BuchWelt: Der Krake

China Miéville


„Der Krake“ ist das erste Werk von China Miéville, das ich gelesen habe. Dass gleich meine Premiere so schwierig zu bewerten sein würde, hätte ich nicht gedacht. Denn rein vom Klappentext her klingen sowohl dieses als auch seine anderen Werke durchaus nach Stoff, den ich gerne lese. Und auch während und nach der Lektüre wollte ich dieses Buch unbedingt mögen. Es schien mir unverzeihlich, dass ich damit nicht warm werden konnte. Und doch muss ich so ehrlich sein und sagen: „Der Krake“ hat mir über weite Strecken nicht gefallen.

Gesamteindruck: 3/7


(Zu) abgefahren.

Das Problem, das ich mit „Der Krake“ habe, ist nicht die Story an sich. Die besteht aus einer guten, nicht alltäglichen Idee, eingebettet in eine Welt, die der unseren entspricht, letztlich aber doch ganz anders funktioniert. Die Mär von Zauberern, Hexen, Engeln und anderen merkwürdigen Wesen, die unbemerkt unter uns leben, ist guter Stoff, den ich persönlich bisher vor allem von Sergej Lukianenko (die „Wächter“-Serie) oder Neil Gaiman („American Gods“) kannte. „Der Krake“ haut mit seinen verschiedenen Kulten, mit Göttern und Magie in eine sehr ähnliche Kerbe. Leider schafft es China Miéville jedoch nicht, aus diesen Zutaten eine durchgehend fesselnde Geschichte zu basteln. Im Gegenteil, mehrere Probleme haben mir die Lektüre länger werden lassen, als es die gar nicht so umfangreiche Haupthandlung vermuten lässt.

Inhalt in Kurzfassung
Die Hauptattraktion in einem Londoner Museum ist ein Riesenkalmar, der präpariert in Formalin in einem großen Glasbehälter schwimmt. Als das Exponat auf unerklärliche Weise verschwindet, gerät Kurator und Durchschnittstyp Billy Harrow in einen Strudel bizarrer Ereignisse. Die Suche nach dem riesigen Tintenfisch führt ihn zu einem mysteriösen Kult, der den Kalmar als Gott verehrt. Doch damit nicht genug, der Held wider Willen erfährt nach und nach, dass es in „seiner“ Stadt von mysteriösen Sekten und Kulten wimmelt und dass Zauberei und Magie nicht nur existieren, sondern durchaus gefährlich sein können.  

„Der Krake“ bzw. sein Autor ist ein Vertreter des „New Weird“, einer relativ neuen Literaturströmung, die vor allem in der Science Fiction eingeordnet werden könnte, würde sie sich nicht vor allem durch Aufweichung von Genre-Grenzen auszeichnen. In diesem Fall haben wir es mit einer Mischung aus (Urban) Fantasy, Science Fiction, Thriller und Krimi zu tun, garniert mit britisch-trockenem Humor. Klingt gut? Mag sein, letztlich muss man aber konstatieren, dass sich das Buch – zumindest stellenweise – genauso zerfahren liest, wie man nach dieser Beschreibung befürchtet. Die Handlung folgt zwar einem roten Faden; der verschwindet allerdings immer wieder im Wust der (mal besseren, mal schlechteren) Ideen. Bei vielen im positiven Sinne absurden Einfällen hat man das Gefühl, dass China Miéville geradezu gezwungen war, sie mit aller Gewalt in der Geschichte unterzubringen. Die Handlung bringen sie allerdings nicht wirklich voran. Entsprechend ist das Lesevergnügen einem ständigen Auf und Ab unterworfen.

Gute Ideen allein reichen nicht.

Das wirkt sich vor allem aufgrund der Länge des Buches nahezu katastrophal aus. Der angesprochene rote Faden mag brauchbar sein, ist aber so dünn, dass er auch auf halb so vielen Seiten locker hätte erzählt werden können. Dazwischen gibt es ein Stückwerk aus Ideen, die wie reiner Selbstzweck wirken. So werden die Figuren zwar von einem skurrilen Schauplatz zum nächsten geführt, entwickeln sich dabei praktisch aber nicht weiter. Und auch der Story bleibt kaum Zeit und kein Raum, interessant vorangetrieben zu werden.  Das macht die Lektüre insgesamt zäh und anstrengend, es dauert immer wieder lange Absätze, bis man (inhaltlich) wieder ein Stückchen vorankommt. Hat man es dann irgendwann geschafft, die 740 Seiten zu bewältigen, bleibt man einigermaßen konsterniert zurück. Die Auflösung, soweit man von einer solchen überhaupt sprechen kann, hat mich persönlich jedenfalls mehr verwirrt als befriedigt. Ein Buch wie „Der Krake“ muss zwar annähernd so skurril enden, wie die darin vorgestellten Ideen sind; das heißt aber nicht, dass der Schluss kaum verständlich daherkommen muss.

Ein Wort noch zu den Charakteren: Möglichkeiten zur Identifikation bestehen kaum. Auch, weil relativ viele Figuren durch die bizarren Szenen gehetzt werden. Näher beschrieben wird kaum jemand. So muss man sich damit abfinden, beispielsweise nicht zu erfahren, was es mit den Erzbösewichten Goss & Subby wirklich auf sich hat, wer „das Tattoo“ vor seiner Verbannung war oder wer Grisamentum eigentlich ist. Auch die extrem passive Hauptfigur Billy Harrow bleibt flach und ist kein Sympathieträger, mit dem man mitfiebern kann. Am ehesten schaffen es noch der alt-ägyptische Gewerkschaftsboss (!) Wati , die derbe Polizistin Collingswood und Dane, seines Zeichens Agent des Kraken-Kultes, den Leser für sich zu gewinnen. Das ist allerdings ein schwacher Trost, wenn man bedenkt, wie viele Charaktere im Buch eigentlich vorkommen.

Es ist bei Übersetzungen natürlich immer schwierig zu beurteilen, wie groß der Anteil des Autors am Nichtgefallen des Buches überhaupt ist. Das sei der Fairness halber erwähnt, denn vom immer wieder gepriesenen, ganz besonderen Stil China Miévilles konnte ich in diesem Buch nicht allzu viel entdecken. Im Gegenteil: Eine Neigung zu telegrammhaft abgehackten Sätzen ist das, was ein relativ früher Dämpfer für das Lesevergnügen war – auch weil man den merkwürdigen Gedankengängen stellenweise kaum folgen kann. Das ist zwar nicht der Grund für die schwache Gesamtwertung, es ist allerdings ein Puzzlestein, der dazu beiträgt.

