BuchWelt: „Das Schwert der Wahrheit“ – Zusammenfassende Bewertung

Terry Goodkind


Terry Goodkind gleich auf der Außenseite des Buchdeckels (!), noch dazu im obersten Drittel, als „wahren Erben J.R.R. Tolkiensanzupreisen ist meiner Ansicht nach eine höchst unglückliche Entscheidung. Sicherlich können durch eine solche Ansage Leser gewonnen werden, aber demgegenüber dürfte es auch sehr viele geben, bei denen aufgrund derart plakativer Vergleiche alle Alarmglocken schrillen. Nach der Lektüre des ersten Bandes von Goodkinds großer Saga um „Das Schwert der Wahrheit“ kann man jedenfalls konstatieren: die Genialität eines Tolkien erreicht sein angeblicher Erbe bei weitem nicht, durchgängig schlecht ist sein Zyklus deshalb aber auch nicht geworden.

Gesamteindruck: 4/7


Teils zu umständlich: 7.000 Seiten hätten genügt.

Der Umfang des ursprünglichen Zyklus um „Das Schwert der Wahrheit“ liegt bei knapp 10.000 Seiten in elf Bänden. Das ist das, was ich gelesen habe – mittlerweile sind weitere, damit zusammenhängende Geschichten und Romane erschienen, über die ich mir kein Urteil erlauben will und kann. Es sei allerdings gesagt, dass ich nach dem Abschluss der elf Bände kein überbordendes Verlangen verspürt habe, mich noch einmal in Terry Goodkinds Welt zu begeben.

Doch warum ist das so? Insgesamt schafft es Goodkind meiner Ansicht nach nicht, die gigantische Seitenzahl mit ausreichend Inhalt zu füllen. Im Gegenteil – leider beschleicht den Leser in nahezu jedem Band das Gefühl, dass der Autor nach Wortanzahl bezahlt wurde. Dieser Eindruck entsteht durch langatmige und umständliche Dialoge, die oft völlig unverständlich sind bzw. kaum etwas zur eigentlichen Handlung beitragen. Hinzu kommen Passagen, die zum einen in jedem (!) Band bereits Gesagtes und Geschehenes ausführlichst wiederholen und zum anderen uninteressante, langweilige Landschaftsbeschreibungen bieten. Diese Dinge stellen – aus der Retrospektive betrachtet – höchst merkwürdige Unterbrechungen im Lesefluss dar und wollen einfach nicht zu den schnellen und flüssig lesbaren Abschnitten passen, die „Das Schwert der Wahrheit“ bei aller Kritik auch zuhauf zu bieten hat.

Inhaltlich kann man drei Dinge Hauptfaktoren hervorheben, die das Lesevergnügen sehr deutlich schmälern:

  • Erstens hat die im Endeffekt recht brauchbare Hintergrundgeschichte den Haken, dass man ihr bisweilen kaum folgen kann. Die Schlussfolgerungen, die die Figuren ziehen, mögen ihnen klar sein, allein schafft der Autor es selten, auch beim Leser den Aha-Effekt zu erzielen, den er seinen Charakteren in den Mund legt.
  • Zweitens zeigt sich vor allem ab der Mitte des Zyklus eine verstärkte Neigung des Autors, (zumindest) fragwürdige Thesen und Moralvorstellungen anzuführen. Wobei „anzuführen“ wohl das falsche Wort ist, „predigen“ ist zutreffender. Manche Fans mag das nicht stören, bei mir hinterließen einige Aussagen allerdings einen schalen Beigeschmack, vor allem, da aus sie nicht aus dem Mund der Charaktere, sondern aus dem des Autors selbst zu kommen scheinen.
  • Der dritte Negativ-Faktor ist gleichzeitig der Bedeutendste: An vielen Stellen schafft es Goodkind nicht, seine zeitweise unüberschaubaren Handlungsstränge zu einem gelungenen Abschluss zu bringen. Es wirkt bisweilen, als ob ihm einfach die Ideen ausgegangen wären. Gelöst wird dieses Problem mit einer gewissen „Deus-Ex-Machina“-Haltung: die Charaktere zaubern dabei die unwahrscheinlichsten Lösungen aus dem Hut und unvorstellbare Geistesblitze lassen Sie vorher Unverständliches plötzlich kombinieren. Vor allem die Ausweichmöglichkeit der Prophezeiungen hat es dem Autor angetan, wirkt aber oft völlig an den Haaren herbeigezogen und scheint nur dem Zweck zu dienen, einige der zahlreichen Logiklöcher und merkwürdigen Verhaltensweisen zu tarnen. Daraus ergibt sich auch, dass die Handlung in der Rückschau für eine so große Seitenanzahl recht dünn wirkt.

Auf der Habenseite stehen einige für das Fantasy-Genre durchaus neuartige Ideen und eine – abseits aller Zerfahrenheit – reizvolle Geschichte. Wichtiger ist aber, dass Terry Goodkind durchaus in der Lage ist, Spannung zu erzeugen und Probleme auf angemessene Art zu lösen – schade, dass er das nicht dauerhaft schafft.

Alles in allem muss man konstatieren, dass diese umfangreiche Saga für mich nicht über eine Durchschnittswertung hinauskommen kann. Die genannten Mängel könnten bei Lesern, die sich nach atmosphärischer Dichte und/oder flüssigem Erzählstil á lá „Der Herr der Ringe“ (J.R.R. Tolkien) sehnen oder die aufgrund des Umfanges eine gewisse Komplexität erwarten, wie sie beispielsweise „Das Lied von Eis und Feuer“ (George R. R. Martin) oder „Das Spiel der Götter“ (Steven Erikson) bieten, dazu führen, dass nach Abschluss von Band 11 ein großes Fragezeichen stehenbleibt. Das Wort „Zeitverschwendung“ möchte ich eigentlich nicht in den Mund nehmen, aber es ist tatsächlich so, das weit über ein Drittel des gesamten Zyklus einfach nichts Lesenswertes bietet – mir ist das einfach zu wenig. Dessen sollte man sich gewahr sein, bevor man der Serie einige Monate seiner Zeit und um die 100 Euro seines Geldes opfert. Wer viel Tiefe erwartet, wird ohnehin schwer enttäuscht sein.

