SerienWelt: Tribes of Europa – Staffel 1

Wie vor gar nicht allzu langer Zeit bei „Dark“ (2017-2020) hat es auch den Verantwortlichen für „Tribes of Europa“ gefallen, einer deutschen Serie einen englischen Titel zu verpassen. Beinbruch ist das natürlich keiner, aber gleichzeitig ist es meiner Meinung nach so etwas wie ein Fingerzeig auf eine der vielen Baustellen dieser stark gehypten Netflix-Serie.

Gesamteindruck: 2/7


Endzeit over Europa.

Eigentlich sollte ich ja längst wissen, dass es nicht immer klug ist, vorab Rezensionen zu lesen – zu voreingenommen geht man danach häufig an Bücher, Filme und Serien heran. Leider (?) konnte ich bei „Tribes of Europa“ nicht widerstehen und habe mich vorher im Netz schlau gemacht. Zwei Dinge waren dabei besonders auffällig: Einerseits der allgemein sehr durchwachsene Tenor in der (deutschen) Community, andererseits ein speziell auf die Sprache der Akteure bezogenes… ich würde fast sagen: bashing. Letzteres hatte ich auch schon in diversen Kommentaren zu „Dark“ herausgelesen, konnte beim Ansehen aber zumindest diesen Teil der Kritik nicht nachvollziehen. Bei „Tribes of Europa“ sieht die Sache allerdings anders aus.

Worum geht’s?
In nicht allzu ferner Zukunft hat die Welt, wie wir sie kennen, zu existieren aufgehört. Nach einem – vermutlich globalen – Blackout gibt es keine Staaten mehr, die Überlebenden der Katastrophe sind in Stämmen, den sogenannten „Tribes“, organisiert. Einer davon sind die „Origines“, die jegliche Technologie ablehnen und versuchen, mit der Natur im Einklang zu leben. Ihre Isolation endet, als eine Art Raumgleiter vom Stamm der „Atlantier“ in der Nähe abstürzt und ein Stück fortschrittlicher Technik, den „Cube“, verliert. Um dieses wertvolle Artefakt bricht bald ein Krieg aus, der viele Leben kostet – und das beschauliche Dasein dreier Geschwister von den Origines für immer verändert…

Ich bin mir nicht sicher, wie sich obige Zusammenfassung für jemanden liest, der die Serie nicht kennt. Selbst für mich, der ich die 6 Folgen, die bis dato erschienen sind, erst unlängst gesehen habe, klingt das nach wirrem Zeug, wenn ich ehrlich bin. Und tatsächlich hat „Tribes of Europa“ große Probleme, die sich – so scheint es mir – sogar in meiner kurzen Inhaltsangabe manifestiert haben. Bevor wir in medias res gehen noch eine Anmerkung: Zum Zeitpunkt dieser Rezension ist vollkommen offen, ob und wie die Serie fortgesetzt wird. Produzent Netflix hält sich derzeit zur Möglichkeit einer oder mehrerer weiterer Staffeln bedeckt, sodass es gut sein kann, dass der Cliffhanger am Ende der sechsten Folge genau das bleibt. Das nur als Warnung – die Handlung ist keineswegs in sich geschlossen, wer damit nicht klarkommt, sollte wohl erst dann mit der Serie beginnen, wenn klar ist, dass es irgendwann auch weitergeht.

Babylonische Sprachverwirrung.

Nun aber zur Sache – und vielleicht beginnen wir mit dem, was ich schon in der Einleitung angedeutet habe: der Sprache. „Origines“, „Tribes“ und „Cube“ sind nur einige der angelsächsischen Begriffe, die in „Tribes of Europa“ nur zu gern verwendet werden. Nun bin ich wirklich niemand, der auf Deutschtümelei steht, ganz im Gegenteil – was beim von mir hoch geschätzten „Game of Thrones“ (2011-2019) in der Übersetzung teilweise verbrochen wurde, spottet jeder Beschreibung. Allerdings gibt es einen gravierenden Unterschied: Beim Vorzeige-Epos von HBO versuchte man, die gesamte (englischsprachige) Fantasy-Welt komplett ins Deutsche zu übersetzen. „Tribes of Europa“ setzt hingegen auf ein merkwürdiges Gemisch aus Deutsch und Englisch, das vermutlich die Vielfältigkeit des Kontinents abbilden soll. Ganz so, als gäbe es in Europa nur diese beiden Sprachen, was vollkommen absurd wirkt und der Serie zu einem denkbar schlechten Start verhilft. Mir ist schlicht nicht klar, warum die Charaktere zum Beispiel „Tribes“ sagen müssen, wenn es doch mit „Stämme“ eine adäquate und passende Übersetzung gegeben hätte. Wie ist das dann in der englischen Synchronisation? Sind es dort auch die „Tribes“, sind es die „Stämme“ oder nimmt man ein ganz anderes Wort? Vielleicht was Französisches? Oder eine slawische Übersetzung? Ich weiß es nicht – wenn aber die Absicht war, die bunte Vielfalt Europas nach einer großen Katastrophe anzudeuten, ist diese Idee voll und ganz daneben gegangen.

