SpielWelt: The Banner Saga

Wer „The Banner Saga“ spielt, bekommt ein über weite Strecken gelungenes Indie-Spiel ohne ganz große Schwächen. Lediglich die eintönig werdenden Kämpfe und der etwas knappe Umfang können bemängelt werden, wobei letzteres durch den Wiederspielwert, der aufgrund des „Entscheidungsbaumes“ gegeben ist, vernachlässigt werden kann.

Gesamteindruck: 5/7


Entscheidungen, Entscheidungen, Entscheidungen.

„The Banner Saga“ ist ein Epos. Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes, ist ein Epos doch eine weitläufige Erzählung. Und genau hier liegt die Stärke dieses Indie-Spiels, das von ehemaligen BioWare-Entwicklern programmiert wurde. BioWare? Da war doch was? Ja, richtig, genau diese Software-Schmiede stand schon immer für Spiele, die extrem gute Geschichten erzählen, man denke nur an die Reihen „Baldur’s Gate“ und „Mass Effect“. Wie diese Klassiker ist auch „The Banner Saga“ ein Rollenspiel. Ziel ist es, das eigene Volk in einem nordisch angehauchten Szenario gegen Feinde zu schützen und am Leben zu halten. Die Story weist dabei deutliche Reminiszenzen zu „Das Lied von Eis und Feuer“ auf, was natürlich kein Fehler ist.

Interessant ist, wie sich die Geschichte in diesem Spiel entspinnt. „The Banner Saga“ hat prinzipiell zwei Mechaniken: Die erste, offensichtlichere ist der Kampf. Der ist sehr taktisch, erinnert ein wenig an Schach. Das bedeutet, dass man seine maximal sechs „Figuren“ auf dem „Schlachtfeld“ positioniert, und dann – abwechselnd mit dem Computergegner – jede Figur ihren Zug machen lässt. Die Reihenfolge, in der die eigenen Kämpfer ziehen, kann man vorher festlegen, im Kampf kann sie nicht geändert werden. Alle Helden haben unterschiedliche Werte und Fähigkeiten, entsprechend gut sollten Reihenfolge und Kampfaufstellung überlegt werden. Auf der einfachsten Schwierigkeitsstufe ist das alles durchaus machbar und der Taktik kommt keine allzu große Bedeutung zu; zieht man die Schwierigkeit jedoch an (was auch im Kampf möglich ist), wird schnell deutlich, dass man sich doch ein paar mehr Gedanken über die Kämpfe machen sollte. Für jeden Kampf gibt es Erfahrungspunkte für die Helden, nach einem Stufenaufstieg kann man – rollenspieltypisch – Werte und Fähigkeiten verbessern. All das ist grundsolide gelungen, allerdings merkt man spätestens beim zweiten Durchspielen, dass die Kämpfe im Endeffekt immer gleich ablaufen, was letztlich verhältnismäßig schnell eintönig wird.

Die zweite Spielmechanik ist für alle Fans einer großartigen Story ein Genuss. Die Erzählung um tote Götter und eine dunkle Macht, die die Völker der Menschen und Varl (eine Art Riesen) bedroht und zu einer Allianz zwingt, hat natürlich ihre Fixpunkte; im Wesentlichen ist es jedoch so, dass die Entscheidungen, die der Spieler trifft, den Fortgang des Spieles stark beeinflussen. Das kennt man natürlich – in diesem Fall ist es aber so, dass genau das der Mittelpunkt des Geschehens ist, die Kämpfe sind eher eine Randnotiz, so zumindest mein Eindruck nach zwei Durchläufen. „Story-getrieben“ ist das Schlagwort, das mir dazu einfällt. Faszinierend ist im Übrigen, wie schwer dem Spieler die Entscheidungen mitunter fallen. Nicht nur, weil sie teilweise sehr hart sind, sondern auch, weil die Konsequenzen deutlich spürbar sind. Mal merkt man sofort, mal erst viel später, was man mit seiner Entscheidung angerichtet hat. Teilweise kommt einem das Ergebnis sehr unfair vor (beispielsweise wenn einer der sorgsam gepflegten und talentierten Kämpfer plötzlich in einem Abgrund stürzt und tot ist, weil man ein Problem auf die „falsche“ Weise gelöst hat), aber es ist halt wie im wirklichen Leben – nichts wird einem geschenkt und gerecht ist es auch nicht. Und weil das so ist, denkt man sehr viel mit und die Figuren wachsen einem tatsächlich ans Herz – eben weil jeder Klick den letzten Schritt eines Charakters bedeuten kann. Das ist letztlich härter als jeder Kampf.

