SerienWelt: Braunschlag

Es gibt einiges, das ich an „Braunschlag“ mag: Die Charaktere sind herrlich (und vor allem gut gespielt), die Dialoge treffsicher. Das tiefste Niederösterreich wird als Ort der Handlung passend porträtiert, ebenso die Anspielungen auf die Irrungen, Wirren und Niederungen der Lokalpolitik. Die Handlung kann anfangs ebenfalls überzeugen, ist aber gleichzeitig der Knackpunkt, der eine bessere Gesamtwertung verhindert.

Gesamteindruck: 5/7


Gegrüßet seist Du, Maria.

„Braunschlag“ wurde von Kult-Regisseur David Schalko (u. a. „Die 4 da“, „Sendung ohne Namen“, „Altes Geld“), der auch für das Drehbuch verantwortlich zeichnet, produziert. Die ORF-Serie wurde erstmals 2012 ausgestrahlt und erzählt in 8 Folgen á 45 Minuten mehr oder weniger zusammenhängende, skurrile Geschichte aus dem fiktiven Ort Braunschlag, irgendwo in Niederösterreich. Die Besetzung ist hochkarätig: Die Hauptrollen spielen Robert Palfrader, Nicholas Ofczarek, Nina Proll, Maria Hofstätter und Raimund Wallisch, dazu gibt es ein umfangreiches Ensemble an bekannten Nebendarstellern.

Inhalt in Kurzfassung
Der niederösterreichischen Marktgemeinde Braunschlag droht der Bankrott. Nur noch ein Wunder kann die finanziellen Probleme lösen – was den Bürgermeister und einen Lokalbesitzer auf eine Idee bringt: Warum auf eine Marien-Erscheinung warten, wenn man selbst eine herbeiführen und damit zahlungskräftige Pilger anlocken kann?

Der gelernte Österreicher fühlt sich in „Braunschlag“ schnell zu Hause. Vor allem, wenn er selbst aus der Provinz kommt, wird er viele der gezeigten Charaktere wiedererkennen. Das reicht vom Bürgermeister über den Dorfwirt bis hin zu den hiesigen Polizisten. Die Figuren sind natürlich überspitzt dargestellt – wobei, wenn ich es mir recht überlege, ist die Überzeichnung gar nicht so groß, wie man als Außenstehender vielleicht meinen könnte. Korruption im Westentaschenformat, Protektionismus und ähnliche Phänomene sind nun nichts, was David Schalko hätte extra für „Braunschlag“ erfinden müssen. Selbiges gilt für die Handlung: Ich glaube, dass sich die Mär vom selbst erfundenen Wunder so oder so ähnlich tatsächlich irgendwo in unserem Land abgespielt haben könnte. Dass die Charaktere überzeugen, ist auch den großteils sehr pointierten und witzigen Dialogen zu verdanken, die sich mit grobschlächtigem Wortwitz abwechseln. Um beides zu verstehen ist die Kenntnis ur-österreichischer Gegebenheiten (und auch des Dialekts) allerdings hilfreich – wenn nicht sogar Pflicht, denn die Serie lebt zu einem Gutteil von ihrer mit reichlich Lokalkolorit angehauchten Darstellung.

Überzeugt nicht durchgängig.

