Live (Kreator)

KonzertWelt: Kreator (Wien, 16.02.2017)

Datum: Donnerstag, 16. Februar 2017
Location: Gasometer (Wien)
Tour: Gods Of Violence
Headliner: Kreator
Support: Sepultura – Soilwork – Aborted
Ticketpreis: 34,90 Euro (VVK)


One thousand voices sing!

Abseits derer, die in einer eigenen Liga spielen (IRON MAIDEN, METALLICA & Co) sind KREATOR neben AMON AMARTH und wohl auch SABATON aktuell wohl die heißesten Eisen, die die Metal-Szene im Feuer hat. Wobei man sagen muss, dass die Thrash-Institution aus Essen im Gegensatz zu genannten Schweden-Kombos ja selbst schon eine halbe Ewigkeit am Start ist. Ja, die glorreichen 1980er waren auch zu KREATOR gut, die 1990er hingegen weniger. Umso besser, dass es 2001 mit „Violent Revolution“ ein zu Recht hochgelobtes Comeback gab (ja, das ist eine Fehlbezeichnung, man ja gar nie „weg“ war). Seitdem gab es nur gute („Hordes Of Chaos“) bis sehr gute (der ganze Rest) Alben, was darin gipfelte, dass die Truppe mittlerweile allein große Hallen füllt. Spätestens seit den aktuellsten Alben „Phantom Antichrist“ (2012) und „Gods Of Violence“ (2017) bringt die Ruhrpott-Legende neben hammerharten Riffs auch die stadion-tauglichen Refrains mit. Das mag nicht jedem Thrasher gefallen, ich persönlich finde es einfach super. Und solange man trotzdem noch Oldschool-Klassiker á lá „Flag Of Hate“ (1985) einstreut, ist für mich alles in Ordnung.

Unabhängig vom Teutonen-Thrash war der Abend im Gasometer eher mittelprächtig gelungen, auch wenn bei einem solchen Paket (und um diesen Preis!) nicht viel schiefgehen kann. Für mich ging es mit SOILWORK los, ABORTED waren einfach zu früh dran. Ende der 1990er/Anfang der 2000er waren SOILWORK ihrerseits gar nicht so weit davon entfernt, Headliner-Status zu erreichen. Ganz hat es nicht funktioniert, sie konnten sich nie nachhaltig aus dem Schatten ihrer Landleute IN FLAMES lösen. Ich habe die Schweden dann irgendwann aus den Augen verloren, bis mich „The Living Infinite“ (2013) zumindest partiell aufhorchen lies und mir zeigte, dass es die Band überhaupt noch gibt. Danach waren sie aber wieder weg von meinem Fenster. Gespannt war ich dennoch, es war lange her, seit ich Björn „Speed“ Strid und Kollegen live erleben durfte. Was sie im Gasometer zum Besten gaben, war auch gar nicht schlecht – ich muss aber zugeben, dass ich keinen einzigen Song erkennen konnte. Trotzdem, die Show war energetisch und die Band kam recht sympathisch rüber. Die Publikumsreaktionen waren nach anfänglicher Reserviertheit gar nicht so übel, sodass man die Show wohl als Achtungserfolg für SOILWORK werten kann. Mich konnten sie damit allerdings nicht „zurückholen“ – als Vorgruppe sind sie weiterhin ok, aber Fan werde ich keiner mehr, wenn da nicht ein absolutes Überraschungsalbum gelingen sollte (und ich das überhaupt mitkriege).

Danach gab es eine Band zu hören, die legendär ist und vor – sagen wir – rund 25 Jahren im Alleingang große Hallen füllen konnte. SEPULTURA brauchen wohl niemandem vorgestellt werden. Ich will mich jetzt auch nicht mit der unrühmlichen Geschichte aufhalten, die auf dem Höhepunkt der Karriere im Prinzip das Ende bedeutete. Und auch gegen Sänger Derrick Green, der wohl Zeit seines Lebens der Neue bleiben wird, muss nicht geschossen werden. Es scheint auch so hart genug zu sein für Gründungsmitglied Paulo Jr. (Bass), für den schon ewig in Diensten der Band stehenden Andreas Kisser (g) und eben für Green, der das Gesangsmikro 1998 übernommen hat. Schlagzeuger ist übrigens ein gewisser Eloy Casagrande. Wer? Genau. Das Problem ist ganz einfach, dass SEPULTURA seit „Roots“ (1996) keinen verdammten Hit mehr geschrieben haben. Und das war an den Publikumsreaktionen deutlich zu merken. Mindestens 90% der Leute waren einzig und allein da, um alte Nummern zu hören. Entsprechend gefeiert wurden Stücke wie „Arise“, „Refuse/Resist“ und „Roots“, während neuere Songs eher gegen eine Mauer des Schweigens gespielt wurden. Einzig positives Beispiel für aufkommende Stimmung war für mich „Phantom Self“ (vom 2017er „Machine Messiah“). Traurig eigentlich, aber nicht zu ändern, mir ging es ja augenscheinlich nicht allein so.

