FilmWelt: Pandorum

Es gibt diese Filme, bei denen man in der ersten Sekunde erkennt, ob sie den persönlichen Geschmack treffen – oder eben nicht. „Pandorum“, eine deutsch-britische (!) Produktion aus 2009 ist einer dieser Fälle, die mich mit der ersten Einstellung gepackt und unbändige Vorfreude in mir ausgelöst haben.

Gesamteindruck: 4/7


Raumkrankheit und Amnesie.

Leider ist „Pandorum“ aber auch einer jener Fälle, die es nicht schaffen, die in den ersten Minuten aufgebaute Erwartungshaltung vollständig zu befriedigen. Schade eigentlich, denn prinzipiell hätte der Film alles, was es braucht, um den geneigten SciFi-Fan zu begeistern: Ein riesiges Raumschiff voller Technik, eine lange Reise zu einem fernen Planeten, mysteriöse Fehlfunktionen, geheimnisvolle Kreaturen, einen Helden wider Willen – und doch gelingt es den Filmemachern nicht, diese hervorragenden Zutaten zu einem wirklich wohlschmeckenden Mix zu vereinen.

Worum geht’s?
An Bord des riesigen Raumschiffs „Elysium“ erwachen zwei Besatzungsmitglieder aus dem Hyperschlaf. Eine Nebenwirkung dieser speziellen Art des interstellaren Reisens ist partieller Gedächtnisverlust: Die Männer wissen zunächst nicht, wer und wo sie sind. Keine idealen Voraussetzungen also, um bevorstehende Aufgaben zu lösen – und die sind gewaltig, denn bald müssen die Astronauten feststellen, dass das Schiff gravierende technische Probleme hat. Und dass sie entgegen ihrer anfänglichen Vermutung keineswegs allein an Bord sind…

Die Idee des unsanften Erwachens aus dem Kälte-, Hyper- oder was-auch-immer-Schlaf ist mittlerweile ja fast ein Klassiker in der Science Fiction. Einer der Ausgangspunkte dürfte wohl „Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt“ (1979) sein. Und auch anderweitig hat sich der deutsche Regisseur Christian Alvart inspirieren lassen: So erinnert die ganze Atmosphäre neben genanntem Standardwerk von Ridley Scott frappierend an „Event Horizon – Am Rande des Universums“ (1997, Regie führte Paul W. S. Anderson, einer der Produzenten von „Pandorum“) und der Videospielreihe „Dead Space“ (ab 2008). Wir haben es hier also mit einer dreckigen und kaputten Zukunft zu tun, die ganz und gar nichts von „Star Trek“-Utopie hat. Umgekehrt habe ich das Gefühl, dass sich „Passengers“ (2016) in Hinblick auf die Handlung sehr stark an „Pandorum“ orientiert haben dürfte, im Vergleich aber geradezu klinisch rein wirkt.

Von der Technik her braucht sich „Pandorum“ auch hinter großen Produktionen nicht zu verstecken: Das von außen sehr hübsche und innen völlig heruntergekommene Raumschiff ist eine hervorragende Kulisse. Die mangelhafte Beleuchtung sorgt für gruseliges Ambiente, flackernde Bildschirme, kaputte Konsolen, Schläuche und Kabel, die aus Wänden hängen – für all das muss man den Verantwortlichen ein großes Lob aussprechen, ebenso für die Kameraarbeit, die den Wahnsinn, der das Schiff befallen hat, gut einfängt (aber auch nichts für Fans ruhiger Darstellungen ist). Der Sound passt sich dem an und sorgt dafür, dass man sich auch als Zuschauer kaum jemals sicher fühlt. Passend zu alledem sind auch die Kostüme bzw. generell die körperliche Darstellung der Figuren, die immer wieder von Blut und diversen Flüssigkeiten bedeckt durch enge Schächte kriechen.

