FilmWelt: Pet

Nein, es geht hier nicht um die allseits unbeliebten Flaschen aus Plastik. „Pet“ ist Englisch und steht für „Haustier“. Ein solches kommt im Film allerdings nur am Rande vor, eigentlich geht es um ganz andere, sehr ernste Dinge.

Gesamteindruck: 3/7


(K)eine Liebesgeschichte.

Krankhafte Obsession und Stalking sind keine Phänomene, die erst mit unserer modernen Gesellschaft entstanden sind – allerdings haben derartige Verhaltensweisen dank Sozialer Medien, Smartphone & Co in jüngerer Zeit beängstigend an Dynamik gewonnen. Psychoterror und körperliche Übergriffe sind keine Seltenheit, sondern kommen in den Nachrichten leider fast schon täglich vor; nach der Dunkelziffer fragt man besser erst gar nicht. Dieser brisanten Thematik widmet sich „Pet“, ein Film des spanischen Regisseurs Carles Torrens.

Worum geht’s?
Der introvertierte Seth hätte zu gerne, dass sich die hübsche Holly für ihn interessiert. Als das auf normalem Wege nicht klappt, beginnt Seth, seine Traumfrau in den sozialen Medien und im wirklichen Leben zu stalken, um so vielleicht Zugang zu ihr zu finden. Als auch das nicht funktioniert und er sogar von Hollys Ex-Freund verprügelt wird, beschließt Seth, die blonde Schönheit zu ihrem Glück zu zwingen…

Falls es jemandem wie mir geht und er krampfhaft überlegt, wieso ihm der Schauspieler, der den Seth spielt, so bekannt vorkommt: Ja, es ist tatsächlich Dominic Monaghan, dem breiten Publikum vor allem als Merry aus der „Der Herr der Ringe“-Trilogie (2001 bis 2003) ein Begriff. Dessen Mimik ist ausgesprochen markant, dennoch musste ich erst einmal seine Filmografie nachschlagen, um Klarheit zu bekommen. Dass ich das getan habe, kommt nicht von ungefähr: „Pet“ fängt überaus stark an und punktet mit einer spannenden Story nebst ausgezeichneten Leistungen sowohl von Monaghan als auch seiner Kollegin Ksenia Solo. Letztendlich ist es aber tatsächlich britische Schauspieler, der hier voll und ganz überzeugt und die Grätsche zwischen sensiblem Tierpfleger und obsessivem Stalker geradezu perfekt schafft. Ich sage es rundheraus: Man kann es mit der Angst zu tun bekommen, wenn man beobachtet, wie methodisch Seth agiert und wie lebendig Monaghan diese Rolle spielt.

Fragwürdiger Twist.

Ich glaube, ich verrate nicht zu viel (und ein Blick auf das Filmposter macht es ohnehin klar): Letztlich landet das Stalking-Opfer in einem Käfig, wird also zu einer Art Haustier. Leider verflacht die anfangs so interessante und spannende Handlung ab diesem Zeitpunkt zusehends. Die Dialoge, die sich um Liebe, um Besitz und Besessenheit drehen, sind anstrengend, bemüht philosophisch – und führen letztlich nirgendwohin. Im Nachhinein hatte ich das Gefühl, dass der Regisseur gar nicht so viel zu sagen hatte, wie das Thema eigentlich hergeben würde. Mein Eindruck war eher, dass er einen Rahmen für einen Twist zur Mitte und einen kleineren am Ende konstruieren musste – was so gesehen ein einigermaßen vernichtendes Urteil ist.

Auf den genannten Plot-Twist möchte ich noch etwas genauer eingehen: In Sachen Spannung hat mich der Regisseur an dieser Stellt zumindest kurzfristig wieder an Bord geholt – so richtig kann „Pet“ dieses neu gewonnene Momentum allerdings nicht ausnutzen. Zumindest fragwürdig ist aber ein anderer Aspekt dieser Schlüsselstelle: Sie ist einerseits zwar eine unerwartete und damit auch spannende Idee – andererseits torpediert sie die Intention, die dramatischen Folgen des oft immer noch als Kavaliersdelikt behandelten Stalkings zu thematisieren. Ich sage es rund heraus: Aus dramaturgischer Sicht mag es sinnvoll sein, das Opfer zu einem Täter zu machen, der Sache tut man damit aber keinen Gefallen, ganz im Gegenteil: Alles, was vorher an Mitgefühl für die ohne eigene Schuld in eine beängstigende und missliche Lage geratene Holly aufgebaut wurde, geht schlagartig verloren und wird durch ein Gefühl ersetzt, das verdächtig in Richtung „geschieht ihr recht“ geht. Mir persönlich gefällt das überhaupt nicht; habe ich vielleicht etwas zu viel in den Anfang des Films interpretiert und der Regisseur hatte gar nie die Intention, den Finger in eine offene Wunde unserer Gesellschaft zu legen? Ich weiß es nicht.

Handwerklich nicht immer top.

Vergleichsweise unbedeutend machen sich da ein paar handwerkliche Schwächen aus, die wohl aus dem ambivalenten Erzähltempo resultieren: Während der, ich nenne es mal so, „1. Akt“ von kühler, berechnender Methodik lebt, hat man im weiteren Verlauf das Gefühl, dass es entweder an Ideen oder der Ausarbeitung derselben gefehlt hat. Dadurch wirkt alles überhastet, oder, noch schlimmer: Unrealistisch und weit hergeholt. So fragt man sich z. B. ständig, wieso der Übeltäter nicht erwischt wird, wieso es keine Hausdurchsuchung gibt, wenn der Sicherheitsmann das Gebäude offenbar nie verlassen hat usw. Schade ist in dieser Hinsicht auch, dass die Polizeiermittlungen, die ein bisschen an „American Psycho“ (2000) erinnern, nur angerissen werden. Das war mir viel zu wenig und lässt im Vergleich zur ersten Hälfte des Films eindeutig an Realitätsnähe vermissen, ebenso die im Verlauf der Handlung zunehmend irrationalen Verhaltensweisen aller Figuren. Einige Gore-Effekte wirken fast, als hätte man dadurch versucht, mangelnden Inhalt zu kaschieren. Merkwürdig und unrealistisch, wenn auch nicht sonderlich überraschend, ist übrigens das Ende; nicht, dass das dann noch viel ausmachen würde.

Fazit: Anfangs durchaus unterhaltsam und hochspannend, verliert „Pet“ mit zunehmender Dauer massiv an Tiefe und zieht sich auf höchst fragwürdige Art aus der Affäre, um ein reales Problem unserer Gesellschaft nicht erschöpfend thematisieren zu müssen. Sehr schade, die schauspielerischen Leistungen und die Grundatmosphäre des Films wären ausgezeichnet gewesen – nur sie sorgen im Endeffekt für ganz knappe und mit ordentlich Bauchweh vergebene 3 Punkte.

Gesamteindruck: 3/7


Originaltitel: Pet.
Regie:
Carles Torrens
Drehbuch: Jeremy Slater
Jahr: 2016
Land: USA, Spanien
Laufzeit: ca. 95 Minuten
Besetzung (Auswahl): Essie Davis, Noah Wiseman, Hayley McElhinney, Barbara West, Daniel Hanshalt



FilmWelt: His House

Das Spukhaus ist im Horror-Genre ein altbekanntes und nicht tot zu kriegendes Motiv. Dass es zu diesem Thema noch etwas Neues zu sehen gibt, hätte ich eigentlich nicht erwartet – und doch schafft es „His House“ (2020), einer eigentlich sehr alten Geschichte aktuelle Facetten hinzuzufügen.