Leider reicht es trotz der genannten positiven Aspekte nicht für eine bessere Wertung. Grund ist, dass „Braunschlag“ auf mich wirkt, als hätten die guten Ideen für maximal fünf Folgen gereicht. Die Serie umfasst allerdings acht Episoden, was meiner Meinung nach eine gewisse Verwässerung zur Folge hat, unter der „Braunschlag“ letztlich als Ganzes leidet. Die Geschichte rund um das Wunder und dessen Folgen ist tadellos erzählt, ebenso sind die Beziehungen der Hauptfiguren untereinander gut ausgearbeitet. Nach einigen Folgen wird die Handlung allerdings zunehmend abstrus und verlässt den eigentlich sehr realistischen Pfad. Das finde ich persönlich schade, weil es bei mir das Gefühl hinterlassen hat, dass David Schalko nicht so richtig wusste, wie er „Braunschlag“ vernünftig zu Ende führen sollte. Stimmt vermutlich nicht und er wollte es genau so, wie er es umgesetzt hat – das ändert aber nichts daran, dass ich mich bis ungefähr Folge 5 extrem gut unterhalten gefühlt habe, danach leider nicht mehr so richtig. Das liegt übrigens auch an dem einen oder anderen Nebenstrang, auf den ich hätte verzichten können. Nicht, weil er per se nicht brauchbar wäre, sondern weil es dort an Tiefgang fehlt.

Fazit: „Braunschlag“ ist gut und hat durchaus das Zeug zur kleinen Kultserie. So richtig überzeugend finde ich die ORF-Produktion als Ganzes aus genannten Gründen jedoch nicht, sodass es für immer noch sehr gute 5 Punkte reichen muss.

Gesamteindruck: 5/7


Originaltitel: Braunschlag.
Idee: David Schalko
Land: Österreich
Jahr: 2012
Episoden: 8
Länge: ca. 45 Minuten
Gesehen auf: Netflix
Haupt-Besetzung: Robert Palfrader, Nicholas Ofczarek, Maria Hofstätter, Nina Proll, Raimund Wallisch, Christopher Schärf, Simon Schwarz, Manuel Rubey, Sabrina Reiter



 

FilmWelt: Happy Burnout

„Happy Burnout“ ist kein totaler Reinfall, könnte aber wesentlich besser sein. Leider hat der Film im Wesentlichen zwei Probleme: Einerseits ist die Handlung relativ seicht und sehr berechenbar, andererseits wussten die Verantwortlichen wohl selber nicht, ob sie eine Komödie oder eine Tragödie machen wollten. Diesen Zwiespalt merkt man „Happy Burnout“ deutlich an, sodass der Film letztlich weit hinter seinen Möglichkeiten zurück bleibt.

Gesamteindruck: 4/7


Ambivalentes Filmerlebnis.

„Happy Burnout“ ist ein merkwürdig ambivalenter Film. Der Titel suggeriert eine Komödie, was im ersten Drittel auch vorbehaltlos erfüllt wird. Die Gags zünden (zumindest großteils), Wotan Wilke Möhring verkörpert den Alt-Punker Fussel glaubwürdig und mit viel Herzblut. Das sorgt für einige Lacher und ist herrlich belangloser Humor, der niemandem weh tut und kaum tieferen Sinn hat. Das macht auch nichts, gelegentlich will man ja einfach so lachen. Dieses Bild dreht sich später im Film allerdings und „Happy Burnout“ versucht, ernst zu werden. Ja, es gibt immer noch Gags, aber der Grundtenor wird zunehmend nachdenklich (übrigens ohne an Tiefe zu gewinnen). Das kann man vielleicht so machen, in diesem Falle funktioniert es allerdings nicht gut und die beiden unterschiedlichen Tonalitäten wollen kaum zueinander passen.

Inhalt in Kurzfassung
Ein alternder Punker bekommt eine schlechte Nachricht: Ein Exempel soll an ihm statuiert werden, die Hartz IV-Bezüge sind in Gefahr, Obdachlosigkeit droht. Die einzig gangbare Lösung ist eine Einweisung in ein Sanatorium mithilfe der schnell gestellten Burnout-Diagnose. In der Psychiatrie entdeckt der gutmütige Anti-Held, dass er eine Ader dafür hat, anderen Menschen, speziell seinen Mit-Patienten, zu helfen.