Die Stimmung an Bord der „Elysium“ passt also. Zumindest für den Zuschauer – die Besatzung stolpert hingegen von einem Problem zum nächsten. Und das ist durchaus wörtlich zu verstehen: Das Drehbuch ist leider ein wenig holprig geraten, was „Pandorum“ letztlich viel vom guten Gefühl kostet, das über Atmosphäre, Ausstattung, Beleuchtung und Ton erzeugt wird. Dabei wären Anfangs- und Endpunkt der Geschichte, die Regisseur Alvart und Drehbuchautor Travis Millroy erzählen, aller Ehren wert. Nur das, was dazwischen liegt, wirkt zeitweise zusammengeschustert, wenig inspiriert und ab und an nicht unbedingt logisch.

Bleibt hinter den Erwartungen zurück.

Im Wesentlichen ist der Mittelteil von „Pandorum“ mehr Action als Science Fiction – die Protagonisten hetzen von einem Ende der „Elysium“ zum anderen, immer verfolgt von merkwürdigen Gestalten, die ein wenig an die Morlocks aus dem Wells-Klassiker „Die Zeitmaschine“ (1895) erinnern. Dazwischen gibt es immer wieder Dialoge, die zum Teil bemüht-philosophisch daherkommen (es stellt sich die Frage nach dem moralischen Kompass, wenn man einer der letzten Überlebenden der Menschheit ist), im Endeffekt aber nur an der Oberfläche kratzen. Das könnte man wohl verschmerzen, würde sich die Action nicht ziemlich hohl anfühlen – von „Alien“-Intensität kann bei „Pandorum“ jedenfalls nicht die Rede sein.

Und noch einen Punkt möchte ich erwähnen, der mich als Fan solcher Geschichten, wie sie die Inhaltsangabe von „Pandorum“ andeutet, massiv stört: Der Film ist in sich nicht so richtig logisch. Die Erklärungen für das Geschehen sind teils in Ordnung (ich mag es, wie die Crew auf einen Überlebenden trifft, der die Geschichte des Schiffs in die Wand graviert hat), alles in allem macht die Handlung aber nicht sehr viel Sinn. Für mein Gefühl fehlen ein paar erklärende Elemente, etwas, das über ein paar Nebensätze hinausgeht. Und dass einiges von dem, was im Schiff passiert, auf die titelgebende Raumkrankheit „Pandorum“ geschoben wird, ist mir tatsächlich etwas zu billig.

Abschließend noch ein Wort zu den Charakteren: Auch hier gibt es Luft nach oben. Die männlichen Hauptdarsteller Dennis Quaid und Ben Foster spielen ihre Rollen zwar gut, die Figuren selbst sind aber nichts, woran man sich länger erinnert. Ein wenig besser ist es mit der einzigen Frau in einer tragenden Rolle, aber letztlich kann auch Antje Traue nicht darüber hinwegtäuschen, dass Charakterzeichnung keine Stärke von „Pandorum“ ist.

Fazit: Ich hätte mir schlicht und einfach mehr von diesem Film erwartet. Man kann ihn sich selbstverständlich gut ansehen – der letzte Twist hat schon was für sich – und er ist technisch definitiv stark gemacht. Aber im Endeffekt ist er völlig zu Recht weder ein echter („Alien“) noch ein heimlicher bzw. zu seiner Zeit verkannter („Event Horizon“) Klassiker des Genres.

Gesamteindruck: 4/7


Originaltitel: Pandorum.
Regie:
Christian Alvart
Drehbuch: Travis Milloy
Jahr: 2009
Land: UK, Deutschland
Laufzeit: ca. 110 Minuten
Besetzung (Auswahl): Dennis Quaid, Ben Foster, Antje Traue, Cam Gigandet, Cung Le, Eddie Rouse



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FilmWelt: Forbidden World

Die Überlegungen, welchen Film man sich als nächstes im Streamingdienst seines Vertrauens zu Gemüte führt, treiben oft merkwürdige Blüten. Von Mundpropaganda über Meister Zufall bis hin zu einem bombastischen Trailer oder – ganz profan – einer interessanten Inhaltsangabe kann alles dabei sein. In vorliegendem Fall waren es letzteres sowie die Sternewertung bei Amazon („Forbidden World“ ist zum Zeitpunkt dieser Rezension im Prime Abo kostenlos verfügbar), die mich zum Ansehen dieses mir bis dahin völlig unbekannten Werkes verführt haben.

