FilmWelt: Edge of Tomorrow

Man fragt sich beim Ansehen von „Edge of Tomorrow“ unwillkürlich, was Hollywood-Star Tom Cruise gedacht haben mag, als ihm das Drehbuch vorgelegt wurde. Eine Invasion nahezu unbesiegbarer Aliens? Geschenkt. Cruise als Soldat, der helfen muss, die Außerirdischen zu vertreiben? Kein Problem. Aber dass der Star des Films zeitweise im Sekundentakt stirbt, wird beim bekennenden Scientologen wohl für ein sehenswertes Gesicht gesorgt haben. Noch dazu ist man nicht zimperlich: Explosionen, Kopfschüsse, Fahrzeuge, die ihn überrollen, brutale Ausbildungsmethoden – all das und noch mehr kostet Hauptfigur Bill Cage immer wieder das Leben. Den Zuschauer wird’s – zumindest anfangs – wenig stören, ist der Presseoffizier doch ein ausgesprochen unsympathischer Feigling.

Gesamteindruck: 5/7


Und täglich grüßt das Alien.

Vielleicht war es Tom Cruise ja ein Trost, dass keiner der unzähligen Tode, die er in „Edge of Tomorrow“ stirbt, endgültig ist. Das Motiv des ständigen Wieder-Erlebens des gleichen Tages kennt man genau so aus dem Kultfilm „Und täglich grüßt das Murmeltier“ (1993 mit dem grandiosen Bill Murray). Abgesehen davon haben die beiden Filme jedoch nichts gemeinsam (vielleicht noch ein bisschen Situationskomik und – selbstverständlich – die Frage nach einer Möglichkeit, aus dem ständigen Kreislauf auszubrechen).

Inhalt in Kurzfassung*
Ein Soldat wider Willen stirbt auf dem Schlachtfeld im Kampf gegen übermächtige Aliens. Doch kurz nach seinem Tod wacht er wieder auf – und es ist der Tag zuvor. Das gleiche passiert ihm unzählige Male in diesem Film, bis er schließlich herausfindet, was diese „Gabe“ zu bedeuten hat und wie er sie verwenden kann, um die Erde von den außerirdischen Aggressoren zu befreien.

* Der Versuch eines neuen Features auf WeltenDing. Ich versuche Spoiler zu vermeiden.

„Edge of Tomorrow“ ist dem Genre der Military-Science Fiction zuzuordnen. Das bedeutet: Viel Action, große Schlachten und die klare Ausrichtung auf die Darstellung militärischer Handlungs- und Denkweisen. Der Höhepunkt kriegerischer Herrlichkeit ist eine Art Remake der berühmten Eröffnungsszene aus „Der Soldat James Ryan“ (1998). Zwar erreicht die Landung in der Normandie in „Edge of Tomorrow“ nicht Spielberg’sche Intensität, ein epischer Anblick ist es aber allemal, wenn die Transportflieger hunderte, tausende Soldaten in mechanischen Kampfanzügen am Strand absetzen. Überhaupt ist der Film in Bezug auf die Optik sehr gelungen, auch wenn die computergenerierten Effekte natürlich allgegenwärtig sind. Für einen Science Fiction-Blockbuster ist das allerdings durchaus in Ordnung, auch wenn ich mir gewünscht hätte, dass die Darstellung der Invasoren etwas weniger „Matrix“-like wäre. Wie dem auch sei: „Edge of Tomorrow“ sieht sehr, sehr gut aus.

Trotz mittelprächtiger Story sehr unterhaltsam.

Die Handlung reißt hingegen nur unbedingt vom Hocker. Dass die unter dem Eindruck einer Invasion geeinte Menschheit trotz technischer Unterlegenheit alles daran setzt, die Invasoren zu vertreiben, ist erwartbar. Die Zeitsprung-Geschichte leidet hingegen – und das ist ein großer Unterschied zu „Und täglich grüßt das Murmeltier“ – darunter, dass versucht wird, sie zu erklären. Wie meist in solchen Fällen, macht das relativ wenig Sinn und wirkt einigermaßen verworren. Natürlich will man wissen, wieso der gleiche Tag immer und immer wieder von vorne beginnt, richtig zufrieden stellt die präsentierte Lösung jedoch nicht.

Allerdings, und das kann man nicht genug betonen, sorgt gerade die ständige Wiederholung des gleichen Tages (die Nuancen unterscheiden sich selbstverständlich hinreichend) für ganz viele unterhaltsame Momente. Denn nur so entsteht einerseits die Siutationskomik, wenn die Hauptfigur es beispielsweise besonders gut machen will und dennoch nach wenigen Sekunden stirbt. Andererseits gelingt es auf diese Weise, die eigentlich vollkommen abstruse Charakterentwicklung vom feigen PR-Mann im Offiziersrang hin zur Kampfmaschine glaubwürdig und gut zu zeichnen. Diese beiden Punkte machen den Film trotz seines Hau-drauf-Charakters letztlich so unterhaltsam und spannend.

Im Endeffekt ist es wohl genau das, was „Edge of Tomorrow“ bieten will: Action und Unterhaltung ohne tieferen Sinn und ohne großartige Botschaft. Das gelingt ihm meines Erachtens sehr gut. 5 Punkte für einen Blockbuster, der sich selbst glücklicherweise nicht ernst nimmt und zeigt, dass es doch noch möglich ist, gutes Popcorn-Kino abzuliefern. Abzüge in der B-Note gibt es für das Ende, wo dem Streifen dann doch ein wenig Luft und Inspiration ausgehen.