Einzelwertungen:

  1. Das Schwert der Wahrheit 1: Das erste Gesetz der Magie: 5/7
  2. Das Schwert der Wahrheit 2: Die Schwestern des Lichts: 4/7
  3. Das Schwert der Wahrheit 3: Die Günstlinge der Unterwelt: 6/7
  4. Das Schwert der Wahrheit 4: Der Tempel der vier Winde: 3/7
  5. Das Schwert der Wahrheit 5: Die Seele des Feuers: 2/7
  6. Das Schwert der Wahrheit 6: Schwester der Finsternis: 5/7
  7. Das Schwert der Wahrheit 7: Die Säulen der Schöpfung: 6/7
  8. Das Schwert der Wahrheit 8: Das Reich des dunklen Herrschers: 3/7
  9. Das Schwert der Wahrheit 9: Die Magie der Erinnerung: 4/7
  10. Das Schwert der Wahrheit 10: Am Ende der Welten: 4/7
  11. Das Schwert der Wahrheit 11: Konfessor: 4/7

Gesamteindruck: 4/7


Autor: Terry Goodkind
Umfang: 11 Bände, ca. 9.700 Seiten
Originaltitel:
 The Sword of Truth.
Gelesene Sprache: Deutsch


 

BuchWelt: Konfessor

Terry Goodkind


„Konfessor“ ist Buch 11 des 11-bändigen Fantasy-Zyklus „Das Schwert der Wahrheit“, geschrieben vom US-amerikanischen Autor Terry Goodkind. Auf WeltenDing werden nach und nach Rezensionen zu allen 11 Bänden veröffentlich, abschließend gibt es eine Gesamtbewertung des Zyklus. Wer eine Kaufempfehlung möchte, sollte also bis dahin warten.

Gesamteindruck: 4/7


Qualitatives Auf und Ab vor durchwachsenem Finale.

Im elften und den ursprünglichen Zyklus abschließenden Band seiner großen Saga um „Das Schwert der Wahrheit“ bricht Terry Goodkind – endlich – mit einer vielen Lesern in den vorangegangenen Teilen verhasst gewordenen Tradition: Die Einführung in die Geschehnisse wird nicht von langwierigen Wiederholungen bestimmt, sondern setzt nahtlos nach den Ereignissen von „Am Ende der Welten“ an. Es bleibt also spannend und man kann kaum erwarten, endlich die entscheidenden Enthüllungen zu erfahren. Der Autor berichtet in guter, flüssig zu lesender Sprache von spannenden Kämpfen und interessanten Begebenheiten, die den Ehrgeiz des Lesers schüren, auch die letzten gut 600 Seiten des Zyklus zu genießen.

Schade, dass sich Goodkind wiederum selbst durch sein unverhohlenes Schielen nach einer höheren Seitenanzahl ein Bein stellt. Die gut aufgebaute Spannung wird nämlich immer wieder von umständlichen Dialogen, die metaphysische Probleme zum Thema haben und sich jeglichem Verständnis entziehen, unterbrochen. Erschwerend kommt hinzu, dass diese Gespräche oft auch keinerlei Relevanz für die eigentliche Handlung haben. Das kommt einer erneuten Einladung zum Querlesen ganzer Abschnitte gleich – diese kann von allen potentiellen Lesern, die keinen Spaß an derart langatmigen Passagen haben, ohne Reue angenommen werden. Man verpasst dadurch definitiv nichts Wichtiges. Als Beispiel sei genannt, dass zunächst äußerst umständlich die Regeln des Ja’La-Spiels erklärt werden. Als ob diese theoretische Lehrstunde nicht trocken genug wäre, wird danach seitenlang auch noch ein komplettes Spiel beschrieben, was sich in etwa so spannend liest, wie ein detaillierter schriftlicher Bericht einer Fußballpartie, bei der man praktisch keinen Spieler kennt. Das mag für Einzelne interessant sein, die Masse dürfte dagegen so gut wie nichts damit anfangen können (vor allem weil sich aus der Natur der Geschichte sehr schnell ergibt, wer das Spiel im Endeffekt gewinnt). Sportberichterstattung scheint jedenfalls – genau wie Landschaftsbeschreibungen – nicht gerade zu Goodkinds Stärken zu gehören.

Wenn man diese Passagen, die insgesamt gut 200 der weit über 600 Seiten einnehmen, übersteht, hat man jedoch ein durchaus spannendes und kurzweiliges Buch vor sich, das zunächst alle positiven Eigenschaften der Vorgängerbände in sich vereint und trotz der angeführten Schwächen sogar eine sehr hohe Wertung verdienen würde. Den Konjunktiv verwende ich mit gutem Grund, da sich zwei große Schwierigkeiten auftun. Erstens haben sich im Laufe des Zyklus sehr viele lose Fäden der Geschichte angesammelt, was unter anderem an den vielen Charakteren liegt, die zum Einsatz kamen. Gerade der vermehrte Einsatz von „alten“ Figuren in „Konfessor“ wirkt sehr aufgesetzt und macht die unvollendeten Handlungsstränge unangenehm deutlich. Schwerer wiegt aber, dass der Schluss selbst eher so wirkt, als ob dem Autor die Ideen aus- und die Lust vergangen wäre. Ein befriedigendes Ende einer so umfangreichen Geschichte sieht jedenfalls anders aus, vor allem, wenn man die ausufernden und langwierigen Beschreibungen bedenkt, die ansonsten Stilmittel von Terry Goodkind sind. Spätestens auf den letzten Seiten werden die Erklärungen sehr hanebüchen und das eigentliche Ende scheint einfach lustlos hingeschrieben zu sein. Schade, damit ist erneut – trotz bester Ausgangslage – nur eine durchschnittliche Wertung möglich.