Gesamteindruck: 2/7


„Wir haben Gott gespielt.“

Zunächst kurz zu den Formalitäten, die Kennern der B-Movie-Szene eventuell bekannt sein dürften: „Forbidden World“ ist einer von mehreren Titeln dieses Science Fiction-Films aus dem Jahr 1982. „Mutant“ und „Subject 21“ sind zwei weitere, die im Übrigen deutlich besser zum Inhalt passen, denn ein „verbotener Planet“ kommt in der Handlung eigentlich nicht vor. Im deutschsprachigen Verleih ist der Film auch als „Mutant – Das Grauen im All“ bekannt. Zu erwähnen ist weiters, dass es, ich vermute, aufgrund verschiedener Ekel- und Nacktszenen, verschiedene Schnittfassungen gibt, die Gesamtlänge schwankt dadurch zwischen 73 und 78 Minuten. Amazon Prime scheint die ungekürzte Ausgabe im Programm zu haben, wenn mich nicht alles täuscht.

Worum geht’s?
Eine isolierte Forschungsstation auf dem Planeten Xerbia sendet einen Notruf in die Galaxis: Ein Experiment ist außer Kontrolle geraten und die Wissenschaftler benötigen dringend Unterstützung bei der Eindämmung. Pilot Mike Colby eilt zu Hilfe – und muss bald feststellen, dass die Forscher eine höchst gefährliche Kreatur geschaffen haben, die sich gegen sie gewandt hat…

Die Story, die Regisseur Allan Holzman und Drehbuchschreiber Tim Curnen (mir persönlich sind beide völlig unbekannt) für ihren Produzenten Roger Corman, seines Zeichens bis heute Spezialist für B-Movies, erzählen, finde ich grundsätzlich gelungen. Wir haben es hier mit solider Science Fiction-Kost zu tun, die so oder so ähnlich zwar schon damals nicht ganz neu war, an deren Eckpunkten man aber kaum etwas aussetzen kann. Im Gegenteil, der kritische Ansatz (Zitat aus dem Film: „Wir spielen hier Gott!“) ist heute sogar aktueller denn je. Bei genauerer Betrachtung entpuppt sich die Handlung im Großen und Ganzen als eine Variante von „Das Ding aus einer anderen Welt“ (1951) mit Gore-Effekten, die weit über das hinausgehen, was man dort bzw. im ebenfalls ähnlich gelagerten „Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt“ (1979) zu sehen bekommt. Garniert ist das Ganze mit einer Portion Nacktheit, die keinerlei Relevanz für die Story hat, völlig aufgesetzt wirkt und wohl nur um ihrer selbst Willen eingebaut wurde.

Ein bisschen Ambialenz.

Irgendwo zwischen Soll und Haben würde ich – neben dem Verlauf der Geschichte – zwei Aspekte verbuchen: Zunächst ist „Forbidden World“ – im Rahmen der Möglichkeiten – gar nicht so schlecht gespielt (speziell im Vergleich zu anderen Filmen seiner Preisklasse, wozu auch die jüngsten Produktionen von Roger Corman zählen). Vor allem der leitende Wissenschaftler Dr. Hauser und dessen kettenrauchender Kollege Dr. Timbergen sind durchaus brauchbare Figuren und werden vor allem gut von Linden Chiles bzw. Fox Harris verkörpert. Den Rest der Truppe kann man hingegen gerade noch passable Leistungen attestieren, wobei hierbei wie üblich auch das Drehbuch zu berücksichtigen ist – dazu etwas weiter unten mehr.

Der zweite ambivalente Punkt betrifft die Ausstattung. Die in Teilen einen ausgezeichneten Eindruck, speziell das Innere und Äußere des Raumschiffs in der Anfangssequenz (und auch der Raumkampf) sowie die Forschungsstation stehen teureren Produktionen jener Zeit nicht viel nach. Eine kurze Recherche hat mir gezeigt, dass die Kulissen teilweise für Frühwerke von James Cameron (die ich bis dato noch nicht gesehen habe) zum Einsatz gekommen sein sollen, bei denen ebenfalls Roger Corman als Produzent fungierte. Ähnliches gilt – sogar in noch stärkerem Ausmaß – für die teils ausgesprochen ekelhaften Gore-Szenen, die überraschend realistisch wirken. Die Optik passt also, zumindest was die erwähnten Teile des Films betrifft. Auch hier folgt noch ein „Aber“.

