FilmWelt: Gretel & Hänsel

Erzählt man Kindern heutzutage noch Märchen? Mangels Nachwuchs kann ich das nicht beurteilen, würde mich aber nicht wundern, man darauf verzichtet. Die Öffentlichkeit reagiert heute ohnehin deutlich sensibler auf derart düstere und brutale Geschichten, wie das klassische Märchen von „Hänsel & Gretel“ eben auch eine ist. Und das ist auch schon das Stichwort: Vorliegende Verfilmung richtet sich eindeutig an ein erwachsenes Publikum, Kindern sollte man definitiv nicht zeigen, was Regisseur Oz Perkins aus der Geschichte gemacht hat.

Gesamteindruck: 3/7


Ich rieche Menschenfleisch!

Der Stoff, aus dem die Märchen sind, hatte immer schon erschreckende Aspekte: Böse Hexen, entführte Kinder, Folter und Tod gehören standardmäßig zum Programm. Es sollte also alles für eine entsprechend furchteinflößende und/oder bizarre filmische Umsetzung angerichtet sein. Schade nur, dass – soviel sei vorab verraten – Anspruch und Wirklichkeit im Falle von „Gretel & Hänsel“ relativ weit auseinander klaffen.

Worum geht’s?
Gretel und ihr jüngerer Bruder Hänsel wachsen in einem Dorf auf, in dem bittere Armut zum Alltag gehört. Ihre Mutter verstößt sie schließlich, weil sie die Geschwister nicht mehr ernähren kann. Auf der Suche nach Arbeit und Nahrung wandern die beiden immer tiefer in den Wald, bis sie schließlich auf ein düsteres Haus stoßen, in dem sie durch ein Fenster einen reich gedeckten Tisch sehen. Der Hunger lässt sie aller Vorsicht vergessen und ins Haus schleichen – wo sie prompt von der Bewohnerin, einer echten Hexe, erwischt werden…

Moment, „Gretel & Hänsel“? Nein, das ist kein Schreibfehler, Regisseur Oz Perkins hat die Namen tatsächlich umgedreht. Entsprechend ist es die ältere Schwester, die in dieser Verfilmung die Hauptrolle spielt – gemeinsam übrigens mit der Hexe. Hänsel wird zum Nebendarsteller degradiert und seine Rolle beschränkt sich im Wesentlichen darauf, von Gretel beschützt bzw. von der Hexe in ihren Bann geschlagen zu werden. Ein interessanter Ansatz, der dem klassischen Märchen einen anderen, deutlich moderneren Anstrich verpasst. Ob und wie sich das alles als eine Art feministische Befreiungsgeschichte lesen lässt, wage ich nicht abschließend zu beurteilen, mir scheint jedoch, dass der Film und speziell auch dessen Ende, in diese Richtung zeigt. Dagegen ist absolut nichts zu sagen, im Gegenteil: Es ist erfrischend zu sehen, wie man einer so traditionellen Geschichte neue Bedeutung geben kann.

Atmosphärisch top.

„Gretel & Hänsel“ ist ein Film, der aber vor allem abseits der ungewöhnlichen Herangehensweise an die Story zu beeindrucken weiß. Zuallererst wäre die eigentümliche, durchgehend düster und bedrohlich wirkende Atmosphäre zu nennen. Zu verdanken ist das einerseits dem höchst passenden Soundtrack, der die Stimmung fast schon beängstigend gut unterstreicht; vor allem aber sind es die Bilder, die eine ganz eigene Ästhetik versprühen. Es ist gar nicht so leicht zu erklären: Eigentlich wirkt z. B. der Wald, in dem sich die Geschwister verirren, wunderschön. Die Kamera fängt ihn so ein, wie man sich einen Wald eben vorstellt – und doch ist in jeder einzelnen Szene eine diffuse Bedrohung spürbar. So wie in „Gretel & Hänsel“ gelingt es meines Erachtens nur in ganz wenigen Filmen, allein durch Bild und Ton eine unterschwellige und Gefahr auszudrücken. Und das wohlgemerkt ohne viel Action, Jump-Scares und Blut. Auch wenn die Ästhetik eine völlig andere ist, hat das ein bisschen was von „Blair Witch Project“ (1999); und auch an „The Witch“ (2015) musste ich ein- oder zweimal denken.

Ein weiterer Pluspunkt sind die Schauspieler. Im Wesentlichen gibt es drei Personen, die den Film tragen – und alle drei machen ihre Sache sehr gut. Speziell Alice Krige möchte ich hervorheben, ihre Darstellung der Hexe ist – und das meine ich positiv – hintergründig-bizarr. Sie verpasst ihrer Figur eine für den Zuseher sehr bedrohlich wirkende Aura. Das wäre schon aller Ehren wert, noch interessanter ist aber, dass man trotz aller Vorbehalte ständig (fast unterschwellig) die Anziehungskraft, die sie auf Gretel ausübt, spüren und nachvollziehen kann. Eine nachgerade paradoxe Situation, die nochmal untermauert, wie stark Alice Krige im Zusammenspiel mit Sophia Lillis hier agiert.

Inhaltlich mau.

Leider kann der Inhalt nicht mit der bestechenden Optik, dem tollen Sound und der ansprechenden Darstellung mithalten. Es ist, als hätte sich der Regisseur damit verausgabt, möglichst starke Bilder zu produzieren und dabei auf die Handlung vergessen. Und so mäandert „Gretel & Hänsel“ vor sich hin, reiht schöne Naturaufnahmen und kammerspielartige Szenen in düsteren Räumen aneinander – und ergeht sich zwischendurch in nichtssagenden und langwierigen Dialogen. Philosophisch? Mag sein, aber auch ziemlich langweilig, wenn ich ehrlich bin.

