FilmWelt: Sunshine

Nach dem – siehe meine Bewertung – eher zweifelhaften Genuss von „Sunshine“ (2007) war ich überrascht, als ich mir das verantwortliche Personal angesehen habe: Regie führte Danny Boyle, unter dessen Ägide Werke wie „Trainspotting – Neue Helden“ (1996), „The Beach“ (2000) und „28 Days Later“ (2002) entstanden sind. 2008, also ein Jahr nach „Sunshine“, wurde Boyle für „Slumdog Millionär“ sogar mit Auszeichnungen überschüttet. Ihm zur Seite stand mit Alex Garland ein ebenfalls sehr bekannter Mann, der bereits zuvor als Drehbuchautor für „28 Days Later“ mit Boyle zusammengearbeitet hatte. Wieso vorliegendes Werk trotz dieses Duos nicht so richtig bei mir angekommen ist, versuche ich im Folgenden herauszuarbeiten.

Gesamteindruck: 3/7


Der Sonne entgegen.

Ich könnte mir vorstellen, dass „Sunshine“ der Versuch war, einen Film in der Tradition von Werken wie „2001: Odyssee im Weltraum“ (1968), „Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt“ (1979) und dem von der Kritik sträflich unterbewerteten „Event Horizon – Am Rande des Universums“ (1997) zu schaffen. Eine durchaus ehrenwerte Absicht, die in Teilaspekten sogar erfolgreich umgesetzt werden konnte. Dennoch muss ich – leider – konstatieren, dass keines der vermeintlichen Vorbilder auch nur ansatzweise erreicht wird. Inhaltlich geht der Ausschlag übrigens stärker in Richtung „Alien“ und „Event Horizon“, heißt: Horror und Action dominieren die Philosophie ganz entschieden.

Worum geht’s?
2057 hat die Menschheit ein gewaltiges Problem: Die Sonne stirbt, was auf der Erde zu überaus eisigen Temperaturen führt. Glücklicherweise haben findige Wissenschaftler:innen eine Lösung parat: Mit eine gigantischen Atombombe soll ein Neustart unseres Zentralgestirns gelingen. Acht internationale Astronaut:innen machen sich also an Bord des Raumschiffs „Icarus II“ ins Zentrum des Sonnensystems auf, um diese Mission zu erfüllen. Beim Beschleunigungsmanöver, das um den Planeten Merkur führt, fängt die Crew plötzlich ein Notsignal von der „Icarus I“ auf, die sieben Jahre zuvor auf identischer Mission verschollen ist..

In der Science Fiction gibt es ja wahrlich keinen Mangel an abenteuerlichen Ideen. Dennoch musste ich über das, was uns der eigentlich hoch geschätzte Alex Garland in „Sunshine“ auftischt, herzlich lachen. Einen Stern mit einer – zugegeben riesigen – Bombe neu starten? Die irgendwie direkt IN die Sonne befördert werden muss? Eine solche Prämisse müssen alle, denen die „Science“ auch nur annähernd so wichtig wie die „Fiction“ ist, erst einmal verdauen. Dieser Problematik dürften sich Verantwortlichen sogar bewusst gewesen sein, denn sie versuchen sich gar nicht an einer einigermaßen nachvollziehbaren, wissenschaftlichen Erklärung, wie das funktionieren und zu bewerkstelligen sein soll. Und noch ein Wort zum Realismus sei mir am Rande erlaubt: Die Größenverhältnisse zwischen Schiff, Bombe, Sonne und einem Sonnenfleck, in dem die Explosion stattfinden soll, sind schlichtweg lächerlich. Punkt.

Viele richtig gemacht.

Interessanterweise hat mich „Sunshine“ trotz seiner unglücklichen Ausgangssituation positiv überrascht – zumindest in der ersten Hälfte, denn in der gibt es tatsächlich „Science“: Die komplizierte Mathematik bei Kursänderungen, das für mein Dafürhalten korrekt beschriebene Swing-by-Manöver, der Funkschatten oder die Art und Weise, wie die Raumfahrer:innen mit Nahrung und Sauerstoff versorgt werden – all das wirkt sehr durchdacht und macht einen realistischen Eindruck. Dazu passt beispielsweise auch, dass das Schiff mittels Rotation Schwerkraft erzeugt und dass es durch einen gigantischen Hitzeschild geschützt werden muss, um überhaupt in die Nähe der Sonne zu kommen (dass sich die Bombe direkt unter diesem Schild befindet ist freilich eine andere Geschichte…).

Positiv würde ich weiters den Cast hervorheben, der seine Sache ordentlich macht (auch das gilt speziell für die erste Halbzeit). Dass das funktioniert, ist den aus dramaturgischer Sicht passend gewählten Charakteren geschuldet: Spannungen, die eine solche Reise mit sich bringt, werden teils angedeutet, teils auch ausgelebt, was die Schauspieler:innen mehr als passabel rüberbringen. Größtes Problem in diesem Zusammenhang: Beim üblichen Spiel, in dem eine Figur nach der anderen die Bühne für immer verlässt, bleiben ausgerechnet diejenigen bis zum Schluss übrig, mit denen man sich am wenigsten identifizieren kann. Schade, ich hätte von anderen Charakteren weitaus lieber mehr gesehen; wobei man mit solchen Wünschen vorsichtig sein sollte, denn je kürzer eine Figur zu sehen ist, desto weniger Möglichkeiten gibt es, sich an ihr zu stören. 😉

Starke Optik.