Gesamteindruck: 5/7


Der Horror nach der Flucht.

„His House“ soll – so habe ich es irgendwo gelesen – der beste Horrorfilm des Jahres 2020 sein. Ich erlaube mir dazu kein Urteil, schlicht, weil ich das aktuelle Filmgeschehen kaum verfolge. Ich glaube sogar, dass „Kadaver“ der einzige Horrorstreifen aus dem Jahr 1 der Corona-Pandemie ist, den ich gesehen habe. Und auch wenn „His House“ die norwegische Version der Postapokalypse klar schlägt, wäre es unfair, zu behaupten, Remi Weekes‘ Werk würde nur mangels Alternativen gelobt.

Inhalt in Kurzfassung
Bol und Rial haben es geschafft: Sie sind aus den Wirren ihrer vom Krieg heimgesuchten Heimat entkommen und haben die Flucht nach Europa überlebt. Irgendwo in England wird dem Ehepaar schließlich – vorerst auf Probe – Asyl gewährt und ein heruntergekommenes Haus als Bleibe zugestanden. Bald merken die beiden, dass es dort nicht mit rechten Dingen zugeht – oder ist es vielleicht doch „nur“ das Trauma der Flucht, das sie quält?

„His House“ beginnt, wie sollte es anders sein, mit der Vorstellung der Charaktere. Regisseur Remi Weekes geht diese Prozedur aber ein wenig anders an: Er beschreibt weniger die Personen an sich sondern konzentriert sich eher auf die traumatisierende Erfahrung der Flucht aus der kriegsgebeutelten Heimat. Natürlich erfährt man das eine oder andere über die zwei Hauptfiguren, im Wesentlichen sind die Charaktereigenschaften aber eher angedeutet. Interessanterweise reicht das aus, um Bol und Rial sehr plastisch wirken zu lassen, was, neben einem guten Drehbuch, vor allem der exzellenten Darstellung durch Sope Dirisu und Wunmi Mosaku geschuldet ist.

Blendet man die Horror-Elemente aus oder sieht sie als Folge der psychischen Belastung der Flucht, funktioniert „His House“ als Flüchtlingsdrama. Als solches zeigt der Film nicht nur die verstörende Komponente der Flucht an sich, sondern geht auch ungeschönt darauf ein, wie weit Menschen gehen würden, wenn Angst und Verzweiflung groß genug sind. So gesehen ist „His House“ ein zwar verhältnismäßig schlichter, will sagen: wenig tiefgehender, aber doch einigermaßen ausgewogener Beitrag zur Flüchtlingsthematik.

Realität vs. Horror – oder beides.

Freilich ist das alles Interpretationssache. Wer sich damit nicht allzu sehr auseinandersetzen möchte, muss das nicht – und sieht meiner Ansicht nach dennoch einen guten Horrorfilm. Der Nervenkitzel ist durchaus gegeben, wenn sich die Stimmung der neuen Hausbesitzer von anfänglicher Freude langsam aber stetig in Richtung Angst und Schrecken ändert. Der Spuk, der im Haus umgeht, ist ausgezeichnet umgesetzt und kommt im Großen und Ganzen ohne überbordende Brutalität aus. Lediglich ein oder zwei arg vorhersehbare Jump Scares und die gegen Ende viel zu deutliche und damit entzaubernde Darstellung des Bösen trüben das Vergnügen ein wenig. Ansonsten sei an dieser Stelle aber speziell der männliche Hauptdarsteller Sope Dirisu hervorgehoben, der die Angst, die sein Charakter ständig erlebt, aber auch dessen Entschlossenheit, um sein Haus zu kämpfen, ausgesprochen realistisch rüber bringt.

Im Endeffekt ist es aus meiner Sicht aber tatsächlich die Kombination aus dem realen Drama der Flucht und dem metaphysischen Fluch, der auf dem Haus und dem Ehepaar lastet, der „His House“ weit über den Grusel-Durchschnitt hinaushebt. Denn beides für sich genommen ist zwar gut gemacht, aber nichts, was man nicht anderswo im einen Fall tiefgründiger, im anderen unheimlicher bekommen könnte. Es klingt wie ein Klischee, ist aber dennoch so: Die Mischung macht’s. Und die schafft im Falle dieses Films etwas Neues, Unverbrauchtes, in dem sehr unterschiedliche aber dennoch altbekannte Elemente neu gemischt und verpackt werden.

Gesamteindruck: 5/7


Originaltitel: His House.
Regie:
Remi Weekes
Drehbuch: Felicity Evans, Remi Weekes, Toby Venables
Jahr: 2020
Land: Großbritannien
Laufzeit: ca. 90 Minuten
Besetzung (Auswahl): Wunmi Mosaku, Sope Disiru, Matt Smith, Javier Botlet, Emily Taaffe



FilmWelt: Der Kreis

50 Menschen erwachen ohne zu wissen, wie sie dort hingekommen sind und was sie dort sollen, in einem dunklen Raum. Zu sehen sind nur sie selbst und ein Kreis aus Lichtern und Pfeilen am Boden sowie ein merkwürdiges Gerät in der Mitte. Die Regeln müssen sie bald auf die harte Tour lernen: Wer seinen Platz verlässt, stirbt; wer einen anderen Menschen berührt, stirbt. Und: Alle zwei Minuten stirbt jemand, der keine dieser Regeln gebrochen hat – allerdings können sie beeinflussen, wer als jeweils Nächster ins Gras beißen muss. Doch wie soll man unter völlig Fremden eine solche Entscheidung treffen? 

Gesamteindruck: 5/7


Die Mehrheit entscheidet.

„Der Kreis“ (im Original „Circle“) aus dem Jahr 2015 ist filmischer Minimalismus par excellence. Im Wesentlichen spielt sich alles in einem einzigen Raum ab, es gibt praktisch nur die 50 Personen, die man gleich zu Beginn sieht. Und auch die Ausstattung ist denkbar spartanisch: Die Szenerie ist komplett dunkel, lediglich ein paar Lichtfelder am Boden und die Figuren sind zu sehen. Schnitte gibt es zwar, längere Kamerafahrten über Teile des Kreises machen jedoch einen ähnlich großen Teil der Optik aus. Und auch zu hören gibt es nicht allzu viel, sieht man von den Dialogen ab. Die Action beschränkt sich auf die Eliminierung von Personen, die sich im zwei-Minuten-Takt abspielt und kurz und schmerzlos erfolgt.

Es passiert also nicht überbordend viel in diesem Film. Wieso zum Teufel sollte man also überhaupt einschalten? Nun, es geht um nicht mehr und nicht weniger als direkte Demokratie in Reinkultur. Mit dem Unterschied, dass derjenige, der die Abstimmung verliert, stirbt. Zugegeben: Diese Konsequenz ist drastisch und überzeichnet, dennoch zeigt „Der Kreis“, wie anfällig für Manipulation und Populismus ein System, in dem alle Beteiligten direkt und anonym abstimmen, sein kann. Immer wieder stellt der Film neue „Helden“ aus seinem zusehends kleiner werdenden Fundus in den Mittelpunkt, die versuchen, den Rest der Gemeinschaft für ihre Ideen zu gewinnen. Die einen machen das aus ehrlicher Überzeugung und moralischen Erwägungen, die anderen starten schlicht einen Versuch, sich selbst irgendwie zu retten. Beiden gemein ist, dass sie unbedingt eine einfache Mehrheit erringen müssen.