Im Gegensatz zu SEPULTURA haben es KREATOR mittlerweile längst geschafft, ihren Schwächeanfall, der fast die gesamten 1990er-Jahre dauerte, zu überwinden. Entsprechend lautstark wurden die Herren vom brachialen Opener „Hordes Of Chaos“ bis zum Schluss gefeiert. Man kann eigentlich auch gar nicht so viel dazu schreiben, ohne in Superlative zu verfallen – aber die Band gab sich von Anfang bis Ende tatsächlich keine Blöße. Besonders hervorzuheben war die Atmosphäre: Obwohl die neuesten Songs, die die Setlist auch dominierten, eher zum Mitsingen einladen, büßten KREATOR live auch nur einen Hauch an Härte und Giftigkeit ein. Diese Gratwanderung war schon ganz, ganz großes Kino. Das äußerte sich übrigens auch darin, dass das mein erstes KREATOR-Konzert war, bei dem mehr als ein Mikro auf der Bühne stand. Wenn Sänger/Gitarrist Mille Petrozza, lautstark unterstützt von seinen Mitstreitern Christian „Speesy“ Giesler (b) und Sami Yli-Sirniö (g) „We! Shall! Kill!“ ins Publikum brüllte, war das schon unglaublich intensiv. Gleiches gilt für den immer wieder und immer gern gezeigten KREATOR-„Katzenbuckel“, der bei Mille zwar nicht mehr so ausgeprägt wie früher war, bei Speesy hingegen von Mal zu Mal geiler aussieht.

Die Songauswahl war dem Ereignis (das Vorstellen des aktuellen Albums) entsprechend. So waren unter den rund 20 gespielten Songs gleich sechs von „Gods Of Violence“, darunter der tolle Titeltrack und das extra-hymnische „Hail To The Hordes“. Ansonsten gab es alle Titeltracks ab „Violent Revolution“, dazu noch ein paar andere Nummern aus den entsprechenden Alben (z. B. „Civilization Collapse“) und ein bisschen was ganz Altes wie „People Of The Lie“, „Under The Guillotine“ (!) oder „Total Death“ (!!). Nach „Pleasure To Kill“ war schließlich Schluss und ein hoch erfreutes Publikum wurde in die Wiener Nacht entlassen.

Fazit: KREATOR scheinen momentan unschlagbar zu sein. Keine Thrash-Band schafft es aktuell, dermaßen Stimmung zu machen, am nächsten kommen wohl – je nach Tagesform – SLAYER ran. Aber auch die Kalifornier bekommen meist nicht so viele Circlepits und so durchgängig gute Laune im Publikum hin. Wenn man ein Haar in der Suppe finden möchte, schafft man das noch am ehesten bei den Ansagen von Frontmann Mille Petrozza. Der lässt nach wie vor keine Plattitüde aus, was mich frappierend an Kollegen Hansi Kürsch (BLIND GUARDIAN) erinnert. Aber davon abgesehen gab es an der Show absolut nichts auszusetzen. Mille war zum Glück sehr gut bei Stimme, die Band war beinahe schon beängstigend tight (was alle, also alte und neue Nummern eine ganze Ecke härter klingen ließ) und über die Solo-Künste von Sami Yli-Sirniö braucht man ohnehin keine Worte zu verlieren. Eine rundum gelungene Sache also, noch dazu untermal von allerlei Pyros, Videos und sonstigem Schnickschnack, der aber zu keiner Zeit übertrieben wirkte und somit nicht vom Wesentlichen ablenken konnte. Ich bin gespannt, wie lange KREATOR noch in dieser bestechenden Form weitermachen können. 


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MusikWelt: …And Justice For All

 Metallica


Insgesamt setzt „…And Justice For All“ den von Metallica seit dem Debüt eingeschlagenen Kurs der stetigen Weiterentwicklung fort. Da das Album jedoch produktionstechnisch ein Rückschritt und die Songauswahl zwar überzeugend, jedoch einen Tick schwächer als auf beiden Vorgängern ist, gibt es 6 Punkte. Nicht schlecht für eine Platte einer Band auf personellem und musikalischem Scheideweg.

Gesamteindruck: 6/7


Musikalische Weiterentwicklung, produktionstechnischer Rückschritt.

Wenn man das 1988er-Album von Metallica zum ersten Mal hört, fallen sofort einige Veränderungen gegenüber den früheren Werken auf. Zum einen hat sich die Produktion, die zuvor bei „Master Of Puppets“ (1986) erstmals wirklich gut war, verschlechtert. Es gibt praktisch keinen Bass mehr zu hören, was wohl an der schwierigen Zeit nach dem Tod des ursprünglichen Bassisten Cliff Burton († 1986) lag. Dessen Nachfolger Jason Newsted musste ein extrem schweres Erbe antreten, was – in der Rückschau – eigentlich nie so richtig funktioniert hat. Was weniger an Newsted selbst gelegen haben dürfte, aber das ist eine andere Geschichte.

Doch damit nicht genug, auch die restliche Produktion klingt irgendwie saft- und kraftlos. Damals war das noch nicht zu erkennen, aber mittlerweile wissen wir ja, dass sich an diesem Thema bis zum immer noch aktuellen Album „Death Magnetic“ nach wie vor die Geister scheiden. Schade eigentlich, denn gerade auf „…And Justice For All“ stehen komplexe Kompositionen, die sich eine viel besser Klangqualität verdient, diese sogar gebraucht hätten, um sich vollständig zu entfalten.

