MusikWelt: Thunder Rider

Majesty


„Thunder Rider“ kann man beim besten Willen nicht so gut bewerten, wie man es sich als gegenüber dieser Band früher einmal wohlwollend eingestellter Zuhörer gewünscht hätte. Zu lasch, dazu sich ständig wiederholende Phrasen – das reicht heute einfach nicht mehr. Großzügige zwei Punkte für die paar brauchbaren Songs, den Rest kann man sich anhören, muss man aber definitiv nicht.

Gesamteindruck: 2/7


Majestätischer Metal geht anders.

Majesty aus Baden-Württemberg hatte ich mit dem quasi-Debüt „Sword & Sorcery“ (2002) eigentlich in sehr positiver Erinnerung. Das lag nicht nur an der Mitwirkung von Manowar-Legende Ross „The Boss“ Friedman, sondern auch an der unbekümmerten Herangehensweise an die typischen True Metal-Themen. Danach verlor ich die Band völlig aus den Augen – weder die Umbenennnung in MetalForce (2008) noch die Rückbenennnung in Majesty (2011) habe ich mitbekommen.

„Thunder Rider“ war 2013 sozusagen die Reunion-/Comeback-Scheibe unter altem Namen; von der Ur-Besetzung ist allerdings abgesehen von Bandchef Tarek „MS“ Taghary, das „MS“ steht natürlich für „Metal Son“, niemand mehr übrig. Leider ist das Album ganz und gar nicht so gut ausgefallen, wie ich nach Anhören des Titeltracks voller Vorfreude gehofft habe. Es ist gar nicht so leicht, den auf kauzige Art sympathischen Kriegern eine schwache Bewertung zu geben, aber „Thunder Rider“ kommt als Gesamtwerk nicht über den unteren Durchschnitt hinaus. Dabei geht es eigentlich gut los. Der eröffnende Titeltrack ist tatsächlich sehr stark, ein klassischer True Metal-Song, eingängig, melodiös und schön zum Mitsingen geeignet. Vom alten „Underground-Keep-it-true-Feeling“ ist zwar nicht mehr viel übrig, aber trotzdem: Ein gutes Stück, das auf jeder Metal-Party ohne Bedenken gespielt werden kann. Auch das darauf folgende, sehr schnelle „Warlords Of The Sea“ geht in Ordnung. Zumindest musikalisch; lyrisch gibt es mit „Ship ahoi!“-Rufen (die schon auf Running Wilds „Under Jolly Roger“ peinlich waren) erstmals auf diesem Album wirklich etwas zum Lachen. „Anthem Of Glory“ ist auch ok, rockiges Midtempo und Text erinnern hier wieder stark an die ewigen Vorbilder von Manowar. Deren (frühere) Klasse wird zwar bei weitem nicht erreicht, aber der Song ist immerhin brauchbar.

Nach diesem Eröffnungstrio geht es leider steil bergab. „Make Some Noise“ passt als lupenreiner Rocker Image-mäßig nicht wirklich zu Majesty, ist aber auch ansonsten vollkommen belanglos. Könnte in der Form auch von Bon Jovi stammen – und sogar bei den Amis würde die Nummer nicht einmal auf den lahmen Platten der Neuzeit Platz finden. „Metalliator“ bedient sich textmäßig insbesondere bei Judas Priest-Großtaten der 1980er, aber auch hier gilt: Eine gute Verbeugung vorm Original geht anders, speziell mit dem penetranten Refrain übertreibt es die Truppe um den „Metal Son“ völlig. A pro pos penetranter Refrain: Exakt das gleiche gilt für „New Era“. Ja, das ist sehr eingängig, aber nicht auf Metal- sondern eher auf Schlager-Art. Für eine Band, zu deren Wahlsprüchen „Keep it true“ gehört(e) ist das geradezu grotesk. Wenn das die neue Ära von Majesty sein soll, hat die Band wohl wirklich bald fertig. Ganz starke Nerven braucht man schließlich bei „Asteria“. Ja, „Aria Of Bravery“ war irgendwie kitschig, aber trotzdem ein durchdachter und erhabener Song. „Asteria“ ist… keine Ahnung. Peinlich? Klischeehaft? Kitschig-übertrieben? Klebrig? Pathostriefend bis jenseits der Schmerzgrenze? Egal, „Totalausfall“ trifft es am besten.

Und was gibt es sonst noch? „Raise The Beast“, „Rebellion Of Steel“, „Metal Union“ – die Songtitel deuten bereits an, wohin die Reise geht. Teilweise ist das Songwriting bei diesen Stücken ausgesprochen dreist von Manowar „inspiriert“. Nur leider nicht so gut, wie es Joey DeMaio früher mal hinbekommen hat – und noch dazu von einem, mit Verlaub, wesentlich schwächeren Sänger getragen, was man besonders bei den balladesken Teilen und dem Versuch, „Adams-Schreie“ nachzuahmen, merkt. Einzig der Bonustrack „Young And Free“ geht im hinteren Teil des Albums als brauchbarer Uptempo-Rocker in Ordnung.

Noch ein Wort zu den Texten: Jep, es ist gelegentlich zum Fremdschämen. Aber so ist das halt im True Metal – wobei derartige Kaliber eigentlich nur Manowar und eben Majesty liefern. So ist es dann kein Wunder, wenn man als Metal-Fan belächelt wird. Spielt aber im Prinzip keine große Rolle, wer Majesty kauft, weiß ja, welche Texte er bekommt. Damit kein wirklicher Grund zur Kritik, sondern nur die nüchterne Feststellung, dass man sich wie Manowar in eine Ecke manövriert hat, aus der es kaum noch ein Entkommen gibt. Sollte der Band mal die Lust auf „Steel“, „Fight“ und „Sword“ vergehen oder es keine neuen Kombinationen dieser Wörter mehr geben, wird es schwierig.


Track – Titel – Länge – Wertung

  1. Thunder Rider – 4:46 – 6/7
  2. Warlords Of The Sea – 6:12 – 5/7
  3. Anthem Of Glory – 4:48 – 5/7
  4. Make Some Noise – 3:48 – 2/7
  5. Metalliator – 4:52 – 3/7
  6. Raise The Beast – 6:08 – 3/7
  7. New Era – 4:55 – 2/7
  8. Asteria – 6:36 – 1/7
  9. Young And Free (Bonustrack) – 5:24 – 4/7
  10. Rebellion Of Steel – 4:36 – 3/7
  11. Metal Union – 6:10 – 2/7

Gesamteindruck: 2/7 


Majesty auf “Thunder Rider” (2013):

  • Tarek „MS“ Maghary – Vocals, Keyboard
  • Tristan Visser – Guitar, Backing Vocals
  • Alex Palma – Bass, Backing Vocals
  • Jan Raddatz – Drums, Backing Vocals

Anspieltipp: Thunder Rider

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MusikWelt: Warriors Of The World

Manowar


Manowar waren bis zur Veröffentlichung von „Warriors Of The World“ (2002) relativ unumstritten, was ihre Studioalben betrifft. Ja, der eine oder andere Ausfall war immer mal wieder zu beklagen, aber im Prinzip hatten alle Platten ihre Momente. Daran konnte auch die Attitüde des exzentrischen Band-Chefs nichts ändern. 2002 wurde dann aber doch Kritik laut. Nicht zu unrecht – hatten sich Manowar doch vor „Warriors Of The World“ eine lange Studiopause gegönnt und die Erwartungen selbst ins unermessliche Höhen geschraubt. Das wäre nicht notwendig gewesen, denn das Album ist in meinen Ohren auch ohne übertriebene Lobhudelei wesentlich besser, als oft behauptet wird.

Gesamteindruck: 5/7


Wesentlich besser als oft behauptet.

Das neunte Studioalbum der selbsternannten „Kings Of Metal“ erschien 2002, ganze sechs Jahre nach dem überwiegend positiv aufgenommenen „Louder Than Hell“ (1996). Genau in diesem Zeitraum begann sich erstmals Kritik an Manowar aufzubauen, die – im Gegensatz zu vorangegangenen Jahrzehnten – weder die Texte noch das Auftreten der Band betraf. Der Grund: Zwischendurch gab es Live-Alben und Compilations, die im Prinzip zwar gute Kost boten, allerdings auch den Geruch der Fan-Abzocke mit sich brachten. Außerdem wurden beim sowieso schon schwierigen Band-Boss Joey DeMaio immer stärkere Anzeichen von Größenwahn und Selbstüberschätzung sichtbar. Der Bassist sorgte letztlich selbst dafür, dass die Erwartungshaltung an „Warriors Of The World“ ins Unermessliche stieg – und natürlich nicht so richtig erfüllt wurde.

