SerienWelt: Star Trek: Picard – Staffel 2

„Bleibt nur die Hoffnung auf Staffel 2“ – mit diesem Satz endete meine Besprechung zur ersten Staffel von „Star Trek: Picard“ (2020). Nun, zwei Jahre später macht sich Ernüchterung breit: Die Fortsetzung der Serie um eine der beliebtesten Figuren aus dem Star Trek-Universum ist eine einzige Enttäuschung. Erneut haben wir es mit 10 Episoden zu tun, die kaum Trek-Feeling vermitteln, schlimmer noch: Der Serie gelingt es zu keinem Zeitpunkt, ihre eigene Existenz in dieser Form zu rechtfertigen. Denn das, was wir hier zu sehen bekommen, ist erneut Stoff, für den früher eine Doppelfolge „The Next Generation“ locker ausgereicht hätte. Exakt das habe ich schon über Staffel 1 geschrieben – traurig, dass es immer noch gilt.

Gesamteindruck: 2/7


Die Borg, Zeitreisen… und Q.

Es ist nun einige Wochen her, dass das mit „Farewell“ höchst kreativ betitelte Staffelfinale über meinen Bildschirm geflimmert ist. Diese Zeit wollte ich mir bis zum Niederschreiben meiner Meinung geben, um halbwegs reflektiert an die Sache herangehen zu können. Wenn man aus folgendem Text also Unverständnis, Frust und Ärger herausliest, hat das nichts mit einer Kurzschlussreaktion zu tun; im Gegenteil, ich habe lange darüber nachgedacht, ob ich der Serie und den dafür Verantwortlichen vielleicht Unrecht tue. Um es jedoch gleich vorweg zu nehmen: Das Zuwarten und Sinnieren hat keine Besserung gebracht, Staffel 2 von „Star Trek: Picard“ (im Folgenden reicht es wohl, nur „Picard“ zu schreiben) hat mich enttäuscht und mir jegliche Illusion genommen, dass die Serie noch zu retten ist.

Inhalt in Kurzfassung
Seinen Ruhestand zu genießen, ist Jean-Luc Picard nicht vergönnt: Eine Weltraum-Anomalie sendet ein Signal aus, in dem um einen Beitritt zur Föderation gebeten wird – und diese Nachricht richtet sich an den ehemaligen Captain der USS Enterprise persönlich. Vor Ort zeigt sich, dass es offenbar ausgerechnet die Borg sind, die verhandeln wollen, was freilich nicht ohne Konflikt abgeht. Und als ob das für den alternden Diplomaten nicht genug wäre, mischt sich auch noch sein Erzfeind Q ein und verändert die Zeitlinie auf unerfreuliche Art und Weise. Für Picard und seine erneut hastig versammelten Freunde bedeutet das: Ab in die Vergangenheit und im Jahr 2024 alles versuchen, den entstandenen Schaden zu beheben…

Eigentlich widerstrebt es mir, erneut einen ellenlangen Rant loszulassen. Andererseits muss es einfach raus, denn „Star Trek“ nimmt seit jeher einen besonderen Platz in meinem Herzen ein. Wie also diesen Text beginnen, ohne sofort loszuschimpfen? Vielleicht mit ein paar Fakten: „Picard“ besteht, wie es sich für eine moderne Serie gehört, aus aufeinander aufbauenden Episoden, in diesem Fall sind es zehn Stück. Der Vorteil liegt auf der Hand: Die alten „Star Trek“-Serien setzten nach jeder ihrer in sich geschlossenen Folgen fast alles auf Null zurück. Das ermöglichte zwar einen jederzeitigen und leichten Einstieg, umgekehrt war eine grundlegende Weiterentwicklung der Charaktere kaum möglich. Grundsätzlich weiß ich den modernen Zugang, der das isolierte Ansehen einzelner Episoden ausschließt, durchaus zu schätzen, ermöglicht er doch ganz andere Entwicklungen und Handlungsbögen. Vor allem, seit man dank Streaming unabhängig von TV-Ausstrahlungen geworden ist und nicht mehr tagelang auf die neueste Episode warten muss, sehe ich hier gelegentlich sogar Vorteile gegenüber dem Film, der ja doch auf eine gewisse Laufzeit beschränkt ist. Aber das nur am Rande.

Licht bei den Nebenrollen…

Die inhaltliche Auseinandersetzung mit „Picard“ möchte ich mit einem uneingeschränkt positiven Punkt beginnen: John de Lancie kehrt in seiner Paraderolle als nahezu allmächtiger Q, seines Zeichens einer der wichtigsten und am besten geschriebenen Star Trek-Antagonisten, zurück. Ein echter Lichtblick! Und auch wenn seine Auftritte viel zu selten und sehr kurz sind, scheint er doch alle anderen an die Wand zu spielen, was an und für sich schon Bände spricht…

Apropos Nebendarsteller:innen und positive Anmerkungen: Auch Brent Spiner, der zweite Veteran, der sogar eine etwas größere Rolle spielt und immer ein Garant für gute Unterhaltung ist, ist als Pluspunkt zu verbuchen. In dieser Staffel spielt er zwar ganz und gar keinen Sympathieträger, dennoch macht er seinen Job einmal mehr sehr gut. Wobei ich an dieser Stelle eines anmerken muss (auch wenn das kein echter Kritikpunkt ist): Es ist nicht mehr feierlich, wie berechenbar Spiner eingesetzt wird. Im Wesentlichen gibt man seinen Star Trek-Rollen einfach irgendeinen Vornamen und stellt ihn dann als Vor-, Nachfahre oder sonst irgendeinen Verwandten von Dr. Noonien Soong (Schöpfer des von Spiner in „The Next Generation“ verkörperten Androiden Data) vor. So auch hier, wobei es in diesem Zusammenhang zu einem der wenigen Querverweise kommt, die ich wirklich zu schätzen wusste: Von Adam Soong scheint es durch die Eugenischen Kriege eine direkte Linie zu Arik Soong zu geben, der seinerseits in mehreren Episoden von „Star Trek: Enterprise“ als Genetiker auftritt. Das fand und finde ich schön gelöst, auch wenn sich dadurch die Frage aufdrängt, wieso Mitglieder der Familie Soong offenbar über Jahrhunderte immer wieder ungehindert an umstrittenen oder sogar verbotenen Projekten arbeiten konnten. Aber sei’s drum, diesen Faden haben die Showrunner für mein Dafürhalten sehr gut aufgegriffen (zumindest wenn man ignoriert, dass die Eugenischen Kriege laut Kanon eigentlich in den 1990ern hätten stattfinden müssen, man sich also fragen darf, wieso die Erde des Jahre 2024 in „Picard“ genau unserer Gegenwart entspricht).

…Schatten beim Haupt-Cast.

Zum Rest des Casts habe ich leider kaum positive Anmerkungen – und damit sind wir dann auch schon mittendrin in den Problemen, die ich mit der Serie habe. Patrick Stewart führt die Hauptrolle (die zwischendurch auch mal zum Nebencharakter wird) ungefähr so fort, wie man es aus Staffel 1 kennt. Heißt: Man tut sich weiterhin schwer, diesen Picard mit jenem aus „The Next Generation“ und den nachfolgenden Spielfilmen zusammenzubringen. Ob das am britischen Schauspieler liegt – oder doch am Drehbuch? Ich wage es nicht zu beurteilen, gebe aber zu bedenken, dass Stewart ab und an leider tatsächlich so wirkt, als würde er lieber etwas Anderes machen. Das gilt aus meiner Sicht aber für den gesamten Cast, vor allem Jeri Ryan (Seven of Nine) meint man durchgehend anzumerken, dass sie keine große Lust auf die Serie hatte, wobei ich auch hier die Frage aufwerfen möchte, ob das Problem nicht eher die Rolle ist, die ihr das Drehbuch vorgibt.

Die übrigen Darsteller:innen haben – im Vergleich zu den Genannten – bis auf „Picard“, Staffel 1, ja keine große Star Trek-Vergangenheit, mit der man sie in Verbindung bringen musste. Leider gibt es dennoch auch hier ein Problem: Niemand, den/die man bereits aus den ersten zehn Folgen kannte hat groß an Sympathiewerten gewonnen. Heißt: Santiago Cabrera gibt erneut den bemüht coolen Chris Rios, mit dem man wohl eine Art Han Solo schaffen wollte, was überhaupt nicht funktioniert; wie er vom Schmuggler in nur einem Jahr zu einem Captain der Sternenflotte aufsteigen konnte, steht in den Sternen. Michelle Hurd bleibt als Raffi Musiker eine unsäglich unsympathische Rolle, auf die man als Zuseher:in meines Erachtens generell hätte verzichten können. Alison Pill gibt weiterhin ihren weinerlich-verpeilten Gegenpart, mit dem eine Identifikation ebenfalls schwer fällt. In Hinblick auf die Nebenrollen ist eigentlich nur Annie Wershing als Borg-Königin erwähnenswert – sie hatte diese Rolle bereits im Finale der Serie „Star Trek: Voyager“ gespielt und macht ihre Sache ganz gut. Aber auch hier haben wir ein Problem mit dem Drehbuch, dass mit diversen losen Fäden und fehlender Logik innerhalb des Star Trek-Franchise gerade bezüglich jener Antagonistin mehr Fragen aufwirft, als es beantwortet. Der übrige Cast ist, soviel sei noch erwähnt, weder im positiven noch im negativen Sinn besonders auffällig.

Keine Binge Gefahr.