Größter Pluspunkt neben der anfänglichen Detailverliebtheit in Sachen Technik bzw. Physik ist meiner Ansicht nach die Optik von „Sunshine“. Hier zieht Regisseur Boyle alle Register und macht geradezu verschwenderischen Gebrauch von verschiedensten Formen und Farben der Sonneneinstrahlung. Immer, wenn der Stern Licht in oder um das Raumschiff sendet wird, alles weich, warm, irgendwie „golden“. Gibt es keine Sonne, regiert die kalte Technik an Bord der „Icarus II“. Das Spiel mit diesen Ambivalenzen ist von der ersten bis zur letzten Minute großartig umgesetzt. Dazu passend (aber eher als Randnotiz): „Sunshine“ ist auch sehr gut ausgestattet, alles sieht edel und vor allem realistisch aus, speziell das Raumschiff, sowohl von innen als auch von außen.

Was alles falsch läuft.

Leider holt die zweite Hälfte des Films das geneigte Publikum rasch auf den Boden der Tatsachen zurück. Genau genommen beginnt man sogar schon vorher zu zweifeln: Nach der anfänglichen Euphorie stellt sich relativ bald das Gefühl ein, dass der Film nicht weiß, wo er hin will. Auf den ersten Blick scheint einiges zu passieren, im Endeffekt geht es aber immer nur darum, drohende Systemausfälle und ähnliche Katastrophen zu verhindern. Irgendwann schaut man auf die Uhr und merkt, dass fast die Hälfte der fast zwei Stunden Laufzeit verstrichen ist und abseits spektakulärer Bilder so gut wie nichts geschehen ist, das man auf dramaturgischer Ebene als gelungen bezeichnen könnte. Oder, um es deutlich zu sagen: Wären die Bilder nicht so toll, wäre „Sunshine“ bereits nach 30 Minuten ausgesprochen langweilig.

Der zweite Teil des Films beginnt mit dem Auffinden des Schwesternschiffs „Icarus I“. Nicht falsch verstehen, die Idee, dort anzudocken und herauszufinden, was passiert ist, ist in Ordnung und wird sogar einigermaßen schlüssig erklärt (zwei Bomben sind besser als eine). Wobei… wenn das Raumschiff einfach so anhalten und später wieder weiterfliegen kann, fragt man sich, wieso es überhaupt zu Problemen nach der Kursänderung kommen konnte – hier fehlt es dann doch sehr deutlich an Logik. Sieht man darüber hinweg, ist für ein paar Minuten tatsächlich unheimlich und spannend anzusehen, wie die Crew durch leere, verstaubte Korridore tappt und hin und wieder Botschaften findet, die vom Wahnsinn ihrer Vorgänger:innen zeugen.

Soweit ist das alles im Rahmen – nur ist die Auflösung des Ganzen alles andere als plausibel und/oder spannend. Im Gegenteil, „Sunshine“ entfernt sich immer weiter vom Realismus, den ich bis dahin als große Stärke empfunden habe (ja, ich weiß, die Prämisse…) und kippt ins Übernatürliche. Und das im wahrsten Sinne des Wortes, denn was bei „Event Horizon“ noch als kompletter Wahnsinn durchgehen kann, ist in „Sunshine“ völlig deplatziert. Hier beginnt der Film sich fühlbar zu ändern, indem er plötzlich auf schnelle, fast an ein Musikvideo erinnernde Schnitte setzt und so versucht, das Grauen erkennbar und doch wieder nicht erkennbar zu machen. Spätestens hier beginnt man – zumindest ging es mir so – auf ein baldiges Ende zu hoffen.

Längen.

Bis dahin dauert es aber noch, weil vor allem das letzte Drittel des Films nicht nur wie ein Fremdkörper wirkt, sondern auch ordentlich mit Längen gespickt ist. Vielleicht liegt es ja an mir, aber ich hatte sehr schnell genug von den ewig gleichen Verfolgungsjagden durch die Korridore, die damit enden, dass sich ein Charakter vor einem bösen… ja, was ist es eigentlich… Monster? versteckt. Und so schleppt sich „Sunshine“ seinem vermeintlich großen Höhepunkt entgegen, dessen Ablauf ohnehin schon lang vorher klar ist. Die Mühe, verschiedene lose Enden zu erklären, macht sich dann auch niemand mehr, sodass beim Abspann ein ausgesprochen fader Nachgeschmack bleibt.

Fazit: Ich habe selten einen Film gesehen, der seine beeindruckende Optik und seine überaus realistischen Ansätze ohne Not dermaßen an die Wand fährt. Ich verstehe auch nicht so richtig, wie das passieren konnte – fast kommt es mir vor, als wäre die eine oder andere essenzielle Szene der Schere zum Opfer gefallen. Oder das Drehbuch ist wirklich so löchrig? Ich weiß es nicht – und ehrlich gesagt ist es mir auch egal. Drei Punkte sind es trotzdem, Fans von „Event Horizon“ können einen Blick riskieren, sollten sich aber nicht allzu viel erwarten. Jeder, der auf Tiefgang, eine schlüssige Story und durchgängigen Realismus hofft, lässt besser die Finger vom merkwürdig uneinheitlichen „Sunshine“.

