BuchWelt: „Southern Reach Trilogie“ – Zusammenfassende Bewertung

Jeff VanderMeer


Für den Auftaktroman zur „Southern Reach Trilogie“, „Auslöschung“, räumte Autor Jeff VanderMeer 2014 die Hugo- und den Shirley Jackson-Awards für die beste Novelle ab. Die Trilogie als Ganzes wurde 2015 für den World Fantasy Award und 2016 für den Kurd-Laßwitz-Preis nominiert. Für jedes der drei „Southern Reach“-Bücher gibt es eine Vielzahl an positiven Rezensionen und viel Lob von Schriftsteller-Kollegen, darunter z.B. auch Stephen King. Warum gibt es hier also nur zwei Punkte für eine Trilogie, die in der Öffentlichkeit derart positiv aufgenommen wurde?

Gesamteindruck: 2/7


Anstrengend, frustrierend und unbefriedigend.

In der „Southern Reach Trilogie“ geht es um Themen, die man so ähnlich aus anderen Werken kennt. So erinnert zB. Area X, ein durch einen unbekannten Vorgang kontaminiertes Gebiet, an die Zone der Strugatzki-Brüder, während die gnadenlose Offenlegung der Grenzen unserer Wissenschaft an „Solaris“ von Stanislaw Lem denken lässt. Und auch die Art der Erzählung kommt dem erfahrenen Leser bekannt vor – so denkt man stellenweise sehr intensiv an H.P. Lovecraft, dazwischen gibt es viel Stephen King und ab und an ein bisschen Michael Crichton. Das alles zusammen sollte eigentlich ein gutes Gesamtwerk ergeben.

Leider ist dem meines Erachtens überhaupt nicht so. Im Gegenteil, trotz des geringen Umfanges (insgesamt rund 1.000 Seiten, annähernd gleichmäßig verteilt auf die drei Bücher) gestaltet sich die Lektüre sehr zäh. Vor allem der Abschlussband, „Akzeptanz“, hat es diesbezüglich in sich und zieht die Gesamtwertung noch einmal deutlich nach unten. Doch warum ist das so? Ich konnte dafür folgende Gründe ausmachen:

  • Klappentext verspricht etwas Anderes: Natürlich kann und sollte man ein Buch nicht nach seinem Äußeren – zu dem letztlich auch der Klappentext gehört – beurteilen. Und doch ist es so, dass genau an dieser Stelle Erwartungen geweckt und Vorfreude geschürt werden. Im Falle der vorliegenden Trilogie ist es so, dass die Klappentexte zwar inhaltlich einigermaßen zutreffen (zumindest bei Teil 1 und 2), gleichzeitig aber nur einen minimalen Ausschnitt dessen wiedergeben, was in den Büchern tatsächlich passiert. Ob dieses Problem, das wohl eher beim Verlag als beim Autor anzusiedeln ist, irgendwie befriedigend zu lösen gewesen wäre, weiß ich nicht – Fakt ist jedoch, dass genau daraus ein Teil meiner persönlichen Enttäuschung resultiert.
  • Stilistische Inkonsistenz: Verschiedene Perspektiven auf eine Geschichte sind grundsätzlich zu begrüßen. In der „Southern Reach Trilogie“ entsteht genau daraus allerdings ein Problem: Mit den Perspektiven ändert sich der Schreibstil. „Auslöschung“ ist in der Ich-Form geschrieben, „Autorität“ aus Sicht eines Erzählers und „Akzeptanz“ eine Mischung aus zweiter („Du-Form“) und dritter Person. Vor allem in „Akzeptanz“ wird das zum Problem und macht das Werk sehr schwer lesbar und extrem zäh.
  • Inhaltliche Zerfahrenheit: Hauptanlass zur Kritik ist die inhaltliche Zerfahrenheit. Im Wesentlichen bedeutet das, dass die Idee gut ist, die Umsetzung nicht. Die Story ist sehr dünn und will entsprechend erst einmal ausgemacht werden. Die Romane zeigen ja durchaus eine Entwicklung der Charaktere auf (die zum Zeitpunkt der Handlung bereits abgeschlossen ist). Es geht im Prinzip nur darum, wie die Personen zu dem wurden, was sie sind. Area X? Interessiert nur am Rande; findet zwar immer wieder Erwähnung, wird aber nicht vorangetrieben.
  • Geringer Erkenntnisgewinn: Letztlich muss man sich nach der Lektüre fragen, was das Ganze eigentlich soll. Die einzige Erkenntnis scheint zu sein, dass die Wissenschaft durchaus an ihre Grenzen stoßen kann. Keine neue Idee, das wurde schon in vielen anderen Büchern auf lesenswertere Weise diskutiert. Es stellt sich auch die Frage, wozu die relativ mühselige und aufwändige Charakterentwicklung – abgesehen von reinem Selbstzweck – letztlich dient. Denn dass z.B. „Control“ so ist, wie er ist, spielt für den Ausgang der Geschichte nur eine sehr marginale Rolle. Das alles wäre nur dann sinnvoll, wenn das Ziel gewesen wäre, mehr oder weniger normale Menschen in eine unmögliche Situation zu bringen und sie genau so reagieren zu lassen, wie wir es wohl alle täten – nämlich gar nicht. Zumindest nicht im Sinne des Versuchs, eine Erklärung für Area X zu finden. Nun mag es Leser geben, die genau auf so einen Ansatz gewartet haben. Ich gehöre definitiv nicht dazu.

Somit ist klar, dass es für die Trilogie keine bessere Wertung geben kann. Ich wollte die drei Bücher wirklich mögen, aber allein die Qual, „Akzeptanz“ wirklich zu Ende zu lesen, hat bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen. Zwei Punkte gibt es, weil Band 1 und 2 durchaus ihre Momente haben. Das ist aber auch schon alles, was ich positiv über die „Southern Reach Trilogie“ sagen kann.

Einzelwertungen:

  1. Southern Reach Trilogie 1: Auslöschung: 3/7
  2. Southern Reach Trilogie 2: Autorität: 3/7
  3. Southern Reach Trilogie 3: Akzeptanz: 1/7

Gesamteindruck: 2/7


Autor: Jeff VanderMeer
Umfang: 3 Bände, ca. 1.000 Seiten
Originaltitel:
 Southern Reach Trilogy.
Gelesene Sprache: Deutsch


 

BuchWelt: Akzeptanz

Jeff VanderMeer


„Akzeptanz“ ist Buch 3 der „Southern Reach Trilogie“, geschrieben vom US-amerikanischen Autor Jeff VanderMeer. Auf WeltenDing werden nach und nach Rezensionen zu allen 3 Bänden veröffentlicht, abschließend gibt es eine Gesamtbewertung der Trilogie. Wer eine Kaufempfehlung möchte, sollte also bis dahin warten.