Das Problem dabei ist, dass die Entscheidung, die als Gruppe zu treffen ist, immer den Tod eines Individuums zur Folge hat (übrigens auch ein Unentschieden). Wie also bestimmen, wer es wert ist, weiterzuleben? All das wird im Film ausgiebig diskutiert, verschiedene Möglichkeiten werden ausgelotet und umgesetzt – oder verworfen. Und all das unter mörderischem Zeitdruck. Ein wenig erinnert das an eine verschärfte Variante des Spiels „Die Werwölfe von Düsterwald“, bei dem es ja auch darum geht, das Wahlverhalten der Mitspieler entscheidend zu beeinflussen.

Lebt von Dialogen.

Ob man es glaubt oder nicht: „Der Kreis“ ist trotz – oder gerade wegen – seines Minimalismus sehr spannend. Das liegt an guten Dialogen, vor allem aber auch an den Schauspielern, die diese überzeugend vortragen. Übrigens ist die Truppe großteils völlig unbekannt. Mir hat der Film praktisch durchgehend gut gefallen, wobei ich nicht verhehlen möchte, dass die eine oder andere Szene typisch amerikanisch anmutet – für den durchschnittlichen europäischen Zuschauer also höchst klischeehaft daherkommt. Ein richtiges Problem sehe ich darin allerdings nicht, wohl aber an zwei anderen Stellen: Einerseits ist da das Ende des Films, das ich so nicht gebraucht hätte. Ich glaube, ohne konkrete Auflösung wäre eine längere Nachwirkung des Gesehenen möglich gewesen, obwohl die Neugier dann natürlich umso stärker genagt hätte.

Andererseits habe ich ja schon geschrieben, dass es keine konkrete Hauptfigur gibt, sondern immer wieder im Film ein anderer Charakter die Führungsrolle übernimmt. Diese Übergänge sind teilweise ziemlich abrupt; überhaupt bleibt die Frage, wieso jemand, der im letzten Drittel des Films das große Wort führt, bis dahin nichts oder kaum etwas gesagt hat. Das ist nun kein Beinbruch und der Dramaturgie geschuldet (immerhin starten wir hier mit 50 Figuren was schon einen eklatanten Unterschied zu üblichen Gruppengrößen in Filmen ausmacht), sorgt aber in einigen Szenen doch für ein wenig bitteren Beigeschmack. Ob und wie man das hätte besser lösen können? Keine Ahnung, vielleicht hätte eine halb so große Gruppe gereicht.

Wie dem auch sei: „Der Kreis“ ist ein guter Film mit nur ganz kleinen Längen. Sollte jedem, der sich für Psychologie, Meinungsmache, Manipulation und ähnliches interessiert, gefallen. Wer allerdings Horror und/oder Splatter sucht, wie es z. B. in Teilen des ähnlich gelagerten „Cube“ vorkommt, ist hier fehl am Platze.

Gesamteindruck: 5/7


Originaltitel: Circle.
Regie: Aaron Hann, Mario Miscione
Drehbuch: Aaron Hann, Mario Miscione
Jahr: 2015
Land: USA
Laufzeit: ca. 90 Minuten
Besetzung (Auswahl): Allegra Masters, Aimee McKay, Ahley Key, Autumn Federici, Carter Jenkins, Julie Benz, Michael Nardelli, Cesar Garcia



 

SpielWelt: Layers of Fear

Man sagt Künstlern ja nach, dass bei ihnen die Linie zwischen Genie und Wahnsinn besonders fein ist. Eine Ahnung davon, wie sich das anfühlen könnte, bekommt man in „Layers of Fear“, einem clever arrangierten Horror-Abenteuer.

Gesamteindruck: 4/7


Villa des Wahnsinns.

Gerade bin ich durch eine Tür in einen langen Gang gekommen. Ich meine, hinter mir ein Geräusch zu hören, drehe mich um – und sehe, dass die Tür zugefallen ist. Ich drehe mich weiter und merke mit Entsetzen, dass ich in keinem Gang mehr bin, sondern in einem kleinen, quadratischen Raum mit einer Tür an jeder Wand… Dieses und ähnliche Erlebnisse tragen sich in „Layers of Fear“ zu und verbreiten mehr Schrecken beim Spieler, als man aus der Beschreibung mit schnöden Worten entnehmen kann.

Die Handlung in Kurzfassung
Als namenloser Künstler tappt man in „Layers of Fear“ durch ein mehr oder weniger verfallenes Herrenhaus – immer auf der Suche nach seiner Vergangenheit und dem eigenen Verstand. Aus Dingen wie Briefen oder Zeitungssausschnitten rekonstruiert man nach und nach die Ereignisse, die zum bedenklichen Geisteszustand des Hausherren geführt haben. 

Eigentlich muss man jenen Rezensenten Recht geben, die „Layers of Fear“ als eine Art Walking Simulator bezeichnen. Denn auf den ersten Blick ist das Horror-Adventure genau das: Aus der Ego-Perspektive schreitet man relativ linear durch die Gänge und Zimmer der geräumigen Villa. Ein paar Rätsel gibt es zwar, die sind meist aber recht simpel gehalten und stellen erfahrene Spieler vor keinerlei Probleme. Ansonsten tut man nicht viel, sieht man vom Öffnen hunderter Schubladen und Schränke ab. Diese Tätigkeit nervt mit der Zeit übrigens ziemlich, ist aber notwendig, weil sich die Story des Spiels erst nach und nach durch das Lesen diverser Notizen, Briefe und Zeitungsschnipsel zusammenfügt. Wer die nicht findet, kann „Layers of Fear“ zwar dennoch beenden, wird aber vermutlich nicht alle Zusammenhänge verstehen.

Dieser Spielaufbau ist grundsätzlich clever und erinnert an Titel wie „BioShock“ oder „Dead Space“, die ja auch erst nach einer Katastrophe spielen und im Wesentlichen von deren Rekonstruktion handeln. Der Unterschied: Statt im Weltraum oder unter Wasser tappt man in „Layers of Fear“ durch ein Haus, was naturgemäß realistischer ist und die Identifikation mit der Hauptfigur erleichtert. Wobei: Je weiter sich die Story entspinnt, desto weniger möchte man der namenlose Künstler sein, der zusehends dem Wahnsinn zu verfallen scheint. Dann ist es allerdings schon zu spät und man fühlt sich mit dem Protagonisten seltsam verbunden.

Erzählstruktur und Story sind also gelungen. Ebenso der unaufdringliche Sound, der aus sanfter Musik und zur jeweiligen Situation passender Geräuschkulisse besteht und die düstere Grafik. Interessant übrigens: Im Haus sind diverse Kunstwerke realer Maler zu sehen. Die angsteinflößenden Momente sind eine Mischung aus bedrohlich-ruhigen Passagen und Jump Scares, die gelegentlich arg vorhersehbar sind. Insgesamt erinnert das Ganze dann aber doch mehr an Lovecraft und Poe und weniger an einen Splatter-Film.