Auffällig ist auch, dass diesmal nur wenige der Songs wirklich beim ersten Anhören sofort zu gefallen wissen und sich im Gehörgang festsetzen. Das liegt an der bereits angesprochenen Komplexität, die noch dazu durch die Überlänge einzelner Stücke verstärkt wird. So fallen beim ersten Hören lediglich drei Stücke sofort auf, die allerdings hervorragend sind und trotz guter Eingängigkeit nichts an Langzeitwirkung einbüßen: der Opener „Blackened“, das stoisch riffende „Eye Of The Beholder“ und einer der besten Metal-Tracks überhaupt: die Antikriegshymne „One“. Ebenfalls gut gelungen ist der Titeltrack, eine auf über 9 Minuten ausgedehnte Thrash-Hymne, die ihresgleichen sucht. Auch das Instrumental („To Live Is To Die“) weiß zu gefallen, wenngleich es für meinen Geschmack nicht an „The Call Of Ktulu“ (auf „Ride The Lightning“, 1984) und auch nicht ganz an „Orion“ (auf „Master Of Puppets“) heranreicht. „The Frayed Ends Of Sanity“ geht ebenfalls in Ordnung, während der Rausschmeißer „Dyers Eve“ für mich arg durchschnittlich klingt.

Am unteren Ende des Spektrums finden sich das eher langweilige „The Shortest Straw“ und – auch wenn das viele nicht hören mögen – der schwere Groover „Harvester Of Sorrow“. Ja, live kommt die Nummer ganz gut, auf Album langweilt mich das Stück dennoch relativ schnell.


Track – Titel – Länge – Wertung

  1. Blackened – 6:40 – 7/7
  2. …And Justice For All – 9:44 – 6/7
  3. Eye Of The Beholder – 6:25 – 6/7
  4. One – 7:24 – 7/7
  5. The Shortest Straw – 6:35 – 3/7
  6. Harvester Of Sorrow – 5:42 – 4/7
  7. The Frayed Ends Of Sanity – 7:40 – 5/7
  8. To Live Is To Die (Instrumental) – 9:48 – 5/7
  9. Dyers Eve – 5:12 – 4/7

 Gesamteindruck: 6/7 


Metallica auf “…And Justice For All” (1988):

  • James Hetfield − Vocals, Rhythm Guitar
  • Kirk Hammett − Lead Guitar
  • Jason Newsted – Bass
  • Lars Ulrich − Drums

Anspieltipp: One


 

MusikWelt: Master Of Puppets

 Metallica


Unglaublich hoch haben sich Metallica die Messlatte mit den legendären Vorgängern „Kill ‚Em All“ (1983) und „Ride The Lightning“ (1984) für „Master Of Puppets“ (1986) gelegt. So hoch, dass es – zumindest aus meiner Sicht – nicht möglich war, sie zu überspringen. Genauso ist es auch gekommen.

Gesamteindruck: 7/7


Der dritte Klassiker en Suite.

Ja, es mag für viele, die dieses Album für absolut unangreifbar halten, wie Gotteslästerung klingen. Dennoch: Mit „Master Of Puppets“ (1986) können Metallica meiner Ansicht nach vor allem den extrem starken Vorgänger nicht ganz übertreffen, das hohe Niveau allerdings halten. Im Songwriting ist eine deutliche Veränderung, hin zu noch mehr Details, zu hören, was nur eine konsequente Fortsetzung des von Beginn an eingeschlagenen Kurses ist. Damit ist die grobe Marschrichtung vorgegeben. Eine weitere – sehr starke – Verbesserung von Gesangsleistung und Produktion ist ebenfalls zu bemerken, was den Songs sehr gut zu Gesicht steht.

Am Beginn der Platte steht allerdings mit „Battery“ ein sehr einfaches, punkig-thrashiges Stück, das unglaublich nach vorne geht. Besser kann man ein Album kaum einläuten, der Song ist dank des einprägsamen Intros auch live zur Konzerteröffnung fantastisch geeignet. In eine ähnliche Kerbe haut der Rausschmeißer „Damage Inc.“. Dazwischen gibt es mit „Welcome Home (Sanitarium)“ eine grandiose, für Metallica typische Halbballade mit intelligentem Text, mit „Orion“ ein gutes Instrumental (das aber nicht ganz an das Meisterwerk auf diesem Gebiet, „The Call Of Ktulu“ von „Ride The Lightning“, heranreicht) und mit „Disposable Heroes“ einen komplexen Thrasher in Überlänge, der aufgrund der tollen Gitarrenarbeit trotz der üppigen Spielzeit auf Anhieb zu gefallen weiß. Alles andere überragend ist natürlich der sogar noch längere Titeltrack, wohl eines der besten und abwechslungsreichsten Stücke, das die Band je geschrieben hat. Von der harten Strophe über den Mitschrei-Refrain bis hin zu den doppelläufigen Gitarren-Leads im Mittelteil stimmt an dieser Nummer einfach alles, in meinen Ohren der Höhepunkt des Schaffens der Jungs aus der Bay Area (lediglich „One“ und „The Four Horsemen“ kommen da, was das Feeling betrifft, einigermaßen hin). Was man der Truppe auch noch zugute halten muss, sind die sehr guten, kritischen Texte, die vor allem im Titeltrack, „Welcome Home (Sanitarium)“ und „Disposable Heroes“ regelrecht vom Hocker reißen.