Wie oben angedeutet, könnte man einigen Schauspieler:innen durchaus vorwerfen, dass sie nicht gerade inspiriert oder inspirierend agieren. Die Schuld dafür würde ich im Endeffekt aber doch eher bei der Charakterzeichnung und im Drehbuch suchen. Zu ersterem habe ich bereits das eine oder andere geschrieben, noch einmal hervorheben möchte ich, dass eine Weiterentwicklung der Figuren nach Staffel 1 nicht passiert ist (das betrifft übrigens auch die Hauptfigur). Doch selbst wenn man akzeptiert, dass die Figuren nun mal so sind, wie sie sind, ist es ein echtes Problem, dass jegliche Sympathieträger:innen fehlen. Ich frage mich, ob es jenen, die nicht mit den alten Serien und Filmen sozialisiert wurden auch so geht – oder ob sie mit den Charakteren, die uns die „Picard“-Showrunner vorsetzen, tatsächlich warm werden. Ich kann es mir ehrlich gesagt kaum vorstellen, aber wer weiß.

Vielleicht liegt es auch daran: „Picard“ will – ähnlich wie schon „Star Trek: Discovery“ – eine Art Drama sein. Dafür gibt es im modernen Serien-Dschungel ja eine Menge gelungener Beispiele, von „Game of Thrones“ über „Battlestar Galactica“ und „Snowpiercer“ bis hin zu „The Walking Dead“. Was die genannten Serien aus meiner Sicht (bei all ihrer Unterschiedlichkeit und Folgen-/Staffel-weise durchaus schwankender Qualität) auszeichnet: Nach praktisch jeder Episode will man unbedingt wissen, wie es weitergeht – genau dieses Gefühl führt letztlich zum sogenannten Binge Watching. Im ersten Moment ist man versucht, das an den ausgesprochen geschickt platzierten Cliffhangern festzumachen, die am Ende jeder Folge stehen. Die hat „Picard“ zwar auch – und doch hat sich bei mir in zehn Folgen kein einziges Mal (!) die unbändige Lust eingestellt, direkt weiterzuschauen. Ich habe es zwar getan, aber das kam eher einer lästigen Pflichtübung als dem Befriedigen einer Sucht (im positiven Sinne) gleich.

Spannung? Mangelware!

Die Frage, woran das liegt, lässt sich anhand mehrere Aspekte beantworten, von denen neben den fehlenden Identifikationsfiguren der Mangel an Qualität in Handlung und Drehbuch am schwersten wiegt. Im Endeffekt ist es so: Weder der übergreifende Handlungsbogen nebst wenig überzeugender Auflösung, noch das, was in einzelnen Episoden passiert, ist geeignet, Star Trek-Feeling aufkommen zu lassen.

Mit der Rahmenhandlung, die die zehn Episoden zusammenhalten soll, habe ich vor allem zwei Probleme: Einerseits wirkt sie uninspiriert und aufgesetzt – fast ist es, als hätte man sich unglaublich schwer getan, überhaupt eine solche Geschichte zu finden, aber es musste halt sein, weil man das eben so macht. Dabei ist man andererseits direkt einem folgenschweren Irrtum erlegen, indem man meinte, es würde sozusagen automatisch Komplexität und Tiefgang bringen, möglichst viele Trek-Themen (Zeitreise-Paradoxon, die Borg, Q, Picards Kindheit (!) und vermeintlichen Fan-Service) zusammenzuschmeißen. Das Ergebnis: Sogar ich als ausgewiesener Trekkie hatte große Probleme, den einzelnen Storylines folgen zu können. Das sollte man aber nicht mit Tiefgang verwechseln, denn dafür hätte es eine stimmigere Auflösung der Handlungsfäden gebraucht. Die erfolgt aber nicht oder nur holprig und ist voller Logikprobleme, was in einem Universum, das u. a. auch von (pseudo-)wissenschaftlichen Erklärungen lebt, fatal ist. An dieser Stelle muss man hoffen, dass einige offene Fragen (z. B. wie es denn nun mit der Borg-Königin weitergehen soll, ohne den eigenen Kanon zu gefährden) in der dritten und letzten Staffel beantwortet werden. Ob ich das noch miterleben werde, nachdem mich bereits die ersten 20 Folgen der Serie so enttäuscht haben? Ja, davon gehe ich, unverbesserlich wie ich bin, aus.

Mindestens ebenso schwer wie die hanebüchene Rahmenhandlung lasten die fehlende Spannung und das schwache Drehbuch der Einzelepisoden auf „Picard“. Klar, es gibt gewisse Qualitätsunterschiede in Hinblick auf die Folgen (eindeutiger Tiefpunkt: Folge 9, „Hide and Seek“), bedauerlicherweise ist das Gesamtniveau als solches jedoch erschreckend niedrig. Einerseits hat das damit zu tun, dass die Showrunner offenbar Spannung mit Action verwechselt oder gleich gesetzt haben: „Picard“ greift immer wieder auf Schläger- und Schießerein zurück, etwas, das es in „Star Trek“ zwar auch in der Vergangenheit schon häufiger gab, das hier jedoch erstmals den Eindruck erweckt, durchgehend (!) reiner Selbstzweck zu sein. Und das hat meiner Ansicht nach nicht mehr viel mit der ursprünglichen „Star Trek“-Vision zu tun. Oder, um es anders zu sagen: Die Action hat sich in früheren Serien und Filmen meist einem anderen Zweck untergeordnet, in „Picard“ fehlt dieser interne Unterbau bzw. wirkt er lieblos hingeschludert. Ein Beispiel ist die genannte Folge „Hide & Seek“: Der Borg-Königin ist es gelungen, eine Anzahl an Menschen zu assimilieren, die als Drohnen freilich wenig Sinn für Friedensverhandlungen haben. Nun wurde – wie immer, wenn es um Zeitreisen geht – in den Folgen zuvor mehrmals deutlich gemacht, dass jede noch so kleine Einmischung zu einer Katastrophe führen kann, was die Zeitlinie betrifft. In „Hide & Seek“ sind diese Bedenken plötzlich vom Tisch, unsere Superheld:innen schnetzeln sich durch die Cyborgs als gäbe es kein Morgen (was übrigens auch die einst so gefürchteten Borg ziemlich blöd aussehen lässt). Ob einer der dabei Getöteten vielleicht eine wichtige Rolle für die Zukunft der Erde hätte spielen können, interessiert nicht, es wird noch nicht einmal der Versuch unternommen, die Situation ohne Blutvergießen zu lösen. Und das soll noch „Star Trek“ sein? C’mon…

Guinan (!) und Wesley (!!).

Ein Punkt, den ich ganz am Rande noch erwähnen möchte, weil er angesichts der geschilderten Probleme keine große Rolle mehr spielt: Das Fan-Service von „Picard“ empfand ich als ziemlich dümmlich. Guinan (gespielt von Whoopi Goldberg bzw. in der 2024-er Variante von Ito Aghayere) erschien mir schon in „The Next Generation“ wie ein Fremdkörper, entsprechend kann man sich meine Begeisterung über dieses Wiedersehen vorstellen, das – unabhängig vom Charakter – auch überhaupt nicht in den bisherigen Kanon passt. Nicht mal ansatzweise.

Zum Glück deutlich weniger Screentime (es ist nur ein Kurzauftritt) gibt es für Wil Wheaton. Ja, richtig gelesen, man entblödet sich nicht, Wesley Crusher aus dem Nichts (in das er in „The Next Generation“ verschwand) auftauchen und zum Glück auch wieder verschwinden zu lassen. Ich sage es ganz ehrlich: Dieses Gastspiel hat mich laut und höhnisch auflachen lassen. Viel Gespür scheinen die Verantwortlichen eindeutig nicht für das Franchise zu haben – oder haben sie wirklich gedacht, ausgerechnet diese Figur würde für unbändige Freude bei alten Fans sorgen?

Bevor ich in weitere Tiraden verfalle, möchte ich aber auch noch einen positiven Gastauftritt erwähnen: Kirk Thatcher. Wer das ist? Nun, im Film „Star Trek IV: Zurück in die Gegenwart“ (1986) sitzt ein Punk in einem Bus und hört ohrenbetäubende Musik, was zu einer legendären Szene führt. Diese wurde für „Picard“ erneut aufgegriffen – und zwar ausnahmsweise mit so viel Liebe zum Detail und mit so viel Fingerspitzengefühl, dass ich es kaum glauben konnte. Es geht also doch.

Fazit: Muss man sich nicht antun.

Viel mehr möchte ich jetzt nicht mehr schreiben – ich glaube, es ist auch so klar geworden, dass ich „Picard“ für eine ziemliche Katastrophe halte. Am schlimmsten finde ich persönlich das völlige Fehlen des Gefühls, hier etwas Großes erlebt zu haben. Oder auch nur etwas in sich Stimmiges und für die weitere Entwicklung des „Star Trek“-Universum Relevantes.

Gerade letzteres hinterlässt mich in gewisser Hinsicht eher traurig als wütend: Ich sehe nicht, wie mich „Star Trek“ weiterhin begeistern soll, wenn „Picard“ und – in geringerem Ausmaß – „Discovery“ ein Blick in die Zukunft des Franchise sind. Die zum Zeitpunkt dieser Rezension jüngste Serie, „Strange New Worlds“, habe ich übrigens noch nicht gesehen – davon hört man aber nur Gutes, sodass ich wider besseres Wissen doch wieder sehr angefixt bin. Mit der Qualität von „Picard“ hat das alles aber nichts zu tun – da sehe ich mir dann tatsächlich lieber „Lower Decks“ oder sogar „The Orville“ an, die zwar ausgewiesene Comedy-Serien sind, es aber mit ursprünglichem „Star Trek“-Flair tatsächlich wesentlich besser schaffen, mich bei der Stange zu halten.