Leider ist das nicht die einzige Schwäche, die sich „Tribes of Europa“ in Sachen Sprache leistet. Der einleitende Hinweis auf „Dark“ bezieht sich nämlich auf etwas, letztlich nichts damit zu tun hat, ob Deutsch oder Englisch gesprochen wird: Im Gegensatz zu synchronisierten Serien, aber auch zu … keine Ahnung … „Tatort“, klingt das, was die Schauspieler in „Tribes of Europa“ in ihrer Muttersprache zum Besten geben, sehr befremdlich. Ist das die berühmt-berüchtigte „deutsche Theatersprache“, wie sie in einigen Rezensionen bezeichnet wird? Ich weiß es nicht, hatte aber fast durchgehend das Gefühl, dass das Gros der Darsteller höchst unnatürlich und hölzern spricht. Nein, das ist nicht ganz richtig, sie scheinen vielmehr so zu agieren und zu intonieren, als würden sie auf einer Theaterbühne stehen. Das mag dort passend sein, auf dem Bildschirm wirken die Dialoge (und auch Teile der Körpersprache) unnatürlich. Es ist, als hätten es die Mimen nicht geschafft (oder wäre es nicht gewollt gewesen), sich vom Theater zu emanzipieren. Wieso das so ist? Ich kann es nicht sagen, aber es hat mich massiv gestört.

Gute Ausstattung allein reicht nicht.

Kommen wir nun aber endlich zu den guten Nachrichten, von denen es zumindest zwei gibt: Erstens ist die Serie geradezu unverschämt gut ausgestattet. Kostüme, Kulissen, Effekte – all das stimmt zu 100 Prozent und ist für eine deutschsprachige Produktion weit über dem Durchschnitt. „Mad Max“ und „The Walking Dead“ stellen die Post-Apokalypse optisch auch nicht besser dar – allein das halb verfallene Berlin ist ein grandioser Anblick. Und, zweitens, ist „Tribes of Europa“ sehr gut fotografiert. Die Aufnahmen lassen nichts zu wünschen übrig, egal ob in der Totalen oder in der Detailansicht. Alles ist hervorragend ausgeleuchtet und stimmungsvoll in Szene gesetzt. Optisch gibt es also (fast) keinen Grund zu meckern.

Fast? Richtig gelesen, ein Lapsus hat sich auch hier eingeschlichen: Der Schnitt ist überhaupt nicht gelungen, was für eine moderne Produktion sehr ungewöhnlich ist. Ein guter Schnitt ist so unauffällig, dass man ihn als Zuseher überhaupt nicht bemerkt. Wenn er in einer einzelnen Szene mal nicht passt, fällt das schnell auf. Bei „Tribes of Europa“ kommt es hingegen so häufig vor, dass ein Protagonist sozusagen in die falsche Kamera schaut, dass man kaum noch von einem Ausrutscher sprechen kann. Speziell in Dialogen merkt man immer wieder, dass sie in mehreren Takes aufgenommen wurden. In einem Text ist das freilich schwer erklärbar, aber ich würde dieses Problem für so gravierend halten, dass es eigentlich fast jedem, der sich die Serie ansieht, auffallen müsste.

Und weil wir gerade bei Dingen sind, über die man in professionellen Produktionen in der Regel kein Wort verlieren muss: Auch der Ton bzw. der Mix ist nicht der Standard, den man heute gewohnt ist. Teile der Dialoge sind schlicht unverständlich, weil viel zu leise. Wobei ich mir nicht ganz sicher bin, ob ich dafür dem Tonmann die Schuld zuschanzen möchte – einige Schauspieler neigen offenbar stark zum Nuscheln und Flüstern, was aber die Tonregie zumindest hätte erkennen und korrigieren müssen. Interessant… nun bin ich von einem Lob wieder direkt ins Meckern übergegangen. Dabei wollte ich die Serie nach dem Trailer und auch von der eigentlich lässigen Prämisse her unbedingt mögen. Allein: Mir schon nach zwei Folgen klar, dass „Tribes of Europa“ durchzustehen ein hartes Stück Arbeit werden würde. Was eigentlich ein Todesurteil für eine Serie ist, die unterhalten soll.