Weniger begeisternd, aber immer noch über dem Durchschnitt liegt für mich „Leper Messiah“, das zwar ein sehr gutes Solo hat, aber ansonsten mehr schlecht als recht zünden will, was im Vergleich zu den vorangegangenen Nummern allerdings auch schwierig ist. Schwer zu bewerten ist für mich außerdem „The Thing That Should Not Be“, ein tonnenschwerer Groover, der live zwar sehr gut kommt, auf Platte aber nie so richtig Fahrt aufnimmt. Das Stück ist zwar nicht schlecht und weit vom Totalausfall entfernt, nur wirklich glücklich werde ich damit auch nicht – das ist jedoch Meckern auf hohem Niveau.

Letztendlich habe ich also in der ersten und zweiten Hälfte der Platte jeweils ein Stück, das ich nicht als so perfekt empfinde (gemessen am Rest der Nummern) – damit ist für mich „Ride The Lightning“ insgesamt der beste Output von Metallica. Für 7 Punkte reicht das bei mir aber auch für „Master Of Puppets“ immer noch, wenngleich auch nicht ganz so klar wie bei der 1984er Göttergabe. Ohne mein heutiges Wissen um das, was Metallica in den folgenden zwei Jahrzehnten machten (von dem mir einiges gefiel, einiges nicht) hätte ich vielleicht sogar einen Punkt abgezogen. So ist und bleibt „Master Of Puppets“ allerdings eines der prägendsten und besten Werke der Metal-Historie.


Track – Titel – Länge – Wertung

  1. Battery – 5:12 – 7/7
  2. Master Of Puppets – 8:36 – 7/7
  3. The Thing That Should Not Be – 6:37 – 4/7
  4. Welcome Home (Sanitarium) – 6:27 – 7/7
  5. Disposable Heroes – 8:17 – 7/7
  6. Leper Messiah – 5:40 – 5/7
  7. Orion (Instrumental) – 8:28 – 6/7
  8. Damage, Inc. – 5:29 – 6/7

 Gesamteindruck: 7/7 


Metallica auf “Master Of Puppets” (1986):

  • James Hetfield − Vocals, Rhythm Guitar
  • Kirk Hammett − Lead Guitar
  • Cliff Burton (†) – Bass, Backing Vocals
  • Lars Ulrich − Drums, Percussion

Anspieltipp: Master Of Puppets


 

MusikWelt: Ride The Lightning

 Metallica


Bot das Debüt der Jungs aus der Bay Area („Kill ‚Em All“, 1983) noch ungestüme Rasanz und Wildheit, gelang es Metallica nur ein Jahr später mit dem Zweitwerk „Ride The Lightning“, ihre Aggression in ein wenig kontrolliertere Bahnen zu lenken. Das Songwriting der Band war nie besser als auf vorliegendem Werk und dem Nachfolger „Master Of Puppets“ (1986), den ich persönlich als nahezu gleich genial einstufe (ja, nicht jeder Fan der alten Schule findet, dass „Master Of Puppets“ die bessere Platte ist).

Gesamteindruck: 7/7


Ein Klassiker – zu Recht hoch gelobt.

„Ride The Lightning“ genießt im Prinzip seit seiner Veröffentlichung den Status eines Klassikers – zu Recht, wie ich an einigen Punkten festmachen möchte. Augenfälligste Veränderung gegenüber dem Debüt ist das abwechslungsreichere Songwriting. Hier wird nicht mehr auf Teufel komm raus gethrasht, es finden sich im Gegenteil eine Handvoll langsamere Nummern, die aber gerade dadurch eine unglaubliche Intensität erreichen. Dazu passt auch, dass sich auf dem gesamten Album für meine Ohren kein einziger Ausfall befindet – ein Luxus, den sich die Band danach leider nie mehr leistete. Hier stimmt einfach alles, vom brachialen Opener „Fight Fire With Fire“ über den Titeltrack und das schnelle „Trapped Under Ice“ bis hin zum auch anno 2016 immer noch besten Metallica-Instrumental „The Call Of Ktulu“, in dem die damals noch sehr junge Truppe zeigt, was für ein musikalisches Talent in ihr steckt.

Dazwischen gibt es mit „For Whom The Bell Tolls“ und „Creeping Death“ zwei Über-Songs, die mit Recht auch heute noch ganz oben auf der Setlist stehen. Ersteres ist dabei ein Musterbeispiel, wie man mit relativ simplen Mitteln einen Klassiker fabrizieren kann, während letzteres durch seinen Mitgröl-Refrain und das gebellte „Die! Die! Die!“ im Mittelteil zu bestechen weiß. Mit „Fade To Black“ stimmen Metallica auch erstmals (halb-) balladeske Töne an, die durchaus zu gefallen wissen. Dass man den Text dabei nicht allzu ernst nehmen sollte, dürfte sich mittlerweile bereits herumgesprochen haben. Der Song selbst ist sehr gut aufgebaut und nimmt eigentlich alles vorweg, was bei „One“ später perfektioniert wurde, versprüht aber den etwas raueren Charme. Wenn man unbedingt ein Haar in der Suppe finden möchte, kann man „Escape“ als Schwachpunkt des Albums erwähnen. Grund dafür mag der etwas unspektakuläre Aufbau sein, der die Nummer im Kreis der Klassiker ein wenig untergehen lässt. Dem kann ich nicht widersprechen, um einen Totalausfall handelt es sich allerdings nicht, eher um einen durchschnittlichen Song, was auf dieser Platte natürlich umso stärker auffällt.