Es folgen einige Bemerkungen zur Serie als Ganzes und eine Übersicht über die Bewertung der Einzelbände. Dort lege ich auch dar, wie ich zu einer eher ernüchternden Gesamtwertung komme.

Gesamteindruck: 4/7


Autor: Terry Goodkind
Originaltitel: Confessor.
Erstveröffentlichung: 2007
Umfang: 672 Seiten
Gelesene Sprache: Deutsch
Gelesene Version: Taschenbuch


 

BuchWelt: Am Ende der Welten

Terry Goodkind


„Am Ende der Welten“ ist Buch 10 des 11-bändigen Fantasy-Zyklus „Das Schwert der Wahrheit“, geschrieben vom US-amerikanischen Autor Terry Goodkind. Auf WeltenDing werden nach und nach Rezensionen zu allen 11 Bänden veröffentlich, abschließend gibt es eine Gesamtbewertung des Zyklus. Wer eine Kaufempfehlung möchte, sollte also bis dahin warten.

Gesamteindruck: 4/7


Spannender Schluss, davor: Über 200 Seiten leeres Geschwätz.

Es stand nach dem spannenden und interessanten Ende von „Die Magie der Erinnerung“ fast zu befürchten: Terry Goodkind schafft es in der Saga um „Das Schwert der Wahrheit“ trotz günstigster Voraussetzungen einfach nicht, einen guten Einstieg in den jeweils nachfolgenden Band zu bieten. „Am Ende der Welten“ fällt diesbezüglich sogar noch negativer als sämtliche Vorgänger auf. Grund dafür ist vor allem der tatsächlich offene Schluss von „Die Magie der Erinnerung“. Anstatt nahtlos fortzusetzen, wie das wohl von allen Lesern erwartet wird, gibt es wieder die üblichen, zähen Wiederholungen. Dazu gesellt sich noch eine wahre Flut von theoretischen Abhandlungen über magische Formeln und Banne, über Mathematik und Symbolik, die man wohl nur mit einem entsprechenden Abschluss verstehen kann; wobei zweifelhaft ist, dass ein solcher Titel was nutzen würde, da es sich hier meines Erachtens eher um sinnloses Geplapper handelt, das dem Ganzen einen Anstrich von Intellekt verleihen soll. Leider geht dieser Versuch gründlich daneben, sodass man – ohne zu viel verraten zu wollen – den Großteil der ersten 200 Seiten bedenkenlos überspringen kann.

Danach entfaltet sich, wie schon öfters im Laufe der Saga gesehen, eine interessante und spannende Geschichte. Stellenweise schafft es der Autor wieder, dass man über das Buch alles andere vergisst und nicht aufhören kann zu lesen. „Am Ende der Welten“ ist in diesem Bereich sogar so spannend ausgefallen, dass die langatmige Einführung schnell in Vergessenheit gerät und man doch ein wenig Traurigkeit verspürt, dass nach diesem Band nur noch ein Teil folgt. Gute Cliffhanger und ein intelligentes Finale runden den durchaus positiven Gesamteindruck ab.

Schade, dass Goodkind offenbar nicht fähig ist, seine Geschichten so sehr zu kürzen, dass es wenigstens einmal keinen Grund zum Meckern gibt. Wieso dem so ist, weiß wohl nur der Autor selbst, die Vermutung einer Bezahlung nach Anzahl der geschriebenen Seiten liegt jedoch nahe. Wie auch immer, trotz gefahrloser Möglichkeit, die ersten gut 200 Seiten nahezu komplett überspringen zu können, verdient der gute Mittelteil und der spannende Schluss eine Bewertung von insgesamt vier Punkten.

Gesamteindruck: 4/7


Autor: Terry Goodkind
Originaltitel: Phantom.
Erstveröffentlichung: 2006
Umfang: 640 Seiten
Gelesene Sprache: Deutsch
Gelesene Version: Taschenbuch


 

BuchWelt: Die Magie der Erinnerung

Terry Goodkind


„Die Magie der Erinnerung“ ist Buch 9 des 11-bändigen Fantasy-Zyklus „Das Schwert der Wahrheit“, geschrieben vom US-amerikanischen Autor Terry Goodkind. Auf WeltenDing werden nach und nach Rezensionen zu allen 11 Bänden veröffentlich, abschließend gibt es eine Gesamtbewertung des Zyklus. Wer eine Kaufempfehlung möchte, sollte also bis dahin warten.

Gesamteindruck: 4/7


Langatmige Einführung vor spannendem Finale.

Für den Geschmack von Terry Goodkind scheinen seine beiden Hauptpersonen in den letzten Bänden der Saga um „Das Schwert der Wahrheit“ zuviel Zeit miteinander verbracht zu haben – eine erneute Trennung ist daher das alles beherrschende Thema von Band 9, „Die Magie der Erinnerung“. Zum Glück gelingt es dem Autor, die Trennung einigermaßen kreativ zu gestalten, was wiederum eine großteils interessante Hintergrundgeschichte zur Folge hat.

Was – auch auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen – hingegen weniger gut gelungen ist: Goodkind benutzt die neuerliche Trennung von Richard und Khalan auf den ersten gut 200 Seiten lediglich, um alte Erinnerungen aufzufrischen. Viele Leser dürften dieses ewige Wiederkäuen mittlerweile gründlich satt haben – aber was soll man machen, wenn man bereits um die 8.000 Seiten des Zyklus gelesen hat und endlich wissen will, wie das Ganze endet. Abgesehen von diesem mittlerweile gewaltigen Ärgernis bietet „Die Magie der Erinnerung“ eigentlich ganz kurzweilige Unterhaltung, wobei es aber noch einen Kritikpunkt anzuführen gibt – bis gut zur Hälfte der Geschichte passiert nicht nur dank der schlichten Wiederholung vergangener Ereignisse recht wenig, hinzu kommt auch noch eine gewisse Umständlichkeit innerhalb der übrigen Dialoge. Dadurch zieht sich das Ganze so unglaublich in die Länge, dass man stellenweise trotz allem Interesse ums Querlesen kaum herumkommt.

