FilmWelt: Being John Malkovich

Es ist kaum zu glauben: Obwohl anno 1999 in meiner Umgebung sehr häufig und nur im positiven Sinne über „Being John Malkovich“ gesprochen wurde, habe ich es erst über 20 Jahre später geschafft, mir diesen mittlerweile zum Kult avancierten Film erstmals anzusehen. Und ich bin mir sicher: Meinem damaligen Ich hätte diese Groteske ganz ausgezeichnet gefallen. Aber auch aus heutiger Sicht hat eine der verrücktesten Ideen, die jemals im Mainstream-Kino gezeigt wurden, nichts von ihrem Charme eingebüßt.

Gesamteindruck: 6/7


„Treffen wir uns in Malkovich.“

Ich muss zugeben, dass es mir schwerfällt, eine Rezension zu „Being John Malkovich“ zu schreiben. Allein schon die Zuordnung zu einem Genre ist nicht eindeutig zu treffen: Über weite Strecken ist der Film ausgesprochen witzig (und das nicht immer nur auf intelligente Art), eine Komödie im eigentlichen Sinne ist er aber nicht. Hinzu kommen eine Reihe tragischer, philosophischer, aber auch romantischer Momente, garniert mit Satire und ein wenig Mystery. Im ersten Moment klingt das nach einem ziemlich wilden Mix; ist es auch, interessanterweise greifen die Elemente jedoch ausgezeichnet ineinander, sodass letztlich alles wie aus einem Guss wirkt.

Worum geht’s?
Der abgehalfterte Puppenspieler Craig Schwartz hat keine Wahl: Er braucht einen richtigen Job und beginnt als Aktensortierer im 7 ½ (!) Stock eines Bürogebäudes in New York. Dort bemerkt er eines Tages eine kleine, versteckte Tür, hinter der sich ein dunkler Gang verbirgt, der wiederum direkt in den Kopf von John Malkovich führt. 15 Minuten lang kann man auf diese Weise den Schauspieler durch dessen eigene Augen beobachten. Eine sensationelle Entdeckung, an deren kommerzielle Ausbeutung sich Schwartz und seine Flamme Maxine bald machen

Ich hätte gerne die Gesichter gesehen, als Drehbuchautor Charlie Kaufman mit dieser Story bei Produzenten und Regisseuren vorsprach. Vor allem aber die Reaktion eines gewissen John Malkovich auf das Drehbuch muss sehenswert gewesen sein, war der US-Schauspieler bis dahin doch vorwiegend für ernste Rollen bekannt. Dass er tatsächlich angenommen hat und sich selbst spielt, ist schon bemerkenswert; andererseits war und ist Malkovich einer der wandlungsfähigsten Darsteller überhaupt, von daher könnte ich mir vorstellen, dass er dieses Experiment als hochinteressante Herausforderung gesehen haben mag. Wie dem auch sei – der Meister hat zugesagt, was den Film, der trotz seines Namens vielleicht auch ohne ihn genauso gedreht worden wäre, ordentlich Schub nach vorne gebracht hat.

Was ist Identität – und andere Fragen.

Inhaltlich lässt „Being John Malkovich“ meiner Meinung nach diverse Lesarten zu. Speziell die Bedeutung von Identität ist ein Thema, das in der auf den ersten Blick so skurrilen Geschichte auf sehr komplexe Weise behandelt wird. Ich persönlich verstehe den Film übrigens vor allem als eine Version von „Kleider machen Leute“: Der talentierte, aber völlig unbekannte Puppenspieler kommt erst zu Erfolgen im Job und in der Liebe, als er durch schieren Zufall den Körper (und Namen) eines berühmten Schauspielers übernehmen kann. Bei näherer Betrachtung eine ausgesprochen traurige Geschichte, die zeigt, dass oft nur zählt, wie man heißt – und nicht, was man kann.

Aber auch, wenn man keine Lust hat, „Being John Malkovich“ hoch philosophisch zu betrachten, sollte man dem Film eine Chance geben. Er ist spannend, witzig und hat nur kleine Längen (die letztlich die 7-Sterne-Wertung verhindern). Vor allem aber sind die Schauspieler bestens aufgelegt. Allen voran natürlich John Malkovich, der hier zwei Rollen spielt: Zunächst eine Version seiner selbst, den leicht verschrobenen, etwas abgehobenen aber dennoch sympathischen Schauspieler (ich frage mich ja, wie viel vom echten John Malkovich darin steckt). Und dann noch den von einem mittellosen und unglücklich verliebten Puppenspieler „besessenen“ Malkovich, der natürlich völlig anders agieren muss. Und als ob das alles nicht genug wäre, gibt es noch eine besonders absurde Szene, in der John Malkovich (also dessen alter ego im Film) selbst die Pforte benutzt. Was er in seinem eigenen Kopf erlebt setzt der Groteske wirklich die Krone auf, auch wenn die Szene nur wenige Minuten dauert. Nicht zum ersten Mal fragt man sich, was Malkovich (also der Reale) gedacht hat, als er diese Stelle im Drehbuch gelesen hat. Vielleicht „Malkovich?“ „Malkovich!“.

Angemerkt sei an dieser Stelle, dass auch die kaum zu erkennende Cameron Diaz und John Cusack als liebenswerter Verlierer, der sich mehr und mehr zum Egomanen entwickelt, ihre Sache ausgezeichnet machen. Mit Catherine Keener alias Maxine Lund bin ich hingegen nicht so richtig warm geworden, was wohl auch mit ihrer ziemlich unsympathisch angelegten Rolle zu tun hat. Aber sei’s drum, insgesamt wurden die Darsteller bestens ausgewählt. Gleiches gilt für den passend schrägen Soundtrack.

Fazit: Trotz hohen Skurrilitätsfaktors würde ich jedem empfehlen, sich „Being John Malkovich“ anzusehen. Das ist tatsächlich einmal ein Film, der das Prädikat „Kult“ verdient hat. Er ist witzig, er ist traurig, er regt zum Nachdenken an – und er ist auch spannend. Nur eines ist er definitiv nicht: Stangenware. Etwas wie das hier hat man vorher und naher nur ganz selten zu sehen bekommen. Daumen hoch für alle Beteiligten!

Gesamteindruck: 6/7


Originaltitel: Being John Malkovich.
Regie:
Spike Jonze
Drehbuch: Charlie Kaufman
Jahr: 1999
Land: USA
Laufzeit: ca. 110 Minuten
Besetzung (Auswahl): John Cusack, Cameron Diaz, Catherine Keener, John Malkovich, Orson Bean, Ned Bellamy



FilmWelt: Die Rückkehr des Daumens

Deutschsprachige Independent-Filme sind oft wie eine Schachtel Pralin… äh… naja, lassen wir das Phrasenschwein ruhen. Jedenfalls muss man mit allem rechnen, wenn man sich einen Streifen wie „Die Rückkehr des Daumens“ ansieht. Ich habe es natürlich dennoch getan – und war, so viel sei verraten, sehr positiv überrascht. Absolute Empfehlung für einen Film, der meiner Meinung nach deutlich mehr Aufmerksamkeit hätte bekommen müssen.

Gesamteindruck: 6/7


Daumen hoch!

Die Story, die Regisseur, Drehbuchschreiber und Co-Hauptdarsteller Florian Schmidt-Convey (einer breiteren Masse wohl am ehesten aus verschiedenen Werbeclips bekannt) mit diesem Film erzählt, ist schon sehr skurril geraten. Zumindest auf den ersten Blick – denn bei genauere Betrachtung ist „Die Rückkehr des Daumens“ eine Geschichte über einen gefallenen Sport-Helden, der es noch einmal wissen will. Stoff also, den man so oder so ähnlich immer mal wieder zu sehen bekommt. Nur die Sportart, in der sich die Charaktere versuchen, ist wohl noch nie Thema für einen abendfüllenden Spielfilm gewesen.