Gesamteindruck: 2/7


Originaltitel: Star Trek: Picard
Idee:
Akiva Goldsman, Terry Matalas u. a.
Land: USA
Jahr: 2022
Episoden: 10 á ca. 45 Minuten
Gesehen auf: Amazon Prime
Haupt-Besetzung (Auswahl): Patrick Stewart, Alison Pill, Michelle Hurd, Santiago Cabrera, Orla Brady



SpielWelt: Star Trek: Judgment Rites


„Der Weltraum… unendliche Weiten…“ – ganze Generationen wurden von diesen bedeutungsschwangeren Worten geprägt. Bis die darbenden Fans von „Raumschiff Enterprise“ allerdings am heimischen Computer in Galaxien vordringen durften, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat, sollte es lange dauern. Denn alles, was bis zur Veröffentlichung von „Star Trek: 25th Anniversary“ (1992) auf den Markt gekommen war, war wenig zufriedenstellend gewesen. Das änderte sich erst mit jenem Adventure; „Judgment Rites“ ist dessen Nachfolger, erschien 1993, und machte das Glück der Trekkies komplett. 

Gesamteindruck: 6/7


Faszinierendes Abenteuer.

Merkwürdig: In meiner Erinnerung existierte lange nur „Star Trek: 25th Anniversary“. Ich habe das Spiel damals nicht gespielt, kann aber noch heute weite Teile der zeitgenössischen Testberichte (vor allem aus der Play Time) Wort für Wort zitieren. Vom ein Jahr später erschienen „Star Trek: Judgment Rites“ habe ich hingegen nur ab und an mal einen Screenshot gesehen, viel mehr ist da nicht in meinem Gedächtnis. Warum das so ist, kann ich beim besten Willen nicht erklären. So oder so war ich höchst erfreut, als ich „25th Anniversary“ auf GOG.com entdeckte – und „Judgment Rites“ nahm ich bei der Gelegenheit halt auch gleich mit.

Die Handlung in Kurzfassung
Die USS Enterprise ist auf dem Weg zu einer Wissenschaftsstation, als plötzlich die schwer beschädigte USS Alexander auftaucht. Der Captain der Alexander, die offenbar in der Zeit zurück gereist ist, schafft es gerade noch, die Enterprise vor der bevorstehenden Zerstörung der Föderation zu warnen – dann verteilt sich sein Schiff in einer gewaltigen Explosion im Universum. Ehrensache, dass Captain James T. Kirk und Crew sich umgehend auf den Weg machen, diese Katastrophe zu verhindern.  

Fangen wir direkt mit dem größten Pluspunkt an: Der Star Trek-Zauber ist dermaßen treffsicher von Entwickler Interplay umgesetzt worden, dass fast alle Unzulänglichkeiten des Spiels (dazu unten mehr) komplett in den Hintergrund treten. Und das, obwohl es bald 30 Jahre her ist, dass „Judgment Rites“ erschienen ist – ich kann mir gut vorstellen, wie groß die Euphorie unter den Trekkies in den 1990ern gewesen sein muss. Auch heute sorgt es jedenfalls noch für gehörigt Atmosphäre, wenn man die Mannschaft auf der Brücke beobachtet, plötzlich ein Funkspruch reinkommt und der Admiral das Schiff hierhin und dorthin beordert, wo dann meist ein Außeneinsatz auf die Crew wartet. Jede der acht Missionen, aus denen das Spiel besteht, fühlt sich tatsächlich wie eine Episode der Serie an. Es gibt fantasievolle Planeten zu bewundern, man plaudert mit fremdartigen Wesen, setzt dieses oder jenes Gerät ein, hört sich pseudo-wissenschaftliches Techno-Babble an und löst seine Aufgaben.

Das Spiel hat gegenüber der Serie sogar einen Vorteil, denn die musste ja möglichst kostengünstig produziert werden, während der Fantasie der Game-Designer kaum Grenzen gesetzt waren. Was freilich nicht heißt, dass sie es ganz wild getrieben haben, alles ist glücklicherweise schön im Rahmen und Canon geblieben. Zu den einzelnen Episoden (die im Gegensatz zu „25th Anniversary“ über obenstehende Rahmenhandlung zumindest ein wenig miteinander verbunden sind) ist zu sagen, dass sie auch und vor allem bezüglich Tonalität und Moral sehr gut zu Star Trek passen. Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang, dass das Spiel – recht ungewöhnlich für ein Point & Click-Adventure – über eine Art Rufsystem verfügt. Nur, wenn man so handelt, wie es die hehren Ideale der Föderation verlangen, kann man „Judgment Rites“ mit der höchstmöglichen Punktzahl abschließen. Passt man nicht auf und versucht, alle Probleme mit einem auf „Töten“ gestellten Phaser zu lösen, kann es schon passieren, dass Kirk am Ende das Kommando über sein Schiff verliert. Das schlägt sich übrigens auch in manchen Dialogen nieder, in denen man verschiedene Antworten zur Auswahl hat. Abgerechnet wird nach der jeweiligen Mission durch den Admiral.

Eine Anmerkung am Rande habe ich in Richtung Handlung noch: Die einzelnen Missionen sind in sich stimmig, für den größeren Handlungsbogen gilt das hingegen weniger. Am Ende hatte ich jedenfalls nicht das Gefühl hatte, dass eine Auflösung erfolgt ist. Vielleicht täusche ich mich aber auch bzw. habe es eventuell nicht verstanden – so richtig befriedigend waren für mich definitiv nur die Einzelmissionen, wobei ich zugebe, dass in diesem Fall ohnehin eher gilt, dass der Weg das Ziel ist.

Grafik-Sound-Schere.

Nach so viel Lob ist es nun an der Zeit, auf ein paar Einzelaspekte des Spiels einzugehen – natürlich immer unter Berücksichtigung des Alters von „Judgment Rites“. Zur Grafik ist zu sagen, dass die Zwischensequenzen, zu denen ich auch den kultigen, aus der TV-Serie bekannten Vorspann zähle, immer noch sehr gut aussehen. Es gibt zwar hier und da ein kleines Ruckeln, im Wesentlichen kommt aber ungestörtes Star Trek-Feeling auf, wenn die Enterprise in der Außenansicht in den Orbit eines Planeten eintritt, die Phaser abfeuert oder ähnlich ikonische Dinge passieren.

Leider kann die Grafik im Spiel selbst bei weitem nicht mithalten. Klar, „Judgment Rites“ wurde programmiert, als von High Definition noch keine Rede sein konnte und die Monitore zwar gewaltige Abmessungen hatten, die sich allerdings nicht auf die Bilddiagonale bezogen. Ich weiß mangels zeitgenössischer Spielerfahrung nicht, wie pixelig das Spiel damals wirkte – Fakt ist aber, dass vor allem die Gesichter der Sprites praktisch nicht zu erkennen sind (sieht man mal vom langohrigen Mr. Spock) ab. Die bis auf kleine Animationen statischen Hintergründe sind deutlich besser gelungen, das gilt auch für das Schiffs-Interieur, speziell die Kommandobrücke. All das lässt mich vermuten, dass die optisch einwandfreien Zwischensequenzen vielleicht aus der 1995 veröffentlichten CD-ROM-Edition stammen.

Im Gegensatz zur Grafik gibt es am Sound überhaupt nichts zu kritisieren. Im Gegenteil: Die Kombination aus der typischen Geräuschkulisse (beispielsweise beim Abfeuern der Phaser, beim Beamen oder wenn auf der Brücke alle Systeme einfach vor sich hin werkeln) und den Stimmen der Original-Schauspieler reißt so gut wie alles raus, was es am Rest des Spiels vielleicht zu beanstanden gibt. Mir ist schon klar, dass „Judgment Rites“ 1993 nicht ganz so ausgeliefert wurde – die von mir gespielte GOG-Variante hat diese Features jedenfalls. Einfach großartig, vor allem das Geplänkel zwischen Spock und McCoy ist grandios („Judgment Rites“ war übrigens der letzte Auftritt des 1999 verstorbenen DeForest Kelley in seiner Rolle als emotionaler Schiffsarzt). Die musikalische Untermalung ist zwar kein Meisterwerk, aber immerhin nicht aufdringlich oder gar nervtötend, was bei einem Spiel aus den 1990ern auch schon viel Wert ist.

… und wie spielt es sich nun?

Großartige Atmosphäre, starker Sound, mittelprächtige Grafik – alles schön und gut; doch „Judgment Rites“ ist immer noch ein Spiel und keine Serie, es stellt sich also schon auch die Frage nach dem Gameplay. Nun, für mein Dafürhalten bietet uns Interplay hier relativ durchschnittliche Rätselkost. Mit ein bisschen herumprobieren und etwas Geduld kommt man fast überall ohne Hilfe weiter, die sprichwörtliche Unlogik vieler alter Adventures ist kaum jemals zu spüren. Abgesehen davon hat man meistens einen gewissen Schlaukopf mit spitzen Ohren als Ratgeber an seiner Seite. Und auch andere Crewmitglieder (netterweise dürfen im Gegensatz zu „25th Anniversary“ nicht nur Spock und Pille, sondern auch Uhura, Checkov, Sulu und Scotty gelegentlicht mit runterbeamen) kann man immer mal nach ihrer Meinung fragen, was mehr oder weniger hilfreiche Tipps zur Folge hat.

Allerdings musste ich trotz des moderaten Schwierigkeitsgrades ein- oder zweimal zu einem Guide im Internet greifen. Der Grund war so simpel wie ärgerlich: Ich kam nicht weiter, weil ich irgendwo in der Landschaft einen relativ winzigen Gegenstand nicht bemerkt hatte – den hätte ich aber aufheben und verwenden sollen. Selbst mit Komplettlösung tat ich mir schwer, das gesuchte Objekt im Pixelsumpf aufzuspüren, was einerseits ungemein frustrierend war, andererseits weniger am Rätseldesign als an der grafischen Aufbereitung lag. Von solchen Erlebnissen abgesehen, die man ja auch aus anderen Adventures kennt, ist das Rätseldesign aber durchaus in Ordnung – erfreulicherweise scheint es auch keine Sackgassen zu geben, zumindest wäre ich in keine gestolpert.