Ein weiterer Punkt, der erwähnt werden sollte, ist der Gesang von James Hetfield, der zwar noch weit von seinen späteren Leistungen entfernt ist, sich aber dennoch stark gegenüber „Kill ‚Em All“ verbessert hat. Seinen gesanglichen Höhepunkt hatte der Frontmann meines Erachtens in den 1990ern, aber der Quantensprung war nie so groß wie zwischen den ersten beiden Alben. Man muss dem Sänger sowieso zugute halten – ob man die Gesamtentwicklung von Metallica nun gut findet oder nicht – dass seine Vocals zumindest hervorragend zur jeweiligen Platte passen. Damit einher gehen auch die Texte, die sich auf „Ride The Lightning“ deutlich weiterentwickelt haben und erstmals in eine sozialkritische Richtung gehen.

Als Fazit kann stehenbleiben, dass es den Jungs aus San Francisco mit „Ride The Lightning“ gelungen ist, das sowieso schon superbe Debüt noch zu toppen – eine außergewöhnliche Leistung, die natürlich nur die Höchstwertung bedeuten kann.


Track – Titel – Länge – Wertung

  1. Fight Fire With Fire – 4:45 – 6/7
  2. Ride The Lightning – 6:36 – 7/7
  3. For Whom The Bell Tolls – 5:09 – 7/7
  4. Fade To Black – 6:57 – 6/7
  5. Trapped Under Ice – 4:04 – 6/7
  6. Escape – 4:23 – 5/7
  7. Creeping Death – 6:36 – 7/7
  8. The Call Of Ktulu (Instrumental) – 8:53 – 7/7

 Gesamteindruck: 7/7 


Metallica auf “Ride The Lightning” (1984):

  • James Hetfield − Vocals, Rhythm Guitar
  • Kirk Hammett − Lead Guitar
  • Cliff Burton (†) – Bass, Backing Vocals
  • Lars Ulrich − Drums, Percussion

Anspieltipp: Creeping Death


 

MusikWelt: Kill ´Em All

 Metallica


Das Metallica-Debüt „Kill ´Em All“ ist vor allem eines: Zu recht ein Klassiker, von dem auch heute noch Songs auf der Setlist stehen. Man kann man und muss eine klare Kaufempfehlung für Speed- und Thrash-Fans aussprechen. Alle, die von Metallica nur „Nothing Else Matters“ kennen und mögen, sollten allerdings besser die Finger von „Kill ´Em All“ lassen.

Gesamteindruck: 6/7


Mit dem Debüt gleich ein Klassiker gelungen – Respekt.

„Kill ´Em All“ (1983) hat heutzutage bei vielen – so auch bei mir – den Status eines absoluten Klassikers. Andere sind nicht dieser Ansicht und legen sich dabei vor allem auf zwei Punkte fest. Das ist zum einen die Produktion, die man wirklich nicht als „fett“ bezeichnen kann und zum anderen der noch sehr rohe und unkontrollierte Gesang von James Hetfield. Aus heutiger Sicht ist man natürlich anderes gewohnt (obwohl Metallica mit „St. Anger“ genau 30 Jahre später selbst ein Negativbeispiel par excellence abgeliefert haben, aber das ist eine andere Geschichte). Meiner Ansicht nach bleibt ein guter Song jedoch ein guter Song, egal wie die Produktion ist. Es gibt zwar eine gewisse Schmerzgrenze, was den Sound betrifft, aber davon ist „Kill ´Em All“ zum Glück meilenweit entfernt.

Wichtiger als alles andere ist ohnehin der schwer fassbare Begriff des „Songwriting“, der den Songs der Bay Area-Thrasher ihre ganz eigene Magie verleiht und sogar den Hochgeschwindigkeitstracks dieses Frühwerkes eine enorme Eingängigkeit beschert. Nummern wie „Seek & Destroy“, „Motorbreath“, „Whiplash“, „Hit The Lights“ und vor allem die genialen „Phantom Lord“ und „Four Horsemen“ haben zu recht Klassikerstatus und lassen bereits die großen Taten, die später folgten, erahnen.

Klar ist auch, dass auf einem solchen Debüt nicht nur großartige Songs stehen können. In meinen Ohren sind „Metal Militia“ und „No Remorse“ im Vergleich zum übrigen Material nicht wirklich toll, während sich mit „Jump In The Fire“ sogar eine eher unterdurchschnittliche Nummer eingeschlichen hat. Das Instrumental „(Anesthesia) – Pulling Teeth“ trägt seinen Namen zu Recht und dürfte so manchem Nicht-Bassisten eher Schmerzen bereiten. Zweifellos war Cliff Burton (R.I.P. 1986) ein toller Musiker, aber solche Solos halte ich doch eher für verzichtbar. Kein Vergleich zu den späteren Instrumentalstücken.