Die Kämpfe sind also ok, die Story ist super und auch die Spielmechanik weiß zu überzeugen. Was gibt es sonst noch? Zunächst den Sound, der sehr gelungen ist und die nordischen Weiten, in denen das Spiel angesiedelt ist, bestens zur Geltung bringt. Allerdings: Eine Vollvertonung der Dialoge gibt es nicht, lediglich der Erzähler hat eine Stimme. Da „The Banner Saga“ sehr textlastig ist, könnten lesefaule Spieler dadurch abgeschreckt werden. Sehr speziell (und damit zum Gesamtpaket passend) ist die Grafik, die handgezeichnete Hintergründe und Figuren bietet. Dieser Zeichentrick-Stil hat tatsächlich mehr für sich, als man anfänglich meinen könnte, sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir es hier eindeutig mit einem Spiel für Erwachsene zu tun haben. Das machen die Brutalität der Kämpfe und die schwere der moralischen Entscheidungen sehr deutlich.

Alles in allem sehr gelungen und auf jeden Fall einen Test wert. Ein zweiter Teil ist übrigens in Arbeit – man ist gespannt!

Gesamteindruck: 5/7


Genre: Taktisches Rollenspiel
Entwickler: Stoic
Jahr: 2013
Gespielt auf: PC
Gekauft bei: Good Old Games


„The Banner Saga“ – Videotest von GameStar

MusikWelt: Iron

Ensiferum


Das Zweitwerk der finnischen Band Ensiferum wird den hohen Erwartungen, die mit dem exzellenten Debüt „Ensiferum“ (2001) gesteckt wurden, aus meiner Sicht sehr gut gerecht. Da mir sowohl der Vorgänger als auch der Nachfolger „Victory Songs“ insgesamt eine Spur besser gefallen, „Iron“ aber alles andere als schlecht ist, vergebe ich hier gute sechs Punkte. Fans der Band und Freunde folkiger Melodien mit aggressivem Gesang können auf jeden Fall bedenkenlos zugreifen.

Gesamteindruck: 6/7


Zweitwerk, das die hohen Erwartungen erfüllt.

Von den zehn Songs, die uns Ensiferum auf „Iron“ kredenzen, sind zumindest sechs außerordentlich gut gelungen. Das Titelstück bietet beispielsweise eingängiges, markantes Riffing, das von fanfarenhaften Keyboards unterlegt ist, an deren Klang man sich allerdings erst einmal gewöhnen muss. Ist das passiert, wird man das Hauptthema kaum noch los – eignet sich auch sehr gut, um live („Tätätädä-Tätätädä!“) für Stimmung zu sorgen. „Into Battle“ ist hingegen die Fortführung des „Battle Song“, was leicht an der Ähnlichkeit in Namen und Text zu bemerken ist. Das Stück ist fast genauso gut gelungen wie der „Vorgänger“, hier hat man nichts anbrennen lassen. Interessant sind auch die beiden ruhigeren Lieder: „Lost In Despair“ ist eine klassische Ensiferum-Ballade mit rauem Klargesang, die auf einer Stufe mit „The Wanderer“ von „Victory Songs“ (2007) steht. „Tears“ ist eher ungewöhnlich – hier gibt es Frauengesang zu hören. Mutige Entscheidung, die sich lohnt – der Song passt zwar nicht ganz zum restlichen Material, gefällt aber ob seiner Außergewöhnlichkeit dennoch sehr gut. Ebenfalls stark: das sanft beginnende und sich danach immer mehr steigernde „LAI LAI HEI“, bei dem zum Teil auf Finnisch gesungen wird. Das alles wird lediglich von „Tale Of Revenge“ in den Schatten gestellt – eine echte Hymne mit unwiderstehlicher Keyboardmelodie und außergewöhnlicher Gesangslinie in der Bridge – exzellent umgesetzt und extrem eingängig, vereint das Stück alle Trademarks der Band in sich.