 

Gesamteindruck: 5/7


Originaltitel: Edge of Tomorrow
Regie: Doug Liman
Jahr: 2014
Land: USA, UK, KOR
Laufzeit: 113 Minuten
Besetzung (Auswahl): Tom Cruise, Emily Blunt, Brendan Gleeson, Bill Paxton



 

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BuchWelt: Die Elenden

Victor Hugo


Dieses Buch war ein Geschenk. Weder die Person, die es mir geschenkt hat noch ich selbst wussten, dass es sich dabei nicht um eine werkstreue Übersetzung handelt. Freilich wird beim Blick auf die Seitenzahl klar, dass da etwas nicht stimmen kann – hat die Originalausgabe von „Die Elenden“ doch drei Bände und über 1.700 Seiten. Das wurde mir aber erst bewusst, als ich diverse Rezensionen zu vorliegender Ausgabe gelesen habe, vorher hatte ich keine Ahnung, dass diese Ausgabe so stark gekürzt ist.

Gesamteindruck: 5/7


Schön geschrieben, gut zu lesen.

Andererseits scheint es durchaus üblich zu sein, „Die Elenden“ nicht komplett zu übersetzen, weil vor allem die Teile, die sich mit der Gossensprache „Argot“ beschäftigen, nicht sinnvoll übertragen werden können. Warum aber offenbar auch verschiedene historische Anspielungen gekürzt oder weggelassen wurden, weiß ich nicht. Ein Vorteil ist allerdings, dass man sich so auf das Drama konzentrieren kann, das im Original eher den Hintergrund zu sozialen, ethischen und politischen Betrachtungen bildet. Wie viel von diesem Hintergrund durch die Kürzungen verloren gegangen ist, wage ich nicht zu beurteilen – zu wenig firm bin ich in der französischen Geschichte.

Wie auch immer, nun habe ich diese Fassung gelesen und möchte meine Meinung dazu kundtun. Ich habe vor, irgendwann auch eine spätere Übersetzung der Gesamtausgabe zu lesen. Das kann allerdings dauern – sogar diese gekürzte Version ist lange Zeit auf dem Stapel zu lesender Bücher gelegen, bevor ich mich endlich rangewagt habe. Freilich schwebt nun ein Schatten über dieser Rezension, man fragt sich stets, was wohl der Kürzung geschuldet ist und ob man über das Original genauso schreiben würde.

Abenteuerlicher Liebesroman

Jedenfalls: „Die Elenden“ ist als Mittelding aus Liebesdrama und Abenteuerroman für mein Dafürhalten ein sehr starkes Werk. Man schreckt ja oft vor solch ausgewiesenen Klassikern zurück, weil man befürchtet, einen unverdaulichen Brocken Literatur vor sich zu haben. Das Gegenteil ist meiner Meinung nach der Fall. Victor Hugo schreibt und beschreibt flüssig und in einer sehr gut zu lesenden Sprache. Dazu trägt selbstverständlich der Übersetzer bei, jedoch muss man auch bedenken, dass selbst ein Meister dieses Faches nichts aus einer trägen Geschichte machen kann. Und die Handlung, die dem Leser in „Die Elenden“ präsentiert wird, ist alles andere als träge.

Inhalt in Kurzfassung*
Ein entflohener Sträfling wird zunächst rückfällig, dann jedoch – einem herzensguten Bischof sei Dank – geläutert und widmet sein Leben fortan dem Guten. Sogar als er zu Vermögen kommt, bleibt er mildtätig und freundlich. Das hindert einen gewissenhaften Polizisten jedoch nicht daran, dem Helden der Geschichte ständig auf den Fersen zu bleiben. Auch dann nicht, als dieser sich um ein armes, kleines Mädchen kümmert, es aufzieht und später erwachsen werden sieht. Als sich das Mädchen schließlich verliebt und gleichzeitig der Pariser Juniaufstand von 1832 tobt, spitzt sich die Geschichte immer weiter zu.

* Ein neues Feature auf WeltenDing. Ich versuche, Spoiler zu vermeiden.

Die Geschichte liest sich sehr angenehm – man hat über weite Strecken nicht unbedingt das Gefühl, ein Buch aus dem 19. Jahrhundert zu lesen. Victor Hugo scheint ein sehr guter Beobachter gewesen zu sein, zumindest gewinnt man diesen Eindruck, wenn man die genauen Beschreibungen der französischen Lebensweise vom Bauern bis zum Adel liest. Stellenweise blitzt sogar ein wenig Komik durch, ein gewisses Augenzwinkern, das man von einem Roman aus dieser Zeit so nicht unbedingt erwartet.

Dass die Handlung in einen historisch-politischen Kontext eingebunden ist, ist aus meiner Sicht hingegen ein zweischneidiges Schwert. Hugo setzt beim Leser die Kenntnis wichtiger Ereignisse der französischen Geschichte voraus, die zur Zeit, in der er „Die Elenden“ geschrieben hat, noch fest im kollektiven Bewusstsein verankert waren. Heute tut man sich als Laie wesentlich schwerer, sowohl angedeutete als auch umfangreicher geschilderte Ereignisse einzuordnen und zu verstehen. Vermutlich ist das sogar noch herausfordernder, wenn man das Buch in voller Länge liest – oder wird dadurch vielleicht manches sogar verständlicher? Ich weiß es leider nicht. Fakt ist aber, dass auch in dieser gekürzten Ausgabe von Begebenheiten gesprochen wird, die man sich als Nicht-Historiker erst einmal erarbeiten muss, wenn man tiefer in die Materie eintauchen will.

Unabhängig von alledem habe ich „Die Elenden“ sehr gerne gelesen. Es gibt – auch in der gekürzten Fassung – die eine oder andere Länge, im Großen und Ganzen gibt es jedoch nichts an diesem Werk auszusetzen. In der Gesamtwertung macht das gute 5 Punkte, denn bei allem Respekt vor einem anerkannten Meisterwerk muss im Vergleich zur Originalfassung etwas Luft nach oben bleiben. Ein Eindruck, den ich gerne revidieren werden, sollte ich mich hier tatsächlich täuschen und das irgendwann einmal feststellen.