Wenig Abwechslung.

Wieso es trotzdem nicht zu einer besseren Wertung reicht, ist schnell erklärt. Erstens ist das Spiel sehr kurz ausgefallen: Nach 3 bis 4 Stunden hat man es durch. Wer ein paar Hinweise übersehen hat, wird vielleicht einen zweiten Durchgang starten, der dann auch ein bisschen anders ausfällt. Denn es gibt tatsächlich verschiedene Enden zu bewundern – ein anderes Problem macht den Wiederspielwert dann aber doch eher zweifelhaft: „Layers of Fear“ fehlt es eindeutig an Abwechslung. Ja, es gibt immer mal wieder wohlige Schauer, aber man macht im Endeffekt doch recht wenig und geht einfach nur im Haus herum. Gäbe es das eine oder andere zusätzliche Rätsel, würde ich vielleicht in die Villa des Wahnsinns zurückkehren. So aber nicht, weil ich einfach keine Lust habe, zum X-ten Mal den gleichen Gang mit den gleichen Vertäfelungen entlang zu schleichen.

Schade, die Story und das Setting rund um Schuld, Sühne, Rache und Sucht hätte durchaus noch mehr Potenzial gehabt. So muss es für immer noch gute 4 Punkte reichen.

Gesamteindruck: 4/7


Genre: Adventure
Entwickler: Bloober Team
Publisher: Aspyr Media
Jahr:
2016
Gespielt auf: PC


SpielWelt: Distraint

„Distraint“, ein Projekt des Finnen Jesse Makkonen, ist ein gutes Beispiel dafür, wie es Indie-Programmierer immer wieder schaffen, großen Entwicklern ein paar Nadelstiche zu versetzen: Welcher namhafte Software-Gigant würde schon als Hauptfigur einen Typen ins Rennen schicken, der im Auftrag einer skrupellosen Firma unwillige Mieter aus ihrer Wohnung ekeln soll?

Gesamteindruck: 5/7


Wahnsinn in 2D.

Was auf den ersten Blick überhaupt nicht nach einem Thema aussieht, das sich als spannendes Adventure umsetzen lässt, entpuppt sich als verstörender Psychotrip um Schuld und Sühne, um Gewissensbisse und Existenzängste. Das Spiel, wenn man es überhaupt so nennen möchte, bezieht seinen ganz besonderen Reiz aus zwei Quellen: Einerseits ist es die Geschichte, die wenig spektakulär ist, was sie aber merkwürdig realitätsnah macht und ein ungemein bedrückendes Gefühl hinterlässt. Andererseits ist die Präsentation, vor allem die düstere Grafik, geeignet, den Spieler den Wahnsinn, dem die Hauptfigur zusehends verfällt, regelrecht spüren zu lassen.

Die Handlung in Kurzfassung
Price hat ein ehrgeiziges Ziel: Er möchte Partner in der Firma „McDade, Bruno & Moore“ werden. Sein Job: Rebellische Mieter und Eigentümer zum Verkauf und Auszug zu bewegen. Mit allen Mitteln. Das Problem: Für eine solche Arbeit muss man geschaffen sein und Price ist es eindeutig nicht. Geplagt von Schuldgefühlen verschwimmen für ihn zusehends die Grenzen zwischen Realität und Fantasie – der Wahnsinn scheint die unabwendbare Folge zu sein. 

Auch wenn sich „Distraint“ der Mechanik des klassischen Point & Click-Adventures bedient, will das Spiel nicht so richtig in diese Schublade passen. Ja, man verfolgt das Geschehen aus der 2D-Seitenansicht, löst ein paar Rätsel, sammelt und benutzt Gegenstände, um voranzukommen. Allerdings ist das für mein Gefühl eher Beiwerk; der Fokus liegt klar auf einer sinisteren Atmosphäre. Damit die auch wirklich jeder Spieler voll und ganz auskosten kann, ist der Schwierigkeitsgrad von „Distraint“ weit unten angesiedelt. Probleme mit dem Durchspielen sollte daher niemand haben – die Lösung der Rätsel ist entweder logisch oder erschöpft sich im Ausprobieren bzw. im Benutzen von allem mit jedem. Sackgassen gibt es nicht und auch sonst gibt es kaum jemals Zweifel daran, was als nächstes zu tun ist.

Unepisches Finale.

Wie kann ein solches Spiel – das mit einer Dauer von etwas über 2 Stunden noch dazu ungewöhnlich kurz ausgefallen ist – dennoch so gefangen nehmen? So genau weiß ich das auch nicht, es scheint aber tatsächlich an der Kombination aus Optik (nach Möglichkeit nachts spielen), Akustik (unbedingt mit Kopfhörern spielen) und Story zu liegen. „Distraint“ ist von vorne bis hinten unglaublich düster. Wobei es nicht die oben angerissene Handlung an sich ist, die den Spieler in den Bann zieht – nein, es sind eher die Abgründe in der Seele der Spielfigur, die sich immer weiter auftun und auch die Person vor dem Bildschirm zu verschlingen drohen.

Ich merke gerade, dass mir die richtigen Worte fehlen, um das Erlebnis „Distraint“ adäquat zu beschreiben. Ich denke, man muss es selbst spielen, um die Faszination nachvollziehen zu können, die es ausübt – oder auch nicht, ich gehe stark davon aus, dass man eine Ader für eine derartige Atmosphäre haben muss, um wirklich Gefallen daran zu finden. Wer mit Figuren, die sich optisch an Karikaturen orientieren und relativ farbarmer Grafik (beides ist der Atmosphäre sehr zuträglich) etwas anfangen kann und auch mit einer unkomfortablen Steuerung (auch das hebt „Distraint“ von den alten Adventures ab, allerdings nicht positiv!) umgehen kann, wird seine …hmmm… „Freude“ mit diesem Psychotrip in 2D haben.

Abzüge gibt es für den geringen Umfang und die merkwürdig anmutende, wenig intuitive Tastatursteuerung.

Gesamteindruck: 5/7


Genre: Adventure
Entwickler: Jesse Makkonen
Publisher: Jesse Makkonen
Jahr:
2015
Gespielt auf: PC


SerienWelt: Der Pass – Staffel 1

„Der Pass“ ist eine deutsch/österreichische Co-Produktion. Allein deshalb könnte man meinen, die Serie würde sich unversehens auf die Gegensätze zwischen zwei Nationen, die sogar die gemeinsame Sprache trennt, stürzen. Sieht man die Vorschau, denkt man hingegen vielleicht an einen Mystery-Thriller. Beide Annahmen enthalten ein Körnchen Wahrheit, sind aber bei weitem keine bestimmenden Elemente – vielmehr haben wir es hier mit einer eiskalt inszenierten Jagd auf einen grausamen Verbrecher zu tun, die auch von bekannten Hollywood-Größen nicht besser hätte verarbeitet werden können.

Gesamteindruck: 6/7


Grenzfall.