Im letzten Drittel des Buches macht der Autor aber alle diese Verfehlungen wieder gut, indem er „Die Magie der Erinnerung“ zu einem echten Page-Turner macht. Es wird (wie schon öfters innerhalb des Zyklus geschehen) nahezu unmöglich, das Werk aus der Hand zu legen. Hier schimmert das große Potential durch, das diese Saga eigentlich hätte, wenn Terry Goodkind nicht so oft derart umständlich und weitschweifig zu Werke gehen würde. Das Ende des vorliegenden Bandes, der als Auftakt einer abschließenden Trilogie zu verstehen ist, ist übrigens komplett offen, was die Spannung, was im nächsten Teil passieren könnte, zusätzlich verstärkt.

Spätestens an dieser Stelle muss sich Goodkind aber auch von mir die Frage gefallen lassen, wieso er unbedingt eine derart umfangreiche Geschichte veröffentlichen wollte, wenn alles in allem mindestens ein Drittel (eher mehr) der bisher gelesenen Bände aus Wiederholungen besteht. Vielleicht wäre es besser gewesen, den Zyklus auf sechs oder sieben Teile zu beschränken, um eine wirklich erstklassige Saga zu erhalten. So kommt immer wieder der Verdacht auf, dass manche Autoren pro geschriebener Seite bezahlt werden. Für „Die Magie der Erinnerung“ würde ich aufgrund des hervorragenden Schlusses gerne fünf Punkte geben, aber im Endeffekt reicht es doch wieder nur für vier, zu langatmig und zu gestreckt ist die Einführung.

Gesamteindruck: 4/7


Autor: Terry Goodkind
Originaltitel: Chainfire.
Erstveröffentlichung: 2005
Umfang: 736 Seiten
Gelesene Sprache: Deutsch
Gelesene Version: Taschenbuch


 

BuchWelt: Das Reich des dunklen Herrschers

Terry Goodkind


„Das Reich des Dunklen Herrschers“ ist Buch 8 des 11-bändigen Fantasy-Zyklus „Das Schwert der Wahrheit“, geschrieben vom US-amerikanischen Autor Terry Goodkind. Auf WeltenDing werden nach und nach Rezensionen zu allen 11 Bänden veröffentlich, abschließend gibt es eine Gesamtbewertung des Zyklus. Wer eine Kaufempfehlung möchte, sollte also bis dahin warten.

Gesamteindruck: 3/7


Gute Ansätze reichen nur für durchschnittliches Lesevergnügen.

Die Vorfreude, die man nach dem – aus meiner Sicht – überraschend starken Vorgängerband „Die Säulen der Schöpfung“ von Terry Goodkinds „Das Schwert der Wahrheit“-Zyklus auf den vorliegenden Teil empfindet, wird zu Beginn recht schnell von einer gewissen Ernüchterung abgelöst. Grund dafür ist der offenkundige Rückfall des Autors in alte Verhaltensmuster. Teilweise noch ausführlicher als je zuvor werden vergangene Ereignisse rekapituliert, obwohl jeder, der es bis hierhin geschafft hat, bestens darüber im Bilde sein sollte. Sogar der bisher lediglich in Band 1 vorgekommene Grenzposten Chase findet erstmals wieder Erwähnung. Beinahe scheint es, als ob Goodkind versucht, die „Versäumnisse“ des vorhergehenden Bandes wiedergutzumachen, in dem er auf solche Streckungen der Seitenanzahl verzichtete. Schade, mir gefiel der wesentlich straffere Einstieg von Band 7 deutlich besser.

Leider wendet sich auch nach dem zähen Einstieg nicht alles zum Guten. Grund dafür ist auch diesmal nicht die eigentliche Hintergrundgeschichte, die wiederum einigermaßen interessant ausgefallen ist, sondern die Umständlichkeit, mit der uns der Autor seine Thesen näher bringen will. Goodkind versucht, seine Figuren Wissenschaftsgebiete wie Philosophie oder Erkenntnistheorie („Wie wirklich ist die Wirklichkeit?„) streifen zu lassen – diese Ausflüge gestalten sich teilweise allerdings als nahezu unlesbar (was eventuell an der deutschen Übersetzung liegen könnte, was ich allerdings nicht glaube). Generell fällt auf, dass in diesem Band, wie schon zuvor des Öfteren beobachtet, Passagen vorkommen, die sich bei mir jeglichem Verständnis entziehen, wobei ich nicht verhehlen will, dass aufgrund der zeitweisen Langatmigkeit meine Konzentration ab und zu nachließ. Noch viel unangenehmer fällt eine verstärkt auftauchende Tendenz des Autors zum Predigen auf. Stellenweise lässt er seine Charaktere ihre Ansichten, die man zumindest als fragwürdig, zum Teil eher als bedenklich einstufen könnte, mit einer Vehemenz vertreten, die äußerst penetrant wirkt. Hier scheint mir zum Teil die doch sehr radikale Haltung des Amerikaners Terry Goodkind viel zu deutlich durchzuschimmern – ob man sich durch Grundsätze wie eine zumindest angedeutete Befürwortung der Todesstrafe durch die strahlenden Helden gestört fühlt, ist natürlich Geschmacksache, mir persönlich war das im vorliegenden Buch zu viel des Guten.