Genau betrachtet ist die gesamte Story, die „Happy Burnout“ erzählt, ein Klischee. Das reicht vom gealterten Wohlstands-Verweigerer mit harter Schale und weichem Kern bis zu den typischen Zivilisationspsychosen, denen er im Sanatorium begegnet. Und auch der Aufbau ist so typisch und berechenbar, dass man meint, den Film schon zigmal gesehen zu haben: Fussel hat in der Anstalt zunächst Schwierigkeiten, findet sich zunehmend besser ein, freundet sich mit den Insassen, später auch dem Personal an, erleidet den einen oder anderen Rückschlag und hilft dann doch den Patienten, die ihm am Ende – um das Maß voll zu machen – auch noch tatkräftig beim Kampf um seine Tochter unterstützen. All das passiert in „Happy Burnout“ genau dann, wenn man es erwartet. In Verbindung mit dem ohnehin nicht sonderlich schweren Stoff ergibt das einen sehr seichten Gesamteindruck.

Kritisieren könnte man zusätzlich den doch recht lockeren Umgang mit diversen psychischen Erkrankungen. Das wäre im Prinzip kein großes Problem, wenn „Happy Burnout“ eine reinrassige Komödie wäre, die von der Überzeichnung lebt. Weil der Film aber im Verlauf zunehmend nachdenklicher wird, bleibt die Frage, ob dieses leichtfüßige Hinweggehen über Dinge wie Depressionen, Burnout o.ä. nicht ein Hohn für tatsächlich betroffene Menschen ist. Das muss letztlich jeder für sich entscheiden – ich persönlich kann durchaus verstehen, wenn man sich daran stört.

Schauspieler machen ihre Sache gut.

Der Großteil meiner Kritik an „Happy Burnout“ richtet sich aber – wie beschrieben – an den doch recht seichten Inhalt. Schade, weil die Schauspieler eigentlich gut in Form sind. Anke Engelke wirkt als Therapeutin zwar ein wenig hölzern, der Rest des Ensembles spielt die jeweilige Rolle jedoch sehr glaubwürdig. Unbestrittener Star des Films ist natürlich Wotan Wilke Möhring, dem man seine Darstellung jederzeit voll und ganz abkauft. Das reicht vom Outfit über das ganze Gehabe bis hin zum lässigen Gang, mit dem sich der mehrfache Gewinner des deutschen Fernsehpreises durch die Szenen bewegt. Wenn man diese Leistung sieht, ist es umso enttäuschender, dass der Film insgesamt einfach nicht gut genug ist, um wirklich vom Hocker zu reißen. Mehr als eine durchschnittliche Wertung ist damit nicht drin, auch wenn ich mich zumindest von einem Drittel des Films sehr gut unterhalten gefühlt habe.

Gesamteindruck: 4/7


Originaltitel: Happy Burnout
Regie: André Erkau
Jahr: 2017
Land: Deutschland
Laufzeit: 102 Minuten
Besetzung (Auswahl): Wotan Wilke Möhring, Anke Engelke, Kostja Ullmann, Torben Liebrecht, Michael Wittenborn, Julia Koschitz



 

FilmWelt: Indien

Alfred Dorfer und Josef Hader, zwei Urgesteine des österreichischen Kabaretts tanzen in der niederösterreichischen Einöde zu indischen Klängen. Hört sich erst einmal verrückt an – ist es auch. Letztlich dreht sich der Film aber um eine sich langsam entwickelnde Männerfreundschaft mit tragischem Ende. Dazwischen ist man viel unterwegs – so muss ein Roadmovie made in Austria wohl aussehen.

Gesamteindruck: 5/7


Typisch österreichische Tragikomödie.

In diesem Film, in dem mit Alfred Dorfer und Josef Hader zwei der stärksten heimischen Kabarettisten der 1990er Jahre mitwirken, wird – irgendwie typisch für den österreichischen Film – das Komisch-skurrile mit dem Tragischen verbunden. Zwei völlig unterschiedliche Charaktere begeben sich in „Indien“ auf eine Art Roadtrip. Für die niederösterreichische Landesregierung überprüfen die beiden Herren die hiesige Gastronomie.  Die Entwicklung der Figuren (Hader als ältlicher, wortkarger Griesgram „Bösel“ und Dorfer als naiver, redseliger Sonderling „Fellner“) ist ebenfalls recht typisch. Zuerst gehen sich die zwei natürlich unglaublich auf die Nerven gehen, kommen sich langsam näher und sind am Ende die besten Freunde. Man sieht daran also schon, dass die Handlung an sich nichts Besonderes ist.