Dabei liest sich die Rahmenhandlung der deutsch/österreichischen Produktion „Der Pass“ zunächst nicht sonderlich aufregend. Der vom Duo Philipp Stennert und Cyrill Boss verarbeitete Stoff unterscheidet sich – so jedenfalls der oberflächliche Eindruck – nicht sonderlich von dem, was man aus zahllosen Folgen „Criminal Minds“, „C.S.I. Miami“ und wie sie alle heißen, kennt. Sieht man sich die 8 Folgen der 1. Staffel (eine zweite wurde bereits in Auftrag gegeben) jedoch an, merkt man schnell, dass nicht nur die geografische Herkunft der Serie außergewöhnlich ist.

Inhalt in Kurzfassung
Auf einem Gebirgspass zwischen Österreich und Deutschland wird eine Leiche gefunden. Weil der augenscheinlich Ermordete genau auf einem Grenzstein drapiert wurde, sind Beamte aus beiden Ländern für den Fall zuständig – auf deutscher Seite ermittelt die tüchtige, junge Kommissarin Ellie Stocker, ihr Gegenüber ist der zynische Inspektor Gedeon Winter. Der interessiert sich zunächst wenig für den Mord, erst als weitere, ähnlich zugerichtete Leichen gefunden werden, wird klar, dass das ungleiche Paar zusammenarbeiten muss, um den Serientäter zu stoppen.

Zunächst ist festzuhalten, dass die Jagd nach dem Mörder, der der Polizei immer einen Schritt voraus zu sein scheint, extrem spannend inszeniert ist. Der dramaturgische Aufbau passt sehr gut; man lernt zunächst die beiden Ermittler kennen, wobei gerade die richtige Dosis an Privatleben einfließt. Der Interaktion zwischen den Hauptdarstellern Julia Jentsch (Stocker) und Nicholas Ofczarek (Winter) wird viel Raum gegeben und die beiden harmonieren ausgezeichnet miteinander. Dadurch fällt es dem Zuschauer nicht schwer, sich mit den Figuren, die mit ihren kleinen Stärken und großen Schwächen sehr realistisch wirken, zu identifizieren. Und auch die relativ frühe Begegnung des Publikums mit dem Mörder passt vom Timing her gut, obwohl es im ersten Moment merkwürdig ist, dass man den Antagonisten so früh bereits kennt. Dessen Rolle wurde mit Franz Hartwig ebenfalls gut besetzt, die von ihm ausgestrahlte Kälte und absolute Kontrolle in jeder Situation lassen ihn tatsächlich bedrohlicher erscheinen, als das in vielen aktuellen Produktionen der Fall ist.

Schauspieler und Handlung: Top!

Die schauspielerischen Leistungen sind durch die Bank gut, das betrifft sowohl Haupt- als auch Nebendarsteller. Eventuell könnte man Nicholas Ofczarek leicht übertriebenes Spiel vorwerfen, andererseits war das wohl notwendig, um den Kontrast zu seiner deutschen Kollegin noch stärker hervorzuheben. Mir hat seine Darbietung (und letztlich auch die Entwicklung seines Charakters) nach einer kleinen Eingewöhnungsphase jedenfalls gefallen. Positiv sind im Übrigen auch der hervorragende Soundtrack, der die bedrückende Stimmung perfekt untermalt und die Optik der Serie, die einerseits den Winter in den Bergen direkt in die eigenen vier Wände zu holen scheint, andererseits die Schön- und Wildheit der Natur außergewöhnlich gut einfängt.

Zur Handlung selbst: Ja, vordergründig ist „Der Pass“ ein klassisches Katz-und-Maus-Spiel zwischen einem überaus intelligenten Verbrecher, der ganz auf sich gestellt eine Hundertschaft an Ermittlern beschäftigt, die seiner einfach nicht habhaft werden können. Garniert ist diese Geschichte mit persönlichen Problemen der Ermittler und der einen oder anderen dramatischen Wendung. Übrigens: Die Klischees, die sich aus der kulturellen Diskrepanz zwischen Deutschland und Österreich ergeben könnten, werden in dieser Serie fast völlig vermieden, wenn man von kleineren Anspielungen absieht. Gute Entscheidung, wie ich finde.

Integriert in die trotz allem eher konventionelle Jagd nach dem Serientäter bietet „Der Pass“ eine Vielzahl an weiteren Aspekten, die man anhand der Inhaltsangabe so vielleicht nicht erwarten würde. So wird u.a. die Frage gestellt, ob in der Polizeiarbeit der Zweck die Mittel heiligt, wenn es darum geht, einen dermaßen gefährlichen Verbrecher zu fassen. Auch die Rolle von Presse (Stichwort: Sensationslust) und sozialen Medien (Selbstdarstellung) wird kritisch hinterfragt, dazu kommt – einigermaßen subtil verpackt – das aktuell allgegenwärtige „Ausländerthema“ nebst politischer Komponente, ein Handvoll Psychologie und ein wenig Brauchtum.

Alles in allem eine sehr schöne Kombination, die meiner Meinung nach nahezu perfekt umgesetzt wurde. Kleinere Längen nimmt man in diesem Fall gerne in Kauf. Sie verhindern zwar die Höchstwertung, aber eine der besten Serien, die man aktuell sehen kann, ist „Der Pass“ definitiv.

Gesamteindruck: 6/7


Originaltitel: Der Pass
Regie: Philipp Stennert, Cyrill Boss
Land: Deutschland, Österreich
Jahr: 2019
Episoden: 8
Länge: ca. 45 Minuten
Gesehen auf: Sky
Haupt-Besetzung (Auswahl): Julia Jentsch, Nicholas Ofczarek, Franz Hartwig, Hanno Koffler, Lucas Gregorowicz, Lukas Miko, Natasha Petrovic, Martin Feifel



 

FilmWelt: Funny Games

Ich überlege gerade, warum es so schwer fällt, eine Rezension zu diesem Film zu schreiben. Ist er intellektuell so herausfordernd, dass er sich einer Analyse meinerseits verschließt? Fehlt es an Handlung, an Spannung oder an schauspielerischer Leistung? Ist die Botschaft nicht klar? Ich bin mir ehrlich gesagt nicht sicher; wie ich mir auch nicht sicher bin, ob das, was ich unten über den Film und wie er mir gefallen hat schreibe, überhaupt Sinn ergibt. Merkwürdig.

Gesamteindruck: 4/7


Gewalt um ihrer selbst Willen.

Beim Ansehen von „Funny Games“, einem Film des nicht gerade zimperlichen österreichischen Regisseurs Michael Haneke, beschleicht den Zuschauer ein merkwürdiges Gefühl: Einerseits gibt es Anleihen aus „Uhrwerk Orange“, z.B. die weiße Kleidung der Bösewichte oder die Gewalt, die scheinbar völlig grundlos und unaufhaltsam über die Opfer hereinbricht. Andererseits geht „Funny Games“ das groteske Szenario ab, das Stanley Kubricks gefeierte Satire u.a. auszeichnet, aber auch etwas „weicher“ macht. „Funny Games“ ist nämlich so gestaltet, dass a) man die ganze Zeit den Eindruck hat, selbst in eine solche Situation geraten zu können und b) Haneke das Publikum sozusagen als (Mit-)Ursache der Gewalt einbindet. Ein interessanter Ansatz – der meines Erachtens aber nicht konsequent genug verfolgt wurde.

Inhalt in Kurzfassung
Der Urlaub einer dreiköpfigen Familie an einem See wird jäh gestört, als zwei junge Männer mit zunächst außerordentlich höflichen Umgangsformen auftauchen. Schnell zeigt sich, dass die Besucher nicht mehr freiwillig gehen wollen und sich auch nicht vertreiben lassen.