Story & Drehbuch: Prädikat „schwerfällig“.

Im Endeffekt summieren sich die bisher genannten Dinge natürlich, so richtig krankt es aber woanders: Story und Drehbuch sind schwerfällig, holprig und wirr, kurz: haben mit allen möglichen und unmöglichen Problemen zu kämpfen. Alles aufzuzählen würde wohl den Rahmen sprengen, also versuche ich, mich kurz zu fassen: Die Story eines endzeitlichen Europas mag für eine deutsche Produktion innovativ klingen, auf den zweiten Blick und vor allem im internationalen Vergleich ist sie es jedoch nicht. So hart muss man es leider sagen – „Tribes of Europa“ bietet letztlich eine von vorne bis hinten konventionelle Post-Apokalypse. Das wäre nicht so schlimm, wäre die Serie nicht dermaßen oberflächlich. Man erfährt viel zu wenig über die neue Ordnung der Welt, alle Charaktere bleiben flach und austauschbar, manche wirken gar lächerlich und/oder fehl am Platz (vor allem sei hier der Grazer Schauspieler Robert Finster als Kommandant der Crimson Guard genannt, der meines Erachtens eine komplette Fehlbesetzung ist und überhaupt nicht überzeugt). An dieser Stelle wäre es vielleicht angebracht, sich die Serie einmal auf Englisch anzusehen, ich wäre gespannt, wie sich die Dialoge darstellen, wenn sie synchronisiert sind. Leider fehlt mir dafür aktuell die Zeit.

Spannung kommt jedenfalls so gut wie nie auf – und wenn es einmal so weit ist, wird das Tempo direkt wieder reduziert und man beschränkt sich darauf, vermeintlich bedeutungsvoll in die Gegend zu schauen. Ich verstehe ja, dass man nicht sofort alles verraten möchte, vor allem, sieht es so aus, als wäre der Grund für den globalen Blackout ein gut gehütetes Geheimnis. Nur ist das Drehbuch einfach nicht geeignet, dahingehend diese fast nicht auszuhaltende Neugier zu schüren bzw. aufrecht zu erhalten, die man von anderen Produktionen kennt. Ein oder zwei positive Momente gibt es zwar – so sind es einmal mehr die Bösewichte, die einiges rausreißen und durchaus zu unterhalten wissen. Ob es Sinn der Sache sein kann, dass man sich eher auf den Auftritt der fiesen „Crows“ freut, als mit den „Origines“ zu leiden, wage ich allerdings zu bezweifeln. Und dann gibt es da noch den u. a. aus „Dark“ bekannten Schauspieler Oliver Masucci, der in „Tribes of Europa“ als undurchsichtiger Gauner, der das Herz am rechten Fleck hat, glänzen kann – mithin der einzig wirklich brauchbare Charakter in der Serie, wobei sein Cowboy-Gehabe etwas übertrieben wirkt, aber zumindest für den ein oder anderen Lacher sorgt. Letztlich ist aber sogar diese immerhin unterhaltsame Figur nicht mehr als ein großes Klischee, das man aus anderen Filmen und Serien zur Genüge kennt.

Und mehr gibt es jetzt wirklich nicht mehr zu sagen. Muss man sich „Tribes of Europa“ ansehen? So hart das jetzt klingt, ich glaube, man muss es nicht – maximal, um mitreden zu können, kann man einen Blick riskieren. Wer das plant, sei gewarnt: Die Leichtigkeit des Seins, den Zwang zum Binge-Watching, der z. B. „The Walking Dead“ (zumindest anfangs) auszeichnete, fehlt „Tribes of Europa“ zumindest in meinen Augen vollkommen. Das typische Hineinkippen ist mir zu keinem Zeitpunkt passiert – und das war beim immer wieder gern als Vergleich genommenen „Dark“ trotz vermurkster Staffel 3 sehr wohl der Fall. Werde ich „Tribes of Europa“ wieder einschalten, falls sich Netflix doch zu einer Fortführung entscheiden sollte? Ich sage mal vorsichtig: Ja, der letzte Cliffhanger wirkt zumindest derzeit noch nach. Viel erwarte ich mir allerdings nicht von einer neuen Staffel.