Natürlich ist aber auch hier nicht alles misslungen. Vor allem die Passagen zwischen den langatmigen Ansprachen haben es in sich und erinnern daran, wieso man die bisherigen knapp 8.000 (!) Seiten des Zyklus überhaupt durchgehalten hat und weiter durchstehen möchte. Terry Goodkind schafft es wirklich sehr gut, seine Schlachten in Szene zu setzen – schade, dass diesen Cliffhangern und interessanten Nebenhandlungen so viel sinnloses Geplapper gegenüber steht.

Im Endeffekt muss man festhalten, dass „Das Reich des dunklen Herrschers“ erschreckend wenig Substanz für eine so große Seitenzahl bietet. Ein Grundproblem der Gesamtserie, das auch hier trotz „nur“ 700 Seiten Umfang keine Lösung findet. Ein Wort noch zur Titelgebung: mehrmals ist mir schon unangenehm aufgefallen, dass sowohl Gesamt- als auch Zwischentitel (wo solche vorkommen) kaum Bezug zum Inhalt haben. Im vorliegenden Fall sei mir die Vermutung gestattet, dass durch den deutschen Titel eine gewisse Tolkien-Nähe hergestellt werden sollte, die das Buch allerdings bei weitem nicht bieten kann. Zwar sehe ich auch beim Original-Titel „Naked Empire“ keinen allzu großen Zusammenhang zum Inhalt, aber zumindest kokettiert dieser nicht ganz so offensichtlich mit dem auf dem Cover angepriesenen und doch weit verfehlten Vorbild. Drei Punkte für ein durchschnittliches Werk, das leider nicht über interessante Ansätze hinauskommt und in das einige irritierende Privatansichten des Autors viel zu offensichtlich eingeflossen sind..

Gesamteindruck: 3/7


Autor: Terry Goodkind
Originaltitel: Naked Empire.
Erstveröffentlichung: 2005
Umfang: 704 Seiten
Gelesene Sprache: Deutsch
Gelesene Version: Taschenbuch


 

BuchWelt: Die Säulen der Schöpfung

Terry Goodkind


„Die Säulen der Schöpfung“ ist Buch 7 des 11-bändigen Fantasy-Zyklus „Das Schwert der Wahrheit“, geschrieben vom US-amerikanischen Autor Terry Goodkind. Auf WeltenDing werden nach und nach Rezensionen zu allen 11 Bänden veröffentlich, abschließend gibt es eine Gesamtbewertung des Zyklus. Wer eine Kaufempfehlung möchte, sollte also bis dahin warten.

Gesamteindruck: 6/7


Spannende und interessante Nebenhandlung.

Was auch in anderen Bänden von Terry Goodkinds Saga um „Das Schwert der Wahrheit“ gelegentlich zum Tragen kam, wird in „Die Säulen der Schöpfung“ zum Hauptmotiv: Die Haupthandlung um die bereits mehr oder weniger lieb gewonnen Protagonisten tritt weitestgehend in den Hintergrund und ist hier nur durch einige Details und Kleinigkeiten bemerkbar. Die Konzentration liegt bis kurz vor dem Schluss des Buches auf einem Nebenschauplatz, der allerdings ebenfalls sehr interessant ist. Dabei werden die Nachkommen der Familie Rahl beleuchtet, die nicht mit der Gabe der Magie ausgestattet sind und der in diesem Fall üblichen Verfolgung entkommen konnten. Dieser Perspektivenwechsel, der noch radikaler als in „Schwester der Finsternis“ ausgefallen ist, bringt dringend notwendigen, frischen Wind in die Saga.

Der Autor beherzigt dabei aus meiner Sicht einige Dinge, die im bisherigen Verlauf des Zyklus immer wieder Grund zu wenig euphorischen Reaktionen gaben. Zum einen wagt Goodkind endlich den Versuch, den Grundsatz „weniger ist mehr“ einzuhalten. Die Seitenanzahl liegt deutlich unter dem Umfang sämtlicher Vorgängerbände, was eine merkliche Straffung der Handlung nach sich zieht. Es gibt eine inhaltliche Entschlackung, die dem Buch sehr gut tut – seitenlange Monologe über bereits bekannte Ereignisse fallen großteils weg, Rückblicke erfolgen (wenn überhaupt) nur noch kurz und knapp. Das führt letztlich zu einem deutlich gesteigerten Lesefluss, der das Buch (vor allem durch gute Cliffhanger und wenige Landschaftsbeschreibungen) zu einem echten Page-Turner macht.

Dennoch zeigt auch „Die Säulen der Schöpfung“ kleinere Schwächen. So ist die Handlung zwar sehr spannend und auch interessant umgesetzt, diese gute Leistung wird aber durch gewisse Unzulänglichkeiten ein wenig eingetrübt. So entbehrt das Verhalten einiger Charaktere oft jeglicher Nachvollziehbarkeit, hinzu kommen einige logische Ungereimtheiten und übertriebene Darstellungen. Diese Probleme, die man bereits aus anderen Büchern der Reihe kennt, wirken sich auf die schnelle und verdichtete Handlung dieses Werkes allerdings nicht allzu stark aus. Stellenweise hat man trotzdem das Gefühl, dass der Autor es verabsäumt hat, seine guten Ideen zu überarbeiten bzw. überhaupt fertig zu denken. Sehr schade, da man hier noch größeres Potential unter der Oberfläche spürt.

Trotz der beschriebenen Mängel reicht es damit bei mir für ganz knappe 6 Punkte, was vor allem auch daran liegt, dass Band 7 der erste Teil seit Längerem war, in dem das Lesen für mich nie zur Qual wurde.