Das nur zur Erklärung, warum diese Platte damals bereits mit einem merkbaren Malus ins Rennen ging. Das mag auch ein Mitgrund für die teils übertriebenen Verisse sein, mit denen „Warriors Of The World“ bedacht wurde. Dabei stehen auf dem Album durchaus einige Songs, die man heute, fast 15 Jahre später, als Klassiker bezeichnen kann. Bereits der Opener, „Call To Arms“ bietet einen sehr starken Auftakt, typisches Manowar-Feeling und macht sofort Lust auf mehr. Genauso will man das von Manowar hören! Noch um eine Spur besser sind die ganz hinten platzierten „Hand Of Doom“ (saustarker Refrain, Eric Adams in Hochform), „House Of Death“ (ähnlich wie „Hand Of Doom“, ziemlich hymnisch und mit passenden „Die! Die!“-Schreien unterlegt) sowie der Höhepunkt des Albums, „Fight Until We Die“. Dieser Track ist eingängig, schnell und unglaublich aggressiv (inklusive Text mit „Swords“, „Thunder“, „Metal“, „Blood“ usw.). Insbesondere diese drei Stücke sind allesamt Kracher vor dem Herrn, an denen es absolut nichts auszusetzen gibt und die mit zum Besten gehören, was Manowar jemals fabriziert haben.

Nicht ganz so gelungen, aber immer noch in Ordnung: Der quasi-Tteltrack „Warriors Of The World United“. Ein Midtempo-Stampfer, ultra-eingängig und mal wieder mit Pathos an der Grenze des guten Geschmacks – „Tell my family how I died…“? Wirklich? Auf jeden Fall ist das Stück bestens zum Mitsingen geeignet – und auch das ist etwas, was man von Manowar erwartet. A pro pos Erwartungen: Natürlich darf auch eine dramatische Power-Ballade nicht fehlen. Auf „Warriors Of The World“ haben es sogar gleich zwei davon geschafft, nämlich „The Fight For Freedom“ und „Swords In The Wind“. Zweitere ist ausgezeichnet gelungen, wenn auch nicht so gut, wie andere Manowar-Epen dieser Art. Erstere erinnert vom Klaviergeklimper her stark an „Courage“ (auf „Louder Than Hell“) und ist von ziemlich viel 9/11-Pathos durchzogen. Ein kompletter Reinfall ist das Stück zwar nicht, aber im Endeffekt lediglich Durchschnittskost und mit den patriotischen Anwandlungen muss man halt klar kommen.

Damit haben wir von elf Songs auf „Warriors Of The World“ sieben genannt, die entweder großartig sind, oder die Erwartungen zumindest erfüllen. Ausfall gibt es darunter mit „The Fight For Freedom“ einen halben, also keine schlechte Quote. Ganz im Gegensatz zum Rest der Platte, der praktisch den gesamten Mittelteil einnimmt und sich in der Rückschau wie ein erster Fingerzeig Richtung „Gods Of War“ (2007) anhört. Zunächst mal ist bei „Nessun Dorma“ nachzuhören, dass Eric Adams nicht nur einer der besten Metal-Shouter ist, sondern auch in der Oper keine schlechte Figur gemacht hätte. Das Stück ist eine Arie aus der Oper „Turandot“ von Giacomo Puccini. Spätestens an dieser Stelle darf man sich fragen, was das auf einer Metalscheibe zu suchen hat? Noch dazu, weil es keine der gar nicht so seltenen „Metal meets Klassik“-Fusionen ist, sondern einfach eine Opernarie mit einzelnen Gitarrenleads. Für Fans dieses Genres vielleicht interessant, der Metaller wird nach einmaligem Hören achselzuckend die Skip-Taste betätigen. Auf dieser Taste kann man den Finger anschließend gleich lassen – mit „Valhalla“ folgt eine Art wagnereske Overtüre, die wohl kein Mensch außer Joey DeMaio braucht. Gleiches gilt übrigens für „The March“.

Damit fehlt nur noch der absolute Totalausfall auf „Warriors Of The World“ und für den muss kein geringerer als der „King“ selbst herhalten. Nein, nicht „Metal-King“ DeMaio… „An American Trilogy“ stammt ursprünglich von Elvis Presley und wird von Manowar mit leichtem Country-Einschlag vorgetragen. Ich kann damit einfach überhaupt nichts anfangen – das Ding eignet sich, wenn überhaupt, als Bonus für irgendeine Best Of oder Special Edition. Auf einem regulären Album hat sowas meiner Ansicht nach noch weniger verloren, als eine Puccini-Arie. Aber sei’s drum, gibt ja die Skip-Taste.

Damit ist alles geklärt. Auf „Warriors Of The World“ stehen vier brettharte True Metal-Stücke, die allesamt ausgezeichnet sind. Es gibt zusätzlich eine gute Singleauskopplung und eine Ballade, die in Ordnung ist. Also sechs von elf Stücken, die im Haben verbucht werden können. „Fight For Freedom“ gefällt nicht so sehr, noch weniger aber alle übrigen Tracks auf der Platte. Aufgrund der oberen Güteklasse der übrigen Songs reicht das trotz aller Mängel für sehr knappe fünf Punkte. Größtes Problem meiner Ansicht nach: Die Songreihenfolge ist denkbar ungünstig. Nach der fulminanten Eröffnung „Call To Arms“ gibt es bis Nummer acht kaum etwas, was man von Manowar öfter als eimmal hören möchte. Einen so dichten Block an schwachen Songs sieht man eigentlich recht selten. Aber ich denke, fünf Punkte gehen trotzdem in Ordnung – wer mit den Experimenten auf diesem Album gar nicht leben kann, muss wohl mindestens zwei abziehen.


Track – Titel – Länge – Wertung

  1. Call To Arms – 5:31 – 7/7
  2. The Fight For Freedom – 4:31 – 4/7
  3. Nessun Dorma – 3:29 – 3/7
  4. Valhalla – 0:36 – 2/7
  5. Swords In The Wind – 5:20 – 5/7
  6. An American Trilogy – 4:20 – 1/7
  7. The March – 4:02 – 2/7
  8. Warriors Of The World United – 5:51 – 6/7
  9. Hand Of Doom – 5:50 – 7/7
  10. House Of Death – 4:25 – 7/7
  11. Fight Until We Die – 4:03 – 7/7

Gesamteindruck: 5/7 


Manowar auf “Warriors Of The World” (2002):

  • Eric Adams − Vocals
  • Karl Logan − Guitar, Keyboard
  • Joey DeMaio − Bass, Keyboard
  • Scott Columbus († 2011) − Drums

Anspieltipp: Fight Until We Die

MusikWelt: The Triumph Of Steel

Manowar


Für „The Triumph Of Steel“ (1992) kann es aus meiner Sicht nur die Höchstpunktezahl geben – egal, was man vom sperrigen Opener hält. An keinem der anderen Stücke gibt es meiner Ansicht nach etwas auszusetzen. Ich denke, man kann bei diesem Album mit Fug und Recht von einer der besten Manowar-Platten überhaupt sprechen. Diese geballte Meisterschaft, speziell in den kürzeren, Band-typischen Nummern, sollte die Truppe später nur noch in einzelnen Songs erreichen.

Gesamteindruck: 7/7


Manowar auf dem Höhepunkt ihres Schaffens.

Auf „Gods Of War“, dem 2007er Werk der True Metal-Legende Manowar ging die Kombination aus Klassik, Hörspiel und Metal nicht so richtig auf. Da half auch die ganze Schönfärberei eines immer exzentrischer werdenden Joey DeMaio nichts. Dabei hatte der Bassist mit seiner Truppe bereits anno 1992 auf „The Triumph Of Steel“ gezeigt, dass er es eigentlich besser beherrscht, eine Art Hörspiel zu schaffen.

Denn gleich der Opener von „The Triumph Of Steel“ lässt die Münder offen stehen: „Achilles, Agony And Ecstasy (In Eight Parts)“, von DeMaio im Alleingang komponiert, ist eine über 28 Minuten (!) dauernde Achterbahnfahrt durch Teile von Homers „Ilias“. Das Stück ist insgesamt wesentlich metallischer umgesetzt, als das pseudo-klassische Material auf „Gods Of War“, und damit potentiell besser hörbar. Die Songstruktur ist sehr komplex – was zwangsläufig nicht jedem Metaller gefallen wird, auch wenn der berühmte rote Faden gut erkennbar ist. Zwischendurch gibt es (zur Auflockerung?) immer wieder Parts, die auch Anhänger des True Metal begeistern können.

Generell ist ein solcher Start ins Album natürlich gewöhnungsbedürftig – wer mit der außergewöhnlichen Länge und komplexen Struktur nicht klarkommt oder einfach gerade nicht in der richtigen Stimmung ist, kann zumindest gleich anfangs zur Skip-Taste greifen und die restliche Platte genießen. Gelegentlich kann man sich „Achilles…“ ganz gut anhören – ich persönlich gebe aber zu, das Ding meist zu überspringen, einfach weil ich zu selten die Geduld habe, 28 Minuten am Stück zu hören. Ob man den Song nun als gut oder schlecht ansieht, ist eine Frage, die nicht erschöpfend zu beantworten ist. Zu sehr hängt das Gefallen von den persönlichen Vorlieben ab. Mein (sehr subjektiver) Eindruck als Klassik-Laie ist, dass die Nummer recht gut komponiert ist. Ob Klassik-Fans das auch so sehen, würde mich in jedem Fall interessieren.