Gesamteindruck: 2/7


Originaltitel: Tribes of Europa.
Idee: Philip Koch
Land: Deutschland
Jahr: 2021
Episoden: 6
Länge: ca. 45 Minuten
Gesehen auf: Netflix
Besetzung (Auswahl): Henriette Confurius, Emilio Sakraya, David Ali Rashed, Melika Foroutan, Oliver Masucci, Robert Finster, Benjamin Sadler, Ana Ularu



FilmWelt: Love and Monsters

„Love and Monsters“ (2021) macht seinem Titel alle Ehre: Die Liebe kommt vor, die Monster kommen vor – und, das steht nicht im Titel, Humor gibt es auch noch. Die Frage ist also nur noch, wie die Kombination aus diesen drei Elementen funktioniert.

Gesamteindruck: 4/7


Das gigantische Krabbeln.

Ich weiß auch nicht, vielleicht liegt es einfach an mir: Action-Filme waren früher härter, Katastrophenfilme beeindruckender, Komödien lustiger und Liebesfilme schnulziger. Es ist wie verhext – kaum ein Blockbuster der jüngeren Vergangenheit will mir so richtig gefallen. Wobei ich nicht sicher bin, ob „Blockbuster“ im Falle von „Love and Monsters“ der richtige Ausdruck ist, ein Kino hat der Streifen ja nie gesehen, die Veröffentlichung erfolgte über den Streaming-Dienst Netflix. Dort wollten ihn aber sehr viele Leute sehen, sodass der Begriff wohl doch nicht ganz falsch ist.

Worum geht’s?
Den Einschlug eines Asteroiden konnte die Menschheit dank eines beeindruckenden Waffenarsenals gerade noch verhindern; die Freude darüber währte aber nur kurz, denn die Abwehrschlacht hatte ungeahnte Auswirkungen auf die irdische Fauna. Seither terrorisieren zu gigantischen Ausmaßen mutierte Insekten, Amphibien und Krustentiere die Erde und zwingen die verbliebenen Menschen, ihr Dasein in Schutzbunkern zu fristen. So auch der junge Joel, der denkbar schlecht mit der Post-Apokalypse zurechtkommt. Bis er beschließt, seiner prä-apokalyptische Freundin Aimee in deren Bunker aufzusuchen. Der Haken: ein langer Marsch durch ausgesprochen feindliches Terrain liegt vor dem unerfahrenen Burschen, will er die Angebetete erreichen…

„Godzilla vs Kong“ lässt zum Zeitpunkt dieser Rezension noch auf sich warten, was aber nicht heißt, dass Monster-Fans darben müssen: Mit „Love and Monsters“ hat sich Netflix die Veröffentlichungsrechte für einen Film gesichert, in dem zwar nicht Riesenechse und Gorilla gegeneinander antreten, dafür aber ebenso riesiges Krabbelgetier den Fortbestand der Menschheit bedroht. Grundsätzlich ist das Szenario von „Love and Monsters“ jedenfalls gelungen, gilt es hier doch nicht, eine unmittelbare Bedrohung zu stoppen, wie man es u. a. eben auch aus „Godzilla“ kennt. Im Gegenteil, der Zug ist abgefahren, die Apokalypse bereits geschehen – und der Film zeigt, wie der klägliche Rest der Menschheit damit zurecht kommt. Wobei, ganz so ist es nicht: Der Film verfolgt eigentlich nur den Weg einer Person durch ein sehr ansprechend gestaltetes, post-apokalyptisches Amerika.

Und damit sind wir auch schon beim Thema: „Love and Monsters“ sieht sehr gut aus. Die titelgebenden Viecher sind ausgesprochen gut gemacht und bewegen sich sehr natürlich durch die Landschaft. Blöd ist an der Stelle nur, dass es neben realistischem Getier wie gigantischen Ameisen auch einige Fantasiegeschöpfe gibt, die der Film meines Erachtens nicht gebraucht hätte. Ja, ich weiß, man darf das alles nicht zu ernst nehmen, auch und vor allem, weil es sich in erster Linie um eine Komödie handelt. Und doch hat mich beispielsweise das Aussehen der Krabbe, die gegen Ende auftritt, gestört. Ich bin da wohl sehr eigen… Aber sei’s drum, das ist natürlich kein Grund für eine schlechte Wertung, die Technik stimmt jedenfalls.

Generell ist die gesamte Optik dem doch eher humoristischen Grundton angemessen. Wie sich das äußert? Naja, selten war die Post-Apokalypse so farbenfroh und bunt, wie sie es in „Love and Monsters“ ist. Ich persönlich mag eher düsteres Zeug – aber a) ist auch das natürlich Geschmacksache und b) weiß man nach dem Trailer ja, was einen erwartet. Wer also auf eine Art „Fallout“ für die Leinwand hofft, wird wohl – trotz einiger ähnlicher Elemente – enttäuscht sein.