„Funny Games“ polarisiert. Das ist bei einem Haneke-Film nicht ungewöhnlich und war offenbar auch schon bei seiner Premiere in Cannes so. Doch warum eigentlich? Aus heutiger Sicht ist das gar nicht so leicht nachzuvollziehen. Klar: Es gibt kein Happy End, die Situation, in der Regisseur seine Figuren bringt, ist ausweglos, eine Erklärung für das, was ihnen widerfährt, gibt es nicht. All das erzeugt natürlich ein äußerst ungutes Gefühl und macht „Funny Games“ für den normalen Filmkonsumenten sehr unbequem. Eine klare Linie, ob der Film nun ein Meisterwerk oder doch eher billige Provokation ist, lässt sich nur sehr unbefriedigend ziehen, wie ich finde.

Rein auf die Handlung bezogen ist „Funny Games“ meiner Meinung nach ein solider Film. Die Situation, in den eigenen vier Wänden als Geisel genommen zu werden und nichts dagegen tun zu können ist gut erzählt und löst die gewünschte Angst beim Zuseher aus. Dass die Antagonisten nicht sagen, was sie wollen, es sich weder um eine Lösegeld-Erpressung noch um einen Raubüberfall handelt, dass es auch keine Psychoanalyse gibt, in der eine schwierige Kindheit o.ä. für ihre Taten verantwortlich gemacht wird – all das empfinde ich als sehr unkonventionell und spannend, weil „anders“. Auf dieser Ebene funktioniert „Funny Games“ zumindest bei mir uneingschränkt gut – und das bis zum Schluss. Kritisieren könnte man allenfalls Kleinigkeiten, z. B. wirkt die Sprache im Gegensatz zum allgemeinen Habitus der Hauptpersonen arg gekünstelt. Etwas weniger Hochdeutsch und etwas mehr Dialekt hätten an dieser Stelle Wunder gewirkt.

Interessant – und eigentlich gegen die These der reinen Provokation sprechend – ist, dass die Gewalt, von der der Film geprägt ist, kaum zu sehen ist. Jedenfalls nicht so, wie man sich das vorstellt. Und das hat nicht nur damit zu tun, dass sich die Zeiten geändert haben („Funny Games“ feierte ja vor über 20 Jahren seine Premiere). Auch damals gab es wesentlich explizitere Darstellungen als Haneke sie seinem Publikum zumutet. Allerdings ist das, was abseits der Kamera passiert, was nur zu hören ist (z.B. Schmerzensschreie, Weinen usw.) schon sehr starker Tobak und trägt letztlich mehr zum Flair der Brutalität bei als man meinen könnte.

Zweite Ebene überzeugt nicht ganz.

Doch „Funny Games“ spielt auch noch auf einer zweiten Ebene. Zu diesem Zweck wird die berühmte „4. Wand“ immer wieder durchbrochen, der Zuseher direkt angesprochen – so bieten die Antagonisten dem Publikum beispielsweise Wetten an, wer als nächstes stirbt. Diese Idee finde ich grundsätzlich gut, an der Umsetzung hapert es für mein Dafürhalten aber. Denn die Ansprache des Zuschauers fällt dermaßen leger und „nebenbei“ aus, dass dieser Aspekt des Films fast untergeht. Noch dazu zeigt sich an dieser Stelle, dass das Mitleid, das man mit der gepeinigten Familie empfindet, gar nicht so groß ist, wie Haneke es sich vermutlich gewünscht hat. „Schuld“ an diesem Umstand könnte sein, dass einer der beiden Bösewichte, der von Arno Frisch gespielte Paul, dem restlichen Ensemble in Sachen Charisma deutlich überlegen ist. Dieses Ungleichgewicht stört das eigentlich genau festgelegte Gut-Böse-Schema, wie ich finde.

Fazit: Zu sagen, der Film würde unterhalten, wäre wohl nicht angebracht und auch nicht das, was Michael Haneke erreichen wollte. Im Endeffekt hat mir „Funny Games“ gefallen. Das liegt aber vor allem an der guten Machart seiner konventionellen Ebene. Der intellektuelle Aspekt, der Versuch, den Zuseher für das, was auf dem Schirm passiert, quasi haftbar zu machen, hat sich mir hingegen nicht so richtig erschlossen. Daher: Gute 4 von 7 Punkten.

Gesamteindruck: 4/7


Originaltitel: Funny Games
Regie:
Michael Haneke
Jahr: 1997
Land: Österreich
Laufzeit: 104 Minuten
Besetzung (Auswahl): Susanne Lothar, Ulrich Mühe, Arno Frisch, Frank Giering, Stefan Clapczynski



 

FilmWelt: Shutter Island

„Shutter Island“ (2010) ist die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Dennis Lehane (2003). Ein Blick auf die am Film beteiligten Personen lässt Großes hoffen: Regie führte der legendäre Martin Scorsese, die Hauptrolle übernahm Oscar-Preisträger Leonardo DiCaprio. Und auch die Nebendarsteller Ben Kingsley, Max von Sydow und Mark Ruffalo sind hoch angesehen und dürfen diverse Awards ihr Eigen nennen. Allein: Trotz geballter Starpower konnte mich „Shutter Island“ nicht voll und ganz überzeugen.

Gesamteindruck: 4/7


Kommt nicht richtig in Fahrt.

Martin Scorsese zieht alle Register der Filmkunst, um die Irrenanstalt auf der Insel so düster und abweisend wie möglich zu präsentieren. Geistig und körperlich deformierte Patienten, ständig schlechtes Wetter und die passende Geräuschkulisse zeichnen ein trostloses Bild einer abgelegenen Irrenanstalt. Damit schlägt „Shutter Island“ den Zuseher sofort in den Bann – der allerdings nicht bis zum Schluss aufrecht erhalten werden kann. Übrigens: Ich habe die Romanvorlage nicht gelesen – sollte ich vielleicht nachholen, denn ich kann jetzt natürlich nicht sagen, ob meine Probleme mit dem Film von der Vorlage herrühren. Grundsätzlich liest sich die Handlung jedenfalls interessant, es liegt also nicht an der Story, dass ich nicht ganz zufrieden bin.

Inhalt in Kurzfassung
Auf Shutter Island befindet sich das Ashecliffe Hospital für geistig abnorme Rechtsbrecher. Dort untersuchen die US-Marshals Edward „Teddy“ Daniels und Chuck Aule im Jahre 1954 das spurlose Verschwinden einer Patientin. Im Zuge der Nachforschungen wird in Kriegsveteran Daniels der Verdacht immer größer, dass auf der Insel Menschenversuche durchgeführt werden – ähnlich, wie er es bei seiner Teilnahme an der Befreiung des KZ Dachau gesehen hat. Ausgelöst durch dieses Trauma leidet er immer stärker unter Wahnvorstellungen und Alpträumen und es fällt im zunehmend schwer, Wirklichkeit und Halluzinationen zu unterscheiden.