Worum geht’s?
Stefan „Coach Steve“ Drehmeister hat seine besten Zeiten hinter sich: Als Trainer für Daumen-Wrestling führte er einst seinen Schützling Lukas „Luki“ Niedevsky zum Meistertitel. Dass er im Moment seines größten Triumphs wegen eines angeblichen Vergehens mit einer Sperre belegt wurde, hat er nie verwinden können. Doch nun, 10 Jahre später, ist die Zeit reif für ein Comeback. Dagegen hat aber King Gustl, seines Zeichens Erzfeind von Coach Steve und Boss der österreichischen Liga für Daumen-Wrestling, etwas einzuwenden…

„Die Rückkehr des Daumens“ ist für mein Dafürhalten eine durchaus gelungene Hommage an den vorwiegend US-amerikanisch geprägten Sportfilm. Ich gebe zu, dass ich nicht so viele davon gesehen habe, an zwei Produktionen aus Hollywood musste ich aber dennoch sofort denken (und es gibt sicher eine Vielzahl ähnlicher Beispiele, weil die Prämisse in diesem Genre meist relativ ähnlich ist): Einerseits an „Rocky“, weil – man glaubt es fast nicht – die geschickt choreografierten Daumen-Kämpfe ziemlich genau dessen testosterongeschwängerte Körperlichkeit reproduzieren. Andererseits kam mir „Cool Runnings“ (1993) in den Sinn, nicht nur aufgrund der Sperre des Trainers, die auch in jener Disney-Komödie eine Rolle spielt, sondern speziell, was die allgemeine Skurrilität der Geschichte betrifft (und ja, ich weiß, dass „Cool Runnings“ auf einer wahren Begebenheit basiert, was aber nichts an der Absurdität im besten Sinne ändert).

All das fängt der Regisseur sehr gut ein. Für eine gehörige Portion Eigenständigkeit sorgt hingegen die Perspektive: Der Film ist durchgehend als Mockumentary gedreht, heißt, ein für den Zuschauer unsichtbares Kamerateam ist stets ganz nah an den Helden, was sich natürlich deutlich an Kameraführung, Ton und Schnitt bemerkbar macht. Zwischendurch verstärken Interviews, Fragen des „Redakteurs“ aus dem Off und ähnliche Tricks den Eindruck einer Dokumentation. Dem interessierten Zuschauer sei die deutsche Serie „Stromberg“ als stilverwandtes Beispiel genannt. Erwähnenswert an dieser Stelle: Der Film ist mit einer ordentlichen Prise österreichischen Lokalkolorits gewürzt, was sich vor allem im durchgängig gesprochenen Dialekt niederschlägt. Der norddeutsche Zuseher wird hier wohl auf Untertitel zurückgreifen müssen. 😉

Das Gesamtkonzept stimmt.

Es ist aber nicht die Machart allein, die mir an „Die Rückkehr des Daumens“ gefällt: Das Gesamtkonzept ist einfach stimmig und überzeugend. Klar ist, dass das fiktive (?) Daumen-Wrestling im Endeffekt für jede andere Sportart stehen kann. Doch dabei belässt es der Regisseur und Drehbuchschreiber nicht; besieht man sich die Sache näher, ist es nachgerade sensationell, mit wie viel Liebe ins Detail er diesen spezielle Sport, der, z. B. im Gegensatz zum Boxen, nicht im kollektiven Bewusstsein verankert ist, beschreibt (um nicht zu sagen: erschafft). Die Folge: Als Zuschauer hat man den Eindruck, dass es eine solche Wrestling-Liga nicht nur wirklich gibt, sondern dass sie allgemein bekannt und anerkannt ist. Zu dieser Glaubwürdigkeit tragen viele Details und Zwischentöne bei, die letztlich natürlich auch die Provinzialität der Liga zeigen. Aus meiner Sicht ist das kein Paradoxon, sondern bringt zusätzliche Authentizität, fast, als würde man einen Blick hinter die glänzende Fassade einer Box-Promotion werfen und erkennen, dass es hinter den Kulissen gar nicht so glamourös zugeht.

Dass all das in einem Independent-Film, der quasi ohne Budget auskommen musste, dermaßen beeindruckend gelungen ist, finde ich einfach nur großartig. Dazu tragen natürlich auch die Schauspieler bei, die den Charakteren glaubwürdiges Leben einhauchen. Richtig bekannt ist mir persönlich übrigens kaum einer der Mimen, genau genommen sagt mir überhaupt nur Alexander Linhardt (immer mal wieder in diversen Krimi-Serien zu sehen) etwas. Der gibt den Bösewicht King Gustl herrlich unsympathisch und hochprofessionell, was aber nicht heißen soll, dass der Rest des Casts schwach wäre, im Gegenteil. Speziell Hauptdarsteller Markus Giefing überzeugt in allen Belangen, aber auch Florian Schmidt-Convey kann als Daumenkämpfer, der mittlerweile seine Erfüllung als esoterisch angehauchter Yoga-Lehrer gefunden hat, voll punkten.

Dass die Figuren dermaßen gut funktionieren, ist natürlich auch dem Drehbuch geschuldet, wobei zu lesen ist, dass „Die Rückkehr des Daumens“ in gerüttelt Maß an Improvisation enthält. Und, falls es noch nicht klar geworden ist: Der Film ist insgesamt lustig, darf aber keineswegs als reiner Slapstick abgetan werden. Der Humor ist – genau wie die Story und das Drama – deutlich tiefgründiger, als man meinen möchte und entsteht mehr aus der skurrilen Grundprämisse als aus billiger Situationskomik. Auch hier: Chapeau an Herrn Schmidt-Convey, das muss man erst einmal in diesem Ausmaß hinbekommen!

Fazit: Ansehen!

Im Endeffekt habe ich nur einen einzigen Wermutstropfen gefunden: Das Ende hat mir nicht so gut gefallen, denn der epische Finalkampf verläuft genau so, wie man es sich erwartet und aus US-Filmen kennt. Das ist schon ein kleiner Dämpfer, weil es im Gegensatz zu den restlichen 95% des Films aus irgendeinem Grund nicht wirklich wie eine Hommage rüberkommt, sondern deren Pathos einfängt. Irgendwas scheint hier mit der Tonalität nicht ganz zu passen, so jedenfalls mein Eindruck. Ganz arg ist das natürlich nicht; dennoch ist es ein kleiner Dämpfer für einen Film, den ich ansonsten aus voller Überzeugung empfehlen kann. Zumindest jedem, der mit dem eigenwilligen Stil und einer schrägen Prämisse auch nur ansatzweise etwas anfangen kann. Ansehen kann man sich „Die Rückkehr des Daumens“ (derzeit übrigens kostenlos!) auf Amazon Prime.

Übrigens: Die im Titel angedeutete „Rückkehr“ bezieht sich nicht ausschließlich auf die oben beschriebene Handlung. Florian Schmidt-Convey hat unter dem Titel „Thumb of the Tiger: Die Lukas Niedevsky Story“ 2012 einen Kurzfilm (ca. 30 Minuten) produziert. „Die Rückkehr des Daumens“ spielt genau 10 Jahre nach den dort geschilderten Ereignissen und beinhaltet auch einige Ausschnitte aus jenem Werk. Gesehen haben muss man den Kurzfilm zwar nicht, um vorliegenden Streifen zu verstehen – er kann allerdings bei der besseren Einordnung der Charaktere helfen. Wer die Zeit investieren möchte, kann sich „Thumb of the Tiger“ z. B. hier ansehen.

Gesamteindruck: 6/7


Originaltitel: Die Rückkehr des Daumens.
Regie:
Florian Schmidt-Convey
Drehbuch: Florian Schmidt-Convey
Jahr: 2018
Land: Österreich
Laufzeit: ca. 115 Minuten
Besetzung (Auswahl): Markus Giefing, Florian Schmidt-Convey, Alexander Linhardt, Verena Leitner, Peter White



FilmWelt: Dennis

Vorweg: Mir ist bewusst, dass „Dennis“ (1993) ein später Versuch gewesen sein dürfte, auf der gigantischen Erfolgswelle von „Kevin – Allein zu Haus“ (1990) mitzuschwimmen. Von einem Plagiat zu sprechen wäre allerdings alles andere als fair, basiert „Dennis“ doch eigentlich auf einem US-Comic, der bereits 1951 (!) erstmals erschienen ist.

Gesamteindruck: 3/7


Ein liebenswerter Quälgeist.

Freilich ist die filmische Verwandtschaft von „Dennis“ und „Kevin“ dennoch nicht von der Hand zu weisen – zu sehr ähneln sich die Hauptdarsteller. Und das nicht nur optisch, sondern auch die Verhaltensmuster sind nahezu identisch. Und: Die Handlung unterscheidet sich nur in Details, im Großen und Ganzen ist „Dennis“ so gesehen also tatsächlich nicht sonderlich eigenständig. Und auch wenn der Film seine Momente hat und weit davon entfernt ist, schlecht zu sein: Ein zweiter „Kevin“ ist Drehbuchschreiber John Hughes (richtig, der war auch für „Kevin – Allein zu Haus“ zuständig!) und Regisseur Nick Castle definitiv nicht geglückt.