Gesamteindruck: 5/7


Autor: Victor Hugo
Originaltitel: Les Misérables.
Erstveröffentlichung: 1862
Umfang: ca. 610 Seiten
Gelesene Sprache: Deutsch
Gelesene Version: Taschenbuch


 

FilmWelt: Alien: Covenant

„Prometheus – Dunkle Zeichen“ war 2012 ein merkwürdiges Ding zwischen Hoffnungsschimmer auf einen guten Neustart der „Alien“-Reihe und Enttäuschung, weil einfach kein wirklich guter Film. Schon damals hoffte man auf Besserung bzw. dringend notwendige Erläuterungen in einer Fortsetzung. Die ist nun, 2017, mit „Alien: Covenant“ in die Kinos gekommen. Zusammenfassend kann man sagen: Das Warten hat sich nicht wirklich gelohnt.

Gesamteindruck: 3/7


Eine herbe Enttäuschung.

Ein Verdienst des mittlerweile klassischen „Alien“-Stoffs, der 1979 mit dem ersten Film seinen Ausgangspunkt genommen hat, war die erste Frau in einer Action-Hauptrolle – darauf wird im Zusammenhang mit dem von Kult-Regisseur Ridley Scott ersonnen Werk immer wieder gerne verwiesen. Und offenbar ist es ein ungeschriebenes Gesetz, dass eine Frau bis heute in jedem Film dieses Franchise die Hauptrolle zu spielen hat. Nun ist es nicht so, dass ich damit ein Problem hätte. Im Gegenteil, das durchbricht auch heute, fast 40 Jahre nach dem ersten Auftritt von Ellen Ripley, immer noch ein Klischee. Allerdings sind die Fußstapfen, die Sigourney Weaver in ihrer ersten großen Rolle hinterlassen hat, zu gewaltig für ihre Nachfolgerinnen. Im 2017er Film „Alien: Covenant“ wird das besonders deutlich. Konnte sich Noomi Rapace in „Prometheus – Dunkle Zeichen“ (2012) noch einigermaßen passabel verkaufen, gelingt das Katherine Waterston in der Fortsetzung so gut wie gar nicht. Beide werden von Michael Fassbender, der jeweils den Androiden David bzw. dessen Nachfolgemodell Walter verkörpert, an die Wand gespielt. Das tritt in „Covenant“ noch deutlicher zutage als in „Prometheus“.

Inhalt in Kurzfassung*
Die Besatzung des Kolonieschiffs „USCSS Covenant“ wird nach einem Notfall aus dem Kälteschlaf geholt und empfängt ein Funksignal, das offenbar menschlicher Herkunft ist. Gesendet wird es von einem gut für eine Kolonie geeigneten, erdähnlichen Planeten, den man daraufhin natürlich anfliegt. Dort angekommen beginnt die übliche Alien-Action, man trifft auf alte Bekannte und neue Monster. Achtung: Enthält längere, metaphysische Dialoge über den Sinn des (künstlichen) Lebens.

* Der Versuch eines neuen Features auf WeltenDing. Ich versuche Spoiler zu vermeiden.

Das Problem scheint – wie so oft – nicht eine vermeintlich schwache Schauspielerin zu sein. Denn das Drehbuch ist meiner Ansicht nach leider keineswegs geeignet, die Darsteller gut dastehen zu lassen. Im Wesentlichen gibt es nur drei einigermaßen ausgearbeitete Rollen – zwei davon paradoxerweise vom gleichen Schauspieler (eben Michael Fassbender) verkörpert. Zusätzlich hat Billy Cudrup als  stellvertretender Kommandant Christopher Oram ein wenig Persönlichkeit bekommen. Wichtigste Figur sollte (der Logik der weiblichen Heldin folgend) aber eigentlich Terraforming-Expertin Daniels sein. Die bietet jedoch aufgrund ihrer recht weinerlichen Art kaum Identifikationsfläche. Auf diese Weise kann man eine weibliche Hauptrolle meiner Meinung nach nicht etablieren. Leider zeichnet sich Regisseur Scott auch beim Rest der Crew seines Kolonieschiffs nicht aus. Tatsächlich wächst dem Zuseher kein einziges Besatzungsmitglied richtig ans Herz – sie bleiben austauschbare Abziehbilder, teilweise sogar schrecklich klischeebehaftet – dazu braucht man sich nur den Piloten Tenessee anzusehen.

So ist es auch nicht verwunderlich, dass man kaum Angst bekommt, wenn die Mannschaft der Reihe nach dahingemetzelt wird – teilweise im Sekundentakt.  Bei manchen ist man direkt erleichtert, wenn man bedenkt, wie sie agieren „dürfen“. Oder war es jemals in einem Film eine gute Idee, mal kurz austreten zu gehen? Oder trotz Angebots einer Begleitung allein nach dem überfälligen Kameraden zu suchen? Der Tod der Figuren erscheint als Strafe für solche Verhaltensweisen fast schon gerecht. Überhaupt sind einige Ideen, die im Film auftauchen, mäßig kreativ. Man fragt sich selbstverständlich von Beginn an, wie es diesmal wohl angestellt wird, dass ein a) ein Funksignal das Raumschiff zu einem Planeten lockt (was in diesem Fall ein besonders unwahrscheinlicher Zufall ist, der jeder Wahrscheinlichkeit vollkommen widerspricht und auch nicht erschöpfend geklärt wird), b) ein Besatzungsmitglied von einem Alien „infiziert“ wird und c) ein Xenomorph in das Raumschiff kommt. Wirklich gut gelöst wird nichts davon – wobei, was heißt nicht gut? Es wird so gelöst, wie es immer war. Das muss nicht schlecht sein, ist aber mittlerweile für sich genommen auch zum Klischee geworden.

