beauftragt – das sorgt zwar für Abwechslung, doch leider sind die Bilder bei weitem nicht so gelungen wie in den Vorgängerwerken und passen sogar noch schlechter auf die jeweiligen Situationen als in diesen.

Alles in allem kein schlechter, aber auch kein sehr guter Band der Enwor-Reihe. Spätestens an dieser Stelle darf man sich langsam fragen, wann es Wolfgang Hohlbein endlich schafft, auf den Punkt zu kommen und wirklich schlüssige Erklärungen zu liefern. Dass man durch Verzögerung Spannung schaffen kann, bestreitet keiner, aber hier ist es doch langsam zu viel des Guten. Vor allem wird man immer wieder vom Nachfolger enttäuscht, wenn man darauf hofft, das einige offene Fragen endlich beantwortet werden. 4 Punkte im Hinblick auf das Vorgängerbuch, das ähnlich gut geschrieben war und ähnlich schlechte Lösungsvarianten bot.

Die zusammenfassende Wertung der Serie ist hier zu finden.

Gesamteindruck (Band 7): 4/7


Autor: Wolfgang Hohlbein
Originaltitel: Das schweigende Netz.
Erstveröffentlichung: 1988
Umfang: ca. 300 Seiten
Gelesene Sprache: Deutsch
Gelesene Version: Taschenbuch


 

BuchWelt: Die Rückkehr der Götter

Wolfgang Hohlbein


„Die Rückkehr der Götter“ ist Band 6 des 11-bändigen Fantasy-Zyklus „Enwor“, erdacht von den deutschen Autoren Wolfgang Hohlbein und Dieter Winkler. Auf WeltenDing werden nach und nach Rezensionen zu allen 11 Bänden veröffentlicht, abschließend gibt es eine Gesamtbewertung des Zyklus.

Gesamteindruck (Band 6): 4/7


Um Welten besser als Band 4 und 5.

Beim Leser macht sich am Anfang von „Die Rückkehr der Götter“, Teil 6 von Wolfgang Hohlbeins großer Enwor-Saga, zunächst Enttäuschung breit. Das hat jedoch einen anderen Grund, als in den vorangegangenen Bänden mit ihren zahlreichen Wiederholungen: Der Vorgänger „Das schwarze Schiff“ bzw. dessen unbefriedigendes Ende ist schuld. Man hofft natürlich, dass eine klarere Auflösung der Ereignisse um den Dronte erfolgt, als das im „schwarzen Schiff“ der Fall war. Stattdessen befindet man sich sofort wieder mitten in einer neuen Geschichte, die nur mehr über lose Fäden mit den letzten Geschehnissen verbunden ist.

Soviel zur zum ersten Wermutstropfen, auf den sich potentielle Leser einstellen können. Davon abgesehen gibt es an Teil 6 nicht viel auszusetzen. Im Gegenteil – dieses Buch ist das erste, das es seit den Bänden 1 („Der wandernde Wald“) und 2 („Die brennende Stadt“) schafft, die Spannung durchgängig aufrechtzuerhalten. Es gibt diesmal weder einen mühsamen Einstieg noch Längen in der Erzählweise. Wahrscheinlich hat das Buch aus diesem Grund auch nur knapp 250 Seiten – schade eigentlich, man ist damit viel zu schnell durch. Der Autor schafft es durch den geschickten Aufbau endlich wieder, dass der Leser das Buch kaum aus der Hand legen will. Mit diesem Band merkt man erst, was man in den letzten Teilen so vermisst hat und wieso man überhaupt begonnen hat, Enwor zu lesen.

Die Geschichte selbst ist durchsetzt von kleinen Überraschungen und großen Wendungen, wobei die Ungeduld des Lesers, endlich hinter das Geheimnis zu kommen, von Seite zu Seite wächst. Leider setzt Hohlbein – offenbar ganz im Stile eines Steven Erikson – stillschweigend voraus, dass man die Ereignisse im Vorgänger vollkommen verstanden hat. Erklärungen in diese Richtung gibt es nicht wirklich, was zu Eriksons insgesamt tiefergehendem „Malazan Book of the Fallen“ wesentlich besser passt, als zur insgesamt recht leichtfüßigen Enwor-Saga.