Worum geht’s?
Dennis Mitchell ist 5 Jahre alt – und ausgesprochen lebhaft. Sehr zum Leidwesen des griesgrämigen Nachbarn George Wilson, der keine ruhige Minute hat, wenn der Lausbub in der Nähe ist. Der pensionierte Postbote und passionierte Gärtner weiß nicht, wie ihm geschieht als seine Frau einwilligt, auf Dennis aufzupassen, während dessen Eltern auf Geschäftsreise gehen – der Ärger ist vorprogrammiert und lässt natürlich nicht lange auf sich warten…

Mein kindliches Ich hat das sicher anders gesehen – die neuerliche Sichtung als Erwachsener („Dennis“ gibt’s zum Zeitpunkt dieser Rezension gerade auf Netflix zu sehen) fällt leider etwas ernüchternd aus. Im Endeffekt gibt es sogar nur einen Punkt, in dem „Dennis“ seinem vermeintlichen Vorbild ebenbürtig ist: Die Besetzung ist ähnlich hochkarätig. Speziell Walter Matthau († 2000), der nach „Dennis“ gar nicht mehr so viele Auftritte hatte, erweist sich als Glücksgriff – besser hätte die Rolle des grummeligen Nachbarn eigentlich nicht besetzt sein können. Dazu kommt mit Mason Gamble ein Kinderstar, der sich zwar nicht ganz vom damals allmächtigen und -gegenwärtigen Macaulay Culkin emanzipieren kann, seine Rolle aber dennoch sehr bodenständig, glaubhaft und – zum Glück – angenehhm unaufdringlich rüberbringt. Der dritte Hauptdarsteller ist mit Christopher Lloyd auch kein Unbekannter. Seine Darstellung des Schurken Schnappmesser-Sam ist ausgesprochen bizarr, für das damalige Kinderpublikum muss das fast schon an der Grenze des Erträglichen gewesen sein – wie im Übrigen auch die Brutalität, mit der er behandelt wird. Fraglich, ob das heute überhaupt noch so möglich wäre – aber das ist ein anderes Thema, auf das wir hier nicht einzugehen brauchen. Lloyd spielt die Rolle jedenfalls durchaus gut, allerdings ist seine Figur nicht annähernd auf dem Niveaus seiner „Kevin“-Pendants (die legendären „feuchten Banditen“), wofür man natürlich nicht dem Mimen die Schuld geben darf.

Trotz Nostalgiebonus eher durchwachsen.

Wie angedeutet, reißt dieses bunte Ensemble letzten Endes den ganzen Film raus. Denn der besteht aus der erwartbaren Aneinanderreihung von Unfällen und Katastrophen, deren Opfer in den ersten zwei Dritteln Nachbar Wilson, im letzten Abschnitt Bösewicht Schnappmesser-Sam wird. Ich bin mir nicht sicher, wie ich das als Kind gesehen habe – als Erwachsener muss ich sagen, dass der Film seinen Humor kaum aus Dennis‘ Streichen bezieht, sondern einzig und allein aus den Reaktionen darauf, speziell natürlich diejenigen von Mr. Wilson. Walter Matthau verkörpert diese Rolle einfach perfekt, was erstaunlich ist, weil man zu jener Zeit gar nicht vermutet hätte, dass er ohne seinen Langzeit-Partner Jack Lemmon würde reüssieren können. Ganz offen: Seine Körpersprache, wenn Dennis etwas angestellt hat, ist, so hart es klingt, der einzige Grund, wieso man vielleicht doch mal bei „Dennis“ reinschauen sollte.

Der Rest ist ein braves Drehbuch ohne große Ecken und Kanten. Der Humor ist nicht sonderlich zwingend, vor allem dann nicht, wenn Walter Matthau keine Screentime hat. Davon abgesehen bietet „Dennis“ ein wenig amerikanische Kleinstadt-Idylle, was zwar ganz nett anzusehen, gleichzeitig aber auch unglaublich spießig ist. Für Kinder scheint mir das aber durchaus ein schönes Vergnügen zu sein, ich wäre auf Reaktionen gespannt, wenn sich beispielsweise die gesamte Nachbarschaft zum Versteckspielen trifft – ist so etwas heute überhaupt noch üblich? Ich weiß es nicht…

Während man noch darüber nachdenkt, fährt der Film wie auf Schienen vor sich hin: Vorstellung der Charaktere, ein paar Gags, die Begründung, warum Dennis bei den Nachbarn bleiben muss, eine großer Streit und schließlich die Rettung der Situation durch den kleinen Helden und die Versöhnung mit dem alten Griesgram. Klar, das ist ein Film für Kinder und ein durchaus bewährtes Programm – allerdings wird es mir dann doch etwas zu routiniert abgespult, sodass zu keinem Zeitpunkt so etwas wie Spannung aufkommt. Muss vielleicht auch nicht, aber ich kann nicht verhehlen, dass mich das alles ein wenig enttäuscht hat.

So habe ich das übrigens nicht in Erinnerung gehabt – ich kenne den Film aus meiner Kindheit und hatte ihn als deutlich stärker im Gedächtnis abgespeichert. Aber so ist das mit der Nostalgie – sie ist was sehr Schönes, hält aber selten der harten Realität stand. Ausnahmen bestätigen freilich die Regel, wie man z. B. in meiner Rezension zu „Ein toller Käfer“ nachlesen kann. Fazit: Jeder Fan von Walter Matthau kann ein Auge riskieren, jeder, der „Dennis“ 1993 als Kind gesehen hat, ebenso. Zu viel erwarten darf man sich jedoch nicht, ansonsten könnte es eine Enttäuschung geben.

Gesamteindruck: 3/7


Originaltitel: Dennis the Menace.
Regie:
Nick Castle
Drehbuch: John Hughes
Jahr: 1993
Land: USA
Laufzeit: ca. 90 Minuten
Besetzung (Auswahl): Mason Gamble, Walter Matthau, Christopher Lloyd, Joan Plowright, Lea Thompson



FilmWelt: Stromberg

Ich sage es rundheraus: „Stromberg“ gehört meines Erachtens zum Besten, was die deutschsprachige Fernsehwelt in den vergangenen Jahren (oder Jahrzehnten) hervorgebracht hat. Zumindest gilt das für die Serie, die sich in 46 Episoden, verteilt auf fünf Staffeln kaum Schwächen leistet. Allenfalls sind in den späten Staffeln Probleme erkennbar, das Pseudo-Doku-Format sowie den Verbleib des Charakters Stromberg in seiner Firma einigermaßen plausibel zu erklären. Von daher war es wohl gut, dass eine Fortführung der Serie trotz großen Erfolges stets abgelehnt wurde. Freilich gab es kein so richtig befriedigendes Finale, weshalb man sich tatsächlich zu einem per Crowdfunding finanzierten Kinofilm breitschlagen ließ. Der hat zwar seine Momente, ich hätte ihn aber nicht zwangsweise gebraucht.

Gesamteindruck: 3/7


Der Papa macht das… nicht so gut.

Für alle, die es vielleicht noch nicht wissen: „Stromberg“ ist eine Adaption der britischen Serie „The Office“, was in den Anfangstagen zu Urheberrechtsstreitigkeiten führte, die aber außergerichtlich beigelegt wurden. Das Konzept ist im Wesentlichen an eine Dokumentation angelehnt – so folgt ein immer unsichtbar bleibendes TV-Team dem Hauptprotagonisten Bernd Stromberg (Christoph Maria Herbst) durch seinen Alltag im Büro einer Versicherungsgesellschaft. Zwischen Sequenzen, die Stromberg und seine Kollegen bei der Arbeit, in den Pausen und in allen möglichen und unmöglichen weiteren Situationen zeigen, sind immer wieder Interviews eingeschoben, die auf verschiedene Ereignisse Bezug nehmen. Die Serie wurde zwischen 2004 und 2012 produziert, 2014 folgte sozusagen als Abschluss „Stromberg – Der Film“, der im gleichen Stil wie die Serie gehalten ist.

Die Handlung in Kurzfassung

Für die Versicherungsgesellschaft Capitol steht ein großes Jubiläum an: 50 Jahre besteht die Firma, bei der Stromberg und seine Kollegen seit Jahren vor sich hin werkeln. Eine entsprechende Feier ist geplant – doch gleichzeitig gibt es Gerüchte über Rationalisierung und Schließung von Unternehmensteilen, darunter auch die Stromberg’sche Filiale. Dennoch macht sich auch die Abteilung Schadensregulierung frohen Mutes auf den Weg zur Firmenfeier, die bald völlig außer Kontrolle gerät.

