FilmWelt: Das Parfum

Letztlich hat es mit dem deutschen Regisseur Tom Tykwer nach langer Zeit doch ein Filmemacher geschafft, die Freigabe zur Verfilmung von Patrick Süskinds 1985 erschienen Roman „Das Parfum“ zu erhalten. Die Umsetzung ist – bis auf wenige Kleinigkeiten – sehr gut gelungen, was das Werk eher zu einer Ausnahmeerscheinung unter den Romanverfilmungen macht.

Gesamteindruck: 6/7


Mit kleinen Abstrichen gelungene Verfilmung eines Klassikers.

Dass die filmische Umsetzung eines Buches, das sich praktisch ausschließlich mit der Welt der Gerüche beschäftig, sehr schwierig ist, liegt auf der Hand. Unabhängig davon: Einen Vergleich zwischen Buch und Verfilmung zu treffen ist sowieso immer ein zweischneidiges Schwert. Einerseits gibt es hier eine Vorlage, die viele aus dem Publikum kennen und die ein eigenes Bild der Geschichte im Kopf schafft – davon muss man sich (zumindest) ein Stück weit lösen, um eine solche Verfilmung überhaupt irgendwie objektiv betrachten und vielleicht sogar genießen zu können. Auf der anderen Seite ist es, vor allem was die Grundhandlung und die Hauptfiguren betrifft, eigentlich unmöglich, ohne einen Vergleich auszukommen, wenn man das Gesamtwerk (als Kenner des Buches) umfassend bewerten möchte.

Naturgemäß fallen als Erstes die durchwegs gelungenen, atmosphärischen Bilder auf. Hier spielt Regisseur Tom Tykwer geradezu meisterhaft mit den Farben und der Kameraführung. Vor allem die beklemmende Düsterkeit (geht schon fast in Richtung schwarz/weiß oder Sepia), aus der einzelne, „wohlriechende“ Dinge in geradezu überirdisch leuchtenden Farben hervorstechen, entspricht meiner Ansicht nach nicht nur der Gesamtstimmung des Buches, sondern wäre auch ohne die Vorlage bemerkenswert.

Dramaturgie und Handlungsablauf stimmen weitgehend ebenfalls, allerdings zeichnet die viel bemühte „künstlerische Freiheit“ des Regisseurs doch manchmal ein nicht beabsichtigtes Bild von den Zuständen der Figuren. Das empfinde ich persönlich als Kenner des Buches nicht als extrem störend, allerdings scheint mir, dass viele, die den Roman nicht gelesen haben, dadurch einen völlig falschen Eindruck bekommen – siehe dazu Rezensionen, in denen die „Verherrlichung eines Massenmörders“ beklagt wird. Damit einhergehend (und gar nicht auf das Buch bezogen, sondern auf die Rollen an sich) ist die schauspielerische Leistung. Während man dem grandiosen Alan Rickman († 2016) den „Richis“ jederzeit abnimmt, bleibt Dustin Hoffman als „Baldini“ merkwürdig farblos. Rachel-Hurt Wood hingegen spielt die „Laura“ mehr als akzeptabel. Schwierig zu bewerten ist die Hauptrolle – hier hätte man wohl anstelle von Ben Wishaw einen etwas „hässlicheren“ Schauspieler nehmen (bzw. eine entsprechende Maske verwenden) sollen. Das hätte eine Identifikation mit seiner Figur weitaus schwieriger gemacht und ihm damit viel von der durchaus vorhandenen Sympathie genommen, was dem Ganzen besser zu Gesicht gestanden hätte. Diese Sympathie entsteht nämlich aus Gesamtentwicklung, die der Charakter „Grenouille“ im Film nimmt und der wichtige Facetten des Buches fehlen – hauptsächlich dadurch dürfte bei Lesern des Buches und auch bei moralischen und zartbesaiteten Menschen die Ambivalenz in der Bewertung entstehen.

Alles in allem scheint mir Tom Tykwer etwas mehr Wert auf das gesamte Drumherum, auf die Grundstimmung gelegt zu haben, als auf den Hauptcharakter, um den sich die ganze Geschichte dreht und drehen soll. Wenn man zwischen Film und Buch eine klare Grenze zieht bleibt dennoch ein sehr guter Streifen mit hervorragenden Bildern, guten Darstellern und einer angenehmen Dramaturgie, der trotz seiner Länge im Endeffekt sehr kurzweilig ist. Wenn die Hauptrolle etwas anders angelegt gewesen wäre und etwas mehr Abscheu beim Publikum erzeugt hätte, wäre vielleicht die volle Punktzahl möglich gewesen.