Die Frage ist nun: Reicht das alles für einen brauchbaren Film? Meine diplomatische Antwort: Jein. Eines ist klar: „Forbidden World“ ist ein B-Movie, daran führt kein Weg vorbei. Aber selbst wenn ich das berücksichtige, kann ich die doch sehr hohe Amazon-Wertung (4 von 5 Sternen bei 289 Bewertungen ist schon eine Hausnummer!), die noch höher wäre, gäbe es nicht eine Reihe von Verrissen aufgrund einer mutmaßlich technisch minderwertigen DVD-Veröffentlichung, nicht nachvollziehen. Wer aber ausgewiesener Fan relativ obskurer B-Filme ist, kann wohl den einen oder andere Punkt addieren. Denn eines muss ich auch ganz ehrlich zugeben: Die von mir etwas weiter oben genannten, positiven Features findet man in diesem Segment auch nicht so häufig in dieser Güte.

Ist und bleibt B-Ware.

An sich gibt es ja verschiedene Möglichkeiten, an Budget-Produktionen heranzugehen. Man kann Filme wie diesen entweder als pure Trash-Unterhaltung sehen, man kann aber auch das Improvisationstalent in technischer und inhaltlicher Hinsicht zu schätzen wissen. Egal, wie man es betrachtet – „Forbidden World“ ist meiner Meinung nach ein Werk, das zwischen den Stühlen sitzt. Ein Beispiel ist die Technik: Ich habe etwas weiter oben Effekte und Ausstattung gelobt – das Kreaturen-Design ist hingegen einfach nur billig und schlecht gemacht (und sieht nicht annähernd so aus wie auf dem Film-Cover). B-Movie hin oder her: Das Monster, das die Station terrorisiert, ist alles andere als furchteinflößend, im Gegenteil, es sorgt für unfreiwillige Lacher. Man kann vielleicht schon die Problematik, die sich daraus ergibt, erahnen: „Forbidden World“ wäre eigentlich ein ernsthafter Film. Wenn das Schmunzeln, das sich zwischendurch immer wieder in das Gesicht des Zuschauers schummelt, beabsichtigt war, ist das meines Erachtens misslungen, weil man immer an unfreiwilligen Humor denkt.

Schlimmer sind freilich die Probleme mit Drehbuch und Darstellung. So mag die Story zwar grundsätzlich gut sein, der Film macht aber wenig daraus, das über rohe Gewalt hinaus geht. Die Erklärungen zum fremdartigen Lebewesen machen wenig bis keinen Sinn, die Charaktere verhalten sich unlogisch, die gesamte Geschichte wirkt, als hätte man sie nur deshalb auf Action ausgelegt, weil man nicht recht wusste, wie man die angedeuteten Problemstellungen moralischer Natur angehen sollte. Dazu kommt der gesamte Aufbau, der früh auf den einzelnen Überlebenden und seine Gespielin hinausläuft. Und ja, ich weiß, dass man als Science Fiction-Fan immer wieder über hanebüchenen Unsinn hinwegsehen kann und muss – aber dieses Werk hat leider das Problem, dass man die Tiefgründigkeit, die angedeutet wird, erwartet – und zu keinem Zeitpunkt bekommt.

Nichts für Feminist:innen.