Alles in allem ist „Der Krake“ weit davon entfernt, das schlechteste Buch aller Zeiten zu sein. Nichtsdestotrotz wirkt der Roman zum Teil, als wäre er noch in Manuskript-Form veröffentlicht worden. Eine grundlegende Überarbeitung der Handlung und eine Straffung des Drumherums hätten dem Werk meines Erachtens gut getan. So muss es für großzügige drei Punkte reichen, vor allem weil der Autor durch kreativen Einfallsreichtum glänzt. Hätte er es nur geschafft, die Hälfte seiner abstrusen Ideen mit der Geschichte, die er eigentlich erzählen will, schlüssig zu verbinden, wäre viel mehr möglich gewesen. Wie es aber nun einmal ist, glaube ich kaum, dass ich dieses Buch noch einmal zur Hand nehmen werde und würde das auch Liebhabern von kruden Genre-Mixturen nur sehr bedingt empfehlen.

Gesamteindruck: 3/7


Autor: China Miéville
Originaltitel: Kraken.
Erstveröffentlichung: 2010
Umfang: ca. 740 Seiten
Gelesene Sprache: Deutsch
Gelesene Version: Taschenbuch


 

FilmWelt: Seventh Son

„Seventh Son“ macht sehr viel richtig: Die Action stimmt, die Effekte passen, die Story ist passabel, die Schauspieler können meistens punkten, der Film ist durchaus unterhaltsam. Leider bleibt die Geschichte für meinen Geschmack etwas zu oberflächlich. Und auch wenn ich weiß, dass „Seventh Son“ vorwiegend unterhalten will, wird mir ein bisschen zu wenig erklärt. Könnte natürlich damit zu tun haben, dass der Film auf einer literarischen Vorlage basiert, die – so meine Vermutung – wesentlich mehr Erklärungsansätze bietet. Nutzt aber nichts – ein Film muss auch für sich alleine funktionieren.

Gesamteindruck: 4/7


Kein Meisterwerk, aber durchaus unterhaltsam.

„Seventh Son“ ist ein brauchbarer Fantasy-Film. Die Story vom Bauernsohn, der auszieht, um ein Held zu werden, ist natürlich bekannt, wird aber erfreulich straff abgehandelt und weiß daher einigermaßen zu unterhalten. Besonders hervorzuheben ist hingegen die Action, die perfekt choreografiert ist und kaum an den wie üblich bis zum Exzess eingesetzten Computer-Effekten leidet. Ich würde sogar behaupten, dass man in einem solchen Film selten derart gute Kampf- und Actionszenen sieht, die noch dazu kaum Längen haben und sich auch nicht gleich abnutzen. Leider ist inhaltlich nicht genug Substanz vorhanden, auch dann nicht, wenn man „Seventh Son“ in erster Linie als kurzweilige Unterhaltung und nicht als dramatisches Meisterwerk auffasst.

Inhalt in Kurzfassung
Ein alter Geisterjäger hat vor vielen Jahren eine böse Hexe zu ewiger Gefangenschaft verbannt. Zumindest dachte er das – viele Jahre später kann sie entkommen und beginnt ihre Gefolgschaft erneut um sich zu scharen. Der „Spook“, wie der Geisterjäger hier genannt wird, hat hingegen nur seinen Gehilfen, den siebten Sohn eines siebten Sohnes, an seiner Seite. Ausbilden muss er ihn im Schnellverfahren. Zusammen bestehen Meister und Lehrling einige Abenteuer, bis sie sich der Hexenkönigin und ihren Untertanen zum letzten Kampf stellen.

Jedem, der schon einmal etwas von der „Geralt“-Saga des polnischen Autors Andrzej Sapkowski bzw. der Computerspiel-Reihe „The Witcher“ gehört hat, wird die Geschichte, die in „Seventh Son“ erzählt wird, bekannt vorkommen. Wobei es weniger die Geschichte an sich ist – vielmehr ist es die Figur des „Spook“, die offenbar stark von eben jenem Hexer Geralt inspiriert wurde. Die Parallelen sind offensichtlich: Sowohl Spook als auch Hexer verdingen sich als eine Art Geisterjäger, der – gegen klingende Münze – allerlei finstere Geschöpfe vernichtet und verbannt. Zimperlich sind beide nicht, was die Wahl der Waffen und die Methoden zur Vernichtung ihrer Gegner betrifft. Und noch eine Gemeinsamkeit gibt es: Weder Spook noch Hexer sind bei den Menschen sonderlich beliebt, werden aber als notwendiges Übel angesehen, um schmutzige und gefährliche Arbeiten zu erledigen. Im Wesentlichen gibt es nur zwei Unterschiede zwischen den Figuren: Einerseits hat der Spook im Gegensatz zum Hexer einen Gehilfen, den er selbst ausbildet, andererseits ist er ein normaler Mensch während der Hexer eine Art magiebegabter Mutant ist. Ansonsten gibt es keine Unterschiede – beide sind intelligent, Meister mit verschiedensten Waffen, ständig übel gelaunt und einem guten Tropfen nicht abgeneigt. Die Vorlage zum Film „Seventh Son“ ist allerdings nicht der Hexer, sondern der „Spook“-Zyklus, eine Fantasy-Reihe für Kinder, geschrieben vom Briten Joseph Delaney. Ob und wie sehr der sich bei Sapkowski bedient hat, kann jeder für sich selbst beurteilen.

Schwache Nebencharaktere, mittelprächtige Hauptfiguren.

Dass die Story das Rad nicht neu erfindet, habe ich bereits erwähnt. Muss sie natürlich nicht – dass so etwas auch gut gehen kann, zeigt „Seventh Son“ meiner Ansicht nach recht deutlich. Der Film unterhält gut, auch wenn ich persönlich die gemeinsame Vergangenheit von Hexenkönigin und Geisterjäger etwas zu dick aufgetragen finde. Darüber kann man allerdings hinwegsehen – ganz im Gegensatz zu den teils recht schwachen Charakteren. Dabei macht es mir nicht einmal etwas aus, dass die Nebenfiguren per se extrem schablonenhaft daherkommen. Dass ihre Geschichte, ihre Motivation und ihre Absichten aber so gar nicht beleuchtet werden, stört mich hingegen schon. Das umso mehr, weil man ja eigentlich das Gefühl hätte, es wäre an dieser Stelle mehr möglich gewesen. Ich hätte beispielsweise zu gerne gewusst, was Radu, der Anführer der Assassinen, mit seiner Armee so gemacht hat, bis ihn die Hexenkönigin zu sich ruft. So ist er eigentlich nur der Befehlshaber über eine Bande von Kanonenfutter. Glatt, ohne Ecken und Kanten wie seine Kollegen, die genau darum nicht wirklich gefährlich sondern wie leichte Beute für den Spook wirken. Das könnte natürlich der Adaption einer Buchvorlage geschuldet sein, die – so meine Vermutung – wesentlich detaillierter sein sollte.