Das führt zum eigentlichen Schwachpunkt der „Rückkehr der Götter“: Genau die Erläuterungen, die bisher fehlten, werden zu Beginn des letzten Drittels und zum Ende des Buches gegeben. Das wäre an sich Grund zur Freude, nur leider gelingt es dem Autor überhaupt nicht, ein stimmiges Gesamtbild zu zeichnen. Schön zu wissen, dass sich für Skar nach dem Gespräch mit Drask Eines ins Andere fügt und alle bisherigen Ereignisse Sinn ergeben – nur erschließt sich mir als Leser dieser Sinn bei weitem nicht. Der Kreis scheint sich nur in der Gedankenwelt Skars (respektive Hohlbeins) zu schließen, das Publikum wird ratlos zurückgelassen und versucht verkrampft, einen Sinn zu erkennen. Am Schluss tröstet man sich – wie immer – mit der Hoffnung, dass der nächste Band einige Erklärungen bieten wird.

Leider fehlt diesmal wieder eine Karte (wie auch bei allen Folgebänden – zumindest bei den Versionen, die ich zu Hause stehen habe). Auch auf Illustrationen wurde verzichtet, was trotz deren zum Teil unterschiedlicher Qualität recht schade ist. An sich hätte es 5 Punkte für das Buch geben können, allerdings wird nie klar, wieso Skar sich eigentlich in den langen Schlaf versetzen lässt. Das klingt irgendwie nach einer schlecht ausgearbeiteten Idee, mit der Wolfgang Hohlbein seinen Hauptcharakter ein paar Jahre in die Zukunft schicken wollte. Daraus hätte man mehr machen können/müssen, ebenso aus dem Ende, dass zwar recht überraschend ist, aber wiederum mehr Fragen offen lässt, als es beantwortet.

Die zusammenfassende Wertung der Serie ist hier zu finden.

Gesamteindruck (Band 6): 4/7


Autor: Wolfgang Hohlbein
Originaltitel: Die Rückkehr der Götter.
Erstveröffentlichung: 1987
Umfang: ca. 250 Seiten
Gelesene Sprache: Deutsch
Gelesene Version: Taschenbuch


 

BuchWelt: Das schwarze Schiff

Wolfgang Hohlbein


„Das schwarze Schiff“ ist Band 5 des 11-bändigen Fantasy-Zyklus „Enwor“, erdacht von den deutschen Autoren Wolfgang Hohlbein und Dieter Winkler. Auf WeltenDing werden nach und nach Rezensionen zu allen 11 Bänden veröffentlicht, abschließend gibt es eine Gesamtbewertung des Zyklus.

Gesamteindruck (Band 5): 2/7


Noch schwächer als der Vorgänger.

Gleich zu Beginn des 5. Bandes des Enwor-Zyklus, „Das schwarze Schiff“, gibt es ein Déjà vu. Wieder befindet sich Skar an Bord eines Freiseglers, wieder wird das Schiff verfolgt. Das Gefühl, dass das alles schon einmal dagewesen ist, vergeht aber zum Glück recht bald, da die Vorzeichen diesmal völlig anders sind. Was dennoch ähnlich wie in den bisherigen Teilen ist, ist die seelische Situation in der sich Skar befindet und all die Probleme, die er dadurch mit seinen Gefährten hat. Trotzdem wird all das wieder auf den ersten 100 Seiten durchgekaut – Namen und Ort haben sich zwar zum Teil geändert, die Geschichte ist trotzdem gleich geblieben. Vor allem der immer wieder aufkeimende Streit mit Gowenna ist mittlerweile ein Ärgernis – für Skar, aber noch viel mehr für den Leser. Unverständlich, wieso Hohlbein sich hier immer und immer wieder wiederholt. Zu Beginn des Buches kommt einem praktisch jeder Dialog bekannt vor.