Ein Punkt, bei dem ich nicht recht wusste, wie ich ihn einordnen soll, sind die Frauenrollen in „Forbidden World“. Es mag revisionistisch anmuten, wenn man die Darstellung der beiden Damen per se kritisiert, denn bis weit in die 1980er wurden Frauen auch in großen Produktionen kaum jemals als gleichberechtigte Heldinnen abgebildet; obwohl es durchaus auch abseits der „Alien“-Reihe Ausnahmen gab, immerhin sind beispielsweise die Nebendarstellerinnen in den vor Männlichkeit nur so strotzenden Schwarzenegger-Highlights „Conan der Barbar“ (1982) oder „Predator“ (1987) alles andere als willenlose Püppchen. Ich bin ferner nicht der Meinung, dass jeder Film zwangsweise eine starke weibliche Rolle aufweisen muss. Was aber in „Forbidden World“ gemacht wird, ist schon harter Tobak: Der ach so charismatische Held (in Wirklichkeit finde ich den Charakter nicht sonderlich sympathisch) kommt auf die Forschungsstation, dort gibt es nur zwei weibliche Wesen, die ihm natürlich sofort verfallen, was mit fast schon Porno-artigen „Dialogen“ und entsprechender Mimik und Gestik untermalt wird. Und damit nicht genug: Abseits der nackten Haut beschränken sich die Damen darauf, aus vollem Halse kreischend durch die Station zu rennen, immer in die Arme der sie vermeintlich beschützenden Männer.

Heute wäre eine solche Darstellung – zum Glück – kaum noch möglich, es sei denn in einer Persiflage. Ob „Forbidden World“ eine solche ist, entzieht sich meiner Kenntnis, für mein Gefühl nimmt sich der Film dafür allerdings eine Spur zu ernst (s. o., ich meine damit übrigens keine Ernsthaftigkeit á lá „Alien“, sondern eher die humorlose Leichtigkeit diverser Action-Kracher). Bei einem aktuellen Film müsste es dafür jedenfalls eine massive Abwertung geben, in vorliegendem Falle ist es eine Frage der Sichtweise: Auf einer Meta-Ebene könnte man Filme wie diesen auch als historisches Dokument sehen, als eine Art Zeitzeugnis für die Darstellung von Frauen in Action- und Science Fiction-Filmen bis ins späte 20. Jahrhundert. Denn dafür ist „Forbidden World“ durchaus ein Beispiel, würde ich sagen – und gleichzeitig davon ausgehen, dass die Darstellung von Weiblichkeit im Erscheinungsjahr noch relativ wenig bis keinen Anlass zur Kritik gegeben haben dürfte.

All das ändert freilich nichts daran, dass der Plot insgesamt ohnehin recht dünn ist und die Rollen (bis auf die zwei weiter oben genannten) kaum Charakter besitzen. Damit wenigstens der strahlende Held etwas mehr Charakter bekommen hätte, hätte es wohl einen deutlich stärkeren Gegenpart gebraucht – sei es durch eine etwas tiefgründigere Figur bei den Wissenschaftler:innen (da hätte sich tatsächlich eine der Frauen angeboten) oder durch ein deutlich beängstigenderes Monster. Weil nichts davon vorhanden ist, reicht es bei mir für großzügige 2 von 7 Punkten. Ich habe tatsächlich schon schlechtere Filme gesehen – und in seiner Kategorie macht „Forbidden World“ sowohl technisch als auch in den Grundzügen der Handlung relativ viel her.

Anmerkung am Schluss: Die Filmmusik würde ich fast schon als „kultig“ bezeichnen. 80er-Synthies, die zu merkwürdig anmutenden Bildüberlagerungen wummern – das ist tatsächlich allerfeinstes B-Movie-Material!

Gesamteindruck: 2/7


Originaltitel: Forbidden World (aka „Mutant“ aka „Subject 20“).
Regie:
Allan Holzman
Drehbuch: Tim Curnen
Jahr: 1982
Land: USA
Laufzeit: ca. 80 Minuten
Besetzung (Auswahl): Jesse Vint, Dawn Dunlap, June Chadwick, Linden Chiles, Fox Harris, Michael Bowen



FilmWelt: Logan – The Wolverine

17 Jahre und 9 Filme – so lange bzw. oft hat der australische Schauspieler Hugh Jackman den Wolverine bisher verkörpert. Eine verdammt lange Zeit im schnelllebigen Film-Business. In „Logan“ gibt Jackman zum vermutlich letzten Mal den wortkargen Helden mit den Adamantium-Krallen und den beeindruckenden Fähigkeiten zur Selbstheilung. Das ist nur recht und billig – einerseits war Wolverine aufgrund seiner vielen Ecken und Kanten schon immer der interessanteste aller X-Men, andererseits IST Jackman Wolverine. „Logan“ ist der Abgesang auf diese Rolle und als solcher ein durchaus guter Film geworden. Kleine Schwächen gibt es, aber grundsätzlich hätte man sich kaum ein besseres Finale wünschen können.