Aber auch von den Hauptfiguren bin ich nicht ganz überzeugt. Jeff Bridges gefällt mir als gealterter Spook sehr gut, hat ein bisschen was von seiner Paraderolle als Jeffrey Lebowsky. Seine Verkörperung des zynischen und vom Leben als Außenseiter gezeichneten Geisterjägers kann jedenfalls überzeugen. Sein Gehilfe Tom Ward, der „Siebte Sohn“, wird passabel von Ben Barnes dargestellt – ein echter Sympathieträger, wie er in dieser Rolle vermutlich sein sollte, ist er jedoch nicht. Julianne Moore als böse Hexenkönigin Mutter Malkin macht ihre Sache recht gut, hätte aber von der Charakterentwicklung her etwas mehr Feinschliff gebraucht. Bleibt noch Alicia Vikander, die das „Halbblut“ Alice spielt. Auch hier gilt: Die Schauspielerin macht ihre Sache ordentlich, die Rolle ist allerdings denkbar klischeehaft angelegt. Leider.

Letztlich ist „Seventh Son“ ein unterhaltsamer Hollywood-Blockbuster. Ob der Film überhaupt mehr sein möchte, weiß ich nicht – ich hätte es definitiv besser gefunden, wenn etwas mehr Tiefe vorhanden gewesen wäre. Dann wäre der Film wohl länger geworden, was aus meiner Sicht auch überhaupt kein Problem gewesen wäre. So gibt es 4 Punkte für einen lässigen Streifen, der sehr kurzweilig daherkommt, bei dem man aber durchgehend das Gefühl hat, dass wichtige Aspekte der Vorlage fehlen.

Gesamteindruck: 4/7


Originaltitel: Seventh Son
Regie: Sergey Bodrow
Jahr: 2014
Land: USA, UK, Russland
Laufzeit: 102 Minuten
Besetzung (Auswahl): Ben Barnes, Jeff Bridges, Julianne Moore, Alice Vikander, Kit Harrington



 

BuchWelt: „Kryson“ – Zusammenfassende Bewertung

Bernd Rümmelein


Leider krankt „Kryson“ an einem Problem, das ähnlich gelagerte Zyklen und Einzelbücher immer wieder haben. Irgendwann geht allzu ambitionierten Werken einfach die Luft aus, die Autoren scheinen mit der eigenen Schöpfung überfordert. Vielleicht verliert man auch als Schreiber irgendwann die Lust, sich mit einer immer umfangreicher werdenden Erzählung, die immer neue Handlungsstränge öffnet, auseinanderzusetzen, was nur menschlich wäre. Für den Leser ist es dennoch ein Ärgernis, so eben auch bei „Kryson“.

Gesamteindruck: 4/7


Gute Serie mit unwürdigem Finale.

Umfangreiche Geschichten bieten häufig eine Vielzahl an Charakteren, Schauplätzen und Handlungssträngen. Für den Liebhaber komplexer Werke ist das gut, heben sie sich doch stark vom seichten Einerlei ab und lassen den Leser meist wesentlich intensiver in die beschriebenen Welten eintauchen. Das bedeutet übrigens nicht, dass man gleichzeitig immer mal wieder simplere Bücher liest, ganz im Gegenteil.

„Kryson“ ist grundsätzlich eine vielschichtige Welt. Es gibt junge und alte Völker, es gibt Magie, es gibt gut ausgearbeitete Schauplätze, es gibt eine meist brauchbar dargestellte Tier- und Pflanzenwelt. Insgesamt wird zwar nicht die ganz große Komplexität (wie sie z.B. „The Malazan Book of the Fallen“ von Steven Erikson bietet) erreicht, aber es ist durchaus gefällig, was Bernd Rümmelein mit seiner Welt der Gegensätze geschaffen hat. Besonders interessant sind die Charaktere, die teilweise dramatische Entwicklungen durchlaufen und oft ganz anders sind bzw. werden, als es auf den ersten Blick scheint. Soweit hat der deutsche Autor tatsächlich alles richtig gemacht. Diesen guten Eindruck können auch augenscheinliche Schwächen wie das über sämtliche Bände (!) stiefmütterliche Lektorat (auffallend viele Tippfehler, häufige Wortwiederholungen, holprige Sätze) und ein paar logische Ungereimtheiten, die sich immer wieder eingeschlichen haben, kaum stören. Schade ist es allemal, dass der damalige Fantasy-Ableger der Ueberreuter-Verlages offenbar nicht das Geld für eine professionelle Überarbeitung aufgebracht hat. Dabei zeigen Cover und Gestaltung, dass man durchaus in der Lage war, ein Werk ansprechend zu gestalten. Zumindest optisch.

Die Bücher lesen sich – von wenigen Ausnahmen abgesehen – relativ schnell. Die Sprache ist gelegentlich etwas zu modern, meist aber passend. Alles in allem ein locker-flockiges Werk, was aber irgendwo auch zeigt, dass es mit der Komplexität nicht ganz so weit her ist. So erklärt sich zumindest das Gefühl, nach rund 4.000 Seiten kein wirkliches Schwergewicht gelesen zu haben. Ob das ein Problem ist, wird je nach Leser unterschiedlich ausfallen. Ich selbst bin da ein wenig zwiegespalten –  etwas Zeit wendet man zum Lesen ja doch auf, von daher ist es mir lieber, wenn ich nach der Lektüre das Gefühl habe, etwas wirklich Bedeutsames „erlebt“ zu haben.

Aber all das sind eigentlich Nebenschauplätze. Die wirklichen Schwierigkeiten und somit auch der Grund für die dürftige Wertung beginnen in den finalen Bänden. „Das Buch der Macht“ (Band V) soll eigentlich die von langer Hand vorbereitete Suche nach eben diesem Buch thematisieren. Das passiert auch – die entscheidenden Ereignisse und Prüfungen werden allerdings im Eiltempo abgehandelt, sodass nur ungläubiges „Und das war’s jetzt?“ der vorherrschende Eindruck ist, wenn man an „Das Buch der Macht“ zurückdenkt.

Der Abschlussband „Tag und Nacht“ kann hingegen als wahrer Page-Turner begeistern und ist spannend bis zum Schluss. Doch leider wird hier das gravierendste Problem schlagend: Die Seiten fliegen nur so dahin, aber spätestens nach zwei Dritteln des Buches bekommt man es als Leser mit der Angst zu tun, weil immer noch nicht erkennbar ist, wie der Autor diverse Handlungsstränge zu Ende bringen will. Man hofft natürlich auf das Finale, wo jedoch keine befriedigende Lösung präsentiert wird. Tatsächlich scheint Bernd Rümmelein die Kreativität ausgegangen zu sein. Nimmt man beispielsweise die sieben Streiter, die ja ein zentrales Element darstellen, geht der Autor den radikalen Weg des Todes. Das wäre ja in Ordnung, wirkt hier aber vollkommen sinnlos und deplatziert. So kann man einen Plot zwar auch zu Ende bringen, ein würdiger Abschluss eines wichtigen Teils der Handlung sieht jedoch anders aus.