Und die Handlung abseits der guten Idee, das Märchen auf andere Art und Weise zu erzählen? Leider bleibt sie weit hinter dem zurück, was man sich nach dem Trailer oder dem Lesen der Inhaltsangabe erwartet und erhofft. Der Film ist sehr ruhig, was in Ordnung wäre – wenn er denn irgendwo hin führen würde. Ein Höhepunkt fehlt jedoch, sodass man nach 90 Minuten das Gefühl hat, viel länger vor dem Fernseher gesessen zu sein. Das ist irrsinnig schade – zeigt aber letztlich, dass es an guten Ideen gefehlt hat. Nein, das stimmt nicht: Die Ideen waren da, aber offenbar niemand, der sie zu Ende gedacht und entsprechend ausgearbeitet hat.

Fazit: „Gretel & Hänsel“ ist vor allem eines: Verschwendetes Potenzial. Vielleicht wollte ich den Film auch einfach zu gerne mögen, was die Enttäuschung meist umso bitterer macht? Ich weiß es nicht. Fakt ist, dass ich am Ende unzufriedener war, als ich mir zunächst eingestehen wollte. Damit kann es trotz einer Ästhetik, die ich so in letzter Zeit sehr selten gesehen habe, nur für eine unterdurchschnittliche Wertung reichen.

Gesamteindruck: 3/7


Originaltitel: Gretel & Hansel.
Regie:
Oz Perkins
Drehbuch: Rob Hayes
Jahr: 2020
Land: USA
Laufzeit: ca. 90 Minuten
Besetzung (Auswahl): Sophia Lillis, Sammy Leakey, Alice Krige, Jessica de Gouw, Fiona O’Shaugnessy



SpielWelt: The Wolf Among Us

Ist es eigentlich eine Bildungslücke, wenn man anno 2020 zum ersten Mal überhaupt ein Adventure von Telltale Games gespielt hat? Wenn ja: Schande über mich, denn „The Wolf Among Us“ war tatsächlich meine erste Bekanntschaft mit dem 2018 geschlossenen Studio. Und, soviel vorweg, es hat sich durchaus gelohnt!

Gesamteindruck: 5/7


Einmal möcht‘ ich ein Böser sein.

Der Name Telltale war mir als gelegentlicher Leser von Spielezeitschriften zwar ein Begriff. Mir war allerdings nicht bewusst, dass dort beispielsweise das ursprünglich bei LucasArts gestartete Adventure „Sam & Max“ fortgeführt wurde. Von Telltale stammen auch Serien wie „The Walking Dead“ und „Batman“, die ich allerdings ebenfalls nie gespielt habe. Telltale waren demnach auf Episoden-Veröffentlichungen spezialisiert – und ich kann mir vorstellen, dass mir das nicht sonderlich gefallen hätte, wenn ich die Spiele direkt nach Veröffentlichung hätte spielen wollen. Das aber nur am Rande, mittlerweile kann man Episoden-Spiele wie „The Wolf Among Us“ ohnehin bequem und recht günstig in Bausch und Bogen kaufen.

Der Inhalt in Kurzfassung
Im Manhattan der 1980er Jahre leben, von der Menschheit unerkannt, die „Fables“, Figuren aus verschiedensten Märchen, Fabeln und Legenden. Mittendrin: Der ehemalige große, böse Wolf, der mittlerweile als Sherriff Bigby Wolf in Menschengestalt für Recht und Ordnung in der Fable-Community sorgt.  

Man sollte sich von oben geschildertem Rahmen nicht täuschen lassen: „The Wolf Among Us“ ist nichts für Kinder. Und auch zartbesaitete Erwachsene mögen sich einen Besuch in Fabletown gut überlegen. Denn „The Wolf Among Us“ ist alles andere als zimperlich – und das auf allen Ebenen und ausgesprochen plakativ: Körperlich geht es mit Schusswaffen und Messern, aber auch mit Klauen und Zähnen zur Sache, was praktisch immer entsprechend blutig endet. Aber auch die Story nicht geeignet, düstere Gedanken zu vertreiben – ganz im Gegenteil, ein „… und sie lebten glücklich bis ans Ende ihrer Tage“ gibt es hier nicht. Um die Sache komplett zu machen, wird all das außerdem von Dialogen begleitet, die alles andere als zartfühlend sind. Das böse F-Wort kommt praktisch in jedem zweiten Satz vor und auch sonst bedienen sich die Charaktere einer recht derben Ausdrucksweise.

Vorlage dafür ist die 150 Ausgaben starke Graphic Novel „Fables“. Die kenne ich persönlich zwar nicht, aber ich vermute, dass auch dort dieser ausgesprochen düstere Grundton vorherrscht. Eine andere Assoziation, die das Setting bei mir geweckt hat, ist die Amazon-Serie „Carnival Row“, die ein auf einer ähnlichen Prämisse beruht.

Nicht ganz klassisches Adventure.

Nach diesen warnenden Worten, die eh niemand beherzigen wird, ist es nun Zeit, zum Spiel selbst zu kommen. „The Wolf Among Us“ ist im Wesentlichen ein Point & Click-Adventure. Wobei man gleich an dieser Stelle festhalten muss, dass man sich hier keine fantasievollen Rätsel im Sinne der alten LucasArts- oder Sierra-Abenteuer erwarten darf. Denn eines ist „The Wolf Among Us“ im Gegensatz zu „Monkey Island“ & Co. definitiv nicht: Schwierig. Im Gegenteil, man hat kaum Möglichkeiten, überhaupt etwas zu tun. Klickbare Gegenstände werden angezeigt, sind aber eher dünn gesät. Es gibt ein (umständliches) Inventar, das kaum jemals gebraucht wird. Dazu kommt eine Reihe von QuickTime-Events, die zu absolvieren sind – manche davon können immerhin tödlich ausgehen, was aber nicht weiter tragisch ist, weil das Spiel dann automatisch den letzten Checkpoint lädt, der in dem Fall nie weit zurück liegt.

