MusikWelt: Hardwired… to Self-Destruct

Metallica


Ich fand (und finde nach wie vor), dass „Death Magnetic“ (2008) ein gutes Album war. Zwar weit von einem Meisterwerk im Sinne von „Ride the Lightning“ (1984) oder „Master of Puppets“ (1986) entfernt, dennoch eine schöne Platte. Was darauf folgte, war zunächst eine lange Pause, dann, acht (!) Jahre nach „Death Magnetic“, kam „Hardwired… To Self-Destruct“. Für mich übrigens ziemlich unerwartet, weil zu einem Zeitpunkt, als ich kaum noch Musikzeitschriften konsumierte und daher nicht mehr auf dem Laufenden war. So oder so – sobald das 2016er-Album in den Newslettern der Versandhäuser und auf Spotify auftauchte, habe ich, ohne lang zu überlegen oder richtig reinzuhören, das Doppel-Vinyl gekauft

Gesamteindruck: 6/7


Bester Versuch seit 30 (!) Jahren.

Ich hätte es nicht für möglich gehalten: „Hardwired… To Self-Destruct“ ist ein sehr gutes Metallica-Album. Nach den ersten zwei, drei Durchläufen war ich noch anderer Meinung, zu lang, zu wenige sofort zündende Ideen, zu überproduziert – das waren so die Attribute, die ich zunächst im Kopf hatte. Nach einiger Zeit, die die Platte zum Reifen hatte und in der ich nur gelegentlich reingehört habe, habe ich anno 2020 beschlossen, nochmal ganz genau aufzupassen. Und siehe da: „Hardwired… To Self-Destruct“ erwies sich als wahrer Grower. Mit jedem Durchgang entdeckte ich neue Details, die mir gefielen – und irgendwann ertappte ich mich dabei, wie ich diese Platte immer und immer wieder gehört habe. Zunächst zu Hause am Plattenspieler, dann aber verstärkt im Auto und beim Laufen. Wenn das kein gutes Zeichen ist, weiß ich es auch nicht.

Damit habe ich das Fazit schon vorweg genommen, ein bisschen in die Tiefe möchte ich aber natürlich schon noch gehen. Zunächst erzeugt „Hardwired… To Self-Destruct“ durch die Gestaltung als Doppel-Album das Gefühl, besonders lang zu sein. Der Blick auf die Gesamtspielzeit zeigt jedoch, dass dieser Eindruck täuscht: 77:28 Minuten liegen ziemlich voll im Rahmen aller Metallica-Longplayer seit „Load“ (1996, mit 78:58 Minuten bis heute das längste Album der Band). Am Rande sei angemerkt, dass die gefühlte Spielzeit mitunter recht stark von der tatsächlichen abweicht – oder dass es je nach dargebotener Musik Unterschiede zu geben scheint, wie lang ein Album sein „darf“. Beides nachzuhören bei „St. Anger“ (2003), das das „nur“ 75:03 Minuten auf dem „Tacho“ hat, was man kaum glauben kann, wenn man versucht, dieses Werk mehrfach hintereinander konzentriert zu hören.

Spezielle Atmostphäre.

„Hardwired… To Self-Destruct“ lebt meiner Meinung nach von einer ganz eigenen, fast schon doomig zu nennenden Atmosphäre. Insgesamt hat man das Gefühl eines eher langsamen Albums, auch wenn es einzelne Songs gibt („Moth into Flame“, „Spit Out the Bone“) in denen das Gaspedal einigermaßen durchgetreten wird. An dieser Stelle sei aber gleich auch gesagt, dass wir es hier mit der kontrollierten Aggressivität vierer Herren zu tun haben, denen man ihr Alter mittlerweile recht deutlich anmerkt. Heißt: Die wilden Momenten sind bei weitem nicht mehr so ungestüm wie in den Anfangstagen der Band und auch nicht dermaßen thrashig, wie es noch auf dem Vorgänger „Death Magnetic“ zumindest stellenweise der Fall war. Für mein Dafürhalten setzt das Quartett aus Kalifornien hier vielmehr auf Ausgewogenheit (was übrigens auch in der extrem ausgeglichenen Produktion deutlich wird, die jedem Instrument den gleichen Freiraum zugesteht). Wer also ein neues „Kill ´Em All“ (1983) oder „Master of Puppets“ erwartet hat, wird wohl einmal mehr enttäuscht sein – Mitleid gibt es dafür aber keines von mir, denn dass das nicht passieren würde, war klar. Wobei ich aber auch sagen möchte, dass „Hardwired… To Self-Destruct“ vom Feeling her gar nicht so weit von der Stimmung eines „Master of Puppets“ entfernt ist. Insgesamt denke ich, dass das Album auch sehr gut in die Zeit zwischen „…And Justice For All“ und „Load“ gepasst hätte, wenn man unbedingt nach einem musikalischen Referenzpunkt in der Metallica-Historie suchen möchte.

Schwer fällt mir, einzelne Songs hervorzuheben. Das liegt vorwiegend daran, dass fast jede Nummer mindestens einen Teil mit extrem hohem Wiedererkennungswert hat. Verantwortlich dafür sind meiner Meinung nach James Hetfield und Kirk Hammett – ersterer ist unglaublich gut bei Stimme, vor allem aber sind es diverse Gesangslinien und Melodien, die klassischen Ohrwurm-Charakter haben. Hammett hingegen packt – manchmal auch im Maiden-lastigen Duett mit Hetfield – ein paar durchaus gute Solos aus, was in jüngeren Jahren ja keineswegs selbstverständlich war. Die Riffs sind allerdings nochmal stärker und stammen natürlich wiederum von Hetfield, der hier tatsächlich so etwas wie einen zweiten Frühling zu erleben scheint. Neben meinem Favoriten „Now That We’re Dead“ (übrigens von Wrestling-Legende The Undertaker als Entrance-Theme für seinen Auftritt bei der 2020er-Ausgabe von „WrestleMania“ genutzt) gefallen mir vor allem das vorab bekannte „Atlas, Rise!“, das schnelle „Moth Into the Flame“ und das doomige „Dream No More“, in dem Metallica endlich (!) mal wieder den CthulhuMythos von H.P. Lovecraft aufgreifen.

Guilty pleasure?

Freilich ist trotz dieser lobenden Worte auch auf „Hardwired… To Self-Destruct“ nicht alles Gold, was glänzt. So finde ich letztlich jede Nummer auf Disc 1 sehr gut gelungen, Disc 2 fällt demgegenüber allerdings ein wenig ab. „ManUnkind“, „Am I Evil“… ähh… „Am I Savage?“ und leider auch die Lemmy Kilmister-Verbeugung „Murder One“ sind im Vergleich zum restlichen Material unterer Durchschnitt. Als Kritikpunkt kann man außerdem einmal mehr festhalten, dass Metallica dazu tendieren, das eine oder andere Stück zu sehr in die Länge zu ziehen (ein Problem, dass sie schon seit „Master of Puppets“ mit sich herumschleppen). Und: Ich habe ja oben kurz mal das Alter der Herrschaften erwähnt – teilweise spiegelt sich das nicht gerade in den infantilen Lyrics wieder. Man höre z. B. den Titeltrack, da wird recht schnell klar, was ich damit meine…

So oder so: Im ersten Moment ist es verlockend einfach, „Hardwired… To Self-Destruct“ als weiteren Beweis für die Merkwürdigkeit der Metallica-Phase abzutun, die nun bereits seit Anfang/Mitte der 1990er andauert (und damit wesentlich länger als jene Zeit, in der die Bay Area-Thrasher noch vollkommen unumstritten waren). Ich war zunächst auch versucht, mich aufgrund verschiedener Dinge, die mich störten, gleich über das ganze Album negativ auszulassen – bis ich irgendwann feststellen musste, dass es mir geradezu unverschämt viel Spaß macht, dieses Werk zu hören. Guilty pleasure? Mag sein, dass das für manche so wirkt, ich frage mich aber, was genau eigentlich schlecht daran sein soll, wenn eine Band, die ich mag mir ein Album vorlegt, das mich nicht mehr und nicht weniger als gut unterhält. Und so kann ich „Hardwired… To Self-Destruct“ nur eine hohe Wertung geben, die höchste, die ich Metallica seit dem „Schwarzen Album“ (1991) zugestanden habe. Unerwartet? Ja! Unverdient? Nein!


