MusikWelt: Hardwired… to Self-Destruct

Metallica


Ich fand (und finde nach wie vor), dass „Death Magnetic“ (2008) ein gutes Album war. Zwar weit von einem Meisterwerk im Sinne von „Ride the Lightning“ (1984) oder „Master of Puppets“ (1986) entfernt, dennoch eine schöne Platte. Was darauf folgte, war zunächst eine lange Pause, dann, acht (!) Jahre nach „Death Magnetic“, kam „Hardwired… To Self-Destruct“. Für mich übrigens ziemlich unerwartet, weil zu einem Zeitpunkt, als ich kaum noch Musikzeitschriften konsumierte und daher nicht mehr auf dem Laufenden war. So oder so – sobald das 2016er-Album in den Newslettern der Versandhäuser und auf Spotify auftauchte, habe ich, ohne lang zu überlegen oder richtig reinzuhören, das Doppel-Vinyl gekauft

Gesamteindruck: 6/7


Bester Versuch seit 30 (!) Jahren.

Ich hätte es nicht für möglich gehalten: „Hardwired… To Self-Destruct“ ist ein sehr gutes Metallica-Album. Nach den ersten zwei, drei Durchläufen war ich noch anderer Meinung, zu lang, zu wenige sofort zündende Ideen, zu überproduziert – das waren so die Attribute, die ich zunächst im Kopf hatte. Nach einiger Zeit, die die Platte zum Reifen hatte und in der ich nur gelegentlich reingehört habe, habe ich anno 2020 beschlossen, nochmal ganz genau aufzupassen. Und siehe da: „Hardwired… To Self-Destruct“ erwies sich als wahrer Grower. Mit jedem Durchgang entdeckte ich neue Details, die mir gefielen – und irgendwann ertappte ich mich dabei, wie ich diese Platte immer und immer wieder gehört habe. Zunächst zu Hause am Plattenspieler, dann aber verstärkt im Auto und beim Laufen. Wenn das kein gutes Zeichen ist, weiß ich es auch nicht.

Damit habe ich das Fazit schon vorweg genommen, ein bisschen in die Tiefe möchte ich aber natürlich schon noch gehen. Zunächst erzeugt „Hardwired… To Self-Destruct“ durch die Gestaltung als Doppel-Album das Gefühl, besonders lang zu sein. Der Blick auf die Gesamtspielzeit zeigt jedoch, dass dieser Eindruck täuscht: 77:28 Minuten liegen ziemlich voll im Rahmen aller Metallica-Longplayer seit „Load“ (1996, mit 78:58 Minuten bis heute das längste Album der Band). Am Rande sei angemerkt, dass die gefühlte Spielzeit mitunter recht stark von der tatsächlichen abweicht – oder dass es je nach dargebotener Musik Unterschiede zu geben scheint, wie lang ein Album sein „darf“. Beides nachzuhören bei „St. Anger“ (2003), das das „nur“ 75:03 Minuten auf dem „Tacho“ hat, was man kaum glauben kann, wenn man versucht, dieses Werk mehrfach hintereinander konzentriert zu hören.

Spezielle Atmostphäre.

„Hardwired… To Self-Destruct“ lebt meiner Meinung nach von einer ganz eigenen, fast schon doomig zu nennenden Atmosphäre. Insgesamt hat man das Gefühl eines eher langsamen Albums, auch wenn es einzelne Songs gibt („Moth into Flame“, „Spit Out the Bone“) in denen das Gaspedal einigermaßen durchgetreten wird. An dieser Stelle sei aber gleich auch gesagt, dass wir es hier mit der kontrollierten Aggressivität vierer Herren zu tun haben, denen man ihr Alter mittlerweile recht deutlich anmerkt. Heißt: Die wilden Momenten sind bei weitem nicht mehr so ungestüm wie in den Anfangstagen der Band und auch nicht dermaßen thrashig, wie es noch auf dem Vorgänger „Death Magnetic“ zumindest stellenweise der Fall war. Für mein Dafürhalten setzt das Quartett aus Kalifornien hier vielmehr auf Ausgewogenheit (was übrigens auch in der extrem ausgeglichenen Produktion deutlich wird, die jedem Instrument den gleichen Freiraum zugesteht). Wer also ein neues „Kill ´Em All“ (1983) oder „Master of Puppets“ erwartet hat, wird wohl einmal mehr enttäuscht sein – Mitleid gibt es dafür aber keines von mir, denn dass das nicht passieren würde, war klar. Wobei ich aber auch sagen möchte, dass „Hardwired… To Self-Destruct“ vom Feeling her gar nicht so weit von der Stimmung eines „Master of Puppets“ entfernt ist. Insgesamt denke ich, dass das Album auch sehr gut in die Zeit zwischen „…And Justice For All“ und „Load“ gepasst hätte, wenn man unbedingt nach einem musikalischen Referenzpunkt in der Metallica-Historie suchen möchte.

Schwer fällt mir, einzelne Songs hervorzuheben. Das liegt vorwiegend daran, dass fast jede Nummer mindestens einen Teil mit extrem hohem Wiedererkennungswert hat. Verantwortlich dafür sind meiner Meinung nach James Hetfield und Kirk Hammett – ersterer ist unglaublich gut bei Stimme, vor allem aber sind es diverse Gesangslinien und Melodien, die klassischen Ohrwurm-Charakter haben. Hammett hingegen packt – manchmal auch im Maiden-lastigen Duett mit Hetfield – ein paar durchaus gute Solos aus, was in jüngeren Jahren ja keineswegs selbstverständlich war. Die Riffs sind allerdings nochmal stärker und stammen natürlich wiederum von Hetfield, der hier tatsächlich so etwas wie einen zweiten Frühling zu erleben scheint. Neben meinem Favoriten „Now That We’re Dead“ (übrigens von Wrestling-Legende The Undertaker als Entrance-Theme für seinen Auftritt bei der 2020er-Ausgabe von „WrestleMania“ genutzt) gefallen mir vor allem das vorab bekannte „Atlas, Rise!“, das schnelle „Moth Into the Flame“ und das doomige „Dream No More“, in dem Metallica endlich (!) mal wieder den CthulhuMythos von H.P. Lovecraft aufgreifen.

Guilty pleasure?

Freilich ist trotz dieser lobenden Worte auch auf „Hardwired… To Self-Destruct“ nicht alles Gold, was glänzt. So finde ich letztlich jede Nummer auf Disc 1 sehr gut gelungen, Disc 2 fällt demgegenüber allerdings ein wenig ab. „ManUnkind“, „Am I Evil“… ähh… „Am I Savage?“ und leider auch die Lemmy Kilmister-Verbeugung „Murder One“ sind im Vergleich zum restlichen Material unterer Durchschnitt. Als Kritikpunkt kann man außerdem einmal mehr festhalten, dass Metallica dazu tendieren, das eine oder andere Stück zu sehr in die Länge zu ziehen (ein Problem, dass sie schon seit „Master of Puppets“ mit sich herumschleppen). Und: Ich habe ja oben kurz mal das Alter der Herrschaften erwähnt – teilweise spiegelt sich das nicht gerade in den infantilen Lyrics wieder. Man höre z. B. den Titeltrack, da wird recht schnell klar, was ich damit meine…

So oder so: Im ersten Moment ist es verlockend einfach, „Hardwired… To Self-Destruct“ als weiteren Beweis für die Merkwürdigkeit der Metallica-Phase abzutun, die nun bereits seit Anfang/Mitte der 1990er andauert (und damit wesentlich länger als jene Zeit, in der die Bay Area-Thrasher noch vollkommen unumstritten waren). Ich war zunächst auch versucht, mich aufgrund verschiedener Dinge, die mich störten, gleich über das ganze Album negativ auszulassen – bis ich irgendwann feststellen musste, dass es mir geradezu unverschämt viel Spaß macht, dieses Werk zu hören. Guilty pleasure? Mag sein, dass das für manche so wirkt, ich frage mich aber, was genau eigentlich schlecht daran sein soll, wenn eine Band, die ich mag mir ein Album vorlegt, das mich nicht mehr und nicht weniger als gut unterhält. Und so kann ich „Hardwired… To Self-Destruct“ nur eine hohe Wertung geben, die höchste, die ich Metallica seit dem „Schwarzen Album“ (1991) zugestanden habe. Unerwartet? Ja! Unverdient? Nein!


Track – Titel – Länge – Wertung

Disc 1

metal-archives.com

  1. Hardwired – 3:09 – 5/7
  2. Atlas, Rise! – 6:28 – 6/7
  3. Now That We’re Dead – 6:59 – 6/7
  4. Moth Into the Flame – 5:50 – 6/7
  5. Dream No More – 6:29 – 6/7
  6. Halo on Fire – 8:15 – 5/7

Disc 2

  1. Confusion – 6:43 – 6/7
  2. ManUNkind – 6:28 – 4/7
  3. Here Comes Revenge – 7:17 – 5/7
  4. Am I Savage? – 6:29 – 4/7
  5. Murder One – 5:45 – 4/7
  6. Spit Out the Bone – 7:09 – 6/7

 Gesamteindruck: 6/7 


Metallica auf “Hardwired… to Self-Destruct” (2016):

  • James Hetfield − Vocals, Rhythm Guitars
  • Kirk Hammett − Lead Guitars
  • Robert Trujillo − Bass
  • Lars Ulrich − Drums

Anspieltipp: Now That We’re Dead

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MusikWelt: S&M

Metallica


Das erste Wort, das mir einfällt, wenn es darum geht, den Gesamteindruck von „S&M“ zu beschreiben, ist „schwierig“. In der Praxis haben wir es hier mit einem typischen Metallica-Konzert um die Jahrtausendwende zu tun, heißt: Die Songauswahl ist nicht ganz ausgewogen, vor allem ein oder zwei Nummern vom Debüt „Kill ´Em All“ (1983) vermisst man schmerzlich. Stattdessen gibt es Rohrkrepierer wie „Bleeding Me“ und „The Outlaw Torn“ zu hören. Ergänzt wird die abgesehen davon tadellose Live-Show des Vierers aus der Bay Area durch das San Francisco Symphony-Orchester, dirigiert vom 2003 verstorbenen Michael Kamen. Und genau in der Symbiose dieser beiden Elemente, Heavy Metal und Klassik, liegt das Problem.