Gesamteindruck: 6/7


Abgesang auf den widerwilligsten aller Superhelden.

Dass es ausgerechnet den nahezu unverwundbaren Wolverine so böse erwischt wie in „Logan – The Wolverine“ (der Originaltitel lautet schlicht und einfach „Logan“, was für mein Dafürhalten wesentlich besser den Kern des Films trifft), hätte kaum jemand für möglich gehalten. Aber es ist so – der Marvel-Film zeigt uns einen Mann, der kaum mehr an den wohl beliebtesten aller X-Men erinnert. In nicht allzu ferner Zukunft gehören Wolverine und Professor X (wie immer grandios gespielt von Patrick Stewart, der offenbar niemals älter wird und nach wie vor aussieht, wie Captain Picard in den 30 Jahre alten Folgen von „Star Trek – The Next Generation“) zu den letzten freien Mutanten, die X-Men scheinen nicht mehr zu existieren. Wobei frei ein sehr relativer Begriff ist – sie fristen ein trauriges Dasein in einem öden Versteck. Der mittlerweile trotz unnatürlich langer Lebensspanne mächtig in die Jahre gekommene Wolverine hat sogar noch weniger Heldenhaftes an sich hat, als zu seinen besten Zeiten, in denen er bei weitem kein strahlender Ritter war. Tatsächlich ist es dermaßen deprimierend, den an Alzheimer erkrankten Professor und seinen einstigen Schützling, der sich als Limousinen-Fahrer über Wasser hält, dessen Verletzungen nicht mehr richtig heilen und der nur mehr humpelnd durch die Szenen schleicht, zu beobachten, dass man den Film fast als reinrassiges Drama bezeichnen könnte.

Aber nur fast – denn im krassen Gegensatz zur Nachdenklichkeit vieler Szenen lässt Regisseur James Mangold seinen Wolverine dermaßen brutal von der Leine, wie man es noch in 10 Jahren X-Men auf der großen Leinwand noch nie gesehen hat. Der tragische, ständig unglaublich schlecht gelaunte Anti-Held schnetzelt sich durch seine Gegner, dass das Blut nur so spritzt. Arme und Beine werden abgetrennt, die berühmten Adamantium-Krallen bohren sich durch Körper, Schädel werden gespalten – dass dieser Film FSK 16 sein soll, scheint mir der blanke Hohn zu sein. Irgendwie aber auch realistisch – ich mein, der Typ hat 3 lange, rasiermesserscharfe Klingen an jeder Hand – wie soll das sonst aussehen, wenn er die als Waffe einsetzt? Tatsächlich erinnert das komplette Setting in weiten Teilen an einen der klassischen, blutigen Western von früher und hebt sich damit allein schon atmosphärisch stark vom üblichen Marvel-Blockbuster-Programm ab.

Inhaltlich gibt es auf den ersten Blick wenig Neues zu berichten. Einmal mehr versuchen Bösewichte, Mutanten zu fangen. Viel mehr gibt es dazu nicht zu sagen. All das passiert in den üblichen Action-Sequenzen inklusive Verfolgungsjagden, in denen die zahlenmäßig weit überlegenen und bestens ausgerüsteten Gegner es nicht schaffen, ihre Opfer zu schnappen. All das unterscheidet sich kaum bis gar nicht von dem, was man praktisch aus jedem X-Men-Film kennt. Was „Logan“ besser macht, sind letztlich die Nuancen. Allein, dass man sich traut, den großen Helden dermaßen verwundbar und angeschlagen darzustellen, sieht man nicht jeden Tag. Das allein ist schon harter Tobak und erzeugt eine sehr düstere Grundstimmung. In Kombination mit den brutalen Kämpfen, in denen weder der Hauptdarsteller, noch seine quasi-Tochter, die er nach einigem Hin & Her vor ihren Häschern retten möchte, geschont werden ist das schon ein sehr eigenes Gefühl, das beim Zuseher entsteht. Um es deutlich zu sagen: Derartig wuchtige und detaillierte Gewalt gegen Kinder, aber auch durch Kinder hat man in einem Hollywood-Blockbuster vermutlich noch nie gesehen.