Was den Film dennoch sehr gut macht, ist die schauspielerische Leistung der beiden Protagonisten. Die detaillierte und gewitzte Darstellung der zwei Landesangestellten sucht ihresgleichen. Der Film lebt somit fast ausschließlich vom Wortwitz und der Sprache seiner Hauptdarsteller – und natürlich auch von der abwechselnd tristen und romantischen Kulisse des tiefsten Niederösterreichs. Zum Ende hin nimmt der Film eine dramatische Wendung, was ebenfalls sehr gut umgesetzt wurde, allerdings bei zartbesaiteten Gemütern eventuell nicht ganz so gut ankommen dürfte.

Typisch österreichisch ist an „Indien“ auch, dass es einerseits neben klassischer Situationskomik und ein wenig Klamauk auch viel bitterbösen, schwarzen Humor gibt. Andererseits fehlt auch die übliche, relativ große Prise Tragik und Melancholie nicht. In Verbindung mit der Milieustudie von österreichischem Gastgewerbe und Beamten in Diensten der Landesregierung (die allerdings nicht allzu tief geht), ergibt das einen Film, der gute Unterhaltung auf einigermaßen hohem Niveau bietet.

Gesamteindruck: 5/7


Originaltitel: Indien
Regie: Paul Harather
Jahr: 1993
Land: Österreich
Laufzeit: 90 Minuten
Besetzung (Auswahl): Josef Hader, Alfred Dorfer



 

FilmWelt: Sture Böcke

Wer ein Faible für gut gemachte Independent-Filme hat, sollte bei „Sture Böcke“ reinschauen. Ein Film, in dem es vordergründig um Schafe, hintergründig um zwei zerstrittene Brüder geht, die im Angesicht einer „Katastrophe“ wieder zueinander finden (müssen). Gut gefilmt, sehr gut gespielt und mit wohltuender Langsamkeit umgesetzt. Hier gibt es weder ausgeklügelte Dialoge noch wie auch immer geartete Action – ein ruhiger Film, der dennoch in keinem Moment langweilig ist. Lediglich das Ende konnte mich nicht überzeugen, sodass es leider keine höhere Wertung geben kann. Trotzdem: Sehr sehenswert!

Gesamteindruck: 5/7


Männer, die mit Schafen sprechen (statt miteinander).

Island ist ein karges Fleckchen Erde. Auch ohne jemals dort gewesen zu sein, begreift man das schnell, wenn man sich den allseits hoch gelobten Film „Sture Böcke“ ansieht. Genau diese windgepeitschte Einöde ist es, die Regisseur Grímur Hákonarson perfekt nutzt, um die Intensität seines Stoffes geradezu greifbar zu machen. Eine wirkliche Handlung? Gibt es nicht. Ausgefeilte Dialoge? Nicht vorhanden. Der Regisseur verlässt sich voll und ganz auf die wilde Schönheit der Natur – und natürlich seine beiden wortkargen Hauptdarsteller, bei denen man sich fragt, ob sie tatsächlich Schauspieler sind oder von Hákonarson einfach während ihrer täglichen Arbeit gefilmt wurden. Quasi dokumentarisch.