Klingt ja durchaus spannend. Und deshalb beginnen wir auch mit den guten Nachrichten: Leonardo DiCaprio spielt seine Rolle einmal mehr sehr gut. Man nimmt ihm den von Kopfschmerzen und Alpträumen gepeinigten Ermittler zu jeder Zeit ab. Großartige Leistung eines Schauspielers, bei dem die Zunahme an Erfahrung tatsächlich auch mit immer besseren Auftritten einhergeht. Wer hätte diese Entwicklung 1997 erwartet, als sich der junge Mann auf der Titanic einschiffte und auf höchst kitschige Weise mit ihr unterging? Ich jedenfalls nicht.

In „Shutter Island“ neben Leonardo DiCaprio zu bestehen fällt dem restlichen Cast folgerichtig relativ schwer. Wobei es verfehlt wäre, den Kollegen Mängel bei der Schauspielerei zu unterstellen; ich denke, dass jeder, der in diesem Film mitspielt, sein Handwerk ausgezeichnet beherrscht. Leider wird das nicht so deutlich, wie ich es mir gewünscht hätte, was aber nicht an den Akteuren, sondern an ihren Rollen bzw. dem Drehbuch liegen dürfte. Dazu ist aber auch zu sagen, dass es die letzte Wendung des Films mit sich bringt, dass die Nebenbesetzung so agiert wie sie es tut – wenn das Absicht war, ist das schon wieder eine grandiose Herangehensweise.

Ebenfalls positiv: Weite Teile des Films erinnern sehr angenehm an einen klassischen Film noir – die Detektivarbeit, die Trenchcoats und Hüte der Marshals, der ständige Regen. Diese Verbeugung von Scorsese vor einem Kapitel Filmgeschichte wirkt zu jeder Zeit authentisch und respektvoll. Sehr gut gemacht!

Kein schlechter Film, aber…

Und überhaupt: „Shutter Island“ ist keineswegs ein schlechter Film. Dazu ist der Regisseur zu gut, die Darsteller zu routiniert, die Geschichte zu gefällig. Vielleicht liegt es auch nur an meinen eigenen Erwartungen, vielleicht fehlt mir letztlich das Verständnis für die Zitate, in denen sich der Film bewegt. Wie auch immer, mich hat „Shutter Island“ trotz der genannten Stärken leicht enttäuscht zurückgelassen.

Ein Problem ist die Grundprämisse der Story: Eine Kindermörderin verschwindet spurlos aus ihrer Zelle, die von außen verschlossen war. Das Ganze auf einer Insel, die sie nicht verlassen haben kann. Um sie zu suchen, werden die US-Marshals angefordert. Ich weiß nicht, warum, aber ich hatte von Anfang an mit der Glaubwürdigkeit dieser Geschichte zu kämpfen. Auch wenn ich retrospektiv natürlich weiß, dass nicht alles so ist, wie es in „Shutter Island“ anfangs scheint, kommt es mir fast vor, als würde hier ein kleiner, aber wichtiger Baustein fehlen. Die Frage nach dem „Warum“ wird zum Schluss zwar irgendwie beantwortet, das nutzt nur nicht viel, wenn der ganze Aufbau nicht so richtig überzeugt. Ich verstehe sogar, was Martin Scorsese hier bewerkstelligen wollte – irgendwie. Aber das ändert leider nichts daran, dass ich das Gefühl habe, dass viel Potential verschenkt wurde.

Davon abgesehen entwickelt sich die Handlung zunächst gut. Der Schauplatz wird gut, die Hauptperson zufriedenstellend vorgestellt. Leider wird die Geschichte selbst schnell viel vorhersehbarer als man erwarten würde. Am Ende gibt es den dann zwar großen Plot-Twist, der bei mir aber fast wirkungslos verpufft, weil er wahrlich keine Überraschung ist. Ob das so gemacht wurde, weil der Weg das Ziel ist? Wenn dem so wäre, fehlt es diesem Weg an Substanz.

Und so entwickelt sich „Shutter Island“ zu einem meist spannenden Thriller mit kleineren Längen, über die man aber hinwegsehen kann. Zeitweise verwirrt der Film, soll er natürlich auch. Dennoch ist das größte Manko, dass die Story nicht so richtig in Fahrt kommt. Die Art, wie der Film aufgebaut ist, verlangt für mein Dafürhalten nach etwas mehr Spannung. Oder nach „Belohnungen“ für den Zuseher, z.B. in Form von Puzzleteilen, die plötzlich zueinander passen. All das fehlt „Shutter Island“ ein wenig. Klar, zum Schluss fällt fast alles an seinen Platz, aber der Weg dorthin ist zäher, als er sein müsste.

Schade eigentlich, denn Leonardo DiCaprio spielt sich wirklich die Seele aus dem Leib, wenn man so will. Aber es bleibt mir nichts anderes übrig, als zu sagen: Mir hat „Shutter Island“ nicht so gut gefallen, wie ich nach dem Trailer und diversen Lobeshymnen gedacht hätte.

Gesamteindruck: 4/7


Originaltitel: Shutter Island
Regie: Martin Scorsese
Jahr: 2010
Land: USA
Laufzeit: 138 Minuten
Besetzung (Auswahl): Leonardo DiCaprio, Mark Ruffalo, Ben Kingsley, Max von Sydow, Emily Mortimer, Patricia Clarkson, Elias Koteas



 

FilmWelt: Sieben

Das Jahr 2017. Mittlerweile hat man alle möglichen und unmöglichen Dinge in Filmen gesehen. Es gibt jede Menge Material, das in eine ähnliche Kerbe wie „Sieben“ haut. Und genau jetzt tauchte der Film, der in meiner Erinnerung immer als Meisterwerk abgeheftet war, in den Empfehlungen des Streaming-Dienstes meiner Wahl auf. Grund genug, mal wieder bewusst reinzusehen, erstmals seit vielen, vielen Jahren.

Gesamteindruck: 6/7


Gut gealterter Psychothriller.

Erinnerungen täuschen gerne mal. „Sieben“ habe ich erstmals kurz nach seinem Erscheinen im Jahr 1995 gesehen, ich denke es wird ein Jahr später gewesen sein, als der Film erstmals im Free TV gelaufen ist. Seither immer mal wieder im Programm, habe ich eigentlich nie mehr eingeschalten, zumindest nicht über die volle Länge. Dabei kam mir „Sieben“ beim ersten Ansehen vor gut 20 Jahren wie ein absolutes Meisterwerk vor. Das kann verschiedene Gründe haben – für mich war der Film damals definitiv etwas vollkommen Neuartiges. Optik und Atmosphäre, Machart, Drehbuch, Schauspieler und auch die für einen Hollywood-Film geradezu unglaubliche Härte in manchen Szenen hatte ich so noch nicht erlebt. „Sieben“ war somit der erste Film seiner Art, zumindest in meiner Wahrnehmung.

Aus heutiger Sicht kann man sagen, dass der Film um den Serienkiller, der sich an den Sieben Todsünden orientiert, außergewöhnlich gut gealtert ist. Die Bilder suchen nach wie vor ihresgleichen, man kann im Endeffekt tatsächlich von einem Kunstwerk sprechen. Die dadurch erzeugte Atmosphäre, die in einem ewig verregneten Moloch agierenden Ermittler – das alles hat etwas vom film noir. Dazu kann man Regisseur David Fincher nur gratulieren, speziell das Spiel mit den Farben ist einzigartig und erzeugt einen solch abgrundtiefen Pessimismus, wie man ihn selten in einem Blockbuster sieht. An alledem gab es 1995 nichts auszusetzen und daran hat sich bis heute nichts geändert.