Vieles bleibt ungeklärt.

Was bleibt also? Natürlich die Story, von der man sich erhofft hat, dass diverse offene Fragen aus „Prometheus“ aufgegriffen und – hoffentlich – geklärt werden. Leider erwartet den Zuseher auch an dieser Stelle eine herbe Enttäuschung, zumindest ist es mir so ergangen. Ja, Ridley Scott versucht, einiges zu erörtern. Allerdings nicht in einem ausreichenden und damit befriedigenden Ausmaß. Abgesehen davon eröffnet der Film gleichzeitig eine Reihe neuer, ungelöster Fragen, sodass es letztlich nicht ansatzweise „klickt“. Fast hat man das Gefühl, der Regisseur hätte sich mit seinen metaphysischen Überlegungen, die in „Prometheus“ noch nicht ganz so prominent waren, übernommen. Mag sein, dass ein bereits geplanter Nachfolger das gerade rückt, aber das macht „Covenant“ leider nicht leichter konsumierbar. Denn wenn sich Androiden in philosophischen Mutmaßungen ergehen, erinnert das sehr ungut an den katastrophalen „Matrix Reloaded“, der 2003 an einem ähnlichen Spagat gescheitert ist. Letztlich ist „Covenant“ hin- und hergerissen zwischen Action und Philosophie, was ihn wesentlich schwerfälliger daherkommen lässt als seinen alles andere als perfekten Vorgänger.

Verhängnisvolle Entmystifizierung.

Ein Punkt, der die „Alien“-Reihe immer schon ausgezeichnet hat, soll nicht unerwähnt bleiben: Das namensgebende Wesen aus einer fremden Welt wird in „Covenant“ weiter entmystifiziert. Die Verantwortlichen mögen das nicht so sehen, weil „Prometheus“ und „Covenant“ keine Fortsetzungen oder Prequels sondern eher ein Neustart sein sollen – für den „Alien“-Fan spielt das jedoch keine Rolle. Bereits die „Prometheus“-Aliens waren nicht die Monster, die man aus dem Original kannte. In „Covenant“ wird das – diverser Erklärungen sei „Dank“ – noch deutlicher. Die Entscheidung, das in der ursprünglichen Reihe als perfekt an jeden Lebensraum angepassten, extrem widerstandsfähigen Jäger dargestellte Wesen zu einer Art Waffe zu machen, nimmt ihm paradoxerweise fast vollkommen den Schrecken. Es ist kein unbekannter, uns völlig fremder Organismus mehr sondern etwas, das man bauen kann. Und das ist der Punkt, an dem ich mir trotz der genannten Unzulänglichkeiten am schwersten mit „Alien: Covenant“ tue: Das Grauen bekommt ohne Not einen quasi-rationalen Grund. Das will mir einfach nicht gefallen, manchmal ist es besser, wenn man nicht alles sieht und alles weiß.

Im Endeffekt ist „Alien: Covenant“ der bisher wohl blutigste Teil der Geschichte um die Xenomorphen. So schnell wurde eine Besatzung selten dezimiert, so blutig noch nie. Das sollte wohl die Löcher in der Handlung stopfen helfen – und man hat ja schließlich auch den Ruf der Brutalität zu verlieren. Nur leider reicht das allein heute nicht mehr, schon gar nicht, wenn der Rest des Filmes ein völlig anderes Tempo anschlägt und die beiden Teile so gar nicht ineinander greifen wollen. Magere 3 Punkte für einen Film, der hoffentlich nicht das unrühmliche Ende für das „Alien“-Universum bedeutet.

Gesamteindruck: 3/7


Originaltitel: Alien: Covenant
Regie: Ridley Scott
Jahr: 2017
Land: USA
Laufzeit: 122 Minuten
Besetzung (Auswahl): Michael Fassbender, Katherine Waterston, Billy Crudup, Danny McBride, Guy Pearce



 

FilmWelt: Iron Sky

Der Mond wendet der Erde ja immer die selbe Seite zu, wie es auf seiner Rückseite aussieht, war lange Zeit unbekannt. Naheliegend, dasseine Gruppe von Nazis vor der sich abzeichnenden Niederlage im 2. Weltkrieg genau dort einen geheimen Stützpunkt errichtet haben. Die Überwindung der Entfernung fand mittels Reichsflugscheiben statt, die auch für die spätere Rückkehr und zur Eroberung der Erde eingesetzt werden sollten. So zumindest die Geschichte, die dem Publikum im finnischen (!) Überraschungserfolg „Iron Sky“ präsentiert wird. An dieser Beschreibung merkt man bereits, welch eigentümlichen Film Regisseur Timo Vuorensola hier geschaffen hat.

Gesamteindruck: 5/7


Sehr speziell.

„Iron Sky“ widersetzt sich der Einordnung in ein konkretes Genre. Science Fiction? Komödie? B-Movie? Persiflage? Der Film ist wohl ein bisschen von allem, am ehesten ist er vermutlich als Satire zu klassifizieren. Sucht man nach einem ähnlichen Format, wird man am ehesten bei Tim Burtons „Mars Attacks!“ (1996) fündig, der ungefähr in die gleiche Richtung geht. Allerdings fällt bei „Iron Sky“ der humoristische Anteil deutlich geringer aus. Wobei die im Film durchaus vorhandene Gesellschaftskritik wiederum so absurd verpackt ist, dass man ihn auch nicht richtig ernst nehmen kann. Ein merkwürdiges Zwischending also, kaum zu beschreiben.