Gesamteindruck: 1/7


Bankrotterklärung einer Serie.

„Akzeptanz“ ist im Licht der Gesamtentwicklung der „Southern Reach Trilogie“ ein merkwürdig passender Titel. Denn spätestens, wenn man diesen dritten und finalen Band der Reihe liest, sollte man akzeptiert haben, dass die Trilogie so ist, wie sie eben ist. „Akzeptanz“ ist allerdings noch einmal extremer als seine Vorgänger. Die waren bereits zerfahren und ließen einen roten Faden nur erahnen. Das Finale setzt noch einen drauf und ist – soweit lehne ich mich einfach mal aus dem Fenster – für normale Lesegewohnheiten kaum noch erträglich – oder verstehe ich das alles nur nicht? So oder so, sowohl unterhaltsam als auch tiefsinnig gehen meines Erachtens anders.

Inhalt in Kurzfassung
Area X ist ein Landstrich, auf dem merkwürdige Dinge vorgehen und der sich seit Jahren jeglicher Erforschung widersetzt. Expeditionen wurden hineingeschickt und kehrten nicht zurück. Oder sie kehrten zurück, konnten aber nichts zur Lösung des Rätsels beitragen. Die Fragen sind dabei immer die gleichen: Was ist Area X? Wodurch ist Area X entstanden? Was geht dort vor sich? In „Akzeptanz“ trifft sich eine Reihe bereits bekannter Protagonisten innerhalb der Zone, um endlich die Geheimnisse zu lösen.

Der tatsächliche Inhalt, den ich hier in Kurzform versucht habe, wiederzugeben, weicht sehr stark vom Klappentext ab, in dem eine neue Expedition á lá „Auslöschung“ suggeriert wird. Man muss sich an dieser Stelle fragen, warum das so ist – es sei denn, es wäre ein letzter Versuch, auch mit „Akzeptanz“ noch Leser zu gewinnen, die vielleicht nur dieses Buch im Regal sehen und sich dann gleich die ganze Trilogie kaufen. Wie auch immer: Der erfahrene „Southern Reach“-Leser weiß, was auf ihn zukommt. Die interessante Prämisse von Area X, die leider komplett von pseudo-philosophischem Geschwafel überdeckt wird. Klingt hart? Mag sein, aber leider ist es genau das, was ich beim Lesen von „Akzeptanz“ empfunden habe, mehr noch als bei seinen Vorgängern.

Rein stilistisch gibt es eine große Neuerung: War „Auslöschung“ noch komplett aus Sicht einer einzigen Person geschrieben und behandelte in „Autorität“ ein anonymer Erzähler sozusagen die Gegenseite, ist „Akzeptanz“ eine krude Mischung daraus. Das Buch greift die Protagonisten, die bisher in der Trilogie vorgestellt wurden (Ghostbird, Control, die Direktorin) heraus und widmet ihnen abwechselnd Kapitel. Als neue Person kommt der Leuchtturmwärter, der bisher nur am Rande Erwähnung fand, hinzu.

Unglaublich zähe Lektüre.

Es gibt dabei durchaus wichtige und interessante Zusammenhänge, die offenbart werden. Das kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass „Akzeptanz“ so zerfleddert und fragmentiert wirkt, dass „Autorität“ dagegen wie ein Ausbund an schriftstellerischer Kunst erscheint. Das hat meiner Meinung nach zwei Gründe: Erstens sind die Einzelkapitel in „Akzeptanz“ von höchst unterschiedlicher Güte. Mal passiert tatsächlich etwas Essenzielles und wird auch gut erzählt, dann wieder langweilt Autor Jeff VanderMeer mit Betrachtungen, bei denen man das Gefühl hat, dass sie Wort für Wort aus Band 1 und/oder 2 kopiert wurden (wo sie auch schon genervt haben). Zweitens ist der Schreibstil der Kapitel sehr unterschiedlich. Ich weiß nicht, ob manche Kritiker das als künstlerisch wertvoll ansehen – ich finde es schlicht und einfach misslungen, vor allem die in der Du-Form geschriebenen Teile der Direktorin sind eine Zumutung.

Abgesehen von diesen Unzulänglichkeiten gelingt es dem Autor nicht, die Trilogie befriedigend abzuschließen. Ja, Erkenntnisgewinn ist in „Akzeptanz“ vorhanden. Allerdings so versteckt und verklausuliert, dass sich nur wenige Leser die Mühe machen werden, überhaupt so lange durchzuhalten. Das hat natürlich auch damit zu tun, dass das Ende offen ist, das ist allerdings bei anderen Büchern ebenso der Fall und per se kein Beinbruch. Im Falle von „Akzeptanz“ wirkt es aber so, als hätte VanderMeer selber nicht gewusst, wohin er will, als hätte er keinerlei Idee gehabt, wie er die von ihm geschaffene Welt erklären kann. Das mag aus Sicht der Protagonisten tatsächlich so sein – einen Leser kann es aber nicht zufriedenstellen, auch weil die kleinen Puzzlesteine fehlen, die vielleicht die Fantasie anregen würden.

Somit ist „Akzeptanz“ eine noch schwierigere Angelegenheit als seine Vorgänger. Ich würde sogar soweit gehen, dieses Buch als Bankrotterklärung einer Reihe, in der von Anfang an der Wurm drin war, zu bezeichnen. Sehr schade, aber die sich wie Kaugummi ziehende Lektüre von „Akzeptanz“ ist in meinen Augen tatsächlich Zeitverschwendung.

(c) Knaur

Gesamteindruck: 1/7


Autor: Jeff VanderMeer
Originaltitel: Acceptance – Southern Reach Trilogy 3.
Erstveröffentlichung: 2014
Umfang: ca. 340 Seiten
Gelesene Sprache: Deutsch
Gelesene Version: Taschenbuch

BuchWelt: Autorität

Jeff VanderMeer


„Autorität“ ist Buch 2 der „Southern Reach Trilogie“, geschrieben vom US-amerikanischen Autor Jeff VanderMeer. Auf WeltenDing werden nach und nach Rezensionen zu allen 3 Bänden veröffentlicht, abschließend gibt es eine Gesamtbewertung der Trilogie. Wer eine Kaufempfehlung möchte, sollte also bis dahin warten.