Gleiches gilt für die Hauptdarsteller. Morgan Freeman (als desillusionierter, im Grunde seines Herzens aber gutmütiger Cop kurz vor der Pension) und Brad Pitt (als dessen ehrgeiziger Nachfolger) ergänzen sich ganz wunderbar. Vor allem das Spiel des damals noch sehr jung wirkenden Pitt kann an der Seite des erfahrenen Freeman voll und ganz überzeugen, speziell in der intensiven Schlussszene. Kevin Spacey als Bösewicht tritt über weite Strecken des Films nicht in Erscheinung, wenn er dann endlich auftaucht, macht er seine Sache solide. Ganz glaubwürdig scheint es mir aber nicht zu sein, wie er die Polizei zum Narren hält, was aber weniger am Schauspieler liegt, sondern an der mangelhaften Charakterzeichnung im Drehbuch. Bleibt Gwyneth Paltrow, als Polizistenfrau, deren Charakter ebenfalls nicht sonderlich Tiefgang aufweist – ihre Rolle ist wohl eher als dramaturgische Unterstützung gedacht gewesen. Das ist in Ordnung, allerdings übertreibt es Paltrow für mein Dafürhalten und legt mir etwas zu viel Theatralik in ihren Charakter.

All das sind allerdings keine Probleme, die „Sieben“ zu einem schwachen Film machen. Denn auch die Handlung passt, auch wenn sie – aus heutiger Sicht! – nicht sonderlich innovativ scheint. 1995 war das anders, zumindest für mich. Leider leistet sich das Drehbuch diverse Schwächen, über die ich damals in meiner ersten Begeisterung hinweggesehen habe, die ich heute aber doch recht deutlich empfinde. Die mangelnde Entwicklung der Charaktere habe ich angesprochen – das betrifft vor allem Serienkiller John Doe, über den man für meinen Geschmack viel zu wenig erfährt. Es ist und bleibt ein Rätsel, wie er es schafft, seine Taten langfristig dermaßen perfekt zu begehen und die „richtigen“ Spuren zu legen. An dieser Stelle hätte man sich dringend tiefgehendere Einblicke gewünscht. Stattdessen fokussiert sich der Film auf die Tätigkeiten der Ermittler, die aber immerhin mit ausreichend Persönlichkeit ausgestattet wurden.

Und so sind es letztlich diverse Unwahrscheinlichkeiten und wenig ausgearbeitet scheinende Handlungsstränge, die „Sieben“ den Status des Meisterwerkes verwehren. Natürlich ist das aus heutiger Sicht leicht gesagt – aber 90% aller „Criminal Minds“-Folgen zeigen die Ermittlungsarbeit ausgefeilter. Weil man aber nicht vergessen darf, dass es diese Serie und viele Filme ohne „Sieben“ in der Form vermutlich gar nicht geben würde, gibt es dennoch 6 Punkte. Nicht nur aus nostalgischen Gründen, sondern weil der Film atmosphärisch tatsächlich bis heute seinesgleichen sucht und durchaus als Pionier angesehen werden kann. Nicht perfekt, klar, aber dennoch wegweisend.

Gesamteindruck: 6/7


Originaltitel: Se7en
Regie: David Fincher
Jahr: 1995
Land: USA
Laufzeit: 127 Minuten
Besetzung (Auswahl): Morgan Freeman, Brad Pitt, Gwyneth Paltrow, Kevin Spacey, John C. McGinley, R. Lee Ermey, Richard Roundtree



 

FilmWelt: Mike Mendez‘ Killers

Man kann „Killers“ mit Fug und Recht als eine Art Hybrid aus „From Dusk Till Dawn“ und „Natural Born Killers“ bezeichnen. Interessanterweise wirkt der Film aber dennoch nicht wie eine Kopie sondern hat einen eigentümlich-eigenständigen Touch. Die genannten Vorbilder zeigen dennoch gut, wohin die Reise geht. Ist das originell? Eigentlich schon. Ist das unterhaltsam? Immer. Ist das was für Zartbesaitete? Nie.

Gesamteindruck: 6/7


Ernste Themen – Grotesk verpackt.

Es sind im Grunde zwei auch heute brandaktuelle Themen, die Mike Mendez in seinem Debüt „Killers“ (1996) anpackt. Zum einen wird die Sensationslust (wobei dieses Wort noch zu schwach ist) der amerikanischen Medien und ihres Publikums thematisiert. So avanciert ein mordendes Brüderpaar zu Kultcharakteren von Fernsehen und Bevölkerung, ihre Flucht wird zu einem Medienspektakel sondergleichen. Auf der anderen Seite zeigt der Film, dass sich hinter biederster (amerikanischer, aber wohl auch auf andere Kulturen umlegbarer), kleinbürgerlicher Vorstadtfassade eine dunkle Welt verbergen kann, die man so überhaupt nicht erwartet.

Der Regisseur beschränkt sich dabei auf einfachste Mittel, was allerdings dem Thema durchaus angemessen scheint. Bild und Ton sind trotz der Billigproduktion gelungen und passen sehr gut ins Gesamtbild. Die Gewaltdarstellungen kann man – als halbwegs reflektierter Zuseher – sofort als überzeichnet und schräg entlarven, was dem Film eine zusätzliche, schwarzhumorige Prise verleiht. Hier wurde ganze Arbeit geleistet und auch mit Seitenhieben auf das Horror- und Splattergenre nicht gespart (Stichwort: Kellerverlies – grotesker geht es eigentlich kaum). Auch die schauspielerische Leistung der – zumindest mir – vollkommen unbekannten Darsteller, ist als sehr gut einzustufen. Man nimmt sowohl den Brüdern als auch der (äußerlich absichtlich hoffnungslos klischeehaft gezeichneten) Musterfamilie ihre Rollen ab.

Über die Intention von Mendez kann man natürlich nur Vermutungen anstellen – von einer starken Anlehnung an Quentin Tarantino abgesehen. Ein Reiz des Filmes ist wohl, dass wir längst akzeptiert haben, dass es Serienmörder u. ä. auf unserer Welt gibt. Schwerer zuzugeben fällt uns hingegen die Tatsache, dass wir allesamt Voyeure sind, die die Fernsehnachrichten ebenso sensationslüstern verfolgen, wie Mendez das im Film darstellt. Auch dürfte es den meisten schwer fallen zu glauben, dass sich hinter den Wänden des Nachbarhauses ein tiefer, dunkler Abgrund verbergen könnte. Das es im wirklichen Leben so sein kann, wurde gerade in letzter Zeit leider mehr als einmal bewiesen.

Übrigens ist es Pflicht, sich eine ungeschnittene Fassung des Streifens zu besorgen. Ansonsten fehlen nämlich nicht nur Szenen, die dem Verständnis dienen, es geht auch dermaßen viel von der skurrilen Atmosphäre verloren, dass der Film nur noch die Hälfte wert wäre.

Gesamteindruck: 6/7


Originaltitel: Killers
Regie: Mike Mendez
Jahr: 1996
Land: USA
Laufzeit: 82 Minuten
Besetzung (Auswahl): Dave Larsen, David Gunn, Damian Hoffer, Nanette Bianchi, Renee Cohen, Wendy Latta