Fangen wir vielleicht mit den guten Nachrichten an: „Stromberg – Der Film“ bringt dem geneigten Fan einiges, das er sich erwartet. Der aus der Serie bekannte Cast ist in seinen Rollen natürlich routiniert und man freut sich über das Wiedersehen sowohl mit den Haupt- als auch zahlreichen Nebendarstellern. Ein Kompliment muss man außerdem dem bewährten Duo Ralf Husmann (Drehbuch) und Arne Feldhusen (Regie) aussprechen, denen es einmal mehr gelingt, den Bürowahnsinn zwar überspitzt, aber doch auch wieder unglaublich treffsicher abzubilden. Das schließt die an Peinlichkeiten nicht zu überbietende Betriebsfeier inklusive klischeegeladenem Rahmenprogramm mit ein, wie jeder bestätigen wird, der in einer größeren Firma mal eine Weihnachtsfeier mitgemacht hat. Es gelingt sogar einigermaßen, die pseudo-dokumentarische Perspektive aufrecht zu erhalten – ob das sinnvoll bzw. glaubhaft ist, steht zwar auf einem anderen Blatt, andererseits hätte man diese Frage spätestens nach zwei Staffeln der Serie schon stellen müssen. Von daher kann ich gut damit leben, dass die Capitol trotz aller Erfahrungen mit Stromberg kein Problem damit hat, dass auch bei diesem Jubiläum ein Fernsehteam dabei ist.

Viel mehr uneingeschränkt Gutes kann ich leider nicht berichten. Klar, der eine oder andere große Lacher ist dabei – aber insgesamt ist der Film qualitativ bei weitem kein Vergleich zur Serie. Ein ähnliches Phänomen erlebt man leider immer wieder, beispielsweise bei „Akte X – Der Film“ (1998) oder, um im deutschsprachigen Bereich zu bleiben, den Bullyparade-Filmen „Der Schuh des Manitu“ (2001) und „(T)Raumschiff Surprise – Periode 1“ (2004), die trotz ihres riesigen Erfolgs an den Kinokassen Gag-technisch ebenfalls nicht so richtig zünden konnten. Kurz gesagt: Ich nehme an, der Erfolg von „Stromberg“ liegt auch oder sogar vor allem in der Kürze seiner 45-minütigen Episoden. Der Film dauert 1 ½ Stunden, was man leider nur zu deutlich spürt.

Woran liegt’s nur?

Ich glaube, dass es mehrere Faktoren gibt, die den Film im Vergleich zu seinem Vorbild abstinken lassen. Ich habe weiter oben beispielsweise erwähnt, dass der Cast routiniert ist. Stimmt, man könnte aber auch sagen, dass das Gros der Schauspieler teilweise fast schon lustlos rüberkommt – auch Christoph Maria Herbst selbst, was ich so nicht erwartet hätte. Am aktivsten scheinen mir Oliver Wnuk (Ulf Steinke) und Diana Staehly (Tanja Steinke) zu sein, deren Leistung mir mit Abstand am besten gefällt – wohl auch, weil das die einzigen Figuren sind, bei denen eine Weiterentwicklung stattgefunden hat. Das war schon in der Serie so (wobei dort auch andere Figuren zumindest behutsame Anpassungen erfahren haben) und ist auch hier so, weil die kleine Familie mittlerweile um einen Pflegesohn erweitert wurde. Das passt und sorgt mit für einige wirklich gute Szenen. Es wäre aber unfair, den Darstellern allein die Schuld zu geben – die halten sich ja auch nur ans Drehbuch, auch wenn „Stromberg“ immer sehr improvisiert wirkt (was es übrigens viel weniger ist, als man meinen könnte). Und leider sind die Dialoge einfach nicht gut, will sagen: witzig genug.

Das größte Problem und gleichzeitig wohl DER Grund, wieso der in dieser Rolle eigentlich so famose Christoph Maria Herbst nicht so richtig zu glänzen vermag: Ihm fehlt ein richtiger Gegenspieler aus der Chefetage. Das war in der Serie immer der Fall, die Probleme mit Strombergs Vorgesetzen sind mittlerweile ja fast schon legendär. Im Film macht sich hingegen die Abwesenheit von Lars Gärtner (in der Serie als Timo Becker direkter Vorgesetzter von Stromberg) leider sehr deutlich bemerkbar. Da helfen auch die Rückkehrer Tatjana Alexander (Tatjana Berkel) und Sinan Akkus (Sinan Turculu) nicht viel, auch wenn man sich über das Wiedersehen freut. Schade, denn Strombergs Streitigkeiten mit seinen Chefs waren immer ein immens wichtiger Teil der Serie, das Fehlen eines etablierten Kontrahenten lässt den ganzen Film irgendwie… hmm… halbherzig wirken.

Merkwürdiges Ende.

Viel mehr Erklärung braucht es glaube ich nicht. Gesagt werden kann noch, dass zumindest mir auch das Ende nicht gefallen hat. Im Sinne der Serie und der Entwicklung der Figur Stromberg hätte ich es wesentlich lieber gesehen, wenn er nochmal so richtig auf die Mütze bekommen hat. Klar, es kommt schon dick für ihn, aber so richtig will das Ende mit einem Stromberg, der plötzlich auch außerhalb der Capitol wieder Oberwasser hat, nicht passen. Das allerdings eher am Rande, wenn der Rest ein solches Gag-Feuerwerk wie die Serie gewesen wäre, hätte man über das Finale eventuell hinwegsehen können.

Natürlich ist „Stromberg – Der Film“ kein totaler Ausfall. Aber ich gebe zu, dass ich nach der großartigen Serie wesentlich mehr erwartet hätte. Das hier ist einfach nur durchschnittlich. So leid es mir tut.

Gesamteindruck: 3/7


Originaltitel: Stromberg – Der Film.
Regie: Arne Feldhusen
Drehbuch: Ralf Husmann
Jahr: 2014
Land: Deutschland
Laufzeit: ca. 120 Minuten
Besetzung (Auswahl): Christoph Maria Herbst, Bjarne Mädel, Oliver Wnuk, Diana Staehly, Milena Dreißig, Laurens Walter, Maja Beckmann, Max Kluge



SerienWelt: Braunschlag

Es gibt einiges, das ich an „Braunschlag“ mag: Die Charaktere sind herrlich (und vor allem gut gespielt), die Dialoge treffsicher. Das tiefste Niederösterreich wird als Ort der Handlung passend porträtiert, ebenso die Anspielungen auf die Irrungen, Wirren und Niederungen der Lokalpolitik. Die Handlung kann anfangs ebenfalls überzeugen, ist aber gleichzeitig der Knackpunkt, der eine bessere Gesamtwertung verhindert.

Gesamteindruck: 5/7


Gegrüßet seist Du, Maria.

„Braunschlag“ wurde von Kult-Regisseur David Schalko (u. a. „Die 4 da“, „Sendung ohne Namen“, „Altes Geld“), der auch für das Drehbuch verantwortlich zeichnet, produziert. Die ORF-Serie wurde erstmals 2012 ausgestrahlt und erzählt in 8 Folgen á 45 Minuten mehr oder weniger zusammenhängende, skurrile Geschichte aus dem fiktiven Ort Braunschlag, irgendwo in Niederösterreich. Die Besetzung ist hochkarätig: Die Hauptrollen spielen Robert Palfrader, Nicholas Ofczarek, Nina Proll, Maria Hofstätter und Raimund Wallisch, dazu gibt es ein umfangreiches Ensemble an bekannten Nebendarstellern.

Inhalt in Kurzfassung
Der niederösterreichischen Marktgemeinde Braunschlag droht der Bankrott. Nur noch ein Wunder kann die finanziellen Probleme lösen – was den Bürgermeister und einen Lokalbesitzer auf eine Idee bringt: Warum auf eine Marien-Erscheinung warten, wenn man selbst eine herbeiführen und damit zahlungskräftige Pilger anlocken kann?