Gesamteindruck: 3/7


Lahmer Blick hinter die Kulissen.

Die Lektüre von „Auslöschung“, des ersten Bandes der „Southern Reach Trilogie“, hinterließ mich als Leser einigermaßen ratlos. Zu vieles blieb offen und vage – und das nicht auf angenehme, die Fantasie anregende Weise – letztlich fehlte schlicht das Gefühl, dass „etwas Großes“ im Verborgenen lauern würde. Es ist also  wenig überraschend, dass ich mir vom zweiten Band, „Autorität“, zumindest ein wenig Aufklärung erhofft habe. Doch so einfach macht es Autor Jeff VanderMeer seinen Lesern nicht. Im Gegenteil, nur sehr wenige der losen Enden werden überhaupt aufgegriffen.

Inhalt in Kurzfassung
Die Regierungsbehörde Southern Reach versucht seit Jahren, das als Area X bekannte Gebiet, das durch ein unbekanntes Ereignis von einer unsichtbaren Grenze umschlossen wurde, zu erforschen. Nennenswerte Erfolge sind nicht zu verzeichnen, es bleibt trotz großem Einsatz an Menschen und Material ein Geheimnis, was im Inneren des Areals vor sich geht. In dieser Situation übernimmt ein ehemaliger Agent die Leitung der Behörde – er soll herausfinden, warum es keine Ergebnisse gibt und was bei der 12. und bislang letzten Expedition nach Area X schief gelaufen ist

Wenn man sich die Seitenzahl der einzelnen Bücher der Trilogie ansieht, wundert man sich, dass es überhaupt drei Bände gibt. Der Gesamtumfang hätte auch in einer längeren Erzählung leicht Platz gefunden. Erst wenn man nach Band 1 zu Band 2 greift, merkt man, warum das wohl keine Option war. Denn „Autorität“ unterscheidet sich inhaltlich und stilistisch gravierend von seinem Vorgänger.

Erkenntnisgewinn? Kaum vorhanden.

Am überraschendsten an „Autorität“ dürfte für die meisten Leser der Wechsel der Perspektive sein, der so aus dem Klappentext auch nicht hervorgeht. Anstatt weiter in das Innere von Area X einzutauchen und neue Erkenntnisse zu gewinnen, halten sich die Protagonisten meist in vermeintlich sicherer Entfernung auf. Ort der Handlung ist das Hauptquartier von Southern Reach, die Hauptperson ist der neue Direktor dieser Regierungsbehörde. Area X selbst erlebt der Leser im krassen Gegensatz zu „Auslöschung“ nur aus zweiter Hand – aus Videoschnipseln, Fotos und fragmentierten Berichten, die die Hauptfigur durchforstet, um sich in den neuen Job einzuarbeiten. Das Problem daran: Der Leser hat weiterhin kaum Erkenntnisgewinn. Es ist eher so, als hätte Autor Jeff VanderMeer versucht, den zermürbenden Alltag in einer von frustrierten Mitarbeitern dominierten Behörde zu dokumentieren. Das ist stellenweise sogar unterhaltsamer, als man annehmen möchte, hat letztlich aber kaum Relevanz.

Der Perspektivenwechsel ist übrigens doppelter Natur: Während in „Auslöschung“ die Biologin als Ich-Erzählerin auftritt und alles Erlebte sorgsam dokumentiert, beobachten wir den Direktor in „Autorität“ von außen, also aus der Sicht eines unpersönlichen Erzählers. Wobei dieser nicht wirklich allwissend ist, weil er sich einzig und allein auf „Control“ und dessen Schwierigkeiten fokussiert und man als Leser auch nur das hört und sieht, was ihm widerfährt. Wieso es dafür ein Ausbrechen aus der Ich-Perspektive gebraucht hat, erschließt sich mir nicht. A pro pos „Control“: Es ist meines Erachtens ein interessanter Ansatz, in „Autorität“ im Gegensatz zu „Auslöschung“ nicht nur Berufsbezeichnungen für die Figuren zu verwenden. So hat der Direktor einen normalen Namen, der er allerdings zugunsten seines alias kaum jemals genannt wird. Alle anderen Figuren tragen ebenfalls ganz gewöhnliche Namen. Das unterscheidet das Buch schon sehr stark von seinem Vorgänger und nimmt ihm etwas von dessen Alleinstellungsmerkmal.

Letztlich krankt „Autorität“ trotz anderer Grundvoraussetzungen an ähnlichen Problemen wie „Auslöschung“: Der Autor ergeht sich seitenlang in Beschreibungen des Gemütszustandes seiner Hauptfigur oder in Gründen, warum die Erforschung von Area X nicht vorankommt. Die Ränkespiele und Intrigen im Hintergrund mögen teilweise interessant sein – hat man die Lektüre beendet, fragt man sich dennoch nach dem Sinn des Ganzen. Denn eine Relevanz für die Haupthandlung sehe ich großteils nicht. Und genau deshalb ist „Autorität“ im Endeffekt ebenso unbefriedigend wie sein Vorgänger. Aufklärung gibt es in homöopathischen Dosen – zu wenig, um diesem Buch eine bessere Wertung zu geben.

(c) Knaur

Gesamteindruck: 3/7


Autor: Jeff VanderMeer
Originaltitel: Authority- Southern Reach Trilogy 2
Erstveröffentlichung: 2014
Umfang: ca. 370 Seiten
Gelesene Sprache: Deutsch
Gelesene Version: Taschenbuch

BuchWelt: Kryson VI – Tag und Nacht

Bernd Rümmelein


„Tag und Nacht“ ist Band VI des 6-bändigen Fantasy-Zyklus „Kryson“, geschrieben vom deutschen Autor Bernd Rümmelein. Auf WeltenDing werden nach und nach Rezensionen zu allen Bänden veröffentlicht, abschließend gibt es eine Gesamtbewertung des Zyklus. Wer eine Kaufempfehlung möchte, sollte also bis dahin warten.

Gesamteindruck (Band VI): 3/7


Viele offene Fragen.