Gesamteindruck: 3/7


Originaltitel: Sunshine.
Regie:
Danny Boyle
Drehbuch: Alex Garland
Jahr: 2007
Land: Großbritannien
Laufzeit: ca. 110 Minuten
Besetzung (Auswahl): Cillian Murphy, Chris Evans, Rose Byrne, Michelle Yeoh, Mark Strong, Troy Garity



BuchWelt: The Monkey’s Paw

W. W. Jacobs


Dass mir die klassische Horror-Kurzgeschichte „The Monkey’s Paw“, zu deutsch „Die Affenpfote“, überhaupt ein Begriff war, ist der seit gefühlten Ewigkeiten laufenden Zeichentrick-Serie „Die Simpsons“ zu verdanken. Dort wurde das Motiv in einem der ersten, mittlerweile berühmt-berüchtigten Halloween-Specials aufgegriffen (freilich sehr frei interpretiert). In der Folge hatte ich jahrelang (genau genommen waren es gar Jahrzehnte!) immer im Hinterkopf, dass ich die zugehörige Geschichte einmal lesen wollte. Nun, im Jahr 2020, ist es mir endlich gelungen, das Büchlein aufzutreiben. War gar nicht so einfach, an dieser Stelle ein Danke an Medimops, dort ist wirklich vieles zu bekommen, das es sonst nirgends (mehr) gibt.

Gesamteindruck: 6/7


Pass‘ auf, was du dir wünscht!

„The Monkey’s Paw“ ist eine Kurzgeschichte von William Wymark Jacobs und wurde erstmals 1902 veröffentlicht (Achtung: Verwechlsungsgefahr!). Der Autor versteht es, auf knapp 30 Seiten eine ausgesprochen dunkle und unheimliche Atmosphäre zu schaffen. Man meint, einen vergessenen Text des alt-ehrwürdigen Meisters Edgar Allan Poe zu lesen – wer das jemals getan hat, weiß, worauf ich hinaus will: Jacobs geht nicht direkt auf Details ein, es gibt kein schnelles Erschrecken und kein Blut. Ihm reicht es, geschickt mit bloßen Andeutungen zu spielen, sodass sich im Kopf des Lesers ganz von selbst eine Geschichte entspinnt, die letztlich sogar noch düsterer als das ist, was der Autor auf das Papier gebannt hat.

Inhalt in Kurzfassung
Eine Familie – Vater, Mutter und erwachsener Sohn – leben in ärmlichen Verhältnissen. Man ist zwar nicht direkt unglücklich, aber dass es an Geld fehlt, ist immer wieder ein großes Thema. Zumindest bis eines Abends ein alter Freund des Vaters auftaucht, der einen merkwürdigen Talisman aus dem fernen Indien mitgebracht hat: Eine Affenpfote, die angeblich drei Wünsche erfüllen kann. Damit wären die Geldsorgen natürlich gelöst – wenn die Sache nicht einen schlimmen Haken hätte

Die Inhaltsangabe zeigt im ersten Moment nicht viel Neues: Ein Gegenstand oder eine Person, die Wünsche zu einem hohen Preis erfüllt, ist ein Motiv, das immer wieder in Erzählungen und Legenden zu finden ist. Und auch die Beobachtung, dass die Habgier Menschen dazu bringen kann, alle Warnungen (die in diesem Fall der Besitzer der Affenpfote sehr deutlich ausspricht) in den Wind zu schlagen, ist immer wieder eine gern genommene Prämisse – kein Wunder, liegt doch genau das in der menschlichen Natur.

Dennoch empfinde ich „Die Affenpfote“, trotz ihres Alters, als eine erfrischend andere Herangehensweise. Denn der Autor erhebt nicht direkt den moralischen Zeigefinger, sondern bringt den Leser durch gewisse Andeutungen und ganz generell die unheilvolle Atmosphäre dazu, keinen Wunsch mehr nach einem solchen Talisman zu verspüren. Denn wer sieht, wie diese Geschichte endet, wird sich dreimal überlegen, ob er überhaupt die Gute Fee treffen möchte. Das Ende ist, nebenbei bemerkt, offen, was den Leser mit einem unbehaglichen Gefühl und dunklen Vorahnungen zurück lässt und vom eigenen Verstand ebenfalls als Warnung interpretiert wird – zumindest ging es mir so.

Fazit: „Die Affenpfote“ ist ein ausgezeichnetes Werk der unheimlichen Literatur. Ich bin froh, dass es mir endlich gelungen ist, dieses kurze Buch zu lesen und kann es jedem nur empfehlen. Wer vor hat, dieser Empfehlung zu folgen, sollte sich – wie ich – nach Möglichkeit das englische Original zu Gemüte führen. Ich weiß es zwar nicht aus erster Hand, kann mir aber kaum vorstellen, dass eine Übersetzung dem so richtig gerecht wird.

Gesamteindruck: 6/7


Autor: William Wymark Jacobs
Originaltitel: The Monkey’s Paw.
Erstveröffentlichung: 1902
Umfang: ca. 40 Seiten
Gelesene Sprache: Englisch
Gelesene Version: Taschenbuch

FilmWelt: Moon

Auf dem Mond ist es einsam – sowohl in Wirklichkeit als auch in diesem Film aus Großbritannien. „Moon“ ist ein düsteres Kammerspiel, getragen von einem einzigen Schauspieler, das dem Zuschauer durchaus nahe geht. Leider fehlt es ein wenig an Tiefgang und an der letzten Konsequenz, die Kritik an der Gesellschaft, die ja auch Thema des Films ist, gänzlich anzubringen. Sehenswert ist „Moon“ aber allemal.