Gesamteindruck: 6/7


Originaltitel: Das Parfum – Die Geschichte eines Mörders
Regie: Tom Tykwer
Jahr: 2006
Land: Deutschland, Frankreich, Spanien, USA
Laufzeit: 147 Minuten
Besetzung (Auswahl): Ben Wishaw, Dustin Hoffman, Alan Rickman, Rachel Hurd-Wood, Corinna Harfouch, Birgit Minichmayr



 

FilmWelt: Sweeney Todd

Von Tim Burton hat man ja schon die unterschiedlichsten Themen serviert bekommen – 2007 gesellte sich ein Musical aus dem Jahr 1979 dazu, dessen Wurzeln sogar bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts zurück reichen. Allein schon diese Konstellation macht zumindest neugierig auf den Film.

Gesamteindruck: 5/7


Eine Geschichte über Rache.

Wer von „Sweeney Todd – Der teuflische Barbier aus der Fleet Street“ leicht verständliches Popcorn-Kino erwartet, wird sich wohl bereits in den ersten Minuten abwenden. Das liegt nicht an der komplexen Handlung, sondern vielmehr daran, dass hier tatsächlich ein Broadway-Musical adaptiert wurde, das heißt, es wird sehr viel mit Gesang gearbeitet und wenig gesprochen. Das kann vor allem durch die nicht sehr eingängige Musik (die allerdings ein wichtiges Markenzeichen des Stückes an sich ist) schon mal anstrengend werden. Andererseits ist es relativ einfach, der Geschichte zu folgen, mit einigermaßen guten Englischkenntnissen kann man sich voll auf das eigentliche Geschehen konzentrieren und braucht die Untertitel nur in Ausnahmefällen. Die schauspielerische (und meiner Meinung nach auch die gesangliche) Leistung von Burtons Haus-und-Hof-Mimen-Duo Johnny Depp und Helena Bonham Carter geht vollkommen in Ordnung und ist dem Thema mehr als angemessen.

Die Geschichte selbst wäre an sich schnell erzählt und wird durch die Songs auf Spielfilmlänge ausgedehnt – ein durchaus legitimes Mittel, wenn man bedenkt, dass das in jedem Actionfilm ähnlich ist. Statt Lieder werden dort eben mehrminütige Verfolgungsjagden oder Kampfsequenzen geboten, um die nötige Filmdauer zu erreichen. Was als größere Kunst empfunden wird, kann eigentlich nur Geschmackssache sein, ihre Daseinsberechtigung haben beide Formen. Dass die Gesangsdarbietung dabei durchaus ihre Längen hat, soll allerdings nicht verhehlt werden. Auch, dass eigentlich nicht sehr viel wirkliche Spannung aufkommt (wie man sie auch von einer Musical-Adaption irgendwie erwartet, wenn sie für den Mainstream angeboten wird), ist kaum abzustreiten. Daran können auch die stimmungsvoll eingefangenen Kulissen und das insgesamt sehr düstere Setting nicht viel ändern.

Als sehr einfach und damit durchaus nicht schlecht in Szene gesetzt empfinde ich die Moral, die hinter dem Ganzen steckt – das Streben nach Rache, das im Endeffekt nur zum eigenen Untergang führt. Durch dieses wahrlich Unhappy End werden auch die exzessiven Gewaltdarstellungen relativiert – wobei man natürlich sagen muss, dass deren absolute Überzeichnung sowieso kaum eine fragwürdige Interpretation zulässt.

Punkteabzüge gibt es für einige Längen, die in den Gesangs-Sequenzen entstehen (manchmal ertappt man sich sogar dabei, wie man mit der „Fastforward“-Taste liebäugelt) und für die zum Teil fehlende Spannung. Größter Minuspunkt ist allerdings das unfertig wirkende Ende, das das Publikum doch einigermaßen ratlos zurücklässt. Man erfährt nicht, wie es mit den recht gut aufgebauten Nebenrollen weitergeht, was sehr schade ist (wobei ich allerdings nicht weiß, wie es damit im Original-Musical aussieht) – solide 5 Punkte.

Gesamteindruck: 5/7


Originaltitel: Sweeney Todd: The Demon Barber of Fleet Street.
Regie: Tim Burton
Jahr: 2007
Land: USA
Laufzeit: 116 Minuten
Besetzung (Auswahl): Johnny Depp, Helena Bonham Carter, Alan Rickman, Timothy Spall