Zu allem Überfluss beschränkt sich das ungute Gefühl, das durch solche Methoden beim Leser erzeugt wird, nicht auf einzelne Handlungsebenen. „Tag und Nacht“ und damit die „Kryson“-Reihe endet im Nichts. Denn was ist noch schlimmer, als das abrupte Ende durch den unmotivierten Tod einer Figur? Richtig, man lässt gut vorbereitete und wichtige Fäden einfach lose baumeln und schreibt trotzdem das Wort „Ende“ unter den letzten Absatz des Buches. Was ist denn nun mit den magischen Sajkalrae-Brüdern passiert? Wie geht es mit Madhrab und Elischa weiter? Wer ist der Narr Tarratar wirklich? All das und noch mehr wird nicht geklärt.

Wird es eine Fortsetzung geben, in der die Geschichte Krysons weitererzählt wird? Ich weiß es nicht. Ich hoffe es eigentlich nicht, weil ich denke, dass der Autor lange genug Zeit hatte, die Serie vernünftig enden zu lassen. Ich brauche keine Fortsetzung, ich hätte ein vernünftiges Ende gebraucht, dass die vielen, großteils interessanten Fäden interessant verknüpft. So bleibt das schale Gefühl, dass dem Autor die Lust vergangen ist. Und dem Leser geht es ähnlich, mein Interesse an „Kryson“ ist damit erloschen. Vorerst. Oder für immer? Ich weiß es nicht.

Für die „Kryson“-Reihe gibt es wohlwollende 4 Punkte. Vieles ist gut, wenn das Ende (besser) ausgearbeitet wäre, hätte es locker eine höhere Punktezahl geben können. Schade.

Einzelwertungen:

  1. Kryson I: Die Schlacht am Rayhin: 4/7
  2. Kryson II: Diener des dunklen Hirten: 5/7
  3. Kryson III: Zeit der Dämmerung: 5/7
  4. Kryson IV: Das verlorene Volk: 4/7
  5. Kryson V: Das Buch der Macht: 3/7
  6. Kryson VI: Tag und Nacht: 2/7

Gesamteindruck: 4/7


Autor: Bernd Rümmelein
Umfang: 6 Bände, ca. 4.000 Seiten
Originaltitel:
 Kryson.
Gelesene Sprache: Deutsch


 

BuchWelt: Kryson VI – Tag und Nacht

Bernd Rümmelein


„Tag und Nacht“ ist Band VI des 6-bändigen Fantasy-Zyklus „Kryson“, geschrieben vom deutschen Autor Bernd Rümmelein. Auf WeltenDing werden nach und nach Rezensionen zu allen Bänden veröffentlicht, abschließend gibt es eine Gesamtbewertung des Zyklus. Wer eine Kaufempfehlung möchte, sollte also bis dahin warten.

Gesamteindruck (Band VI): 3/7


Viele offene Fragen.

Nach dem doch einigermaßen enttäuschenden Band V von Bernd Rümmeleins Saga um „Kryson“ hatte ich gehofft, dass vieles, was daran zu kritisieren war, nur als Vorbereitung für das große Finale zu werten war. Und tatsächlich ist es so, dass die Suche nach dem Buch der Macht in Band VI, „Tag und Nacht“, weitergeht. Zum Glück, denn so abgespeist zu werden, wie es der Autor im Vorgängerbuch getan hat, haben die treuen Leser nicht verdient. Leider kommt es auch im finalen Band anders, als man sich erhofft hat…

Zunächst aber zum Positiven: Bernd Rümmelein hat mit „Tag und Nacht“ tatsächlich ein nahezu durchgehend spannendes Buch geschrieben. Vor allem im letzten Drittel schafft man es kaum, den Band aus der Hand zu legen, so sehr reißen die Ereignisse mit. Ein Page-Turner, flott geschrieben und genauso schnell und angenehm zu lesen. Paradoxerweise schafft der Autor es aber dennoch nicht, die „Kryson“-Reihe zu dem guten Abschluss zu bringen, den sie (und der Leser) verdient hat. An der Spannung liegt es nicht, vielmehr verschärft sich die bereits in „Das Buch der Macht“ sichtbare Tendenz, hektisch zu werden und Handlungsstränge „abzuwürgen“. Wenn – um das wohl traurigste Beispiel dafür herauszupicken – praktisch in einem Nebensatz drei der sieben Streiter um das Buch der Macht getötet werden, hat das meines Erachtens was von Selbstdemontage. Wozu werden Charaktere lange aufgebaut und ausgearbeitet (mal mehr, mal weniger gut), wenn sie dann einen sinnlosen, schnellen Tod sterben müssen? Und das gilt nicht nur für die genannten Streiter. Ja, Bernd Rümmelein lässt die Personen in diesem Buch, mehr noch als im Vorgänger, wie die Fliegen sterben. Sinn macht das keinen, es wirkt, und das ist der größte Kritikpunkt, den ich überhaupt anbringen kann, als ob der Autor einfach keine Idee gehabt hätte, wie er die Vielzahl an eröffneten Handlungssträngen zu einem vernünftigen Abschluss bringen kann. Offenbar hat er sich für den leichtesten Weg entschieden – Klappe zu, Affe tot sozusagen. Das wirkt nicht nur überhastet, sondern schlicht unwürdig für einen solchen Zyklus.

Über das Schicksal anderer wichtiger Bestandteile der Serie gibt es hingegen überhaupt keine Aufklärung – exemplarisch seien die magischen Sajkalrae-Brüder genannt, bei denen bis zum Schluss unklar bleibt, was mit ihnen passiert ist. Hinzu kommen neue Handlungsstränge, die in Richtung Fortsetzung deuten, so z. B. zwei wiedergeborene Hauptfiguren, die vorher ebenfalls sang- und klanglos ins Land der Tränen gegangen sind. Deren Rückkehr nach Kryson wird am Ende zwar angedeutet, zu mehr reicht es aber nicht. Und das, nachdem besagte Wiedergeburt über mehrere Seiten des Buches vorbereitet wurde.

Ob und wie das alles einzuordnen ist? Ich weiß es nicht – kommt drauf an, ob es eine Fortsetzung gibt. Davon hätte ich bis dato nichts gehört, mir persönlich wäre unabhängig davon ein schlüssiges, in sich abgeschlossenes Finale lieber gewesen. So hängt man in der Luft, was immer ein ungutes Gefühl ist und für „Tag und Nacht“ magere 3 Punkte bedeutet.