Track – Titel – Länge – Wertung

Disc 1

metal-archives.com

  1. Hardwired – 3:09 – 5/7
  2. Atlas, Rise! – 6:28 – 6/7
  3. Now That We’re Dead – 6:59 – 6/7
  4. Moth Into the Flame – 5:50 – 6/7
  5. Dream No More – 6:29 – 6/7
  6. Halo on Fire – 8:15 – 5/7

Disc 2

  1. Confusion – 6:43 – 6/7
  2. ManUNkind – 6:28 – 4/7
  3. Here Comes Revenge – 7:17 – 5/7
  4. Am I Savage? – 6:29 – 4/7
  5. Murder One – 5:45 – 4/7
  6. Spit Out the Bone – 7:09 – 6/7

 Gesamteindruck: 6/7 


Metallica auf “Hardwired… to Self-Destruct” (2016):

  • James Hetfield − Vocals, Rhythm Guitars
  • Kirk Hammett − Lead Guitars
  • Robert Trujillo − Bass
  • Lars Ulrich − Drums

Anspieltipp: Now That We’re Dead

MusikWelt: S&M

Metallica


Das erste Wort, das mir einfällt, wenn es darum geht, den Gesamteindruck von „S&M“ zu beschreiben, ist „schwierig“. In der Praxis haben wir es hier mit einem typischen Metallica-Konzert um die Jahrtausendwende zu tun, heißt: Die Songauswahl ist nicht ganz ausgewogen, vor allem ein oder zwei Nummern vom Debüt „Kill ´Em All“ (1983) vermisst man schmerzlich. Stattdessen gibt es Rohrkrepierer wie „Bleeding Me“ und „The Outlaw Torn“ zu hören. Ergänzt wird die abgesehen davon tadellose Live-Show des Vierers aus der Bay Area durch das San Francisco Symphony-Orchester, dirigiert vom 2003 verstorbenen Michael Kamen. Und genau in der Symbiose dieser beiden Elemente, Heavy Metal und Klassik, liegt das Problem.

Gesamteindruck: 3/7


Wo ist die Symbiose?

Beim ersten Durchgang von „S&M“ ist man noch guter Dinge: Man bekommt die bekannten Metallica-Standards in einer energiegeladenen Live-Version zu hören. Die Band ist „tight“, wie man so schön sagt, James Hetfield ist am Mikro deutlich besser drauf, als es zu jener Zeit gelegentlich der Fall war; nicht vergessen sollte man außerdem die grandiosen Backing Vocals von Bassist Jason Newsted, die Metallica meiner Ansicht nach auch heute noch sehr gut tun würden. Die Vorfreude wird bereits beim legendären Opener „The Ecstasy of Gold“ unermesslich groß – dass es dann ausgerechnet mit dem gefühlte Ewigkeiten dauernden Instrumental „The Call of Ktulu“ weitergeht, ist ein verschmerzbarer Dämpfer. Denn danach folgen sieben sehr starke Nummern, bevor die Kurve mit den finalen Stücken von Disc 1 deutlich abflacht.

Disc 2 beginnt mit dem im Zuge dieser Veröffentlichung auch im Radio endgültig totgespielten „Nothing Else Matters“ eher verhalten, steigert sich dann aber grandios (sieht man vom Zwischenloch „The Outlaw Torn“ ab) und endet mit dem Doppelschlag aus „Enter Sandman“ und „Battery“ standesgemäß. An alledem ist wenig auszusetzen, dass einem nicht jede Nummer gefällt, ist für ein Live-Album glaube ich normal, jeder hat ja so seine Traum-Setlist im Kopf. Man nickt ständig mit, klopft mit dem Fuß den Takt, brüllt (hoffentlich nicht in der Öffentlichkeit) bei den Refrains und Singalongs mit und freut sich generell, ein grundsolides Metallica-Konzert mit gutem, organischem Sound zu hören.

Nicht wie aus einem Guss.

Soweit so gut – irgendwann habe ich dann aber doch bemerkt, dass ich in meiner Begeisterung gar nicht so sehr auf das Orchester geachtet habe, das ja der Grund ist, wieso es diese Platte überhaupt gibt. Daran merkt man schon, dass hier etwas nicht so ganz stimmt. Ich vermute mal, meine wenig an Klassik gewöhnten Ohren haben die Orchester-Spuren relativ schnell ausgeblendet, weil diese stellenweise wie ein Fremdkörper (man könnte auch sagen: Störfaktor!) klingen. Bei einzelnen Songs wie „The Memory Remains“, „Until It Sleeps“, „For Whom the Bell Tolls“ und, ja, auch „Nothing Else Matters“, greift alles halbwegs ineinander. Wirklich gut funktioniert es aber nur bei den extra für dieses Album geschriebenen Nummern „-Human“ (allerdings per se kein so tolles Lied) und dem wahrlich großartigen und bis heute zu Recht auf Metallica-Setlists zu findenden „No Leaf Clover“ (in meinen Ohren der mit großem Abstand beste Track auf „S&M“).

Das Problem beim Rest vom Schützenfest scheint zu sein, dass Metallica ihre Songs keineswegs für die orchestrale Darbietung umgestaltet haben. Noch dazu geht die Band laut, druckvoll und – wie üblich – live etwas schneller als auf Platte zu Werke. Das Ergebnis: Wenn bei komplexeren Kompositionen wie „The Thing That Should Not Be“ und „Master of Puppets“, aber auch bei zwar einfachen, jedoch massiven Brechern wie „Battery“ oder „Fuel“ das Orchester einsetzt, gibt es so etwas wie eine Symbiose nicht mehr. Die Symphoniker scheinen frontal gegen eine unglaublich laute Metal-Band anzuspielen, es klingt stellenweise tatsächlich, als würden zwei Platten nebeneinander laufen und einfach nicht ineinander greifen. Dabei hat das nach meinem Ermessen nichts mit technischen Dingen wie Timing o. ä. zu tun – die Songs sind schlicht nicht für diese Performance ausgelegt. Eine etwas anderes Arrangement hätte wohl geholfen, denn grundsätzlich vertragen sich diese zwei Musikstile ja aufgrund ähnlicher Dynamik recht gut (wie diverse orchestrale Metal-Alben anderer Bands immer wieder gezeigt haben).

Auf „S&M“ ist das leider viel zu selten der Fall. Beim Gros der Songs ist es letztlich so, dass ich das Orchester ganz einfach nicht gebraucht hätte – und das ist natürlich ein Desaster. Vor dem Totalausfall retten das Album ein paar durchaus gelungene Songs (Kunststück, an deren grundsätzlicher Qualität ändert sich ja nichts…) und das unverwüstliche Live-Feeling eines Metallica-Konzerts. „Thema verfehlt“, hätte man in der Schule wohl gesagt.


Track – Titel – Länge – Wertung*

metal-archives.com

Disc 1

  1. The Ecstasy of Gold – 2:30
  2. The Call of Ktulu – 9:34
  3. Master of Puppets – 8:55
  4. Of Wolf and Man – 4:19
  5. The Thing That Should Not Be – 7:27
  6. Fuel – 4:36
  7. The Memory Remains – 4:42
  8. No Leaf Clover – 5:43
  9. Hero of the Day – 4:45
  10. Devil’s Dance – 5:26
  11. Bleeding Me – 9:01

Disc 2

  1. Nothing Else Matters – 6:47
  2. Until It Sleeps – 4:30
  3. For Whom the Bell Tolls – 4:52
  4. – Human – 4:20
  5. Wherever I May Roam – 7:02
  6. The Outlaw Torn – 9:59
  7. Sad but True – 5:46
  8. One – 7:53
  9. Enter Sandman – 7:39
  10. Battery – 7:25

 Gesamteindruck: 3/7 

* Bei Live- und Best of-Alben verzichte ich auf eine Einzelbewertung der Songs.


Metallica auf “S&M” (1999):

  • James Hetfield − Vocals, Rhythm & Lead Guitars
  • Kirk Hammett − Lead Guitars, Backing Vocals
  • Jason Newsted – Bass, Backing Vocals
  • Lars Ulrich − Drums

Anspieltipp: No Leaf Clover

MusikWelt: Death Magnetic

Metallica


Was wurde nicht alles geschrieben, als „Death Magnetic“ 2008 auf die Menschheit losgelassen wurde… Die einen sprachen von einem Meisterwerk, von der lang erwarteten Rückkehr zu alter Stärke (und meinten damit die seligen 1980er), die anderen vom verzweifelten Versuch alternder Millionäre, sich mit den ihren genauso alten Fans zu versöhnen, gleichzeitig aber das jüngere Publikum nicht zu vergrämen. Meiner Ansicht nach lag und liegt die Wahrheit beim 9. Album der Bay Area-Legende Metallica in der Mitte. Wie so oft.