Vom Feinsten – und das wiederum unbestritten – sind Optik und Akustik. „Iron Sky“ sieht, vor allem für ein Werk, das nicht aus Hollywood kommt, fast schon unverschämt gut aus. Das betrifft nicht nur die tollen Effekte und grandios dargestellten Raumschiffe (inklusive exzellent gestalteter Weltraum-Schlacht), sondern auch den generellen Anstrich. So wurden beispielsweise die Szenen, die auf der Mondbasis der Nazis spielen, mit geringere Farbsättigung versehen. Das erzeugt einen Eindruck, den man von alten Aufnahmen aus jener Zeit kennt – ein kleines Detail mit großer atmosphärischer Wirkung. Aber auch die Filmmusik muss sich vor den optischen Effekten nicht verstecken: Für den Soundtrack wurde die slowenische Gruppe Laibach verpflichtet, was wie die Faust aufs Auge passt. Allein die Mond-Hymne „Kameraden, wir kehren heim!“ als leicht abgeänderte Form von „Die Wacht am Rhein“ ist Gold wert.

Die Schauspieler konnten mich hingegen nicht ganz überzeugen. Großartig macht seine Sache Götz Otto, der als schneidiger Soldat Klaus Adler brilliert. So und nicht anders stellt man sich einen Wehrmachtsoffizier, egal ob auf dem Mond oder auf der Erde, vor. Zumindest, wenn er das „Wochenschau“-Klischee erfüllen soll. Und auch Julia Dietze funktioniert als naiv-brave Lehrerin Renate Richter. Tatsächlich war es eine gute Idee, für diese Rollen deutsche Schauspieler zu verpflichten – das hat einen ähnlichen Effekt wie in Tarantinos „Inglourious Basterds“ (2009). Der Rest der Riege ist hingegen bemüht, hat aber mit teilweise arg übertriebenen Dialogen zu kämpfen. Vor allem Christopher Kirby als dunkelhäutiger Astronaut/Model James Washington und Peta Sergeant als US-Wahlkampfleiterin Vivian Wagner leiden meiner Ansicht nach an einer viel zu schrillen Darstellung.

Inhaltlich lebt die Story natürlich von ihrer Absurdität. Viel gibt es dazu eigentlich nicht zu sagen – die Handlung mag zwar reichlich grotesk sein, gleichzeitig ist sie aber auch ziemlich dünn. Interessanter ist das, was mitschwingt. Man könnte „Iron Sky“ natürlich als gesellschaftliche Kritik lesen – dass Nazis böse sind, wird zwar nicht extra hervorgehoben, aber allein durch ihre vollkommen überzeichnete Großmannssucht merkt der Zuseher schnell, was die Stunde geschlagen hat. Weitere Erklärungen braucht es in Bezug auf die Mondflüchtlinge eigentlich nicht, es reicht, zu sehen, wie sehr sie sich selbst überschätzen, wie sie Propaganda verbreiten und wie sie letztlich an ihrem eigenen Größenwahn scheitern. Die Darstellung der technisch und philosophisch im Wesentlichen auf dem Stand von 1945 stehengebliebenen Mondnazis („Das ist doch kein Computer“) ist ohnehin ein rein historischer Bezug und schwankt irgendwo zwischen akkurat und überzeichnet.

Für den Zuseher wichtiger ist die Frage nach der Einarbeitung aktueller politischer Entwicklungen. Hier ist es so, dass zwei Faktoren, die derzeit wieder groß in Mode kommen, aufgegriffen werden. Einerseits der amerikanische Anspruch, die wichtigste und größte Nation zu sein und die Welt anzuführen, andererseits die Sehnsucht nach autoritären Symbolen und Herrschern, die im Moment in der westlichen Welt leider ein Comeback feiert. Beides wird im Film aufgegriffen, allerdings muss man jeden, der eine kritische Auseinandersetzung mit diesen Themen erwartet, enttäuschen: Es bleibt bei der Darstellung, Kritik gibt es kaum. Fast scheint es, als hätte der Regisseur das so gewollt, als hätte es ihm gereicht, das Bild, das er mit „Iron Sky“ zeichnet, für sich selbst stehen zu lassen. Vielleicht hat er auch deshalb seinen Film relativ sparsam mit Humor versehen? Bleibt zu hoffen, dass diese von mir vermutete Botschaft auch ankommt, wenn sie so unverpackt und unkommentiert abgegeben wird.

Letztlich ist „Iron Sky“ ein merkwürdiger Film, den man so gerne noch viel lieber mögen würde, als man es tut. Die Idee ist gut, die Intention ist gut, die Ausstattung ist gut – wenn die Umsetzung ein bisschen weniger spröde, ein bisschen lebendiger und greifbarer gelungen wäre, hätten wir es hier mit einem Meisterwerk zu tun. So müssen 5 Punkte für einen durchaus sehenswerten Streifen, der leider unter seinen Möglichkeiten bleibt, reichen.

PS: Ich habe den Director’s Cut gesehen. Wirkliche Längen hatte diese Version nicht; ein Vergleich mit der originalen Kinofassung, die um rund 20 Minuten kürzer ist, fehlt mir.