Gesamteindruck: 4/7


Interessantes Kammerspiel.

Manchmal erlebt man schon merkwürdige Zufälle. An einem Tag sehe ich mir „Iron Sky“ an, in dem die Nazis auf der dunklen Seite des Mondes Helium-3 abbauen – ein Isotop, das es wirklich gibt, von dem ich aber bis zu diesem Zeitpunkt nie gehört habe. Und kurz darauf liegt „Moon“ in meinem sprichwörtlichen Player, ein britischer Film, in dem genau jenes Isotop ebenfalls auf dem Mond gewonnen wird. Da setzt man mal besser den Aluhut auf, auf der Rückseite unseres Trabanten scheint tatsächlich allerhand zu passieren, das man vor uns verbergen möchte.

Bis auf das Helium-3 gibt es allerdings keine Gemeinsamkeiten zwischen den genannten Filmen (maximal, dass beides europäische Produktionen sind, könnte man noch nennen). „Moon“ ist ein Science Fiction-Drama, ein Kammerspiel, getragen von einem einzigen Schauspieler. Warum man dafür ausgerechnet den Amerikaner Sam Rockwell verpflichtet hat, ist mir zwar nicht klar, aber sei’s drum, er macht seine Sache meines Erachtens sehr gut. Abgesehen von Rockwell kommen in „Moon“ lediglich einige Video-Schnipsel der Familie seiner Figur vor. Und natürlich die künstliche Intelligenz „GERTY“, sehr prägnant gesprochen von Kevin Spacey.

Inhalt in Kurzfassung
Ein einzelner Astronaut, der für ein Unternehmen den großteils automatisierten Abbau von Helium-3 von einer Mondbasis aus überwacht, hat seit drei Jahren keinen direkten Kontakt zur Erde. Einzige Gesellschaft ist die künstliche Intelligenz GERTY. Kurz vor seiner Ablöse wird der psychische und physische Zustand des einsamen Helden immer schlechter, was in Halluzinationen, die schließlich zu einem Unfall führen, gipfelt. Nachdem er offenbar gerettet in der Basis wieder erwacht, werden die Ereignisse immer rätselhafter, steht er doch plötzlich sich selbst gegenüber.

Als Zuseher kann man sich in diesem Film problemlos auf einen einzigen Charakter konzentrieren. Umso wichtiger ist natürlich dessen Darstellung. Das Drehbuch ist grundsätzlich gut, die Probleme des Films liegen aus meiner Sicht eher in seinem mangelnden Tiefgang. Das Thema, das in „Moon“ angeschnitten wird, ist einigermaßen brisant – geht es doch um die skrupellose Ausbeutung eines Individuums zugunsten wirtschaftlicher Interessen. Die Handlung selbst finde ich durchaus in Ordnung – bietet sie doch einen recht überraschenden Twist, die den Film auch ein wenig in Richtung Dystopie rückt.

Leider kratzt „Moon“ in seinem Hauptthema nur an der Oberfläche. Soll heißen, dass der Film zwar gesellschaftliche und wirtschaftliche Gegebenheiten anprangert, das aber nicht in der wünschenswerten Härte und Tiefe. Denn die Erkenntnis, was alles schief läuft, ereilt nur die Hauptfigur – an dem Punkt, an dem es eigentlich gelten würde, entsprechende Veränderungen in der Gesellschaft herbeizuführen, bricht der Film ab. Das ist schade, weil man so den Eindruck bekommt, dass die dramatische und gute Entwicklung der Hauptfigur ein wenig verschwendet wird. Denn darauf konzentriert sich „Moon“ letztlich: Die Begegnung von Sam Bell (so der Name des Hauptcharakters) mit sich selbst und den Folgerungen, die er daraus zieht. Das ist faszinierend und beinhaltet den angesprochenen Twist, es ist aber letztlich nicht ganz das, was man sich im Laufe des Films mehr und mehr erhofft: Die Rückkehr zur Erde und die Konfrontation mit denen, die schuld an der Misere sind. All das wäre allerdings in einem Film ohne Überlänge nicht unterzubringen gewesen, ohne den ruhigen, langen Aufbau empfindlich zu stören. Eine Zwickmühle also, aus der sich Regisseur Duncan Jones zwar einigermaßen gut befreien konnte, ein leicht fader Nachgeschmack bleibt aber.

Passende Optik.

All das bedeutet aber nicht, dass „Moon“ ein schwacher Film wäre. Im Gegenteil, ich habe mich durchgehend gut unterhalten gefühlt. Dazu trägt neben der ruhigen Erzählweise auch die passende Optik bei. Die Mondstation, auf der sich das Drama abspielt, ist zweckmäßig eingerichtet. Das erinnert weniger an Star Trek sondern eher an die klassischen Alien-Filme und sorgt für das Gefühl, dass die gezeigte Zukunft nicht allzu fern ist. Die seltenen Außenaufnahmen zeigen neben der gleichförmigen Mondlandschaft lediglich die riesigen Abbaumaschinen. Beides wurde gut in Szene gesetzt und steigert damit das Gefühl der Einsamkeit auf unserem Trabanten.