Gesamteindruck: 5/7


Gut, aber kein Meisterwerk.

Ich kann mich gut erinnern, dass ich 2008 hin- und hergerissen war: Ist „Death Magnetic“ nun super oder eher mau? Heute, mit dem gebührenden zeitlichen Abstand, kann ich verkünden: Ich weiß es immer noch nicht genau. Tja. Ich würde aber eher in die positive Richtung tendieren. Heißt: Dieses Album ist kein neues „Master of Puppets“ (1986), sollte es wohl auch nie sein – und doch ist es allem überlegen, was nach „Metalllica“ (1991) kam. Ja, richtig gelesen, nach dem Schwarzen Album, das ich nach wie vor für sehr stark halte.

Zunächst mal etwas Grundsätzliches: Nach mehreren erneuten Durchläufen der Scheibe bestätigt sich die Meinung, die ich auch 2008 relativ schnell gefasst hatte. In meinen Ohren klingt „Death Magnetic“ tatsächlich nach einer Mischung aus sämtlichen Metallica-Perioden davor. Es gibt also (zum Glück wenige) Versatzstücke aus „St. Anger“ (2003) – vor allem was die gesangliche Qualität mancher Passagen und einige Drum-Figuren betrifft (speziell „The End Of The Line“ und das vorab ausgekoppelte „Cyanide“ seien in diesem Zusammenhang genannt). Apropos Drums: Lars Ulrich scheint gefallen am „St. Anger“-Sound gefunden zu haben, einmal mehr klingt die Snare ziemlich blechern, wenngleich in geringerem Ausmaß. Auch die 1996/97er-Phase („Load“ bzw. „Reload“) ist an einigen Stellen zu erkennen, das aber eher im Gitarrenbereich. Die Länge der Stücke erinnert wiederum vornehmlich an „…And Justice For All“ (1988), auch die Vertracktheit und der grundsätzliche Stil mancher Kompositionen entspricht diesem Klassiker (man höre „Broken, Beat & Scarred“, „The Day That Never Comes“). All diese Bestandteile setzen Metallica gut zusammen, sodass „Death Magnetic“ nicht nach Stückwerk klingt.

Selbstreferenz.

Umgekehrt komme ich dadurch aber auch nicht umhin, dem Quartett eine gewisse Faulheit zu unterstellen. Beispielsweise ist „The Unforgiven III“ derart selbstreferenziell, dass es nur so eine Art hat. „Ist ja auch eine Fortsetzung“, wird man mir nun zurufen – stimmt, aber interessanterweise erinnert der Song nicht an seine direkten Vorgänger auf „Metallica“ bzw. „Reload“, sondern sehr stark an die für den „Mission Impossible II“-Soundtrack veröffentlichte Nummer „I Disappear“. Und auch andere Riffs und Harmonien meint man schon auf verschiedenen Tracks der Truppe gehört zu haben, wie ich bereits oben angedeutet habe. Beispiele gefällig? Ab ca. 1:45 Minuten musste ich bei „That Was Just Your Life“ direkt an „Frantic“ denken, gesangstechnisch erinnert „The End of the Line“ mal an „Creeping Death“, dann wieder an einen anderen Song, der mir jetzt partout nicht einfallen will; „The Day That Never Comes“ ist für mein Gefühl hingegen viel deutlicher eine modernisierte Version von „The Unforgiven“ als oben genannter Teil 3 dieses Epos.

Spielt das alles eine große Rolle? Irgendwie schon, weil man dadurch immer wieder das Gefühl hat, Metallica müssten sich, um überhaupt noch Relevanz zu haben, an Songs orientieren, mit denen sie das mal geschafft haben. Mit richtig neuen Ideen kommen sie jedenfalls kaum um die Ecke, was bei manchen Bands ok wäre, bei dieser alteingesessenen Formation aber irgendwie seltsam anmutet, weil in diesem Ausmaß bisher noch nicht dagewesen. Wobei mir durchaus klar ist, dass es unglaublich schwer sein muss, in den Augen der Fans überhaupt etwas richtig zu machen. Aber das ist ein anderes Thema – ich kann und will hier nur beschreiben, wie „Death Magnetic“ bei mir ankommt.

Etwas fehlt.

Das alles soll aber ohnehin nicht bedeuten, dass dieses Album Müll ist – oder auch nur Durchschnitt. Das zeigt sich allein daran, dass „Death Magnetic“ – im Gegensatz zum indiskutablen „St. Anger“ – keinen Totalausfall zu verzeichnen hat. Neben dem etwas arg beliebigen Einstieg „That Was Just Your Life“ empfinde ich das genannte „The Unforgiven III“ als am wenigsten essenziell, vor allem im Vergleich zu seinen superben Vorgängern. Ansonsten gibt es wenig zu meckern, sogar das Instrumental „Suicide & Redempiton“ ist durchaus hörenswert und (fast) auf dem Niveau von „Orion“ (auf „Master of Puppets“) anzusiedeln. Am besten gefällt mir persönlich „Broken, Beat & Scarred“, das zunächst wie eine Hommage an „Sad But True“ beginnt, dann aber zusehends härter, schneller und explosiver wird. Schön ist außerdem das halb-balladeske „The Day That Never Comes“, das einen schönen Kontrapunkt zum restlichen, doch recht harten Material setzt. Und auch „Cyanide“ weiß zu gefallen, auch wenn ich den Song zunächst nicht so gern mochte, ist das eine gut geschriebene, eingängige Nummer.

Warum es trotz einiger gutklassiger Songs trotzdem „nur“ 5 Sterne gibt? Eine gute, nicht so leicht beantwortbare Frage… Ich kann mir nicht helfen, aber wenn ich „Ride the Lightning“ auflege, sagt mir mein Gefühl auch 2020 noch: Höchstwertung! Ohne Wenn & Aber – und nicht, weil es ein allgemein anerkannter Klassiker ist. Nein, es ist umgekehrt: Genau das Gefühl, das einen beim Hören der Metallica-Alben aus den 1980ern ergreift, hat erst dafür gesorgt, dass daraus Klassiker werden. Offenbar ist da irgend etwas in der Musik, das sehr viele Menschen zu begeistern weiß. Was genau es ist, kann ich nicht zu 100% sagen, ich weiß nur, dass mir dieses spezielle Feeling bei „Death Magnetic“ abgeht. Nicht so sehr wie bei „St. Anger“, wohlgemerkt, aber doch. Irgendwo im Songwriting muss es ein Detail geben, das offenbar nicht reproduzierbar ist. Ich will jetzt nicht mal behaupten, dass die Fähigkeit dermaßen starke Emotionen in den Metalheads zu wecken, mit dem Tod von Cliff Burton (Bass, † 1986) verloren gegangen ist, denn mir gefällt ja auch das Schwarze Album gut. Ach, ich weiß es auch nicht, es fehlt einfach irgend etwas. Hinzu kommt der oben genannte Retrospektiv-Charakter, der versucht, alle Schaffensperioden der Band auf einem Album, zum Teil in einem Lied, zu vereinen. Dieses Vorhaben mag Geschmackssache sein, für mich klingen die Songs dadurch zum Teil fast wie Cover-Versionen. Aber besser gut gecovert als schlecht neu erfunden – von daher: „Death Magnetic“ ist trotz allem eine gute Leistung.


metal-archives.com

Track – Titel – Länge – Wertung

  1. That Was Just Your Life – 7:07 – 4/7
  2. The End of the Line – 7:51 – 5/7
  3. Broken, Beat & Scarred – 6:25 – 6/7
  4. The Day That Never Comes – 7:55 – 6/7
  5. All Nightmare Long – 7:57 – 5/7
  6. Cyanide – 6:38 – 6/7
  7. The Unforgiven III – 7:45 – 4/7
  8. Judas Kiss – 8:00 – 5/7
  9. Suicide & Redemption – 9:56 – 5/7
  10. My Apocalypse – 5:00 – 4/7

 Gesamteindruck: 5/7 


Metallica auf “Death Magnetic” (2008):

  • James Hetfield − Vocals, Rhythm Guitars
  • Kirk Hammett − Lead Guitars
  • Robert Trujillo − Bass
  • Lars Ulrich − Drums

Anspieltipp: Broken, Beat & Scarred


 

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MusikWelt: St. Anger

Metallica


Ich erinnere mich, dass die Erwartungen an „St. Anger“ (2003) riesengroß, eigentlich übermächtig, waren – das letzte reguläre Metallica-Album „Reload“ (1997) hatte zu jenem Zeitpunkt 6 Jahre auf dem Buckel, dazwischen gab es mit „Garage Inc.“ (1998) eine (gute) Kompilation aus Coversongs teilweise recht ungewöhnlicher Künstler und mit „S&M“ (1999) ein meiner Ansicht nach sehr durchwachsenes, orchestrales Live-Album. Außerdem hatte man mit internen Querelen zu kämpfen, die mit dem Aus für Bassist Jason Newsted und einem James Hetfield, der sich endlich seinen Dämonen stellte, endeten.