Davon unbeschadet zeigt „Kill ´Em All“ sehr deutlich, dass die damals sehr jungen Buben von Metallica den Bogen raus hatten. Eine derart profunde songwriterische Leistung mag heute für manche fast schon selbstverständlich sein (was nicht stimmt), Anfang der 1980er Jahre waren die Zeiten aber noch vollkommen anders. Diese Kombination von Wildheit und gleichzeitiger Zugänglichkeit gab es bei den anderen Newcomern wie Slayer, Anthrax und wie sie alle hießen nicht in diesem Ausmaß. Die waren definitiv brutaler, während Metallica zwar ebenfalls ungestüm, dabei aber eben viel variabler zu Werke gingen. Ob man damals schon ahnen konnte, dass aus diesem Debüt eine der größten Bands aller Zeiten hervorgehen würde, weiß ich nicht – der Fluch der späten Geburt hat es mir nicht ermöglicht, diese wegweisende Ära (nicht nur in Bezug auf Metallica!) mitzuerleben. Wie auch immer: Das ungeschliffene „Kill ‚Em All“ ist mit das Beste, das es im Metal im Allgemeinen und bei Metallica im Besonderen zu hören gibt. Bis heute.


Track – Titel – Länge – Wertung 

  1. Hit The Lights – 4:17 – 5/7
  2. The Four Horsemen – 7:13 – 7/7
  3. Motorbreath – 3:08 – 6/7
  4. Jump In The Fire – 4:42 – 3/7
  5. (Anesthesia) – Pulling Teeth – 4:15 – 2/7
  6. Whiplash – 4:10 – 7/7
  7. Phantom Lord – 5:02 – 7/7
  8. No Remorse – 6:26 – 4/7
  9. Seek & Destroy – 6:55 – 7/7
  10. Metal Militia – 5:10 – 4/7

 Gesamteindruck: 6/7 


Metallica auf “Kill ´Em All” (1983):

  • James Hetfield − Vocals, Rhythm Guitar
  • Kirk Hammett − Lead Guitar
  • Cliff Buron (†) – Bass
  • Lars Ulrich − Drums

Anspieltipp: The Four Horsemen


 

MusikWelt: Enslaved

Soulfly


Soulfly haben 2012 mit „Enslaved“ ein sehr starkes Album vorgelegt, das ich in dieser Intensität nicht von der Band erwartet hätte. Ein zweiter Frühling für Max Cavalera? Die Zeit muss es zeigen – dieses Album bekommt jedenfalls eine für mein Verhältnis zur brasilianischen Truppe sehr gute Wertung; wenn ich auch zugebe, dass einige Hörer die Eigenständigkeit von Soulfly vermissen werden. Die müssen mindestens einen Punkt abziehen.

Gesamteindruck: 5/7


Mörderischer Groove und harte Riffs: unerwartet stark.

Egal wie sehr ich es versucht habe: Mit Soulfly konnte ich nie warm werden. Die für meinen Geschmack zu moderne Ausrichtung der Band schreckte mich ebenso ab, wie der von Max Cavalera immer wieder propagierte „Weltmusik“-Ansatz. Ich fand dieses Tribal-Zeugs schon bei Sepultura übertrieben, bei Soulfly ging es mir noch mehr auf die Nerven. Als man sich später wieder verstärkt dem guten alten Thrash widmete, haperte es teilweise erheblich am Songwriting. Im Endeffekt konnten mich aus dem Lager der Brasilianer in den letzten rund 15 Jahren eigentlich nur die Alben der Cavalera Conspiracy wirklich überzeugen. Wenn man die kläglichen Versuche von Sepultura, an alte Taten anzuknüpfen, an ein Ende des Spektrums stellte und die ausgezeichnete Arbeit der Cavalera Conspiracy ans andere, blieb für Soulfly der Platz zwischen diesen beiden.

Zumindest bis „Enslaved“. Denn mit diesem losen Konzeptalbum zum Thema Sklaverei, schafft es Max Cavalera endlich mal wieder, auch mit seiner von beabsichtigter Besetzungsrotation geprägten Band zu punkten. Zumindest bei Anhängern ganz harter Klänge. Die Scheibe ähnelt musikalisch der Cavalera Conspiracy, ist dabei aber etwas einfacher gestrickt. Ein Vorteil – es geht nämlich wesentlich direkter zur Sache, was sich sehr gut anfühlt. Den besten Vergleich zu „Enslaved“ findet man wohl bei den Sepultura-Meisterwerken „Arise“ (1991) und „Chaos A.D.“ (1993). Teilweise wird derart brutal gespielt, dass man schon gar nicht mehr von Thrash sondern eher von Death Metal sprechen muss. Ein brachiales Stück folgt auf das nächste, aber merkwürdigerweise nutzt sich „Enslaved“ trotzdem nicht so schnell ab, wie man das von jüngeren Brutalo-Bands gelegentlich kennt.

Wie man stilfremde Einflüsse trotz aller Härte perfekt integrieren kann, zeigt das meiner Ansicht nach beste Stück auf der Platte: In „Plata O Plomo“ treffen Flamenco-Klänge auf mörderischen Groove, der aggressive, Cavalera-typische Gesang wird zusätzlich kraftvoll durch das Death Metal-affine Organ von Bassist Tony Campos (ehemals Static-X, Ministry) unterstützt. Das Ergebnis: ein unglaublich starkes, sehr intensives Lied über den 1993 erschossenen kolumbianischen Drogenbaron Pablo Escobar. Voll überzeugen können auch das wohl härteste Soulfly-Stück bisher („World Scum“), das zum „Hail! Hail! Hail!“-Gröhlen einladende „Gladiator“ sowie „American Steel“ und „Treachery“, die klingen, als wären sie eigentlich für die Cavalera Conspiracy geschrieben worden. Auch stark: In „Redemption Of Man By God“ gibt sich DevilDriver-Schreihals Dez Fafara am Mikro die Ehre und „Revengeance“ als Gemeinschaftsproduktion von Max, Igor, Richie und Zyon Cavalera. Allesamt exzellente Tracks, die ich von Soulfly in dieser Phase ihrer Karriere nicht so stark erwartet hätte.