Wirklich gestört hat mich hingegen folgendes: Das Interface (per Rechtsklick zu öffnen) ist nicht übel, allerdings ist der daraus resultierende Mauszeiger oft ziemlich grobschlächtig. Das führt immer wieder zu nervigen Fehlklicks, die Kirk z. B. mit einem spätestens beim fünften Mal irrsinnig lästigen „I don’t think that’s necessary“ kommentiert. Und weil die Shortcuts etwas dünn gesät sind, ist die gesamte Bedienung höchst umständlich – was, so glaube ich, relativ wenig mit dem Alter des Spiels zu tun hat, weil es z. B. LucasArts zur selben Zeit wesentlich besser gemacht haben. An dieser Stelle sei auch erwähnt, dass das am Anfang noch nette Geräusch des Tricorders (wenn es für den ein Tastenkürzel gegeben hätte, wäre viel gewonnen gewesen!) mit zunehmender Spieldauer chronisch zu nerven beginnt – kein Wunder, sollte doch Alles und Jedes sowohl mit wissenschaftlichem als auch medizinischem Scanner untersucht werden. Abschließend ist in Sachen Bedienbarkeit noch zu kritisieren, dass die Laufwege der Figuren gelegentlich sehr unvorteilhaft sind, was das Ganze erheblich in die Länge ziehen kann.

Ein Punkt, den ich persönlich an „25th Anniversary“ überhaupt nicht leiden konnte, ist zum Glück obsolet geworden: Die Raumkämpfe, bei denen man die Enterprise wie einen Kampfjäger aus – ausgerechnet! – Star Wars steuert, können gänzlich deaktiviert werden. Eine überaus sinnvolle Option, wie ich finde, denn diese Spiele sind ganz eindeutig Adventures und keine Space-Simulationen.

Fazit: Kaufen, spielen, genießen!

Ich gehe mal davon aus, dass man das in weiten Teilen obiger Rezension ohnehin zwischen den Zeilen herauslesen konnte: Ich finde „Judgment Rites“ nach wie vor empfehlenswert – es ist schlicht und einfach ein großartiges Spiel für alle Fans des guten, alten „Raumschiff Enterprise“. Jeder, der es noch nicht gespielt hat und ansatzweise etwas mit der originalen Crew anfangen kann, sollte sich daran versuchen. Jeder Rückkehrer ebenfalls – gibt sicher den einen oder anderen Nostalgie-Moment zu erleben. Wenn die Möglichkeit besteht, sollte man aber definitiv zur CD-ROM-Edition greifen. Denn erst der richtige Sound hebt das Spiel meines Erachtens auf dieses hohe Niveau. Würde man nicht William Shatner, Lenonard Nimoy, DeForest Kelley & Co. sprechen hören, wären manche Textwüsten wohl kaum zu ertragen.

Abzüge gibt es in der B-Note für die Grafik und Teile der Bedienung, die ein ansonsten problemloses Spielerlebnis doch ab und an in Frust ausarten lassen. Ansonsten ist alles Tipp-Top, sodass ich 6 von 7 Punkten vergebe.

Gesamteindruck: 6/7


Genre: Adventure
Entwickler:
Interplay
Publisher: Interplay
Jahr:
1993
Gespielt auf: PC


Screenshots aus „Star Trek: Judgment Rites“ – Copyright beim Entwickler!

SerienWelt: Star Trek: Picard – Staffel 1

Eigentlich hätte mir von vornherein klar sein müssen, dass die erste Staffel über eine der Kultfiguren des Star Trek-Universums meine Erwartungen nicht erfüllen würde. Denn es ist doch so: Praktisch alle Star Trek-Serien nach „The Next Generation“ hatten gewaltige Anlaufschwierigkeiten. Warum hätten die neuesten Reinkarnationen, „Discovery“ und eben „Picard“ eine Ausnahme sein sollen? Und tatsächlich: Wie eine sich selbst erfüllende Prophezeiung ist der Auftakt zu der Serie, in die man als Fan noch größere Hoffnung gelegt hatte, als in alles, was in den vergangenen Jahren (eigentlich sogar Jahrzehnten) unter dem Star Trek-Banner angekündigt wurde, grandios gescheitert. Klingt hart? Ja, vielleicht. Versuchen wir, der Sache auf den Grund zu gehen…

Gesamteindruck: 3/7


Großer Name, herbe Enttäuschung.

„Star Trek: Picard“ ist ein Zugeständnis an moderne Sehgewohnheiten. Das betrifft einerseits den Inhalt, andererseits die Form. Letzteres bedeutet: Im Gegensatz zum letzten Serienauftritt von Jean-Luc Picard („Star Trek: The Next Generation“, 1987-1994) haben wir es mit einem staffelübergreifenden Handlungsrahmen zu tun. Das wäre grundsätzlich sogar begrüßenswert – die späteren Staffeln von „Star Trek: Deep Space Nine“ (1993-1999) „Star Trek: Enterprise“ (2001-2005) waren erste Versuche in diese Richtung und gehören mit zum Besten, das man in Sachen Star Trek sehen kann. Freilich hatte die damalige Herangehensweise noch nicht viel mit dem zu tun, wie Serien heute funktionieren, es war aber immerhin ein erster Schritt zu einem größeren Handlungsbogen. Die Erzählweise von „Picard“ ähnelt – was aufgrund der zeitlichen Nähe wenig überrascht – vor allem „Star Trek: Discovery“ (ab 2017), ist also ein fast schon Soap Opera-mäßiges Drama, das häufig durch Cliffhanger vorangetrieben wird.

Inhalt in Kurzfassung
Wir schreiben das Jahr 2399. Jean-Luc Picard hat die Sternenflotte längst verlassen und verbringt seinen Ruhestand auf seinem Château in Frankreich. 20 Jahre sind seit den Ereignissen von „Star Trek: Nemesis“ vergangenen – und immer noch hat Picard den Verlust von Data nicht verwunden. Doch damit nicht genug: Plötzlich tritt eine junge Frau in das zurückgezogene Leben des ehemaligen Captains der USS Enterprise. Und schon bald findet sich der Pensionist im Weltraum wieder, umgeben von einer zusammengewürfelten Crew und mit der Mission, seinen Schützling vor dunklen Agenten zu retten und dabei ein Geheimnis zu ergründen.

„Star Trek: Picard“ hat leider auf verschiedensten Ebenen mit Problemen zu kämpfen. Ein großer Brocken ist die behäbige Story, die viel zu lange braucht, um überhaupt halbwegs in Fahrt zu kommen. Richtig gelesen, „halbwegs“, denn eigentlich bleibt es bis zum Schluss über weite Strecken zäh. Warum das so ist, ist schnell erklärt: Die Geschichte, die in „Picard“ erzählt wird, hätte man locker in ein oder zwei Folgen „The Next Generation“ abhandeln können. Hat man übrigens sogar gemacht; abgesehen davon wurde die Grundsatzfrage nach den Konsequenzen künstlicher Intelligenz auch in allen anderen Star Trek-Serien immer wieder aufgegriffen und „Picard“ schafft es nicht, diesem Thema neue Nuancen hinzuzufügen. Im Gegenteil, alles, was wir hier zu hören und zu sehen bekommen, hat uns nicht nur Star Trek bereits deutlich besser näher gebracht. Beispiele gefällig? Bitte sehr: „Battlestar Galactica“ (TV-Serie), „Blade Runner“ (Film), die „Roboter-Geschichten“ von Isaac Asimov (Buch), „Fallout 4“ (Spiel) – die Liste ließe sich lange fortsetzen.

Den genannten Titeln ist gemeinsam, dass sie wesentlich mehr Tiefgang haben, als „Picard“ vermitteln kann. Das ist ein bisschen paradox, weil ein solches Serienformat ja eigentlich genug Zeit für eine durchdachte Story bieten würde, wenn man es richtig angeht. Und damit schließt sich der Kreis: Dadurch, dass die Geschichte dünn ist, wirkt sie gestreckt und künstlich in die Länge gezogen. Das macht das Ansehen einzelner Folgen fast schon zur Qual, weil einfach nichts weiterzugehen scheint. Nicht falsch verstehen: Das Thema wäre prinzipiell auch heute noch spannend, müsste dann aber auch entsprechend aufbereitet werden. „Picard“ schafft das kaum, was umso schlimmer ist, weil Star Trek, wie es in den 1960ern von Gene Roddenberry erdacht wurde, immer entweder neue Themen gesetzt oder alte Fragen unter neuen Gesichtspunkten zu beantworten versucht hat. In „Picard“ werden bereits bekannte Versatzstücke genommen und schlicht und einfach schlecht zusammengefügt.

Auch die Charaktere überzeugen nicht.

Nun könnte man hoffen, dass zumindest der zweite Aspekt, der für eine moderne Serien Pflicht ist, bei „Picard“ funktioniert: die Charakterentwicklung. Leider kann man auch an dieser Stelle keine Entwarnung geben, was einerseits am Drehbuch liegt, andererseits aber auch ein bisschen die „Schuld“ des Zusehers ist, wenn man so will. Denn eines ist klar: Der Trekkie will a) Star Trek und b) Jean-Luc Picard sehen, und den ansatzweise so, wie man ihn in Erinnerung hat. Einigermaßen haut das sogar hin, wobei sich der ehemals selbstsichere und vollendete Diplomat in einen von Zweifeln und Gewissensbissen geplagten, komischen alten Kauz verwandelt hat. Schade ist, dass die Serie lieber die oben erwähnte, recht konventionelle Geschichte erzählen will, anstatt ein bisschen mehr darauf einzugehen, warum Captain Picard (übrigens nennen die Protagonisten ihn zum Teil tatsächlich immer noch Captain, warum eigentlich?) so wurde, wie er in „Picard“ eben ist.  Leider werden ausgerechnet die entsprechenden Erläuterungen vollkommen überhastet dargestellt. 20 Jahre Föderationsgeschichte werden in wenige, oberflächliche Minuten gepackt, was dazu führt, dass mich die Serie von Anfang an nicht richtig abholt.