Gesamteindruck: 1/7


Ein Album – für wen eigentlich?

Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich den bis heute umstrittensten Metallica-Longplayer in dessen Erscheinungsjahr 2003 zum letzten Mal in einem Zug und voll konzentriert durchgehört habe. Wobei konzentriert so eine Sache ist, denn die Platte ist a) sehr lang und b) nicht gerade easy listening. Jedenfalls weiß ich noch, dass ich damals kein gutes Haar daran gelassen habe. Könnte natürlich jugendlicher (bzw. studentischer) Übermut gewesen sein – also habe ich mir „St. Anger“ nun, nach 17 (!) Jahren, erstmals wieder in voller Länge gegeben, um zu überprüfen, ob sich für mich was geändert hat. Übrigens habe ich mir direkt zwei Durchgänge gegönnt, einmal einfach so, einmal beim Sport, für den die Platte laut dem einen oder anderen Kommentator ja besonders geeignet sein soll. Für mehr hatte ich keinen Nerv, was das Fazit eigentlich schon vorweg nimmt.

Mit inzwischen doch sehr großer zeitlicher Distanz kann ich zunächst ganz neutral sagen, dass meine damalige Hoffnung auf eine Rückkehr Metallicas zu alter Größe enttäuscht werden musste. Allerdings in einem Ausmaß, das kaum vorherzusehen war. Kleine Anmerkung: Ich hatte die Band tatsächlich 2003 erstmals überhaupt live gesehen und war begeistert von der Energie, die die älteren Nummern auf der Bühne versprühten. Genau davon wollte ich mehr –  bekommen habe ich etwas völlig Anderes, etwas, mit dem ich als Fan traditioneller Klänge herzlich wenig anfangen konnte. Und doch war ich damals der Meinung – und bin es noch – dass ein gewisses Maß an Verbohrtheit dazu gehört, sich groß über die stilistische Veränderung, die Metallica im Laufe der Jahre durchgemacht haben, zu echauffieren. Meine Kritik richtet sich daher weniger an den veränderten Stil (der mir zwar nicht gefällt, aber damit könnte ich wie bei „Load“/„Reload“ gerade noch leben), sondern an das völlig misslungene Songwriting.

Bis auf wenige Ausnahmen („Frantic“, „St. Anger“, „The Unnamed Feeling“ und „Dirty Window“), die im Vergleich zum vorherigen Output ebenfalls nur unterer Durchschnitt sind, bewegen sich alle Songs auf einem Niveau, das einer so talentierten Band eigentlich unwürdig ist. Dabei handelt es sich um zwanghaft modernes Geknüppel (also das, was 2003 als „modern“ galt) ohne Sinn und Verstand, das noch dazu mit einer Produktion aufwartet, die jeglichen Anflug von wirklicher Härte im Keim erstickt. Dazu kommt, dass einzelne Songs und auch das Album als Ganzes für diese Art von Musik viel zu lang sind. Hier sinnvolle Strukturen zu erkennen ist nahezu unmöglich – maximal lässt sich eine gewisse schnell-/langsam-Dynamik in vielen Songs festzustellen. Interessanterweise finde ich jeweils die langsamen, ruhigeren Parts deutlich stärker als das restliche Material.

Kurz zusammengefasst: Insgesamt empfinde ich „St. Anger“ als so anstrengend, dass wohl nur echte Krach-Liebhaber alles an einem Stück genießen können. Übrigens ändert es für mich nichts, ob ich mir die Platte im heimischen Wohnzimmer oder beim Laufen reinziehe: Ersteres geht praktisch gar nicht, für zweiteres sind mir die einzelnen Tracks letztlich zu lang und zu ähnlich aufgebaut. Das pusht mich jedenfalls nicht, im Gegenteil, dadurch wird die Laufrunde gefühlt immer länger.

Damit haben ich auch schon meine Probleme mit dem Album und in der Folge die niedrige Wertung (vor allem in Bezug zum restlichen Metallica-Katalog) erklärt – keine richtigen Songs, kaum Strukturen, mangelhafte Produktion. Der ungewohnte Gesang hingegen stört mich weniger, ich finde ihn sogar recht passend (zum Songmaterial, nicht als Maßstab für Hetfields Fähigkeiten). Mehr Punkte sind aber einfach nicht drin, auch wenn man das Album als das betrachtet, was es eigentlich ist: Weniger Anbiederung an die Moderne, obwohl man auch das raushören kann, sondern eher Gruppentherapie für die Band. Als solche mag es funktioniert haben, aber „St. Anger“ deswegen als Meisterwerk hochzujubeln, wie es einige nach wie vor tun (wohl nur weil Metallica drauf steht), halte ich für übertrieben. Dieses Album mag gut und wichtig als Therapie für die Band sein – für den Großteil der Fans ist es meiner Ansicht nach unbrauchbar.


Track – Titel – Länge – Wertung

metal-archives.com

  1. Frantic – 5:50 – 4/7
  2. St. Anger – 7:21 – 4/7
  3. Some Kind of Monster – 8:26 – 1/7
  4. Dirty Window – 5:25 – 5/7
  5. Invisible Kid – 8:30 – 4/7
  6. My World – 5:46 – 1/7
  7. Shoot Me Again – 7:10 – 1/7
  8. Sweet Amber – 5:27 – 3/7
  9. The Unnamed Feeling – 7:08 – 4/7
  10. Purify – 5:14 – 2/7
  11. All Within My Hands – 8:46 – 1/7

 Gesamteindruck: 1/7 


Metallica auf “St. Anger” (2003):

  • James Hetfield − Vocals, Rhythm Guitars
  • Kirk Hammett − Lead Guitars
  • Lars Ulrich − Drums

Anspieltipp: Dirty Window

MusikWelt: Metallica

Metallica


Im Heavy Metal und all seinen verschiedenen Spielarten gibt es ein interessantes Phänomen: Sobald eine Band kommerziell erfolgreich wird, verliert sie einen Teil ihrer Fanbasis. Die ansonsten viel beschworene, unbeirrbare Treue der Anhänger ist oft nicht so groß, wie man denkt, wenn plötzlich überall lauthals „Ausverkauf!“ gebrüllt wird. Zumindest „offiziell“, denn ich bin mir sicher, dass viele Fans der ersten Stunde, die plötzlich nichts mehr mit der Band zu tun haben wollen, im stillen Kämmerlein auch die erfolgreicheren Sachen mit Begeisterung hören. Eines der prominentesten und ersten Beispiele für den geschilderten Sachverhalt ist „Das schwarze Album“ von Metallica.

Gesamteindruck: 6/7


Kommerzieller Erfolg – na und?

