BuchWelt: Bad Fucking

Kurt Palm


Nein, in dieser Rezension geht es nicht um die Autobiografie eines Pornodarstellers – und auch nicht um die Bekenntnisse eines Callboys oder einer Prostituierten. Es geht ganz generell nicht um schlechte Erfahrungen bei der schönsten Nebensache der Welt, obwohl vorliegendes Buch die eine oder andere Andeutung in diese Richtung enthält. So kann man sich täuschen, wenn man nur den Titel liest.

Gesamteindruck: 4/7


Ein bisschen schräger Krimi.

So ganz kann ich die Verantwortlichen der Gemeinde Tarsdorf (Oberösterreich) nicht verstehen: Sie haben Ende 2020 beschlossen, das Örtchen Fucking in Fugging (im Gegensatz zum Roman kein Kurort, also ohne „Bad“) umzubenennen und diesen Beschluss mit 1. Jänner 2021 tatsächlich umgesetzt. Seither gibt es in Österreich zwei Orte mit Namen Fugging – und eine kultige Ortstafel weniger. Schade eigentlich, hier hätte sich doch mit einer findigen Marketing-Strategie ordentlich Geld verdienen lassen, oder? Ist nicht passiert, und durch die Umbenennung wird man wohl bald vergessen, dass der Titel dieses Buches nicht völlig frei erfunden ist.

Worum geht’s?
Im beschaulichen und von der Welt und der österreichischen Politik nach einem Erdrutsch, der die Zufahrtsstraße verlegt hat, vergessenen Bad Fucking ist es mit der Ruhe vorbei: Ein Einsiedler wird tot in seiner Höhle gefunden, eine Horde Cheerleader steigt im einzigen Hotel der Gegend ab, ein Finanzskandal droht aufgedeckt zu werden – und der Dorfgendarm bereitet alles für die Rückkehr der Aale aus ihrem Laichgebiet in der Sargassosee vor

„Kein Alpenkrimi“ lautet der Claim, der unter dem Buchtitel am Umschlag von „Bad Fucking“ zu finden ist. Stimmt, irgendwie, obwohl das Buch durchaus Ansätze eines österreichischen Krimis hat: Ein Mord, eine Entführung, Korruption und Stalking – über all das lesen wir in diesem Buch, das 2013 von Kult-Regisseur Harald Sicheritz verfilmt wurde. Im ersten Moment klingt das fast nach business as usual, ist es zum Teil auch und dabei durchaus spannend geschrieben. Doch dieser Eindruck währt nur kurz, relativ schnell driftet „Bad Fucking“ ins Überzeichnete ab und wird im Laufe der Handlung immer grotesker.

Wirklich nur erfunden?

Man kann sich schon die Frage stellen kann, ob „Bad Fucking“ tatsächlich so überzeichnet ist wie angedeutet. Ist es z. B. so weit hergeholt, dass der Bürgermeister die Einnahmen aus dem Tourismus in vermeintlich vielversprechenden Hedgefonds verzockt? Ist es komplett unwahrscheinlich, dass der hiesige Zahnarzt ein Verhältnis mit seiner Putzfrau hat und anschließend von ihr erpresst wird? Zumindest gibt einem die regionale und überregionale Politik nicht unbedingt das Gefühl, dass das, was in Bad Fucking passiert, kein reales Vorbild hat. Überzeichnet? Ja, sicher. Ganz und gar erfunden? Wer weiß…

Unabhängig vom Wahrheitsgehalt ist „Bad Fucking“ jedenfalls angenehm und schnell zu lesen. Es gibt einiges an Lokalkolorit, es gibt durchaus schillernde, lebendige Charaktere. Die Komik kommt auch nicht zu kurz, wirkt allerdings ab und an etwas angestrengt. Dass man all das auch als durchaus berechtigte Kritik am vermeintlich idyllischen Landleben, aber auch an der österreichischen Politik lesen kann, liegt auf der Hand.

Überhastet wirkendes Finale.