Dass all das funktioniert und zu keiner Sekunde langweilig ist, ist tatsächlich ein Phänomen und zwischen den vielen lauten und schrillen Hollywood-Blockbustern eine willkommene Abwechslung. Doch worum geht es in „Sture Böcke“ eigentlich? Kurz gesagt: Zwei Brüder, beide Schafzüchter, leben praktisch Tür an Tür. Seit 40 (?) Jahren haben sie kein Wort miteinander gesprochen. Warum? Das verrät der Film nicht. Höhepunkt der Existenz dieser beiden Originale (und auch aller anderen Figuren, die im Film am Start sind) scheint die jährliche Preisverleihung durch den Züchterverband zu sein. Auch hier: Keine näheren Informationen verfügbar. Als nach dem Wettbewerb bei einem der Schafe eine Krankheit festgestellt wird, die den gesamten Bestand gefährdet und zu staatlichen Maßnahmen (Schlachtung aller Tiere) führen soll, entspinnt sich die Haupthandlung, die die langsame Annäherung der zerstrittenen Brüder thematisiert. All das geht das langsam und mal mehr, mal weniger behutsam vor sich, ist von Rückschlägen und zarten Erfolgen gekennzeichnet. Erinnert ein wenig an „Ein seltsames Paar“ (1968, mit Jack Lemmon und Walter Matthau), wobei dessen Komik durch den wesentlich trockeneren skandinavischen Humor ersetzt wird.

Gesprochen wird im Endeffekt bis zum Schluss von „Sture Böcke“ nicht viel. Umso erstaunlicher, wie es die beiden Hauptdarsteller, aber auch das Drehbuch, schaffen, den Zuschauer bei der Stange zu halten. All das wirkt übrigens noch besser, wenn man sich den Film als „OmU“ ansieht. Zum intensiven Filmerlebnis trägt im Übrigen auch der sehr gelungene Soundtrack bei, der gemeinsam mit den Landschaftsaufnahmen die Abgeschiedenheit und die harten Lebensbedingungen gut in Szene setzt.

Ein Haar lässt sich aber dennoch in der Suppe finden. Der Film ist an sich sehr einfach gestrickt. Die Komplexität der Beziehung wird mehr angedeutet als tatsächlich thematisiert. Alle Emotionen, alles tragikomische, das „Sture Böcke“ beinhaltet ist einfach „da“. In den Bildern, in der Musik, in den Gesichtern, in den Tieren und in der Natur. Das wird sehr konsequent durchgezogen – bis dann das Finale ansteht. Ein offenes Ende ist grundsätzlich in Ordnung. Hier löst es aber einen deutlich spürbaren, unschönen Bruch im Gefühl des Zuschauers aus. Dass der Film praktisch keinen Anfang hat und mitten in der Geschichte beginnt, ohne Charaktere und Schauplatz wirklich vorzustellen, ist in Ordnung. Meiner Ansicht nach hätte er aber nicht dermaßen offen enden sollen – dann wäre ich mit einem noch besseren Gesamtgefühl aus dem Kino gegangen. So reicht es für gute fünf Punkte.

Gesamteindruck: 5/7


Originaltitel: Hrútar
Regie: Grímur Hákonarson
Jahr: 2015
Land: Island
Laufzeit: 93 Minuten
Besetzung (Auswahl): Sigurdur Sigurjónsson, Theodór Júlíusson, Charlotte Bøving, Jon Benonysson



 

FilmWelt: Hinterholz 8

„Hinterholz 8“ ist ein Klassiker, der sich in eine ganze Serie von österreichischen Filmen in ähnlicher Besetzung einreiht. Wer wissen möchte, wie man den Traum vom Eigenheim nicht verwirklicht, muss hier einfach reinschauen. Es steht allerdings zu befürchten, dass gerade viele von denen, die es betrifft, nichts aus den Fehlern von „Herbert Krcal“ lernen. Unabhängig davon ist dieser Film ein tragisch-komisches Vergnügen an dem man so gut wie nichts bemängeln kann. Für die Höchstnote reicht es nur deshalb nicht, weil „Hinterholz 8“ seiner Kabarett-Vorlage nicht ganz gerecht wird. Sehenswert ist der Film aber allemal.

Gesamteindruck: 6/7


Düringers Traum vom Eigenheim.