Der gelernte Österreicher fühlt sich in „Braunschlag“ schnell zu Hause. Vor allem, wenn er selbst aus der Provinz kommt, wird er viele der gezeigten Charaktere wiedererkennen. Das reicht vom Bürgermeister über den Dorfwirt bis hin zu den hiesigen Polizisten. Die Figuren sind natürlich überspitzt dargestellt – wobei, wenn ich es mir recht überlege, ist die Überzeichnung gar nicht so groß, wie man als Außenstehender vielleicht meinen könnte. Korruption im Westentaschenformat, Protektionismus und ähnliche Phänomene sind nun nichts, was David Schalko hätte extra für „Braunschlag“ erfinden müssen. Selbiges gilt für die Handlung: Ich glaube, dass sich die Mär vom selbst erfundenen Wunder so oder so ähnlich tatsächlich irgendwo in unserem Land abgespielt haben könnte. Dass die Charaktere überzeugen, ist auch den großteils sehr pointierten und witzigen Dialogen zu verdanken, die sich mit grobschlächtigem Wortwitz abwechseln. Um beides zu verstehen ist die Kenntnis ur-österreichischer Gegebenheiten (und auch des Dialekts) allerdings hilfreich – wenn nicht sogar Pflicht, denn die Serie lebt zu einem Gutteil von ihrer mit reichlich Lokalkolorit angehauchten Darstellung.

Überzeugt nicht durchgängig.

Leider reicht es trotz der genannten positiven Aspekte nicht für eine bessere Wertung. Grund ist, dass „Braunschlag“ auf mich wirkt, als hätten die guten Ideen für maximal fünf Folgen gereicht. Die Serie umfasst allerdings acht Episoden, was meiner Meinung nach eine gewisse Verwässerung zur Folge hat, unter der „Braunschlag“ letztlich als Ganzes leidet. Die Geschichte rund um das Wunder und dessen Folgen ist tadellos erzählt, ebenso sind die Beziehungen der Hauptfiguren untereinander gut ausgearbeitet. Nach einigen Folgen wird die Handlung allerdings zunehmend abstrus und verlässt den eigentlich sehr realistischen Pfad. Das finde ich persönlich schade, weil es bei mir das Gefühl hinterlassen hat, dass David Schalko nicht so richtig wusste, wie er „Braunschlag“ vernünftig zu Ende führen sollte. Stimmt vermutlich nicht und er wollte es genau so, wie er es umgesetzt hat – das ändert aber nichts daran, dass ich mich bis ungefähr Folge 5 extrem gut unterhalten gefühlt habe, danach leider nicht mehr so richtig. Das liegt übrigens auch an dem einen oder anderen Nebenstrang, auf den ich hätte verzichten können. Nicht, weil er per se nicht brauchbar wäre, sondern weil es dort an Tiefgang fehlt.

Fazit: „Braunschlag“ ist gut und hat durchaus das Zeug zur kleinen Kultserie. So richtig überzeugend finde ich die ORF-Produktion als Ganzes aus genannten Gründen jedoch nicht, sodass es für immer noch sehr gute 5 Punkte reichen muss.

Gesamteindruck: 5/7


Originaltitel: Braunschlag.
Idee: David Schalko
Land: Österreich
Jahr: 2012
Episoden: 8
Länge: ca. 45 Minuten
Gesehen auf: Netflix
Haupt-Besetzung: Robert Palfrader, Nicholas Ofczarek, Maria Hofstätter, Nina Proll, Raimund Wallisch, Christopher Schärf, Simon Schwarz, Manuel Rubey, Sabrina Reiter



 

FilmWelt: Ein toller Käfer

Einen Tag vor Veröffentlichung dieser Rezension ist der neue Streamingdienst von Disney in Europa gestartet. Dass ausgerechnet „Ein toller Käfer“ von 1968 (!) der erste Film sein würde, den ich mir dort ansehe, hätte ich nie gedacht – denn eigentlich waren die Star Wars-Rechte der einzige Grund, wieso ich Disney+ überhaupt testen wollte. Erst beim Durchscrollen des Angebots wurde mir wieder bewusst, dass Disney auch früher schon mehr gemacht hat als nur Zeichentrick. Und so musste ich einfach einen Klassiker aus meiner Kindheit sehen, bevor ich überhaupt an „The Mandalorian“ & Co denken konnte.

Gesamteindruck: 5/7


Unschuldiger Spaß für die ganze Familie.

In meiner Erinnerung ist „Ein toller Käfer“ ein großartiger Film. Meine Eltern hatten ihn irgendwann Ende der 1980er auf Video aufgenommen und ich bin mir sicher, dass das eine der Kassetten ist, die ich am öftesten abgespielt habe; so gut hat mir gefallen, was Regisseur Robert Stevenson (u.a. Mary Poppins) hier fabriziert hat. Und nun, Ende März 2020, war ich sehr gespannt, ob dieser Streifen nur durch Kinderaugen etwas taugt oder ob man sich auch als Erwachsener gut unterhalten fühlt.

Inhalt in Kurzfassung
Der glücklose Rennfahrer Jim Douglas ist auf der Suche nach einem neuen Wagen, um endlich an frühere Erfolge anschließen zu können. Durch Zufall kommt er an einen weißen VW Käfer, der nicht nur unglaublich schnell ist, sondern auch einen eigenen Willen zu haben scheint. Am Steuer von „Herbie“, wie der kleine Wagen genannt wird, fährt Douglas wieder um den Sieg mit – doch ist das seine Leistung als Fahrer oder gewinnt Herbie die Rennen selbst? Zu allem Überfluss rufen die Erfolge des Duos schnell Neider auf den Plan, allen voran den zwielichtigen Autohändler Peter Thorndyke, der Douglas den Käfer ursprünglich verkauft hat. 

Ich weiß nicht, wie oft ich diesen Film angeschaut habe – allerdings bin ich mir sicher, dass ich ihn nie im TV gesehen habe, sondern immer nur auf besagter Videokassette. Letztmals einen Videorekorder hatte ich wohl vor 25 Jahren oder so, seither habe ich ihn definitiv nicht mehr gesehen. Sehr wahrscheinlich ist es sogar länger als 25 Jahre her, dass ich „Herbie“ zum letzten Mal bewundert habe. Wieso ich das alles erzähle? Nun, gestern ist mir aufgefallen, dass ich nach wie vor jede Szene kenne und vermutlich sogar noch einen Teil der Dialoge mitsprechen könnte. Unglaublich, zeigt aber auch, dass ich wirklich beeindruckt von „Ein toller Käfer“ gewesen sein muss.

Immer noch ein guter Film.

Nun aber zur Sache. „Ein toller Käfer“ enthält zwar einige Szenen mit ein bisschen Renn-Action, ist aber insgesamt eine völlig harmlose Komödie für die ganze Familie. Garniert ist der Film mit einer kleinen, ebenfalls harmlosen Liebesgeschichte. Daher wohl auch der englische Originaltitel, in diesem Fall muss man aber sagen, dass „Ein toller Käfer“ ausnahmsweise sogar der passendere Titel ist. Die Story ist denkbar einfach, die Charaktere klar in Gut und Böse getrennt. Ein bisschen Ärger gibt es zwar, als Jim Douglas, durch seine bzw. Herbies Erfolge Starallüren bekommt, doch auch das löst sich schnell in Wohlgefallen auf. Übrigens sind die schauspielerischen Leistungen weitgehend in Ordnung; wie üblich glänzt hier vor allem der Darsteller des Bösewichts. Verdammt, war mir der damals unsympathisch… Alles richtig gemacht also.

Das Drehbuch ist zweckmäßig, man merkt aus heutiger Sicht, dass einiges mit Hilfe von Rennszenen, die sich stets ähneln, gestreckt wurde. Dadurch entstehen tatsächlich kleinere Längen, die mir früher gar nicht aufgefallen sind. Weil sich das aber in Grenzen hält, würde ich hierfür keine großen Abzüge geben. Wichtiger ist ohnehin der Humor – und ich finde nach wie vor, dass ein Großteil der Pointen sitzt. Klar, vieles ist vorhersehbar, dennoch habe ich gestern Abend ausgiebig gelacht. Weniger über Dinge wie das Auto, das seinen Erzfeind mit Öl bepinkelt, sondern tatsächlich über den Wortwitz. Man darf hier aber auch nicht die ganz feine Klinge erwarten – unterhaltsam ist es meiner Meinung nach trotzdem.