Nach dem doch einigermaßen enttäuschenden Band V von Bernd Rümmeleins Saga um „Kryson“ hatte ich gehofft, dass vieles, was daran zu kritisieren war, nur als Vorbereitung für das große Finale zu werten war. Und tatsächlich ist es so, dass die Suche nach dem Buch der Macht in Band VI, „Tag und Nacht“, weitergeht. Zum Glück, denn so abgespeist zu werden, wie es der Autor im Vorgängerbuch getan hat, haben die treuen Leser nicht verdient. Leider kommt es auch im finalen Band anders, als man sich erhofft hat…

Zunächst aber zum Positiven: Bernd Rümmelein hat mit „Tag und Nacht“ tatsächlich ein nahezu durchgehend spannendes Buch geschrieben. Vor allem im letzten Drittel schafft man es kaum, den Band aus der Hand zu legen, so sehr reißen die Ereignisse mit. Ein Page-Turner, flott geschrieben und genauso schnell und angenehm zu lesen. Paradoxerweise schafft der Autor es aber dennoch nicht, die „Kryson“-Reihe zu dem guten Abschluss zu bringen, den sie (und der Leser) verdient hat. An der Spannung liegt es nicht, vielmehr verschärft sich die bereits in „Das Buch der Macht“ sichtbare Tendenz, hektisch zu werden und Handlungsstränge „abzuwürgen“. Wenn – um das wohl traurigste Beispiel dafür herauszupicken – praktisch in einem Nebensatz drei der sieben Streiter um das Buch der Macht getötet werden, hat das meines Erachtens was von Selbstdemontage. Wozu werden Charaktere lange aufgebaut und ausgearbeitet (mal mehr, mal weniger gut), wenn sie dann einen sinnlosen, schnellen Tod sterben müssen? Und das gilt nicht nur für die genannten Streiter. Ja, Bernd Rümmelein lässt die Personen in diesem Buch, mehr noch als im Vorgänger, wie die Fliegen sterben. Sinn macht das keinen, es wirkt, und das ist der größte Kritikpunkt, den ich überhaupt anbringen kann, als ob der Autor einfach keine Idee gehabt hätte, wie er die Vielzahl an eröffneten Handlungssträngen zu einem vernünftigen Abschluss bringen kann. Offenbar hat er sich für den leichtesten Weg entschieden – Klappe zu, Affe tot sozusagen. Das wirkt nicht nur überhastet, sondern schlicht unwürdig für einen solchen Zyklus.

Über das Schicksal anderer wichtiger Bestandteile der Serie gibt es hingegen überhaupt keine Aufklärung – exemplarisch seien die magischen Sajkalrae-Brüder genannt, bei denen bis zum Schluss unklar bleibt, was mit ihnen passiert ist. Hinzu kommen neue Handlungsstränge, die in Richtung Fortsetzung deuten, so z. B. zwei wiedergeborene Hauptfiguren, die vorher ebenfalls sang- und klanglos ins Land der Tränen gegangen sind. Deren Rückkehr nach Kryson wird am Ende zwar angedeutet, zu mehr reicht es aber nicht. Und das, nachdem besagte Wiedergeburt über mehrere Seiten des Buches vorbereitet wurde.

Ob und wie das alles einzuordnen ist? Ich weiß es nicht – kommt drauf an, ob es eine Fortsetzung gibt. Davon hätte ich bis dato nichts gehört, mir persönlich wäre unabhängig davon ein schlüssiges, in sich abgeschlossenes Finale lieber gewesen. So hängt man in der Luft, was immer ein ungutes Gefühl ist und für „Tag und Nacht“ magere 3 Punkte bedeutet.

Eine Gesamtwertung der Serie folgt nach Einzelbesprechungen zu allen Bänden.

Gesamteindruck (Band VI): 3/7


Autor: Bernd Rümmelein
Originaltitel: Tag und Nacht.
Erstveröffentlichung: 2013
Umfang: ca. 630 Seiten
Gelesene Sprache: Deutsch
Gelesene Version: Taschenbuch


 

BuchWelt: Kryson V – Das Buch der Macht

Bernd Rümmelein


„Das Buch der Macht“ ist Band V des 6-bändigen Fantasy-Zyklus „Kryson“, geschrieben vom deutschen Autor Bernd Rümmelein. Auf WeltenDing werden nach und nach Rezensionen zu allen Bänden veröffentlicht, abschließend gibt es eine Gesamtbewertung des Zyklus. Wer eine Kaufempfehlung möchte, sollte also bis dahin warten.

Gesamteindruck (Band V): 3/7


Dem „Kryson“-Zyklus geht die Luft aus.

„Das Buch der Macht“ ist der Band der „Kryson“-Reihe, der mich bisher am wenigsten überzeugen konnte. Zwar schafft Bernd Rümmelein auch diesmal eine Vielzahl an guten, spannenden Abschnitten. Dennoch beschleicht den Leser in vorliegendem Band mehr als einmal das Gefühl, dass der Autor Seiten füllen wollte oder unter Zeitdruck geschrieben hätte. Entsprechend krampfhaft und holprig lesen sich manche Passagen. Mit der Verwandlung eines wichtigen Protagonisten in einen Fisch (!) und den Abenteuern, die er in dieser Gestalt erlebt, gibt es sogar ein durchgehend mehr als zweifelhaftes Thema, das für den Fortlauf der Geschichte, soviel darf ich vorwegnehmen, keinerlei Relevanz hat. Ärgerlich, weil mir völlig schleierhaft ist, welchen Sinn der Autor mit einem solchen Handlungsstrang verfolgt. Das fällt umso mehr auf, weil „Das Buch der Macht“ mit etwas über 600 Seiten ohnehin dünner als seine Vorgänger und sein Nachfolger ausgefallen ist. So wirkt sich das Füllmaterial noch negativer aus. Unabhängig von diesem Lapsus gibt es am fünften „Kryson“-Band die üblichen Mängel: Tippfehler, inhaltliche Ungereimtheiten, ganz generell: ein äußerst bescheidenes Lektorat. Am schlimmsten dabei: Über mehrere Seiten hinweg wird das Volk der Nno-bei-Maya als „Nno-bei-Maja“ bezeichnet. Dass ein solcher Fehler niemandem (auch nicht dem Autor selbst) auffällt, ist schon bezeichnend für die stiefmütterliche Behandlung, die der Ueberreuter-Verlag seinem „Otherworld“-Label offenbar angedeihen hat lassen.