Unter den restlichen vier Songs befinden sich zwei Instrumentals, die ja immer Geschmacksache sind. Mir gefallen beide recht gut, unbedingt brauche ich solche Tracks aber nicht. Lediglich „Sword Chant“ (mit etwas merkwürdig klingendem Gesang) und „Slayer Of Light“ (trotz bretthartem, thrashigem Riff) fallen ein wenig ab, haben keinen allzu großen Widererkennungswert.


Track – Titel – Länge – Wertung

  1. Ferrum Aeternum – 3:28 – 5/7
  2. Iron – 3:53 – 6/7
  3. Sword Chant – 4:44 – 5/7
  4. Mourning Heart (Interlude) – 1:23 – 4/7
  5. Tale of Revenge – 4:30 – 7/7
  6. Lost in Despair – 5:37 – 7/7
  7. Slayer of Light – 3:10 – 5/7
  8. Into Battle – 5:52 – 6/7
  9. LAI LAI HEI – 7:15 – 7/7
  10. Tears – 3:20 – 7/7

Gesamteindruck: 6/7 


Ensiferum auf “Iron” (2004):

  • Jari Mäenpää – Vocals, Guitar
  • Markus Toivonen – Guitar, Vocals
  • Jukka-Pekka Miettinen – Bass
  • Oliver Fokin – Drums, Percussion
  • Meiju Enho – Keyboards
  • Kaisa Saari [Guest] – Vocals, Tin Whistles

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MusikWelt: Ensiferum

Ensiferum


Das selbstbetitelte Debüt der „Schwertträger“ aus Finnland atmet mit jeder Note unglaubliche Frische, unbändige Kreativität und viel zu selten gehörte Spielfreude. Garniert mit dem Gefühl des Hörers, dass hier etwas Großes entsteht – zu Recht, wie die weitere Karriere von Ensiferum gezeigt hat. Auf „Ensiferum“ gibt es im Endeffekt tatsächlich nur Hymnen. Sogar der schwächste Song des Albums ist immer noch 5 von 7 Punkten wert. Viel besser kann man sein Debüt eigentlich nicht abliefern.

Gesamteindruck: 7/7


Hymnen für die Schlacht.

Zugegeben, die Überschrift zu dieser Rezension lehnt sich an den Manowar-Klassiker „Battle Hymns“ an. Grund dafür ist ganz einfach, dass man auch beim Genuss des selbstbetitelten Debüts von Ensiferum vom ersten Takt an heroisches Schlachtengetümmel und große Helden alter Zeiten vor sich sieht.

Bereits der Opener „Hero In A Dream“ zeigt (nach dem üblichen Intro) deutlich, wie viel Gespür die Finnen für eingängige Hymnen mit einem gehörigen Schuss Heldenpathos haben. Eine Hochgeschwindigkeitsnummer mit tollen Riffs, einem leicht mitsingbaren Refrain und einer unwiderstehlichen Melodie. Vor allem das Keyboard wurde gut, d. h. ohne negativ aufzufallen, integriert. Auch der Chor im Mittelteil ist bestens gelungen, insgesamt also ein perfekter Einstieg in die Platte. In dieselbe Kategorie, nämlich „perfekt“, fällt auch der am anderen Ende des Albums stehende und mittlerweile zum Klassiker avancierte „Battle Song“, bei dem vor allem das extrem schnelle Bassspiel zu Beginn begeistert. Auch sehr schnell und ausgezeichnet gemacht: „Windrider“, bei dem elegante, akustische Zwischenteile für die notwendige Abwechslung sorgen.