Auf diesen umstrittenen Koloss folgt ausgezeichneter Manowar-Stoff mit allen Trademarks, die man von dieser Band erwartet und schätzt. Den Anfang macht „Metal Warriors (Brothers Of Metal Pt. I)“, die ultimative Kampfansage an alle „Whimps and Posers“, wer auch immer die sein mögen (man ist ja versucht zu sagen, dass es keine größeren Poser als Manowar selbst gibt, aber das gehört hier nicht hin). Der Text ist ein einziges Klischee, Eric Adams brüllt sich die Seele aus dem Leib – was will man mehr? Darauf folgt eines der schnellsten Manowar-Stücke überhaupt. „Ride The Dragon“ wird eingeleitet von leider etwas zu langem Drachengebrüll, danach folgt der „gedoppelte“ Gesang, der auf diesem Album öfters eingesetzt wird. Gefällt mir ausgezeichnet, trotz oder gerade wegen der Einfachheit der Nummer.

Düsterer geht es in den beiden darauf folgenden Stücken zu. „Spirit Horse Of The Cherokee“ erzählt – wie der Titel schon vermuten lässt – eine Geschichte über die Indianer eben dieses Stammes. Musikalisch wird das als Midtempo-Stampfer sehr effektiv umgesetzt. Ähnlich ist es bei „Burning“, das durch einen gewissen Mystery-Touch zu überzeugen weiß. Danach kommt mit „The Power Of Thy Sword“ wieder eine typische, schnelle Manowar-Hymne mit allerlei „Blood“, „Battle“ und „Honor“ im Text. Für mich eine der besten Nummern der „Kings Of Metal“ überhaupt. Insbesondere der Refrain und der aggressiven Gesangseinsatz nach dem leisen Zwischenteil verursachen Gänsehaut. Nach diesem schnellen Stück wird es zum Schluss nochmals bedächtiger. Wobei „bedächtig“ ein falsches Wort für „The Demon’s Whip“ ist – das Stück lebt von seiner düsteren Atmosphäer und den immer wieder aggressiv einsetzenden Instrumenten, am Ende klingt das Ganze mit einem wilden Doublebass-Ritt aus.

Das einzig wirklich ruhige Stück haben Manowar ganz ans Ende der Platte gestellt: „Master Of The Wind“ ist wohl die leiseste aller Balladen der Truppe – und allen neueren Versuchen dieser Art deutlich überlegen. Lediglich „Heart Of Steel“ von der Vorgängerscheibe „Kings Of Metal“ (1988) kann hier mithalten. „Master Of The Wind“ ist ein wunderschöner Titel, der vor allem durch den herausragenden Gesang von Eric Adams noch mal aufgewertet wird. Klebriger Kitsch und übertriebener Pathos fehlen hier völlig, dafür ist Gänsehautstimmung garantiert.

Für „The Triumph Of Steel“ (1992) kann es aus meiner Sicht nur die Höchstpunktezahl geben – egal, was man vom sperrigen Opener hält. An keinem der anderen Stücke gibt es meiner Ansicht nach etwas auszusetzen. Ich denke, man kann bei diesem Album mit Fug und Recht von einer der besten Manowar-Platten überhaupt sprechen. Diese geballte Meisterschaft, speziell auch in den kürzeren, Band-typischen Nummern, sollte die Truppe später nur noch in einzelnen Songs erreichen.


Track – Titel – Länge – Wertung

  1. Achilles, Agony and Ecstasy in Eight Parts – 28:37 – 5/7
  2. Metal Warriors – 3:59 – 7/7
  3. Ride The Dragon – 4:30 – 7/7
  4. Spirit Horse Of The Cherokee – 6:00 – 7/7
  5. Burning – 5:08 – 6/7
  6. The Power Of Thy Sword – 7:49 – 7/7
  7. The Demon’s Whip – 7:44 – 6/7
  8. Master Of The Wind – 5:27 – 7/7

Gesamteindruck: 7/7 


Manowar auf “The Triumph Of Steel” (1992):

  • Eric Adams − Vocals
  • David Shankle − Guitar
  • Joey DeMaio − Bass
  • Rhino − Drums

Anspieltipp: The Power Of Thy Sword

MusikWelt: Myrskyntuoja

Teräsbetoni


Teräsbetoni wurden immer mal wieder als finnische Antwort auf Manowar bezeichnet. Wer mit solchen Phrasen um sich wirft, muss sich natürlich zwangsläufig mit den großen Vorbildern messen lassen – und prompt ist es so, dass die Nordmänner mit ihrem 2008er-Output „Myrskyntuoja“ klar den Kürzeren ziehen.

Gesamteindruck: 3/7


Harter Stahlbeton fühlt sich anders an.

Auf der Habenseite stehen bei den wilden Kriegern aus Suomi Attitüde, Optik und Bandname (finnisch für „Stahlbeton“). Auch die Texte sind angeblich denen der „Kings Of Metal“ recht ähnlich; eine Überprüfung ist mir mangels finnischer Sprachkenntnisse nicht möglich. Technisch ist ebenfalls alles im grünen Bereich, die Truppe, deren Album-Debüt aus dem Jahre 2005 datiert, beherrscht ihre Instrumente sehr gut. Mehr Ähnlichkeiten konnte ich aber beim besten Willen nicht ausmachen. Die Musik klingt in meinen Ohren eher nach einer schwachbrüstigen Variante von HammerFall, mit Manowar haben die Tracks auf „Myrskyntuoja“ wenig zu tun, wenn man von gelegentlich eingesetzten Chören und einem leichten Hang zum Pathos absieht.

Die Stücke sind prinzipiell eher fröhlich und partytauglich angelegt, was an manchen Stellen extrem aufgesetzt klingt und spätestens ab der zweiten Albumhälfte nervt. Besagte Nerven strapaziert vor allem auch die extrem in den Vordergrund gemischte Stimme von Sänger/Bassist Jarkko Ahola (bekannt auch vom Cover-Projekt Northern Kings), die jegliche Aggressivität und Dynamik vermissen lässt und damit den grundsätzlich sehr glatten Titeln noch mehr an Härte nimmt.

Insgesamt kann ich auch nach mehreren Durchläufen keine Songs entdecken, die zumindest eine etwas längere Halbwertszeit bieten. Am ehesten fällt noch der gelungene Opener „Voiman Vartijat“ in diese Kategorie, auch die Ballade „Teräksen Taakka“ kann zumindest musikalisch überzeugen. Ansonsten bleibt nicht allzu viel hängen, lediglich die gute Gitarrenarbeit haftet im Gedächtnis. Fraglich übrigens, warum die Band ausgerechnet mit schwächsten Stück der CD, „Missä Miehet Ratsastaa“ zum Eurovision Song Contest 2008 angetreten ist. Allerdings hätte es damals wohl auch keinen großen Unterschied gedacht, wenn man mit einer anderen Nummern gestartet wäre.

Damit reicht es für mich leider nur für 3 Punkte, die hauptsächlich vom Exotenbonus der finnischen Sprache und der brauchbaren Instrumentalarbeit leben. Wer sich einmal eine stellenweise verkrampft fröhliche, mit finnischen Texten und zumindest fragwürdiger Gesangsleistung versehene HammerFall-Version anhören möchte, kann ein Ohr riskieren. Für den typischen Metaller dürfte dieses Stück Stahlbeton eindeutig zu weich und glatt sein.


Track – Titel – Länge – Wertung

  1. Voiman Vartijat – 4:27 – 6/7
  2. Painajainen – 4:13 – 3/7
  3. Missä Miehet Ratsastaa – 3:55 – 2/7
  4. Ukkoshevonen – 3:19 – 3/7
  5. Orjakaleeri – 5:24 – 4/7
  6. Paha sanoo – 3:56 – 3/7
  7. Teräksen Taakka – 5:27 – 5/7
  8. Metallin Voima – 4:10 – 4/7
  9. Kuumilla Porteilla – 4:24 – 3/7
  10. Vihollisille – 3:53 – 3/7
  11. Huominen Tulla Jo Saa – 5:15 – 2/7
  12. Seiso Suorassa – 4:49 – 3/7

Gesamteindruck: 3/7 


Teräsbetoni auf “Myrskyntuoja” (2008):

  • Jarkko Ahola – Vocals, Bass
  • Arto Järvinen – Guitar, Vocals
  • Viljo Rantanen – Guitar
  • Jari Kuokkanen – Drums

Anspieltipp: Voiman Vartijat

MusikWelt: Sword & Sorcery

Majesty


Majesty veröffentlichten bereits im Jahr 2000 ein (selbst produziertes) Studioalbum namens „Keep It True“. Dennoch wird „Sword And Sorcery“ (2002) gemeinhin als offizielles Debüt der Baden-Württemberger gesehen, wohl weil es sich dabei um das erste Album für ein Label (Massacre Records) handelt. Wie dem auch sei – mit dem 2002er Longplayer konnten die Krieger um Tarek „MS“ Maghary zumindest kurzzeitig richtig für Furore sorgen. Zu recht, wie ich finde.