Viel Hirnschmalz und Reaktionsschnelligkeit verlangt das Spiel also nicht. Gelegentlich hat man – und das ist ein Vorteil gegenüber den alten Adventures – allerdings harte Entscheidungen zu treffen, die den Spielverlauf zumindest ein wenig beeinflussen. So muss man an einer Stelle beispielsweise diesen oder jenen Ganoven verfolgen, was bedeutet, dass der jeweils andere unweigerlich entkommt und wer weiß was anstellt. Derartige Situationen erhöhen nicht nur den Wiederspielwert, sondern sind tatsächlich eine Frage der Moral und sorgen dafür, dass der Spieler emotional fast schon Rollenspiel-artig tief in das Programm gezogen wird.

Die Atmosphäre stimmt.

Dass die Identifikation mit den Anti-Helden, die uns „The Wolf Among Us“ präsentiert, so gut gelingt, liegt vor allem an zwei Punkten: Einerseits macht Entwickler Telltale seinem Namen alle Ehre und setzt eine packende Story gut für den Computer um – etwas, das man beileibe nicht von allen Lizenzspielen sagen kann. Das würde allerdings nicht viel nutzen, wenn dem andererseits die Charakterzeichnung nachstehen würde – die ist aber ebenfalls hervorragend gelungen. Vor allem der grummelige, kettenrauchende und wie ein Rohrspatz fluchende Hauptdarsteller Bigby Wolf ist einfach grandios – zumindest dann, wenn man auf solche Raubeine (mit gutem Kern) steht. Wer das nicht tut, wird das Spiel ohnehin recht schnell wieder beiseitelegen.

An dieser Stelle muss man im Übrigen ein weiteres Lob aussprechen: Die Sprecher sind großartig, es gibt keinen, der irgendwie abfällt. Zumindest nicht in der von mir gespielten englischen Variante, wie es in der deutschen Synchronisation aussieht, weiß ich nicht. Die Krux sind wie so oft die Emotionen – an denen bzw. am Fehlen derselben kann die komplette Atmosphäre eines Spieles zerschellen. In „The Wolf Among Us“ ist dem nicht so, sondern – ich wiederhole mich – jeder einzelne Sprecher schafft es, seine Rolle und seine Dialoge unglaublich passend rüber zu bringen. Auch hier ist besonders der Hauptcharakter (im Original gesprochen von Computer-Synchro-Profi Adam Harrington) hervorzuheben, das aber vor allem deshalb, weil man nur diesen Charakter aktiv spielt.

Interessanterweise unterstützt auch die Grafik, die ja im Stile einer Graphic Novel gehalten, also nicht sonderlich realistisch ist, die Atmosphäre perfekt. Man glaubt kaum, wie gut die Dramatik rüberkommt, die Mimik der Figuren ist ja eher rudimentär. Aber die Pausen und die Zooms genau im richtigen Moment unterstützen hier schon sehr gut. Ich weiß übrigens nicht, ob der spezielle Grafikstil, den „The Wolf Among Us“ nutzt, eine Eigenheit von Telltale ist und auch die anderen Adventures dieses Studios wie vorliegendes Programm aussehen.

Wo es hapert.

Nach so viel Lob bleibt natürlich die Frage, warum das Spiel dennoch „nur“ 5 Punkte einheimsen kann. Bereits erwähnt habe ich, dass „The Wolf Among Us“ wenig herausfordernd ist. Das wird zum Teil zwar durch das gute Storytelling ausgeglichen – aber ein bisschen mehr hätte ich dann doch gern zu tun gehabt. Manchmal hat man gar das Gefühl, eine Art interaktiven Film zu sehen, bei dem man ab und an in die Handlung eingreifen kann. Der Anspruch und die Tiefe des Spiels leben entsprechend allein von der Story, nicht von dem, was man selbst als Spieler dazu beitragen muss. Abgesehen davon ist das Spiel, das in fünf Episoden unterteilt ist, für meinen Geschmack zu kurz: Ich habe ziemlich genau 8 Stunden für meinen ersten, kompletten Durchgang gebraucht. Darin sind mehrere verhaute QuickTime-Events enthalten, ansonsten wäre es sich wohl in unter 7 Stunden ausgegangen, nehme ich an.

Unabhängig davon möchte ich noch ein paar technische Aspekte ansprechen: Die Grafik gefällt per se zwar, aber es gibt ab und an grobe Probleme mit der Geschwindigkeit. Kennt man von heutigen Spielen eigentlich kaum noch – aber hier ruckelt es teilweise gewaltig, und das auf einem Rechner, der erst gebaut wurde, als das Spiel schon mehrere Jahre auf dem Markt war. Dazu kommt, dass sich die Charaktere teilweise bewegen, als hätten sie einen Besenstil verschluckt, eine reichlich verhunzte Tastatursteuerung (die man zum Glück eh kaum braucht), hakelige QuickTime-Events und – last but not least – ein extrem knapp bemessenes Zeitlimit, in dem man sich für eine Dialogoption entscheiden muss. Teils ist es sogar so, dass die Zeit abläuft, bevor das Gegenüber die Frage überhaupt zu Ende gestellt hat, man sich also quasi blind für eine Antwort entscheiden soll. Keine Ahnung, was die Designer da geritten hat – ein bisschen Stress ist ja nicht verkehrt, aber das hier ist einfach nur Murks. Erinnert mich ungut an das, was ich vor gar nicht langer Zeit über „Alpha Protocol“ geschrieben habe. A pro pos: Auch dass man nicht frei speichern darf, wird einigen sauer aufstoßen – ich fand’s gerade noch ok, auch wenn die automatischen Speicherpunkte ziemlich unregelmäßig platziert sind (mal spielt man nur 5 Minuten, bis das Spiel speichert, es kann aber auch bis zu 15 Minuten dauern).

Alles in allem reichen mir diese kleinen und größeren Probleme für eine Abwertung auf 5 Punkte. Ein gutes und fesselndes Spiel ist „The Wolf Among Us“ allemal – zumindest für jene, die auf Adventures stehen, bei denen es gerne mal deutlich deftiger zur Sache geht. Ich gehöre dazu und habe tatsächlich ein – Achtung, Wortspiel – Faible für die „Fables“ entwickelt. Wer weiß, vielleicht wage ich mich wirklich nochmal in deren Welt und mache diesmal alles ganz anders. Ein bisschen werde ich allerdings warten, denn gleich nochmal spielen – dafür reicht es dann doch nicht.