Wenn man – wie man es als treuer Enwor-Leser fast muss – darüber hinwegsehen und den mittlerweile leider traditionell langatmigen Einstieg überwinden kann, stellt sich relativ schnell und gut das typische Enwor-Gefühl ein. Leider regelmäßig durchbrochen von lästigen Gesprächen zwischen Skar und Gowenna, in denen ihre gemeinsame Vergangenheit zum Tragen kommt, in denen in immer wieder ähnlichen Worten erklärt wird, wieso sie sich eigentlich hassen müssten, es aber nicht tun. Durch diese ständigen Wiederholungen beginnt man an der Glaubwürdigkeit der Figuren zu zweifeln – in ihrem Handeln gibt es überhaupt keine Nachvollziehbarkeit mehr. Diesmal können auch die üblichen Landschaftsbeschreibungen nicht viel ändern – was man in einer Eiswüste aber auch nicht erwarten kann. Das alles erinnert trotz unterschiedlicher Grundvoraussetzungen doch sehr an „Das tote Land“.

Leider hat der Autor auf diesem Gebiet aber auch Schwierigkeiten, als sich die Landschaft endlich ändert. Ebenso wie die Beschreibung der unheimlichen Feinde, wirkt auch die uralte Stadt, auf die die Gefährten stoßen sehr verworren und entzieht sich jeglicher Vorstellungskraft. Gut, das mag an der fremden Architektur liegen, aber als gelungen (im Lovecraft’schen Sinne) empfinde ich das nicht. Kritisch betrachtet wirkt das Ganze eher wie hilfloses Gestammel. A pro pos H.P. Lovecraft: was man anhand der bisherigen Enwor-Lektüre bereits vermutete, wird nun immer konkreter, zumindest im Kopf des Lesers, der auch die Werke des Altmeisters kennt: Hohlbein scheint sich in dieser Reihe an den Mythos der „Großen Alten“ anzulehnen, den sein amerikanisches Vorbild ins Leben gerufen hat. Diese Tatsache ist durchaus als positiv zu bewerten, da Fans von Lovecraft dessen eigenen Fundus natürlich in- und auswendig kennen und sich über neuen Stoff immens freuen.

Weniger Freude werden die meisten Leser hingegen mit dem schwachen Ende haben – das erinnert an eine Kopie vom „steinernen Wolf“. Der Schluss wirkt ausgesprochen verworren, unbefriedigend und unvollständig. Es ist schön, dass Hohlbein seinen Hauptprotagonisten „plötzliche Erkenntnis“ schenkt, dem Leser bleibt diese aber großteils verwehrt, was sehr schade ist, da die Geschichte als Ganzes wirklich interessant wäre. Kurz vor der Auflösung scheint dem Autor aber regelmäßig die Kreativität auszugehen.

Ein großer Pluspunkt in der vorliegenden Ausgabe ist die Karte – endlich gibt es eine Übersicht, die besser verständlich macht, wie Enwor eigentlich aussieht und wo die einzelnen Schauplätze liegen. Nebenbei wird durch diese Karte auch klar, was bisher nur angedeutet wurde, nämlich WO Enwor liegt und wann die Geschichte spielen dürfte. Schade, dass es diese oder eine ähnliche Karte nicht schon vorher gab, dadurch wäre die Erzählung von Anfang an plastischer gewesen. Vermutlich wollte Hohlbein den Moment der Erkenntnis aber länger hinauszögern.

Durchaus Enwor-typisch sind übrigens die Illustrationen, die oft nicht zur Situation passen wollen bzw. die Helden ganz anders darstellen, als man eigentlich annimmt. Leider ist hier – was die Qualität betrifft – eine deutlich fallende Tendenz zwischen Band 1 und 5 zu bemerken, was angesichts der mangelhaften Umsetzung von Teil 5 aber keine allzu große Rolle spielt.

Die zusammenfassende Wertung der Serie ist hier zu finden.