Nun bin ich ebenfalls Heavy-Metal-Fan (hauptsächlich Thrash, Power und Black Metal, auch ein wenig Death Metal und Industrial), und das nicht erst seit gestern oder – um beim Beispiel dieser Rezension zu bleiben – seit ich zum ersten Mal „Enter Sandman“ gehört habe. Trotzdem stellte sich mir niemals die Frage nach der musikalischen Qualität des schlicht „Metallica“ betitelten 1991er Albums der Herren aus der Bay Area. Das hat für mich zwei Gründe: Zum einen verstehe ich nicht, was es für mich als Fan für einen Unterschied machen soll, wie viele Leute meine Lieblingsband gut finden. Mir ist es herzlich egal, ob eine Metallica-Scheibe auf Platz 1 oder Platz 100 der Charts platziert ist. Und genau dieser Ansatz führt mich zum zweiten Punkt: Die Sturheit, mit der manche darauf pochen, wie Metallica zu klingen haben. Ich selbst bin – wie schon erwähnt – u. a. Thrash-Metal-Fan. Mit Thrash hat diese Platte aber nicht mehr viel zu tun. Das stört mich aber nicht, wenn das Songwriting stimmt. In so einem Fall gibt es für mich auch keine Genre-Grenzen, Lieder die mir gefallen, gefallen mir eben, egal in welchem Stil sie geschrieben sind und wie viele Leute sie sonst noch mögen. Insofern habe ich kein Problem damit, die ersten 5 (!) Alben von Metallica als sehr gut zu bezeichnen. Die Phase danach ist eine andere Geschichte – aber ich empfinde sie ebenfalls nicht als so durchgängig mies wie manch anderer. Eine etwas lange Einführung, die aber vielleicht denen zugute kommt, die das Album bzw. die Band wirklich noch nicht kennen – soll’s ja auch geben.

Kommen wir zur Sache: „Metallica“ bietet in meinen Ohren eine sehr ausgewogene Mischung aus Härte und Melodie – zwei Faktoren, die für die Musik dieser Band schon immer bestimmend waren. Wenn man sich die musikalische Entwicklung von Metallica bis 1991 ansieht, kann man den Prozess recht gut erkennen, der zu diesem ALbum führte. Die unkontrollierte Rasanz und Härte gab es meiner Ansicht nur auf dem Debüt „Kill ´Em All“(1983), alles, was danach kam verschob sich doch eher in Richtung Kontrolle und Melodie (natürlich angereichert mit mal mehr, mal weniger Härte). Vor allem am Gesang ist das ausgezeichnet zu beobachten.

„Metallica“ beginnt mit „Enter Sandman“, einer Hymne sondergleichen, an der sich bereits die ersten Geister aus oben genannten Gründen scheiden. Nichtsdestotrotz habe ich bei einem Metallica-Konzert noch niemanden gesehen, der bei diesem Lied nicht mitsingt oder sogar so konsequent ist und die Halle verlässt, wenn das ach-so poppige Mainriff angestimmt wird. Ähnliches gilt für das Groove-Monster „Sad But True“ und für die typische Halbballade „The Unforgiven“, die sofort ins Ohr gehen und dort auch hängenbleiben. Auch „Wherever I May Roam“, „Don’t Tread On Me“ (mit seinen „West Side Story“-Anleihen und sozialkritischem Text) und „Of Wolf And Man“ können auf ganzer Linie überzeugen, von Radiotauglichkeit kann ich hier jedenfalls nicht allzu viel erkennen – vor allem dann nicht, wenn ich dran denke, dass das Album 1991 erschienen ist, das waren schon noch andere Zeiten. Ebenfalls gut gelungen sind „The God That Failed“ und „My Friend Of Misery“, einer der wenigen vom damaligen Bassisten Jason Newsted mitgeschriebenen Songs. Immerhin guter Durchschnitt sind die im Gesamtkontext etwas untergehenden „Holier Than Thou“ und „Through The Never“.

An Ausfällen bzw. Füllern kann ich lediglich „The Struggle Within“ und vor allem „Nothing Else Matters“, die einzige echte Ballade von Metallica ausmachen. Letztere Nummer dürfte wohl den größten Anteil am „Ausverkauf!“-Geschrei haben, ich persönlich finde sie im Vergleich zu den klassischen Metallica-Halbballaden einfach langweilig und, ja, der Song war spätestens vor 20 Jahren totgespielt. Wahrscheinlich schon vorher.

Fazit: „Metallica“ ist alles in allem eine Platte, die sich sehr schnell erschließt, im Gegensatz zum viel zitierten Radio-Pop aber dennoch nicht nach dem dritten Mal hören langweilig wird. Damit ist das „schwarze Album“ gleichzeitig aber tatsächlich ein krasser Gegensatz zu seinem Vorgänger „…And Justice For All“ (1988), der wesentlich schwerer zugänglich war. Und ja, das bedeutet auch, dass ein Teil der Härte, die Metallica früher schon ausgezeichnet hat, verloren gegangen ist. Für mich persönlich macht das „Metallica“ aber keinen Deut schlechter. Nur anders. Was man bevorzugt, muss letztlich jeder für sich entscheiden. Oder man macht es wie ich, entscheidet sich nicht und findet einfach beide Metallica-Varianten gut.


Track – Titel – Länge – Wertung

metal-archives.com

  1. Enter Sandman – 5:32 – 6/7
  2. Sad But True – 5:25 – 6/7
  3. Holier Than Thou – 3:48 – 5/7
  4. The Unforgiven – 6:27 – 7/7
  5. Wherever I May Roam – 6:44 – 7/7
  6. Don’t Tread On Me – 4:00 – 6/7
  7. Through the Never – 4:04 – 4/7
  8. Nothing Else Matters – 6:29 – 4/7
  9. Of Wolf and Man – 4:17 – 5/7
  10. The God That Failed – 5:09 – 5/7
  11. My Friend of Misery – 6:50 – 5/7
  12. The Struggle Within – 3:54 – 4/7

 Gesamteindruck: 6/7 


Metallica auf “Metallica” (1991):

  • James Hetfield − Vocals, Rhythm & Lead Guitars
  • Kirk Hammett − Lead Guitars
  • Jason Newsted – Bass, Backing Vocals
  • Lars Ulrich − Drums

Anspieltipp: The Unforgiven


 

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Live (Kreator)

KonzertWelt: Kreator (Wien, 16.02.2017)

Datum: Donnerstag, 16. Februar 2017
Location: Gasometer (Wien)
Tour: Gods Of Violence
Headliner: Kreator
Support: Sepultura – Soilwork – Aborted
Ticketpreis: 34,90 Euro (VVK)


One thousand voices sing!

Abseits derer, die in einer eigenen Liga spielen (IRON MAIDEN, METALLICA & Co) sind KREATOR neben AMON AMARTH und wohl auch SABATON aktuell wohl die heißesten Eisen, die die Metal-Szene im Feuer hat. Wobei man sagen muss, dass die Thrash-Institution aus Essen im Gegensatz zu genannten Schweden-Kombos ja selbst schon eine halbe Ewigkeit am Start ist. Ja, die glorreichen 1980er waren auch zu KREATOR gut, die 1990er hingegen weniger. Umso besser, dass es 2001 mit „Violent Revolution“ ein zu Recht hochgelobtes Comeback gab (ja, das ist eine Fehlbezeichnung, man ja gar nie „weg“ war). Seitdem gab es nur gute („Hordes Of Chaos“) bis sehr gute (der ganze Rest) Alben, was darin gipfelte, dass die Truppe mittlerweile allein große Hallen füllt. Spätestens seit den aktuellsten Alben „Phantom Antichrist“ (2012) und „Gods Of Violence“ (2017) bringt die Ruhrpott-Legende neben hammerharten Riffs auch die stadion-tauglichen Refrains mit. Das mag nicht jedem Thrasher gefallen, ich persönlich finde es einfach super. Und solange man trotzdem noch Oldschool-Klassiker á lá „Flag Of Hate“ (1985) einstreut, ist für mich alles in Ordnung.

Unabhängig vom Teutonen-Thrash war der Abend im Gasometer eher mittelprächtig gelungen, auch wenn bei einem solchen Paket (und um diesen Preis!) nicht viel schiefgehen kann. Für mich ging es mit SOILWORK los, ABORTED waren einfach zu früh dran. Ende der 1990er/Anfang der 2000er waren SOILWORK ihrerseits gar nicht so weit davon entfernt, Headliner-Status zu erreichen. Ganz hat es nicht funktioniert, sie konnten sich nie nachhaltig aus dem Schatten ihrer Landleute IN FLAMES lösen. Ich habe die Schweden dann irgendwann aus den Augen verloren, bis mich „The Living Infinite“ (2013) zumindest partiell aufhorchen lies und mir zeigte, dass es die Band überhaupt noch gibt. Danach waren sie aber wieder weg von meinem Fenster. Gespannt war ich dennoch, es war lange her, seit ich Björn „Speed“ Strid und Kollegen live erleben durfte. Was sie im Gasometer zum Besten gaben, war auch gar nicht schlecht – ich muss aber zugeben, dass ich keinen einzigen Song erkennen konnte. Trotzdem, die Show war energetisch und die Band kam recht sympathisch rüber. Die Publikumsreaktionen waren nach anfänglicher Reserviertheit gar nicht so übel, sodass man die Show wohl als Achtungserfolg für SOILWORK werten kann. Mich konnten sie damit allerdings nicht „zurückholen“ – als Vorgruppe sind sie weiterhin ok, aber Fan werde ich keiner mehr, wenn da nicht ein absolutes Überraschungsalbum gelingen sollte (und ich das überhaupt mitkriege).