Leider gibt es aber auch ein anderes Problem, das auch durch ein besseres Lektorat nicht hätte beseitigt werden können: Der „Kryson“-Zyklus ist insgesamt ohnehin kein Wunder an Komplexität, auch wenn es viele überraschende Wendungen gibt und Dinge immer wieder nicht so sind, wie sie auf den ersten Blick scheinen. Dennoch: „Das Buch der Macht“ vermittelt erstmals in der Reihe das Gefühl, man liest ein echtes Leichtgewicht. Der Grund dafür ist schnell erzählt: Immer wieder wurde die schicksalshafte Suche nach dem Buch der Macht thematisiert. Auch die zugehörige Prophezeiung um die sieben Streiter erweckte den Eindruck, dass der Leser sich auf ein spannendes und komplexes Abenteuer freuen darf. Letztlich ist die Suche aber ein Ausbund an Banalität, die Eroberung des Buches wird in einem einzigen Kapitel abgehandelt. Auch die Interaktion zwischen den Streitern ist nicht so, wie man es sich erhofft hätte. Kurz gesagt: Die eigentlich völlig unterschiedlichen Charaktere stehen trotz gemeinsamer Sache nahezu isoliert voneinander da. Schade, denn eigentlich hätte dem Buch das Abrücken von der Konzentration auf den Charakter Madhrab sehr gut getan.

All das bedeutet aber nicht, dass „Das Buch der Macht“ durchgehend schlecht ist. Es gibt durchaus spektakuläre Momente, epische Kämpfe und kraftvoll geschriebene Passagen. All das nützt aber im Gesamteindruck recht wenig, wenn ausgerechnet das Thema, dass den Leser seit vielen Bänden begleitet, viel zu kurz kommt. Mehr als drei Punkte sind damit leider nicht drin.

Eine Gesamtwertung der Serie folgt nach Einzelbesprechungen zu allen Bänden.

Gesamteindruck (Band V): 3/7


Autor: Bernd Rümmelein
Originaltitel: Das Buch der Macht.
Erstveröffentlichung: 2011
Umfang: ca. 610 Seiten
Gelesene Sprache: Deutsch
Gelesene Version: Taschenbuch


 

BuchWelt: Kryson IV – Das verlorene Volk

Bernd Rümmelein


„Das verlorene Volk“ ist Band IV des 6-bändigen Fantasy-Zyklus „Kryson“, geschrieben vom deutschen Autor Bernd Rümmelein. Auf WeltenDing werden nach und nach Rezensionen zu allen Bänden veröffentlicht, abschließend gibt es eine Gesamtbewertung des Zyklus. Wer eine Kaufempfehlung möchte, sollte also bis dahin warten.

Gesamteindruck (Band IV): 4/7


Hält das bisherige Niveau der „Kryson“-Reihe

Einmal mehr weckt der Titel eines „Kryson“-Buches Erwartungen. „Das verlorene Volk“ (gemeint sind die sagenumwobenen Nno-bei-Maya) kommt jedoch – wie es schon bei der „Schlacht am Rayhin“ in Band I war – nur sehr knapp zu Ehren. Immerhin kann man sich dann auch gleich vorstellen, wie es wohl in Band V („Das Buch der Macht“) sein wird. Das aber nur am Rande, der Inhalt ist ja wichtiger als der Titel. Und in diesem Bereich gelingt es Bernd Rümmelein einmal mehr, das gute Gesamt-Niveau über weite Strecken zu halten. Heißt: Auch „Das verlorene Volk“ kommt nicht ohne Längen aus, ist jedoch weit davon entfernt, ein schlechtes Buch zu sein. Zwar kein Meisterwerk (wie es auch seine Vorgänger nicht waren), aber dennoch spannend und und mit guten Ideen ausgestattet.

Interessant eigentlich, wie sehr sich die „Kryson“-Bände von der Qualität her gleichen. Trotz unterschiedlicher Handlung sind es jedes Mal die gleichen Punkte, die entweder kritisiert oder gelobt werden können. So hat auch „Das verlorene Volk“ mit zwei großen Schwächen zu kämpfen, die teilweise zusammen hängen: Lektorat und Sprache. Es ist einfach schade, dass es einerseits eine über das übliche Maß hinausgehende Zahl von Tipp- und Satzzeichenfehlern sowie Wortwiederholungen gibt, andererseits die sprachliche Gestaltung und Teile des Satzbaus eine Überarbeitung benötigt hätten. Solche Dinge wären ja eigentlich recht einfach zu beheben – mag sein, dass dem mittlerweile aufgelösten Verlag einfach das Geld fehlte, ändert aber nichts daran, dass so kein guter Eindruck beim Leser entsteht. Es gibt außerdem im gesamten Zyklus inhaltliche Ungenauigkeiten, die zum Teil bei den Beschreibungen von Figuren und Landschaften auffallen. All das ist auch in „Das verlorene Volk“ vorhanden und stört den Gesamteindruck.

Inhaltlich vermag der Autor seiner Reihe weitere neue Aspekte hinzuzufügen. Zur Erinnerung: Am Ende von Band III („Zeit der Dämmerung“) gab es ja einen Zeitsprung, der die Handlung viele Jahre in die Zukunft katapultierte. Das ermöglicht Rümmelein, schöne und friedvolle (aber für einen düsteren Fantasy-Roman auch langweilige) Zeiten zu überspringen und gleich wieder dort anzusetzen, wo es dramatisch wird. Letztlich trotz einiger Vorbehalte ein gelungenes Experiment, das man so in einer so dicht gepackten Reihe auch nicht oft zu lesen bekommen wird. Die größte Frage bei einem derartigen Kniff richtet sich nach der Charakterentwicklung – ist es überhaupt möglich, die Figuren Jahrzehnte in die Zukunft zu transportieren, in denen der Leser nichts von ihnen mitbekommt und trotzdem das Gefühl zu erzeugen, dass sie sich seit dem Band davor konstant weiterentwickelt haben? Ganz sauber und zufriedenstellend ist diese Kurve wohl kaum zu kriegen. Bernd Rümmelein schafft es jedoch einigermaßen, auch wenn einige Fragezeichen stehen bleiben (vor allem der Figur des Renlasol tut das Überspringen der Jahrzehnte nicht gut, aber auch den Personen, die am Ende von Band III noch Kinder waren; speziell bei Tomal fragt man sich zwangsläufig nach der Entwicklung seiner Persönlichkeit). Es braucht jedenfalls ein bisschen Zeit und ein paar Seiten, bis man sich damit abgefunden hat, dass alle Figuren wesentlich älter geworden sind und man als eigentlich allwissender Leser nicht bis kaum weiß, was ihnen in der Zwischenzeit widerfahren ist.