Gesamteindruck: 3/7


Wo ist die Symbiose?

Beim ersten Durchgang von „S&M“ ist man noch guter Dinge: Man bekommt die bekannten Metallica-Standards in einer energiegeladenen Live-Version zu hören. Die Band ist „tight“, wie man so schön sagt, James Hetfield ist am Mikro deutlich besser drauf, als es zu jener Zeit gelegentlich der Fall war; nicht vergessen sollte man außerdem die grandiosen Backing Vocals von Bassist Jason Newsted, die Metallica meiner Ansicht nach auch heute noch sehr gut tun würden. Die Vorfreude wird bereits beim legendären Opener „The Ecstasy of Gold“ unermesslich groß – dass es dann ausgerechnet mit dem gefühlte Ewigkeiten dauernden Instrumental „The Call of Ktulu“ weitergeht, ist ein verschmerzbarer Dämpfer. Denn danach folgen sieben sehr starke Nummern, bevor die Kurve mit den finalen Stücken von Disc 1 deutlich abflacht.

Disc 2 beginnt mit dem im Zuge dieser Veröffentlichung auch im Radio endgültig totgespielten „Nothing Else Matters“ eher verhalten, steigert sich dann aber grandios (sieht man vom Zwischenloch „The Outlaw Torn“ ab) und endet mit dem Doppelschlag aus „Enter Sandman“ und „Battery“ standesgemäß. An alledem ist wenig auszusetzen, dass einem nicht jede Nummer gefällt, ist für ein Live-Album glaube ich normal, jeder hat ja so seine Traum-Setlist im Kopf. Man nickt ständig mit, klopft mit dem Fuß den Takt, brüllt (hoffentlich nicht in der Öffentlichkeit) bei den Refrains und Singalongs mit und freut sich generell, ein grundsolides Metallica-Konzert mit gutem, organischem Sound zu hören.

Nicht wie aus einem Guss.

Soweit so gut – irgendwann habe ich dann aber doch bemerkt, dass ich in meiner Begeisterung gar nicht so sehr auf das Orchester geachtet habe, das ja der Grund ist, wieso es diese Platte überhaupt gibt. Daran merkt man schon, dass hier etwas nicht so ganz stimmt. Ich vermute mal, meine wenig an Klassik gewöhnten Ohren haben die Orchester-Spuren relativ schnell ausgeblendet, weil diese stellenweise wie ein Fremdkörper (man könnte auch sagen: Störfaktor!) klingen. Bei einzelnen Songs wie „The Memory Remains“, „Until It Sleeps“, „For Whom the Bell Tolls“ und, ja, auch „Nothing Else Matters“, greift alles halbwegs ineinander. Wirklich gut funktioniert es aber nur bei den extra für dieses Album geschriebenen Nummern „-Human“ (allerdings per se kein so tolles Lied) und dem wahrlich großartigen und bis heute zu Recht auf Metallica-Setlists zu findenden „No Leaf Clover“ (in meinen Ohren der mit großem Abstand beste Track auf „S&M“).

Das Problem beim Rest vom Schützenfest scheint zu sein, dass Metallica ihre Songs keineswegs für die orchestrale Darbietung umgestaltet haben. Noch dazu geht die Band laut, druckvoll und – wie üblich – live etwas schneller als auf Platte zu Werke. Das Ergebnis: Wenn bei komplexeren Kompositionen wie „The Thing That Should Not Be“ und „Master of Puppets“, aber auch bei zwar einfachen, jedoch massiven Brechern wie „Battery“ oder „Fuel“ das Orchester einsetzt, gibt es so etwas wie eine Symbiose nicht mehr. Die Symphoniker scheinen frontal gegen eine unglaublich laute Metal-Band anzuspielen, es klingt stellenweise tatsächlich, als würden zwei Platten nebeneinander laufen und einfach nicht ineinander greifen. Dabei hat das nach meinem Ermessen nichts mit technischen Dingen wie Timing o. ä. zu tun – die Songs sind schlicht nicht für diese Performance ausgelegt. Eine etwas anderes Arrangement hätte wohl geholfen, denn grundsätzlich vertragen sich diese zwei Musikstile ja aufgrund ähnlicher Dynamik recht gut (wie diverse orchestrale Metal-Alben anderer Bands immer wieder gezeigt haben).

Auf „S&M“ ist das leider viel zu selten der Fall. Beim Gros der Songs ist es letztlich so, dass ich das Orchester ganz einfach nicht gebraucht hätte – und das ist natürlich ein Desaster. Vor dem Totalausfall retten das Album ein paar durchaus gelungene Songs (Kunststück, an deren grundsätzlicher Qualität ändert sich ja nichts…) und das unverwüstliche Live-Feeling eines Metallica-Konzerts. „Thema verfehlt“, hätte man in der Schule wohl gesagt.


Track – Titel – Länge – Wertung*

metal-archives.com

Disc 1

  1. The Ecstasy of Gold – 2:30
  2. The Call of Ktulu – 9:34
  3. Master of Puppets – 8:55
  4. Of Wolf and Man – 4:19
  5. The Thing That Should Not Be – 7:27
  6. Fuel – 4:36
  7. The Memory Remains – 4:42
  8. No Leaf Clover – 5:43
  9. Hero of the Day – 4:45
  10. Devil’s Dance – 5:26
  11. Bleeding Me – 9:01

Disc 2

  1. Nothing Else Matters – 6:47
  2. Until It Sleeps – 4:30
  3. For Whom the Bell Tolls – 4:52
  4. – Human – 4:20
  5. Wherever I May Roam – 7:02
  6. The Outlaw Torn – 9:59
  7. Sad but True – 5:46
  8. One – 7:53
  9. Enter Sandman – 7:39
  10. Battery – 7:25

 Gesamteindruck: 3/7 

* Bei Live- und Best of-Alben verzichte ich auf eine Einzelbewertung der Songs.


Metallica auf “S&M” (1999):

  • James Hetfield − Vocals, Rhythm & Lead Guitars
  • Kirk Hammett − Lead Guitars, Backing Vocals
  • Jason Newsted – Bass, Backing Vocals
  • Lars Ulrich − Drums

Anspieltipp: No Leaf Clover

MusikWelt: Death Magnetic

Metallica


Was wurde nicht alles geschrieben, als „Death Magnetic“ 2008 auf die Menschheit losgelassen wurde… Die einen sprachen von einem Meisterwerk, von der lang erwarteten Rückkehr zu alter Stärke (und meinten damit die seligen 1980er), die anderen vom verzweifelten Versuch alternder Millionäre, sich mit den ihren genauso alten Fans zu versöhnen, gleichzeitig aber das jüngere Publikum nicht zu vergrämen. Meiner Ansicht nach lag und liegt die Wahrheit beim 9. Album der Bay Area-Legende Metallica in der Mitte. Wie so oft.

Gesamteindruck: 5/7


Gut, aber kein Meisterwerk.

Ich kann mich gut erinnern, dass ich 2008 hin- und hergerissen war: Ist „Death Magnetic“ nun super oder eher mau? Heute, mit dem gebührenden zeitlichen Abstand, kann ich verkünden: Ich weiß es immer noch nicht genau. Tja. Ich würde aber eher in die positive Richtung tendieren. Heißt: Dieses Album ist kein neues „Master of Puppets“ (1986), sollte es wohl auch nie sein – und doch ist es allem überlegen, was nach „Metalllica“ (1991) kam. Ja, richtig gelesen, nach dem Schwarzen Album, das ich nach wie vor für sehr stark halte.

Zunächst mal etwas Grundsätzliches: Nach mehreren erneuten Durchläufen der Scheibe bestätigt sich die Meinung, die ich auch 2008 relativ schnell gefasst hatte. In meinen Ohren klingt „Death Magnetic“ tatsächlich nach einer Mischung aus sämtlichen Metallica-Perioden davor. Es gibt also (zum Glück wenige) Versatzstücke aus „St. Anger“ (2003) – vor allem was die gesangliche Qualität mancher Passagen und einige Drum-Figuren betrifft (speziell „The End Of The Line“ und das vorab ausgekoppelte „Cyanide“ seien in diesem Zusammenhang genannt). Apropos Drums: Lars Ulrich scheint gefallen am „St. Anger“-Sound gefunden zu haben, einmal mehr klingt die Snare ziemlich blechern, wenngleich in geringerem Ausmaß. Auch die 1996/97er-Phase („Load“ bzw. „Reload“) ist an einigen Stellen zu erkennen, das aber eher im Gitarrenbereich. Die Länge der Stücke erinnert wiederum vornehmlich an „…And Justice For All“ (1988), auch die Vertracktheit und der grundsätzliche Stil mancher Kompositionen entspricht diesem Klassiker (man höre „Broken, Beat & Scarred“, „The Day That Never Comes“). All diese Bestandteile setzen Metallica gut zusammen, sodass „Death Magnetic“ nicht nach Stückwerk klingt.

Selbstreferenz.

Umgekehrt komme ich dadurch aber auch nicht umhin, dem Quartett eine gewisse Faulheit zu unterstellen. Beispielsweise ist „The Unforgiven III“ derart selbstreferenziell, dass es nur so eine Art hat. „Ist ja auch eine Fortsetzung“, wird man mir nun zurufen – stimmt, aber interessanterweise erinnert der Song nicht an seine direkten Vorgänger auf „Metallica“ bzw. „Reload“, sondern sehr stark an die für den „Mission Impossible II“-Soundtrack veröffentlichte Nummer „I Disappear“. Und auch andere Riffs und Harmonien meint man schon auf verschiedenen Tracks der Truppe gehört zu haben, wie ich bereits oben angedeutet habe. Beispiele gefällig? Ab ca. 1:45 Minuten musste ich bei „That Was Just Your Life“ direkt an „Frantic“ denken, gesangstechnisch erinnert „The End of the Line“ mal an „Creeping Death“, dann wieder an einen anderen Song, der mir jetzt partout nicht einfallen will; „The Day That Never Comes“ ist für mein Gefühl hingegen viel deutlicher eine modernisierte Version von „The Unforgiven“ als oben genannter Teil 3 dieses Epos.