Abschließend noch ein Wort zur Technik. Die Musik ist ebenfalls etwas, das mir stark in Erinnerung geblieben ist. Hier muss ich aber zugeben, dass mich der ewig gleiche Soundtrack tatsächlich genervt hat. Optisch ist hingegen alles im grünen Bereich und ich könnte nicht sagen, was man hier besser machen kann. Man erkennt zwar ab und an sehr gut, dass die Hintergründe nur Kulissen sind, auch dass das Bild immer mal wieder beschleunigt wird, um den Käfer schneller darzustellen, fällt auf. Dennoch – hier ist nichts computeranimiert und das tut einfach nur gut, finde ich. Den einen oder anderen Spezialeffekt gibt es auch zu bewundern, überbordend ist da aber nichts.

Fazit: Ja, mir hat „Ein toller Käfer“ auch anno 2020 gefallen. Nicht so extrem wie früher, ich glaube nicht, dass ich ihn mir in näherer Zukunft nochmal ansehen werde. Aber es war ein schönes Erlebnis, den Film wieder einmal zu sehen. Wie viel davon reine Nostalgie ist und wie viel Qualität tatsächlich drin steckt, werden andere beurteilen müssen. Ich fürchte, ich bin dafür zu voreingenommen – wobei mir ein Blick auf meine eigene Bewertung zeigt, dass sich der Zauber der Kindheit wohl doch nicht mehr ganz hat reproduzieren lassen…

Gesamteindruck: 5/7


Originaltitel: The Love Bug
Regie: Robert Stevenson
Jahr: 1968
Land: USA
Laufzeit: 107 Minuten
Besetzung (Auswahl): Dean Jones, Michele Lee, David Tomlinson, Buddy Hackett, Joe Flynn



 

SpielWelt: Böse Nachbarn – Rache ist ein süßes Spiel

Wer kennt sie nicht – Nachbarn, mit denen man sich einfach nicht verträgt und denen man einmal so richtig nach Herzenslust einen Streich spielen möchte. Weil das im wirklichen Leben schnell vor Gericht enden würde, reißt man sich natürlich meistens zusammen. Wer aber dennoch nicht auf das Vergnügen verzichten möchte, hat mit „Böse Nachbarn“ die Chance, dem Miesepeter von Nebenan zumindest virtuell ordentlich einzuheizen.

Gesamteindruck: 4/7


Schadenfreude ist die schönste Freude.

Ein wenig sadistisch sind wir ja alle veranlagt. Wie sonst ist es zu erklären, dass sich Formate, in denen jemand an der Nase herumgeführt wird, so großer Beliebtheit erfreuen? Vielleicht auch, weil es sich dabei um ein Ventil handelt und wir uns so gern ansehen, was wir selbst oft mit Genuss tun würden – aber letztlich doch nicht machen, und sei es nur, weil wir die unerfreulichen Folgen fürchten. Wer nicht nur passiv zusehen sondern lieber aktiv Fallen stellen und sich an der wutentbrannten Reaktion seiner Mitmenschen weiden möchte, kann das gefahrlos im 2003 erschienen Spiel „Böse Nachbarn“ tun.

Die Handlung in Kurzfassung
Woody hat es sich zum Ziel gesetzt, sich an seinem griesgrämigen und nervigen Nachbarn Mr. Rottweiler zu rächen. Dazu schleicht er in dessen Wohnung und nutzt alle möglichen und unmöglichen Gegenstände, um Fallen für den unsympathischen Herrn zu konstruieren. Selbstredend darf er sich dabei weder vom Hausherrn noch von dessen tierischen Mitbewohnern erwischen lassen, sonst setzt es Prügel. Obendrein ist Woody Star einer TV-Show und alle Aktionen seinerseits werden von Kameras aufgenommen. Man sollte also auch die Einschaltquote im Auge behalten… 

„Neighbours from Hell – Revenge is a Sweet Game“, so der vollständige Original-Titel, ist ein nettes Spielchen für zwischendurch. Nach einer Einführung, in der man die Steuerung kennenlernt, ist das Spiel in drei Staffeln mit einer jeweils unterschiedlichen Zahl an Episoden eingeteilt. Pro Episode gibt es ein Zeitlimit, das zwar relativ kurz ist (deutlich unter 10 Minuten), mit etwas Übung aber locker ausreicht, um die geforderte Anzahl an Streichen zu spielen bzw. die vorgegebene Einschaltquote zu erreichen. Bonuspunkte gibt es für alles, was über die Mindestanforderungen hinausgeht, was in den meisten Fällen ebenfalls kein großes Problem darstellt.

Der Schwierigkeitsgrad ist nicht der Rede wert, sehr vieles lässt sich durch trial & error lösen. Mehr als zwei, maximal drei Versuche pro Abschnitt wird man selten brauchen, wenn man mal die grundlegende Dynamik des Spiels verstanden hat. Noch dazu gibt es in jeder Episode ohnehin nur eine gewisse (einstellige) Anzahl an Streichen, die möglich sind. All das erlaubt es, „Böse Nachbarn“ trotz fehlender Speicherfunktion immer mal wieder zwischendurch zu spielen. Einerseits gut, andererseits sind Umfang und Wiederspielwert sehr bescheiden. In gut drei Stunden hat man alles erledigt und für einen weiteren Versuch fehlt dann der Anreiz. Ab und an hat man vielleicht in einer Episode nicht ganz die höchste Einschaltquote erreicht (was man im Hauptmenü sehr schön sieht) und kann versuchen, ein bisschen nachzujustieren – meist liegt das Problem jedoch nur an der falschen Reihenfolge der Streiche. Oft wird man sich aber so oder so nicht mehr ins Haus von Mr. Rottweiler schleichen, wenn man „Böse Nachbarn“ einmal durchgespielt hat. Auch, weil sich die Streiche teilweise sehr stark ähneln und es nur eine Location (in späteren Staffeln immerhin mit ein paar Räumen mehr) gibt.

Sitcom-Humor.

Dennoch ist „Böse Nachbarn“ einen Versuch wert, zumindest, wenn man mit dem Slapstick-artigen Humor etwas anfangen kann. Da wird eine Sprungfeder unter dem Trampolin versteckt, dort landet ein Ei in der Mikrowelle und wird das Duschgel mit Haarwuchsmittel ausgetauscht, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Alles zum Ärger des Nachbarn und zum – ganz im Stile einer Sitcom – eingeblendeten Gelächter des virtuellen Publikums. Auch vor derberen Späßen wie einer nach Schwarzpulver-Behandlung explodierenden Pfeife oder der unter Strom gesetzten Wasserlache im Keller schreckt das Spiel übrigens nicht zurück. Durch die Zeichentrick-Grafik wirkt das alles aber entsprechend harmlos, hat ein bisschen was von „Tom & Jerry“.

A pro pos Grafik: An der ist nichts auszusetzen. Die Animationen sind gut, die ganze Optik gefällt und passt super zum Spielprinzip. In Sachen Bedienung gibt man sich ebenfalls keine Blöße – Kunststück, das Spiel kommt ja mit zwei Maustasten aus, mehr braucht man nicht, um sich durch das Haus zu bewegen und Gegenstände zu kombinieren. Ein kleiner Wermutstropfen: Die Streiche müssen zeitweise sehr gut getimed sein, was dazu führt, dass man sich selbst gelegentlich um die Früchte seiner Arbeit bringt, weil man z.B. gerade den Keller präpariert, während der Nachbar im zweiten Stock in die sorgsam vorbereitete Falle tappt. Dessen Reaktion übersieht man dann im Eifer des Gefechts oft, was sehr schade ist.

Wiederspielwert: Fehlanzeige.

„Böse Nachbarn“ weiß im Endeffekt für einige Zeit ganz gut zu unterhalten. Tiefgang oder eine echte Herausforderung darf man sich davon aber nicht erwarten – soll man wohl auch nicht. Ich persönlich hätte mir etwas mehr Umfang gewünscht und, vielleicht noch wichtiger, hier und da gerne mal alternative Lösungswege vorgefunden. So ist die größte Schwierigkeit, das richtige Timing herauszufinden, ansonsten sollten alle Streiche locker von der Hand gehen. Vier Punkte für ein grundsolides, kleines Spielchen.

PS: Es gibt einen zweiten Teil namens „Neighbours from Hell – On Vacation“. Dort folgt Woody seinem Nachbarn unentdeckt auf ein Kreuzfahrtschiff, was definitiv ein willkommener Location-Wechsel ist.