Gesamteindruck (Band 5): 2/7


Autor: Wolfgang Hohlbein
Originaltitel: Das schwarze Schiff.
Erstveröffentlichung: 1984
Umfang: ca. 400 Seiten
Gelesene Sprache: Deutsch
Gelesene Version: Taschenbuch


 

BuchWelt: Der steinerne Wolf

Wolfgang Hohlbein


„Der steinerne Wolf“ ist Band 4 des 11-bändigen Fantasy-Zyklus „Enwor“, erdacht von den deutschen Autoren Wolfgang Hohlbein und Dieter Winkler. Auf WeltenDing werden nach und nach Rezensionen zu allen 11 Bänden veröffentlicht, abschließend gibt es eine Gesamtbewertung des Zyklus.

Gesamteindruck (Band 4): 3/7


Sehr durchwachsen.

Band 4 der großen Enwor-Saga von Wolfgang Hohlbein beginnt – vom Lesegefühl her – als exakte Kopie seines Vorgängers. Wie in „Das tote Land“ ziehen sich die ersten rund 90 Seiten wie Kaugummi. Im 3. Teil der serien-internen Trilogie um den „Stein der Macht“ schließen die Ereignisse nicht unmittelbar an den vorangegangenen Band an, sondern spielen einige Zeit später. Wie genau Skar auf das Schiff, auf dem er sich zu Beginn befindet gekommen ist, wird nicht ganz klar, ebenso wie es das Buch bei ein paar Andeutungen belässt, was inzwischen mit den Gefährten des Satai passiert ist. Als Einstieg ist das nach dem hochspannenden Finale von Band 3 einigermaßen unglücklich gewählt, weil das Lesevergnügen dadurch stark gedämpft wird – eigentlich unnötig. Sicher, man muss Skar irgendwie an den Ort seiner neuen Abenteuer bringen, aber das hätte sicherlich spannender und vor allem ein wenig kürzer gelöst werden können.

Auch die weitere Geschichte will nicht so recht zünden – immer wieder gilt es, langwierige Reiseszenen zu überstehen, die die Dialogschwäche Hohlbeins offenbaren. Die Problematik liegt wohl darin, dass sich (wie in Enwor immer wieder) zwei völlig unterschiedliche Charaktere auf den Weg machen, die sich einfach nichts zu sagen haben. Man sollte meinen, dass gerade in diesem Gegensatz die Spannung liegt – leider schafft es Wolfgang Hohlbein aber nicht, daraus tatsächlich etwas zu machen, was den Leser bewegen oder aufwühlen könnte. So entstehen immer wieder ärgerliche Unterbrechungen im Erzählfluss, die auch noch durch viele Wort- und Szenenwiederholungen verstärkt werden.

Ab dem letzten Drittel, also praktisch dem Zeitpunkt wo die Hauptfigur nicht mehr mit einem einzigen Gefährten unterwegs ist, nimmt das Buch wieder an Fahrt auf. Leider ein wenig spät, ungeduldige Leser dürften sich bis dahin längst verabschiedet haben. Bis zum Finale bleibt es danach spannend, aber auf den letzten zwei Seiten gibt es dann leider einen Dämpfer. Das Ende selbst ist unbefriedigend ausgefallen – die Erklärung, was es genau mit dem Stein der Macht und dem steinernen Wolf auf sich hat, ist mehr als nur dürftig. Hier habe ich persönlich nach dem zum Großteil recht spannenden Aufbau der bisherigen Enwor-Reihe deutlich mehr erwartet.

„Der steinerne Wolf“ ist für mich somit das bisher schwächste Buch der Saga – mit Abstand. Grund dafür sind die Längen in der Geschichte und das absolut unwürdige Ende der Trilogie um den Stein der Macht.

Die zusammenfassende Wertung der Serie ist hier zu finden.

Gesamteindruck (Band 4): 3/7


Autor: Wolfgang Hohlbein
Originaltitel: Der steinerne Wolf/Der Stein der Macht 3.
Erstveröffentlichung: 1984
Umfang: ca. 300 Seiten
Gelesene Sprache: Deutsch
Gelesene Version: Taschenbuch


 

BuchWelt: Das tote Land

Wolfgang Hohlbein


„Das tote Land“ ist Band 3 des 11-bändigen Fantasy-Zyklus „Enwor“, erdacht von den deutschen Autoren Wolfgang Hohlbein und Dieter Winkler. Auf WeltenDing werden nach und nach Rezensionen zu allen 11 Bänden veröffentlicht, abschließend gibt es eine Gesamtbewertung des Zyklus.