Gesamteindruck: 6/7


„Metal to the Metalheads!“

Mein erster Kontakt zu „Sword & Sorcery“ war ein Song, der damals auf einer der „Maximum Metal“-Sampler des Metal Hammer veröffentlicht wurde: „Fields Of War“. Das ist für mein Dafürhalten die beste Nummer, die Majesty jemals geschrieben haben. Hier kommt der Helden-Pathos, den sonst nur Manowar, mit Abstrichen vielleicht noch alte HammerFall, hinbekommen, und den das Albumcover verspricht, so richtig zur Geltung. Allein die Bridge mit der Textzeile „The enemy is strong and high in number…“ muss man fast als Göttergabe bezeichnen. Dazu ein großartiger Refrain, galoppierende Drums und – vor allem – die exzellente Gitarrenarbeit (die dieses Album übrigens im Ganzen auszeichnet). Und, nicht zu vergessen: Hier singt Tarek „Metal Son“ Maghary wohl genau so, wie es für Majesty immer geplant war und auf neueren Scheiben leider nicht mehr gelingt. Manowar-Fronter Eric Adams lässt grüßen – zwar nicht ganz dessen Qualität am Mikro, wohl aber die Phrasierung und Aggressivität. Eine unglaubliche Leistung! Man sieht schon: Ein tolles Stück Musik, das einfach Spaß macht und von dem ich auch heute noch begeistert bin.

Doch „Fields Of War“ ist nicht alles, was Majesty auf „Sword & Sorcery“ zu bieten haben. Das Album geht mit einem tollen Titeltrack los, der abwechslungsreich und hymnisch aus den Boxen kommt – textlich erinnert das Ganze ein wenig an die Epen von Rhapsody (Of Fire). Gefällt jedenfalls sehr gut! Ebenso die (wenn man so will) „Szenehymne“ des Albums: In „Heavy Metal“ salutieren Majesty dem, was sie als Underground bezeichnen. Also sich selbst, aber auch den kleinen Clubs und Fanzine-Schreiberlingen. Und das macht sehr viel Spaß – veredelt wird die Nummer außerdem durch einen Gastauftritt des ehemaligen Manowar-Gitarristen Ross „The Boss“ Friedman. In die Riege der starken und unterhaltsamen Songs reiht sich auch das thematisch verwandte „Metal To The Metalheads“ (was für ein Titel…) ein. Hier greift man textlich sogar noch weiter in die Manowar-Kiste: Neben einem gepflegten „Let all the posers die!“ muss man die Bridge („Sons of Metal / Join the battle“) und den Refrain („Metal to the Metalheads! / Just for Metal Brothers / Metal to the Metalheads! / Don’t care about the others“) gehört haben. Ja, das mag peinlich wirken, wurde aber – ganz im Gegensatz zu späteren Majesty-Alben – so umgesetzt, dass es trotz aller Klischees nicht in den „jenseitigen“ Bereich kippt und auch für Fans lächerlich wird. Tatsächlich klingen der „Metal Son“ und seine Jungs hier sehr überzeugt von dem, was sie vortragen. Kein Wunder – ist das Stück ja auch musikalisch sehr stark.

Ein Fall für sich ist die „Aria Of Bravery“. Ein episch angelegtes, insgesamt eher balladeskes Stück Musik, das wie der Titeltrack Teil des „Sword & Sorcery“-Konzepts von Tarek Maghary ist. Diese Nummer schrammt schon sehr, sehr dicht am klebrigen Kitsch-Faktor vorbei. Für mein Dafürhalten geht es gerade noch gut, zeigt aber auch, dass Majesty die geradlinigen und schnellen Songs besser beherrschen. „Aria Of Bravery“ ist – man muss vor allem den Text ein bisschen ausblenden – insgesamt aber dennoch ein ganz gut geschriebenes Stück Musik.

Die restlichen drei Nummern auf „Sword & Sorcery“ sind eher solide als hochklassig. „Ride Silent“ ist hymnisch angelegt und geht gut ins Ohr. Ähnliches gilt für „Epic War“, das für meinen Geschmack aber etwas zu lang geraten ist. „Fist Of Steel“ ist schließlich die Nummer, die bei mir am wenigsten Eindruck hinterlässt. Ja, auch nicht übel gemacht, aber dann doch eher „Filler“ und kein „Killer“.

Größter Kritikpunkt an diesem Album ist meiner Ansicht nach die Länge der Songs. Natürlich nicht die Länge als solche – aber teilweise werden die Minuten dann doch mit Endloswiederholungen der jeweiligen Refrains gefüllt. Das ist übrigens ein Problem, das sich auch auf späteren Majesty-Veröffentlichungen durchzieht. Auf „Sword & Sorcery“ ist es allerdings nicht ganz so kritisch zu sehen, weil die Refrains allesamt gut bis sehr gut sind.

Letztlich darf der potentielle Hörer bei aller Begeisterung aber kein 7-Punkte-Meisterwerk erwarten, wenn er sich „Sword & Sorcery“ holt. Wie beschrieben macht das alles sehr viel Spaß, vor allem dem geneigten Manowar-Fan dürfte gefallen, was er hier zu hören bekommt. Vielleicht zerdrückt er sogar das eine oder andere Tränchen, weil Joey DeMaio & Co das in der Endphase ihrer Karriere nicht mehr derart gekonnt hingebracht haben. Andererseits ist aber klar, dass das alles sehr einfach gestrickt und mit den üblichen True Metal-Texten versehen ist. Wer genau das möchte, garniert mit exzellenter Gitarrenarbeit und dem eigenwilligen, stellenweise aber tatsächlich sehr guten Gesang von Tarek „MS“ Maghary, ist mit „Sword & Sorcery“ bestens bedient.


Track – Titel – Länge – Wertung

  1. Sword And Sorcery – 5:31 – 7/7
  2. Fields Of War – 6:09 – 7/7
  3. Heavy Metal – 6:55 – 6/7
  4. Epic War – 7:16 – 5/7
  5. Ride Silent – 5:18 – 5/7
  6. Fist Of Steel – 5:42 – 4/7
  7. Aria Of Bravery – 9:02 – 6/7
  8. Metal To The Metalheads – 7:11 – 5/7

Gesamteindruck: 6/7 


Majesty auf “Sword & Sorcery” (2002):

  • Tarek „MS“ Maghary – Vocals, Guitar, Keyboard
  • Udo Keppner – Guitar, Backing Vocals
  • Martin Hehn – Bass, Backing Vocals
  • Michael Gräter – Drums, Backing Vocals
  • Andy Moll – Keyboard, Backing Vocals

Anspieltipp: Fields Of War

MusikWelt: The Lord Of Steel

Manowar


Manowar sind tolle Musiker, nicht umsonst sind sie seit den frühen 1980er Jahren konstant vorne dabei. Aber in jüngerer Zeit gerät die True Metal-Institution doch ein wenig ins Wanken. „The Lord Of Steel“ ist der vorläufige Tiefpunkt dieser Entwicklung. Die Songs sind gut gespielt, keine Frage. Aber etwas, wofür Manowar immer standen, was diese Truppe auch zu ihren umstrittensten Zeiten auszeichnete, geht dem 2012er Album ab: Die hörbare, geradezu greifbare Leidenschaft für diese Art Musik. Epische Hymnen, ausgestattet mit Manowar-typischem Pathos, garniert mit einer so unglaublich passenden Stimme – all das fehlt. Zwar nicht völlig, aber doch deutlich merkbar. Und für die hohe Qualität, die Manowar bisher (fast) immer abgeliefert haben, ist das einfach zu wenig, selbst die wenigen „richtigen“ Songs auf „Gods Of War“ (2007) waren wesentlich besser als das Gros des vorliegenden Materials. Schade.  

Gesamteindruck: 3/7


Leider keineswegs die erhoffte Offenbarung nach langer Wartezeit.

Manowar sind eigentlich ein liebenswerter Anachronismus. Alle anderen Bands, die schon so lange dabei sind, sind in der einen oder anderen Form „erwachsen“ geworden. Nur die „Kings of Metal“ bringen es nach Jahrzehnten immer noch fertig, „Glory“, „Blood“ und „Steel“ so richtig hochleben („Hail!“) zu lassen. Das ist – je nach Standpunkt – hochgradig peinlich oder eben genau das, wofür man diese Band liebt. Und daran ändert auch das 2012er Werk „The Lord Of Steel“ nichts. Fünf Jahre hat Manowar-Boss Joey DeMaio zwischen „The Lord Of Steel“ und dem letzten (regulären) Studioalbum „Gods Of War“ die Fans immer wieder vertröstet. In Interviews hat der Bassist unermüdlich von der Zeit, die Qualitätsarbeit eben braucht, gesprochen – und muss sich natürlich auch an seinen Aussagen messen lassen.