Gesamteindruck: 6/7


Autor: Terry Goodkind
Originaltitel: The Pillars of Creation.
Erstveröffentlichung: 2005
Umfang: 640 Seiten
Gelesene Sprache: Deutsch
Gelesene Version: Taschenbuch


 

BuchWelt: Schwester der Finsternis

Terry Goodkind


„Schwester der Finsternis“ ist Buch 6 des 11-bändigen Fantasy-Zyklus Das Schwert der Wahrheit“, geschrieben vom US-amerikanischen Autor Terry Goodkind. Auf WeltenDing werden nach und nach Rezensionen zu allen 11 Bänden veröffentlich, abschließend gibt es eine Gesamtbewertung des Zyklus. Wer eine Kaufempfehlung möchte, sollte also bis dahin warten.

Gesamteindruck: 5/7


Starke Verbesserung gegenüber den beiden Vorgängern.

Nachdem Leser mit gutem Durchhaltevermögen in Band 2 von Terry Goodkinds umfangreicher Saga um „Das Schwert der Wahrheit“ bereits die Schwestern des Lichts“ kennenlernen durften, widmet sich Teil 6 deren Gegenpart. Diesmal spielt – neben den bereits bekannten Figuren – also eine der Schwestern der Finsternis eine Hauptrolle. Auf diesem Perspektivenwechsel beruht ein Großteil des Reizes des vorliegenden Bandes. Anstelle der strahlenden Helden können endlich die Widersacher beobachtet werden, was dem Gesamtkomplex deutlich mehr Tiefe verleiht, als bisher vorhanden war. So entstehen diesmal auch zu Beginn des Buches deutlich weniger Längen, als noch im unsagbar zähen Vorgänger. Einen genauen Grund dafür kann ich nicht benennen, prinzipiell hat sich nämlich nicht viel geändert. Die Protagonisten fassen nach wie vor stur die bisherigen Ereignisse zusammen, was mittlerweile längst zu einem Markenzeichen des Zyklus geworden ist. Dennoch ist ein guter Lesefluss möglich, was schließlich die Hauptsache ist.

Zwei weitere Punkte sprechen für eine bessere Bewertung, als dies noch bei den Bänden 4 und 5 der Fall war: Einerseits befasst sich der zweite Teil des Bandes, „Der Palast des Kaisers“, eingehend mit den politischen Hintergründen und Motiven der Imperialen Ordnung, sodass auch der böse Gegenpart als Ganzes an Tiefe gewinnt. Positiv ist daran vor allem zu bemerken, dass dieser Teil im Gegensatz zur politischen Geschichte Anderiths (in „Die Seele des Feuers“) sehr gut gelungen ist, wobei hier die Ansätze einer Kritik an planwirtschaftlichen, diktatorischen Systemen noch deutlicher hervortreten. Zum anderen besinnt sich der Autor wieder auf seine größte Stärke und lässt die Charaktere einige Schlachten schlagen, die sehr gut beschrieben wurden und sich flüssig und angenehm lesen.

Die einzigen wirklichen Längen entstehen, wenn Terry Goodkind sich ausufernden Landschaftsbeschreibungen widmet. Hier hätten – aus meiner Sicht – gut und gern 200 Seiten eingespart werden können. Ein leidiges Thema, dass sich eigentlich bereits durch die gesamte Saga schleppt. Die Quantität scheint mir doch ein bisschen zu oft über die Qualität zu triumphieren. Sehr gelungen ist jedenfalls das Finale, das, durch einige Cliffhanger verstärkt, im Vergleich zum restlichen Material noch eine Schippe an Spannung und Lesefluss nachlegt. Schade, dass es dem Autor auch mit zunehmender Länge seines Zyklus nicht gelingen will, ein durchgängig spannendes Werk zu schreiben. Dennoch fünf gute Punkte für ein Buch, das vor allem im Vergleich mit seinen direkten Vorgängern ausgezeichnet gelungen ist. An die wirklichen Kapazunder im Fantasy-Genre reicht aber auch „Schwester der Finsternis“ nicht heran.

Gesamteindruck: 5/7


Autor: Terry Goodkind
Originaltitel: Faith of the Fallen.
Erstveröffentlichung: 2000
Umfang: 1.072 Seiten
Gelesene Sprache: Deutsch
Gelesene Version: Taschenbuch


 

BuchWelt: Die Seele des Feuers

Terry Goodkind


„Die Seele des Feuers“ ist Buch 5 des 11-bändigen Fantasy-Zyklus „Das Schwert der Wahrheit“, geschrieben vom US-amerikanischen Autor Terry Goodkind. Auf WeltenDing werden nach und nach Rezensionen zu allen 11 Bänden veröffentlich, abschließend gibt es eine Gesamtbewertung des Zyklus. Wer eine Kaufempfehlung möchte, sollte also bis dahin warten.

Gesamteindruck: 2/7


Bestätigung des in Teil 4 bemerkbaren Abwärtstrends der Serie.

Vielen leidgeprüften Lesern von Terry Goodkinds Saga um „Das Schwert der Wahrheit“ dürfte es bereits beim vorangegangenen „Tempel der Vier Winde“ aufgefallen sein: der Autor tut sich offenbar zunehmend schwer, seine Zielvorgabe, die bei rund 1.000 Seiten pro Buch zu liegen scheint, mit einer spannenden Geschichte zu füllen. Diesmal ist der Umfang wieder ein wenig geringer ausgefallen (ca. 980 Seiten), einen Aufschwung gegenüber dem schwachen 4. Band gibt es meiner Ansicht nach jedoch nicht, das Gegenteil ist der Fall.

Bereits der Einstieg (also die ersten 100-200 Seiten) fällt sehr holprig und zäh aus. Nicht nur dass die Protagonisten (wie immer) in Erinnerungen und Zusammenfassungen von Taten schwelgen, die mal mehr, mal weniger weit zurückliegen, sondern sie machen das zusätzlich in einer umständlichen und weitschweifigen Sprache. Immer wieder gibt es lästige Unterbrechungen im Erzählfluss, im Endeffekt muss man sogar erstmals konstatieren, dass überhaupt keine Spannung aufkommt. Auch die Verhaltensweisen, der Charaktere, die in die Dialoge mit einfließen, wirken alles andere als schlüssig und durchdacht. So wurde mir, zum ersten Mal in diesem Zyklus, bereits nach 60 Seiten das Lesen zur wirkliche Qual und ich stand mehr als einmal kurz vor dem Aufgeben.