Gesamteindruck: 4/7


Genre: Puzzle
Entwickler: JoWooD
Publisher: JoWooD
Jahr:
2003
Gespielt auf: PC


FilmWelt: Happy Burnout

„Happy Burnout“ ist kein totaler Reinfall, könnte aber wesentlich besser sein. Leider hat der Film im Wesentlichen zwei Probleme: Einerseits ist die Handlung relativ seicht und sehr berechenbar, andererseits wussten die Verantwortlichen wohl selber nicht, ob sie eine Komödie oder eine Tragödie machen wollten. Diesen Zwiespalt merkt man „Happy Burnout“ deutlich an, sodass der Film letztlich weit hinter seinen Möglichkeiten zurück bleibt.

Gesamteindruck: 4/7


Ambivalentes Filmerlebnis.

„Happy Burnout“ ist ein merkwürdig ambivalenter Film. Der Titel suggeriert eine Komödie, was im ersten Drittel auch vorbehaltlos erfüllt wird. Die Gags zünden (zumindest großteils), Wotan Wilke Möhring verkörpert den Alt-Punker Fussel glaubwürdig und mit viel Herzblut. Das sorgt für einige Lacher und ist herrlich belangloser Humor, der niemandem weh tut und kaum tieferen Sinn hat. Das macht auch nichts, gelegentlich will man ja einfach so lachen. Dieses Bild dreht sich später im Film allerdings und „Happy Burnout“ versucht, ernst zu werden. Ja, es gibt immer noch Gags, aber der Grundtenor wird zunehmend nachdenklich (übrigens ohne an Tiefe zu gewinnen). Das kann man vielleicht so machen, in diesem Falle funktioniert es allerdings nicht gut und die beiden unterschiedlichen Tonalitäten wollen kaum zueinander passen.

Inhalt in Kurzfassung
Ein alternder Punker bekommt eine schlechte Nachricht: Ein Exempel soll an ihm statuiert werden, die Hartz IV-Bezüge sind in Gefahr, Obdachlosigkeit droht. Die einzig gangbare Lösung ist eine Einweisung in ein Sanatorium mithilfe der schnell gestellten Burnout-Diagnose. In der Psychiatrie entdeckt der gutmütige Anti-Held, dass er eine Ader dafür hat, anderen Menschen, speziell seinen Mit-Patienten, zu helfen.

Genau betrachtet ist die gesamte Story, die „Happy Burnout“ erzählt, ein Klischee. Das reicht vom gealterten Wohlstands-Verweigerer mit harter Schale und weichem Kern bis zu den typischen Zivilisationspsychosen, denen er im Sanatorium begegnet. Und auch der Aufbau ist so typisch und berechenbar, dass man meint, den Film schon zigmal gesehen zu haben: Fussel hat in der Anstalt zunächst Schwierigkeiten, findet sich zunehmend besser ein, freundet sich mit den Insassen, später auch dem Personal an, erleidet den einen oder anderen Rückschlag und hilft dann doch den Patienten, die ihm am Ende – um das Maß voll zu machen – auch noch tatkräftig beim Kampf um seine Tochter unterstützen. All das passiert in „Happy Burnout“ genau dann, wenn man es erwartet. In Verbindung mit dem ohnehin nicht sonderlich schweren Stoff ergibt das einen sehr seichten Gesamteindruck.

Kritisieren könnte man zusätzlich den doch recht lockeren Umgang mit diversen psychischen Erkrankungen. Das wäre im Prinzip kein großes Problem, wenn „Happy Burnout“ eine reinrassige Komödie wäre, die von der Überzeichnung lebt. Weil der Film aber im Verlauf zunehmend nachdenklicher wird, bleibt die Frage, ob dieses leichtfüßige Hinweggehen über Dinge wie Depressionen, Burnout o.ä. nicht ein Hohn für tatsächlich betroffene Menschen ist. Das muss letztlich jeder für sich entscheiden – ich persönlich kann durchaus verstehen, wenn man sich daran stört.

Schauspieler machen ihre Sache gut.

Der Großteil meiner Kritik an „Happy Burnout“ richtet sich aber – wie beschrieben – an den doch recht seichten Inhalt. Schade, weil die Schauspieler eigentlich gut in Form sind. Anke Engelke wirkt als Therapeutin zwar ein wenig hölzern, der Rest des Ensembles spielt die jeweilige Rolle jedoch sehr glaubwürdig. Unbestrittener Star des Films ist natürlich Wotan Wilke Möhring, dem man seine Darstellung jederzeit voll und ganz abkauft. Das reicht vom Outfit über das ganze Gehabe bis hin zum lässigen Gang, mit dem sich der mehrfache Gewinner des deutschen Fernsehpreises durch die Szenen bewegt. Wenn man diese Leistung sieht, ist es umso enttäuschender, dass der Film insgesamt einfach nicht gut genug ist, um wirklich vom Hocker zu reißen. Mehr als eine durchschnittliche Wertung ist damit nicht drin, auch wenn ich mich zumindest von einem Drittel des Films sehr gut unterhalten gefühlt habe.

Gesamteindruck: 4/7


Originaltitel: Happy Burnout
Regie: André Erkau
Jahr: 2017
Land: Deutschland
Laufzeit: 102 Minuten
Besetzung (Auswahl): Wotan Wilke Möhring, Anke Engelke, Kostja Ullmann, Torben Liebrecht, Michael Wittenborn, Julia Koschitz



 

FilmWelt: Iron Sky

Der Mond wendet der Erde ja immer die selbe Seite zu, wie es auf seiner Rückseite aussieht, war lange Zeit unbekannt. Naheliegend, dasseine Gruppe von Nazis vor der sich abzeichnenden Niederlage im 2. Weltkrieg genau dort einen geheimen Stützpunkt errichtet haben. Die Überwindung der Entfernung fand mittels Reichsflugscheiben statt, die auch für die spätere Rückkehr und zur Eroberung der Erde eingesetzt werden sollten. So zumindest die Geschichte, die dem Publikum im finnischen (!) Überraschungserfolg „Iron Sky“ präsentiert wird. An dieser Beschreibung merkt man bereits, welch eigentümlichen Film Regisseur Timo Vuorensola hier geschaffen hat.

Gesamteindruck: 5/7


Sehr speziell.

„Iron Sky“ widersetzt sich der Einordnung in ein konkretes Genre. Science Fiction? Komödie? B-Movie? Persiflage? Der Film ist wohl ein bisschen von allem, am ehesten ist er vermutlich als Satire zu klassifizieren. Sucht man nach einem ähnlichen Format, wird man am ehesten bei Tim Burtons „Mars Attacks!“ (1996) fündig, der ungefähr in die gleiche Richtung geht. Allerdings fällt bei „Iron Sky“ der humoristische Anteil deutlich geringer aus. Wobei die im Film durchaus vorhandene Gesellschaftskritik wiederum so absurd verpackt ist, dass man ihn auch nicht richtig ernst nehmen kann. Ein merkwürdiges Zwischending also, kaum zu beschreiben.

Vom Feinsten – und das wiederum unbestritten – sind Optik und Akustik. „Iron Sky“ sieht, vor allem für ein Werk, das nicht aus Hollywood kommt, fast schon unverschämt gut aus. Das betrifft nicht nur die tollen Effekte und grandios dargestellten Raumschiffe (inklusive exzellent gestalteter Weltraum-Schlacht), sondern auch den generellen Anstrich. So wurden beispielsweise die Szenen, die auf der Mondbasis der Nazis spielen, mit geringere Farbsättigung versehen. Das erzeugt einen Eindruck, den man von alten Aufnahmen aus jener Zeit kennt – ein kleines Detail mit großer atmosphärischer Wirkung. Aber auch die Filmmusik muss sich vor den optischen Effekten nicht verstecken: Für den Soundtrack wurde die slowenische Gruppe Laibach verpflichtet, was wie die Faust aufs Auge passt. Allein die Mond-Hymne „Kameraden, wir kehren heim!“ als leicht abgeänderte Form von „Die Wacht am Rhein“ ist Gold wert.

Die Schauspieler konnten mich hingegen nicht ganz überzeugen. Großartig macht seine Sache Götz Otto, der als schneidiger Soldat Klaus Adler brilliert. So und nicht anders stellt man sich einen Wehrmachtsoffizier, egal ob auf dem Mond oder auf der Erde, vor. Zumindest, wenn er das „Wochenschau“-Klischee erfüllen soll. Und auch Julia Dietze funktioniert als naiv-brave Lehrerin Renate Richter. Tatsächlich war es eine gute Idee, für diese Rollen deutsche Schauspieler zu verpflichten – das hat einen ähnlichen Effekt wie in Tarantinos „Inglourious Basterds“ (2009). Der Rest der Riege ist hingegen bemüht, hat aber mit teilweise arg übertriebenen Dialogen zu kämpfen. Vor allem Christopher Kirby als dunkelhäutiger Astronaut/Model James Washington und Peta Sergeant als US-Wahlkampfleiterin Vivian Wagner leiden meiner Ansicht nach an einer viel zu schrillen Darstellung.