Textlich bekommt man – wie bereits am Albumtitel ersichtlich – den gewohnt tiefen Griff in die Klischeekiste, der entweder gefällt oder eben nicht. Mir persönlich sagt das typische Manowar-Textmuster nicht mehr wirklich zu. Man hat für meinen Geschmack häufig das Gefühl, bereits 100 mal gehörte Floskeln würden auseinandergenommen, zerhackt und wieder aufgewärmt, nur um dann erst recht wieder wie vor 20 Jahren zu klingen. Ja, früher hat es so funktioniert, aber nach so vielen Jahren fühle ich mich doch einigermaßen übersättigt. Mit Innovationen war an dieser Front sowieso nicht zu rechnen und das ist im Endeffekt auch gut so – ich hätte mir aber schon gewünscht, dass man sich etwas mehr Mühe mit den Lyrics gibt, die auf mich einfach uninspiriert wirken.

Ob man mit den Texten leben kann, hängt aber gerade im Falle von Manowar auch von der Musik ab, zumindest geht es mir so. Und speziell in diesem Bereich muss man bei „The Lord Of Steel“ leider viel zu viele Abstriche machen. Bereits beim ersten Durchgang fällt das Album nicht durch herausragende Songs auf, sondern irritiert durch den verzerrten Bass-Sound, der sehr stark in den Vordergrund gemischt wurde. Klingt ein wenig nach dem, was diverse Stoner Rock-Bands benutzen – gefällt mir bei Manowar überhaupt nicht, noch dazu wird dadurch viel von der (guten) Gitarrenarbeit von Karl Logan in den Hintergrund gedrängt (gut nachzuhören unter anderem beim Solopart des Titelsongs). Ansonsten ist die Produktion in Ordnung, lediglich die Stimme hätte man etwas lauter drehen können, aber das sind nur Nuancen. A pro pos Stimme: Mit Eric Adams hat man nach wie vor einen der besten Sänger am Start – nur leider geht auch an ihm das Alter nicht völlig spurlos vorüber. Er singt super, keine Frage, aber die letzte Aggressivität und Leidenschaft fehlt auf „The Lord Of Steel“. Doppelt schade, war es doch seit einiger Zeit hauptsächlich Adams‘ Stimme, die einige Kompositionen vor dem Totalabsturz rettete.

Richtig kritisch wird es für „The Lord Of Steel“, wenn man sich dem Wichtigsten widmet: Den Songs. Und an dieser Front gibt es für Manowar-Verhältnisse leider wenig Gutes zu vermelden: Mit dem düster gehaltenen, hymnischen „Born In A Grave“ und der tollen Power-Ballade „Righteous Glory“, die wie eine verbesserte Version von „Swords In The Wind“ klingt, haben sich im Mittelteil zwei wirklich starke Songs versteckt. Noch etwas besser ist „El Gringo“, das tatsächlich auch auf älteren Alben eine gute Figur gemacht hätte und einfach irrsinnig viel Spaß macht. Immerhin akzeptabel sind das eingängige „Touch The Sky“, das sich aber recht schnell abnutzt und der eröffnende Titelsong, bei dem der Fuzz-Bass allerdings ganz besonders nervt.

Und der Rest? „Black List“, Expandables“ und „Annihilation“ wirken unfertig, uninspiriert oder langweilig. Oder alles zusammen – solche Songs sind für Manowar-Verhältnisse einfach unterster Durchschnitt und hätten es früher wohl nie auf eine Platte der Band geschafft. Das typische Manowar-Feeling fehlt diesen Nummern komplett. Dieses Feeling wollte man vermutlich auch mit „Manowarriors“ (wieso gibt es diesen eigentlich Songtitel erst jetzt?) und „Hail, Kill And Die“ (was sonst…) wecken. Das geht leider gründlich daneben – beide Songs eigenen sich hauptsächlich zum Fremdschämen. Bei „Hail, Kill And Die“ kommt noch dazu, dass man hier textmäßig in „Blood Of The Kings“-Gefilden wildert, also Song- und Albumtitel aus der Vergangenheit aneinander reiht. Nur leider nicht so gehaltvoll wie beim „Original“, der Song ist einfach todlangweilig.


Track – Titel – Länge – Wertung

  1. The Lord Of Steel – 4:07 – 4/7
  2. Manowarriors – 4:46 – 2/7
  3. Born In A Grave – 5:47 – 6/7
  4. Righteous Glory – 6:10 – 6/7
  5. Touch The Sky – 3:49 – 5/7
  6. Black List – 6:58 – 2/7
  7. Expendable – 3:10 – 2/7
  8. El Gringo – 4:57 – 7/7
  9. Annihilation – 4:00 – 1/7
  10. Hail, Kill And Die – 3:56 – 2/7

Gesamteindruck: 3/7 


Manowar auf “The Lord Of Steel” (2012):

  • Eric Adams − Vocals
  • Karl Logan − Guitar, Keyboards
  • Joey DeMaio − Bass, Keyboards
  • Donnie Hamzik − Drums, Percussion

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Anspieltipp: El Gringo

Live (Kreator)

KonzertWelt: Manowar (Brünn, 15.01.2016)

Datum: Freitag, 15. Jänner 2016
Location: Kajot Arena (Brünn/Tschechien)
Tour: “Gods And Kings World Tour 2016″
Headliner: Manowar
Support:
Ticketpreis: 790 Kronen (umgerechnet ca. 30 Euro)


 

Irgendwie enttäuschend.

Man mag es kaum glauben – ich höre seit mehr als 20 Jahren Metal und praktisch ebenso lang kenne und schätze ich MANOWAR. Gut, das mit dem „Schätzen“ hat sich in den vergangenen Jahren ein wenig geändert – aber das würde hier zu weit führen. Jedenfalls: In dieser langen Zeit habe ich die „Kings Of Metal“ kein einziges Mal live gesehen. Woran lag es? Nun, es hat sich einfach nicht ergeben oder war mir damals – in Schüler-/Studentenzeiten – schlichtweg zu teuer. Letzteres Argument können wohl auch viele aktuelle MANOWAR-Fans nachvollziehen. Bei mir spielen die Kosten nun keine so große Rolle mehr wie früher – daher wäre ich wohl auch zu einer Show gegangen, die mehr kostet, als obenstehender Preis, nur damit ich diese Band einmal sehen kann. Aber: Wenn Brünn von Wien aus doch so nah liegt, sollte man das Glück beim Schopf packen. Auch im Wissen, dass eine Woche später, am 22. Jänner 2016, das Ticket für die Show in München 81 Euro (!) kostet. Was die Merch-Preise betrifft habe ich übrigens keine Ahnung, ein MANOWAR-Shirt fehlt in meiner Sammlung zwar, aber irgendwie hatte ich auch so gar keinen Bock drauf.

Nun aber zum Wichtigsten – wie war das Konzert? Los ging es um 20:15 Uhr (ca. 15 Minuten Verspätung). Vorgruppe? Fehlanzeige! Noch ein Grund mehr, wieso ich mich über die mehr als doppelt so teure Show in München geärgert hätte. Nach dem gefühlt recht langen Intro starteten MANOWAR mit dem Uralt-Gassenhauer „Manowar“ in ihr Set, einem lange bewährten Opener. Mir hat der Song ja noch nie sonderlich gut gefallen, ist aber als live-Eröffnung durchaus ok. Der Sound war sehr gut, es gab zwar ein paar Probleme mit dem Mix, die waren aber nach einigen Nummern behoben. Abgesehen davon ließ nicht nur der Mann am Mischpult sondern auch die Band kleinere Anzeichen von „Ringrost“ erkennen. Teilweise wirkte die Performance ein wenig steif, gelegentlich stand man sich ein wenig im Weg – ganz, als ob man noch nicht richtig „on the road“ angekommen wäre (war ja auch erst die zweite Show auf dieser Tour). Später wurde das dann besser, routinierter – was aber leider ein anderes Gefühl bei mir auslöste. Mir kam nämlich vor, dass die Band recht „satt“ wirkte, Spielfreude konnte ich da nicht so viel entdecken, auch die Bewegungen auf der Bühne sahen sehr einstudiert aus. Insgesamt jedenfalls keine ganz runde Sache.

Musikalisch kam der Gig dagegen langsam in Fahrt. Nach dem Opener wurde ein Hit-Feuerwerk geboten – zumindest für mich als „neuen“ Fan war das schon eine Freude. Jedenfalls ab dem dritten Song, an zweiter Stelle gab es noch das unsägliche „Die For Metal“ zu erdulden, über das man als MANOWAR-Fan und Rock Hard-Leser ganz gut Bescheid weiß. Aber was soll’s, wenn gleich darauf „Sons Of Odin“ und „Kings Of Metal“ folgen und plötzlich alles wieder gut ist. Da weiß man, was man hat und erstmals schien mir im Publikum so richtig Stimmung aufzukommen (also auch hinter den ersten fünf, sechs Reihen). Ich hatte ja einen Sitzplatz, relativ weit oben, von da sah man recht gut, dass der Jubel sich zeitweise in Grenzen hielt, wenn man die im „Sign Of The Hammer“ hochgereckten Hände als Indikator nehmen möchte. Vor allem weil bereits an sechster Stelle der Setlist das erste Solo (Karl Logan, „Fallen Brothers“, zu Einblendungen verstorbener Heroen wie ex-MANOWAR-Drummer Scott Columbus, MOTÖRHEAD-Fronter Lemmy Kilmister und Richard Wagner (!), Erfinder (!!) des Heavy Metal), das direkt in das immer wieder nervige „Sting Of The Bumblebee“ überging. Gute Zeit, um mal kurz auszutreten und bei der Gelegenheit gleich Bier zu holen, auch weil es nach Joey DeMaios Gedudel noch „Ascension“ als quasi-Intro zu hören gab.