Als Fazit bleibt zu sagen, dass „Moon“ ein bemühter und überraschend guter Film ist. Zu schade, dass es ihm letztlich ein wenig an Tiefgang fehlt. Ansonsten hätte es eine noch höhere Punktezahl geben können, aber auch so ist der Streifen für jeden Fan des düsteren Kammerspiels definitiv einen Blick wert.

Gesamteindruck: 4/7


Originaltitel: Moon
Regie: Duncan Jones
Jahr: 2009
Land: UK
Laufzeit: 96 Minuten
Besetzung (Auswahl): Sam Rockwell, Kevin Spacey (Stimme), Dominique McElligott, Rosie Shaw



 

FilmWelt: Children of Men

Wer Dystopien mag ist bei „Children of Men“ richtig. Der Film hat nichts weniger als den Untergang der Menschheit und die Hoffnungslosigkeit, die daraus entsteht, zum Thema. Dass der Regisseur mehr auf gute Charaktere und ein schlüssiges Drehbuch setzt, anstatt den Zuseher mit computergenerierten Effekten, von denen man mittlerweile ohnehin die Nase voll hat, zu bombardieren, macht diese englische Produktion noch interessanter. Ein rundum sehenswerter Film, der mich in allen Belangen positiv überrascht hat.

Gesamteindruck: 6/7


Dystopie mit einem Funken Hoffnung.

Was passiert, wenn die Menschheit kurz vor ihrer Vernichtung steht? Zumindest in Film und Literatur haben sich zwei mögliche Pfade ergeben: Entweder finden die zerstrittenen Völker im Angesicht der Apokalypse endlich zusammen und stemmen sich wie ein einziger Mann gegen die Auslöschung. Oder, und so würden es pessimistische (oder realistische) Zeitgenossen wohl auch für die Realität erwarten, es brechen Unruhen und Anarchie aus, das Faustrecht regiert und alles in allem geht es immer schneller in Richtung Abgrund. Erstere Option wird im Popcorn-Kino á lá „Independence Day“ (1996) oder „Armageddon“ (1998) immer gern verwendet und weiß als Wohlfühl-Faktor gelegentlich durchaus zu unterhalten. Zweiteres ist aber eigentlich die interessantere Variante, zumindest war mir persönlich die Dystopie immer lieber – und sei es nur als Warnung. Ein Selbstläufer ist eine dystopische Vision unserer Zukunft deshalb aber noch lange nicht, auch in diesem Genre gibt es gutes und schlechtes Material zu sehen oder zu lesen. „Children of Men“ ist für mein Dafürhalten glücklicherweise ein guter Vertreter seiner Zunft.

Inhalt in Kurzfassung*
In nicht allzu ferner Zukunft (vom Zeitpunkt dieser Rezension aus gesehen sind es nur mehr zehn Jahre bis dahin) ist die Menschheit vom Aussterben bedroht: Aus nicht näher genannten Gründen werden keinerlei Kinder mehr geboren. Die gesellschaftliche Ordnung steht dadurch am Rande des Zusammenbruchs und kann nur mit brutaler Polizei- und Militärgewalt einigermaßen aufrecht erhalten werden. In dieser Situation soll ein Durchschnittsbürger einem ganz besonderen Mädchen zur Flucht aus einem von Chaos, Brutalität und Terrorismus geprägten Großbritannien verhelfen.

* Der Versuch eines neuen Features auf WeltenDing. Ich versuche Spoiler zu vermeiden.

Die Geschichte, die Regisseur Alfonso Cuarón (bekannt durch Filme wie „Harry Potter und der Gefangene von Askaban“, „Pans Labyrinth“ und „Gravity“) in „Children of Men“ auf die Leinwand bzw. den Schirm bringt, fügt dem Ende-der-Welt-Thema definitiv neue Nuancen hinzu. Dass es nicht Außerirdische oder eine Naturkatastrophe sind, die die Menschheit bedrohen, sorgt für wohltuende Abwechslung. Die Grundannahme, dass ein einzelner Mensch die Welt retten kann/soll, ist nun nicht bahnbrechend neu, allerdings liegt die Stärke des Films in seinen Figuren. Die Anti-Helden, die in „Children of Men“ vor Probleme gestellt werden, die wesentlich realistischer wirken, als vieles, was man sonst speziell aus Hollywood kennt, sind so zerbrechlich, wie jeder Normalsterbliche. Das erzeugt eine Identifikationsfläche, von der so mancher Blockbuster nur träumen kann und macht aus relativ einfachen Zutaten einen hervorragenden Film.

Vor allem der britische Schauspieler Clive Owen, der die Hauptrolle spielt, weiß durchgehend und vorbehaltlos zu überzeugen. Die Art, wie sich sein Charakter entwickelt und er vom widerwilligen, genervten und müden Regierungsangestellten zum unfreiwilligen Helden entwickelt, ist aller Ehren wert. Dass er bis zum tragischen Schluss nur mit Glück und nicht aufgrund seiner überragenden Fähigkeiten durchkommt, macht ihn zur sympathischen Identifikationsfigur für den Zuseher. Aber auch die anderen Rollen bzw. Schauspieler wissen zu überzeugen, auch wenn die weibliche Hauptperson, gespielt von Claire-Hope Ashitey aufgrund der Synchronisation etwas zu anstrengend wirkt.

Drehbuch und Kamera: Top!