Spielt das alles eine große Rolle? Irgendwie schon, weil man dadurch immer wieder das Gefühl hat, Metallica müssten sich, um überhaupt noch Relevanz zu haben, an Songs orientieren, mit denen sie das mal geschafft haben. Mit richtig neuen Ideen kommen sie jedenfalls kaum um die Ecke, was bei manchen Bands ok wäre, bei dieser alteingesessenen Formation aber irgendwie seltsam anmutet, weil in diesem Ausmaß bisher noch nicht dagewesen. Wobei mir durchaus klar ist, dass es unglaublich schwer sein muss, in den Augen der Fans überhaupt etwas richtig zu machen. Aber das ist ein anderes Thema – ich kann und will hier nur beschreiben, wie „Death Magnetic“ bei mir ankommt.

Etwas fehlt.

Das alles soll aber ohnehin nicht bedeuten, dass dieses Album Müll ist – oder auch nur Durchschnitt. Das zeigt sich allein daran, dass „Death Magnetic“ – im Gegensatz zum indiskutablen „St. Anger“ – keinen Totalausfall zu verzeichnen hat. Neben dem etwas arg beliebigen Einstieg „That Was Just Your Life“ empfinde ich das genannte „The Unforgiven III“ als am wenigsten essenziell, vor allem im Vergleich zu seinen superben Vorgängern. Ansonsten gibt es wenig zu meckern, sogar das Instrumental „Suicide & Redempiton“ ist durchaus hörenswert und (fast) auf dem Niveau von „Orion“ (auf „Master of Puppets“) anzusiedeln. Am besten gefällt mir persönlich „Broken, Beat & Scarred“, das zunächst wie eine Hommage an „Sad But True“ beginnt, dann aber zusehends härter, schneller und explosiver wird. Schön ist außerdem das halb-balladeske „The Day That Never Comes“, das einen schönen Kontrapunkt zum restlichen, doch recht harten Material setzt. Und auch „Cyanide“ weiß zu gefallen, auch wenn ich den Song zunächst nicht so gern mochte, ist das eine gut geschriebene, eingängige Nummer.

Warum es trotz einiger gutklassiger Songs trotzdem „nur“ 5 Sterne gibt? Eine gute, nicht so leicht beantwortbare Frage… Ich kann mir nicht helfen, aber wenn ich „Ride the Lightning“ auflege, sagt mir mein Gefühl auch 2020 noch: Höchstwertung! Ohne Wenn & Aber – und nicht, weil es ein allgemein anerkannter Klassiker ist. Nein, es ist umgekehrt: Genau das Gefühl, das einen beim Hören der Metallica-Alben aus den 1980ern ergreift, hat erst dafür gesorgt, dass daraus Klassiker werden. Offenbar ist da irgend etwas in der Musik, das sehr viele Menschen zu begeistern weiß. Was genau es ist, kann ich nicht zu 100% sagen, ich weiß nur, dass mir dieses spezielle Feeling bei „Death Magnetic“ abgeht. Nicht so sehr wie bei „St. Anger“, wohlgemerkt, aber doch. Irgendwo im Songwriting muss es ein Detail geben, das offenbar nicht reproduzierbar ist. Ich will jetzt nicht mal behaupten, dass die Fähigkeit dermaßen starke Emotionen in den Metalheads zu wecken, mit dem Tod von Cliff Burton (Bass, † 1986) verloren gegangen ist, denn mir gefällt ja auch das Schwarze Album gut. Ach, ich weiß es auch nicht, es fehlt einfach irgend etwas. Hinzu kommt der oben genannte Retrospektiv-Charakter, der versucht, alle Schaffensperioden der Band auf einem Album, zum Teil in einem Lied, zu vereinen. Dieses Vorhaben mag Geschmackssache sein, für mich klingen die Songs dadurch zum Teil fast wie Cover-Versionen. Aber besser gut gecovert als schlecht neu erfunden – von daher: „Death Magnetic“ ist trotz allem eine gute Leistung.


metal-archives.com

Track – Titel – Länge – Wertung

  1. That Was Just Your Life – 7:07 – 4/7
  2. The End of the Line – 7:51 – 5/7
  3. Broken, Beat & Scarred – 6:25 – 6/7
  4. The Day That Never Comes – 7:55 – 6/7
  5. All Nightmare Long – 7:57 – 5/7
  6. Cyanide – 6:38 – 6/7
  7. The Unforgiven III – 7:45 – 4/7
  8. Judas Kiss – 8:00 – 5/7
  9. Suicide & Redemption – 9:56 – 5/7
  10. My Apocalypse – 5:00 – 4/7

 Gesamteindruck: 5/7 


Metallica auf “Death Magnetic” (2008):

  • James Hetfield − Vocals, Rhythm Guitars
  • Kirk Hammett − Lead Guitars
  • Robert Trujillo − Bass
  • Lars Ulrich − Drums

Anspieltipp: Broken, Beat & Scarred


 

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MusikWelt: St. Anger

Metallica


Ich erinnere mich, dass die Erwartungen an „St. Anger“ (2003) riesengroß, eigentlich übermächtig, waren – das letzte reguläre Metallica-Album „Reload“ (1997) hatte zu jenem Zeitpunkt 6 Jahre auf dem Buckel, dazwischen gab es mit „Garage Inc.“ (1998) eine (gute) Kompilation aus Coversongs teilweise recht ungewöhnlicher Künstler und mit „S&M“ (1999) ein meiner Ansicht nach sehr durchwachsenes, orchestrales Live-Album. Außerdem hatte man mit internen Querelen zu kämpfen, die mit dem Aus für Bassist Jason Newsted und einem James Hetfield, der sich endlich seinen Dämonen stellte, endeten.

Gesamteindruck: 1/7


Ein Album – für wen eigentlich?

Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich den bis heute umstrittensten Metallica-Longplayer in dessen Erscheinungsjahr 2003 zum letzten Mal in einem Zug und voll konzentriert durchgehört habe. Wobei konzentriert so eine Sache ist, denn die Platte ist a) sehr lang und b) nicht gerade easy listening. Jedenfalls weiß ich noch, dass ich damals kein gutes Haar daran gelassen habe. Könnte natürlich jugendlicher (bzw. studentischer) Übermut gewesen sein – also habe ich mir „St. Anger“ nun, nach 17 (!) Jahren, erstmals wieder in voller Länge gegeben, um zu überprüfen, ob sich für mich was geändert hat. Übrigens habe ich mir direkt zwei Durchgänge gegönnt, einmal einfach so, einmal beim Sport, für den die Platte laut dem einen oder anderen Kommentator ja besonders geeignet sein soll. Für mehr hatte ich keinen Nerv, was das Fazit eigentlich schon vorweg nimmt.

Mit inzwischen doch sehr großer zeitlicher Distanz kann ich zunächst ganz neutral sagen, dass meine damalige Hoffnung auf eine Rückkehr Metallicas zu alter Größe enttäuscht werden musste. Allerdings in einem Ausmaß, das kaum vorherzusehen war. Kleine Anmerkung: Ich hatte die Band tatsächlich 2003 erstmals überhaupt live gesehen und war begeistert von der Energie, die die älteren Nummern auf der Bühne versprühten. Genau davon wollte ich mehr –  bekommen habe ich etwas völlig Anderes, etwas, mit dem ich als Fan traditioneller Klänge herzlich wenig anfangen konnte. Und doch war ich damals der Meinung – und bin es noch – dass ein gewisses Maß an Verbohrtheit dazu gehört, sich groß über die stilistische Veränderung, die Metallica im Laufe der Jahre durchgemacht haben, zu echauffieren. Meine Kritik richtet sich daher weniger an den veränderten Stil (der mir zwar nicht gefällt, aber damit könnte ich wie bei „Load“/„Reload“ gerade noch leben), sondern an das völlig misslungene Songwriting.

Bis auf wenige Ausnahmen („Frantic“, „St. Anger“, „The Unnamed Feeling“ und „Dirty Window“), die im Vergleich zum vorherigen Output ebenfalls nur unterer Durchschnitt sind, bewegen sich alle Songs auf einem Niveau, das einer so talentierten Band eigentlich unwürdig ist. Dabei handelt es sich um zwanghaft modernes Geknüppel (also das, was 2003 als „modern“ galt) ohne Sinn und Verstand, das noch dazu mit einer Produktion aufwartet, die jeglichen Anflug von wirklicher Härte im Keim erstickt. Dazu kommt, dass einzelne Songs und auch das Album als Ganzes für diese Art von Musik viel zu lang sind. Hier sinnvolle Strukturen zu erkennen ist nahezu unmöglich – maximal lässt sich eine gewisse schnell-/langsam-Dynamik in vielen Songs festzustellen. Interessanterweise finde ich jeweils die langsamen, ruhigeren Parts deutlich stärker als das restliche Material.

Kurz zusammengefasst: Insgesamt empfinde ich „St. Anger“ als so anstrengend, dass wohl nur echte Krach-Liebhaber alles an einem Stück genießen können. Übrigens ändert es für mich nichts, ob ich mir die Platte im heimischen Wohnzimmer oder beim Laufen reinziehe: Ersteres geht praktisch gar nicht, für zweiteres sind mir die einzelnen Tracks letztlich zu lang und zu ähnlich aufgebaut. Das pusht mich jedenfalls nicht, im Gegenteil, dadurch wird die Laufrunde gefühlt immer länger.

Damit haben ich auch schon meine Probleme mit dem Album und in der Folge die niedrige Wertung (vor allem in Bezug zum restlichen Metallica-Katalog) erklärt – keine richtigen Songs, kaum Strukturen, mangelhafte Produktion. Der ungewohnte Gesang hingegen stört mich weniger, ich finde ihn sogar recht passend (zum Songmaterial, nicht als Maßstab für Hetfields Fähigkeiten). Mehr Punkte sind aber einfach nicht drin, auch wenn man das Album als das betrachtet, was es eigentlich ist: Weniger Anbiederung an die Moderne, obwohl man auch das raushören kann, sondern eher Gruppentherapie für die Band. Als solche mag es funktioniert haben, aber „St. Anger“ deswegen als Meisterwerk hochzujubeln, wie es einige nach wie vor tun (wohl nur weil Metallica drauf steht), halte ich für übertrieben. Dieses Album mag gut und wichtig als Therapie für die Band sein – für den Großteil der Fans ist es meiner Ansicht nach unbrauchbar.