Danach folgte endlich wieder „richtige“ Musik und der geilste Teil der Show. „King Of Kings“, „Hand Of Doom“, „House Of Death“, „The Dawn Of Battle“ (!) und „Hail And Kill“, nur mit dem etwas schwächeren „The Lord Of Steel“ als „Zwischenloch“ mittendrin. Nach „Hail And Kill“ konnte ich es kaum glauben. Ein kurzes „Good Night“ von Sänger Eric Adams, der übrigens ansonsten praktisch keine Ansage vom Stapel ließ. Da kam mir die Show schon extrem kurz vor.

Ganz vorbei war es aber noch nicht, weil dann Band-Boss DeMaio ohne Bass, dafür mit Mikro die Bühne enterte. „Joeys Speech“ – was den geneigten Zuhörer hier erwartete, wusste ich schon aus diversen Erzählungen und Berichten in Magazinen. Und so war es dann auch – ca. eine Viertelstunde gab es „blah this“, „fuck that“ von unserem Mann. Er fing an, indem er irgendwelchen Mädels in der ersten Reihe sagte, sie kämen ihm wohl bekannt vor, weil er beim letzten Besuch ein kleines Schäferstündchen mit ihnen hatte. Ähhh… ja. Einstudierte Rede, anyone? Danach kam noch ein bisschen was über die Metal-Szene generell und MANOWAR im Besonderen und irgendwas mit Typen, die eifersüchtig wären, wenn sie einen nach dem Konzert im MANOWAR-Shirt sehen würden. Einen Teil der Rede verfolgte ich vom Bierstand aus – ich habe also nicht alles verstanden, aber das war wirklich ganz großer Bullshit, alles in allem. Stattdessen hätte es doch mindestens zwei Songs mehr geben können – das war wirklich eine Frechheit und zeigt deutlich, wieso MANOWAR a) von Außenstehenden belächelt werden und b) auch bei ihren Fans einen zunehmend schweren Stand haben. Was übrigens auch daran zu erkennen war, dass die Halle nicht annähernd so voll war wie wenige Wochen vorher, als ich dort JUDAS PRIEST bewundern durfte. Da waren die Stehplätze diesmal wesentlich lockerer besetzt. Achja… JUDAS PRIEST – eine andere Band, die sich gerne in schmuckes Leder hüllt. Joey DeMaio und Eric Adams passt ihre Lederkluft zwar noch gut (Karl Logan sah darin schon immer leicht merkwürdig aus), allerdings sieht man speziell DeMaio das Alter mittlerweile ziemlich an, was ihn irgendwie ein bisschen albern wirken lässt. Also auch optisch, meine ich.

Nach der Ansprache kam übrigens sogar noch was. „Warriors Of The World United“, dann noch der klassischer Rausschmeißer „Black Wind, Fire And Steel“, beides sehr gut dargeboten. Und dann? Ja, dann war tatsächlich Schicht im Schacht, natürlich erst, nachdem Joey DeMaio seinen Bass von den Seiten befreit hatte. Ein Fan wurde nicht auf die Bühne geholt, das war ja früher mal üblich, soweit ich weiß. Auch schon egal. „The Crown And The Ring (Lament Of The Kings)“ wurde als Outro „missbraucht“. Warum zum Teufel konnten MANOWAR diese grandiose Nummer nicht noch anhängen? DAS wäre ein versöhnlicher Abschluss gewesen. An der Zeit kann es ja nicht gelegen haben, wenn man das Stück eh in voller Länge vom Band einspielt, ungefähr in der gleichen Lautstärke wie das restliche Konzert. Da hätte ich mir schon Live-Gesang gewünscht. So war das der letzte Dämpfer für ein irgendwie doch recht enttäuschendes Konzert.


Fazit: MANOWAR dürften ihren Zenit endgültig überschritten haben. Auf Platte ja schon länger, nun offensichtlich auch live. Zu kurz, zu wenig Spielfreude, zu viel Bullshit – das war einfach nichts, was den Status dieser Band untermauern würde. Ja, ich höre MANOWAR immer noch gerne. Ja, ich liebe die alten Alben, ich mag die in der Mitte und bin nur bei den letzten nicht mehr so begeistert. Ich sehe mir gerne Shows aus den 1990ern und 2000ern an, da war, glaube ich, der live-Höhepunkt der Band. Zu einem Konzert werde ich aber eher nicht mehr gehen.

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MusikWelt: Gods Of War

Manowar


Was man „Gods Of War“ zu Gute halten kann: Das Konzept wurde in sich recht stimmig und auch atmosphärisch brauchbar umgesetzt. Es ist von Track 1 bis 15 ein roter Faden zu erkennen, man kann zumindest die Vision, die dahinter steckt, erahnen. Mehr leider nicht. Damit reicht es bei mir für knappe vier Punkte, vier sehr starken Stücken und der einmal mehr herausragenden Gesangsleistung von Eric Adams sei Dank. Ohne ihn hätte es wesentlich düsterer ausgesehen.  

Gesamteindruck: 4/7


True Metal? Ja, aber in homöopathischen Dosen.

Wenn man mit einigem zeitlichen Abstand an „Gods Of War“, das 2007er Album der True Metal-Institution Manowar denkt, fallen einem spontan drei Songs ein: „King Of Kings“, „Sleipnir“ und „Sons Of Odin“. Aufgrund einer lustig-peinlichen Anekdote aus dem Rock Hard wird insbesondere im deutschsprachigen Raum der eine oder andere vielleicht auch noch den Bonustrack „Die For Metal“ in Erinnerung haben – gewidmet einem gewissen Götz K. Der fand es seinerzeit nämlich nicht so glaubwürdig, dass ein gewisser Joey D. behauptete, „notfalls für den Metal sterben“ zu wollen und wurde dafür immerhin im Booklet gewürdigt (die Geschichte bzw. das Interview kann man übrigens u. a. hier nachlesen).

Auch wenn (oder gerade weil?) seit der Veröffentlichung von „Gods Of War“ mittlerweile einige Zeit ins Land gezogen ist, ist das Album nach wie vor nur als „durchwachsen“ zu bezeichnen. Dabei sieht es optisch zunächst sehr gut aus (und mit „optisch“ meine ich nicht das Cover, das mehr als alle bisherigen zum Fremdschämen einlädt): 16 Songs, eine Spielzeit von fast 74 Minuten, Manowar-Rekord! Ähnlich umfangreich ist von allen bis dato erschienenen regulären Alben der US-Amis lediglich „The Triumph Of Steel“ (1992, ca. 69 Minuten) ausgefallen. Das ist auch schon eine gute Überleitung, denn gerade auf jenem Album befand sich mit dem berühmt-berüchtigten 28-Minüter „Achilles, Agony And Ecstasy In Eight Parts“ eine Art Hörspiel, wie es „Gods Of War“ auf Albumlänge bietet.

Das bedeutet im Klartext: Von 16 Stücken auf der Platte sind gerade mal acht als Songs im eigentlichen Sinne zu bezeichnen. Der Rest besteht aus Intros, Overtüren und Spoken-Word-Titeln. Nun sind solche Dinge zur Schaffung einer gewissen Atmosphäre ja durchaus geeignet, nur übertreiben es Manowar auf „Gods Of War“ damit gnadenlos. Am Beginn der Platte bietet die erste Overtüre, passend betitelt mit „Overture To The Hymn Of The Immortal Warriors“ einen dramatischen, wagnaresken Auftakt – und ist gleichzeitig symptomatisch für das Problem der ganzen Klassik, die sich auf „Gods Of War“ zwischen den anderen Liedern befindet: Zu lang, zu sperrig, zu sehr Konserve und einfach zu viel des Guten. Ich wage es kaum zu schreiben, aber sowas bringen „kleine“ Symphonic-Bands wie Rhapsody (Of Fire) besser und dramatischer zustande. Dass darauf mit „The Ascension“ auch noch ein Intro folgt, strapaziert die Geduld dann schon beinahe über Gebühr. So dauert es dann insgesamt fast neun (!) Minuten, bis der erste „richtige“ Song beginnt, der leider nur 4:17 Minuten dauert. Dafür ist „King Of Kings“ einer der stärksten Manowar-Tracks überhaupt. Tatsächlich ist das Stück sogar gut, dass es über den Anfangsärger locker hinwegtröstet und man auch mit dem darauf folgenden Zwischenspiel „Army Of The Dead, Part I“ (langsam, bedächtig, mit Chorgesang, insgesamt gar nicht so übel) ganz gut leben kann. Danach befürchtet man in „Sleipnir“ zunächst auch eine Art Intro, der gesprochene Text ist aber zum Glück „nur“ knapp über eine Minute lang und leitet einen echten Hammer-Song ein. Vor allem der Refrain ist traumhaft, auch wenn er zum Schluss ein wenig zu oft wiederholt wird. Im kurzen „Loki God Of Fire“ geht es dann im Midtempo ganz gut, wenn auch nicht essentiell zur Sache, bevor mit „Blood Brothers“ eine typische Power-Ballade folgt, die jedoch qualitativ bei Weitem nicht an andere Manowar-Großtaten dieser Kategorie heranreicht.

Die zweite Hälfte der Platte wird – standesgemäß – von einer Overtüre („Overture To Odin“) und einem ähem… Intro… („The Blood Of Odin“, mit eher gelangweiltem Erzähler) eingeleitet. Wer sich das öfters anhören soll, weiß ich nicht, aber nach insgesamt rund acht Mintuen folgt mit „The Sons Of Odin“ wieder ein richtiger Kracher der „Kings Of Metal“ – ein schöner Stampfer mit gutem Refrain und überhaupt allem, was das Herz begehrt. Ganz im Gegensatz zu „Glory Majesty Unity“, das – man ahnt es schon – eine Art Fortsetzung von „The Warriors Prayer“ (auf „Kings Of Metal“, 1988) darstellt. In meinen Ohren ist das überflüssig wie ein Kropf, war es auch 1988 schon, wenn man ehrlich ist. Gleich darauf hört man im Titeltrack „Gods Of War“ wieder metallischere Klänge, episch angereichert durch orchestrale Begleitung. Gar nicht so schlecht, aber auch kein zukünftiger Klassiker. Schließlich folgt noch die „Army Of The Dead, Part II“ (Erinnert sich niemand mehr an „Part I“ auf diesem Album? So ähnlich klingt nämlich auch dieses Stück). Im vorletzten Song kommt dann noch Odin selbst zu Ehren, und zwar in einer guten Power-Ballade, die „Blood Brothers“ locker übertrifft. Gefällt! Den Schlusspunkt des Konzepts setzt dann die „Hymn Of The Immortal Warriors“, die weder ganz Klassik noch ganz Metal ist und somit zwischen den Stühlen sitzt. Halbgar, irgendwie, und auch ein bisschen symptomatisch für „Gods Of War“ als Gesamtalbum. Das 16. und finale Stück gehört dann nicht mehr zum Konzept und ist – wie schon erwähnt – die Huldigung an den Rock Hard-Chef in Form von „Die For Metal“, das wohl nur aufgrund der zugehörigen Geschichte nicht in Vergessenheit geraten ist. Oder vielleicht auch aufgrund des geklauten „Kashmir“-Riffs (Led Zeppelin), aber das haben ja schon ganz andere Kapazunder verwendet.

Am Ende bleiben also auch nach neuerlichen Hörversuchen nur wenige Volltreffer auf der Habenseite von „Gods Of War“. Vor allem „King Of Kings“ und „Sleipnir“ sind zwar auch im Manowar-Gesamtkontext ganz vorne einzuordnen, das reicht mir persönlich aber nicht. Joey DeMaio hat für dieses Album typische Manowar-Zutaten genommen, seiner Vorliebe für Wagner freien Lauf gelassen und den Pathos, der beidem zu Grunde liegt, auf die Spitze getrieben. Das mag sich auf den ersten Blick interessant anhören, führt aber bei mir nur dazu, dass ich alle Zwischenspiele überspringe, um die Dinge zu hören, die mir an Manowar immer gefallen haben. Denn Leidenschaft und Spielfreude ist aus den klassischen Einschüben nicht herauszuhören, wenn ich mir auch nicht herausnehme, ein großer Klassik-Spezialist zu sein. Bombast und Dramatik erkennt man schon, aber damit allein kann man eben keinen Blumentopf gewinnen, schon gar nicht, wenn alles nach Konserve, statt nach richtigem Orchester klingt. Es ist letztlich auch dieser Qualitätsunterschied, an dem das Album meiner Meinung nach scheitert. Die Metal-Songs sind großteils saustark und super-eingängig, da können die klassischen Ambitionen eines Joey DeMaio einfach nicht mithalten. Wenn man keine Hörspiele mag und nur die „normalen“ Songs herausnimmt, bleibt übrigens eine Spielzeit von rund 43 Minuten – was dann doch wieder im normalen Manowar-Schnitt liegt. Nicht näher beleuchten möchte ich den Umstand, dass fünf der 16 Stücke auf „Gods Of War“ zum Zeitpunkt der Veröffentlichung bereits von der EP „The Sons Of Odin“ bekannt waren.


Track – Titel – Länge – Wertung

  1. Overture To The Hymn Of The Immortal Warriors – 6:19 – 3/7
  2. The Ascension – 2:30 – 2/7
  3. King Of Kings – 4:17 – 7/7
  4. Army Of The Dead, Part I – 1:58 – 3/7
  5. Sleipnir – 5:13 – 6/7
  6. Loki God Of Fire – 3:49 – 5/7
  7. Blood Brothers – 4:54 – 4/7
  8. Overture To Odin – 3:41 – 3/7
  9. The Blood Of Odin – 3:57 – 2/7
  10. The Sons Of Odin – 6:23 – 7/7
  11. Glory Majesty Unity – 4:41 – 1/7
  12. Gods Of War – 7:25 – 5/7
  13. Army Of The Dead, Part II – 2:20 – 1/7
  14. Odin – 5:26 – 5/7
  15. Hymn Of the Immortal Warriors – 5:29 – 2/7
  16. Die For Metal (Bonus Track) – 5:16 – 4/7

Gesamteindruck: 4/7 


Manowar auf “Gods Of War” (2007):

  • Eric Adams − Vocals
  • Karl Logan − Guitar, Keyboards
  • Joey DeMaio − Bass, Keyboards
  • Scott Columbus (†) − Drums, Percussion

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MusikWelt: Louder Than Hell

Manowar


Überwiegend empfinde ich „Louder Than Hell“ als positiv, auch wenn hier Abwechslung nicht gerade groß geschrieben wird und man sich vor allem im Riff-Bereich stark wiederholt. Im Manowar-Backkatalog gibt es im Endeffekt natürlich bessere Stücke als auf diesem Album, wirklich schwach ist die Platte aber dennoch nicht. Leider krankt das Ganze meiner Ansicht nach an einer ziemlich kraft- und saftlosen Produktion, ein Leiden, das man von Manowar seit den ersten Alben eigentlich nicht mehr kennt. Oder ist hier etwa erstmals mangelnde Spielfreude zu hören? Die direkten Vorgänger-Scheiben hatten wesentlich mehr Wumms, was „Louder Than Hell“ auch sehr gut zu Gesicht gestanden hätte. Damit kann es – trotz einiger guter Songs – für keine höhere Wertung reichen.

Gesamteindruck: 5/7


Solider Manowar-Durchschnitt, kraftlos produziert.

„Louder Than Hell“ (1996) ist kein schlechtes Album. Im Vergleich zu anderen Bands schaffen es Manowar auch auf dieser LP scheinbar mühelos, aus ihrem engen thematischen Umfeld ein Maximum herauszuholen. Das Album beginnt sogar ausnehmend stark: „Return Of The Warlord“ ist ein optimale Hymne zum Einstieg. Der Songtitel spielt auf die Rückkehr von Drummer Scott Columbus (R.I.P. 2011) an, der die Band 1990 verlassen hatte. Musikalisch wird typischer Manowar-Stoff der schnelleren Sorte geboten, lyrisch greift man in den Klischeetopf „Lebensgefühl des Metallers/Bikers“. So muss ein Album der „Kings Of Metal“ eröffnet werden. Sehr gut gelungen sind auch die nachfolgenden Stücke „Brothers Of Metal (Part 1)“ und „The Gods Made Heavy Metal“, wobei hier – man ahnt es schon – die Texte besser sein könnten. Das liegt weniger an der grundsätzlichen Thematik, die man von Manowar natürlich genau so hören möchte, als vielmehr daran, dass beide Songs unmittelbar aufeinander folgen und sich lyrisch praktisch wie ein Ei dem anderen gleichen. So geballt hat man „Steel“, „Fight“ und „Metal“ selten hochleben lassen… Davon abgesehen sind beide Stücke aber gut gelungen. Gleiches gilt auch für das epische, halb-balladeske „King“ und den pfeilschnellen Rausschmeißer „The Power“. Die obligatorische Ballade „Courage“ kann sich auch hören lassen, ist jedoch keineswegs so dramatisch, wie man das von der Band auch schon gehört hat. Das Prädikat „zu kitschig“ trifft es eher… „Brauchbar, aber nicht essentiell“ gilt auch für „Outlaw“, das vor allem aufgrund der eher ungewöhnlichen Western-Thematik hervorsticht (etwas, was Manowar mit dem hervorragenden „El Gringo“ erst auf „The Lord Of Steel“ (2012) wieder aufgreifen sollten).

So viel zu den guten bis brauchbaren Stücken auf „Louder Than Hell“. Die restlichen drei Nummern können bei mir hingegen überhaupt nicht punkten. Insbesondere die beiden Instrumentals „Today Is A Good Day To Die“ und „My Spirit Lives On“ (in dem Neuzugang Karl Logan an der Gitarre zeigt, was er kann) finde ich völlig nichtssagend und überflüssig. Wer mit solchen Stücken was anfangen kann, wird wohl zufrieden damit sein, ich hätte einen rein instrumentalen Titel ausreichend gefunden. Und schließlich gibt es in der Mitte der Platte noch den Track „Number 1“, ein absolut durchschnittliches Stück Musik, das nicht zündet und nicht hängen bleibt. Zwar kein Totalausfall, aber für Manowar-Verhältnisse erschreckend belanglos.

Größter Schwachpunkt ist meines Erachtens die Produktion. Das Album klingt dumpf und wenig druckvoll – was Manowar meiner Meinung nach gar nicht gut zu Gesicht steht. Da kann auch der einmal mehr genial singende Eric Adams nichts retten. Interessant, dass ältere Scheiben wie „The Triumph Of Steel“ (1992) und „Kings Of Metal“ (1988) wesentlich stärker produziert waren und im wahrsten Sinne des Wortes nach „Schwermetall“ klangen. Schade drum, mit mehr „Wumms“ wäre für „Louder Than Hell“ mehr drin gewesen, ist es doch einigen seiner Nachfolger vom Songwriting her deutlich überlegen.


Track – Titel – Länge – Wertung

  1. Return Of The Warlord – 5:19 – 6/7
  2. Brothers Of Metal – 3:54 – 5/7
  3. The Gods Made Heavy Metal – 6:03 – 5/7
  4. Courage – 3:49 – 5/7
  5. Number 1 – 5:11 – 3/7
  6. Outlaw – 3:22 – 4/7
  7. King – 6:25 – 6/7
  8. Today Is A Good Day To Die – 9:42 – 2/7
  9. My Spirit Lives On – 2:09 – 2/7
  10. The Power– 4:09 – 6/7

Gesamteindruck: 5/7 


Manowar auf “Louder Than Hell” (1996):

  • Eric Adams − Vocals
  • Karl Logan − Guitar
  • Joey DeMaio − Bass, Keyboards
  • Scott Columbus (†) − Drums

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MusikWelt: Kings Of Metal

Manowar


Trotz dreier Durchhänger kann man nur die Höchstwertung geben – „Kings Of Metal“ ist nach wie vor ein Monument. In meiner CD-Sammlung ist das einer der wenigen Fälle, wo sieben von zehn Nummern derart gut sind, dass sie die restlichen drei rausreißen. Wobei man sagen muss, dass ein Stück wie „The Warriors Prayer“ eigentlich sowieso außerhalb der musikalischen Wertung liegen muss. Merkwürdiges Gefühl, wenn man sich an den ersten Hördurchgang von „Kings Of Metal“ erinnert und dann mal kurz bei „Kings Of Metal MMXIV“ reinhört.

Gesamteindruck: 7/7


 Genie und Wahnsinn liegen eng beieinander.

Vorhalten kann und konnte man Manowar vieles – das bisweilen doch arg lächerliche Image, die größenwahnsinnigen Versprechen, die zu oft nicht halten (Stichwort: Magic Circle Festival, Zusammenarbeit mit Wolfgang Hohlbein usw.), die zeitweise grenzenlose Arroganz und Selbstüberschätzung von Band-Boss Joey DeMaio, dessen Ansagen bei Konzerten, den Auftritt mit Stefan Raab und einiges mehr… Aber dass sie jemals Alben für die Tonne abgeliefert hätten, kann man nicht behaupten (wenn man von dem Reinfall „Kings Of Metal MMXIV“ absieht). Sogar die schwächeren Alben der Neuzeit sind noch vergleichsweise gut und dass sollte allen, die das Hauptaugenmerk auf das Wichtigste, also die Musik, legen, eigentlich reichen, wobei Joey DeMaio mittlerweile (anno 2015) tatsächlich vollkommen durchgeknallt zu sein scheint.

Mit „Kings Of Metal“ legten die vier Amis 1988 eine Platte vor, deren beste Songs nahezu perfekt sind. „Wheels Of Fire“ und der Titeltrack sind der optimale Einstieg in das Album, zwei Hymnen, die jeder Metal-Fan wohl in- und auswendig kennen wird, wenngleich bei zwieterem gleich mal der Text eher zum Fremdschämen einlädt. Noch besser gelungen ist der immer etwas unterschätze Midtempo-Song „Kingdom Come“, der einen Eric Adams in Bestform zeigt. Beim Rausschmeißer „Blood Of The Kings“ huldigen Manowar ihren Anhängern in den unterschiedlichsten Ländern und bauen nebenbei einige ihrer wichtigsten Songtitel in die Nummer ein – für meinen Geschmack äußerst gelungen. Auf Position 8 „versteckt“ sich mit „Hail And Kill“ einer der in meinen Ohren besten Songs der Band überhaupt. Eine schnelle Schlachthymne mit einem Mitgröl-Refrain, der seinesgleichen sucht. Alle Trademarks, die man als Manowar-Fan so liebt, sind in diesem Song enthalten. Wie bei einer solchen Platte üblich, dürfen natürlich auch sanftere Töne nicht fehlen. „Heart Of Steel“ kann man ruhigen Gewissens als eine der Metal-Balladen schlechthin bezeichnen (Manowar selbst schafften meiner Meinung nach lediglich mit „Master Of The Wind“ einen ähnlichen Gänsehaut-Faktor, eventuell noch mit „Mountains“ und dem 2012er Stück „Righteous Glory“). Ebenfalls sehr getragen, aber gänzlich anders kommt „The Crown And The Ring (Lament Of The Kings)“ aus den Boxen. Hier wird Eric Adams lediglich von Chören und Kirchenorgel begleitet, typischer klischeebeladene Manowar-Lyrics inklusive, was eine ganz eigene Stimmung erzeugt und den Hörer direkt in eine Geschichte wie „Conan“ hineinversetzt (obwohl der Text in der nordischen Mythologie angesiedelt ist). Dieses Stück ist eine einzige Demonstration der Gesangskünste des Frontmannes – unglaublich, was der Adams hier aus seinen Stimmbändern rausholt. Das merkt man natürlich auch bei anderen Manowar-Songs, auf diesem Track wird es aber durch das fehlen der klassischen Metal-Instrumente noch mal deutlicher. All diese Songs sind praktisch perfekt gelungen und sollten eigentlich jeden Zuhörer von den Qualitäten der Band überzeugen.

Leider gibt es aber einige Sorgenkinder, die den superben Gesamteindruck trüben. So befindet sich mit „Sting Of The Bumblebee“ („Der Hummelflug“) ein völlig überflüssiges Bass-Solo auf der Platte, dass wohl DeMaios Fähigkeiten veranschaulichen soll, aber für die meisten nach einmaligem Hören eher zum Fall für die Skip-Taste werden dürfte. Ein Grund für eine Abwertung ist das Stück jedoch – ähnlich wie „Pulling Teeth (Anasthesia)“ auf Metallica’s „Kill ‚Em All“ – nicht. Dafür geben eher die zwei anderen Ärgernisse Anlass: „The Warrior’s Prayer“ ist eine gesprochene Geschichte, die ein Großvater seinem Enkel erzählt. Hier kommt der Hang zum Helden-Pathos ganz besonders zur Geltung, sodass sich viele Zuhörer mit Grausen abwenden werden. Ich persönlich finde die Geschichte zwar ganz in Ordnung, kann mir aber dennoch ein gewisses Schmunzeln nicht verkneifen und frage mich, wieso dieses Ding auf der Platte (und schlimmer noch: auf Konzerten!) gelandet ist. Noch viel übler ist allerdings „Pleasure Slave“, ein Midtempo-Song, der musikalisch eher durchschnittlich ist. Katastrophal ist allerdings der Text, der sogar auf gestandene Machos einfach lächerlich wirken muss. Unerfahrene Hörer dürfte es vielleicht erstaunen, aber sogar bei einer Band wie Manowar kann die Peinlichkeit ins Maßlose gesteigert werden… Gerüchteweise ist dieses Stück sogar ein Mitgrund für den Manowar-Ausstieg von Gitarisst Ross „The Boss“ Friedman unmittelbar nach den Aufnahmen zu „Kings Of Metal“.


Track – Titel – Länge – Wertung

  1. Wheels Of Fire – 4:10 – 6/7
  2. Kings Of Metal – 3:45 – 5/7
  3. Heart Of Steel – 5:10 – 7/7
  4. Sting Of The Bumblebee – 2:49 – 1/7
  5. The Crown And The Ring (Lament Of The Kings) – 4:50 – 7/7
  6. Kingdom Come – 3:56 – 7/7
  7. Pleasure Slave – 5:38 – 2/7
  8. Hail And Kill – 5:58 – 7/7
  9. The Warrior’s Prayer – 4:20 – 2/7
  10. Blood Of The Kings – 7:29 – 6/7

Gesamteindruck: 7/7


Manowar auf “Kings Of Metal” (1988):

  • Eric Adams − Vocals
  • Ross the Boss − Guitar
  • Joey DeMaio − Bass
  • Scott Columbus (†) − Drums

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