Letztlich ist der Film – soviel kann man, denke ich verraten – als wohl endgültiger Abgesang auf Wolverine tatsächlich ein würdiges Ende für den Helden wider Willen. Ich denke, dass auch Hugh Jackman ganz froh darüber sein wird, wobei man ja nie ausschließen sollte, dass es noch ein Comeback geben könnte, das zeitlich vor „Logan“ spielt. Ich persönlich würde aber lieber sehen, wenn es das nun endgültig mit dem Jackman-Wolverine war. Seine Darstellung des „Vielfraßes“ (denn nichts Anderes heißt „Wolverine“ auf Deutsch) hat den Charakter geprägt, zumindest für diejenigen, die mit der Comic-Vorlage nicht so firm sind. Besser als Hugh Jackman es in „Logan“ macht, ist es meines Erachtens sowieso nicht möglich.

Ganz reicht es allerdings trotz aller positiven Aspekte nicht für die Höchstwertung und den Status als Meisterwerk. Dafür hat der Film auf 138 Minuten ein paar Längen zu viel. Es hätte für mein Dafürhalten nicht geschadet, die eine oder andere Action-Szene etwas zu straffen und auch manch ruhige Sequenz wirkt etwas gestreckt auf mich. Nicht ganz ausgereift auch die Darstellung der Gegenspieler, die nicht so viel Gefahr ausstrahlen, wie sie eigentlich sollten und letztlich nicht über die simple Schwarz-/Weiß-Schablone hinauskommen. Sehr schade, da hätte es sicher Möglichkeiten für mehr Tiefe gegeben, ohne die Fokusierung auf die Titelfigur (und dessen Schützling) aus den Augen zu verlieren. Noch besser wäre im Hinblick darauf natürlich gewesen, wenn man Liev „Sabretooth“ Schreiber als Erzfeind von Wolverine erneut an den Start gebracht hätte. Schade, dass man sich da nicht einig wurde.

Das ändert aber nichts daran, dass „Logan“ der beste Wolverine-Film ist, neben „X-Men“ (2000) der beste aus dem gesamten Franchise (alle Nachfolger werden ihrerseits von den 3 Filmen um Wolverine übertroffen) und der beste von Marvel seit Ewigkeiten. Solide 6 Punkte macht das alles in allem. An die „The Dark Night“-Reihe aus dem Hause DC kommt er zwar nicht ganz heran, „Logan“ ist von allen Marvel-Filmen aber bei weitem am nächsten dran.

(c) critic.de

Gesamteindruck: 6/7


Originaltitel: Logan
Regie: James Mangold
Jahr: 2017
Land: USA
Laufzeit: 138 Minuten
Besetzung (Auswahl): Hugh Jackman, Patrick Stewart, Dafne Keen, Boyd Holbrook, Richard E. Grant



 

FilmWelt: Die Insel der besonderen Kinder

Eine Gruppe von jungen Menschen mit außergewöhnlichen Fähigkeiten versteckt sich vor der Welt – und vor bösen, ebenfalls „besonderen“ Wissenschaftlern. Das wird dem einen oder anderen aufgrund einer sehr bekannten Reihe von Marvel-Comic-Verfilmungen natürlich bekannt vorkommen. Glücklicherweise kann „Die Insel der besonderen Kinder“ problemlos für sich bestehen und hebt sich vom mutmaßlichen Vorbild wohltuend ab. 

Gesamteindruck: 5/7


Die „X-Jugend“.

Auch wenn „Die Insel der besonderen Kinder“ stilistisch – glücklicherweise – völlig anders gelagert ist, kann man die thematische Verwandtschaft zu den „X-Men“ nicht übersehen. Noch dazu stammt das Drehbuch von Jane Goldman, jener Autorin, die diese Position bereits für zwei X-Men-Filme bekleidet hat. Allerdings basiert „Die Insel der besonderen Kinder“ nicht auf einer Comicvorlage, sondern auf dem gleichnamigen Roman (im Original: „Miss Peregrine’s Home For Peculiar Children“, 2011) des 1980 geborenen Schriftstellers Ransom Riggs. Inwiefern sich der junge Riggs bei den alten X-Men bedient hat, entzieht sich meiner Kenntnis, weil ich bis zum Zeitpunkt dieser Rezension das Buch nicht gelesen habe.