Gesamteindruck: 5/7


Originaltitel: Iron Sky
Regie: Timo Vuorensola
Jahr: 2012
Land: FIN/GER/AUS
Laufzeit: 113 Minuten (Director’s Cut)
Besetzung (Auswahl): Julia Dietze, Götz Otto, Christopher Kirby, Udo Kier, Tilo Prückner, Peta Sergeant



 

SpielWelt: Sanitarium – Der Wahnsinn ist in Dir

Selten aber doch gibt es Spiele, die so merkwürdig und absurd sind, dass man kaum beschreiben kann, was man da eigentlich erlebt hat. Das war immer schon so – auch wenn man das Gefühl hat, dass die Kreativität heutzutage ein wenig zurückgegangen ist. Eine solche in Programmcode gegossene Kuriosität datiert aus den späten 1990ern: „Sanitarium“ versetzt den Spieler in eine unbeschreibliche Traumwelt. Nein, eher eine Alptraumwelt, bevölkert von verlorenen, entstellten und verrückten Individuen. Entsprechend von Wahnsinn durchsetzt ist die Atmosphäre.

Gesamteindruck: 4/7


Altbacken, flößt aber immer noch Furcht ein.

„Sanitarium“ ist ein Point & Click-Adventure. Gespielt wird aus der isometrischen Vogelperspektive, man sieht also von schräg oben auf das Geschehen. Die Grafik ist typisch für die 1990er Jahre und entspricht ziemlich genau dem, was man beispielsweise in „Jagged Alliance 2“ zu sehen bekommt. Meiner Ansicht nach ist das Spiel optisch gar nicht schlecht gealtert, ich bin aber auch niemand, der auf High End-Grafik großen Wert legt. Zur immer noch guten Optik passt der Sound. Die Musik wabert bedrohlich vor sich hin und wird durch eine sehr gelungene Sprachausgabe unterstützt, die die Intensität von „Sanitarium“ nochmal erhöht. Technisch gibt es eigentlich nur an einem Punkt etwas auszusetzen: Die Steuerung ist wenig intuitiv, oft hakt und ruckelt es und auch die Bewegungsgeschwindigkeit der Spielfigur könnte höher sein. In einigen Spielszenen wird es tatsächlich zur Qual, den Charakter vernünftig zu lenken.

Die Rätsel, die man lösen muss, um im Spiel voranzukommen sind von unterschiedlicher Güte. Einfach wechselt sich mit unlogisch und an den Haaren herbeigezogen ab. Ohne Komplettlösung ist es stellenweise schwierig, überhaupt auf einen grünen Zweig zu kommen. Anzumerken ist auch, dass „Sanitarium“ ein sehr kurzes Vergnügen ist. Ich habe rund sieben Stunden gebraucht, was am unteren Limit angesiedelt ist. Sehr schade, ich wäre gerne noch tiefer in diese wahnsinnige Welt eingetaucht. Das liegt weniger an der Geschichte, die stellenweise etwas verworren daher kommt, insgesamt aber recht gut gelungen ist. Es wäre halt sehr schön gewesen, wenn die Programmierer noch ein paar mehr der unheimlichen und grotesken Szenen geschaffen hätten.

Generell liegen die Stärken von „Sanitarium“ in der düsteren Atmosphäre. Jeder der 13 Bildschirme (=Levels) hat einen ganz eigenen Charakter. Gemeinsam ist allen der schleichende Wahnsinn und der heruntergekommene Gesamteindruck. Bevölkert werden die Szenen von NPCs, die nicht weniger unheimlich und gestört sind, als die Umgebung, in der sie leben. So gibt es neben der namensgebenden Irrenanstalt z.B deformierte Kinder (tatsächlich nichts für schwache Nerven), eine Art Insektenstaat, aztekische Gottheiten oder einen grotesken Zirkus. Zu Beginn des Spiels steuert man einen menschlichen Protagonisten, der sein Gedächtnis verloren hat und nicht unterscheiden kann, was Wirklichkeit und was Einbildung ist. Im späteren Spielverlauf wechselt die Spielfigur mehrfach die Gestalt, im finalen Abschnitt ist die Verwandlung sogar notwendig, um die Aufgaben zu lösen. A pro pos Aufgaben: Jeder Bildschirm enthält diverse Rätsel, die zu lösen sind, bevor es im nächsten Abschnitt weitergeht. Gelegentlich gibt es eine kleine Action-Sequenz, die meist jedoch sehr einfach ausfällt. Sterben oder sich in eine Sackgasse manövrieren kann man übrigens nicht.

Aber auch wenn Atmosphäre und Story stimmen, kann „Sanitarium“ letztlich nicht höher punkten. Grund dafür ist die Schwerfälligkeit in Bedienung und Abläufen. Das mag der Zeit, in der das Spiel entstanden ist, geschuldet sein, trübt den Gesamteindruck aber dennoch. Nicht falsch verstehen: Dass nicht jedes moderne Bedienelement dabei ist, ist durchaus zu verschmerzen. Trotzdem fühlt sich „Sanitarium“ altbackener an, als es sein dürfte, was in Kombination mit der Kürze des Spiels zu immer noch sehr guten 4 Punkten führt. Durchaus respektabel für ein 20 Jahre altes Spiel, dass schon damals keinen großen Bekanntheitsgrad besessen hat, es wäre aber definitiv mehr möglich gewesen.

Gesamteindruck: 4/7


Genre: Point & Click Adventure
Entwickler: Dream Forge Intertainment
Jahr: 1998
Gespielt auf: PC


 

BuchWelt: „Kryson“ – Zusammenfassende Bewertung

Bernd Rümmelein


Leider krankt „Kryson“ an einem Problem, das ähnlich gelagerte Zyklen und Einzelbücher immer wieder haben. Irgendwann geht allzu ambitionierten Werken einfach die Luft aus, die Autoren scheinen mit der eigenen Schöpfung überfordert. Vielleicht verliert man auch als Schreiber irgendwann die Lust, sich mit einer immer umfangreicher werdenden Erzählung, die immer neue Handlungsstränge öffnet, auseinanderzusetzen, was nur menschlich wäre. Für den Leser ist es dennoch ein Ärgernis, so eben auch bei „Kryson“.