Track – Titel – Länge – Wertung

metal-archives.com

  1. Frantic – 5:50 – 4/7
  2. St. Anger – 7:21 – 4/7
  3. Some Kind of Monster – 8:26 – 1/7
  4. Dirty Window – 5:25 – 5/7
  5. Invisible Kid – 8:30 – 4/7
  6. My World – 5:46 – 1/7
  7. Shoot Me Again – 7:10 – 1/7
  8. Sweet Amber – 5:27 – 3/7
  9. The Unnamed Feeling – 7:08 – 4/7
  10. Purify – 5:14 – 2/7
  11. All Within My Hands – 8:46 – 1/7

 Gesamteindruck: 1/7 


Metallica auf “St. Anger” (2003):

  • James Hetfield − Vocals, Rhythm Guitars
  • Kirk Hammett − Lead Guitars
  • Lars Ulrich − Drums

Anspieltipp: Dirty Window

MusikWelt: Metallica

Metallica


Im Heavy Metal und all seinen verschiedenen Spielarten gibt es ein interessantes Phänomen: Sobald eine Band kommerziell erfolgreich wird, verliert sie einen Teil ihrer Fanbasis. Die ansonsten viel beschworene, unbeirrbare Treue der Anhänger ist oft nicht so groß, wie man denkt, wenn plötzlich überall lauthals „Ausverkauf!“ gebrüllt wird. Zumindest „offiziell“, denn ich bin mir sicher, dass viele Fans der ersten Stunde, die plötzlich nichts mehr mit der Band zu tun haben wollen, im stillen Kämmerlein auch die erfolgreicheren Sachen mit Begeisterung hören. Eines der prominentesten und ersten Beispiele für den geschilderten Sachverhalt ist „Das schwarze Album“ von Metallica.

Gesamteindruck: 6/7


Kommerzieller Erfolg – na und?

Nun bin ich ebenfalls Heavy-Metal-Fan (hauptsächlich Thrash, Power und Black Metal, auch ein wenig Death Metal und Industrial), und das nicht erst seit gestern oder – um beim Beispiel dieser Rezension zu bleiben – seit ich zum ersten Mal „Enter Sandman“ gehört habe. Trotzdem stellte sich mir niemals die Frage nach der musikalischen Qualität des schlicht „Metallica“ betitelten 1991er Albums der Herren aus der Bay Area. Das hat für mich zwei Gründe: Zum einen verstehe ich nicht, was es für mich als Fan für einen Unterschied machen soll, wie viele Leute meine Lieblingsband gut finden. Mir ist es herzlich egal, ob eine Metallica-Scheibe auf Platz 1 oder Platz 100 der Charts platziert ist. Und genau dieser Ansatz führt mich zum zweiten Punkt: Die Sturheit, mit der manche darauf pochen, wie Metallica zu klingen haben. Ich selbst bin – wie schon erwähnt – u. a. Thrash-Metal-Fan. Mit Thrash hat diese Platte aber nicht mehr viel zu tun. Das stört mich aber nicht, wenn das Songwriting stimmt. In so einem Fall gibt es für mich auch keine Genre-Grenzen, Lieder die mir gefallen, gefallen mir eben, egal in welchem Stil sie geschrieben sind und wie viele Leute sie sonst noch mögen. Insofern habe ich kein Problem damit, die ersten 5 (!) Alben von Metallica als sehr gut zu bezeichnen. Die Phase danach ist eine andere Geschichte – aber ich empfinde sie ebenfalls nicht als so durchgängig mies wie manch anderer. Eine etwas lange Einführung, die aber vielleicht denen zugute kommt, die das Album bzw. die Band wirklich noch nicht kennen – soll’s ja auch geben.

Kommen wir zur Sache: „Metallica“ bietet in meinen Ohren eine sehr ausgewogene Mischung aus Härte und Melodie – zwei Faktoren, die für die Musik dieser Band schon immer bestimmend waren. Wenn man sich die musikalische Entwicklung von Metallica bis 1991 ansieht, kann man den Prozess recht gut erkennen, der zu diesem ALbum führte. Die unkontrollierte Rasanz und Härte gab es meiner Ansicht nur auf dem Debüt „Kill ´Em All“(1983), alles, was danach kam verschob sich doch eher in Richtung Kontrolle und Melodie (natürlich angereichert mit mal mehr, mal weniger Härte). Vor allem am Gesang ist das ausgezeichnet zu beobachten.

„Metallica“ beginnt mit „Enter Sandman“, einer Hymne sondergleichen, an der sich bereits die ersten Geister aus oben genannten Gründen scheiden. Nichtsdestotrotz habe ich bei einem Metallica-Konzert noch niemanden gesehen, der bei diesem Lied nicht mitsingt oder sogar so konsequent ist und die Halle verlässt, wenn das ach-so poppige Mainriff angestimmt wird. Ähnliches gilt für das Groove-Monster „Sad But True“ und für die typische Halbballade „The Unforgiven“, die sofort ins Ohr gehen und dort auch hängenbleiben. Auch „Wherever I May Roam“, „Don’t Tread On Me“ (mit seinen „West Side Story“-Anleihen und sozialkritischem Text) und „Of Wolf And Man“ können auf ganzer Linie überzeugen, von Radiotauglichkeit kann ich hier jedenfalls nicht allzu viel erkennen – vor allem dann nicht, wenn ich dran denke, dass das Album 1991 erschienen ist, das waren schon noch andere Zeiten. Ebenfalls gut gelungen sind „The God That Failed“ und „My Friend Of Misery“, einer der wenigen vom damaligen Bassisten Jason Newsted mitgeschriebenen Songs. Immerhin guter Durchschnitt sind die im Gesamtkontext etwas untergehenden „Holier Than Thou“ und „Through The Never“.

An Ausfällen bzw. Füllern kann ich lediglich „The Struggle Within“ und vor allem „Nothing Else Matters“, die einzige echte Ballade von Metallica ausmachen. Letztere Nummer dürfte wohl den größten Anteil am „Ausverkauf!“-Geschrei haben, ich persönlich finde sie im Vergleich zu den klassischen Metallica-Halbballaden einfach langweilig und, ja, der Song war spätestens vor 20 Jahren totgespielt. Wahrscheinlich schon vorher.

Fazit: „Metallica“ ist alles in allem eine Platte, die sich sehr schnell erschließt, im Gegensatz zum viel zitierten Radio-Pop aber dennoch nicht nach dem dritten Mal hören langweilig wird. Damit ist das „schwarze Album“ gleichzeitig aber tatsächlich ein krasser Gegensatz zu seinem Vorgänger „…And Justice For All“ (1988), der wesentlich schwerer zugänglich war. Und ja, das bedeutet auch, dass ein Teil der Härte, die Metallica früher schon ausgezeichnet hat, verloren gegangen ist. Für mich persönlich macht das „Metallica“ aber keinen Deut schlechter. Nur anders. Was man bevorzugt, muss letztlich jeder für sich entscheiden. Oder man macht es wie ich, entscheidet sich nicht und findet einfach beide Metallica-Varianten gut.


Track – Titel – Länge – Wertung

metal-archives.com

  1. Enter Sandman – 5:32 – 6/7
  2. Sad But True – 5:25 – 6/7
  3. Holier Than Thou – 3:48 – 5/7
  4. The Unforgiven – 6:27 – 7/7
  5. Wherever I May Roam – 6:44 – 7/7
  6. Don’t Tread On Me – 4:00 – 6/7
  7. Through the Never – 4:04 – 4/7
  8. Nothing Else Matters – 6:29 – 4/7
  9. Of Wolf and Man – 4:17 – 5/7
  10. The God That Failed – 5:09 – 5/7
  11. My Friend of Misery – 6:50 – 5/7
  12. The Struggle Within – 3:54 – 4/7

 Gesamteindruck: 6/7 


Metallica auf “Metallica” (1991):

  • James Hetfield − Vocals, Rhythm & Lead Guitars
  • Kirk Hammett − Lead Guitars
  • Jason Newsted – Bass, Backing Vocals
  • Lars Ulrich − Drums

Anspieltipp: The Unforgiven


 

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Live (Kreator)

KonzertWelt: Guns n‘ Roses (Wien, 10.07.2017)

Datum: Montag, 10. Juli 2017
Location: Ernst-Happel-Stadion (Wien)
Tour: „Not in this Lifetime“
Headliner: Guns n‘ Roses
Support: WolfmotherTyler Bryant & The Shakedown
Ticketpreis: 150 Euro (Sitzplatz)


Wie süß die Nostalgie schmecken kann.

GUNS N‘ ROSES in Wien – noch dazu mit W. Axl Rose, Slash und Duff McKagan – das muss man gesehen haben. Oder doch nicht? Nun, für alle, die mit dieser Band musikalisch aufgewachsen sind und wie der Autor dieser Zeilen eine wahnsinnige, emotionale Bindung zu ihr entwickelt haben, stellt sich die Frage nicht. Man musste einfach hin – auch wenn es durchaus Gründe gab, die dagegen sprachen. Da wäre zunächst der stolze Preis – 150 Euro für einen Sitzplatz (für den Spätentschlossenen waren natürlich keine Stehplätze mehr zu haben, die aber nur unwesentlich günstiger waren) sind eigentlich weit jenseits des Zumutbaren. Noch schwerer wog aber die kleine, leise Stimme im Inneren, die ständig vor der Enttäuschung warnte, die sich eventuell einstellen würde und unter Umständen sogar geeignet wäre, die tollen Jugenderinnerungen zu überschatten. Diese Stimme hatte bereits 10 Jahre vor dem 2017er-Konzert zu flüstern begonnen, als GUNS N‘ ROSES, damals bestehend aus Axl Rose mit Band aber ohne Slash/McKagan, einen dem Hörensagen nach katastrophalen Gig am Nova Rock ablieferten. Sollte man sich dieser erneuten Gefahr tatsächlich aussetzen? Nun, es half nichts – wer weiß schon, ob sich diese Chance noch einmal bietet, von daher: Ja zu GUNS N‘ ROSES, ja zu einem Erlebnis, auf das ich persönlich über 20 Jahre gewartet habe. So viel gleich vorweg: Die Erinnerung ist leicht getrübt, was einem Nebel aus Alkohol und Glückshormonen geschuldet ist. Dennoch will ich versuchen, meine Gefühle und mein Konzerterlebnis wiederzugeben – und das mit einem gewissen emotionalen Abstand, daher kommt dieser Bericht erst eine Woche nach dem Konzert.