Unabhängig von diesen Gedankengängen weiß der Film über weite Strecken zu gefallen. Zwischendurch gibt es zwar einige Längen, die sind aber zu verschmerzen. Einzige Ausnahme bildet die Darstellung der Beziehung zwischen Emma (Ella Purnell) und Jake (Asa Butterfield), die sich meines Erachtens zu klischeehaft und gleichzeitig recht zäh entwickelt. Insgesamt ist in Bezug auf Charaktere und Besetzung aber alles in Ordnung, auch wenn man beim eigentlich sehr geschätzten Samuel L. Jackson mittlerweile das Gefühl hat, dass er a) praktisch in jedem Film aus Hollywood mitspielt und b) seine Rollen immer sehr, sehr ähnlich sind (speziell wenn er als Bösewicht agiert). Letztlich spielt Jackson den bösen Mr. Barron dennoch passabel, allerdings hätte das Drehbuch ruhig etwas mehr Wert auf den Charakter des Schurken legen können (der in der Romanvorlage übrigens gar nicht vorkommt, vielleicht ist das das Problem).

Und noch ein Wort zur Besetzung: Die Rolle der Miss Peregrine hat Tim Burton meines Erachtens ganz klar für seine ehemalige Lebensgefährtin Helena Bonham Carter, die man ja aus diversen Burton-Filmen (zuletzt „Alice im Wunderland: Hinter den Spiegeln“, 2016) kennt, angelegt. Eva Green (bekannt u. a. aus der Serie „Penny Dreadful“) sieht in „Die Insel der besonderen Kinder“ nicht nur wie eine junge Ausgabe von Bonham Carter aus – sie agiert auch sehr ähnlich. Ich würde das weder als positiv noch als negativ bewerten, es ist einfach ein Punkt, der auffällt.

Ansonsten sieht man die Handschrift von Tim Burton vornehmlich in der Optik der „Hollowgasts“. Deren unheimliches Aussehen und ihre Art, Opfer zu verfolgen und zu töten zeigt, dass der Film für Kinder nicht geeignet ist. Dafür sorgt auch der eine oder andere Splatter-Effekt. A pro pos Effekte: Optisch ist „Die Insel der besonderen Kinder“ ausgesprochen gut gelungen – auch, weil man es mit dem Einsatz von Special Effects und CGI nicht übertreibt (bzw. sehr geschickt agiert), was heutzutage eine wohltuende Ausnahme ist.

Allerdings ist nicht alles Gold, was glänzt. Auch wenn die Geschichte sehr solide erzählt wird und Drehbuch sowie Schauspieler ihre Sache großteils sehr gut machen, hat der Film meiner Meinung nach ein wenig mit der Logik zu kämpfen. Das ist beim Thema „Zeitschleifen“ nicht ungewöhnlich – in diesem Fall ist mir aber ein bisschen zu viel „timey-wimey“ dabei, sodass man sich vor allem zum Schluss hin sehr schwer tut, überhaupt folgen zu können. Und das sage ich als Fan von Science Fiction im Allgemeinen und Zeitreise-Geschichten im Speziellen. Leider wirkt das Finale dadurch überhastet und zu wenig ausgearbeitet – wobei ich nicht verhehlen möchte, dass ich vielleicht ein wenig zu kritisch bin, was die Logik betrifft.

Alles in allem macht das gute 5 Punkte für einen unterhaltsamen Film, der kleine Längen hat und gelegentlich vielleicht etwas zu viel will, ohne sich richtig zu erklären.

Gesamteindruck: 5/7


Originaltitel: Miss Peregrine’s Home for Peculiar Children
Regie: Tim Burton
Jahr: 2016
Land: USA/UK/Belgien
Laufzeit: 127 Minuten
Besetzung (Auswahl): Asa Butterfield, Ella Purnell, Eva Green, Samuel L. Jackson, Judi Dench