Im Vorgänger war es noch so, dass zumindest die Nebenschauplätze der Handlung überzeugen konnten. Auch damit ist es in Band 5 leider vorbei, der Teil der Geschichte, der in Anderith spielt und uns in die Kultur und Politik dieses Landes einführen soll, ist sogar noch zäher ausgefallen als die unspannende Haupthandlung. Hier gab es für mich eine weitere Premiere: Während der umständlichen und langwierigen Beschreibungen erlag ich erstmals der Versuchung des Querlesens. Schuld daran ist nicht meine mangelnde Begeisterung für komplexe politische Zusammenhänge und Ränkespiele (was aber verständlicherweise für manche Leser dennoch zum Problem werden dürfte), sondern schlicht die unsagbare Langeweile, die hier aufkommt. Goodkind scheint zu den Beschreibungen, an denen er sich hier versucht, einfach nicht fähig zu sein, sein Talent liegt eindeutig im Action-orientierten Bereich.

Spannung kommt erst gegen Ende des Werkes auf – hier überschlagen sich die Ereignisse wiederum so sehr, dass die Auflösung überhastet und unfertig wirkt. Fast scheint es, als ob dem Autor klar geworden wäre, wie zäh sich „Die Seele des Feuers“ (merkwürdiger, irgendwie völlig zusammenhangloser Titel übrigens) liest. So bleibt insgesamt leider der bittere Nachgeschmack eines ausgesprochen unausgegorenen, zähen und unglaubwürdigen Buches, dem man aus meiner Sicht lediglich zwei Punkte geben kann. Alles andere wäre im Angesicht der vorangegangenen Teile zu hoch gegriffen.

Gesamteindruck: 2/7


Autor: Terry Goodkind
Originaltitel: Soul of the Fire.
Erstveröffentlichung: 1999
Umfang: 976 Seiten
Gelesene Sprache: Deutsch
Gelesene Version: Taschenbuch


 

BuchWelt: Der Tempel der Vier Winde

Terry Goodkind


“Der Tempel der Vier Winde” ist Buch 4 des 11-bändigen Fantasy-Zyklus “Das Schwert der Wahrheit”, geschrieben vom US-amerikanischen Autor Terry Goodkind. Auf WeltenDing werden nach und nach Rezensionen zu allen 11 Bänden veröffentlich, abschließend gibt es eine Gesamtbewertung des Zyklus. Wer eine Kaufempfehlung möchte, sollte also bis dahin warten.

Gesamteindruck: 3/7


Langatmig und umständlich mit spannendem Finale.

Waren die ersten drei Bände von Terry Goodkinds großer „Das Schwert der Wahrheit“-Saga großteils spannend und nur hin und wieder von langwierigen Wiederholungen und zähen Passagen durchzogen, ist es beim „Tempel der Vier Winde“ genau umgekehrt. Von über 1.000 Seiten bieten die ersten 800 (!) zwar hin und wieder interessante Ansätze (vor allem die Nebenhandlungen wissen vorbehaltlos zu überzeugen), im Prinzip kann man es aber niemandem verdenken, der hier entnervt aufgibt.

Grund dafür sind die beinahe schon penetranten Wiederholungen und Rückblicke auf Ereignisse, die zum Teil erst ein paar Seiten, zum Teil mehrere Bände zurückliegen. In einigen Fällen mag das durchaus sinnvoll sein, insgesamt nimmt das Ganze hier aber Ausmaße an, die jeglichen Lesefluss im Keim ersticken. Hier dürften sogar geduldige Leser, die sich bereits durch andere zähe Brocken (beispielsweise die „Wüstenplanet“-Saga von Frank Herbert) gekämpft haben, auf eine harte Probe gestellt werden – zumal die Tiefe der Geschichte im Vergleich zu anderen Zyklen keineswegs allzu groß ist. Damit sind wir auch schon beim zweiten großen Kritikpunkt: Die Helden entwickeln sich im Großen und Ganzen nicht weiter. Vermutlich versucht der Autor, durch die vielen langatmigen Teile, den Leser davon abzulenken, aber die Handlungsweisen entbehren im 4. Band noch öfter als in den Vorgängern jeder Logik, aus Fehlern wird so gut wie nie etwas gelernt und weite Strecken der Dialoge sind an Umständlichkeit nicht zu überbieten. Hinzu kommen Liebesszenen, die direkt aus einem Groschenroman stammen könnten. Auch das Hervorzaubern plötzlich auftauchender Antworten für zuvor schier unlösbare Probleme trägt nicht gerade zur Glaubwürdigkeit bei.

Besser wird das Buch eigentlich nur an den Stellen, an denen Terry Goodkind die Geschwindigkeit und damit den Erzählfluss erhöht. Aber auch hier gibt es im vorliegenden Band einige Mängel: an manchen Stellen wird die Hintergrundgeschichte, die für den großen Umfang des Werkes ohnehin ziemlich dünn ist, dermaßen verworren und kompliziert, dass man zeitweise überhaupt nicht versteht, wie die Figuren es schaffen, den Überblick zu behalten. Wenn Richard und Khalan wie von Zauberhand den Hintergrund komplexer Zusammenhänge erkennen ist das natürlich gut für sie, leider lässt der Autor den Leser oft im Regen stehen und liefert keinerlei schlüssige Erklärungen ab (Anmerkung für Fantasy-Veteranen: ein ähnliches Problem taucht des Öfteren im „Enwor“-Zyklus von Wolfgang Hohlbein auf).

Vor einer noch schwächeren Wertung bewahren den „Tempel der Vier Winde“ eigentlich nur die letzten gut 200 Seiten. Hier kommt endlich die Art von Spannung auf, die man von den Vorgängern gewohnt ist. Erst im Finale wird das Durchhaltevermögen der wenigen, die es bis hierhin schaffen dürften, belohnt und die Vorfreude auf den nächsten Teil geschürt. Dass dieser es sogar noch schlechter macht, ist eine andere Geschichte, die in der entsprechenden Rezension erzählt werden soll.

Gesamteindruck: 3/7


Autor: Terry Goodkind
Originaltitel: Temple of the Winds.
Erstveröffentlichung: 1997
Umfang: 1.040 Seiten
Gelesene Sprache: Deutsch
Gelesene Version: Taschenbuch


 

BuchWelt: Die Günstlinge der Unterwelt

Terry Goodkind


“Die Günstlinge der Unterwelt” ist Buch 3 des 11-bändigen Fantasy-Zyklus “Das Schwert der Wahrheit”, geschrieben vom US-amerikanischen Autor Terry Goodkind. Auf WeltenDing werden nach und nach Rezensionen zu allen 11 Bänden veröffentlich, abschließend gibt es eine Gesamtbewertung des Zyklus. Wer eine Kaufempfehlung möchte, sollte also bis dahin warten.

Gesamteindruck: 6/7


Verleiht dem Zyklus einiges an zusätzlicher Tiefe – sehr gelungen!

Die Einleitung des 3. Bandes von Terry Goodkinds „Das Schwert der Wahrheit“-Saga bietet noch „business as usual“: Die Charaktere sprechen zwischendurch über die bisherigen Ereignisse und lassen einige ihrer Taten und Gefühle Revue passieren. Eine Art Kurzzusammenfassung der wichtigsten Geschehnisse also, die wohl den Einstieg erleichtern soll, wenn man die Bücher in größerem Abstand liest. Für Schnellleser, die sich die Bände kurz nacheinander vornehmen ist das zwar zum Teil lästig, aber längst nicht so langwierig wie in Band 2. Der Autor schafft es hier sogar, einige Dinge, die im Vorgänger ein wenig wirr wirkten, so gut darzustellen, dass man die Vertiefung bereits bekannten Stoffes zu schätzen weiß. Danach folgt, was man sich eigentlich schon für einen der vorherigen Teile gewünscht hätte: die Welt, in der die Handlung spielt, erhält endlich mehr Profil. Es gibt Beschreibungen über politische und diplomatische Verwicklungen und Intrigen, die dem Goodkind-Universum die Tiefe verleihen, die es verdient. Schade, dass der Autor nicht schon früher auf diesen Gedanken gekommen ist. Daran merkt man aber, dass das Werk wohl von Anfang auf einen großen Umfang ausgelegt war. Wie die Hauptfigur Richard selbst, erfährt auch der Leser erst nach und nach, welchen Regeln und Gesetzen die einzelnen Länder folgen. Durch diesen „politischen“ Handlungsteil, der zum Glück immer wieder durch spannende Zwischensequenzen aufgelockert wird, wird „Die Günstlinge der Unterwelt“ trotz seines völlig unpassenden deutschen Titels zum Highlight der gesamten Serie. Die fehlenden Hintergrundinformationen der beiden Vorgänger werden somit mehr als wettgemacht.

Leider ist aber auch hier wieder nicht alles Gold, was glänzt. Die Hauptfigur Richard werden diejenigen, die dem Zyklus bisher gefolgt sind und weiter folgen wollen wohl so nehmen wie sie ist – alles andere als optimal, aber zumindest mit einer ganz eigenen Note. Schwerer wiegt jedoch die völlig inkonsequente Charakterisierung von Khalan. War ihre Darstellung in Band 1 als unnahbarer und mächtiger Konfessor noch gelungen, ist die Figur seit Band 2 stark ambivalent. Diese Art von Zerrissenheit macht eine Identifikation nahezu unmöglich und führt – schlimmer noch – dazu, dass weite Teile einzelner Kapitel, in denen sie vorkommt, kein besonders angenehmes Lesegefühl erzeugen. Grundsätzlich ist ein solcher Charakter natürlich in Ordnung, nur schafft es Goodkind meiner Ansicht nach nicht, die richtige Mischung aus harter Kriegerin, Anführerin und einfacher Hausfrau (!) zu finden; mal ist sie unangenehm weinerlich, mal wieder unglaubwürdig eiskalt. Eine klare Definition einer Rolle ist zwar nicht immer zwingend notwendig, aber wenn man es wie Terry Goodkind nicht schafft, eine in sich ambivalente Figur überzeugend darzustellen, wäre eine einfacheres Schema angemessener. Dieses Problem lässt die leider schon gewohnheitsmäßig erscheinenden logischen Unzulänglichkeiten und manche weit hergeholte Verhaltensweise leicht in Vergessenheit geraten. Scheinbar latent vorhanden sind sie jedoch trotzdem wieder, wenngleich nicht in allzu großem Ausmaß.

Dennoch komme ich nicht umhin, dem Buch (im Kontext des Gesamtzyklus!) die höchste Wertung aller von mir gelesenen Bände zu geben – so viel sei bereits auf die Gesamtwertung vorweg genommen. Die Zeichnung der restlichen Charaktere ist gelungen und die durch verschiedene unerwartete Wendungen gekennzeichnete, spannende Geschichte lässt den Leser kaum los. Vor allem aber gelingt es dem Autor endlich, wie bereits erwähnt, seinem Universum Tiefe zu verleihen und die Saga damit auf ein deutlich höheres Niveau zu heben.

Gesamteindruck: 6/7


Autor: Terry Goodkind
Originaltitel: Blood of the Fold.
Erstveröffentlichung: 1996
Umfang: 848 Seiten
Gelesene Sprache: Deutsch
Gelesene Version: Taschenbuch