Abgesehen von diesen Unwägbarkeiten, die den Einen mehr, den Anderen weniger stören werden, gibt es an „Das verlorene Volk“ nicht viel auszusetzen. Bernd Rümmelein schildert die einmal mehr sehr düsteren und dramatischen Ereignisse, die Kryson heimsuchen, in schnell zu lesender, meist sehr spannender Art. Ein kleiner Nachteil, den dieses Buch seinen Vorgängern gegenüber hat, ist das Fehlen eines Höhepunktes. Zumindest für mein Gefühl – das Finale ist (ganz im Gegensatz zum Einstieg) weder aufschlussreich genug, noch lässt es einem den Atem stocken. Damit gibt es vier Punkte für „Das verlorene Volk“.

Eine Gesamtwertung der Serie folgt nach Einzelbesprechungen zu allen Bänden.

Gesamteindruck (Band IV): 4/7


Autor: Bernd Rümmelein
Originaltitel: Das verlorene Volk.
Erstveröffentlichung: 2010
Umfang: ca. 600 Seiten
Gelesene Sprache: Deutsch
Gelesene Version: Taschenbuch


 

BuchWelt: Kryson III – Zeit der Dämmerung

Bernd Rümmelein


„Zeit der Dämmerung“ ist Band III des 6-bändigen Fantasy-Zyklus „Kryson“, geschrieben vom deutschen Autor Bernd Rümmelein. Auf WeltenDing werden nach und nach Rezensionen zu allen Bänden veröffentlicht, abschließend gibt es eine Gesamtbewertung des Zyklus. Wer eine Kaufempfehlung möchte, sollte also bis dahin warten.

Gesamteindruck (Band III): 5/7


Der „Kryson“-Zyklus bleibt spannend.

Spätestens zur Hälfte des dritten Bandes von Bernd Rümmeleins „Kryson“-Zyklus wird klar, dass es nicht bei 3 Bänden bleiben kann. Die Handlungsstränge sind mittlerweile zu vielschichtig geworden und vieles ist nicht so, wie es am Anfang noch schien. Auch die Anzahl der für die Handlung wichtigen Charaktere hat sich bereits seit Band 2 erhöht – bleibt also zu hoffen, dass der Autor alle Figuren und losen Fäden zu einem guten Ende zusammenführen kann. Das ist zur „Zeit der Dämmerung“ allerdings noch Zukunftsmusik.

Handlungstechnisch gibt es in Band III der „Kryson“-Saga – vielleicht auch aufgrund der geringfügigen Erhöhung der Seitenzahl – einige kleinere Längen. Diese zu überwinden sollten jedoch für den interessierten Leser, der die Helden bis hierher begleitet hat, kein Problem darstellen. Im Großen und Ganzen kann auch dieses Buch stets begeistern – mit Action, unerwarteten Wendungen und einer Prise Humor. Grundsätzlich herrscht trotz einiger amüsanter Wortwechsel aber wieder die eher düstere Stimmung vor, die bereits die Vorgänger-Bände auszeichnete. Tatsächlich verschärft Rümmelein das Leiden, das einige seiner Figuren und dem Leser mittlerweile ans Herz gewachsenen Charaktere erdulden müssen, sogar noch einmal deutlich. Wer zart besaitet ist, wird aber ohnehin nicht so weit gekommen sein, alle anderen sollten mittlerweile wissen, welche Härte ihnen vom Autor zugemutet wird.

Interessant und vermutlich nicht nach jedermanns Geschmack ist der Kniff, den der Autor zum Ende hin anwendet: Eine Art Zeitsprung und ein abrupter Bruch innerhalb der sonst in sich sehr konsistenten Geschichte, der das eigentliche Finale des Bandes wie einen Fremdkörper wirken lässt. Ob diese Bruchstelle, die schließlich dazu führt, alles, was in den bisherigen drei Bänden passiert ist, wie Vorgeplänkel wirkt, gut für die Gesamthandlung ist, bleibt abzuwarten. Ein gelungener Cliffhanger ist es jedenfalls, wobei man sich fragen könnte, ob es vielleicht besser gewesen wäre, diesen Übergang an den Anfang von Band IV („Das verlorene Volk“) zu stellen. Wie auch immer: Man darf gespannt sein, wie es in Zukunft auf Kryson weitergeht. Für „Zeit der Dämmerung“ gibt es gute fünf Punkte.

Eine Gesamtwertung der Serie folgt nach Einzelbesprechungen zu allen Bänden.

Gesamteindruck (Band III): 5/7kryson3


Autor: Bernd Rümmelein
Originaltitel: Zeit der Dämmerung.
Erstveröffentlichung: 2009
Umfang: ca. 800 Seiten
Gelesene Sprache: Deutsch
Gelesene Version: Taschenbuch


 

BuchWelt: Kryson II – Diener des Dunklen Hirten

Bernd Rümmelein


„Diener des dunklen Hirten“ ist Band II des 6-bändigen Fantasy-Zyklus „Kryson“, geschrieben vom deutschen Autor Bernd Rümmelein. Auf WeltenDing werden nach und nach Rezensionen zu allen Bänden veröffentlicht, abschließend gibt es eine Gesamtbewertung des Zyklus. Wer eine Kaufempfehlung möchte, sollte also bis dahin warten.

Gesamteindruck (Band II): 5/7


Großartig – aber leider nicht von Anfang an.

Bereits bei Band I („Die Schlacht am Rayhin“) von Bernd Rümmeleins Geschichte um „Kryson“, die Welt der Gegensätze, gab es einige langwierige Passagen zu überstehen. Im Folgeband „Diener des Dunklen Hirten“ ist das nicht viel anders: Die ersten 200 Seiten sind langatmig und zäh. Nicht unbedingt langweilig, aber einfach nicht flüssig geschrieben, was umso mehr auffällt, wenn man gleich nach dem grandiosen Finale von Band I weiter liest. Diese ersten Seiten zu überstehen wird nicht jedem Leser gelingen. Wer es dennoch schafft, bekommt danach jedoch ein Werk zu lesen, dass seinem Vorgänger in praktisch allen Belangen überlegen ist. Denn in der Folge gelingt es dem Autor tatsächlich, die Spannung auf durchgängig sehr hohem Niveau zu halten. Das Buch aus der Hand zu legen wird im Laufe der Lektüre zunehmend zu einer Herausforderung für den Leser.