Gesamteindruck: 5/7


Genre: Adventure
Entwickler:
Telltale Games
Publisher: Telltale Games
Jahr:
2013 – 2014
Gespielt auf: PC


Screenshots aus „The Wolf Among Us“ – Copyright beim Entwickler!

FilmWelt: Solo: A Star Wars Story

Als klar wurde, dass der Star Wars-Rechteinhaber Disney auf eine andere, wesentlich schnellere Veröffentlichungspolitik setzen würde, als man es bisher gewohnt war, habe ich mich zunächst gefreut. Keine gefühlt endlose Warterei auf den nächsten Film mehr, sondern jedes Jahr neuer Stoff – das schien eine gute Idee zu sein, weil das von George Lucas geschaffene Universum mehr als genug hergibt, um zahllose Geschichten zu erzählen. Leider zeigt sich am 2018er „Solo: A Star Wars Stoy“ (kurz: „Solo“), dass es vielleicht doch nicht so gut ist, von Film zu Film zu hetzen.

Gesamteindruck: 4/7


Schmuggler, Pilot und Wookie-Zähmer.

„Solo“ ist der zweite Film aus der Reihe der „A Star Wars Story“-Ableger, die außerhalb der Episoden der Hauptreihe existieren. Gleichzeitig ist „Solo“ der dritte Star Wars-Film, der innerhalb von drei Jahren veröffentlicht wurde (2015: Episode VII: Das Erwachen der Macht, 2016: Rogue One, 2017: Episode VIII: Die letzten Jedi). Dazu sei auch noch gesagt, dass zwischen „Die letzten Jedi“ und „Solo“ kein Jahr, sondern nur rund fünf Monate liegen. Masse statt Klasse also?

Inhalt in Kurzfassung
Auch wenn das Imperium mit eiserner Hand über die Galaxis herrscht, haben Schmuggler und Verbrechersyndikate Hochkonjunktur. Einer der Gesetzlosen, die am Rande der Gesellschaft stehen und jede sich bietende Gelegenheit nutzen, ist Han Solo. Der Film erzählt, wie aus dem jungen Dieb einer der besten Piloten und Schmuggler des Universums wird – und, wie er dabei zu seinem legendären Raumschiff kommt und seinen langjährigen Freund und Copiloten Chewbacca trifft.

Fangen wir mit dem Positiven an: Der Film ist handwerklich sehr gut gemacht, keine Frage. Der Sound stimmt und die Effekte passen. Die Optik ist (fast) typisch, mir persönlich wirken wiederum einige Design-Elemente zu „neu“ bzw. zu glatt poliert. Im Haben sind – selbstverständlich – auch diverse Anspielungen und Momente zu verbuchen, die auf zukünftige Entwicklungen verweisen und so den Fans der Ursprungs-Trilogie als „Anker“ dienen.

Besetzungstechnisch bin ich dann schon weniger zufrieden. Zumindest hat man mit Donald Glover einen Goldgriff getan, er verkörpert den jungen Lando Calrissian tatsächlich so, dass man an Billy Dee Williams (Episoden V und VI) denkt. Alden Ehrenreich als Han Solo kann da für meinen Geschmack nicht mithalten. Den kann ich einfach nicht mit der von Harrison Ford so markant gespielten Rolle in Verbindung bringen. Nun sind das natürlich große Fußstapfen, die zu füllen wären – dass das nicht ganz funktioniert, kann man aber auch nicht Ehrenreich allein vorwerfen, es ist schon auch das Drehbuch, das ihn unter Wert verkauft.

Wen haben wir sonst noch? Emilia Clarke, bekannt aus der Serie „Game of Thrones“ (in „Solo“ allerdings – wie im wirklichen Leben – nicht blond und daher erst auf den 2. Blick zu erkennen) spielt das schmückende, weibliche Beiwerk – und kommt über dieses Klischee tatsächlich nicht hinaus. Ganz anders Woody Harrelson, den ich als undurchschaubaren, mal gut, mal böse agierenden Schurken überraschend und erfrischend empfinde. Leider hat auch er, ähnlich wie Alden Ehrenreich, mit einer Rolle zu kämpfen, die zwar Tiefe andeutet, im Endeffekt aber nicht über eben diese Andeutung hinaus kommt. Ebenso der Oberschurke Dryden Vos (gespielt von Paul Bettany) der mit seinem Narbengesicht wohl Gefährlichkeit ausstrahlen soll – davon aber weit entfernt ist, sodass er nicht mehr als ein Abziehbild eines typischen Star Wars-Bösewicht darstellt. Richtig Angst muss man vor ihm nicht haben. Bleiben Joonas „Chewbacca“ Suotamo und Phoebe „L3-37“ Waller-Bridge, die zwar größere Rollen haben, aber aufgrund der verkörperten Figuren eine Sonderstellung einnehmen, die kaum eine Beurteilung der schauspielerischen Leistung zulässt.

Bleibt inhaltlich viel zu flach.

Das größte Problem an „Solo“ ist – leider – wie schon bei „Das Erwachen der Macht“ der Inhalt. In diesem Zusammenhang könnte man bei den Dingen, die an „Solo“ stören, den einen oder anderen Einzelaspekt nennen – so z.B. dass es relativ am Anfang gleich mit einer handelsüblichen Verfolgungsjagd losgeht, die mir viel zu lang dauert und die man so ähnlich schon aus praktisch jedem Star Wars-Film kennt. Nervte mich hier ganz besonders. Es macht aber meiner Meinung nach gar nicht so viel Sinn, auf solche Details einzugehen, die einen per se guten Film vielleicht ein wenig schwächen mögen, aber normalerweise kein Beinbruch sind. Ausklammern muss man auch dabei die generelle Problematik, dass ein Prequel wenig Überraschungen hinsichtlich des Ausganges bieten kann – weiß man doch genau, wer zum Schluss überleben muss.