Vorgruppen? Ja, waren auch da.

Als wir nach dem Kauf eines aktuellen Gn’R-Tourshirts (35 Euro, das geht ja noch) und der gar nicht sooo strengen Sicherheitskontrolle unsere Plätze einnahmen, war die erste Vorgruppe, TYLER BRYANT & THE SHAKEDOWN, so gut wie fertig. Zwei oder drei Lieder haben wir gehört, könnte jetzt aber nicht sagen, wie das geklungen hat. Überhaupt war man zu der Zeit eher damit beschäftigt, auszuloten, wie gut man von den Sitzplätzen im Sektor Grün überhaupt sehen würde. Die Antwort: Super, was die Videowalls betrifft, die Figuren auf der Bühne waren hingegen relativ winzig.

Nach überraschend kurzer Umbaupause folgten WOLFMOTHER. Die Australier, die hierzulande nie richtig Fuß fassen konnten, wirkten ziemlich entschlossen. Auf der Bühne gab es einiges an Bewegung, davor im Publikum nicht so sehr. Zumindest nicht über die ersten – keine Ahnung – 10 Reihen hinaus. War meines Erachtens eine bemühte Show, die aber auch zeigte, warum WOLFMOTHER es nicht so richtig geschafft haben und der ganz große Erfolg vermutlich auf ewig ausbleiben wird. Einerseits war der Sound suboptimal, zumindest auf den Rängen. Andererseits haben die Australier abseits ihres großen Hits „Woman“ nicht allzu viel im Gepäck, das sich in den Ohren festkrallt. Es fehlt einfach an den Hooks und großen Refrains, die speziell ein Stadionkonzert braucht. Und so konnten sich WOLFMOTHER halt nicht mehr als einen Höflichkeitsapplaus abholen.

Pünktlichkeit ist eine Zier.

Und dann war es endlich soweit: Der Headliner schickte sich an, die Bühne zu entern. Damit das auch alle Mann mitbekamen, wurde gefühlte 10 Minuten lang das GUNS N‘ ROSES-Logo, immer wieder von lauten Schüssen unterlegt, eingeblendet. Einige dürften den Anfang dennoch versäumt haben – denn es gab eine Überraschung. GUNS N‘ ROSES begannen mehr als pünktlich. Unglaublich. Von den angeblich 55.000 Besuchern hatten – so mein Eindruck – längst nicht alle ihren Platz eingenommen, als es losging. Übrigens sollten die Gunners laut Timetable ursprünglich um 20:15 Uhr beginnen. Das wurde bereits im Vorfeld auf 19:30 Uhr vorverlegt, was per eMail kommuniziert wurde. Ob das jeder mitbekommen hat, weiß ich nicht – aber an einem Montag relativ knapp nach Feierabend im Stadion zu sein, dürfte einigen Besuchern eher schwer gefallen sein, auch wenn sie um den früheren Beginn wussten. Von Ausverkauft!-Feeling war also anfangs noch keine Rede, noch dazu weil – und das ist die eigentliche Überraschung – GUNS N‘ ROSES tatsächlich um 19:31 Uhr mit „It’s So Easy“ ihren Gig eröffneten. Unglaublich, es ging tatsächlich (über-)pünktlich los! Das und die Vorverlegung um 45 Minuten sowie eine etwas gekürzte Setlist lassen im Nachhinein übrigens vermuten, dass man es wohl ziemlich eilig hatte, aus Wien wegzukommen.

Zu dem Zeitpunkt war mir das aber völlig egal. Nach der Eröffnung setzte man mit „Mr. Brownstone“ gleich noch einen drauf und ich war sofort in einem nostalgischen Glücksrausch angekommen, den ich so nicht erwartet hätte. Als dritter Song folgte „Chinese Democracy“, was ich mit einer Bierpause bedachte – langes Anstehen inklusive. Danach kam mit „Welcome to the Jungle“ wieder ein Gassenhauer, bei dem ich aber erstmals etwas genauer hinhörte und merkte, dass der Sound ganz und gar nicht so war, wie ich es mir vorgestellt hatte. Das sollte sich später noch bessern, zumindest was die Musik betrifft. Zwei Probleme blieben aber mehr oder minder bis zum Schluss bestehen: Einerseits die viel zu leise abgemischte Stimme, andererseits die extrem störende Asynchronität zwischen Sound und Bildern auf der Videowall. Ich habe mir erklären lassen, dass das mit der Akustik des Stadions zu tun hat, wo auf den Rängen die Töne quasi im Kreis liefen – im Infield, bei den Stehplätze, wäre dieses Problem wohl nicht so eklatant gewesen. Blöd für alle „Sitzer“, aber offenbar nicht zu ändern.

Nicht jeder altert in Würde.

Nach diesem akustischen Fazit gab es mit dem Doppelpack „Double Talkin‘ Jive“ und „Better“ gleich auch noch die Möglichkeit zum optischen Check. Wen das nicht interessiert: Einfach die folgenden Absätze skippen.

Unser aller Helden werden alt. Das sieht man mittlerweile mit alarmierender Häufigkeit auf allen möglichen Konzerten – sei es der graue Bart von Tom Araya (SLAYER), der massive Haarverlust von Lars Ulrich (METALLICA) oder der Tod des unsterblich geglaubten Lemmy Kilmister (MOTÖRHEAD). Wobei man sagen muss, dass manche Musiker die Grenze, ab der sie plötzlich gar nicht mehr zu altern scheinen, überspringen – siehe Ozzy Osbourne (BLACK SABBATH) oder auch Steve Harris (IRON MAIDEN). Im Falle von GUNS N‘ ROSES sind beide Seiten des Spektrums abgedeckt: Auf der einen Seite das enfant terrible, der letzte große Rockstar, W. Axl Rose, dem man die Jahre unerbittlich ansieht. Einst schlank und rank und mit üppiger, roter Mähne gesegnet, ist des Frontmannes Haupthaar schütter geworden (was er unter verschiedenen Kopfbedeckungen zu verstecken versuchte), der Körper einigermaßen in die Breite gegangen, das Gesicht stark verlebt. Da will dann nicht mal mehr der berühmt-berüchtigte Schlangentanz so sexy wirken, wie er damals von Heerscharen weiblicher Fans aufgenommen wurde.

Auf der anderen Seite haben wir den großen Gitarren-Helden Slash, ebenfalls den letzten seiner Art. Dessen Gesicht war schon zu den besten Zeiten hinter verspiegelter Sonnenbrille und wallender Haarpracht versteckt. Und genau so sieht er immer noch aus, es scheint, als wäre die Zeit für denn Mann mit dem Zylinder spätestens Mitte der 1990er Jahre stehen geblieben. Er scheint sogar an Muskelmasse gewonnen zu haben, sah irgendwie kompakter und muskulöser aus, als ich ihn von alten Videos in Erinnerung hatte.

Zwischen diesen beiden Reizfiguren, deren Egos verhindert haben, dass wir diese Reunion früher erleben durften: Bassist Duff McKagan, dem die Drogenvergangenheit deutlich anzumerken ist, der mittlerweile dennoch zwar älter, gleichzeitig aber fitter wirkt als je zuvor. Keyboarder Dizzy Reed, auch schon seit fast 30 Jahren in der Band (immerhin ziemlich durchgehend, soweit ich weiß), war nicht so oft im Bild, sah aber recht normal aus. Drei „Neuzugänge“ (also Musiker, die mir nicht bekannt waren) gab es auch zu vermelden: Am Schlagzeug ging es mit dem spielerisch unauffälligen Frank Ferrer (seit 2006 an Bord) optisch in Richtung Metalcore und am zweiten Keyboard steht mit Melissa Reese seit 2016 ein angenehmer Farbtupfer. Natur- bzw. soundgemäß noch herausstechender war Rhythmus-Gitarrist Richard Fortus, der auch schon auf 15 Jahre Bandzugehörigkeit zurückblicken kann und altersmäßig sehr gut zu den Gunners passt, dem eine Drogenvergangenheit aber anscheinend weitgehend erspart geblieben ist.

Weitgehend starke Setlist.

Nach diesem kleinen Exkurs zurück zum Konzert, das mit „Estranged“ (meiner Lieblingsnummer aus dem Repertoire von Gn’R) eigentlich erst so richtig losging. Nun wurde nicht nur der Sound besser, sondern auch das Publikum wachte plötzlich richtig auf. War das die Andacht, mit der die Fans bis zu diesem Zeitpunkt gelauscht hatten? Oder war es einfach ein schwieriger Einstieg in ein so lange erwartetes Konzert? Man wird es wohl nicht mehr erfahren, mit „Estranged“ war die Welt, die vorher schon in Ordnung gewesen war, mit einem Mal fast perfekt. Diese Stimmung, unglaublich. Da konnte auch der Regen, der für ein paar Minuten recht stark prasselte, nichts ändern. Mehr noch, Axl Rose verließ sogar das schützende Bühnendach – so als wollte er den Fans zeigen „ich bin einer von euch“. Wie glaubwürdig das ist, sei dahin gestellt, war mir in dem Moment aber auch vollkommen egal, muss ich sagen.

Nun folgte Hit auf Hit, ich persönlich habe mich besonders über das MISFITS-Cover „Attitude“ gefreut, gesungen von Duff McKagan, dem man ruhig das Mikro hätte lauter drehen sollen. Dann gab es wieder eine kleine Verschnaufpause namens „This I Love“ – man sieht schon, was ich, was die Fans, was alle hören wollten, bevor es mit „Civil War“, „Yesterdays“ und „Coma“ so richtig in die Vollen ging und es auch auf den Rängen niemanden mehr auf dem Platz hielt. Auf das obligatorische Gitarrensolo (meiner Meinung nach schon „damals“ verzichtbar) und das „The Godfather“-Theme folgte der zweitbeste Song der Band, „Sweet Child O’Mine“, bevor mich eine Änderung zur vorher gelesenen Setlist stutzig machte: Statt „My Michelle“ gab es „Used To Love Her“ und „Out Ta Get Me“, was ich super fand (auch wenn „My Michelle“ ebenfalls sehr willkommen gewesen wäre). Das Grande Finale, bestehend aus „November Rain“, „Knockin‘ On Heaven’s Door“, „Nightrain“, „Patience“ und – natürlich – „Paradise City“ wurde durch mehrere Cover-Versionen (ja, ich weiß, BOB DYLAN…) aufgelockert. Am besten hat mir die extrem mächtige Version von SOUNDGARDEN’s „Black Hole Sun“ gefallen, gewidmet natürlich dem unlängst verstorbenen Chris Cornell.