Gesamteindruck (Band 3): 5/7


Fulminante Steigerung nach zähem Einstieg.

Auch Enwor-Fans, die Wolfgang Hohlbeins Ausflüge in Schachtelsatz-Ungetüme nicht allzu sehr stören, werden von Band 3 (gleichzeitig Teil 2 der Enwor-internen Trilogie „Der Stein der Macht“) auf eine harte Probe gestellt. Die ersten 80 Seiten erzeugen ein Gefühl, als ob der Autor unbedingt eine bestimmte Seitenanzahl erreichen musste, koste es was es wolle. Um es direkt zu sagen: Es herrscht pure Langeweile, geschürt durch zahlreiche Wiederholungen, einen immer wieder auf gleiche Weise ausgetragenen Streit zwischen den Hauptfiguren und wiederkehrende Beschreibungen des toten Landes. Ähnliche Dinge kommen auch in den anderen Teilen der Saga vor, jedoch nie derart gehäuft (traurige Ausnahme ist die Eisinsel in „Das schwarze Schiff“). Der Beginn zieht sich dadurch wie Kaugummi und es wäre kein Wunder, wenn viele Leser es nicht schaffen, diese Hürde zu überwinden. Man könnte Hohlbein zugute halten, dass er genau damit die Eintönigkeit des Schauplatzes einfangen wollte – dieser Versuch ist aber gescheitert und stört die ansonsten tolle Enwor-Atmosphäre deutlich.

Nach fast 100 Seiten nimmt das Buch jedoch gehörig an Fahrt auf und steht den Vorgängern an Spannung in nichts mehr nach. Die typischen Enwor-Markenzeichen, die mittlerweile jeder Leser kennen dürft, also die nervigen Wortwiederholungen, die etwas zu moderne Sprache, die ewige körperliche Schwäche und Ausgelaugtheit der Protagonisten (mit ständig neuen Superlativen an Schmerzen) und die teils sehr schwachen Dialoge fallen ab diesem Zeitpunkt nicht mehr so stark ins Gewicht wie noch am Anfang des Werkes. Im Gegenteil, im Zusammenhang mit der immer spannender werdenden Geschichte begrüßt man diese Mängel wie alte Freunde und sieht leichter darüber hinweg, als in den insgesamt etwas besseren Vorgängerbüchern.

Was – wie bei den Vorgängern – ebenfalls sehr negativ auffällt, ist die unzureichende, schlecht bzw. falsch gezeichnete Karte, die sich einfach nicht mit den Beschreibungen im Buch deckt. Auch gibt es wieder einige Illustrationen, von denen manche so gar nicht zum Geschehen passen wollen.

Alles in allem funktioniert das Kopfkino aber einmal mehr bestens, man leidet mit den Figuren mit. Vermutlich „begünstigt“ durch den zähen Einstieg, schafft es der Autor sogar, dass man trotz der relativ geringen Seitenzahl das Gefühl hat, auch zeitmäßig mitten im Geschehen zu sein – wenn man an vorhergehende Kapitel zurückdenkt, scheint es wirklich Wochen her zu sein, als man eine bestimmte Szene „erlebte“, während sie im Buch erst einige Seiten zurückliegt. Allein diese Tatsache zeigt, welch außergewöhnlicher Autor Wolfgang Hohlbein sein kann.

Die zusammenfassende Wertung der Serie ist hier zu finden.

Gesamteindruck (Band 3): 5/7


Autor: Wolfgang Hohlbein
Originaltitel: Das tote Land/Der Stein der Macht 2.
Erstveröffentlichung: 1984
Umfang: ca. 280 Seiten
Gelesene Sprache: Deutsch
Gelesene Version: Taschenbuch