Danach gab es eine Band zu hören, die legendär ist und vor – sagen wir – rund 25 Jahren im Alleingang große Hallen füllen konnte. SEPULTURA brauchen wohl niemandem vorgestellt werden. Ich will mich jetzt auch nicht mit der unrühmlichen Geschichte aufhalten, die auf dem Höhepunkt der Karriere im Prinzip das Ende bedeutete. Und auch gegen Sänger Derrick Green, der wohl Zeit seines Lebens der Neue bleiben wird, muss nicht geschossen werden. Es scheint auch so hart genug zu sein für Gründungsmitglied Paulo Jr. (Bass), für den schon ewig in Diensten der Band stehenden Andreas Kisser (g) und eben für Green, der das Gesangsmikro 1998 übernommen hat. Schlagzeuger ist übrigens ein gewisser Eloy Casagrande. Wer? Genau. Das Problem ist ganz einfach, dass SEPULTURA seit „Roots“ (1996) keinen verdammten Hit mehr geschrieben haben. Und das war an den Publikumsreaktionen deutlich zu merken. Mindestens 90% der Leute waren einzig und allein da, um alte Nummern zu hören. Entsprechend gefeiert wurden Stücke wie „Arise“, „Refuse/Resist“ und „Roots“, während neuere Songs eher gegen eine Mauer des Schweigens gespielt wurden. Einzig positives Beispiel für aufkommende Stimmung war für mich „Phantom Self“ (vom 2017er „Machine Messiah“). Traurig eigentlich, aber nicht zu ändern, mir ging es ja augenscheinlich nicht allein so.

Im Gegensatz zu SEPULTURA haben es KREATOR mittlerweile längst geschafft, ihren Schwächeanfall, der fast die gesamten 1990er-Jahre dauerte, zu überwinden. Entsprechend lautstark wurden die Herren vom brachialen Opener „Hordes Of Chaos“ bis zum Schluss gefeiert. Man kann eigentlich auch gar nicht so viel dazu schreiben, ohne in Superlative zu verfallen – aber die Band gab sich von Anfang bis Ende tatsächlich keine Blöße. Besonders hervorzuheben war die Atmosphäre: Obwohl die neuesten Songs, die die Setlist auch dominierten, eher zum Mitsingen einladen, büßten KREATOR live auch nur einen Hauch an Härte und Giftigkeit ein. Diese Gratwanderung war schon ganz, ganz großes Kino. Das äußerte sich übrigens auch darin, dass das mein erstes KREATOR-Konzert war, bei dem mehr als ein Mikro auf der Bühne stand. Wenn Sänger/Gitarrist Mille Petrozza, lautstark unterstützt von seinen Mitstreitern Christian „Speesy“ Giesler (b) und Sami Yli-Sirniö (g) „We! Shall! Kill!“ ins Publikum brüllte, war das schon unglaublich intensiv. Gleiches gilt für den immer wieder und immer gern gezeigten KREATOR-„Katzenbuckel“, der bei Mille zwar nicht mehr so ausgeprägt wie früher war, bei Speesy hingegen von Mal zu Mal geiler aussieht.

Die Songauswahl war dem Ereignis (das Vorstellen des aktuellen Albums) entsprechend. So waren unter den rund 20 gespielten Songs gleich sechs von „Gods Of Violence“, darunter der tolle Titeltrack und das extra-hymnische „Hail To The Hordes“. Ansonsten gab es alle Titeltracks ab „Violent Revolution“, dazu noch ein paar andere Nummern aus den entsprechenden Alben (z. B. „Civilization Collapse“) und ein bisschen was ganz Altes wie „People Of The Lie“, „Under The Guillotine“ (!) oder „Total Death“ (!!). Nach „Pleasure To Kill“ war schließlich Schluss und ein hoch erfreutes Publikum wurde in die Wiener Nacht entlassen.

Fazit: KREATOR scheinen momentan unschlagbar zu sein. Keine Thrash-Band schafft es aktuell, dermaßen Stimmung zu machen, am nächsten kommen wohl – je nach Tagesform – SLAYER ran. Aber auch die Kalifornier bekommen meist nicht so viele Circlepits und so durchgängig gute Laune im Publikum hin. Wenn man ein Haar in der Suppe finden möchte, schafft man das noch am ehesten bei den Ansagen von Frontmann Mille Petrozza. Der lässt nach wie vor keine Plattitüde aus, was mich frappierend an Kollegen Hansi Kürsch (BLIND GUARDIAN) erinnert. Aber davon abgesehen gab es an der Show absolut nichts auszusetzen. Mille war zum Glück sehr gut bei Stimme, die Band war beinahe schon beängstigend tight (was alle, also alte und neue Nummern eine ganze Ecke härter klingen ließ) und über die Solo-Künste von Sami Yli-Sirniö braucht man ohnehin keine Worte zu verlieren. Eine rundum gelungene Sache also, noch dazu untermal von allerlei Pyros, Videos und sonstigem Schnickschnack, der aber zu keiner Zeit übertrieben wirkte und somit nicht vom Wesentlichen ablenken konnte. Ich bin gespannt, wie lange KREATOR noch in dieser bestechenden Form weitermachen können. 


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MusikWelt: …And Justice For All

 Metallica


Insgesamt setzt „…And Justice For All“ den von Metallica seit dem Debüt eingeschlagenen Kurs der stetigen Weiterentwicklung fort. Da das Album jedoch produktionstechnisch ein Rückschritt und die Songauswahl zwar überzeugend, jedoch einen Tick schwächer als auf beiden Vorgängern ist, gibt es 6 Punkte. Nicht schlecht für eine Platte einer Band auf personellem und musikalischem Scheideweg.

Gesamteindruck: 6/7


Musikalische Weiterentwicklung, produktionstechnischer Rückschritt.

Wenn man das 1988er-Album von Metallica zum ersten Mal hört, fallen sofort einige Veränderungen gegenüber den früheren Werken auf. Zum einen hat sich die Produktion, die zuvor bei „Master Of Puppets“ (1986) erstmals wirklich gut war, verschlechtert. Es gibt praktisch keinen Bass mehr zu hören, was wohl an der schwierigen Zeit nach dem Tod des ursprünglichen Bassisten Cliff Burton († 1986) lag. Dessen Nachfolger Jason Newsted musste ein extrem schweres Erbe antreten, was – in der Rückschau – eigentlich nie so richtig funktioniert hat. Was weniger an Newsted selbst gelegen haben dürfte, aber das ist eine andere Geschichte.

Doch damit nicht genug, auch die restliche Produktion klingt irgendwie saft- und kraftlos. Damals war das noch nicht zu erkennen, aber mittlerweile wissen wir ja, dass sich an diesem Thema bis zum immer noch aktuellen Album „Death Magnetic“ nach wie vor die Geister scheiden. Schade eigentlich, denn gerade auf „…And Justice For All“ stehen komplexe Kompositionen, die sich eine viel besser Klangqualität verdient, diese sogar gebraucht hätten, um sich vollständig zu entfalten.

Auffällig ist auch, dass diesmal nur wenige der Songs wirklich beim ersten Anhören sofort zu gefallen wissen und sich im Gehörgang festsetzen. Das liegt an der bereits angesprochenen Komplexität, die noch dazu durch die Überlänge einzelner Stücke verstärkt wird. So fallen beim ersten Hören lediglich drei Stücke sofort auf, die allerdings hervorragend sind und trotz guter Eingängigkeit nichts an Langzeitwirkung einbüßen: der Opener „Blackened“, das stoisch riffende „Eye Of The Beholder“ und einer der besten Metal-Tracks überhaupt: die Antikriegshymne „One“. Ebenfalls gut gelungen ist der Titeltrack, eine auf über 9 Minuten ausgedehnte Thrash-Hymne, die ihresgleichen sucht. Auch das Instrumental („To Live Is To Die“) weiß zu gefallen, wenngleich es für meinen Geschmack nicht an „The Call Of Ktulu“ (auf „Ride The Lightning“, 1984) und auch nicht ganz an „Orion“ (auf „Master Of Puppets“) heranreicht. „The Frayed Ends Of Sanity“ geht ebenfalls in Ordnung, während der Rausschmeißer „Dyers Eve“ für mich arg durchschnittlich klingt.