Inhaltlich lebt die Story natürlich von ihrer Absurdität. Viel gibt es dazu eigentlich nicht zu sagen – die Handlung mag zwar reichlich grotesk sein, gleichzeitig ist sie aber auch ziemlich dünn. Interessanter ist das, was mitschwingt. Man könnte „Iron Sky“ natürlich als gesellschaftliche Kritik lesen – dass Nazis böse sind, wird zwar nicht extra hervorgehoben, aber allein durch ihre vollkommen überzeichnete Großmannssucht merkt der Zuseher schnell, was die Stunde geschlagen hat. Weitere Erklärungen braucht es in Bezug auf die Mondflüchtlinge eigentlich nicht, es reicht, zu sehen, wie sehr sie sich selbst überschätzen, wie sie Propaganda verbreiten und wie sie letztlich an ihrem eigenen Größenwahn scheitern. Die Darstellung der technisch und philosophisch im Wesentlichen auf dem Stand von 1945 stehengebliebenen Mondnazis („Das ist doch kein Computer“) ist ohnehin ein rein historischer Bezug und schwankt irgendwo zwischen akkurat und überzeichnet.

Für den Zuseher wichtiger ist die Frage nach der Einarbeitung aktueller politischer Entwicklungen. Hier ist es so, dass zwei Faktoren, die derzeit wieder groß in Mode kommen, aufgegriffen werden. Einerseits der amerikanische Anspruch, die wichtigste und größte Nation zu sein und die Welt anzuführen, andererseits die Sehnsucht nach autoritären Symbolen und Herrschern, die im Moment in der westlichen Welt leider ein Comeback feiert. Beides wird im Film aufgegriffen, allerdings muss man jeden, der eine kritische Auseinandersetzung mit diesen Themen erwartet, enttäuschen: Es bleibt bei der Darstellung, Kritik gibt es kaum. Fast scheint es, als hätte der Regisseur das so gewollt, als hätte es ihm gereicht, das Bild, das er mit „Iron Sky“ zeichnet, für sich selbst stehen zu lassen. Vielleicht hat er auch deshalb seinen Film relativ sparsam mit Humor versehen? Bleibt zu hoffen, dass diese von mir vermutete Botschaft auch ankommt, wenn sie so unverpackt und unkommentiert abgegeben wird.

Letztlich ist „Iron Sky“ ein merkwürdiger Film, den man so gerne noch viel lieber mögen würde, als man es tut. Die Idee ist gut, die Intention ist gut, die Ausstattung ist gut – wenn die Umsetzung ein bisschen weniger spröde, ein bisschen lebendiger und greifbarer gelungen wäre, hätten wir es hier mit einem Meisterwerk zu tun. So müssen 5 Punkte für einen durchaus sehenswerten Streifen, der leider unter seinen Möglichkeiten bleibt, reichen.

PS: Ich habe den Director’s Cut gesehen. Wirkliche Längen hatte diese Version nicht; ein Vergleich mit der originalen Kinofassung, die um rund 20 Minuten kürzer ist, fehlt mir.

Gesamteindruck: 5/7


Originaltitel: Iron Sky
Regie: Timo Vuorensola
Jahr: 2012
Land: FIN/GER/AUS
Laufzeit: 113 Minuten (Director’s Cut)
Besetzung (Auswahl): Julia Dietze, Götz Otto, Christopher Kirby, Udo Kier, Tilo Prückner, Peta Sergeant



 

FilmWelt: Bad Fucking

Harald Sicheritz porträtiert die österreichische Provinz – und gleichzeitig auch die Seele der dortigen Bevölkerung. Das ist nicht ungewöhnlich, sondern durchaus erwartungsgemäß. Überraschender ist, dass der Regisseur seine guten Zutaten längst nicht so gekonnt einsetzt, wie man es sich erhofft hätte. Das macht „Bad Fucking“ zwar nicht zu einem schlechten Film, eine kleine Enttäuschung bleibt aber dennoch zurück.

Gesamteindruck: 4/7


Provinzielle Apokalypse.

Wer in einem Ort lebt, dessen Name im Englischen ein Synonym für schlechten Geschlechtsverkehr ist, muss erfinderisch sein. Die Einwohner von Bad Fucking (das übrigens eine Anspielung auf den real existierenden Ort Fucking in Oberösterreich ist) haben sich im gleichnamigen Film mit dieser Situation arrangiert. Die Touristen, die busweise im Provinznest einfallen, werden nach allen Regeln der Kunst ausgenommen, die Wirtschaft boomt und es herrscht generelle Zufriedenheit. Bis die Idylle schließlich von einer Naturkatastrophe unterbrochen wird und kein Fremder mehr den Weg in die Ortschaft findet. Dass das nicht gut enden kann ist klar – und irgendwie auch typisch österreichisch.

Kult-Regisseur Harald Sicheritz verfilmte 2013 mit „Bad Fucking“ das gleichnamige, nicht minder groteske Buch von Kurt Palm. Sicheritz’schen Meisterleistungen wie „Muttertag“, „Freispiel“ und „Wanted“ kann dieser Film allerdings nicht das Wasser reichen, soviel sei vorweg gesagt. Dabei stimmen die Zutaten: Die Figuren sind herrlich skurril, richtige Sympathieträger sind kaum auszumachen, was in einem solchen Streifen gerne so sein darf. Die österreichischen Provinz wird in Bild und Ton geradezu perfekt dargestellt (als jemand, der vom Land kommt, darf ich das wohl so sagen). Die Gags zünden (großteils), die Schauspieler (man kann durchaus von einem österreichischen Star-Ensemble sprechen) machen ihre Sache ausgezeichnet. Sogar die Kritik an der hinterwäldlerischen Dorfgemeinschaft passt und ist ausreichend bissig formuliert.

Woran fehlt es also? Es ist wie so oft: Der Regisseur vermag diese Einzelaspekten in kein durchgehend stimmiges Ganzes zu gießen. Im Grunde ist „Bad Fucking“ eine Aneinanderreihung von mal mehr, mal weniger lustigen Szenen. Die verbindende Geschichte ist nicht der Rede wert und macht meines Erachtens auch relativ wenig Sinn. Eigentlich hat der Versuch, dem Film eine krimi-mäßige Rahmenhandlung zu geben, sogar einen negativen Effekt: Als Zuschauer springt man natürlich auf die Jagd nach einem Mörder an, versucht, die Puzzlesteine aneinander zu fügen. Wenn das dann nicht funktioniert, weil der Film gar nicht an einer Lösung interessiert scheint, sorgt das für Enttäuschung. Letztlich ist man sich als Zuseher nie sicher, ob „Bad Fucking“ sich nun selbst ernst nimmt oder nicht. Und in einer solchen Grauzone ist das Sehvergnügen – zumindest für mich – einfach nicht so hoch, wie man es sich erhofft hätte.

Ein zweiter Punkt, der auf der negativen Seite ins Feld geführt werden kann: Wie beschrieben ist der Humor großteils durchaus brauchbar. Es gibt intelligente Satire, meist muss man sich aber eher auf Tiefschläge einstellen. Durchaus passabel, möchte ich anmerken. Allerdings stehen den durchaus witzigen Szenen auch (zum Glück wenige) diverse Ausfälle entgegen, die komplett an meinem Humor vorbeigehen. Dieser Kontrast fällt in „Bad Fucking“ extrem aus. Glücklicherweise überwiegen aber die echten Schenkelklopfer, sodass dieser Kritikpunkt zwar da, aber nicht allzu groß ist.

Fazit: Der Film ist natürlich kein kompletter Ausfall wie „3faltig“. „Bad Fucking“ weiß schon zu unterhalten. Dennoch hat man ständig das Gefühl, dass wesentlich mehr Tiefgang und Klasse möglich gewesen wären.

Gesamteindruck: 4/7


Originaltitel: Bad Fucking
Regie: Harald Sicheritz
Jahr: 2013
Land: Österreich
Laufzeit: 108 Minuten
Besetzung (Auswahl): Martina Ebm, Proschat Madani, Thomas Mraz, Wolfgang Böck, Michael Ostrowski, Bettina Redlich, Adele Neuhauser, Johannes Silberschneider