„Lustig“ im eigentlichen Sinn des Wortes ist es nicht, was uns die Herren Harald Sicheritz (Drehbuch und Regie) und Roland Düringer (Hauptrolle und Drehbuch) mit „Hinterholz 8“ vorsetzen. Vielmehr ist es so, dass über eine österreichische Familie eine Katastrophe hereinbricht, die prinzipiell weder komisch noch unrealistisch ist. Gerade in Zeiten der Finanzkrise sollten sich potentielle Häuslebauer den Film eine Warnung sein lassen. Ganz nebenbei wird – wie von ähnlichen Produktionen gewohnt – eine tiefsinnige Studie der österreichischen Seele geboten. Dabei bekommen Eigenheimbesitzer, die Baubranche, das „idyllische“ Landleben im Allgemeinen und die kleinbürgerliche Familie ihr Fett weg.

Genau aus diesem Grund – und natürlich durch das gute Spiel der Hauptdarsteller – ist der Film trotz des grundsätzlich ernsten Themas zum Brüllen komisch. Wer in Düringers völlig überzeichneter Darstellung von Vorfreude, Ernüchterung, Verzweiflung und Wut das komische Moment übersieht, geht wahrscheinlich auch sonst zum Lachen in den Keller. Dabei gelingt es ihm, seinem „Herbert Krcal“ trotz dessen völlig unrealistischen Erwartungen, trotz seiner Naivität und seiner Wutausbrüche einen Anstrich zu verleihen, der den Zuschauer gegen Ende vor allem Mitleid empfinden lässt. Gerade das ist es, was diesen Film auch auszeichnet: eine Handlung, die trotz aller Zuspitzung noch realistisch genug ist, dass sie jeden betroffen macht. Es gibt immerhin genug Leute, die im Prinzip schuldlos in eine ähnliche Katastrophe schlittern.

Insgesamt ist hier alles im grünen Bereich; dennoch haben sich ein paar kleine Ärgernisse eingeschlichen, die den Film zum einen nicht ganz so gut wie beispielsweise „Freispiel“ (1995) oder „Muttertag – Die härtere Komödie“ (1992), zum anderen nicht ganz so überzeugend wie das unter „Hinterholzacht“ bekannt gewordene Kabarett (ebenfalls von Roland Düringer) erscheinen lassen. Erstens erscheint in der filmischen Version der Aufhänger um die Immobilienspekulationen und das dunkle Geheimnis, das sich unter dem Haus befindet etwas zu aufgesetzt und vor allem oberflächlich. Darauf zu verzichten wäre dem Ganzen sicher nicht abträglich gewesen, da für die eigentliche Handlung kaum bis gar keine Relevanz besteht. Als zweiten Schwachpunkt kann man das Ende anführen, dass in dieser Form einfach lächerlich wirkt. Der Grund dafür, dass es so gemacht mögen die Zugeständnisse an das Medium Kino sein, die Düringer und Sicheritz sicherlich machen mussten. Für mich wirkt ein dieses zwar absurde, aber dennoch „Happy“ End trotz des im Endeffekt humorvollen Filmes völlig fehl am Platz. Ein radikalerer Schluss wäre angebracht gewesen.

Mehr Negatives gibt es meiner Meinung nach aber nicht zu bemängeln, allerdings wiegt für mich vor allem das Ende so schwer, dass ich einen Punkt abziehen muss. Wenn man das etwas anders gelöst hätte, hätte es locker die volle Punktzahl gegeben. Empfehlenswert ist der Film aber allemal.hinterholz8

Gesamteindruck: 6/7


Originaltitel: Hinterholz 8
Regie: Harald Sicheritz
Jahr: 1998
Land: Österreich
Laufzeit: 105 Minuten
Besetzung (Auswahl): Roland Düringer, Nina Proll, Wolfgang Böck, Reinhard Nowak, Alfred Dorfer, Lukas Resetarits


Filmvorschau


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