Am unteren Ende des Spektrums finden sich das eher langweilige „The Shortest Straw“ und – auch wenn das viele nicht hören mögen – der schwere Groover „Harvester Of Sorrow“. Ja, live kommt die Nummer ganz gut, auf Album langweilt mich das Stück dennoch relativ schnell.


Track – Titel – Länge – Wertung

  1. Blackened – 6:40 – 7/7
  2. …And Justice For All – 9:44 – 6/7
  3. Eye Of The Beholder – 6:25 – 6/7
  4. One – 7:24 – 7/7
  5. The Shortest Straw – 6:35 – 3/7
  6. Harvester Of Sorrow – 5:42 – 4/7
  7. The Frayed Ends Of Sanity – 7:40 – 5/7
  8. To Live Is To Die (Instrumental) – 9:48 – 5/7
  9. Dyers Eve – 5:12 – 4/7

 Gesamteindruck: 6/7 


Metallica auf “…And Justice For All” (1988):

  • James Hetfield − Vocals, Rhythm Guitar
  • Kirk Hammett − Lead Guitar
  • Jason Newsted – Bass
  • Lars Ulrich − Drums

Anspieltipp: One


 

MusikWelt: Master Of Puppets

 Metallica


Unglaublich hoch haben sich Metallica die Messlatte mit den legendären Vorgängern „Kill ‚Em All“ (1983) und „Ride The Lightning“ (1984) für „Master Of Puppets“ (1986) gelegt. So hoch, dass es – zumindest aus meiner Sicht – nicht möglich war, sie zu überspringen. Genauso ist es auch gekommen.

Gesamteindruck: 7/7


Der dritte Klassiker en Suite.

Ja, es mag für viele, die dieses Album für absolut unangreifbar halten, wie Gotteslästerung klingen. Dennoch: Mit „Master Of Puppets“ (1986) können Metallica meiner Ansicht nach vor allem den extrem starken Vorgänger nicht ganz übertreffen, das hohe Niveau allerdings halten. Im Songwriting ist eine deutliche Veränderung, hin zu noch mehr Details, zu hören, was nur eine konsequente Fortsetzung des von Beginn an eingeschlagenen Kurses ist. Damit ist die grobe Marschrichtung vorgegeben. Eine weitere – sehr starke – Verbesserung von Gesangsleistung und Produktion ist ebenfalls zu bemerken, was den Songs sehr gut zu Gesicht steht.

Am Beginn der Platte steht allerdings mit „Battery“ ein sehr einfaches, punkig-thrashiges Stück, das unglaublich nach vorne geht. Besser kann man ein Album kaum einläuten, der Song ist dank des einprägsamen Intros auch live zur Konzerteröffnung fantastisch geeignet. In eine ähnliche Kerbe haut der Rausschmeißer „Damage Inc.“. Dazwischen gibt es mit „Welcome Home (Sanitarium)“ eine grandiose, für Metallica typische Halbballade mit intelligentem Text, mit „Orion“ ein gutes Instrumental (das aber nicht ganz an das Meisterwerk auf diesem Gebiet, „The Call Of Ktulu“ von „Ride The Lightning“, heranreicht) und mit „Disposable Heroes“ einen komplexen Thrasher in Überlänge, der aufgrund der tollen Gitarrenarbeit trotz der üppigen Spielzeit auf Anhieb zu gefallen weiß. Alles andere überragend ist natürlich der sogar noch längere Titeltrack, wohl eines der besten und abwechslungsreichsten Stücke, das die Band je geschrieben hat. Von der harten Strophe über den Mitschrei-Refrain bis hin zu den doppelläufigen Gitarren-Leads im Mittelteil stimmt an dieser Nummer einfach alles, in meinen Ohren der Höhepunkt des Schaffens der Jungs aus der Bay Area (lediglich „One“ und „The Four Horsemen“ kommen da, was das Feeling betrifft, einigermaßen hin). Was man der Truppe auch noch zugute halten muss, sind die sehr guten, kritischen Texte, die vor allem im Titeltrack, „Welcome Home (Sanitarium)“ und „Disposable Heroes“ regelrecht vom Hocker reißen.

Weniger begeisternd, aber immer noch über dem Durchschnitt liegt für mich „Leper Messiah“, das zwar ein sehr gutes Solo hat, aber ansonsten mehr schlecht als recht zünden will, was im Vergleich zu den vorangegangenen Nummern allerdings auch schwierig ist. Schwer zu bewerten ist für mich außerdem „The Thing That Should Not Be“, ein tonnenschwerer Groover, der live zwar sehr gut kommt, auf Platte aber nie so richtig Fahrt aufnimmt. Das Stück ist zwar nicht schlecht und weit vom Totalausfall entfernt, nur wirklich glücklich werde ich damit auch nicht – das ist jedoch Meckern auf hohem Niveau.

Letztendlich habe ich also in der ersten und zweiten Hälfte der Platte jeweils ein Stück, das ich nicht als so perfekt empfinde (gemessen am Rest der Nummern) – damit ist für mich „Ride The Lightning“ insgesamt der beste Output von Metallica. Für 7 Punkte reicht das bei mir aber auch für „Master Of Puppets“ immer noch, wenngleich auch nicht ganz so klar wie bei der 1984er Göttergabe. Ohne mein heutiges Wissen um das, was Metallica in den folgenden zwei Jahrzehnten machten (von dem mir einiges gefiel, einiges nicht) hätte ich vielleicht sogar einen Punkt abgezogen. So ist und bleibt „Master Of Puppets“ allerdings eines der prägendsten und besten Werke der Metal-Historie.


Track – Titel – Länge – Wertung

  1. Battery – 5:12 – 7/7
  2. Master Of Puppets – 8:36 – 7/7
  3. The Thing That Should Not Be – 6:37 – 4/7
  4. Welcome Home (Sanitarium) – 6:27 – 7/7
  5. Disposable Heroes – 8:17 – 7/7
  6. Leper Messiah – 5:40 – 5/7
  7. Orion (Instrumental) – 8:28 – 6/7
  8. Damage, Inc. – 5:29 – 6/7

 Gesamteindruck: 7/7 


Metallica auf “Master Of Puppets” (1986):

  • James Hetfield − Vocals, Rhythm Guitar
  • Kirk Hammett − Lead Guitar
  • Cliff Burton (†) – Bass, Backing Vocals
  • Lars Ulrich − Drums, Percussion

Anspieltipp: Master Of Puppets


 

MusikWelt: Ride The Lightning

 Metallica


Bot das Debüt der Jungs aus der Bay Area („Kill ‚Em All“, 1983) noch ungestüme Rasanz und Wildheit, gelang es Metallica nur ein Jahr später mit dem Zweitwerk „Ride The Lightning“, ihre Aggression in ein wenig kontrolliertere Bahnen zu lenken. Das Songwriting der Band war nie besser als auf vorliegendem Werk und dem Nachfolger „Master Of Puppets“ (1986), den ich persönlich als nahezu gleich genial einstufe (ja, nicht jeder Fan der alten Schule findet, dass „Master Of Puppets“ die bessere Platte ist).

Gesamteindruck: 7/7


Ein Klassiker – zu Recht hoch gelobt.

„Ride The Lightning“ genießt im Prinzip seit seiner Veröffentlichung den Status eines Klassikers – zu Recht, wie ich an einigen Punkten festmachen möchte. Augenfälligste Veränderung gegenüber dem Debüt ist das abwechslungsreichere Songwriting. Hier wird nicht mehr auf Teufel komm raus gethrasht, es finden sich im Gegenteil eine Handvoll langsamere Nummern, die aber gerade dadurch eine unglaubliche Intensität erreichen. Dazu passt auch, dass sich auf dem gesamten Album für meine Ohren kein einziger Ausfall befindet – ein Luxus, den sich die Band danach leider nie mehr leistete. Hier stimmt einfach alles, vom brachialen Opener „Fight Fire With Fire“ über den Titeltrack und das schnelle „Trapped Under Ice“ bis hin zum auch anno 2016 immer noch besten Metallica-Instrumental „The Call Of Ktulu“, in dem die damals noch sehr junge Truppe zeigt, was für ein musikalisches Talent in ihr steckt.