„Children of Men“ ist aber nicht nur gut besetzt, sondern weiß auch mit einem intelligenten Drehbuch zu überzeugen – nicht umsonst gab es in dieser Kategorie 2007 sogar eine Oscar-Nominierung (wie auch für Kamera und Schnitt). Die Handlung ist schlüssig erzählt und bietet einige überraschende Wendungen. Einziger Wermutstropfen: Das Ende kommt recht plötzlich. Dass es kein „richtiges“ Happy End gibt, ist natürlich erwartbar, auch wenn die Hoffnung zuletzt nicht ganz stirbt. Dennoch war der Schluss nach den atemlosen und dramatischen Minuten davor ein bisschen unbefriedigend für mich.

Dass es bis zum Ende spannend bleibt, ist freilich auch der hervorragenden Kamera-Arbeit zu verdanken, die für mein Dafürhalten großartig ist. Ein Beispiel: In einer der finalen Szenen befindet sich der Protagonist mitten im Kriegsgebiet. Um die Dramatik dieser Situation besser einzufangen, kommt die Handkamera in einer gefühlt endlosen, vermeintlich ungeschnittenen Sequenz zum Einsatz – das Ergebnis erinnert an die Eröffnungsszene von „Der Soldat James Ryan“ (1998). Das haben auch schon andere Filme versucht, die Intensität der Spielberg’schen Produktion wurde dabei selten (oder nie?) erreicht. „Children of Men“ kommt meiner Ansicht nach jedoch nicht nur heran, sondern – ich bin ketzerisch – übertrifft sie sogar noch. Ja, das meine ich ernst – der Grund ist, dass besagte Szene fast den Schluss des Films bildet und sich lediglich auf den Hauptcharakter konzentriert, zu dem man in der vorhergehenden Stunde eine enge Beziehung aufgebaut hat. Nicht falsch verstehen: Die Invasion in „Der Soldat James Ryan“ thematisiert das anonyme Sterben im Krieg sehr gut, daran gibt es nichts zu rütteln. Die besagte Szene im Flüchtlingslager in „Children of Men“ nimmt aber mindestens genauso mit, weil sie wesentlich persönlicher ist. Allein für diese meisterhafte Leistung gibt es fünf Punkte in der Gesamtwertung.

Prophetisch.

Aus heutiger Sicht sind Teile von „Children of Men“ geradezu prophetisch. 2006 waren die aktuellen Entwicklungen in Großbritannien, der EU und der Welt kaum vorhersehbar. Und doch denkt die (echte) britische Regierung anno 2017 darüber nach, die Menschenrechte für gewisse Gruppen und Ethnien einzuschränken. Das Land steht vor dem Austritt aus der EU und entsprechender außenpolitischer Insolation. Und auch das Zusammenfassen von Flüchtlingen in Lagern zur Abschiebung und all die damit verbundenen, unerfreulichen Vorgängen sind plötzlich gar nicht mehr so fiktional, wie es im Erscheinungsjahr des Films vermutlich noch den Anschein hatte. All das macht „Children of Men“ noch einmal düsterer und trostloser – weil er sich näher an unserer Wirklichkeit bewegt, als Alfonso Cuarón 2006 gewusst haben kann.

Fazit: Ein ausgezeichneter Film, der mit einem etwas ausführlicheren Ende die volle Punktezahl hätte abräumen können.

Gesamteindruck: 6/7


Originaltitel: Children of Men
Regie: Alfonso Cuarón
Jahr: 2006
Land: USA, UK
Laufzeit: 106 Minuten
Besetzung (Auswahl): Clive Owen, Julianne Moore, Michael Caine, Claire-Hope Ashitey, Chiwetel Ejiofor, Pam Ferris, Peter Mullan, Charlie Hunnam



 

FilmWelt: Tideland

„Tideland“ verlangt hauptsächlich eines: Einfühlungsvermögen. Auf diese Tatsache wird vom Regisseur vor Beginn der „Vorstellung“ hingewiesen – wahrscheinlich ein absolutes Novum in der Filmgeschichte. Allerdings dürften es die wenigsten Zuschauer schaffen, sich so auf das Werk einzulassen, wie sich Monty Python-Mitbegründer Terry Gilliam das wohl gewünscht hat.

Gesamteindruck: 3/7


Liefert dem Zuseher zu wenig Kontext.

Die Welt der Hauptfigur Jeliza-Rose (Jodelle Ferland) ist düster und abgedreht, was durch gute Kameraführung und Farbgebung sehr wirkungsvoll unterstrichen wird. Das im Großen und Ganzen auf musikalische Untermalung verzichtet wird, tut ein Übriges dazu, die bedrückende Atmosphäre zu verstärken. Ebenfalls stark sind die schauspielerischen Leistungen; wobei es letztlich auf die persönliche Stimmung ankommt, ob man Jeliza-Rose als nervig oder als passend empfindet.

Woran es dem Film mangelt, ist eine spannende Erzählweise. Während man zusieht, wartet man ständig darauf, dass etwas passiert. Das tritt aber nur in einigen wenigen Momenten ein, ansonsten plätschert alles vor sich hin und setzt zum Teil auf Ekeleffekte, zum Teil auf Selbstgespräche der Hauptdarstellerin, die seltsam inhaltsleer wirken. Auch ist der Streifen – so seltsam das klingen mag – zu „realistisch“. Es sind zwar durchaus surreale Passagen enthalten, es gibt jedoch keine „Fantasy-Elemente“, die man nach Ansehen des Covers und Lesen der Inhaltsangabe eigentlich erwartet. Die beste Figur im Film (neben dem von Jeff Bridges wie üblich grandios gespielten Noah) ist der geistig zurückgebliebene Dickens, dargestellt von Brendan Fletcher. Ab dessen ersten Auftritt sehnt man sich nach weiteren Szenen mit ihm, die zum Teil aber nicht unumstritten sind – vor allem die Ausschnitte, zwischen ihm und Jeliza-Rose, die sexuelle konnotiert zu sein scheinen. Diese Szenen gehen allerdings nicht über die Andeutung hinaus.