Eine Gesamtwertung der Serie folgt nach Einzelbesprechungen zu allen Bänden.

Gesamteindruck (Band VI): 3/7


Autor: Bernd Rümmelein
Originaltitel: Tag und Nacht.
Erstveröffentlichung: 2013
Umfang: ca. 630 Seiten
Gelesene Sprache: Deutsch
Gelesene Version: Taschenbuch


 

BuchWelt: Kryson V – Das Buch der Macht

Bernd Rümmelein


„Das Buch der Macht“ ist Band V des 6-bändigen Fantasy-Zyklus „Kryson“, geschrieben vom deutschen Autor Bernd Rümmelein. Auf WeltenDing werden nach und nach Rezensionen zu allen Bänden veröffentlicht, abschließend gibt es eine Gesamtbewertung des Zyklus. Wer eine Kaufempfehlung möchte, sollte also bis dahin warten.

Gesamteindruck (Band V): 3/7


Dem „Kryson“-Zyklus geht die Luft aus.

„Das Buch der Macht“ ist der Band der „Kryson“-Reihe, der mich bisher am wenigsten überzeugen konnte. Zwar schafft Bernd Rümmelein auch diesmal eine Vielzahl an guten, spannenden Abschnitten. Dennoch beschleicht den Leser in vorliegendem Band mehr als einmal das Gefühl, dass der Autor Seiten füllen wollte oder unter Zeitdruck geschrieben hätte. Entsprechend krampfhaft und holprig lesen sich manche Passagen. Mit der Verwandlung eines wichtigen Protagonisten in einen Fisch (!) und den Abenteuern, die er in dieser Gestalt erlebt, gibt es sogar ein durchgehend mehr als zweifelhaftes Thema, das für den Fortlauf der Geschichte, soviel darf ich vorwegnehmen, keinerlei Relevanz hat. Ärgerlich, weil mir völlig schleierhaft ist, welchen Sinn der Autor mit einem solchen Handlungsstrang verfolgt. Das fällt umso mehr auf, weil „Das Buch der Macht“ mit etwas über 600 Seiten ohnehin dünner als seine Vorgänger und sein Nachfolger ausgefallen ist. So wirkt sich das Füllmaterial noch negativer aus. Unabhängig von diesem Lapsus gibt es am fünften „Kryson“-Band die üblichen Mängel: Tippfehler, inhaltliche Ungereimtheiten, ganz generell: ein äußerst bescheidenes Lektorat. Am schlimmsten dabei: Über mehrere Seiten hinweg wird das Volk der Nno-bei-Maya als „Nno-bei-Maja“ bezeichnet. Dass ein solcher Fehler niemandem (auch nicht dem Autor selbst) auffällt, ist schon bezeichnend für die stiefmütterliche Behandlung, die der Ueberreuter-Verlag seinem „Otherworld“-Label offenbar angedeihen hat lassen.

Leider gibt es aber auch ein anderes Problem, das auch durch ein besseres Lektorat nicht hätte beseitigt werden können: Der „Kryson“-Zyklus ist insgesamt ohnehin kein Wunder an Komplexität, auch wenn es viele überraschende Wendungen gibt und Dinge immer wieder nicht so sind, wie sie auf den ersten Blick scheinen. Dennoch: „Das Buch der Macht“ vermittelt erstmals in der Reihe das Gefühl, man liest ein echtes Leichtgewicht. Der Grund dafür ist schnell erzählt: Immer wieder wurde die schicksalshafte Suche nach dem Buch der Macht thematisiert. Auch die zugehörige Prophezeiung um die sieben Streiter erweckte den Eindruck, dass der Leser sich auf ein spannendes und komplexes Abenteuer freuen darf. Letztlich ist die Suche aber ein Ausbund an Banalität, die Eroberung des Buches wird in einem einzigen Kapitel abgehandelt. Auch die Interaktion zwischen den Streitern ist nicht so, wie man es sich erhofft hätte. Kurz gesagt: Die eigentlich völlig unterschiedlichen Charaktere stehen trotz gemeinsamer Sache nahezu isoliert voneinander da. Schade, denn eigentlich hätte dem Buch das Abrücken von der Konzentration auf den Charakter Madhrab sehr gut getan.

All das bedeutet aber nicht, dass „Das Buch der Macht“ durchgehend schlecht ist. Es gibt durchaus spektakuläre Momente, epische Kämpfe und kraftvoll geschriebene Passagen. All das nützt aber im Gesamteindruck recht wenig, wenn ausgerechnet das Thema, dass den Leser seit vielen Bänden begleitet, viel zu kurz kommt. Mehr als drei Punkte sind damit leider nicht drin.

Eine Gesamtwertung der Serie folgt nach Einzelbesprechungen zu allen Bänden.

Gesamteindruck (Band V): 3/7


Autor: Bernd Rümmelein
Originaltitel: Das Buch der Macht.
Erstveröffentlichung: 2011
Umfang: ca. 610 Seiten
Gelesene Sprache: Deutsch
Gelesene Version: Taschenbuch


 

BuchWelt: Kryson IV – Das verlorene Volk

Bernd Rümmelein


„Das verlorene Volk“ ist Band IV des 6-bändigen Fantasy-Zyklus „Kryson“, geschrieben vom deutschen Autor Bernd Rümmelein. Auf WeltenDing werden nach und nach Rezensionen zu allen Bänden veröffentlicht, abschließend gibt es eine Gesamtbewertung des Zyklus. Wer eine Kaufempfehlung möchte, sollte also bis dahin warten.

Gesamteindruck (Band IV): 4/7


Hält das bisherige Niveau der „Kryson“-Reihe

Einmal mehr weckt der Titel eines „Kryson“-Buches Erwartungen. „Das verlorene Volk“ (gemeint sind die sagenumwobenen Nno-bei-Maya) kommt jedoch – wie es schon bei der „Schlacht am Rayhin“ in Band I war – nur sehr knapp zu Ehren. Immerhin kann man sich dann auch gleich vorstellen, wie es wohl in Band V („Das Buch der Macht“) sein wird. Das aber nur am Rande, der Inhalt ist ja wichtiger als der Titel. Und in diesem Bereich gelingt es Bernd Rümmelein einmal mehr, das gute Gesamt-Niveau über weite Strecken zu halten. Heißt: Auch „Das verlorene Volk“ kommt nicht ohne Längen aus, ist jedoch weit davon entfernt, ein schlechtes Buch zu sein. Zwar kein Meisterwerk (wie es auch seine Vorgänger nicht waren), aber dennoch spannend und und mit guten Ideen ausgestattet.