Demgegenüber fallen die restlichen Stücke ein wenig ab, auch wenn es keinen wirklichen Ausfall gibt. Aber „Intervention“ und „Legions“ rauschen im Endeffekt fast unbemerkt am Hörer vorbei. Auch einer der Bonustracks auf der Limited Edition, „Slave“, teilt dieses Schicksal. Das obligatorische Instrumental „Soulfly VIII“ wurde diesmal übrigens auch in die Bonussektion gepackt. Violinen und Metal? Wieso nicht, hier passt’s wirklich gut, auch wenn ich kurzfristig den Eindruck hatte, eine Apocalyptica-Scheibe zu hören (ja, ich weiß, die verwenden Chellos…).


Track – Titel – Länge – Wertung

  1. Resistance – 1:53 – 4/7
  2. World Scum – 5:19 – 6/7
  3. Intervention – 3:55 – 4/7
  4. Gladiator – 4:58 – 7/7
  5. Legions – 4:18 – 4/7
  6. American Steel – 4:14 – 7/7
  7. Redemption Of Man By God – 5:15 – 6/7
  8. Treachery – 5:49 – 6/7
  9. Plata O Plomo – 4:52 – 7/7
  10. Chains – 7:18 – 3/7
  11. Revengeance – 5:42 – 6/7
  12. Slave – 3:51 – (Bonus) – 3/7
  13. Bastard – 3:57 – (Bonus) – 4/7
  14. Soulfly VIII – 4:24 – (Bonus) – 5/7

Gesamteindruck: 5/7 


Soulfly auf “Enslaved” (2012):

  • Max Cavalera − Vocals, Guitar
  • Marc Rizzo − Guitar
  • Igor Gianola − Guitar
  • Tony Campos − Bass, Vocals
  • David Kinkade − Drums

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MusikWelt: Cowboys From Hell

Pantera


 Alles in allem eine extrem gute und sehr harte Platte, die jeder Metalhead im Schrank haben muss. „Cowboys From Hell“ war und ist tatsächlich eine Bereicherung für die ganze Szene. Was auch immer dazu geführt hat, dass sich Pantera 1990 vom Glam Rock abwandten: Ein Hoch darauf!

Gesamteindruck: 7/7


Intialzündung.

„Cowboys From Hell“ ist eigentlich die fünfte Platte der texanischen Kultband Pantera. Allerdings neigen viele Fans der Truppe dazu, über die vier vorher (zwischen 1983 und 1988) erschienen Machwerke den Mantel des Schweigens zu hüllen und diesen Output als „Debüt“ anzusehen. Dem kann man nicht ganz widersprechen, immerhin findet sich hier erstmals der Stil, der die Band bekannt und damit auch erfolgreich gemacht hat. Und nicht nur das – gemeinsam mit den beiden Nachfolgern „Vulgar Display Of Power“ (1992) und „Far Beyond Driven“ (1994) bildet „Cowboys From Hell“ das überragende Triumvirat im Vermächtnis von „Dimebag“ Darrell Abbott (R.I.P. 2004).

Was hier geboten wird, dürfte also klar sein: Thrash-Metal mit mörderischem Groove, bretthart aber dennoch immer melodisch dargeboten und ein Sänger, der es versteht, sämtliche Gefühle in seine Stimme zu legen. Diese Platte ist meines Erachtens das beste Pantera-Werk überhaupt, wobei der unmittelbare Nachfolger praktisch die idente Qualität aufweist.

Was das 1990er-Album überlegen macht, ist einer der besten und abwechslungsreichsten Tracks, der im Metalgenre geschrieben wurde: „Cemetery Gates“, ein Stück, das Gänsehaut pur erzeugt. Hier stimmt einfach alles – von den präzisen Riffs (ohnehin ein Markenzeichen der Band) über das perfekte Solo bis hin zu den emotionalen Vocals von Phil Anselmo. Ein solch herausragendes Lied sollte der Band nie mehr gelingen.

Allerdings ist auch der Rest der Scheibe alles andere als schlecht. Hervorragend sind vor allem die Brecher „Primal Concrete Sledge“, „Psycho Holiday“, „Message In Blood“ und „The Art Of Shredding“ mit seinem Monster-Riff. Mit „The Sleep“ gibt es als vorletztes Stück eine weitere Halb-Ballade, die ebenfalls überzeugen kann und die in meinen Ohren sogar „This Love“ von „Vulgar Display Of Power“ schlägt. Der Rest der Songs ist gewohnt solide Pantera-Kost, lediglich „Shattered“ und „Clash Of Reality“ können mich nicht sonderlich überzeugen, was aber vor allem an der guten Qualität der restlichen Stücke liegen dürfte.