So viel zu den Songs, die genaue Setlist gibt es hier. Deutlich zu sehen ist dabei auch, dass GUNS N‘ ROSES auf einen gar nicht mal so großen Backkatalog zurückgreifen können. Das Œuvre besteht ja auch nur aus fünf regulären Studio-Alben (von denen allerdings nur „Appetite For Destruction“, 1987, sowie die beiden „Use Your Illusion“-Teile, 1991, durchgehend gut sind) und der Cover-Scheibe „‚The Spaghetti Incident?'“ (1993). So ist es kein Wunder, dass nur 20 der 27 Songs auf der Setlist (nimmt man das Gitarren-Solo heraus) wirklich von GUNS N‘ ROSES stammen. Das stört zwar nicht unbedingt, ist aber durchaus eine Erwähnung wert – wobei ich denke, dass es weitere Original-Stücke gegeben hätte, die man gerne spielen hätte können. Wo waren zB „Pretty Tied Up“, „Locomotive“ oder „Get in the Ring“?

Endlich am Ziel.

Die Frage aller Fragen ist aber natürlich, wie es denn nun wirklich war, GUNS N‘ ROSES erstmals live zu erleben. Und das noch dazu mit drei der fünf wichtigsten Protagonisten der Bandgeschichte. Nun, es war… sehr gut. Zumindest für mich. Ich kann es nicht anders sagen – die emotionale Bindung ist auch nach über 20 Jahren noch da und praktisch unverändert stark. Da kann es dann schon passieren, dass man bei „Estranged“ und „Sweet Child O’Mine“ ein paar Tränchen zerdrücken muss. Ganz ehrlich: Ich habe zu diesem Zeitpunkt keine Sekunde an die horrenden Kosten, an die unwürdige Vergangenheit, an den bescheidenen Sound, an „Chinese Democracy“, an Grunge und Heavy Metal oder an sonst was gedacht. Nur an mein eigenes Leben, wie es verlaufen ist und was die Musik von GUNS N‘ ROSES in einer prägenden Phase für einen Anteil daran hatte. Das mag für den Uneingeweihten übertrieben klingen, daran kann ich nichts ändern. Jeder, der Ähnliches erlebt hat, wird es jedoch verstehen.

Ein bisschen Kritik muss sein.

Auf der anderen Seite gibt es – abgesehen von meiner eigenen, nostalgisch-verklärten Brille – nichts, was mich daran hindert, auch einen etwas kritischeren Blick auf das Geschehen am 10. Juli 2017 zu werfen. Traurig war ich mit einem Blick auf die Setlist von Paris, dass „Don’t Cry“ offenbar dem Rotstift zum Opfer gefallen war. Das schien mir übrigens auch eine Frage des Zeitdrucks zu sein, mit dem die Band offenbar zu kämpfen hatte. Denn das fiel schon auf: Es gab keine Ansagen, das ein oder andere „Thank you!“ wurde zwar genuschelt, viel mehr war es aber nicht. Was manche vielleicht positiv sehen mögen („die lassen die Musik sprechen“) – ich bin da jedoch etwas zwiegespalten, Kommunikation mit dem Publikum gehört für mich schon dazu und die hätte ich mir tatsächlich erhofft.

Überhaupt wirkte die Band in der Rückschau distanziert auf mich und schien mit geradezu verbissener Routine und Konzentration zu Werke zu gehen. Schon klar, die wilden Jahre sind lange vorbei, aber das war schon ein wenig … hmmm … wie auswendig gelernt. Der „Abstand“ zum Publikum schien mir recht groß und auch die drei Herren, um die es sich hauptsächlich drehte, vermieden es für mein Gefühl, sich zu nahe zu kommen. Auch, dass die Zugabe direkt und (fast) ohne Übergang nach Ende des regulären Sets gespielt wurde (Haben sie überhaupt die Bühne verlassen? Ich weiß es nicht mehr) und dass mir „Paradise City“ extrem verkürzt vorkam, war ein bisschen merkwürdig. Fast kam es mir vor, als ob ausgerechnet vor dem Wien-Konzert irgend etwas hinter den Kulissen vorgefallen wäre, was ich natürlich nicht bestätigen kann, weil ich keine Vergleichswerte habe. Es wäre jedenfalls gelogen, wenn man sagen würde, dass der Funke vollkommen übergesprungen wäre.


Fazit: Trotz der angeführten Kritikpunkte bleibe ich dabei: Das war ein sehr gutes Konzerterlebnis. Etwas intensiver hätte es ausfallen können – das wäre aber vermutlich nur mit einer anderen Location möglich. Ja, es gab Probleme und nein, sie sind nicht mehr so wild wie früher und wie man sie in Erinnerung hat. Aber das ist egal – ich habe sie endlich gesehen und bin wahnsinnig froh darüber. Wäre ganz gut, wenn GUNS N‘ ROSES sich nochmal in meine Nähe verirren würden – dann kann ich quasi „ohne Druck“ hingehen und mir das Spektakel etwas neutraler ansehen.

 

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Live (Kreator)

KonzertWelt: Me And That Man (Wien, 04.04.2017)

Datum: Dienstag, 4. April 2017
Location: B72 (Wien)
Tour: 
Headliner: Me And That Man
Support: Dool
Ticketpreis: 24,90 Euro (VVK)


Nergal hat den Blues.

Polens Vorzeigemetaller Adam „Nergal“ Darski ist mit seiner Band BEHEMOTH normalerweise überaus extrem unterwegs. Corpsepaint, Growling, Bühnenshows mit Feuer und allerlei Gimmicks, sogar eine Anzeige wegen „Verletzung religiöser Gefühle“ gehören im schwarz angehauchtem Death Metal seines Hauptbetätigungsfeldes praktisch zur Tagesordnung. Umso überraschender war die Bekanntgabe eines musikalisch völlig anders gelagerten Projektes, mit dem unser Mann aktuell auf Tour ist. ME AND THAT MAN nennt sich die Formation, die aus Nergal (v, g) und dem seit Jahrzehnten in Polen lebenden Briten John Porter (v, g) besteht.

Vor dem mit Spannung erwarteten Auftritt im Wiener B72 gab es aber noch eine Vorgruppe. Die mir bis dato völlig unbekannten DOOL spielten ein halbstündiges Set, das aus nur vier Songs bestand. War kein schlechter Gig, aber so richtig warm bin ich mit dem alternativ angehauchtem Prog Rock-Metal-Mix nicht geworden. Immerhin waren die durchgehend wild headbangenden Musiker mit ordentlich Spaß bei der Sache. Drei (!) Gitarren sorgten außerdem für einigermaßen fetten Sound und so konnten sich die Niederländer um Sängerin/Gitarristin Ryanne van Dorst (die auch hätte als Mann durchgehen können, aber das nur am Rande) zumindest über Achtungsapplaus freuen.

Danach wurde es richtig voll im winzigen Lokal. Das Publikum war erwartungsgemäß gemischt, auch wenn die Metalheads wohl in der Überzahl waren. Eh klar: Man kam, um „die andere Band von Nergal“ zu hören. Anfangs war das Gefühl noch merkwürdig: Ein ohne Schminke, dafür aber mit Hut und weißer (!) Gitarre bewaffneter Nergal auf der Bühne, keine oder kaum Pommesgabeln im Publikum davor. Irgendwie hatte ich das Gefühl, man musste in diesem für beide Seiten ungewöhnlichen Setting erst zueinander finden. Das gelang dann aber erstaunlich schnell. Kein Wunder, wurde als Opener mit „My Church Is Black“ doch gleich eine der vorab ausgekoppelten Nummern aus dem Debütalbum „Songs Of Love And Death“ gespielt. Eine gute Entscheidung, um das Eis zu brechen.

Nach dem ersten gegenseitigen Abtasten ging es dann richtig los und das Publikum bekam für mein Dafürhalten ein ausgesprochen feines und intensives Konzerterlebnis. Die Musik von ME AND THAT MAN ist eine interessante Melange aus Singer/Songwriter-Zeug, Blues, Country, (Gothic) Rock, Psychedelic und auch ein wenig Pop. Eine ungefähre Schnittmenge aus bekannten Namen, die einem immer wieder in den Sinn kommen, wenn man sich „Songs Of Love And Death“ anhört: ELVIS PRESLEY, JOHNNY CASH, THE DOORS, NICK CAVE & THE BAD SEEDS, DAVID BOWIE. Mundharmonika-Einsätze und Kinderchöre inklusive. Ja, das ist für den gemeinen Metalhead ungewohnt. Ich selbst bin aber sehr froh, dabei gewesen zu sein, habe danach Vinyl und T-Shirt abgegriffen und werde gerne wieder kommen, wenn ME AND THAT MAN mal wieder in der Nähe auftreten.

Auf der Bühne waren natürlich die beiden Herren, die sich den Gesang brüderlich teilten, am stärksten präsent. Unterstützung bekamen sie von einem Drummer und einem Bassisten (deren Namen ich zu meiner Schande vergessen bzw. bei der Vorstellung nicht verstanden habe), die ihnen ein ausgezeichnetes und sauberes Rhythmus-Fundament legten. Interessanterweise schien in dieser Konstellation Nergal der entspanntere und besser gelaunte der beiden Frontmänner zu sein – der Pole lachte immer wieder, bewegte sich und versuchte durchaus, mit dem Publikum und seinen Mitstreitern auf der Bühne zu interagieren. Der wesentlich ältere Porter war dagegen der Ruhepol, dabei aber durchaus nicht unsympathisch. Letztlich ergänzten sich Nergal und Porter perfekt, was auch zum gelungenen Abend beigetragen hat. Gespielt wurde das komplette aktuelle Album, dazu gegen Ende hin zwei Coverversionen, die sich nahtlos einfügten („Refill“ von der PORTER BAND, also einem anderen Betätigungsfeld von John Porter sowie als Rausschmeißer „Psycho Killer“ von den TALKING HEADS). Vom ME AND THAT MAN-eigenen Material gefielen mir neben dem genannten „My Church Is Black“ die eingängig-düsteren, mit starken Country-Anleihen versehenen „Ain’t Much Loving“ und – vor allem – „Cross My Heart And Hope To Die“ am besten. Aber auch der Rest wusste zu überzeugen, sodass man gegen 23 Uhr mit einem ausgesprochen guten Gefühl von dannen ging.