Gesamteindruck: 4/7


Gute Serie mit unwürdigem Finale.

Umfangreiche Geschichten bieten häufig eine Vielzahl an Charakteren, Schauplätzen und Handlungssträngen. Für den Liebhaber komplexer Werke ist das gut, heben sie sich doch stark vom seichten Einerlei ab und lassen den Leser meist wesentlich intensiver in die beschriebenen Welten eintauchen. Das bedeutet übrigens nicht, dass man gleichzeitig immer mal wieder simplere Bücher liest, ganz im Gegenteil.

„Kryson“ ist grundsätzlich eine vielschichtige Welt. Es gibt junge und alte Völker, es gibt Magie, es gibt gut ausgearbeitete Schauplätze, es gibt eine meist brauchbar dargestellte Tier- und Pflanzenwelt. Insgesamt wird zwar nicht die ganz große Komplexität (wie sie z.B. „The Malazan Book of the Fallen“ von Steven Erikson bietet) erreicht, aber es ist durchaus gefällig, was Bernd Rümmelein mit seiner Welt der Gegensätze geschaffen hat. Besonders interessant sind die Charaktere, die teilweise dramatische Entwicklungen durchlaufen und oft ganz anders sind bzw. werden, als es auf den ersten Blick scheint. Soweit hat der deutsche Autor tatsächlich alles richtig gemacht. Diesen guten Eindruck können auch augenscheinliche Schwächen wie das über sämtliche Bände (!) stiefmütterliche Lektorat (auffallend viele Tippfehler, häufige Wortwiederholungen, holprige Sätze) und ein paar logische Ungereimtheiten, die sich immer wieder eingeschlichen haben, kaum stören. Schade ist es allemal, dass der damalige Fantasy-Ableger der Ueberreuter-Verlages offenbar nicht das Geld für eine professionelle Überarbeitung aufgebracht hat. Dabei zeigen Cover und Gestaltung, dass man durchaus in der Lage war, ein Werk ansprechend zu gestalten. Zumindest optisch.

Die Bücher lesen sich – von wenigen Ausnahmen abgesehen – relativ schnell. Die Sprache ist gelegentlich etwas zu modern, meist aber passend. Alles in allem ein locker-flockiges Werk, was aber irgendwo auch zeigt, dass es mit der Komplexität nicht ganz so weit her ist. So erklärt sich zumindest das Gefühl, nach rund 4.000 Seiten kein wirkliches Schwergewicht gelesen zu haben. Ob das ein Problem ist, wird je nach Leser unterschiedlich ausfallen. Ich selbst bin da ein wenig zwiegespalten –  etwas Zeit wendet man zum Lesen ja doch auf, von daher ist es mir lieber, wenn ich nach der Lektüre das Gefühl habe, etwas wirklich Bedeutsames „erlebt“ zu haben.

Aber all das sind eigentlich Nebenschauplätze. Die wirklichen Schwierigkeiten und somit auch der Grund für die dürftige Wertung beginnen in den finalen Bänden. „Das Buch der Macht“ (Band V) soll eigentlich die von langer Hand vorbereitete Suche nach eben diesem Buch thematisieren. Das passiert auch – die entscheidenden Ereignisse und Prüfungen werden allerdings im Eiltempo abgehandelt, sodass nur ungläubiges „Und das war’s jetzt?“ der vorherrschende Eindruck ist, wenn man an „Das Buch der Macht“ zurückdenkt.

Der Abschlussband „Tag und Nacht“ kann hingegen als wahrer Page-Turner begeistern und ist spannend bis zum Schluss. Doch leider wird hier das gravierendste Problem schlagend: Die Seiten fliegen nur so dahin, aber spätestens nach zwei Dritteln des Buches bekommt man es als Leser mit der Angst zu tun, weil immer noch nicht erkennbar ist, wie der Autor diverse Handlungsstränge zu Ende bringen will. Man hofft natürlich auf das Finale, wo jedoch keine befriedigende Lösung präsentiert wird. Tatsächlich scheint Bernd Rümmelein die Kreativität ausgegangen zu sein. Nimmt man beispielsweise die sieben Streiter, die ja ein zentrales Element darstellen, geht der Autor den radikalen Weg des Todes. Das wäre ja in Ordnung, wirkt hier aber vollkommen sinnlos und deplatziert. So kann man einen Plot zwar auch zu Ende bringen, ein würdiger Abschluss eines wichtigen Teils der Handlung sieht jedoch anders aus.

Zu allem Überfluss beschränkt sich das ungute Gefühl, das durch solche Methoden beim Leser erzeugt wird, nicht auf einzelne Handlungsebenen. „Tag und Nacht“ und damit die „Kryson“-Reihe endet im Nichts. Denn was ist noch schlimmer, als das abrupte Ende durch den unmotivierten Tod einer Figur? Richtig, man lässt gut vorbereitete und wichtige Fäden einfach lose baumeln und schreibt trotzdem das Wort „Ende“ unter den letzten Absatz des Buches. Was ist denn nun mit den magischen Sajkalrae-Brüdern passiert? Wie geht es mit Madhrab und Elischa weiter? Wer ist der Narr Tarratar wirklich? All das und noch mehr wird nicht geklärt.

Wird es eine Fortsetzung geben, in der die Geschichte Krysons weitererzählt wird? Ich weiß es nicht. Ich hoffe es eigentlich nicht, weil ich denke, dass der Autor lange genug Zeit hatte, die Serie vernünftig enden zu lassen. Ich brauche keine Fortsetzung, ich hätte ein vernünftiges Ende gebraucht, dass die vielen, großteils interessanten Fäden interessant verknüpft. So bleibt das schale Gefühl, dass dem Autor die Lust vergangen ist. Und dem Leser geht es ähnlich, mein Interesse an „Kryson“ ist damit erloschen. Vorerst. Oder für immer? Ich weiß es nicht.