Unabhängig von alledem gibt es Logiklöcher und, noch störender, ungelöste Handlungsfäden (die wohl auf eine Fortsetzung hindeuten). Pläne scheitern hier relativ häufig, sodass man sich immer wieder fragt, wozu die teils sehr aufwändige Inszenierung dient. Ganz generell ist die Story flach und vorhersehbar, die Dialoge zum Teil schon witzig, insgesamt aber doch eher fad. Und: Es ist klar, dass sich dieser Film um den Hauptprotagonisten drehen muss – aber das mittelmäßige Drehbuch und die Leistung von Aldo Ehrenreich können das Ganze einfach nicht tragen. Das hätte nur durch einen starken Bösewicht/Gegenspieler kompensiert werden können, den es aber nicht gibt. Durch dessen Fehlen haben wir es mit lauter flachen Figuren zu tun, maximal der genannte Woody Harrelson (Was für einen unspektakuläreren Namen hat seine Rolle Tobias Beckett überhaupt?) ist einigermaßen interessant.

Ohne Droiden geht es nicht.

Ich persönlich hätte auch auf den gesamten Handlungsstrang um L3 verzichten können – das passt für mich nicht rein, macht zum Schluss Lando Calrissian sogar ein bisschen lächerlich und wirkt wie der plumpe Versuch, zwanghaft eine tragende Rolle für einen Roboter zu finden. Dass dadurch witzige Momente entstehen bestreite ich nicht – ich hätte aber z.B. lieber Solos Weg bei der Pilotenausbildung verfolgt, das hätte mir – zumindest in meiner Fantasie – mehr geholfen, eine tiefere Bindung zum Helden aufzubauen. Oder den Weg von Chewbacca in die Sklaverei. Keine Ahnung – so vieles wäre möglich gewesen und fehlt einfach.

Fazit: „Solo“ hat durchaus seine Momente und weiß zum Teil zu unterhalten. Gleichzeitig lässt er mich aber an meinem eigenen Geschmack zweifeln. Oder, anders gesagt: Er gibt mir erneut das Rätsel auf, was ein aktueller Film eigentlich haben muss, um uneingeschränkt zu gefallen. Das gilt ganz allgemein, weil ich im Kino in letzter Zeit immer wieder enttäuscht werde, speziell aber eben auch für Star Wars. Mit „Episode VII“ erging es mir genau wie mit „Solo“, „Episode VIII“ fand ich wesentlich stärker als diese beiden, am besten war meiner Meinung nach aber „Rogue One“. Wieso ist das so? Ich kann es einfach nicht festmachen, dabei wollte ich sowohl „Episode VII“ als auch „Solo“ unbedingt mögen. Vielleicht zu sehr? Zu hohe Erwartungen? Ich weiß es nicht.

Und so würde ich Solo im bisherigen Star Wars-Film-Kanon einordnen:

Episode I – Die Dunkle Bedrohung 3/7
Episode II – Angriff der Klongkrieger 2/7
Episode III – Die Rache der Sith 5/7
Episode IV – Eine neue Hoffnung 6/7
Episode V – Das Imperium schlägt zurück 7/7
Episode VI – Die Rückkehr der Jedi-Ritter 7/7
Episode VII – Das Erwachen der Macht 4/7
Episode VIII – Die letzten Jedi 5/7
Rogue One 6/7

Gesamteindruck: 4/7


Originaltitel: Star Wars: The Last Jedi
Regie: Ron Howard
Jahr: 2018
Land: USA
Laufzeit: 135 Minuten
Besetzung (Auswahl): Alden Ehrenreich, Woody Harrelson, Donal Glover, Emilia Clarke, Joonas Suotamo, Thandie Newton



 

FilmWelt: Die Insel der besonderen Kinder

Eine Gruppe von jungen Menschen mit außergewöhnlichen Fähigkeiten versteckt sich vor der Welt – und vor bösen, ebenfalls „besonderen“ Wissenschaftlern. Das wird dem einen oder anderen aufgrund einer sehr bekannten Reihe von Marvel-Comic-Verfilmungen natürlich bekannt vorkommen. Glücklicherweise kann „Die Insel der besonderen Kinder“ problemlos für sich bestehen und hebt sich vom mutmaßlichen Vorbild wohltuend ab. 

Gesamteindruck: 5/7


Die „X-Jugend“.

Auch wenn „Die Insel der besonderen Kinder“ stilistisch – glücklicherweise – völlig anders gelagert ist, kann man die thematische Verwandtschaft zu den „X-Men“ nicht übersehen. Noch dazu stammt das Drehbuch von Jane Goldman, jener Autorin, die diese Position bereits für zwei X-Men-Filme bekleidet hat. Allerdings basiert „Die Insel der besonderen Kinder“ nicht auf einer Comicvorlage, sondern auf dem gleichnamigen Roman (im Original: „Miss Peregrine’s Home For Peculiar Children“, 2011) des 1980 geborenen Schriftstellers Ransom Riggs. Inwiefern sich der junge Riggs bei den alten X-Men bedient hat, entzieht sich meiner Kenntnis, weil ich bis zum Zeitpunkt dieser Rezension das Buch nicht gelesen habe.

Unabhängig von diesen Gedankengängen weiß der Film über weite Strecken zu gefallen. Zwischendurch gibt es zwar einige Längen, die sind aber zu verschmerzen. Einzige Ausnahme bildet die Darstellung der Beziehung zwischen Emma (Ella Purnell) und Jake (Asa Butterfield), die sich meines Erachtens zu klischeehaft und gleichzeitig recht zäh entwickelt. Insgesamt ist in Bezug auf Charaktere und Besetzung aber alles in Ordnung, auch wenn man beim eigentlich sehr geschätzten Samuel L. Jackson mittlerweile das Gefühl hat, dass er a) praktisch in jedem Film aus Hollywood mitspielt und b) seine Rollen immer sehr, sehr ähnlich sind (speziell wenn er als Bösewicht agiert). Letztlich spielt Jackson den bösen Mr. Barron dennoch passabel, allerdings hätte das Drehbuch ruhig etwas mehr Wert auf den Charakter des Schurken legen können (der in der Romanvorlage übrigens gar nicht vorkommt, vielleicht ist das das Problem).