„Abwechslung“ ist auch das Stichwort für die weiteren Stücke: Bei „Token Of Time“ wird das Gaspedal nicht voll durchgetreten, dafür ist der Song wesentlich wuchtiger. Vor allem der Klar- und Chorgesang kann überzeugen. Ähnlich beim in der Mitte des Albums platzierten Zweiteiler „Väinämöinen“, der aus dem gesangstechnisch ein wenig an Amon Amarth erinnernden „Old Man“ und dem etwas ruhigeren „Little Dreamer“ (mit Ausbrüchen im Mittelteil) besteht. Sehr interessant ist auch „Guardians Of Fate“, das mit einem punkigen Beginn überrascht, danach eine schöne Melodie und tollen, rauen Klargesang im Refrain aufweist. „Abandoned“ und „Eternal Wait“ sind hingegen zwei langsame Lieder, wobei ersteres Stück wie ein typischer Vollgas-Kracher beginnt, sich danach aber in einen Stampfer mit Anleihen einer Power-Balladae verwandelt. „Eternal Wait“ ist die erste „richtige“ Ballade der Band und zeigt, wie gut Ensiferum auch in diesem Bereich sein können. Der Song versinkt nicht im Pathos, ist ausreichend heavy und vor allem der aggressive/klare Wechselgesang ist großes Kino.

Viele Haare in der Suppe gibt es also nicht zu finden. Einziger Punkt, an dem sich vielleicht einige harte Kritiker stören werden: Der Gesang, vor allem der Klargesang kommt stellenweise wohl pathetischer als ursprünglich gewünscht aus den Boxen. Auffällig vor allem bei „Treacherous Gods“, das zwar sehr heavy und groovig klingt, im Gesangsbereich aber zugegebenermaßen einen Schritt zu weit geht. Allerdings ist die Humppa-Einlage am Ende wirklich hörenswert, sodass auch hier nicht von einem Ausfall gesprochen werden kann.

Lediglich der Bonus-Track „Goblin’s Dance“ fällt in meinen Ohren ein wenig ab. Das liegt vor allem daran, dass er nicht so recht zum restlichen Material passen will. Das Stück ist sehr Black Metal-lastig, durch die Humppa-Anleihen könnte es sogar auf einer Platte von Finntroll eine gute Figur machen (kein Wunder, ist doch deren Keyboarder Henri „Trollhorn“ Sorvali auf „Ensiferum“ als Gast zu hören).

Ansonsten gibt es aber absolut nichts zu bemängeln, sodass alles andere als die Höchstwertung zu wenig wäre. Der zeitweise gescholtene Gesang bzw. die merkwürdige Betonung mit teilweise starkem, finnischem Akzent und die manchmal seichten Reime und Texte empfinde ich bei diesem Debüt eher als sympathisch als störend. Das Mitsing-Potential ist sehr hoch, das gesamte Songwriting kann überzeugen – klare Kaufempfehlung.


Track – Titel – Länge – Wertung

  1. Intro – 1:50 – 5/7
  2. Hero In A Dream – 3:40 – 7/7
  3. Token Of Time – 4:16 – 7/7
  4. Guardians Of Fate – 3:34 – 6/7
  5. Old Man (Väinämöinen Part I) – 5:33 – 7/7
  6. Little Dreamer (Väinämöinen Part II) – 5:21 – 6/7
  7. Abandoned – 6:50 – 6/7
  8. Windrider – 5:41 – 7/7
  9. Treacherous Gods – 5:14 – 5/7
  10. Eternal Wait – 5:14 – 6/7
  11. Battle Song – 3:20 – 7/7
  12. Goblin’s Dance (Bonus) – 4:29 – 4/7

Gesamteindruck: 7/7 


Ensiferum auf “Ensiferum” (2001):

  • Jari Mäenpää – Vocals, Guitar
  • Markus Toivonen – Guitar
  • Jukka-Pekka Miettinen – Bass
  • Oliver Fokin – Drums, Percussion
  • Henri „Trollhorn“ Sorvali [Guest]– Keyboards

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