Interessant eigentlich, wie sehr sich die „Kryson“-Bände von der Qualität her gleichen. Trotz unterschiedlicher Handlung sind es jedes Mal die gleichen Punkte, die entweder kritisiert oder gelobt werden können. So hat auch „Das verlorene Volk“ mit zwei großen Schwächen zu kämpfen, die teilweise zusammen hängen: Lektorat und Sprache. Es ist einfach schade, dass es einerseits eine über das übliche Maß hinausgehende Zahl von Tipp- und Satzzeichenfehlern sowie Wortwiederholungen gibt, andererseits die sprachliche Gestaltung und Teile des Satzbaus eine Überarbeitung benötigt hätten. Solche Dinge wären ja eigentlich recht einfach zu beheben – mag sein, dass dem mittlerweile aufgelösten Verlag einfach das Geld fehlte, ändert aber nichts daran, dass so kein guter Eindruck beim Leser entsteht. Es gibt außerdem im gesamten Zyklus inhaltliche Ungenauigkeiten, die zum Teil bei den Beschreibungen von Figuren und Landschaften auffallen. All das ist auch in „Das verlorene Volk“ vorhanden und stört den Gesamteindruck.

Inhaltlich vermag der Autor seiner Reihe weitere neue Aspekte hinzuzufügen. Zur Erinnerung: Am Ende von Band III („Zeit der Dämmerung“) gab es ja einen Zeitsprung, der die Handlung viele Jahre in die Zukunft katapultierte. Das ermöglicht Rümmelein, schöne und friedvolle (aber für einen düsteren Fantasy-Roman auch langweilige) Zeiten zu überspringen und gleich wieder dort anzusetzen, wo es dramatisch wird. Letztlich trotz einiger Vorbehalte ein gelungenes Experiment, das man so in einer so dicht gepackten Reihe auch nicht oft zu lesen bekommen wird. Die größte Frage bei einem derartigen Kniff richtet sich nach der Charakterentwicklung – ist es überhaupt möglich, die Figuren Jahrzehnte in die Zukunft zu transportieren, in denen der Leser nichts von ihnen mitbekommt und trotzdem das Gefühl zu erzeugen, dass sie sich seit dem Band davor konstant weiterentwickelt haben? Ganz sauber und zufriedenstellend ist diese Kurve wohl kaum zu kriegen. Bernd Rümmelein schafft es jedoch einigermaßen, auch wenn einige Fragezeichen stehen bleiben (vor allem der Figur des Renlasol tut das Überspringen der Jahrzehnte nicht gut, aber auch den Personen, die am Ende von Band III noch Kinder waren; speziell bei Tomal fragt man sich zwangsläufig nach der Entwicklung seiner Persönlichkeit). Es braucht jedenfalls ein bisschen Zeit und ein paar Seiten, bis man sich damit abgefunden hat, dass alle Figuren wesentlich älter geworden sind und man als eigentlich allwissender Leser nicht bis kaum weiß, was ihnen in der Zwischenzeit widerfahren ist.

Abgesehen von diesen Unwägbarkeiten, die den Einen mehr, den Anderen weniger stören werden, gibt es an „Das verlorene Volk“ nicht viel auszusetzen. Bernd Rümmelein schildert die einmal mehr sehr düsteren und dramatischen Ereignisse, die Kryson heimsuchen, in schnell zu lesender, meist sehr spannender Art. Ein kleiner Nachteil, den dieses Buch seinen Vorgängern gegenüber hat, ist das Fehlen eines Höhepunktes. Zumindest für mein Gefühl – das Finale ist (ganz im Gegensatz zum Einstieg) weder aufschlussreich genug, noch lässt es einem den Atem stocken. Damit gibt es vier Punkte für „Das verlorene Volk“.

Eine Gesamtwertung der Serie folgt nach Einzelbesprechungen zu allen Bänden.

Gesamteindruck (Band IV): 4/7


Autor: Bernd Rümmelein
Originaltitel: Das verlorene Volk.
Erstveröffentlichung: 2010
Umfang: ca. 600 Seiten
Gelesene Sprache: Deutsch
Gelesene Version: Taschenbuch


 

BuchWelt: Kryson III – Zeit der Dämmerung

Bernd Rümmelein


„Zeit der Dämmerung“ ist Band III des 6-bändigen Fantasy-Zyklus „Kryson“, geschrieben vom deutschen Autor Bernd Rümmelein. Auf WeltenDing werden nach und nach Rezensionen zu allen Bänden veröffentlicht, abschließend gibt es eine Gesamtbewertung des Zyklus. Wer eine Kaufempfehlung möchte, sollte also bis dahin warten.

Gesamteindruck (Band III): 5/7


Der „Kryson“-Zyklus bleibt spannend.

Spätestens zur Hälfte des dritten Bandes von Bernd Rümmeleins „Kryson“-Zyklus wird klar, dass es nicht bei 3 Bänden bleiben kann. Die Handlungsstränge sind mittlerweile zu vielschichtig geworden und vieles ist nicht so, wie es am Anfang noch schien. Auch die Anzahl der für die Handlung wichtigen Charaktere hat sich bereits seit Band 2 erhöht – bleibt also zu hoffen, dass der Autor alle Figuren und losen Fäden zu einem guten Ende zusammenführen kann. Das ist zur „Zeit der Dämmerung“ allerdings noch Zukunftsmusik.

Handlungstechnisch gibt es in Band III der „Kryson“-Saga – vielleicht auch aufgrund der geringfügigen Erhöhung der Seitenzahl – einige kleinere Längen. Diese zu überwinden sollten jedoch für den interessierten Leser, der die Helden bis hierher begleitet hat, kein Problem darstellen. Im Großen und Ganzen kann auch dieses Buch stets begeistern – mit Action, unerwarteten Wendungen und einer Prise Humor. Grundsätzlich herrscht trotz einiger amüsanter Wortwechsel aber wieder die eher düstere Stimmung vor, die bereits die Vorgänger-Bände auszeichnete. Tatsächlich verschärft Rümmelein das Leiden, das einige seiner Figuren und dem Leser mittlerweile ans Herz gewachsenen Charaktere erdulden müssen, sogar noch einmal deutlich. Wer zart besaitet ist, wird aber ohnehin nicht so weit gekommen sein, alle anderen sollten mittlerweile wissen, welche Härte ihnen vom Autor zugemutet wird.

Interessant und vermutlich nicht nach jedermanns Geschmack ist der Kniff, den der Autor zum Ende hin anwendet: Eine Art Zeitsprung und ein abrupter Bruch innerhalb der sonst in sich sehr konsistenten Geschichte, der das eigentliche Finale des Bandes wie einen Fremdkörper wirken lässt. Ob diese Bruchstelle, die schließlich dazu führt, alles, was in den bisherigen drei Bänden passiert ist, wie Vorgeplänkel wirkt, gut für die Gesamthandlung ist, bleibt abzuwarten. Ein gelungener Cliffhanger ist es jedenfalls, wobei man sich fragen könnte, ob es vielleicht besser gewesen wäre, diesen Übergang an den Anfang von Band IV („Das verlorene Volk“) zu stellen. Wie auch immer: Man darf gespannt sein, wie es in Zukunft auf Kryson weitergeht. Für „Zeit der Dämmerung“ gibt es gute fünf Punkte.