Und noch ein Wort zur Besetzung: Die Rolle der Miss Peregrine hat Tim Burton meines Erachtens ganz klar für seine ehemalige Lebensgefährtin Helena Bonham Carter, die man ja aus diversen Burton-Filmen (zuletzt „Alice im Wunderland: Hinter den Spiegeln“, 2016) kennt, angelegt. Eva Green (bekannt u. a. aus der Serie „Penny Dreadful“) sieht in „Die Insel der besonderen Kinder“ nicht nur wie eine junge Ausgabe von Bonham Carter aus – sie agiert auch sehr ähnlich. Ich würde das weder als positiv noch als negativ bewerten, es ist einfach ein Punkt, der auffällt.

Ansonsten sieht man die Handschrift von Tim Burton vornehmlich in der Optik der „Hollowgasts“. Deren unheimliches Aussehen und ihre Art, Opfer zu verfolgen und zu töten zeigt, dass der Film für Kinder nicht geeignet ist. Dafür sorgt auch der eine oder andere Splatter-Effekt. A pro pos Effekte: Optisch ist „Die Insel der besonderen Kinder“ ausgesprochen gut gelungen – auch, weil man es mit dem Einsatz von Special Effects und CGI nicht übertreibt (bzw. sehr geschickt agiert), was heutzutage eine wohltuende Ausnahme ist.

Allerdings ist nicht alles Gold, was glänzt. Auch wenn die Geschichte sehr solide erzählt wird und Drehbuch sowie Schauspieler ihre Sache großteils sehr gut machen, hat der Film meiner Meinung nach ein wenig mit der Logik zu kämpfen. Das ist beim Thema „Zeitschleifen“ nicht ungewöhnlich – in diesem Fall ist mir aber ein bisschen zu viel „timey-wimey“ dabei, sodass man sich vor allem zum Schluss hin sehr schwer tut, überhaupt folgen zu können. Und das sage ich als Fan von Science Fiction im Allgemeinen und Zeitreise-Geschichten im Speziellen. Leider wirkt das Finale dadurch überhastet und zu wenig ausgearbeitet – wobei ich nicht verhehlen möchte, dass ich vielleicht ein wenig zu kritisch bin, was die Logik betrifft.

Alles in allem macht das gute 5 Punkte für einen unterhaltsamen Film, der kleine Längen hat und gelegentlich vielleicht etwas zu viel will, ohne sich richtig zu erklären.

Gesamteindruck: 5/7


Originaltitel: Miss Peregrine’s Home for Peculiar Children
Regie: Tim Burton
Jahr: 2016
Land: USA/UK/Belgien
Laufzeit: 127 Minuten
Besetzung (Auswahl): Asa Butterfield, Ella Purnell, Eva Green, Samuel L. Jackson, Judi Dench



 

FilmWelt: Snow White and the Huntsman

Märchen bieten ja einiges an Stoff, der sich für epische Filmumsetzungen eignet. Und es war im Endeffekt nur eine Frage der Zeit, bis Hollywood das für sich entdeckt (bzw. wieder entdeckt). Auch das bekannte Märchen vom „Schneewittchen“ ist zu Blockbuster-Ehren gekommen und muss sich mit diversen Fantasy-Größen messen lassen. Und zieht dabei gegen die meisten seiner Konkurrenten klar den Kürzeren. Eine Kauf- oder Ansehempfehlung kann es jedenfalls von mir nicht geben.

Gesamteindruck: 2/7


Ausstattung: Top! Drehbuch: Flop!

Um es vorweg zu nehmen: Unbedingt gesehen haben muss man diesen Film nicht, auch wenn es durchaus einige positive Aspekte gibt. So macht der Streifen optisch Einiges her. Sowohl Ausstattung als auch Kostüme, Landschaften und Effekte sind gut bis sehr gut und passen hervorragend zur Märchen-Thematik. Ebenfalls gelungen ist der Soundtrack, auch wenn es sich dabei um die übliche, recht epische Fantasy-Kost handelt. In Bezug auf Optik und Akustik ist also alles im grünen Bereich.

Viel mehr uneingeschränkt Positives kann ich aber beim besten Willen nicht ausmachen. Das liegt vor allem am Drehbuch, das einigermaßen durchwachsen ist. Die Story vom „Schneewittchen“ kennt man natürlich, insofern weiß man ja ungefähr, was einen erwartet. Leider wirkt der Film an vielen Stellen arg gestreckt und teilweise fast erschreckend substanzlos. Hier scheinen sich die Verantwortlichen ein bisschen zu sehr auf die optische Opulenz verlassen zu haben. Aber selbst wenn man davon absieht, kommt nur gelegentlich wirkliche Spannung auf und ab der Halbzeit werden die Längen teilweise zu echter Langeweile. Vor allem die Kämpfe hat man so oder so ähnlich in letzter Zeit schon tausendmal gesehen. Alles in allem läuft der Film nach den gewohnten Fantasy-Mustern ab, was ihn sehr vorhersehbar macht – bekanntes Märchen hin oder her.

Dem schwachen Drehbuch passen sich – zumindest teilweise – auch die schauspielerischen Leistungen an. Der „Huntsman“ (Chris „Thor“ Hemsworth) ist im Prinzip in Ordnung, auch wenn er es mit seiner Darstellung des ruppigen Trunkenboldes ein wenig übertreibt. Auch Charlize Theron als böse Stiefmutter spielt ganz gut. Neben diesen beiden gehen die übrigen Rollen ein wenig unter – was aber nichts gegen Kristen Stewart als „Snow White“ ist. Die junge Dame schafft es absolut nicht, ihre Figur auch nur einigermaßen sympathisch rüberkommen zu lassen – oder hat das mit der Synchronisation zu tun? Wie auch immer, begeisterndes Spiel sieht für mich anders aus. Sehr gut sind übrigens die Zwerge gelungen – lustig und ruppig, das gefällt, auch wenn man sich fragt, warum es unbedingt acht statt sieben Zwerge sein mussten.