Fazit: BEHEMOTH sind auch für Metal-Verhältnisse eine unglaublich düstere Band. Man muss aber sagen, dass ME AND THAT MAN dem gar nicht so viel nachstehen, wie man meinen könnte. Das wird allerdings durch vollkommen andere Mittel erreicht – wo Nergal mit BEHEMOTH auf Härte, Aggression und Komplexität setzt, gehen ME AND THAT MAN viel sanfter, einfacher und reduzierter zu Werke. Das aber gleichzeitig auch sehr dunkel, sowohl musikalisch als auch lyrisch. Diese Kombination passt so unglaublich gut, wie ich es mir nicht erwartet hätte. Und live wird das Ganze dann nochmals aufgewertet, weil die Hauptprotagonisten derart gut miteinander harmonieren. Jeder, der mit genannten Referenzen etwas anfangen kann, sollte sich dieses Projekt nicht entgehen lassen. Jeder Metalhead, der ein wenig für andere Einflüsse offen ist, kann ebenfalls ein Ohr riskieren, dabei aber nicht erwarten, auch nur eine homöopathische Dosis Metal zu bekommen. Denn die ist schlicht nicht vorhanden, was Keinem auffallen würde, wäre nicht ein so bekannter Name im Line-Up.

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WeltenBlog: „High Fidelity“ – Der Soundtrack

Der Soundtrack zum grandiosen Roman von Nick Hornby


„High Fidelity“ ist kein schwer lesbares, philosophisch-vertracktes Werk mit Tiefgang. Im Gegenteil: Es liest sich sehr schnell, es ist einfach geschrieben und es ist – zumindest auf den ersten Blick – oberflächlich. Letzteres stimmt zwar nicht ganz, weil der Roman zumindest von guter Beobachtungsgabe zeugt und im Hinblick darauf mehr Einsichten bieten, wie es zunächst den Anschein hat. Dennoch: „High Fidelity“ ist nicht kompliziert, von einer einzigen Sache abgesehen: Es enthält eine Vielzahl von pop-kulturellen Anspielungen, direkt und indirekt. Einiges davon bezieht sich auf Bücher, Fernsehen und Kino; der bei weitem größte Teil hat jedoch mit dem zu tun, was der Titel suggeriert: Musik, Musik und noch einmal Musik. Da kann man schon einmal den Überblick verlieren, was schade ist, weil einem dadurch viele musikalische Schätze durch die Lappen gehen.


Die Liste aller Listen.

Wer „High Fidelity“ gelesen hat, weiß, dass Protagonist Rob Fleming und seine Freunde keine Meinungen, sondern Listen haben. Die Top 5-Songs für die einsame Insel, die Top 5-Songs für eine Beerdigung, die Top 5-Trennungen usw. usf. Die gesammelten Listen aus dem Buch findet man übrigens beispielsweise hier. Was liegt also näher, als auch eine Liste der Songs anzulegen, die in „High Fidelity“ genannt werden? Zugegeben, ganz neu ist die Idee offenbar nicht, es schwirren ja einige derartige Aufstellungen im Internet herum.

Aber was soll’s, das ist mal eine Arbeit, die Spaß macht, zumindest einem Typen wie mir, der mehr von Rob Fleming hat, als er zugeben will (wenngleich der Musikgeschmack ein entschieden anderer ist). Ich versuche mich einfach mal dran und poste hier und jetzt die Liste der Songs, die Nick Hornby in seinem tollen Buch direkt oder indirekt nennt. In Klammern steht die Seitenanzahl – ob die Chronologie von Neil Young bis Al Green eine Bedeutung in musikalischer Hinsicht hat oder eine Art Entwicklung darstellt, wage ich nicht zu beurteilen.

Ich bin mir übrigens bei einigen Songs keineswegs sicher, welche Version Hornby tatsächlich gemeint hat. Wo das so ist, habe ich gleich mehrere Varianten verlinkt. Der geneigte Leser kann sich selbst überlegen, was besser zu Rob Fleming passen würde. Auch sind mir beim Erstellen der Liste einige kleinere Fehler aufgefallen – so wird z.B. auf Seite 30 der Song „Last Night I Dreamt That Somebody Loved Me“ im Zusammenhang mit Aretha Franklin erwähnt. Nun bin ich kein Experte für Aretha, aber nirgendwo im Netz hätte ich etwas gefunden, das darauf hindeutet, dass diese Nummer von ihr – und nicht von den Smiths – ist. Ob das ein Fehler von Hornby, des Lektorat oder des Übersetzers ist, kann ich nicht beurteilen.

Egal, viel zu lange Vorrede, nun kommen wir zum Wichtigsten.

Die 85 Songs aus „High Fidelity“

  1. Neil Young – Only Love Can Break Your Heart (30)
  2. Aretha Franklin The Smiths – Last Night I Dreamt That Somebody Loved Me (30)
  3. Crazy Horse/Rod Stewart/Everything But The Girl – I Don’t Want To Talk About It (30)
  4. The Everly Brothers/Nazareth/Roy Orbison/Emmylou Harris & Gram Parsons – Love Hurts (31)
  5. Prefab Sprout/The Zombies – When Love Breaks Down (31)
  6. Bee Gees/Al Green/Johnny Mathis/Cher/Florence Henderson – How Can You Mend A Broken Heart (31)
  7. John Prine & Nanci Griffith – The Speed Of The Sound Of Loneliness (31)
  8. Daryll Hall & John Oates/Lou Rawls/Dee Dee Bridgewater/The Captain and Tennille & Dionne Warwick – She’s Gone (31)
  9. Tommy Hunt/Dusty Springfield/Dionne Warwick – I Just Don’t Know What To Do With Myself (31)
  10. Dana – All Kinds Of Everything (48)
  11. Katrina & The Waves – Walking On Sunshine (50)
  12. Mitch Ryder & The Detroit Wheels – Little Latin Lupe Lu (51)
  13. The Righteous Brothers – Little Latin Lupe Lu (51)
  14. The Beatles – Help (52)
  15. The Beatles – Yellow Submarine (52)
  16. Stevie Wonder – I Just Called To Say I Love You (59)
  17. Stevie Wonder – Don’t Drive Drunk (59)
  18. Marvin Gaye – Sexual Healing (61)
  19. Peter Frampton – Baby, I Love Your Way (67)
  20. Peter Frampton – Show Me The Way (67)
  21. Nazareth/Gram Parsons – Love Hurts (69)
  22. The Sex Pistols – God Save The Queen „auf A&M“ (83)
  23. Otis Redding – You Left The Water Running (83)
  24. Smokey Robinson & The Miracles – It’s A Good Feeling (91)
  25. Bobby Bland – No Blow No Show (91)
  26. Jean Knight – Mr. Big Stuff (91)
  27. The Jackson Five – The Love You Save (91)
  28. Donny Hathaway – The Ghetto (91)
  29. Solomon Burke – Got To Gett You Off my Mind (92)
  30. Madonna – Holiday (93)
  31. The Paragons – Happy Go Lucky Girl (100)
  32. Elvis Costello – Alison (101)
  33. Elvis Costello – Little Triggers (101)
  34. Elvis Costello – Man Out Of Time (101)
  35. Elvis Costello – King Horse (101)
  36. Elvis Costello – Everyday I Write The Book Bootleg (102)
  37. Charlie Rich – Behind Closed Doors (132)
  38. The Clash – Janie Jones (150)
  39. Bruce Springsteen – Thunder Road (150)
  40. Nirvana – Smells Like Teen Spirit (150)
  41. Marvin Gaye – Let’s Get It On (150)
  42. Gram Parsons – Return Of The Grievous Angel (150)
  43. Bruce Springsteen – Bobby Jean (160)
  44. Richard Thompson – I Want To See The Bright Lights Tonight (161)
  45. Al Green – Sha La La (Make Me Happy) (169)
  46. Steely Dan – Barrytown (202)
  47. Jeff Beck – Hi Ho Silver Lining (207)
  48. Donald Fagen – The Nightfly (208)
  49. Edwin Astley – The Baron Theme (220)
  50. Elton John – Song For Guy (229)
  51. The Shangri-Las – Leader Of The Pack (229)
  52. Jan & Dean – Dead Man’s Curve (229)
  53. Twinkle – Terry (229)
  54. Ray Peterson/Ricky Valance/Albert West – Tell Laura I Love Her (229)
  55. Madness – One Step Beyond (230)
  56. The Rolling Stones – You Can’t Always Get What You Want (230)
  57. Bob Marley – One Love (231)
  58. Jimmy Cliff – Many Rivers To Cross (231)
  59. Aretha Franklin – Angel (231)
  60. Gladys Knight – You’re The Best Thing That’s Ever Happened To Me (231)
  61. Art Garfunkel – Bright Eyes (258)
  62. [VERMUTUNG] Simply Red – Your Eyes (258) ???
  63. [VERMUTUNG] Peter Gabriel – In Your Eyes (258)
  64. Dusty Springfield – The Look Of Love (268)
  65. Emmylou Harris – Boulder To Bermingham (282)
  66. Paul McCartney – Let It Be (Liveaid) (284)
  67. Flying Burrito Brothers – Sin City (302)
  68. Aretha Franklin – Respect (303)
  69. America – A Horse With No Name (303)
  70. The Playmates – Beep Beep (303)
  71. Boney M – Ma Baker (303)
  72. Charlie Drake – My Boomerang Won’t Come Back (303)
  73. Elvis Presley – Baby, Let’s Play House (304)
  74. Aretha Franklin – Think (304)
  75. Kingsmen – Louie, Louie (304)
  76. Prince – Little Red Corvette (304)
  77. Bob Marley – Stir It Up (304)
  78. Aretha Franklin – Angel (304)
  79. James Brown – Papa’s Got A Brand New Bag (304)
  80. Sly & The Family Stone – A Family Affair (305)
  81. Marvin Gaye – Let’s Get It On (306)
  82. Aretha Franklin – This Is The House That Jack Built (306)
  83. Chuck Berry – Back In The USA (306)
  84. The Clash – (White Man) In Hammersmith Palais (306)
  85. Al Green – I’m So Tired Of Being Alone (306)

Hinzu kommt eine noch wesentlich umfangreichere Zahl von Namensnennungen einzelner Künstler, denen kein spezifischer Song zugeordnet ist. Das reicht von bekannten Namen wie Madness, Bob Dylan, den Beatles und Cat Stevens bis hin zum Soundtrack des Tarantino-Klassikers „Reservoir Dogs“.