Rümmelein schafft es sogar, einige der bisherigen Kritikpunkte zu eliminieren. Die Figuren gewinnen in „Diener des dunklen Hirten“ dramatisch an Tiefe, es werden zusätzliche Völker und Personen eingeführt und die gesamte Welt wirkt deutlich belebter und glaubwürdiger. Auch die größere Hintergrundgeschichte, die in „Die Schlacht am Rayhin“ lediglich angedeutet und in Nuancen vorhanden war, nimmt an Fahrt auf und ist von einigen Wendungen durchzogen, die immer durchdacht und auf ein Ziel ausgerichtet wirken. Interessant auch, dass der Autor seine Figuren noch weniger schont als im nicht gerade zimperlichen Serien-Auftakt. Keiner der Helden und Bösewichte wird mit Samthandschuhen angefasst, eine extrem harte Gangart, die aber durchaus gefällt.

Was leider wieder zu kritisieren ist: Wiederholungen, Wiederholungen und… Wiederholungen. Es wurde in „Die Schlacht am Rayhin“ beispielsweise erklärt, was es mit dem Bluttrinker Quadalkar auf sich hat. Mehrfach. Darüber hat man sich geärgert und gehofft, dass das Thema damit erledigt sei. Dem ist leider nicht so, diese Geschichte kehrt in Varianten wieder. Und auch sonst gibt es immer wieder Dinge zu lesen, die man schon weiß. Sehr schade.

Das und das schwache erste Drittel wiegen so schwer, dass zwei Punkte abgezogen werden müssen. Sehr schade, vor allem auch, weil der Rest von „Diener des dunklen Hirten“ den Auftakt der „Kryson“-Reihe locker in die Tasche steckt.

Eine Gesamtwertung der Serie folgt nach Einzelbesprechungen zu allen Bänden.

Gesamteindruck (Band II): 5/7kryson2


Autor: Bernd Rümmelein
Originaltitel: Diener des Dunklen Hirten.
Erstveröffentlichung: 2009
Umfang: ca. 770 Seiten
Gelesene Sprache: Deutsch
Gelesene Version: Taschenbuch


 

BuchWelt: Kryson I – Die Schlacht am Rayhin

Bernd Rümmelein


„Die Schlacht am Rayhin“ ist Band 1 des 6-bändigen Fantasy-Zyklus „Kryson“, geschrieben vom deutschen Autor Bernd Rümmelein. Auf WeltenDing werden nach und nach Rezensionen zu allen Bänden veröffentlicht, abschließend gibt es eine Gesamtbewertung des Zyklus. Wer eine Kaufempfehlung möchte, sollte also bis dahin warten.

Gesamteindruck (Band 1): 4/7


Stellenweise langwieriger Auftakt.

Der Titel „Die Schlacht am Rayhin“ führt zunächst eine wenig in die Irre. Der Leser muss sich nämlich bis zum letzten Drittel des Werkes gedulden, bis das namensgebende Gefecht so richtig beginnt (abgesehen von kleineren Scharmützeln). Das restliche Buch befasst sich mit der Einführung der Charaktere und dem langsamen Aufbau der Handlung, die spürbar auf Fortsetzung ausgelegt ist. Dass ein solcher Versuch eines behutsamen Aufbaus auch nach hinten losgehen kann, hat man allerdings schon in anderen Zyklen gesehen – Bernd Rümmelein gelingt jedoch das Kunststück, die Spannung seines einführenden Werkes in genau dem Maß zu steigern, dass der Schluss tatsächlich einen Höhepunkt markiert. Die letzten Seiten machen es fast unmöglich, das Buch aus der Hand zu legen. So gesehen eine gelungene Sache also, vergisst man dadurch doch beinahe, wie sehr der Autor den Lesern in den Seiten davor mit Informationen überschüttet.

Und so schleichen sich trotz allgemein recht kurzweiliger Erzählweise ein paar Probleme ein, die vermutlich der zu diesem Zeitpunkt noch recht geringen Erfahrung des Autors geschuldet sein dürften. Oder der 2005 gegründete und mittlerweile im Uebberreuter-Verlag aufgegangene, österreichische Publisher „Otherworld“ hatte keinen vernünftigen Lektor zur Hand. Denn abgesehen vom einen oder anderen Tipp- und Grammatikfehler, den man noch verschmerzen kann, gibt es ein echtes Ärgernis: Wiederholungen einzelner Sachverhalte. Das passiert mal in fast exakt gleichen Worten wie einige Seiten davor, an anderen Stellen wiederum durch Umschreibungen, die letztlich aber auch nicht verbergen können, dass man das Gelesene bereits kennt. Gern auch mehrfach. Das hätte sich – ebenso wie diverse Wortwiederholungen in ein und demselben Satz und diverse holprige Formulierungen – von einem erfahrenen Lektor leicht ausbügeln lassen. Keine Ahnung, was da schiefgelaufen ist, das Lesevergnügen wird dadurch jedenfalls spürbar geschmälert. Abgesehen davon könnte man vielleicht als negativ anmerken, dass der Stil und die Art und Weise, wie die Figuren reden, ein bisschen zu modern für einen Fantasy-Roman wirkt. Hier wäre durch ein wenig Fein-Tuning wesentlich mehr Atmosphäre möglich gewesen. Zuguterletzt gibt es noch einige kleinere Unstimmigkeiten in den Verhaltensweisen sowie ein ab und an vorkommender Wechsel bei den Längenmaßen (Meter vs. Fuß), die zumindest in der von mir gelesenen Ausgabe vorkommen.

Kritisieren kann man auch, dass die Welt, die Rümmelein erschaffen hat, hier noch zu wenig durchdacht und unfertig wirkt. Es ist durchaus Vielschichtigkeit unter der Oberfläche zu erahnen, jedoch dringt diese für mein Dafürhalten nie ganz bis zum Leser durch. Wobei ich gestehen muss, dass mir das Konzept der Welt der Gegensätze insgesamt schon sehr gut gefällt. Aber stellenweise beschleicht den Leser eben doch der Eindruck, dass die Tiefe nur durch massives Infodumping vorgegaukelt wird und sich darunter nicht so viel verbirgt. Ob und wie sich das in den Folgebänden weiterentwickelt, muss man sehen. Für „Die Schlacht am Rayhin“ gibt es jedenfalls gute 4 Punkte, die das Buch dem starken Finale und der gelungenen Charakterzeichnung zu verdanken hat.