Zu den geschilderten – aus meiner Sicht recht großen – Problemen gesellen sich noch kleinere Ungereimtheiten. Beispielsweise fragt man sich schon, warum „Snow White“ ausgerechnet das „Vaterunser“ betet. Christentum im Fantasy-Land? Völlig unverständlich… Und was zum …ähem… Teufel haben sich die Verantwortlichen dabei gedacht, weder „Snow White“ noch „Huntsman“ zu übersetzen? Nicht nur im Titel, sondern auch im Film? Das stört mich – der wahrlich nicht zu übertriebener Deutschtümelei neigt – ungemein. Charlize Theron spielt ja auch nicht die „Stepmother“ sondern die Stiefmutter, der König ist der „König“ und nicht der „King“. Nur die beiden Hauptpersonen wurden Englisch belassen – der Sinn entzieht sich mir völlig. Was vielleicht noch einigen Filmfreaks auffallen wird: Es gibt eine stattliche Anzahl an Szenen, bei denen man sich nicht gerade unauffällig bei anderen Streifen bedient hat. Um nicht zu sagen: Dreist geklaut. Beispielsweise flüchtet Snow White auf einem weißen Gaul vor diversen schwarz gekleideten Häschern auf schwarzen Pferden – die ganze Umsetzung inklusive Kameraarbeit erinnert frappierend an eine ähnliche Szene aus „Der Herr der Ringe – Die Gefährten“. Oder der „Spiegel“, der sich zunächst verflüssigt und danach menschenähnliche Form annimmt: „Terminator 2“ lässt grüßen. Das Auftauchen der Schwiegermutter aus einem Milchbad (?) lässt spontan an „Die Königin der Verdammten“ denken… Diese Liste ließe sich noch länger fortführen, man merkt aber schon, worauf ich hinaus will. Prinzipiell gilt ja oft „besser gut geklaut, als schlecht selber gemacht“, aber hier haben es die Filmemacher doch ein wenig übertrieben.

Mehr als zwei Punkte sind damit meiner Ansicht nach nicht drin für „Snow White & The Huntsman“. Schade eigentlich, ich denke die ganze Thematik hätte mit einem besseren Drehbuch wesentlich mehr hergegeben. Gerade im Hinblick auf die mehr als ordentliche Optik des Films.

Gesamteindruck: 2/7


Originaltitel: Snow White and the Huntsman
Regie: Rupert Sanders
Jahr: 2012
Land: USA
Laufzeit: 127 Minuten
Besetzung (Auswahl): Kristen Stewart, Chris Hemsworth, Charlize Theron, Bob Hoskins


Filmvorschau


Thematisch verwandte Beiträge auf WeltenDing:

MusikWelt: This Is No Fairytale

Carach Angren


„This Is No Fairytale“ ist eher Hörspiel als reines Musik-Album, stellenweise gewinnt man sogar den Eindruck, der narrative Part und die Lyrics wären der Band leichter gefallen, als die Musik. Aus dieser Sicht ist auch mein Gesamteindruck zu verstehen. Rein musikalisch mögen für den einen oder anderen Metal-Fan die 6 Punkte überzogen erscheinen. Hätte ich nur die Musik bewertet, hätte ich tatsächlich maximal 5 gegeben. Aber der „Gesamteindruck“ ist eben genau das – der Versuch, das Werk als Ganzes zu bewerten. Und da zeigt sich für mein Dafürhalten, dass Carach Angren ihre Version von „Hänsel und Gretel“ überzeugend und herausragend erzählen. Und sich dadurch Extra-Punkte verdienen, weil ich das Album allein wegen der Geschichte so gerne höre (und von der ersten Hälfte auch musikalisch begeistert bin).

Gesamteindruck: 6/7


Ein pechschwarzes Hörspiel.

Carach Angren* aus den Niederlanden haben sich im extremen Metal-Bereich eine ganz eigene Nische geschaffen. Musikalisch sind sie einigermaßen vergleichbar mit Cradle Of Filth und Dimmu Borgir, lyrisch gehen ihre Konzeptalben in Richtung Horror, Märchen, unheimliche Geschichten und dunkle Legenden – all das vertont in wahnwitzigen, überbordenden Kompositionen. Dazwischen wird der klanggewordene Wahnsinn immer wieder durch finster gesprochene (eher: gekrächzte) Passagen unterbrochen, intensiv dargeboten durch den charismatischen Frontmann Dennis „Seregor“ Droomers. An dieser eher hilflosen Beschreibung sieht man schon, wie schwer die Musik von Carach Angren zu fassen ist. Es genügt zu sagen, dass die Songs immer düster und böse, meist ausladend inszeniert und vertont, oft vertrackt, dabei gleichzeitig aber stets gut hörbar sind. Strophe-Refrain-Strophe-Strukturen sucht man vergeblich, was aber nicht heißt, dass die Stücke sich jedem Verständnis durch Otto-Normal-Hörer entziehen. Einmaliges Hören reicht jedoch selten aus, damit sich die Songs irgendwo im Hirn festkrallen können.

Nun aber zur 2015er-Platte „This Is No Fairytale“. Der Titel deutet es schon an – das geschminkte Trio bittet diesmal zur Märchenstunde in der es mitnichten froh und munter zugeht. Die Geschichte ist angelehnt an „Hänsel und Gretel“, also ein ohnehin schon sehr düsteres Werk. Die Version von Carach Angren ist vollends geeignet, Alpträume auszulösen: Drogen und Gewalt, Missbrauch und Mord, Wahnsinn und Kannibalismus sind so ungefähr die Eckpunkte. Selbstredend gönnen die Holländer ihren Zuhörern in ihrer Variante des klassischen Stoffs auch kein Happy End.