Dazwischen gibt es mit „For Whom The Bell Tolls“ und „Creeping Death“ zwei Über-Songs, die mit Recht auch heute noch ganz oben auf der Setlist stehen. Ersteres ist dabei ein Musterbeispiel, wie man mit relativ simplen Mitteln einen Klassiker fabrizieren kann, während letzteres durch seinen Mitgröl-Refrain und das gebellte „Die! Die! Die!“ im Mittelteil zu bestechen weiß. Mit „Fade To Black“ stimmen Metallica auch erstmals (halb-) balladeske Töne an, die durchaus zu gefallen wissen. Dass man den Text dabei nicht allzu ernst nehmen sollte, dürfte sich mittlerweile bereits herumgesprochen haben. Der Song selbst ist sehr gut aufgebaut und nimmt eigentlich alles vorweg, was bei „One“ später perfektioniert wurde, versprüht aber den etwas raueren Charme. Wenn man unbedingt ein Haar in der Suppe finden möchte, kann man „Escape“ als Schwachpunkt des Albums erwähnen. Grund dafür mag der etwas unspektakuläre Aufbau sein, der die Nummer im Kreis der Klassiker ein wenig untergehen lässt. Dem kann ich nicht widersprechen, um einen Totalausfall handelt es sich allerdings nicht, eher um einen durchschnittlichen Song, was auf dieser Platte natürlich umso stärker auffällt.

Ein weiterer Punkt, der erwähnt werden sollte, ist der Gesang von James Hetfield, der zwar noch weit von seinen späteren Leistungen entfernt ist, sich aber dennoch stark gegenüber „Kill ‚Em All“ verbessert hat. Seinen gesanglichen Höhepunkt hatte der Frontmann meines Erachtens in den 1990ern, aber der Quantensprung war nie so groß wie zwischen den ersten beiden Alben. Man muss dem Sänger sowieso zugute halten – ob man die Gesamtentwicklung von Metallica nun gut findet oder nicht – dass seine Vocals zumindest hervorragend zur jeweiligen Platte passen. Damit einher gehen auch die Texte, die sich auf „Ride The Lightning“ deutlich weiterentwickelt haben und erstmals in eine sozialkritische Richtung gehen.

Als Fazit kann stehenbleiben, dass es den Jungs aus San Francisco mit „Ride The Lightning“ gelungen ist, das sowieso schon superbe Debüt noch zu toppen – eine außergewöhnliche Leistung, die natürlich nur die Höchstwertung bedeuten kann.


Track – Titel – Länge – Wertung

  1. Fight Fire With Fire – 4:45 – 6/7
  2. Ride The Lightning – 6:36 – 7/7
  3. For Whom The Bell Tolls – 5:09 – 7/7
  4. Fade To Black – 6:57 – 6/7
  5. Trapped Under Ice – 4:04 – 6/7
  6. Escape – 4:23 – 5/7
  7. Creeping Death – 6:36 – 7/7
  8. The Call Of Ktulu (Instrumental) – 8:53 – 7/7

 Gesamteindruck: 7/7 


Metallica auf “Ride The Lightning” (1984):

  • James Hetfield − Vocals, Rhythm Guitar
  • Kirk Hammett − Lead Guitar
  • Cliff Burton (†) – Bass, Backing Vocals
  • Lars Ulrich − Drums, Percussion

Anspieltipp: Creeping Death


 

MusikWelt: Kill ´Em All

 Metallica


Das Metallica-Debüt „Kill ´Em All“ ist vor allem eines: Zu recht ein Klassiker, von dem auch heute noch Songs auf der Setlist stehen. Man kann man und muss eine klare Kaufempfehlung für Speed- und Thrash-Fans aussprechen. Alle, die von Metallica nur „Nothing Else Matters“ kennen und mögen, sollten allerdings besser die Finger von „Kill ´Em All“ lassen.

Gesamteindruck: 6/7


Mit dem Debüt gleich ein Klassiker gelungen – Respekt.

„Kill ´Em All“ (1983) hat heutzutage bei vielen – so auch bei mir – den Status eines absoluten Klassikers. Andere sind nicht dieser Ansicht und legen sich dabei vor allem auf zwei Punkte fest. Das ist zum einen die Produktion, die man wirklich nicht als „fett“ bezeichnen kann und zum anderen der noch sehr rohe und unkontrollierte Gesang von James Hetfield. Aus heutiger Sicht ist man natürlich anderes gewohnt (obwohl Metallica mit „St. Anger“ genau 30 Jahre später selbst ein Negativbeispiel par excellence abgeliefert haben, aber das ist eine andere Geschichte). Meiner Ansicht nach bleibt ein guter Song jedoch ein guter Song, egal wie die Produktion ist. Es gibt zwar eine gewisse Schmerzgrenze, was den Sound betrifft, aber davon ist „Kill ´Em All“ zum Glück meilenweit entfernt.

Wichtiger als alles andere ist ohnehin der schwer fassbare Begriff des „Songwriting“, der den Songs der Bay Area-Thrasher ihre ganz eigene Magie verleiht und sogar den Hochgeschwindigkeitstracks dieses Frühwerkes eine enorme Eingängigkeit beschert. Nummern wie „Seek & Destroy“, „Motorbreath“, „Whiplash“, „Hit The Lights“ und vor allem die genialen „Phantom Lord“ und „Four Horsemen“ haben zu recht Klassikerstatus und lassen bereits die großen Taten, die später folgten, erahnen.

Klar ist auch, dass auf einem solchen Debüt nicht nur großartige Songs stehen können. In meinen Ohren sind „Metal Militia“ und „No Remorse“ im Vergleich zum übrigen Material nicht wirklich toll, während sich mit „Jump In The Fire“ sogar eine eher unterdurchschnittliche Nummer eingeschlichen hat. Das Instrumental „(Anesthesia) – Pulling Teeth“ trägt seinen Namen zu Recht und dürfte so manchem Nicht-Bassisten eher Schmerzen bereiten. Zweifellos war Cliff Burton (R.I.P. 1986) ein toller Musiker, aber solche Solos halte ich doch eher für verzichtbar. Kein Vergleich zu den späteren Instrumentalstücken.

Davon unbeschadet zeigt „Kill ´Em All“ sehr deutlich, dass die damals sehr jungen Buben von Metallica den Bogen raus hatten. Eine derart profunde songwriterische Leistung mag heute für manche fast schon selbstverständlich sein (was nicht stimmt), Anfang der 1980er Jahre waren die Zeiten aber noch vollkommen anders. Diese Kombination von Wildheit und gleichzeitiger Zugänglichkeit gab es bei den anderen Newcomern wie Slayer, Anthrax und wie sie alle hießen nicht in diesem Ausmaß. Die waren definitiv brutaler, während Metallica zwar ebenfalls ungestüm, dabei aber eben viel variabler zu Werke gingen. Ob man damals schon ahnen konnte, dass aus diesem Debüt eine der größten Bands aller Zeiten hervorgehen würde, weiß ich nicht – der Fluch der späten Geburt hat es mir nicht ermöglicht, diese wegweisende Ära (nicht nur in Bezug auf Metallica!) mitzuerleben. Wie auch immer: Das ungeschliffene „Kill ‚Em All“ ist mit das Beste, das es im Metal im Allgemeinen und bei Metallica im Besonderen zu hören gibt. Bis heute.


Track – Titel – Länge – Wertung 

  1. Hit The Lights – 4:17 – 5/7
  2. The Four Horsemen – 7:13 – 7/7
  3. Motorbreath – 3:08 – 6/7
  4. Jump In The Fire – 4:42 – 3/7
  5. (Anesthesia) – Pulling Teeth – 4:15 – 2/7
  6. Whiplash – 4:10 – 7/7
  7. Phantom Lord – 5:02 – 7/7
  8. No Remorse – 6:26 – 4/7
  9. Seek & Destroy – 6:55 – 7/7
  10. Metal Militia – 5:10 – 4/7

 Gesamteindruck: 6/7 


Metallica auf “Kill ´Em All” (1983):

  • James Hetfield − Vocals, Rhythm Guitar
  • Kirk Hammett − Lead Guitar
  • Cliff Buron (†) – Bass
  • Lars Ulrich − Drums

Anspieltipp: The Four Horsemen