Abgesehen vom Hauptdarsteller (der oft genug eine Nebenrolle einnimmt, aber das nur am Rande) und seinem Schützling (gar nicht unsympathisch dargestellt von Isa Briones) teilt sich der Cast in zwei Gruppen. Einerseits haben wir als Fanservice einige alte Bekannte an Bord. War zu erwarten und ist unterschiedlich gut gelungen. Brent Spiner ist in einer Doppelrolle zu sehen und passt perfekt rein, gleiches gilt für zwei Ex-Borg. Der Auftritt des ewigen Traumpaares Jonathan Frakes und Marina Sirtis freut den Fan zwar (ja, wirklich!), wirkt aber gleichzeitig ziemlich beliebig. Wichtiger, weil mit mehr Screentime versehen, sind aber ohnehin die neuen Mitstreiter und Gegenspieler unseres Mannes. Erstere sind eine bunt gemischte Crew, deren Mitglieder allesamt gewisse Probleme mit der Föderation haben. Und auch miteinander, wie es bei einer heute eben zum guten Ton gehört. Ja, das Drama ist allgegenwärtig, so wie es in jeder neueren Science Fiction-, Fantasy-, Krimi- und sonstigen Serie ist. Aber zum Glück schafft es „J.L.“ (kein Kommentar zu diesem Kürzel…) erwartungsgemäß, dass im Laufe der Staffel alle am selben Strang ziehen. Naja.

Das Problem hierbei ist übrigens nicht so sehr, dass es sich dabei um keine Sternenflotten-Crew handelt, das hätte vielleicht sogar ein recht interessanter Aspekt sein können. Es sind mehr die Stereotypen, die hier bedient werden – die Alkoholikerin ist ebenso an Bord, wie der rebellische Pilot, die verunsicherte, leicht verschrobene Wissenschaftlerin und der jugendlich-naive Kämpfer. Allesamt natürlich mit geheimnisvoller und dunkler Vergangenheit. Eine richtige Beziehung konnte ich zu keinem davon aufbauen, denn ihre Eigenarten erschienen mir immer höchst oberflächlich, was kein Wunder ist, wenn man immer nur ganz kleine Fitzelchen an Hintergrundgeschichte bekommt. Kein Vergleich zu den Figuren, aus denen sich frühere Besatzungen zusammengesetzt haben. Die brauchten nämlich keinen in bedeutungsschwangeren Rückblicken angedeuteten Background, weil sie direkt mit ihrer Präsenz punkten konnten. Klar, es war auch damals nicht jeder Charakter zwingend ein Volltreffer, aber ich war z.B. über den Tod von Tasha Yar in „The Next Generation“ ehrlich erschüttert – im Falle von „Picard“ hätte es mir hingegen wenig ausgemacht, mich von einem Crewmitglied verabschieden zu müssen. Bezeichnend, dass ausgerechnet der Tod eines früheren Wegbegleiters, der hier nur eine kleine Nebenrolle spielt, den größten emotionalen Impact hat. Freilich liegt das alles auch an ewig langen, teils metaphysischen Dialogen, die letztlich nirgendwohin führen und nur den Anschein von Tiefgründigkeit erwecken.

Und die Antagonisten? Früher hatten wir in Star Trek ein klares Gut-Böse-Schema, das erst in späteren Staffeln von „Deep Space Nine“ und im einen oder anderen Film ein wenig aufgeweicht wurde, was dem Franchise definitiv gut getan hat. Heute ist es – nicht nur in Star Trek – so, dass sich die Grenzen noch mehr verwischt haben. Die Guten sind nicht mehr überlebensgroß, sondern haben ihre Schwächen, dürfen auch mal „böse“ Handeln. Umgekehrt ist es genauso, was zu einer ausgeglicheneren Darstellung der Charaktere geführt hat. Früher mussten die Schauspieler, die die Rolle der Bösewichte übernommen haben, besonders glänzen, auch, weil sie im Gegensatz zu den Guten häufig nur eine Folge hatten, um zu reüssieren. Lange Rede, kurzer Sinn: In „Picard“ gibt es einen Haupt-Antagonisten, den Romulaner Narek, der gut von Harry Treadaway (manchen vielleicht als Victor Frankenstein in der Serie „Penny Dreadful“ bekannt) verkörpert wird. Wie die Crew von Picard leidet auch er an Schwächen und Unsicherheiten, was letztlich dazu führt, dass er sich auch als „Guter“ qualifizieren könnte. Für mich dennoch eine der besseren Rollen in „Picard“.

Kurzer Exkurs: „Discovery“ hatte mit einem sehr ähnlichen Problem zu kämpfen. Die Crew ist einfach nicht gut genug – nur mit der Einführung bereits bekannter Charaktere (Christopher Pike und letztlich auch Spock) konnte man sich einigermaßen konsolidieren. Ob das auch ein Weg für „Picard“ sein kann, ist zu diesem Zeitpunkt offen.

Ambivalentes Drumherum.

Zwei Faktoren, die mir persönlich wichtig gewesen wären, sind bei „Picard“ also eine mittelschwere Katastrophe. Kommen wir nun zum Drumherum, das, soviel sei vorweg genommen, zumindest kein Totalausfall ist. Immerhin hat „Picard“ als erste Star Trek-Serie seit „Voyager“ (1995-2001) in einer für alte Trekkie ebenfalls essentiellen Hinsicht einen erheblichen Vorteil gegenüber den unmittelbaren Vorgängern „Enterprise“ und „Discovery“: Wir haben es diesmal mit keinem Prequel zu tun, der Kanon ist also nicht in Gefahr. Wobei ich an dieser Stelle ernsthaft hinterfragen muss, wieso man ausgerechnet die Ereignisse rund um die romulanische Supernova aus „Star Trek“ (2009) als Ausgangspunkt für die Story nehmen musste. Es wäre meines Erachtens besser gewesen, diese schon 2009 sehr fragwürdige Idee unter den Tisch zu kehren – oder endlich vernünftige Erklärungen rund um dieses Ereignis zu liefern. Passiert leider nicht und der Verdacht liegt zumindest nahe, dass diese Geschichte nur aufgegriffen wurde, weil Produzent Alex Kurtzman, der ja auch für den Star Trek-Reboot von 2009 verantwortlich war, seine eigene Idee so gut gefällt. Für mich stellt sich das so dar, als versuche man hier mit dem Holzhammer, Kohärenz zwischen allem, was im Star Trek-Universum seit 2009 passiert ist, herzustellen. Dabei verkennen die Verantwortlichen völlig, dass diejenigen, die eine emotionale Bindung zu diesem Franchise haben, am liebsten alles vergessen würden, was in den vergangenen 10 Jahren passiert ist und lieber ein stärkere Verbindung zur Zeit bis inklusive „Enterprise“ gehabt hätten.

Dem neuen Zielpublikum wird das vermutlich egal sein, ich frage mich aber, ob jüngere Seher überhaupt viel mit „Picard“ anfangen können. Denn die werden sich auch schwer tun, weil man ohne Vorkenntnisse trotz eher seichter Story zeitweise kaum durchblickt. Man hat das Gefühl, dass die Produzenten hier in einer Zwickmühle stecken: Auf der einen Seite der Wunsch, etwas ganz Neues zu schaffen, der dem Zwang, den Gesetzen des Star Trek-Univerums zu folgen, gegenübersteht. Auch auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: Das kennt man aus „Discovery“ und es hat zur Folge, das „Picard“ stellenweise ebenfalls weder Fisch noch Fleisch ist. Das äußert sich darin, dass sich die Produzenten sehr auf das unmittelbare Geschehen konzentrieren, dabei aber gleichzeitig dauernd Bezug auf die Vergangenheit nehmen. Das verwirrt stellenweise sogar den gelernten Trekkie, weil das Verhältnis nicht passt – Rückblenden sind schön und gut, sollten dann aber auch so gestaltet werden, dass sie Klarheit schaffen. Und das tun sie bei „Picard“ nur sehr, sehr bedingt.

Empfehlenswert ist in diesem Zusammenhang übrigens, sich einige Star Trek-Folgen aus der Vergangenheit anzusehen. Und damit meine ich nicht zwingend wegen kleinerer Anspielungen, die ein netter Service für die absoluten Fans sind (ein Beispiel dafür wäre der „Raumtrajektor“, den man aus einer „Voyager“-Episode kennt)… Ach was soll’s, dieser Artikel ist eh schon so lang, da kann ich auch gleich ein paar Episoden nennen, die essentiell für das Verständnis von „Picard“ sind: Zunächst die „The Next Generation“-Episoden „Wem gehört Data?“ (hier erfährt man u.a., wer Bruce Maddox ist), die Doppelfolge „In den Händen der Borg“/„Angriffsziel Erde“ (die Borg-Vergangenheit von Picard wird hier erklärt), „Ich bin Hugh“ (handelt von weiteren Versuchen Picards, mit seinem früheren Dasein als Locutus zurecht zu kommen und stellt Hugh vor, der in „Picard“ eine Nebenrolle hat) sowie die „Voyager“-Doppelfolge „Skorpion“ (in der wir Seven of Nine kennen lernen) und den Film „Star Trek: Nemesis“ (zum Tod von Data und der Herkunft von Before). Wer Infos zur romulanischen Supernova sucht, sollte sich den oben genannten Film „Star Trek“ aus 2009 ansehen. Einige weitere Folgen klären andere Details, sind aber meines Erachtens vernachlässigbar. Zusätzlich gibt es Romane und so genannte „Short Treks“, die ebenfalls hilfreich sind – man sieht schon, selbst als eingefleischter Trekkie muss man sich „Picard“ relativ mühsam erarbeiten, vor allem, weil vieles, das hier auftaucht, schon sehr, sehr lange her ist.