Eine Gesamtwertung der Serie folgt nach Einzelbesprechungen zu allen Bänden.

Gesamteindruck (Band III): 5/7kryson3


Autor: Bernd Rümmelein
Originaltitel: Zeit der Dämmerung.
Erstveröffentlichung: 2009
Umfang: ca. 800 Seiten
Gelesene Sprache: Deutsch
Gelesene Version: Taschenbuch


 

BuchWelt: Kryson II – Diener des Dunklen Hirten

Bernd Rümmelein


„Diener des dunklen Hirten“ ist Band II des 6-bändigen Fantasy-Zyklus „Kryson“, geschrieben vom deutschen Autor Bernd Rümmelein. Auf WeltenDing werden nach und nach Rezensionen zu allen Bänden veröffentlicht, abschließend gibt es eine Gesamtbewertung des Zyklus. Wer eine Kaufempfehlung möchte, sollte also bis dahin warten.

Gesamteindruck (Band II): 5/7


Großartig – aber leider nicht von Anfang an.

Bereits bei Band I („Die Schlacht am Rayhin“) von Bernd Rümmeleins Geschichte um „Kryson“, die Welt der Gegensätze, gab es einige langwierige Passagen zu überstehen. Im Folgeband „Diener des Dunklen Hirten“ ist das nicht viel anders: Die ersten 200 Seiten sind langatmig und zäh. Nicht unbedingt langweilig, aber einfach nicht flüssig geschrieben, was umso mehr auffällt, wenn man gleich nach dem grandiosen Finale von Band I weiter liest. Diese ersten Seiten zu überstehen wird nicht jedem Leser gelingen. Wer es dennoch schafft, bekommt danach jedoch ein Werk zu lesen, dass seinem Vorgänger in praktisch allen Belangen überlegen ist. Denn in der Folge gelingt es dem Autor tatsächlich, die Spannung auf durchgängig sehr hohem Niveau zu halten. Das Buch aus der Hand zu legen wird im Laufe der Lektüre zunehmend zu einer Herausforderung für den Leser.

Rümmelein schafft es sogar, einige der bisherigen Kritikpunkte zu eliminieren. Die Figuren gewinnen in „Diener des dunklen Hirten“ dramatisch an Tiefe, es werden zusätzliche Völker und Personen eingeführt und die gesamte Welt wirkt deutlich belebter und glaubwürdiger. Auch die größere Hintergrundgeschichte, die in „Die Schlacht am Rayhin“ lediglich angedeutet und in Nuancen vorhanden war, nimmt an Fahrt auf und ist von einigen Wendungen durchzogen, die immer durchdacht und auf ein Ziel ausgerichtet wirken. Interessant auch, dass der Autor seine Figuren noch weniger schont als im nicht gerade zimperlichen Serien-Auftakt. Keiner der Helden und Bösewichte wird mit Samthandschuhen angefasst, eine extrem harte Gangart, die aber durchaus gefällt.

Was leider wieder zu kritisieren ist: Wiederholungen, Wiederholungen und… Wiederholungen. Es wurde in „Die Schlacht am Rayhin“ beispielsweise erklärt, was es mit dem Bluttrinker Quadalkar auf sich hat. Mehrfach. Darüber hat man sich geärgert und gehofft, dass das Thema damit erledigt sei. Dem ist leider nicht so, diese Geschichte kehrt in Varianten wieder. Und auch sonst gibt es immer wieder Dinge zu lesen, die man schon weiß. Sehr schade.

Das und das schwache erste Drittel wiegen so schwer, dass zwei Punkte abgezogen werden müssen. Sehr schade, vor allem auch, weil der Rest von „Diener des dunklen Hirten“ den Auftakt der „Kryson“-Reihe locker in die Tasche steckt.

Eine Gesamtwertung der Serie folgt nach Einzelbesprechungen zu allen Bänden.

Gesamteindruck (Band II): 5/7kryson2


Autor: Bernd Rümmelein
Originaltitel: Diener des Dunklen Hirten.
Erstveröffentlichung: 2009
Umfang: ca. 770 Seiten
Gelesene Sprache: Deutsch
Gelesene Version: Taschenbuch


 

BuchWelt: Kryson I – Die Schlacht am Rayhin

Bernd Rümmelein


„Die Schlacht am Rayhin“ ist Band 1 des 6-bändigen Fantasy-Zyklus „Kryson“, geschrieben vom deutschen Autor Bernd Rümmelein. Auf WeltenDing werden nach und nach Rezensionen zu allen Bänden veröffentlicht, abschließend gibt es eine Gesamtbewertung des Zyklus. Wer eine Kaufempfehlung möchte, sollte also bis dahin warten.

Gesamteindruck (Band 1): 4/7


Stellenweise langwieriger Auftakt.

Der Titel „Die Schlacht am Rayhin“ führt zunächst eine wenig in die Irre. Der Leser muss sich nämlich bis zum letzten Drittel des Werkes gedulden, bis das namensgebende Gefecht so richtig beginnt (abgesehen von kleineren Scharmützeln). Das restliche Buch befasst sich mit der Einführung der Charaktere und dem langsamen Aufbau der Handlung, die spürbar auf Fortsetzung ausgelegt ist. Dass ein solcher Versuch eines behutsamen Aufbaus auch nach hinten losgehen kann, hat man allerdings schon in anderen Zyklen gesehen – Bernd Rümmelein gelingt jedoch das Kunststück, die Spannung seines einführenden Werkes in genau dem Maß zu steigern, dass der Schluss tatsächlich einen Höhepunkt markiert. Die letzten Seiten machen es fast unmöglich, das Buch aus der Hand zu legen. So gesehen eine gelungene Sache also, vergisst man dadurch doch beinahe, wie sehr der Autor den Lesern in den Seiten davor mit Informationen überschüttet.