Track – Titel – Länge – Wertung

  1. Cowboys From Hell – 4:07 – 6/7
  2. Primal Concrete Sledge – 2:13 – 6/7
  3. Psycho Holiday – 5:19 – 7/7
  4. Heresy – 4:46 – 5/7
  5. Cemetery Gates – 7:02 – 7/7
  6. Dominiation – 5;04 – 6/7
  7. Shattered – 3:21 – 4/7
  8. Clash With Reality – 5:16 – 4/7
  9. Medicine Man – 5:14 – 5/7
  10. Message In Blood – 5:10 – 7/7
  11. The Sleep – 5:47 – 6/7
  12. TheArt Of Shredding – 4:20 – 6/7

Gesamteindruck: 7/7 


Pantera auf “Cowboys From Hell” (1990):

  • Phil Anselmo  – Vocals
  • „Dimebag“ Darrell Abbott (†) – Lead & Rhythm Guitars, Backing Vocals
  • Rex Brown – Bass, Acoustic Guitar, Piano
  • Vinnie Paul Abbott – Drums

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Pantera – Vulgar Display Of Power (MusikWelt)

MusikWelt: Vulgar Display Of Power

Pantera


Eine abwechslungsreiche und vor allem brettharte Platte, der man eigentlich nur die Höchstwertung geben kann – sowohl im Kontext der Pantera-Historie als auch wegen ihrer Bedeutung für den Metal im Allgemeinen.

Gesamteindruck: 7/7


Wichtiger Teil von „Dimebag“ Darrells Vermächtnis.

Gemeinsam mit dem Vorgänger „Cowboys From Hell“ (1990) und (zumindest teilweise) dem Nachfolger „Far Beyond Driven“ (1994) bildet „Vulgar Display Of Power“ (1992) das alles überstrahlende Dreigestirn im Schaffen von Pantera. Die – auch musikalisch belanglosen – Peinlichkeiten aus den 1980ern sind heute zu Recht bereits in Vergessenheit geraten und dem Großteil des Materials ergeht es nicht viel besser…

Der Klassikerstatus von „Vulgar Display Of Power“ kann an mehreren Punkten festgemacht werden. Erstens ist Phil Anselmos Gesang eine Klasse für sich – egal ob die Songs rasend schnell, bedrohlich stampfend oder sogar balladesk-verträumt aus den Boxen kommen – seine Stimme passt in allen Lagen perfekt zur Musik. Dass Pantera als Band zu einem nicht unbeträchtlichen Teil von Anselmos Vocals gelebt haben, wird klar, wenn man sich das Line-Up ansieht. Erst als dieser sicherlich sehr schwierige Charakter 1987 an Bord kam, wuchs die Truppe zu einem ernstzunehmenden Faktor im Metalbereich heran – die drei anderen Bandmitglieder waren von Anfang an dabei, konnten den Durchbruch aber nicht erzwingen. Gerüchten zufolge ist auch der langsame, aber unaufhaltsame Abstieg der Band Ende der 1990er auf den Sänger zurückzuführen – wobei man sagen muss, dass Pantera live bis zum endgültigen Zerwürfnis (2003) eine Macht waren.

Ein weiteres Indiz für die Klasse des Albums ist – natürlich – die Basis, auf die dieser Gesang gelegt wird. Selten gab und gibt es eine Band zu hören, die einen derartigen Groove zustande bringt. Vor allem in den harten und nahezu hymnischen Midtempo-Bereichen ist die Brutalität der Texaner schwer zu erreichen. Grund dafür ist die begnadete Rhythmusfraktion um Ausnahme-Gitarrist „Dimebag“ Darrell Abbott (R.I.P. 2004), dessen Riffs und Zusammenspiel mit seinem Bruder Vinnie Paul (Schlagzeug) und auch Bassist Rex Brown ihresgleichen suchen.

Als letzten – und beileibe nicht unwichtigsten – Punkt kann sollte man das Songwriting nennen. Auf „Vulgar Display Of Power“ befinden sich elf Songs, unter denen es keinen Totalausfall gibt. Wenn man nach Schwächen sucht, wird man meiner Ansicht nach lediglich bei „Live In A Hole“ und „By Demons Be Driven“ (beide irgendwie nichtssagend) fündig. Alle anderen Stücke sind eindeutig gehobenste Qualität – vor allem „A New Level“, „Fucking Hostile“, „Rise“ (als pfeilschneller Kontrapunkt zu „This Love“) und das schon erwähnte „Hollow“ wissen zu gefallen. Die Über-Hymne „Walk“ braucht nicht extra erwähnt zu werden, ebensowenig der legendäre Opener „Mouth For War“. Interessant und ungewöhnlich klingt hingegen „No Good (Attack The Radical)“ mit seinem Sprechgesangs-Teilen.


Track – Titel – Länge – Wertung

  1. Mouth For War – 3:01 – 6/7
  2. A New Level – 3:37 – 6/7
  3. Walk – 3:14 – 7/7
  4. Fucking Hostile – 4:26 – 7/7
  5. This Love – 3:26 – 6/7
  6. Rise – 3:53 – 5/7
  7. No Good (Attack The Radical) – 3:27 – 5/7
  8. Live In A Hole – 3:38 – 4/7
  9. Regular People (Conceit) – 3:47 – 5/7
  10. By Demons Be Driven – 4:28 – 4/7
  11. Hollow – 3:33 – 7/7

Gesamteindruck: 7/7 


Pantera auf “Vulgar Display Of Power” (1992):

  • Phil Anselmo  – Vocals
  • „Dimebag“ Darrell Abbott (†) –Guitars, Backing Vocals
  • Rex Brown – Bass, Backing Vocals
  • Vinnie Paul Abbott – Drums

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