Die Bewertung des Filmes ergibt sich aus einem großen Plus bei Darstellern, Farben und Kulissen (obwohl man ähnliche schon in vielen Horrorfilmen gesehen hat). Negativ fällt die Erzählweise auf, bei der man völlig auf sich allein gestellt ist. Es gibt keine Hinweise, nicht einmal Andeutungen, welchen Zweck das Ganze überhaupt hat. So kann der Film weder schockieren noch zu einer tiefergehenden Auseinandersetzung anregen.

Gesamteindruck: 3/7


Originaltitel: Tideland
Regie: Terry Gilliam
Jahr: 2005
Land: Kanada/UK
Laufzeit: 122 Minuten
Besetzung (Auswahl): Jodelle Ferland, Janet McTeer, Brendan Fletcher, Jennifer Tilly, Jeff Bridges


BuchWelt: Coraline

Neil Gaiman


Es gibt einige Beispiele für mehr oder weniger deklarierte Kinderbücher, die man auch als Erwachsener sehr gut lesen kann: „Die unendliche Geschichte“ ist so ein Fall. „Coraline“ von Neil Gaiman fällt aus meiner Sicht nur sehr bedingt in diese Kategorie.

Gesamteindruck: 4/7


Zu wenig Tiefgang.

Die Verwandtschaft zwischen „Coraline“ von Neil Gaiman und „Alice im Wunderland“ von Lewis Carroll ist unübersehbar – aber anders als dem berühmten Vorbild kann man der vorliegenden Geschichte leider keinen Klassikerstatus attestieren. Dabei hätte auch „Coraline“ interessante Ansätze zu bieten. Es hat jedoch den Anschein, als ob der Autor sich nicht zwischen Kinder- und Erwachsenenliteratur entscheiden konnte.

Die geheime Tür, die in eine Welt führt, die der gewohnten ähnlich und doch ganz anders ist, ist natürlich nicht nur wegen „Alice“ keine neue Idee (vgl. z. B. „Die Chroniken von Narnia“,1939, oder die „His Dark Materials“-Serie, 1995, besser bekannt als „Der Goldene Kompass“). Spannend und unheimlich umgesetzt wurde sie trotzdem. Auch die „andere Welt“ weiß als solche durchaus zu gefallen, wenngleich dort für meinen Geschmack ein bisschen zu wenig passiert. Genau an dieser Stelle hakt es nämlich: Die Story ist nicht schlecht, aber die wenigen Höhepunkte sind nicht dramatisch genug, um überzeugen zu können. Dieser Eindruck verstärkt sich leider noch durch die flachen und eindimensionalen Charaktere. Nicht einmal die Hauptfigur besitzt ein interessantes Profil, von ihrer Gegenspielerin, bei der der Autor so viele Möglichkeiten gehabt hätte, ganz zu schweigen.

Das gesamte Setting ist sehr düster, zum Teil sogar ein wenig erschreckend (wobei der Klappentext stark übertrieben ist) und kaum etwas für empfindsame, jüngere Leser. Demgegenüber stehen sehr einfache Dialoge und eine geradlinige Story, bei der man sich als Erwachsener zeitweise unterfordert fühlt. Eine merkwürdige Mischung also, bei der man die ganze Zeit das Gefühl hat, dass vorhandenes Potential nicht abgerufen wird. Daher müssen leider durchschnittliche 4 Punkte reichen.

Gesamteindruck: 4/7


Autor: Neil Gaiman
Originaltitel: Coraline.
Erstveröffentlichung: 2002
Umfang: 175 Seiten
Gelesene Sprache: Deutsch
Gelesene Version: Taschenbuch


 

BuchWelt: Kill Your Friends

John Niven


Der in Schottland geborene Autor John Niven weiß, wovon er in „Kill Your Friends“ spricht: Ab Anfang der 1990er Jahre war er selbst für über zehn Jahre im Musik-Business tätig, unter anderem auch im A & R-Bereich, in dem er seine Figuren in diesem Roman agieren lässt. Insofern kann man dem Autor keine mangelnde Sachkenntnis unterstellen und das Buch auch nicht als reine Fantasie abtun..

Gesamteindruck: 6/7


Schnell, hart und gnadenlos.

Wer „Kill Your Friends“ lesen will, sollte sich von Beginn an auf eine völlig aus dem Ruder laufende Geschichte einstellen, die vor allem vor psychischer Gewalt nur so strotzt. Die ebenfalls nicht allzu kurz kommende körperliche Brutalität wird da schon fast zur Nebensache. Worauf man ebenfalls gefasst sein muss: Eine extrem aggressive Sprache, die praktisch in jedem Absatz vulgäre Kraftausdrücke, Hasstiraden und beinharten Zynismus beinhaltet. Dazu kommt zuguterletzt eine Verherrlichung von legalen und illegalen Drogen, die ihresgleichen sucht.