Für die „Kryson“-Reihe gibt es wohlwollende 4 Punkte. Vieles ist gut, wenn das Ende (besser) ausgearbeitet wäre, hätte es locker eine höhere Punktezahl geben können. Schade.

Einzelwertungen:

  1. Kryson I: Die Schlacht am Rayhin: 4/7
  2. Kryson II: Diener des dunklen Hirten: 5/7
  3. Kryson III: Zeit der Dämmerung: 5/7
  4. Kryson IV: Das verlorene Volk: 4/7
  5. Kryson V: Das Buch der Macht: 3/7
  6. Kryson VI: Tag und Nacht: 2/7

Gesamteindruck: 4/7


Autor: Bernd Rümmelein
Umfang: 6 Bände, ca. 4.000 Seiten
Originaltitel:
 Kryson.
Gelesene Sprache: Deutsch


 

FilmWelt: 10 Cloverfield Lane

„Cloverfield“ hat mich damals sehr positiv überrascht, konnte der Film doch sowohl dem Monster- als auch dem Found Footage-Genre neue Facetten hinzufügen. Entsprechend gespannt war ich auf den zweiten Film, der das „Kleefeld“ im Titel trägt. Was ich dann gesehen habe, war unerwartet und anders. Aber im Gegensatz zu „Cloverfield“ weniger aus inhaltlicher Sicht, sondern weil man nach dem Vorgänger einfach etwas Anderes erwartet hat. Ob man davon letztlich begeistert oder enttäuscht ist, ist eine Frage des Umgangs mit diesen Erwartungen, zumindest für denjenigen, der „Cloverfield“ gesehen hat. Die wenigen, die das nicht haben, können so oder so unvoreingenommen an „10 Cloverfield Lane“ gehen.

Gesamteindruck: 5/7


Kein „Cloverfield 2“, dennoch sehr interessant.

„Cloverfield“ war ein sehr guter Vertreter der Found Footage-Zunft. Die Fortsetzung, die man klugerweise nicht „Cloverfield 2“ genannt hat, ist hingegen völlig anders geartet. Wir haben es hier mit einer Art Kammerspiel, im Wesentlichen getragen von nur drei Schauspielern, zu tun. Anstatt verwackelter Aufnahmen mit der Handkamera dominieren „normale“ Bilder; die Perspektive beschränkt sich meist auf die Innenansicht eines Atombunkers, der sich augenscheinlich in einer Cloverfield Lane, irgendwo in der Nähe von New Orleans, befindet. Aber auch storytechnisch gibt es zu „Cloverfield“ – obwohl der Film tatsächlich im selben Universum spielt – keine Verbindung. Zumindest ist eine solche bisher nicht ersichtlich, vielleicht fallen die Puzzle-Stücke mit Teil 3, der „God Particle“ heißen soll, zusammen. Man wird sehen.

Abseits dieser Überlegungen ist „10 Cloverfield Lane“ ein Film, der die Isolation von der Außenwelt und deren Auswirkungen auf Handlungen und Psyche der Betroffenen zum Thema hat. Interessant ist, dass auch in diesem Film – und das ist dann doch eine kleine Verbindung zu „Cloverfield“ – keinen allwissenden Zuseher gibt. Wie die Figur Michelle, die erst zu sich kommt, als sie bereits im Bunker ist, hat auch das Publikum keine Ahnung, was sich in der Außenwelt abspielt. Ob es dort tatsächlich eine Bedrohung gibt oder ob der augenscheinlich psychopathisch veranlagte Erbauer des Bunkers (sehr gut gespielt von John Goodman) ein krankes Spiel spielt, erschließt sich erst gegen Ende des Films. Das hält „10 Cloverfield Lane“ trotz Beschränkung auf einen einzigen Schauplatz extrem spannend.

Weder innerhalb noch außerhalb des Bunkers ist also alles wie es scheint, da wie dort warten Rätsel auf den Zuschauer. Letztlich ist man zwar ständig auf der Suche nach Querverbindungen zu „Cloverfield“, davon unberührt möchte man aber auch wissen, was es mit dem Bunker, seinem Erbauer und den „Gästen“ auf sich hat. Dass das alles überhaupt funktioniert, ist dem guten Drehbuch zu verdanken – und auch der Kameraführung, die die Enge und Bedrohlichkeit des nur auf den ersten Blick heimeligen Schutzraums perfekt einfängt. Die Schauspieler machen ihre Sache gut, John Goodman muss – wie erwähnt – besonders hervorgehoben werden. Aber auch an der Leistung seiner jüngeren Kollegen ist nichts auszusetzen, wenn es Schwächen gibt, liegen die vermutlich eher in den stellenweise etwas hölzernen Dialogen begründet.

Alles in allem ein sehr guter, beinahe schon unerwartet starker Film. Überraschend humorlos kommt „10 Cloverfield Lane“ übrigens auch daher, ein bisschen Sarkasmus und Ironie gib es hier und da, was die bedrohliche Atmosphäre aber nur noch unterstreicht. Von einem Meisterwerk mag ich zwar nicht sprechen und auch an „Cloverfield“ kommt der quasi-Nachfolger nicht ganz heran – dennoch ist Regisseur Dan Trachtenberg hier ein Achtungserfolg gelungen.

Gesamteindruck: 5/7


Originaltitel: 10 Cloverfield Lane
Regie: Dan Trachtenberg
Jahr: 2016
Land: USA
Laufzeit: 103 Minuten
Besetzung (Auswahl): John Goodman, Mary Elizabeth Winstead, John Gallagher jr., Suzanne Cryer