Und so schleichen sich trotz allgemein recht kurzweiliger Erzählweise ein paar Probleme ein, die vermutlich der zu diesem Zeitpunkt noch recht geringen Erfahrung des Autors geschuldet sein dürften. Oder der 2005 gegründete und mittlerweile im Uebberreuter-Verlag aufgegangene, österreichische Publisher „Otherworld“ hatte keinen vernünftigen Lektor zur Hand. Denn abgesehen vom einen oder anderen Tipp- und Grammatikfehler, den man noch verschmerzen kann, gibt es ein echtes Ärgernis: Wiederholungen einzelner Sachverhalte. Das passiert mal in fast exakt gleichen Worten wie einige Seiten davor, an anderen Stellen wiederum durch Umschreibungen, die letztlich aber auch nicht verbergen können, dass man das Gelesene bereits kennt. Gern auch mehrfach. Das hätte sich – ebenso wie diverse Wortwiederholungen in ein und demselben Satz und diverse holprige Formulierungen – von einem erfahrenen Lektor leicht ausbügeln lassen. Keine Ahnung, was da schiefgelaufen ist, das Lesevergnügen wird dadurch jedenfalls spürbar geschmälert. Abgesehen davon könnte man vielleicht als negativ anmerken, dass der Stil und die Art und Weise, wie die Figuren reden, ein bisschen zu modern für einen Fantasy-Roman wirkt. Hier wäre durch ein wenig Fein-Tuning wesentlich mehr Atmosphäre möglich gewesen. Zuguterletzt gibt es noch einige kleinere Unstimmigkeiten in den Verhaltensweisen sowie ein ab und an vorkommender Wechsel bei den Längenmaßen (Meter vs. Fuß), die zumindest in der von mir gelesenen Ausgabe vorkommen.

Kritisieren kann man auch, dass die Welt, die Rümmelein erschaffen hat, hier noch zu wenig durchdacht und unfertig wirkt. Es ist durchaus Vielschichtigkeit unter der Oberfläche zu erahnen, jedoch dringt diese für mein Dafürhalten nie ganz bis zum Leser durch. Wobei ich gestehen muss, dass mir das Konzept der Welt der Gegensätze insgesamt schon sehr gut gefällt. Aber stellenweise beschleicht den Leser eben doch der Eindruck, dass die Tiefe nur durch massives Infodumping vorgegaukelt wird und sich darunter nicht so viel verbirgt. Ob und wie sich das in den Folgebänden weiterentwickelt, muss man sehen. Für „Die Schlacht am Rayhin“ gibt es jedenfalls gute 4 Punkte, die das Buch dem starken Finale und der gelungenen Charakterzeichnung zu verdanken hat.

Anzumerken sei noch, dass „Kryson“ keine Serie für Zartbesaitete ist. Es wird geschändet, gefoltert und gemordet – und diese Handlungen werden auch noch ganz genau beschrieben. Als Leser kommen daher nur Erwachsene in Frage.

Eine Gesamtwertung der Serie folgt nach Einzelbesprechungen zu allen Bänden.

Gesamteindruck (Band I): 4/7kryson1


Autor: Bernd Rümmelein
Originaltitel: Die Schlacht am Rayhin.
Erstveröffentlichung: 2009
Umfang: ca. 580 Seiten
Gelesene Sprache: Deutsch
Gelesene Version: Taschenbuch


 

BuchWelt: Die Magie der Erinnerung

Terry Goodkind


„Die Magie der Erinnerung“ ist Buch 9 des 11-bändigen Fantasy-Zyklus „Das Schwert der Wahrheit“, geschrieben vom US-amerikanischen Autor Terry Goodkind. Auf WeltenDing werden nach und nach Rezensionen zu allen 11 Bänden veröffentlich, abschließend gibt es eine Gesamtbewertung des Zyklus. Wer eine Kaufempfehlung möchte, sollte also bis dahin warten.

Gesamteindruck: 4/7


Langatmige Einführung vor spannendem Finale.

Für den Geschmack von Terry Goodkind scheinen seine beiden Hauptpersonen in den letzten Bänden der Saga um „Das Schwert der Wahrheit“ zuviel Zeit miteinander verbracht zu haben – eine erneute Trennung ist daher das alles beherrschende Thema von Band 9, „Die Magie der Erinnerung“. Zum Glück gelingt es dem Autor, die Trennung einigermaßen kreativ zu gestalten, was wiederum eine großteils interessante Hintergrundgeschichte zur Folge hat.

Was – auch auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen – hingegen weniger gut gelungen ist: Goodkind benutzt die neuerliche Trennung von Richard und Khalan auf den ersten gut 200 Seiten lediglich, um alte Erinnerungen aufzufrischen. Viele Leser dürften dieses ewige Wiederkäuen mittlerweile gründlich satt haben – aber was soll man machen, wenn man bereits um die 8.000 Seiten des Zyklus gelesen hat und endlich wissen will, wie das Ganze endet. Abgesehen von diesem mittlerweile gewaltigen Ärgernis bietet „Die Magie der Erinnerung“ eigentlich ganz kurzweilige Unterhaltung, wobei es aber noch einen Kritikpunkt anzuführen gibt – bis gut zur Hälfte der Geschichte passiert nicht nur dank der schlichten Wiederholung vergangener Ereignisse recht wenig, hinzu kommt auch noch eine gewisse Umständlichkeit innerhalb der übrigen Dialoge. Dadurch zieht sich das Ganze so unglaublich in die Länge, dass man stellenweise trotz allem Interesse ums Querlesen kaum herumkommt.

Im letzten Drittel des Buches macht der Autor aber alle diese Verfehlungen wieder gut, indem er „Die Magie der Erinnerung“ zu einem echten Page-Turner macht. Es wird (wie schon öfters innerhalb des Zyklus geschehen) nahezu unmöglich, das Werk aus der Hand zu legen. Hier schimmert das große Potential durch, das diese Saga eigentlich hätte, wenn Terry Goodkind nicht so oft derart umständlich und weitschweifig zu Werke gehen würde. Das Ende des vorliegenden Bandes, der als Auftakt einer abschließenden Trilogie zu verstehen ist, ist übrigens komplett offen, was die Spannung, was im nächsten Teil passieren könnte, zusätzlich verstärkt.

Spätestens an dieser Stelle muss sich Goodkind aber auch von mir die Frage gefallen lassen, wieso er unbedingt eine derart umfangreiche Geschichte veröffentlichen wollte, wenn alles in allem mindestens ein Drittel (eher mehr) der bisher gelesenen Bände aus Wiederholungen besteht. Vielleicht wäre es besser gewesen, den Zyklus auf sechs oder sieben Teile zu beschränken, um eine wirklich erstklassige Saga zu erhalten. So kommt immer wieder der Verdacht auf, dass manche Autoren pro geschriebener Seite bezahlt werden. Für „Die Magie der Erinnerung“ würde ich aufgrund des hervorragenden Schlusses gerne fünf Punkte geben, aber im Endeffekt reicht es doch wieder nur für vier, zu langatmig und zu gestreckt ist die Einführung.

Gesamteindruck: 4/7


Autor: Terry Goodkind
Originaltitel: Chainfire.
Erstveröffentlichung: 2005
Umfang: 736 Seiten
Gelesene Sprache: Deutsch
Gelesene Version: Taschenbuch