So abschreckend diese Punkte auf den ersten Blick auch wirken mögen, es gibt dennoch gute Gründe, das Buch zu lesen. Der vielzitierte Vergleich zu „American Psycho“ von Bret Easton Ellis ist zumindest teilweise zutreffend, wobei dessen Schockeffekt nicht ganz erreicht wird; wie das Werk seines amerikanischen Kollegen hält aber auch Nivens Roman der Gesellschaft einen gnadenlos kritischen Spiegel vors Gesicht. Was darin zu sehen ist mag nicht schön sein, ist aber doch ein Ausschnitt unserer Realität. Natürlich wurde dieser Ausschnitt künstlerisch verändert: Die Charaktere sind völlig überzeichnet, die Handlung ist geradezu absurd. Dennoch schafft es der Autor, absolut glaubwürdig zu sein – man hat während der Lektüre beinahe immer das Gefühl, dass es in der seelenlosen Welt der Popmusik-Industrie tatsächlich so oder so ähnlich zugehen könnte. Insofern sollte man dieses Buch allen zu lesen geben, die von der großen Karriere als Popstar träumen und hoffen, dass sie verstehen, dass in dieser überspitzten Darstellung mehr als ein Körnchen Wahrheit steckt.

Insgesamt ist „Kill Your Friends“ ein schnell zu lesendes Buch, das zwar keine allzu tiefsinnigen Einblicke in das Seelenleben seiner Hauptperson bietet, aber doch recht deutlich aufzeigt, wie Kultur „gemacht“ wird. Die Spannung bezieht der Roman aus zwei Ebenen: Auf der einen Seite gibt es eine eher absurde Kriminalgeschichte, die sich langsam entspinnt und die einige interessante Wendungen bereit hält, andererseits schafft Niven mit seinem „Steven Stelfox“ einen extrem unsympathischen und dennoch glaubwürdigen Hauptcharakter. Dessen langsamen Absturz und verzweifelte Versuche, sich doch noch zu retten zu verfolgen, macht einfach Freude – auch wenn es aufgrund der Antipathie hauptsächlich Schadenfreude sein sollte.

6 Punkte für ein durchaus empfehlenswertes Buch, für das man allerdings ein recht dickes Fell mitbringen sollte.

Gesamteindruck: 6/7


Autor: John Niven
Originaltitel: Kill your Friends.
Erstveröffentlichung: 2005
Umfang: 384 Seiten
Gelesene Sprache: Deutsch
Gelesene Version: Taschenbuch


 

BuchWelt: Moon

James Herbert


Alles in allem komme ich bei „Moon“ nicht über eine 3-Punkte-Wertung hinaus. Zu mühsam war das Lesen teilweise, zu belanglos schienen mir einige Beschreibungen. Schade, denn grundsätzlich ist James Herbert eine ansprechende Geschichte gelungen, die lediglich ein wenig mehr Feinschliff gebraucht hätte. Den deutschen Titelzusatz „Der Roman, der Sie nicht schlafen lässt“ halte ich so jedenfalls für einigermaßen übertrieben.

Gesamteindruck: 3/7


Zu viele Nebensächlichkeiten.

Es ist nicht zu leugnen, dass der von vielen als „Klassiker“ angepriesene Roman „Moon“, geschrieben von James Herbert († 2013) seine starken und auch beängstigenden Momente hat. Leider kommen diese – zumindest für meinen Geschmack – viel zu selten vor. Dabei ist die Geschichte grundsätzlich gut gelungen und die Thematik verhältnismäßig unverbraucht. Die Beschreibungen der grauenhaften Ereignisse sind sehr unheimlich, verzichten dabei aber auf übermäßige Effekthascherei. Es ist zwar nach wie vor starker Tobak, jedoch hat man – vor allem aus heutiger Sicht – schon weitaus Detaillierteres zu sehen und zu lesen bekommen. Stilistisch erinnert mich das Ganze ein wenig an James Herberts englischen Landsmann Clive Barker (der freilich rund 10 Jahre jünger ist und dessen erstes Werk folgerichtig erst kurz vor der Veröffentlichung von „Moon“ erschien), wenngleich dieser doch ein wenig knapper formuliert. Trotzdem ein gutes Zeichen.

Weniger gut gefallen hingegen einige andere Dinge. Zum einen sind die Personen nicht gerade tiefgehend beschrieben, was kein Beinbruch wäre, wenn sie ein wenig klischeefreier wären. Zum anderen ist die Handlung (trotz einer nicht abzusprechenden Originalität) an einigen Stellen sehr dünn und auch vorhersehbar. Am schlimmsten ist für mich jedoch, wie sehr sich Herbert oft in Nebensächlichkeiten verliert. Nun ist weitläufiges „Geschwafel“ an und für sich noch kein Grund für eine schlechtere Bewertung, nur lässt dessen Qualität in „Moon“ doch einiges zu wünschen übrig. Andere Autoren verstehen es besser, den Leser trotz aller Kleinigkeiten, die den Lesefluss unterbrechen, bei der Stange zu halten. So gesehen wäre eine Kurzgeschichte wohl die bessere Alternative gewesen.

Gesamteindruck: 3/7


Autor: James Herbert
Originaltitel: Moon
Erstveröffentlichung: 1990
Umfang: 303 Seiten
Gelesene Sprache: Deutsch
Gelesene Version: Taschenbuch (dzt. nicht verfügbar)


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