MusikWelt: Libertad

Velvet Revolver


Es ist müßig, bei Velvet Revolver Vergleiche mit den Guns n‘ Roses der späten 80er und frühen 90er, deren übermächtiger Schatten alle damaligen Bandmitglieder verfolgt, zu ziehen. Der ehemaligen Magie rannten sowohl Velvet Revolver, die aus der Kernmannschaft der erfolgreichsten Gunners-Periode bestehen, als auch die Truppe um W. Axl Rose, die zwischenzeitlich den Treppenwitz der Rock-Geschichte namens „Chinese Democracy“ tatsächlich an den Start brachten, hoffnungslos hinterher. Somit muss man „Libertad“ als eigenständiges Rock-Album betrachten, das von Musikern eingespielt wurde, um deren Talent man längst Bescheid wusste – und das alles noch lange, bevor die tatsächliche Reunion der wohl schwierigsten Band aller Zeiten überhaupt absehbar war.

Gesamteindruck: 4/7


Bestenfalls Durchschnitt.

Gerade, wenn man sich ansieht, wer an „Libertad“ beteiligt war, ist die Platte jedoch enttäuschend ausgefallen. Dabei ist der Einstieg mit „Let It Roll“, der zwar kein Übersong, aber doch ein furioser Rocker ist, noch sehr gut gelungen. An 3. und 4. Stelle der Tracklist gibt es mit „Get Out The Door“ (sehr gute, interessante Gesangslinie, die stellenweise an …ähem… Axl Rose erinnert…) und der Single „She Builds Quick Machines“ (exzellenter, psychedelischer Mittelteil, Spitzen-Bass und fetziges Solo inklusive) sogar zwei wirkliche Kracher, an denen absolut nichts auszusetzen ist.

Leider kommt der Rest der Scheibe unspektakulär, um nicht zu sagen: langweilig aus den Boxen – bestenfalls sind die Songs durchschnittlich. So beispielsweise die zwar recht gefälligen im Endeffekt aber doch belanglosen „She Mine“, „Just Sixteen“ und dem Electric Light Orchestra-Cover „Can’t Get You Out Of My Head“. Von diesen Stücken will einfach nichts richtig hängenbleiben. Ein wenig besser macht es die Band in der entspannten, westernmäßigen Ballade „The Last Fight“. Der zweite Song dieser Kategorie, das finale „Gravedancer“ gerät im Gegensatz dazu recht schnell in Vergessenheit. Ebenso wird es einigen Totalausfällen ergehen, die man in der Mitte der LP findet. Vor allem über „American Man“, „Mary Mary“ und „Spay“ sollte man besser den Mantel des Schweigens breiten.

Sehr schade, da vor allem Gitarren- und Bassarbeit insgesamt praktisch bei allen Stücken überzeugen können. Auch der Gesang des 2015 verstorbenen Scott Weiland, an dem sich bisweilen die Geister scheiden, geht in Ordnung, wenngleich er stellenweise doch arg uninspiriert klingt. So kann man „Libertad“ den beteiligten Spitzenmusikern zum Trotz lediglich 4 wohlwollende Punkte geben. Bei mir persönlich liegt das keineswegs an der überzogenen Erwartungshaltung, vielmehr ist das Songwriting einfach nicht gelungen. Man hört das Können aller Beteiligten heraus, eine ungezwungene Einheit ist hingegen nicht zu spüren.


Track – Titel – Länge – Wertung

  1. Let It Roll – 2:32 – 5/7
  2. She Mine – 3:24 – 4/7
  3. Get Out The Door – 3:14 – 5/7
  4. She Builds Quick Machines – 4:03 – 5/7
  5. The Last Fight – 4:03 – 5/7
  6. Pills, Demons & Etc. − 2:54 − 3/7
  7. American Man − 3:56 − 2/7
  8. Mary Mary − 4:33 − 2/7
  9. Just Sixteen − 3:58 − 4/7
  10. Can’t Get It Out Of My Head (Electric Light Orchestra-Cover) − 3:57 − 4/7
  11. For A Brother − 3:26 − 6/7
  12. Spay − 3:06 − 3/7
  13. Grave Dancer (inkl. Hidden Track „Don’t Drop That Dime“) − 8:42 − 3/7

Gesamteindruck: 4/7 


Velvet Revolver auf “Libertad” (2007):

  • Scott Weiland († 2015) − Vocals
  • Slash − Lead, Rhythm & Acoustic Guitars
  • Dave Kushner − Rhythm Guitar
  • Duff McKagan − Bass, Backing Vocals
  • Matt Sorum − Drums, Percussion, Backing Vocals

Anspieltipp: She Builds Quick Machines


 

SpielWelt: Guitar Hero: World Tour

Alles in allem kann man „Guitar Hero: World Tour“ aufgeschlossenen Musikfans nur empfehlen – sie werden lange Freude daran haben, auch wenn ihnen wohl nicht jeder Song gefallen wird. Denn sobald einen einmal der Ehrgeiz gepackt hat, kann man sich kaum noch vom Spiel lösen. Und allein bis man den Profi-Modus (die höchste Schwierigkeitsstufe) beherrscht, werden viele Spielstunden vergehen. Ein Paket, das sich lohnt. 

Gesamteindruck: 6/7


Gitarrenriffs im Wohnzimmer.

Der 2008er Streich der „Guitar Hero“-Serie aus dem Hause Activision ist allein schon aus gitarrentechnischer Sicht sehr gelungen. Der Controller ist stilvoll gearbeitet, sieht mit seiner einem „Sunburst“-Korpus nachempfundenen Farbe sehr gut aus und liegt optimal ausbalanciert in der Hand. Sowohl die Schalter am Griffbrett als auch die Anschlagtaste und das Tremolo („Jammerhaken“) sind bestens zu bedienen und erinnern – zumindest rudimentär – an eine echte Gitarre. Lediglich die „Starpower“-Taste bzw. Slide-Leiste zu aktivieren fällt ein wenig schwer, was aber lediglich an der mangelnden Übung meinerseits liegen dürfte. Bei mir fiel allerdings ein deutlich hörbares Quietschen (klingt nach mangelnder Schmierung) bei Betätigung des Tremolo auf, das einigermaßen die Atmosphäre stört, wenn man bei moderater Lautstärke spielt. Ansonsten ist das Gerät ausgezeichnet verarbeitet und lässt (die entsprechende Fingerfertigkeit vorausgesetzt) schnelles und präzises Spielen zu. Der Controller ist natürlich 2-in-1 und dient – je nach Geschmack – als Gitarre oder als Bass.

Das Spiel selbst ist mit rund 80 Songs einigermaßen umfangreich ausgefallen. Dazu kommt eine große Anzahl von Optionen, Schwierigkeitsstufen und Möglichkeiten, deren Auslotung viel Zeit in Anspruch nimmt. Beispielsweise kann man – ähnlich einem Rollenspiel – seinen eigenen Charakter zusammenbasteln und Aussehen, Kleidung, Instrument, Posen usw. nach eigenem Gutdünken einstellen. Erfolgreiche Konzerte bringen Geld und damit weitere Möglichkeiten zur „Aufrüstung“ des Alter Ego. Durch diese Features können sich auch Einzelspieler recht lang mit „Guitar Hero“ beschäftigen. Auch die verschiedenen Auftrittsorte wurden sehr gut in Szene gesetzt. Mit dabei sind zum Beispiel ein Flugzeugträger, die „Knochenkirche“ (die sich in Wirklichkeit allerdings in Tschechien und nicht, wie im Spiel behauptet, in Polen befindet) und das Dach eines Wolkenkratzers. Die beliebten Koop- und Battle-Modi für mehrere Spieler sind natürlich ebenfalls wieder enthalten und dürften, gerade wenn man auch Schlagzeug und Mikro besitzt, sehr viel Spaß machen.

Soweit ist alles im Grünen Bereich und wirklich empfehlenswert. Bleibt zuguterletzt noch ein Wort über die Songauswahl zu verlieren. Dass bei 80 Songs für Abwechslung gesorgt ist, braucht nicht extra betont zu werden. Es gibt Balladen, Hard Rock und Kuschelrock, Blues und Country zu hören. Der Großteil der Auswahl ist recht gut gelungen und es ist wohl für jeden etwas dabei. Allerdings wäre es meiner Ansicht nach besser gewesen, ein paar mehr wirkliche Hits mitzuliefern. Einige Songs dürften dem Publikum nicht sehr geläufig sein – zumindest ging es mir so. Dass es schwer ist, mit einem solchen Spiel alle Musikgeschmäcker zu befriedigen ist mir natürlich klar. Für mich hätten beispielsweise ruhig ein paar mehr Tracks aus dem Metal-Bereich dabei sein können, diese sind nämlich rar gesät und teils noch dazu solche, die man nicht gerade als die besten einer Band bezeichnen kann (wieso ist zum Beispiel ausgerechnet „Trapped Under Ice“ von Metallica dabei?). Für den Rocker ist natürlich auch so manche Ballade ein kleines Ärgernis, aber allzu viele sind es ja zum Glück nicht. Lediglich auf Tokio Hotel („Monsoon“) hätte man komplett verzichten sollen, da dieses Stück wohl eher für eine Schlager-Version von „Guitar Hero“ passend gewesen wäre.

Gesamteindruck: 6/7


Genre: Musik, Geschicklichkeit
Entwickler: Activision
Jahr: 2008
Gespielt auf: Nintendo Wii