Also alles gut? Mitnichten, daher auch nur 4 Punkte. Einerseits ist das Buch insgesamt etwas zerfahren. Es werden viele Themen angeschnitten – und das auf durchaus lesenswerte und lustvolle Weise. Dabei verzettelt sich der Autor meiner Meinung nach aber ein bisschen, sodass man am Ende den Eindruck hat, zwar viele gute Ansätze gelesen zu haben, von denen aber nur wenige gut ausgearbeitet wurden. Andererseits war ich mit dem Finale nicht gerade glücklich. Ich verstehe zwar, dass man ein solches Buch mit einem Knall enden lassen möchte – und auch, dass ein so grotesker Roman einen ebensolchen Schluss braucht. Dennoch ist die letzte Seite für mich deutlich zu früh gekommen, ich hätte gerne noch etwas mehr über die Ereignisse im ehemaligen Kurort gelesen.

Alles in allem sind das 4 von 7 Punkten – wer grundsätzlich etwas mit österreichischer Literatur anfangen kann, kann ruhig einen Versuch wagen. Schlecht ist „Bad Fucking“ keineswegs, es wirkt nur – und das nicht erst am Schluss – ein bisschen überhastet und eine Spur zu wenig ausgearbeitet. Zumindest für meinen Geschmack.

Gesamteindruck: 4/7


Autor: Kurt Palm
Originaltitel: Bad Fucking. Kein Alpenkrimi.
Erstveröffentlichung: 2010
Umfang: ca. 280 Seiten
Gelesene Sprache: Deutsch
Gelesene Version: Taschenbuch

SerienWelt: Braunschlag

Es gibt einiges, das ich an „Braunschlag“ mag: Die Charaktere sind herrlich (und vor allem gut gespielt), die Dialoge treffsicher. Das tiefste Niederösterreich wird als Ort der Handlung passend porträtiert, ebenso die Anspielungen auf die Irrungen, Wirren und Niederungen der Lokalpolitik. Die Handlung kann anfangs ebenfalls überzeugen, ist aber gleichzeitig der Knackpunkt, der eine bessere Gesamtwertung verhindert.

Gesamteindruck: 5/7


Gegrüßet seist Du, Maria.

„Braunschlag“ wurde von Kult-Regisseur David Schalko (u. a. „Die 4 da“, „Sendung ohne Namen“, „Altes Geld“), der auch für das Drehbuch verantwortlich zeichnet, produziert. Die ORF-Serie wurde erstmals 2012 ausgestrahlt und erzählt in 8 Folgen á 45 Minuten mehr oder weniger zusammenhängende, skurrile Geschichte aus dem fiktiven Ort Braunschlag, irgendwo in Niederösterreich. Die Besetzung ist hochkarätig: Die Hauptrollen spielen Robert Palfrader, Nicholas Ofczarek, Nina Proll, Maria Hofstätter und Raimund Wallisch, dazu gibt es ein umfangreiches Ensemble an bekannten Nebendarstellern.

Inhalt in Kurzfassung
Der niederösterreichischen Marktgemeinde Braunschlag droht der Bankrott. Nur noch ein Wunder kann die finanziellen Probleme lösen – was den Bürgermeister und einen Lokalbesitzer auf eine Idee bringt: Warum auf eine Marien-Erscheinung warten, wenn man selbst eine herbeiführen und damit zahlungskräftige Pilger anlocken kann?

Der gelernte Österreicher fühlt sich in „Braunschlag“ schnell zu Hause. Vor allem, wenn er selbst aus der Provinz kommt, wird er viele der gezeigten Charaktere wiedererkennen. Das reicht vom Bürgermeister über den Dorfwirt bis hin zu den hiesigen Polizisten. Die Figuren sind natürlich überspitzt dargestellt – wobei, wenn ich es mir recht überlege, ist die Überzeichnung gar nicht so groß, wie man als Außenstehender vielleicht meinen könnte. Korruption im Westentaschenformat, Protektionismus und ähnliche Phänomene sind nun nichts, was David Schalko hätte extra für „Braunschlag“ erfinden müssen. Selbiges gilt für die Handlung: Ich glaube, dass sich die Mär vom selbst erfundenen Wunder so oder so ähnlich tatsächlich irgendwo in unserem Land abgespielt haben könnte. Dass die Charaktere überzeugen, ist auch den großteils sehr pointierten und witzigen Dialogen zu verdanken, die sich mit grobschlächtigem Wortwitz abwechseln. Um beides zu verstehen ist die Kenntnis ur-österreichischer Gegebenheiten (und auch des Dialekts) allerdings hilfreich – wenn nicht sogar Pflicht, denn die Serie lebt zu einem Gutteil von ihrer mit reichlich Lokalkolorit angehauchten Darstellung.