Wer der Geschichte von „This Is No Fairytale“ folgen möchte, muss – wie bei Konzeptalben üblich – die Songs in der richtigen Reihenfolge hören. Standesgemäß beginnt ein Märchen mit den Worten „Es war einmal…“ (Englisch: „Once upon a time…“). Passiert auch hier, wobei das Intro „Once Upon A Time“ nur die instrumentale Umsetzung dieses klassischen Märchen-Auftaktes ist. Die passenden Worte sind dann auch gleich die ersten des bereits vorab bekannten Stückes „There’s No Place Like Home“. Hier zeigt sich sofort: Carach Angren sind auf ihrem vierten Album ein ganzes Stück brutaler geworden. Das hat einerseits mit dem Songwriting zu tun, andererseits wurde an der Produktion gefeilt, wodurch sich die klangliche Transparenz erhöht hat. Damit kommen Details noch stärker zur Geltung – was gelegentlich den Nachteil hat, dass die Musik den Hörer regelrecht zu erschlagen droht. Glücklicherweise schafft die Band zumindest in der ersten Albumhälfte immer die Wanderung auf dem schmalen Grat zwischen Bombast und Song-Dienlichkeit. Was ebenfalls schnell auffällt: Seregor ist bemüht, seine Stimme dem härteren Songwriting anzupassen und dringt zeitweise in Regionen vor, die in der Regel dem Death Metal vorbehalten sind. Mir gefällt es, die Texte werden dadurch noch verständlicher, was bei der ausgefeilten Lyrik von Carach Angren nur ein Pluspunkt sein kann.

Vom Songwriting her hat man vor allem in der ersten Albumhälfte (die ich persönlich als die etwas Stärkere einschätze) das Gefühl eines Hörspiels. Die Songs sind natürlich immer noch schwarzmetallisch angehaucht (man höre z. B. die flirrenden Gitarren in „Two Flies Flew Into A Black Sugar Cobweb“). Allerdings enthalten die Stücke auch immer wieder quasi-narrative Passagen, unterlegt mit passender Musik. Um zu verstehen, was ich meine, kann man sich beispielsweise den Mittelteil von „When Crows Tick On Windows“ anhören. So richtig Gruselstimmung kommt übrigens bei „Dreaming Of A Nightmare In Eden“ auf: Hier erzählt Seregor mit seiner unheimlichsten Krächz-Stimme, unterlegt von schauriger Instrumentierung den Teil des Märchens, in dem die Protagonisten an das Knusperhäuschen kommen. Speziell wie die Hexe ihren berühmten Satz zum Besten gibt („Nibble, nibble, gnaw…“), hier natürlich in düster abgewandelter Form, lässt einem förmlich die Haare zu Berge stehen. Diesen Track würde ich tatsächlich als Kernstück der Platte ansehen, zumindest was den narrativen Teil betrifft. Fast hat man den Eindruck, als hätte die Band gern mehr oder weniger die gesamte Platte in diesem Stil aufgenommen – ein Gefühl, das man auch von anderen Werken der Holländer kennt.

Es soll bei aller Euphorie aber auch nicht verhehlt werden, dass die Stücke ab der Hälfte des Albums musikalisch ein wenig abfallen und mehr von der erzählten Geschichte als von der Musik leben. Speziell bei „Possessed By A Craft Of Witchery“ gelingt es nicht so perfekt wie im ersten Teil des Albums, das Stück trotz Komplexität gut hörbar zu halten. Dadurch wirkt der Track zwar sehr theatralisch, letztlich aber zu zerfahren, um sich als Hörer festhalten zu können. Der Grund ist in meinen Ohren, dass hier versucht wurde, mit der Lead-Gitarre Story-unterstützend zu arbeiten, was mir im Endeffekt viel zu verfrickelt klingt. Letztlich ist dieses Lied dadurch meiner Ansicht nach das musikalisch schwächste (oder besser: am schwierigsten zu hörende) auf dem Album. Ähnliches gilt für „Killed And Served By The Devil“, das einem Doublebass-Overkill gleicht und nur dann wirklich gut ist, wenn Carach Angren das Tempo etwas herausnehmen. Auch „The WItch Perished In Flames“ kann mich musikalisch nicht sonderlich überzeugen. Nur das finale, wieder mit schwarzem Hörspielcharakter aufwartende „Tragedy Ever After“ versöhnt auch von der Musik her wieder – vom unerwarteten Story-Twist am Ende ganz zu schweigen.

***

* Exkurs: Wie bei vielen Gruppen, die sich nach irgendwelchen Orten oder Namen aus der Mythologie von J.R.R. Tolkien benannt haben, ist auch hier der Bandname vollkommen unpassend (abgesehen vom exotischen Klang natürlich). Tolkien-Themen sucht man vergebens – genau wie z. B. bei Amon Amarth und Gorgoroth oder – um nicht nur Bands zu nennen – bei Dimmu Borgir-Schreihals Shagrath.


Track – Titel – Länge – Wertung

  1. Once Upon A Time – 1:37 – 5/7
  2. There’s No Place Like Home –  4:32 – 5/7
  3. When Crows Tick On Windows – 6:19 – 7/7
  4. Two Flies Flew Into A Black Sugar Cobweb – 7:49 – 6/7
  5. Dreaming Of A Nightmare In Eden – 2:38 – 7/7
  6. Possessed By A Craft Of Witchery – 6:11 – 3/7
  7. Killed And Served By The Devil – 4:09 – 4/7
  8. The Witch Perished In Flames – 5:47 – 3/7
  9. Tragedy Ever After – 5:22 – 6/7

Gesamteindruck: 6/7 


Carach Angren auf “This Is No Fairytale” (2015):

  • Seregor – Vocals, Guitars
  • Ardek – Orchestrations, Keyboards
  • Namtar – Drums

Thematisch verwandte Beiträge auf WeltenDing: