BuchWelt: Die Insel des Dr. Moreau

H. G. Wells


„Die Insel des Dr. Moreau“ ist – wie die meisten Werke von H. G. Wells – ein Buch, das einigen Stoff zum Nachdenken bietet. Dass die Spannung dabei nicht auf der Strecke bleibt, ist ein zusätzliches Plus. Fans klassischer Science Fiction können bedenkenlos zugreifen, ebenso alle, die an philosophischen Fragestellungen zum auch heute wieder weit verbreiteten, nahezu grenzenlosen Fortschrittsglauben interessiert sind.

Gesamteindruck: 6/7


Klassiker mit erschreckender, visionärer Kraft.

Die Aktualität, die diesem und anderen Werken des Engländers H.G. Wells innewohnt, ist geradezu absurd. „Die Insel des Dr. Moreau“ handelt von den Gefahren und Unwägbarkeiten biologischer Experimente. Gentechnologie war, als der Roman veröffentlicht wurde, natürlich völlig unbekannt. Der Charakter „Dr. Moreau“ ist ein Chirurg – dennoch erinnert er durchwegs an einen modernen Wissenschaftler, der an die Notwendigkeit glaubt, alles was machbar ist, auch mit allen Mitteln umzusetzen. Der Autor sah scheinbar die drohende Vermischung von Mensch und Tier voraus – etwas, das heute durch Genetik und Transplantationsmedizin zumindest teilweise längst zur Realität geworden ist.

Neben diesem „technischen“ Aspekt, der insgesamt eher im Hintergrund steht, verarbeitet Wells (wie in anderen seiner Bücher) auch religionskritische und moralisch-ethische Ansätze. Diese liefen dem damaligen Zeitgeist, der von absoluter Fortschrittsgläubigkeit geprägt war, völlig zuwider. Die Vermutung liegt nahe, dass zeitgenössische Leser nach der Lektüre der „Insel des Dr. Moreau“ wesentlich erstaunter, wenn nicht geschockter zurückblieben als das heutige Publikum.

Zusätzlich zu dieser scheinbar prophetischen Erzählebene (die allerdings in anderer Form bereits wesentlich früher von Mary Shelley in „Frankenstein“ thematisiert wurde) ist das Buch höchst spannend gehalten. Nach kurzer Einführung lässt Wells seine Protagonisten in teilweise geradezu atemloser Hast einige Abenteuer bestehen. Stilistisch bleibt er dabei immer einfach und nachvollziehbar, sodass trotz des philosophischen Subtextes alles ausgezeichnet lesbar ist.

Gesamteindruck: 6/7


Autor: H. G. Wells
Originaltitel: The Island of Dr. Moreau
Erstveröffentlichung: 1896
Umfang: 160 Seiten
Gelesene Sprache: Deutsch
Gelesene Version: Taschenbuch


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H. G. Wells


Wie man es von den klassischen Science-Fiction-Autoren gewohnt ist, hat auch H. G. Wells eine wundervolle Art, seine Geschichte dem Leser näherzubringen. Das liest sich auch heute, weit über 100 Jahre nach der Erscheinung des Buches, immer noch fantastisch. Manchem mag der Stil altmodisch und damit etwas holprig erscheinen, mir persönlich gefällt er sehr gut und hebt sich erfrischend von den modernen Schriftstellern ab. Für die Höchstwertung reicht es aber dennoch nicht ganz, da trotz des geringen Umfangs von ca. 160 Seiten ein paar Längen enthalten sind. Gelesen haben sollte man „Die Zeitmaschine“ aber auf jeden Fall – nicht nur als Fan klassischer Science Fiction.

Gesamteindruck: 6/7


Kritische Auseinandersetzung mit der Zukunft.

Gerade die klassische Science Fiction hat oft mit dem Problem zu kämpfen, dass ihre Visionen bereits von der Zukunft eingeholt wurden. Das keineswegs negativ zu werten, gerade weil die Vorstellungen der alten Meister oft sehr prophetisch waren. Vor allem Jules Verne und eben H. G. Wells waren echte Visionäre und vieles traf bereits so ein, wie von ihnen vorhergesagt. Manche Voraussagen erwiesen sich im Nachhinein aber auch als falsch – dem beugt Wells im Falle der „Zeitmaschine“, anders als im „Krieg der Welten“, sehr gut vor, indem er weite Teile der Handlung nicht in eine nahe, sondern in eine unvorstellbar weit entfernte Zukunft verlegt. So wird nicht so bald zu erkennen sein, was von den Ideen des Autors wirklich eintrifft und was sich als „falsch“ erweist.

Wie dem auch sei, es gibt es auch in diesem Buch hier ein paar echte Sensationen zu lesen (unter anderem wird zum Beispiel mit der Behauptung, die Zeit sei die vierte Dimension Einstein zumindest ansatzweise vorweggenommen). Ein weiterer Teil der Faszination, die von diesem Roman nach wie vor ausgeht beruht auf den relativ stark ausgeprägten, gesellschaftskritischen Ansätzen. Wells veranschaulicht in „Die Zeitmaschine“ sehr deutlich, wie aus den Fehlern seiner eigenen Zeit der spätere Niedergang der menschlichen Zivilisation hervorgeht, der schließlich in Barbarei und Versklavung endet. Eine indirekte Kritik an der Unterdrückung der Menschen zu Wells Zeit – und heute, in Zeiten menschenunwürdiger Produktionsbedingungen nach wie vor hochaktuell.

Sprachlich empfinde ich den Abschnitt der Geschichte am gelungensten, in dem der Autor seinen namenlosen Protagonisten weitere Jahrtausende nach der eigentlichen Handlung weiter in die Zukunft reisen lässt. Die Trostlosigkeit der dort beschriebenen Welt ist dermaßen anschaulich, dass einen das Bild praktisch tagelang nicht mehr loslässt.

Gesamteindruck: 6/7


Autor: H. G. Wells
Originaltitel: The Time Machine
Erstveröffentlichung: 1895
Umfang: 160 Seiten (deutsche Printausgabe)
Gelesene Sprache: Deutsch
Version: Taschenbuch


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