Was gibt es sonst noch? Naja, weiterhin Positives und Negatives. Gut gelungen finde ich die Einbindung der Borg, weil der Konflikt, den Jean-Luc Picard durch seine Vergangenheit als Teil des Kollektivs hat, immer schon sehr spannend war. Daran hat sich nichts geändert. Auch die Idee, einen Teil der Handlung auf einem beschädigten Borg-Kubus, der mittlerweile als Forschungsobjekt dient, spielen zu lassen, finde ich großartig. Genau das ist für mich Star Trek. Die Romulaner als Antagonisten wären grundsätzlich auch nicht zu verachten, sind aber leider nur mehr ein Schatten ihrer selbst, was mit der genannten Supernova-Story zu tun hat. So möchte man dieses Volk eigentlich nicht sehen. Und dann haben wir da noch die Föderation, die sich natürlich stark gewandelt hat und in „Picard“ nur mehr als abstraktes, kaltes Konstrukt in Erscheinung tritt. Das wäre zwar ebenfalls eine interessante Entwicklung, die wird aber leider fast komplett ignoriert. Den Weg zu verfolgen, den die Föderation hier eingeschlagen hat, wäre vielleicht die lohnenswertere Story für „Picard“ gewesen. Mir graut übrigens schon ein bisschen davor, wenn ich mir vorstelle, dass eventuell mit Ereignissen aus „Discovery“ in Verbindung gebracht wird…

Vom einen oder anderen Logikloch möchte ich jetzt gar nicht anfangen – da gibt es Kaliber wie eine Androidin, die zur vulkanischen Geistesverschmelzung fähig ist. Warum? Weil sie es sich selbst beigebracht hat. Klar. Solche Dinge mögen im ersten Moment unbedeutend scheinen und nur einem alten Trekkie, der sich starrsinnig an der Vergangenheit festhält, negativ auffallen. Für mich ist das aber – genau wie es beispielsweise der Sporenantrieb in „Discovery“ war – schon ein starkes Indiz dafür, was bei Star Trek mittlerweile absolut falsch läuft: Die Verantwortlichen scheren sich nur deshalb überhaupt um Kontinuität, Kanon und Feeling, damit wenigstens ein paar ältere Zuseher dabei bleiben. Der Rest folgt Marketing-Gesetzen, was mir grundsätzlich egal wäre, wenn es hier nicht unter „Star Trek“ laufen würde. Wie lange das noch gut geht? Keine Ahnung, es ist aber auch fast schon egal. Irgendwie fühlt sich Star Trek, so wie ich es kannte und geliebt habe, tot an.

Es reicht hinten und vorne nicht.

Nein, es reicht nicht, einer Serie den wohl größten Namen des Star Trek-Universums nach Kirk und Spock zu verpassen und von einem Selbstläufer auszugehen. Würde diese Serie nicht als „Star Trek“ vermarktet, würde wohl kein Hahn danach krähen. Zu recht, denn das, was wir hier zu sehen bekommen, ist in den besten Momenten nicht viel mehr als mittelmäßig. Leider überwiegen fragwürdige Ideen, schlechte Drehbücher, langwierige Dialoge und eine Story, die den Namen kaum verdient. Nicht einmal der Hauptdarsteller wirkt so, als wäre er emotional bei der Sache.

All das wäre eigentlich ein Todesurteil. Für „Picard“ vergebe ich dennoch gut gemeinte, wenig objektive 3 Punkte. Denn es gibt den einen oder anderen Moment, in dem man sich dann doch heimisch fühlt. Es gibt ein paar spannende Ansätze (ich hätte so gerne mehr über die Forschungsarbeit auf dem Borg-Kubus erfahren!) und der Weltraum sieht so schön aus, wie nie zuvor. Doch das allein reicht hinten und vorne nicht, um „Star Trek: Picard“ zu einer guten Serie zu machen. Ich dachte erst, es würde weh tun, das zu schreiben – aber nein, es ist schlimmer: Es ist mir tatsächlich fast schon egal. Dabei wollte ich sie doch unbedingt mögen.

Bleibt nur die Hoffnung auf Staffel 2.

Gesamteindruck: 3/7


Originaltitel: Star Trek: Picard
Idee: Alex Kurtzman, Akiva Goldsman, Michael Chabon, Kirsten Beyer
Land: USA
Jahr: 2020
Episoden: 10
Länge: ca. 45 Minuten
Gesehen auf: Amazon Prime
Haupt-Besetzung (Auswahl): Patrick Stewart, Alison Pill, Isa Briones, Michelle Hurd, Santiago Cabrera, Harry Treadaway, Evan Evagora



 

FilmWelt: Star Trek Beyond

„Star Trek Beyond“ ist der erste der neuen „Star Trek“-Filme, bei dem das Feindbild vieler altmodischer Trekkies, J. J. Abrams, nicht auf dem Regiestuhl Platz genommen hat. Als Produzent war er zwar dabei, Regie führte allerdings Justin Lin, der für diverse „Fast & Furious“-Teile verantwortlich zeichnete. Daran ist schon zu erkennen, dass niemand damit rechnen sollte, dass „Beyond“ zu den Wurzeln zurückkehrt. Dennoch ist dieser Film der bisher beste Teil des Reboots geworden.

Gesamteindruck: 5/7


Bis dato bester Teil des Reboots.

„Star Trek“ startete 2009 das alt-ehrwürdige Universum von Gene Roddenberry komplett neu. Auch wenn das Ergebnis die Fangemeinde zwiegespalten hat, kam man nicht umhin, zuzugeben, dass es noch schlimmer hätte kommen können. Der Nachfolger, „Into Darkness“ (2013), war eine Spur besser, ließ aber immer noch den Tiefgang vermissen, den der gemeine Trekkie so gerne gesehen hätte. 2016 ging es dann mit Teil 3 weiter: „Star Trek Beyond“ (wer hat eigentlich die Doppelpunkte oder Bindestriche aus den Titeln eliminiert?).

Grundsätzlich sollte man sich mittlerweile ja an den neuen Stil gewöhnt haben, der im Star Trek-Universum herrscht: Rasante Action, schnelle Schnitte, wilde Musik. Und doch macht „Beyond“ einiges anders als seine Vorgänger. Zunächst löst sich der Film komplett vom prä-Reboot-Star Trek. Das bedeutet, dass die Handlung nicht auf bereits bestehende Strukturen aufbaut, sondern eigens für diesen Film entworfen wurde. Ein Pluspunkt, weil so weniger Vergleichsmöglichkeiten da sind und das neue Star Trek-Universum endlich für sich selbst zu stehen lernt. Das führt auch dazu, dass sich das Drehbuch endlich etwas mehr auf die Charaktere konzentrieren kann. Die wirken erstmals einigermaßen etabliert, was weiteren Filmen nur gut tun kann. An dieser Stelle wäre es natürlich interessant, zu erfahren, was jemand, der vor dem Reboot noch nie etwas von „Star Trek“ gehört hat, über die generelle Charakterentwicklung denkt. Ich selbst tue mir leider nach wie vor zu schwer, die alten von den neuen Figuren zu trennen – speziell bei Chris Pine fällt mir das auf, den ich einfach nicht mit dem von William Shatner geprägten Captain James T. Kirk in Verbindung bringen kann. Allerdings muss ich auch zugeben, dass sich diese Situation bessert, seit man ihn zumindest ein wenig ruhiger auftreten lässt.

Die Story, die „Beyond“ erzählt ist – im Gegensatz zu den ersten beiden Teilen des Reboots – eher an das angelehnt, was man aus der Original-Serie kennt. Die Enterprise ist mitten in ihrer berühmten 5-Jahres-Mission, alles geht seinen Gang, bis der Frieden plötzlich unterbrochen wird und man ausrückt, um das Universum zu retten. Dabei trifft man jedoch erstmals nicht auf alte Bekannte, sondern auf neue Feinde. Das ist als positive Entwicklung zu werten, auch wenn man sich als altgedienter Trekkie etwas schwerer mit der Orientierung tut. Erinnert hat mich die Geschichte ein wenig an den Coppola-Klassiker „Apocalypse Now“ (1979), freilich ohne dessen Tiefgang zu erreichen. Man kommt jedenfalls nicht umhin, „Beyond“ als durchwegs spannenden Film ohne nennenswerte Längen zu beschreiben.

Grund zur Kritik gibt es eigentlich nicht viel, wenn man akzeptiert, dass Star Trek mittlerweile zum Popcorn-Kino ohne allzu großen Anspruch geworden ist. Es herrscht diese Gigantomanie, die man vorher nur aus Star Wars kannte (siehe die Raumstation „Yorktown“), alles ist wesentlich schneller, die Dialoge sind gut aber nicht mehr so ausgefeilt, ebenso die erzählten Geschichten.

Wer damit leben kann, sieht mit „Star Trek Beyond“ einen keineswegs perfekten, aber doch soliden Film. Wer es immer noch nicht geschafft hat, sich ganz vom klassischen Star Trek-Universum zu lösen, wird mit „Beyond“ wohl auch keine große Freude haben, vielleicht aber mehr als mit den beiden Vorgängern. Es ist irgendwie merkwürdig, das zu behaupten, dennoch ist es so: Star Trek ist zur Geschmacksache geworden. Nicht nur generell, sondern – vor allem! – innerhalb der Trekkie-Gemeinde.

Gesamteindruck: 5/7


Originaltitel: Star Trek Beyond
Regie: Justin Lin
Jahr: 2016
Land: USA
Laufzeit: 123 Minuten
Besetzung (Auswahl): Chris Pine, Zachary Quinto, Idris Elba, Sofia Boutella, Karl Urban, John Cho, Simon Pegg



 

FilmWelt: Star Trek Into Darkness

Man kann nicht behaupten, dass J.J. Abrams das Star Trek-Universum in den Sand gesetzt hätte. Das wäre eine maßlose Übertreibung, so schlecht sind die neuen Filme keineswegs. Aber auch bei „Into Darkness“ bleibt im Endeffekt die Erkenntnis stehen, dass das, was man gesehen hat, nur mehr oberflächlich mit „Star Trek“ zu tun hat, wie es ursprünglich gedacht war. Einiges ist hier besser als in Teil 1, dennoch reicht es im Endeffekt nicht für eine höhere Punktzahl. Ein klassischer Fall von „ich will es unbedingt mögen, schaffe es aber einfach nicht so richtig“.

Gesamteindruck: 4/7


Weiterhin fehlt dringend notwendiger Tiefgang.

Meine Hoffnung nach dem Neustart der alt-ehrwürdigen Filmreihe mit neuer Crew war, dass sich Regisseur J. J. Abrams nach Teil 1 („Star Trek“, 2009) um ein wenig mehr Tiefgang bemühen würde. Leider erfüllt „Into Darkness“ (2013) diese Hoffnung kaum. Doch beginnen wir mit dem Positiven: Optik und Akustik sind wiederum sehr gut gelungen. Die Special Effects sind große Klasse und wirken im Vergleich zu anderen Blockbustern ausgesprochen „realistisch“. Alles ist noch eine Spur rasanter, als beim ohnehin nicht gerade langsamen Vorgänger. Auch das wurde gut umgesetzt. Untermalt wird diese Action vom passenden, bombastischen Soundtrack. Gut komponiert, sehr gut eingesetzt.

… und viel mehr uneingeschränkt Positives gibt es eigentlich nicht zu berichten. Zumindest nicht für altmodische Trekkies, zu denen auch ich mich zähle. Denn: Man versucht krampfhaft, die Männerfreundschaft zwischen dem impulsiven James T. Kirk und dem logisch-emotionslosen Spock auf das Niveau zu bringen, das sie bereits in der Original-Serie, aber noch wesentlich mehr in den Filmen mit der „alten“ Crew hatte. Das gelingt meines Erachtens kaum. Zum einen liegt das an den Schauspielern, an die man sich nach wie vor nicht so wirklich gewöhnt hat – während William Shatner und Leonard Nimoy echte Charakterköpfe waren bzw. sich während langer Jahre dazu entwickelten, sind speziell Chris Pine, aber auch Zachary Quinto immer noch relativ farblos. Wobei man hier schon eine Verbesserung gegenüber dem ersten Teil konstatieren kann. Zum anderen dürfte es dem Drehbuch geschuldet sein, dass ausgerechnet dieses zentrale Star Trek-Thema nicht richtig zur Geltung kommt. Bis auf eine Szene, die – mit umgekehrten Vorzeichen – aus „Der Zorn des Khan“ übernommen wurde, fällt es durch die rasante Action schwer, eine emotionale Bindung zu den Charakteren herzustellen. Sprich: Es gibt oberflächliche Streitigkeiten zwischen Kirk und Spock, die man schon aus „Star Trek“ zur Genüge kennt. So richtig in die Tiefe geht das alles nicht, auch deshalb, weil kaum auf die Ereignisse aus Teil 1 Bezug genommen wird. So kann es natürlich kein Gefühl eines größeren Zusammenhangs geben. Sub-optimal ist auch, dass das Drehbuch fast vollkommen auf die restliche Crew vergisst, die zwar ihre Momente hat, insgesamt aber weit von einem eingespielt wirkenden Ensemble entfernt ist. Durch diese Problematik wirkt „Into Darkness“ meines Erachtens relativ zerfahren und isoliert. Wobei, eigentlich wirkt nicht „Into Darkness“ so, sondern das neue Star Trek-Universum insgesamt. Mir persönlich fehlt das Gefühl für ein „großes Ganzes“.

Was gibt es noch zu berichten? Im Gegensatz zu „Star Trek“, das eine neue Vorgeschichte erzählt, geht „Into Darkness“ stärker auf Ereignisse ein, die man bereits aus den Original-Filmen bzw. der Original-Serie kennt. Ohne Spoiler ist das kaum zu erklären – aber der Feind, der im ganzen Film gejagt wird, stellt sich am Ende als alter Bekannter heraus. Auch die neue, von Alice Eve verkörperte Wissenschaftsoffizierin dürfte Kennern der Materie sehr bekannt vorkommen.

Eigentlich ist dieser Versuch, altes Material zu integrieren, sehr löblich; damit bekommen auch die alten Fans wichtige Punkte, an denen sie sich „festhalten“ können. Andererseits tut sich dadurch ein weiteres Problem auf: Man sieht deutlich, wie groß der Unterschied in Bezug auf Action, Technik aber leider auch Tiefgang zwischen den alten Filmen und dem Neustart ist. Die Story von „Into Darkness“ ist sehr dünn, schafft stellenweise aber dennoch das Kunststück, zu verwirren. Nicht Fisch, nicht Fleisch. Und auf die erneute Einbindung von Leonard Nimoy († 2015) hätte man getrost verzichten können – ist zwar nur eine ganz kurze Szene, aber völlig entbehrlich für die Handlung ist sie dennoch. Da ist mir der „Tribble“, der auch zu kurzen Ehren kommt, lieber.

Was bleibt also nach dem Genuss von „Into Darkness“? Für mich zwei Erkenntnisse: Erstens ist einer der erfolgreichsten Franchises aller Zeiten noch lange keine Garantie für einen guten Film. Das Star Trek-Universum ist ein unglaublich erfolgreicher Franchise – aus guten Gründen, die mit dem Neustart leider nicht mehr viel zu tun haben. Zweitens – und diese Erkenntnis bezieht sich nicht allein auf „Into Darkness“, sondern auf viele neue Filme – scheint die herausragende Technik, die den Regisseuren heute vergleichsweise günstig zur Verfügung steht, oft die Kreativität zu beeinträchtigen. Wer einen futuristischen Action-Film sehen will, wer Sternenflotten-Offiziere mag, die sich wie Jedi-Ritter bewegen, wer auf Rasanz und perfekte Special-Effects steht, ist bei „Into Darkness“ gut aufgehoben. Wer einfach nur „Star Trek“ will, wie es ursprünglich gedacht war, wird – wie schon mit dem Vorgänger – auch mit diesem Film nicht warm werden.

Das Ergebnis: Vier Punkte – beim Vorgänger waren es ebenfalls „nur“ vier, für meinen persönlichen Geschmack hat sich die Hoffnung nicht erfüllt, dass das Star Trek-Universum wieder etwas mehr Tiefgang erhält. Unterhalten hat mich der Film, das Gefühl etwas „Großes“ zu sehen, ist ausgeblieben. Leider.

Gesamteindruck: 4/7


Originaltitel: Star Trek Into Darkness
Regie: J. J. Abrams
Jahr: 2013
Land: USA
Laufzeit: 127 Minuten
Besetzung (Auswahl): Chris Pine, Zachary Quinto, Benedict Cumberbatch, Bruce Greenwood, Karl Urban, Leonard Nimoy



 

FilmWelt: Star Trek

Diese Neuinterpretation des mittlerweile alt-ehrwürdigen Star Trek“-Stoffes dürfte die meisterwartete und -diskutierte Veröffentlichung 2009 gewesen sein. Für einen bekennenden Trekkie ist es entsprechend schwer, eine einigermaßen objektive Kritik zu verfassen. Einen Versuch ist es aber allemal wert.

Gesamteindruck: 4/7


Ähnlich und doch ganz anders.

Positiv fällt sofort auf, dass es gelungen ist, den Charme des Originals zumindest einigermaßen zu konservieren. Übrigens bleibt das gesamte Original-Star Trek-Universum unangetastet, was einem Kniff zu verdanken ist, der mit Zeitreisen und alternativen Realitäten zu tun hat. Keine schlechte Idee und eine tiefe Verbeugung vor der Legende, auch wenn die Umsetzung ein wenig holprig geworden ist. Dass heutzutage nicht mehr im Papp-Raumschiff durch den Weltraum geflogen sondern auf zeitgemäße Effekte gesetzt wird, dürfte ebenfalls nur wenige Zuseher stören. Alle anderen erleben ein Actionspektakel, wie man es von früheren Star Trek-Produktionen überhaupt nicht kannte. An einigen Stellen schießen die Filmemacher leider auch über das Ziel hinaus und machen das Ganze ziemlich unglaubwürdig; unterhaltsam ist es aber allemal. Das liegt vor allem an den gelungenen Effekten und dem bombastischen Sound, beides kann durchaus als „superb“ bezeichnet werden. Gewöhnungsbedürftig ist hingegen das Schiffsdesign: Von außen ziemlich genau der alten Serie entsprechend, hat sich im Innenleben der „USS Enterprise“ einiges getan. Vor allem die Brücke wirkt wesentlich moderner, aber auch chaotischer als früher. Mit wenig Ruhm bekleckert hat man sich übrigens beim feindlichen Raumschiff: Warum eine Bergbaumaschine eine solche Form und Größe haben soll (erinnert ein wenig an die „Schatten“ aus „Babylon 5“), erschließt sich mir überhaupt nicht. Ansonsten gehen Design und Action leicht in Richtung Star Wars, was völlig neuartig und eigentlich auch überflüssig ist. Vor allem die Weigerung, technische Aspekte in der Handlung zu berücksichtigen finde ich nicht sonderlich gut – Techno-Babble war immer ein wichtiger Teil dieses Universums. Andererseits ist es natürlich gut, dass ein Technik-Overkill wie in „Star Trek: Voyager“ vermieden wurde, aber ganz hätte man meiner Meinung nach nicht darauf verzichten sollen.

Die schauspielerische Leistung und die Besetzung der Hauptrollen sind im Großen und Ganzen im grünen Bereich. An dieser Stelle muss man allerdings ein Stück weit von den über Jahr(zehnt)e gewachsenen Erfahrungen über die Verhaltensmuster der Akteure abrücken. Vor allem der neue Kirk ist um einiges ungestümer als das beileibe nicht ruhige Original. Was allerdings schwerer wiegt, ist die zum Teil völlige Neuausrichtung der Beziehung der Charaktere untereinander. Hier gibt es einige Szenen, die für reichlich Gesprächsstoff dothrn – mir persönlich gefällt es recht gut, bis auf die Beziehung zwischen Spock und Uhura, bei der man offensichtlich auf eine Erklärung, wieso alles so gekommen ist, wie es nun ist, „vergessen“ hat. Ansonsten macht die junge Riege ihren Job ganz gut, und der Auftritt von Altmeister Leonard Nimoy († 2015) als (altes) alter ego von Spock sorgt für einen schönen emotionalen Schub.

Worüber all der optische und akustische Firlefanz jedoch nicht hinwegtäuschen kann: Der Tiefgang ist – wie schon davor (freilich unter völlig anderen Voraussetzungen) in „Der Aufstand“ und „Nemesis“ weit von dem entfernt, was man sich gewünscht hätte. Die Story selbst ist eine belanglose Geschichte über Rache, die man aus verschiedenen Serien-Folgen und aus „Der Zorn des Khan“ sowie „Nemesis“ bereits zur Genüge kennt. Fast scheint es, als hätte man sich mehr auf das Drumherum, auf die möglichst behutsame Adaption einer Legende, konzentriert, als auf den eigentlichen Inhalt. Es gibt einige „Löcher“ in der Dramaturgie, Sprünge und kleinere Logikfehler – schade, hier wäre mehr Feinschliff notwendig gewesen. Woran es ebenfalls hapert: Es gibt in diesem Film keinen starken Bösewicht, sondern nur einen gesichts- und konturlosen Romulaner, dessen Wunsch nach Rache völlig aufgesetzt wirkt. Auch hier: Verschenktes Potential!

Meine Hoffnung war 2009 noch, dass „Star Trek“ lediglich zur Einführung der neuen (alten) Enterprise-Crew diente und alle Ressourcen auf diese (durch das übermächtige Vorbild so schwere) Aufgabe konzentriert wurden. Wenn es einigermaßen gelungen ist, diese zu etablieren, könnten auch weitere Beiträge zum Thema den dringend notwendigen Tiefgang erreichen und zu etwas ganz Großem führen. Dass es bis dato (also nach zwei Filmen, mit dem dritten in den Startlöchern) nicht wirklich so gekommen ist, ist leider auch nicht wegzudiskutieren.

Was dem Film nichtsdestotrotz von der ersten Minute an zugute gehalten werden kann: Er sorgt für einen Neustart des inzwischen festgefahrenen, von Gene Roddenberry geschaffenen Universums. Dass man sich als alter Fan gerade daran stört, ist irgendwo schon sehr tragisch; aus meiner Sicht war diese Frischzellenkur dennoch fällig und könnte immer noch zu einem interessanten Projekt werden – je nachdem, ob man es endlich schafft, sich von der Non-Stop-Action zu lösen. Die Zeit muss ohnehin zeigen, ob die Fans bereit sind, die moderne Gestaltung anzunehmen – ich fürchte aber, dass die älteren Zuschauer nicht mehr damit warm werden können. Vermutlich auch nicht müssen – es gibt sicher genug Menschen, die Star Trek genau so sehen wollen.

Meine sehr durchschnittliche Wertung von vier Punkten liegt darin begründet, dass zu sehr auf Action und zu wenig auf Tiefgang gesetzt wurde. Der Film ist locker und leicht konsumierbar, macht Spaß, regt die Fantasie aber keineswegs so sehr an, wie es seine erfolgreichen Vorgänger schafften. Damit bleibt für weitere Fortsetzungen genügend Luft nach oben.

Gesamteindruck: 4/7


Originaltitel: Star Trek
Regie: J. J. Abrams
Jahr: 2009
Land: USA
Laufzeit: 127 Minuten
Besetzung (Auswahl): Chris Pine, Zachary Quinto, Leonard Nimoy, Eric Bana, Bruce Greenwood, Karl Urban



 

Buchwelt: Redshirts

John Scalzi


Mit „Redshirts“ hat der von mir eigentlich geschätzte John Scalzi ordentlich danebengegriffen. Das Buch wirkt wie eine höchstens mittelmäßige Kurzgeschichte, die künstlich aufgebläht wurde und damit kaum eine Existenzberechtigung im Vollpreis-Segment hat. Mit sorgfältigerer Ausarbeitung hätte das ein gutes Buch in gewohnter Scalzi-Qualität werden können – in dieser Form muss man von einer Lektüre leider abraten. Sollte das Buch jemals günstiger angeboten werden, können Scalzi-Fans einen Blick riskieren, zu viel erwarten sollte sich aber niemand.

Gesamteindruck: 2/7


(Schwache) Kurzgeschichte zum Vollpreis.

Beim Aufschlagen von „Redshirts“ heißt es erstmal durchatmen: Die Schrift ist riesig, die Ränder breit – so kennt man das eigentlich nur von Kinderbüchern. Auf diese Art kommt man natürlich leicht auf 430 Seiten, bei „normalem“ Druck wären es gefühlt unter 200 gewesen. Das zum Preis eines vollwertigen Romans zu verkaufen ist eigentlich eine Frechheit.

Leider wird dieses Manko auch im Buch nicht wettgemacht. Zunächst fallen relativ schnell eine Anzahl an Tippfehlern und eine gewöhnungsbedürftige, ungenaue Übersetzung auf. Verwunderlich, bei einem derart kurzen Buch sollte man meinen, dass das Lektorat genügend Zeit hatte, ordentlich zu Werke zu gehen. Wichtiger ist aber ohnehin die Geschichte – und die ist ausgesprochen merkwürdig und dermaßen an den Haaren herbeigezogen, dass es schon wieder innovativ ist. Sich mit den Redshirts, also Mitgliedern einer Raumschiffbesatzung, deren einziger Daseinszweck das Sterben in den unendlichen Weiten des Weltalls ist, zu beschäftigen, ist eine gute Idee. Ganz neu ist sie allerdings nicht, bereits im Film „Galaxy Quest“ wurde das Thema zumindest angeschnitten. Generell haut „Redshirts“ übrigens in eine ähnliche Kerbe wie dieser Streifen mit Tim Allen, wobei die Story ziemlich genau die umgekehrte Richtung einschlägt.

Auf dem Papier (respektive dem Bildschirm) liest sich das alles erstmal nicht schlecht. Trotzdem – oder gerade deshalb – passt die Umsetzung hinten und vorne nicht. „Redshirts“ soll im Prinzip ja (eben wie „Galaxy Quest“) eine Parodie auf das Science Fiction-Genre im TV sein. Darüber hinaus könnte man das Buch auch als eine Kritik an den teils merkwürdigen Drehbüchern und Erzählweisen insbesondere älterer TV-Serien lesen, die manchmal wissenschaftlichen, häufiger dramaturgischen Interessen folgen (müssen). Leider weist die Erzählweise von „Redshirts“ genau die Probleme auf, die Scalzi vermutlich anprangern wollte. Es gibt Löcher in der Handlung, die Logik bleibt völlig auf der Strecke, der Humor wirkt nicht hintergründig sondern unfreiwillig. Generell fehlt es dem Buch durchgehend an Tiefe – nicht nur, was die wenig spannende Story betrifft, auch die Charaktere bleiben völlig blass. Das mag ihren TV-Pendants, die oft nicht einmal einen Namen bekommen, entsprechen, macht den Roman aber auch sehr oberflächlich. Wirkliche Sympathie für das Schicksal der Redshirts kann so nicht entstehen. Ebenfalls problematisch: John Scalzi verzichtet auf jegliche Außenbeschreibungen, die man im Fernsehen wenigstens sieht – wie das Raumschiff „Intrepid“ aussieht, kann man sich so beim besten Willen nicht vorstellen. Nimmt man all das zusammen, wirkt „Redshirts“ im Endeffekt eher wie eine Fingerübung und nicht wie ein fertiger Roman. Der Autor präsentiert eine grundsätzlich gute Idee mit schönen Ansätzen für eine weitere Ausarbeitung – die einfach nicht erfolgt.

Irgendwann zwischen Seite 330 und 340 ist die Geschichte dann zu Ende. Die restlichen Seiten werden gefüllt mit – ja was eigentlich? Am ehesten kann man das, was folgt als eine Art Nachbetrachtung verstehen. Die Story wird dabei aus anderen Blickwinkeln noch mal zusammengefasst. Das bringt sogar ein wenig Licht in vorher ziemlich nebulöse Zusammenhänge, wirklich gebraucht hätte man diese teilweise langatmigen Beschreibungen aber nicht, weil sie schlicht zu spät kommen.

Wie viel von alledem „passiert“ ist und was davon absichtlich so gemacht wurde, entzieht sich meiner Kenntnis. Spielt letztlich aber auch keine Rolle, weil das Buch – wie man merkt – bei mir einfach nicht so ankommt, wie der Autor es wohl gerne gehabt hätte. Ganz zu verteufeln ist „Redshirts“ zwar nicht, aber eine Kaufempfehlung kann man nicht abgeben. Zwei wohlwollende Punkte, einfach weil Redshirts Charaktere sind, deren trauriges Schicksal in der langen Geschichte der Science Fiction viel zu wenig Beachtung gefunden hat. Das macht sie sympathisch, den Roman aber nur ein klein wenig besser.

Gesamteindruck: 2/7


Autor: John Scalzi
Originaltitel: Redshirts
Erstveröffentlichung: 2012
Umfang: 432 Seiten (deutsche Printausgabe)
Gelesene Sprache: Deutsch
Version: Taschenbuch


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