Überzeugt nicht durchgängig.

Leider reicht es trotz der genannten positiven Aspekte nicht für eine bessere Wertung. Grund ist, dass „Braunschlag“ auf mich wirkt, als hätten die guten Ideen für maximal fünf Folgen gereicht. Die Serie umfasst allerdings acht Episoden, was meiner Meinung nach eine gewisse Verwässerung zur Folge hat, unter der „Braunschlag“ letztlich als Ganzes leidet. Die Geschichte rund um das Wunder und dessen Folgen ist tadellos erzählt, ebenso sind die Beziehungen der Hauptfiguren untereinander gut ausgearbeitet. Nach einigen Folgen wird die Handlung allerdings zunehmend abstrus und verlässt den eigentlich sehr realistischen Pfad. Das finde ich persönlich schade, weil es bei mir das Gefühl hinterlassen hat, dass David Schalko nicht so richtig wusste, wie er „Braunschlag“ vernünftig zu Ende führen sollte. Stimmt vermutlich nicht und er wollte es genau so, wie er es umgesetzt hat – das ändert aber nichts daran, dass ich mich bis ungefähr Folge 5 extrem gut unterhalten gefühlt habe, danach leider nicht mehr so richtig. Das liegt übrigens auch an dem einen oder anderen Nebenstrang, auf den ich hätte verzichten können. Nicht, weil er per se nicht brauchbar wäre, sondern weil es dort an Tiefgang fehlt.

Fazit: „Braunschlag“ ist gut und hat durchaus das Zeug zur kleinen Kultserie. So richtig überzeugend finde ich die ORF-Produktion als Ganzes aus genannten Gründen jedoch nicht, sodass es für immer noch sehr gute 5 Punkte reichen muss.

Gesamteindruck: 5/7


Originaltitel: Braunschlag.
Idee: David Schalko
Land: Österreich
Jahr: 2012
Episoden: 8
Länge: ca. 45 Minuten
Gesehen auf: Netflix
Haupt-Besetzung: Robert Palfrader, Nicholas Ofczarek, Maria Hofstätter, Nina Proll, Raimund Wallisch, Christopher Schärf, Simon Schwarz, Manuel Rubey, Sabrina Reiter



 

FilmWelt: Muttertag – Die härtere Komödie

Der Untertitel „Die härtere Komödie“ sagt eigentlich schon eine Menge aus: diese Komödie ist wirklich ziemlich hart, und zwar an der Grenze des guten Geschmacks. Alles in allem also genauso, wie man es vom österreichischen Kabarett gewohnt ist und entweder liebt oder hasst.

Gesamteindruck: 7/7


An schwarzem Humor kaum zu überbieten.

Dass „Muttertag“ wohl der beste und vielleicht auch beliebteste Film seiner Art ist, liegt wohl am Thema selbst, mit dem sich eigentlich jeder identifizieren kann. Natürlich ist auch in diesem Film alles ein wenig (?) überzeichnet, obwohl man sich durchaus vorstellen kann, dass es in manchen Familien am Festtag für Blumenhändler so oder zumindest so ähnlich zugeht. Dass es dabei in der Regel aber nicht Mord und Totschlag gibt, kommt einem, nachdem man „Muttertag“ gesehen hat, eher wie ein glücklicher Zufall vor. Der ganz normale Wahnsinn, der bei der kleinbürgerlichen Familie im Rahmen der Muttertags-Feierlichkeiten ausbricht, ist jedenfalls realistischer dargestellt, als manchen braven Mitbürgern lieb sein dürfte.

Wie bei vielen österreichischen Filmen üblich, handelt es sich auch hier um eine sehr gut umgesetzte Milieustudie. Neben dem allseits beliebten Muttertag werden die typische Wiener Gemeinde-Wohnsilo, die Beamten von Post und Polizei, das Kleinbürgertum und die katholische Kirche sowie einige andere kleine und größere Institutionen und Situationen des täglichen Lebens herrlich bissig aufs Korn genommen. Der Film nimmt dabei nach einem gemächlichen Aufbau bis zu seinem Höhepunkt rasant an Fahrt auf.

Meiner Ansicht nach ist „Muttertag“ das Sehenswerteste, was die österreichische Kabarett-Szene im filmischen Bereich abgeliefert hat – es sei denn, man tut sich mit der Sprache oder generell mit österreichischen Filmen schwer. Auch Menschen, die sehr viel von Moral und Sitte halten, dürften sich mit Schrecken abwenden, wenn ihnen Harald Sicheritz gnadenlos den Spiegel vors Gesicht hält. Die Schauspieler/Kabarettisten liefern durchgehend gute Leistungen ab, vor allem das Trio Roland Düringer/Alfred Dorfer/Reinhard Novak können mindestens in einer ihrer vielen Rollen begeistern. Ein Meisterwerk!

Gesamteindruck: 7/7


Originaltitel: Muttertag – Die härtere Komödie
Regie: Harald Sicheritz
Jahr: 1992
Land: Österreich
Laufzeit: 99 Minuten
Besetzung (Auswahl): Roland Düringer, Alfred Dorfer, Reinhard Nowak, Eva Billisich, Andrea Händler



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BuchWelt: Gott bewahre

John Niven


Die Bewertung von „Gott bewahre“ fällt gar nicht so leicht. Rein thematisch ist das Buch natürlich zu begrüßen. Zwei große Missstände der menschlichen Gesellschaft – ein sehr alter und ein topaktueller – werden auf leicht lesbare, durchaus unterhaltsame Art abgehandelt. Dass neue Argumente, die in einer Diskussion vorgebracht werden könnten, fehlen, ist zwar schade, aber zu verschmerzen. Wieso letztlich nur vier Punkte stehen bleiben hat einen anderen Grund: John Niven schafft es leider nicht, seinen Figuren wirkliche Tiefe zu verleihen. Im Gegenteil, alle Personen wirken sehr klischeehaft und verhalten sich großteils auch so. Hintergrundinformationen über die Charaktere erhält man nur sehr spärlich. Ein schlechtes Buch ist „Gott bewahre“ keineswegs – nur eines, das für meinen Geschmack nicht ganz zu Ende gedacht wurde.

Gesamteindruck: 4/7


Gutes Buch, schwache Charaktere.

John Niven ist ein Autor, der nicht gerade zimperlich ist – bestens nachzulesen in Werken wie „Kill Your Friends“. Kein Wunder also, dass er sich auch in „Gott bewahre“ einer eher deftigen Sprache bedient. Insbesondere im Himmel lässt Niven seine Figuren fluchen, das allzu christlich eingestellten Lesern Hören und Sehen vergeht. Speziell der Allmächtige persönlich nimmt sich kein Blatt vor den Mund. Auch die generellen Zustände im Paradies sind ganz anders beschrieben, als sich das der Sonntagschrist so vorstellt.

Daran ist schon der erste Ansatz, den der Autor mit „Gott bewahre“ verfolgt, zu erkennen: Das Buch ist zunächst eine auf humorvolle Art vorgebrachte Kritik an institutionalisierter Religion. Vornehmlich bekommt das Christentum sein Fett weg, aber auch andere Weltreligionen werden angesprochen, wenn auch nicht so prominent. Nun ist dieser Angriff speziell auf „westliche“, fundamentalistische Christen durchaus begrüßenswert – und offenbart gleichzeitig, dass der Autor selbst auch christlich geprägt ist. Das im Christentum gültige Religionsmodell mit Himmel und Hölle, Gott, Jesus, Engeln und Heiligen, wird übernommen, allerdings in einer angenehm modifizierten Variante, die das Paradies wesentlich freundlicher und lockerer erscheinen lässt, als es die reale Amtskirche vermag. Zumindest kritisch hinterfragen kann man dennoch, wieso ausgerechnet der christliche Gott für Niven „der Richtige“ zu sein scheint.

Der zweite Ansatz, der in „Gott bewahre“ verarbeitet wird, ist im Vergleich dazu sehr weltlich orientiert und hat – wie könnte es bei John Niven anders sein – viel mit Musik zu tun. Insbesondere das Übel der Castingshows und der damit einhergehenden, raffgierigen und seelenlosen Industrie kritisiert der Autor hart und vehement. Lesern, die diesen Freakshows ohnehin kritisch gegenüber stehen, liefert Niven damit zumindest Bestätigung, auch wenn wirklich neue Gegenargumente ausbleiben. Aber zumindest könnte das Buch einem Teil des breiten Publikums, das weiterhin nicht genug von „DSDS“ & Co bekommen kann, die Augen öffnen. Das bleibt aber vermutlich ein Wunschtraum… Übrigens gibt es in diesem Part des Buches ein Wiedersehen mit Steven Stelfox, den aufmerksame Leser aus Nivens „Kill Your Friends“ in lebhafter Erinnerung haben dürften.

Gesamteindruck: 4/7


Autor: John Niven
Originaltitel: The Second Coming.
Erstveröffentlichung: 2011
Umfang: 400 Seiten
Gelesene Sprache: Deutsch
Gelesene Version: Taschenbuch


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BuchWelt: Wie man leben soll

Thomas Glavinic


„Wie man leben soll“ ist ein ausgesprochen kurzweiliges Lesevergnügen, in dem Humor (oder ist es Schadenfreude?) der Dramatik des Erwachsenwerdens auf Augenhöhe begegnet. Thomas Glavinic schafft es, die unterschiedlichsten Erfahrungen und Missverständnisse, die das Heranwachsen so mit sich bringt, elegant einzufangen. Volle Punktzahl für ein Buch, an dem es meiner Ansicht nach absolut nichts auszusetzen gibt.

Gesamteindruck: 7/7


Unglaublich treffsicher formuliert.

Zugegeben: Die Geschichte, die sich in Thomas Glavinic‘ Quasi-Entwicklungsroman „Wie man leben soll“ entspinnt, wirkt in einigen Punkten übertrieben und unglaubwürdig. Das ändert aber nichts daran, dass praktisch jeder Leser zumindest ein kleines bisschen von Karl „Charlie“ Kolostrum in sich finden wird. Die Hauptfigur, die von einer Katastrophe in die andere stolpert, hat einfach unglaublich viele Facetten eines durchschnittlichen heranwachsenden Außenseiters.

Diese Charakterzeichnung, die den durchaus sympathischen, schusseligen Verlierer skizziert, unterscheidet sich an und für sich nicht großartig von Figuren in anderen Werken. Der Autor versteht es aber, seine Worte so treffend und pointiert zu setzen, wie kaum ein anderer. Fast jeder Satz, fast jedes Wort sitzt perfekt, es gibt keine Längen, sogar die ab und an vorkommenden Wiederholungen fügen sich perfekt ins Bild, da sie wie direkt aus dem Leben gegriffen wirken. Das Buch liest sich angenehm und verblüffend schnell, man kann kaum glauben, in welchem Tempo die 240 Seiten vorüberrauschen – kein Wunder, dass so mancher das Buch in einem Rutsch gelesen hat.

Besonders hervorzuheben ist auch der Stil, den Glavinic in diesem Buch verwendet. Der gesamte Roman ist in der „man-Form“ geschrieben. Das mag im ersten Moment gewöhnungsbedürftig klingen, wurde aber derart flüssig und schlüssig umgesetzt, dass es nach kurzer Phase des Einlesens kaum noch auffällt. Der Identifikation mit der Hauptfigur tut das im Übrigen keinerlei Abbruch, merkwürdigerweise ist eher das Gegenteil der Fall. Übrigens ist der Großteil der Handlung in den späten 1980er Jahren angesetzt, man darf sich also keinen Bezug auf die Kombination „Jugend und neue Medien“ erwarten.

Gesamteindruck: 7/7


Autor: Thomas Glavinic
Originaltitel: Wie man leben soll
Erstveröffentlichung: 2004
Umfang: 240 Seiten (Printausgabe)
Gelesene Sprache: Deutsch
Version: Taschenbuch


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