Flach, wenig Charakter – und nicht wirklich witzig.

Soviel zu den Äußerlichkeiten, kommen wir nun zu den inneren Werten. In Sachen Schauspieler bzw. deren Leistung kann man nicht meckern: Außerordentliche Leistungen bleiben zwar aus, aber zumindest spielt Dylan O’Brien den liebenswerten, leicht unbeholfenen Anti-Helden auf angenehme und unaufdringliche Weise. Die Nebenrollen bleiben weitgehend im Hintergrund, detaillierter ausgearbeitet ist eigentlich niemand bis auf die Hauptfigur – und selbst bei der reicht es nur für charakterliche Andeutungen, was aber durchaus zum sehr leichtfüßigen und lockeren Grundton sowie der schnellen Erzählweise des Films passt. Etwas schade finde ich, dass man es nicht geschafft hat, zumindest dem gegen Ende auftauchenden Bösewicht etwas Charisma zu verpassen. Schwache Leistung an der Stelle – fast, als wäre „Love and Monsters“ für ein Publikum gedacht, das mit wenigstens ansatzweise komplexeren Charakteren nichts anzufangen weiß.

Die Story ist – man kann es sich schon denken – ähnlich simpel wie die Charaktere. Genau genommen ist es die übliche Geschichte vom unfreiwilligen Helden, der sich letzten Endes behaupten kann und den Tag allen Widrigkeiten zum Trotz rettet. Kann man machen, aber auch hier hätte ich mir dann doch ein bisschen mehr Mut und vielleicht die eine oder andere Wendung gewünscht. Überraschungen gibt es keine, nicht mal ansatzweise – es besteht von Anfang an kein Zweifel, dass die Mission gelingt und auch zwischendurch hat man nie das Gefühl, es würde tatsächlich Gefahr für unseren Helden bestehen. Auch das kann man so machen, muss man aber nicht ganz so Reißbrett-mäßig abarbeiten.

Der Mix macht’s (nicht) aus.

Ok, vielleicht ist das alles tatsächlich mein persönliches Problem. Ich finde, wie beschrieben, die Grundannahme des Films sehr gut, schaue mir gerne die Post-Apokalypse an und auch gigantische Insekten haben bei mir einen Stein im Brett. Und: Ich lache schon gern, gibt einige richtig gute Komödien. Nur ist die Kombination aus alledem nicht so toll, was ich aber – ehrlich gesagt – im Vorfeld bereits befürchtet habe. Denn leider ist „Love and Monsters“ nicht nur sehr flach, was ja ok wäre, sondern schlicht und einfach nicht lustig genug. Damit ist es raus: Es gab nur wenige Momente im Film, die mich zum Schmunzeln gebracht haben, von richtigem Lachen rede ich da noch gar nicht. Und auch hier sieht man mich ratlos: Bin ich zu alt? Sind meine falschen Erwartungen an die Post-Apokalypse schuld? Ist das nicht mein Humor? Was ist dann mein Humor (zumindest das weiß ich und nenne hier drei sehr lustige Filme, einer sogar mit einem Riesen-Insekt: „Spaceballs“, „Liebling, ich habe die Kinder geschrumpft“ und „Brust oder Keule“)?

Was bleibt also zu sagen? Nun: „Love and Monsters“ ist kein wirklich schlechter Film. Ich habe mich unterhalten gefühlt, weil mir Ausstattung und Prämisse gefallen haben, der Streifen tut also auf keinen Fall weh. Aber er ist auch nicht spannend, bietet nicht einmal ein Minimum an Tiefgang, keine kantigen Charaktere – und, fast am schlimmsten, ist nicht sonderlich witzig. Damit reicht es für 4 Punkte – kann man sich mal ansehen, ein zweites Mal muss man ihn sich aber eher nicht geben, denn sobald man sich an den Monstern sattgesehen hat (gleiches gilt für die Standard-Action-Szenen) bleibt nicht sonderlich viel übrig.

Gesamteindruck: 4/7


Originaltitel: Love and Monsters.
Regie:
Michael Matthews
Drehbuch: Brian Duffield, Matthew Robinson
Jahr: 2021
Land: USA, Australien
Laufzeit: ca. 110 Minuten
Besetzung (Auswahl): Dylan O’Brien, Jessica Henwick, Michael Rooker, Dan Ewing, Ariana Greenblatt