Anzumerken sei noch, dass „Kryson“ keine Serie für Zartbesaitete ist. Es wird geschändet, gefoltert und gemordet – und diese Handlungen werden auch noch ganz genau beschrieben. Als Leser kommen daher nur Erwachsene in Frage.

Eine Gesamtwertung der Serie folgt nach Einzelbesprechungen zu allen Bänden.

Gesamteindruck (Band I): 4/7kryson1


Autor: Bernd Rümmelein
Originaltitel: Die Schlacht am Rayhin.
Erstveröffentlichung: 2009
Umfang: ca. 580 Seiten
Gelesene Sprache: Deutsch
Gelesene Version: Taschenbuch


 

BuchWelt: „Enwor“ – Zusammenfassende Bewertung

Wolfgang Hohlbein & Dieter Winkler


Wolfgang Hohlbein ist einer der bekanntesten Namen der deutschsprachigen Fantasy. Ein Vielschreiber, was man vor allem seinem Spätwerk sehr deutlich anmerkt. Der Enwor-Zyklus stammt hingegen großteils aus den 1980er Jahren, zählt also eher zum Frühwerk des Autors. Noch dazu hat Hohlbein sich Enwor nicht im Alleingang ausgedacht, sondern hatte mit Dieter Winkler einen Partner – zumindest bei der Konzeption, geschrieben hat Hohlbein die ersten 10 Bände im Alleingang. All das ändert meiner Ansicht nach nichts daran, dass Enwor (leider!) ein Sinnbild von Wolfgang Hohlbeins Schaffen ist. Es ist stellenweise unfassbar gut, andernorts immer noch besser als vieles, was die Konkurrenz zustande bringt, oft ein Ärgernis und manchmal einfach grottenschlecht weil schlampig.

Gesamteindruck: 4/7


Ein stetiges Auf und Ab.

Der Enwor-Zyklus besteht aus 11 Bänden, was auf manche Leser zunächst abschreckend wirken mag. Das muss man allerdings relativieren, insgesamt haben wir es mit „nur“ 3.300 Seiten zu tun, viele der Bücher haben einen Umfang von deutlich unter 300 Seiten. Es ist also durchaus möglich, den Zyklus relativ zügig zu beenden. Das Überspringen von einzelnen Bänden ist nicht möglich – wir haben es hier mit einem kontinuierlichen Aufbau einer komplexen Geschichte zu tun.

Qualitativ gibt es an Enwor in der Retrospektive einiges auszusetzen, sowohl am Gesamtwerk als auch an einzelnen Teilen. Die Güte von Wolfgang Hohlbeins Arbeit (er ist nunmal der Hauptautor!) schwankt manchmal sogar innerhalb der Einzelbände sehr stark. Die grundsätzliche Idee der Geschichte ist natürlich über jeden Zweifel erhaben, sie wirkt auch heute noch frisch und unverbraucht. Elemente aus Fantasy und Science Fiction, sogar ein wenig vom Lovecraft’schen Mythos der „Großen Alten“, vermengen sich zu einer tollen Vision, die theoretisch ihresgleichen suchen sollte. In der Praxis ist es jedoch leider so, dass die Welt, die Hohlbein erschafft, bei weitem nicht so logisch und in sich stimmig ist, wie es beispielsweise J.R.R. Tolkien oder Steven Erikson gelingt. Das scheint mir einzig und allein an der – was ist es eigentlich? – Schlampigkeit oder Ungeduld des Autors liegen.

Hundert verschiedene Dinge werden angedeutet, aber nur ein verschwindender Bruchteil davon wird zu Ende gedacht. Interessante Handlungsstränge wechseln sich mit undeutbaren Absätzen ab, ähnlich ist es mit den Dialogen, die zwischen Wortwitz und Dramatik auf der einen und Belanglosigkeit bzw. sogar Lächerlichkeit auf der anderen Seite wechseln. Selbst die dramatischen Wendungen, die großteils extrem spannend umgesetzt wurden, sind manchmal zuviel des Guten (vor allem in Band 10). Sogar die Landkarten sind bis auf eine („Das schwarze Schiff“, eine sehr gute Übersicht!) samt und sonders zum Vergessen. Einzig und allein der Held Skar weiß durchgehend zu gefallen – wenn man das katastrophale „Elfte Buch“ herausnimmt. In diesem Abschlussband nimmt auch etwas überhand, was den Enwor-Leser eigentlich von Anfang an begleitet: Die Sprache der Hauptfiguren orientiert sich zum Teil doch sehr an unserer eigenen – damit meine ich Satz- und Wortkonstruktionen, die einfach nicht in ein Fantasy-Werk (oder auch Science Fiction Buch – je nachdem) passen und die Atmosphäre immer wieder empfindlich stören.

Damit komme ich trotz der sehr guten Rahmenbedingungen nicht umhin, die Enwor-Saga als „durchschnittlich“ einzustufen, was mich zwar einige Überwindung kostet, aber letzthin gerechtfertigt scheint. Meiner Ansicht nach extrem schade, da hier so viel mehr drin gewesen wäre, wenn sich der Autor mehr Zeit genommen und alles nur ein wenig besser ausgearbeitet hätte.

Für Fantasy-Fans ist der Zyklus dennoch eine Überlegung wert, weil auf diesem Gebiet weitaus Schlechteres veröffentlich wurde und die gute Idee durchaus Beachtung verdient. Lediglich Band 11 (und alles, was danach kommt) kann man sich tatsächlich komplett schenken.

Einzelwertungen:

  1. Enwor 1: Der wandernde Wald: 5/7
  2. Enwor 2: Die brennende Stadt: 6/7
  3. Enwor 3: Das tote Land: 5/7
  4. Enwor 4: Der steinerne Wolf: 3/7
  5. Enwor 5: Das schwarze Schiff: 2/7
  6. Enwor 6: Die Rückkehr der Götter: 4/7
  7. Enwor 7: Das schweigende Netz: 4/7
  8. Enwor 8: Der flüsternde Turm: 6/7
  9. Enwor 9: Das vergessene Heer: 6/7
  10. Enwor 10: Die verbotenen Inseln: 5/7
  11. Enwor 11: Das elfte Buch: 1/7

Gesamteindruck: 4/7


Autorden: Wolfang Hohlbein & Dieter Winkler
Umfang: 11 Bände, ca. 3.300 Seiten
Originaltitel:
 Enwor.
Gelesene Sprache: Deutsch