SpielWelt: Call Of Cthulhu – Dark Corners Of The Earth

Trotz einiger Mängel ein großartiges Spiel ist. Bleibt zu hoffen, dass sich eine andere Spieleschmiede vielleicht wieder einmal dem Werk von H.P. Lovecraft annimmt – aber bitte in gleicher Qualität wie es Headfirst hier getan haben. Stoff genug für weitere Spiele wäre beim Altmeister durchaus vorhanden.

Gesamteindruck: 6/7


Bringt die Lovecraft-Atmosphäre perfekt auf den Bildschirm.

Man tut sich zugegebenermaßen um einiges leichter, mit diesem Spiel warm zu werden, wenn man ein Fan von H.P. Lovecraft ist und bereits einige seiner Geschichten (vor allem „Schatten über Innsmouth“) gelesen hat. Ansonsten kann es schon passieren, dass es schwerfällt, der Story zu folgen. Damit dürfte die Grundvoraussetzung geklärt sein, die zwar nicht zwingend ist, aber die Sache ungemein erleichtert.

Wenn man dann bereit ist, auf interaktivem Weg selbst in das geheimnisvolle Geschehen einzugreifen, für das der amerikanische Kultautor den Rahmen geliefert hat, wird man sich kaum mehr vom Monitor lösen wollen, bis man das Spiel durch hat. Hauptgrund dafür ist die dichte Atmosphäre, die sich durchaus mit den Werken des Autors messen kann. Der Ort der Handlung ist die verfallene, kleine Hafenstadt Innsmouth, irgendwo an der Küste von Neu-England (USA). Bereits die ersten Schritte (nach der Ankunft per Bus) in der Stadt machen deutlich, dass einige im Programmiererteam sich ziemlich genau mit dem Vermächtnis des Schriftstellers beschäftigt haben dürften. Zum einen folgt die Handlung zumindest zum Teil dem Buch, zum anderen ist die Grafik (die auch heute noch akzeptabel aussieht) genau in den richtigen, extrem düsteren Farben gehalten. Alles in allem entspricht das genau dem Innsmouth-Bild, das man nach erfolgter Lektüre im Kopf hat. Ebenso verhält es sich mit den Einwohnern – der alte Trunkenbold Zadok Allen fehlt ebenso wenig wie die deformierten Typen, die den „Innsmouth-Look“ haben. Diese sehr gute optische Umsetzung zieht sich durch das ganze Spiel und kann ruhigen Gewissens als sehr gelungen bezeichnet werden – auch wenn es auf Dauer vielleicht ein wenig an Abwechslung fehlt, vor allem was die Gegner betrifft.

Ein zweiter Punkt, der sehr positiv (merkwürdiges Wort in diesem Zusammenhang) auffällt, ist die Grusel- und Horrorstimmung, die von Beginn an aufkommt. Die Schockmomente, die durch (gescriptete) Rückblenden bzw. Visionen, durch schnelle Schnitte und plötzliche Bewegungen in dunklen Ecken ausgelöst werden, sind nicht von schlechten Eltern und können wirklich beängstigend wirken. Dazu passt auch der gute Sound und die zurückhaltende Musik, die erst in gefährlichen Situationen lauter und dramatischer wird. Auch die größte Innovation im Spiel, das Einbinden der geistigen Gesundheit der Spielfigur trägt sehr viel zum Ambiente bei. Wenn der Charakter beginnt, angsterfüllte Sätze zu sich selbst zu sprechen, sich die Sicht verzerrt und der Ton merkwürdig dumpf an die Ohren dringt, ist man öfters kurz davor, selbst in Panik zu verfallen. Auch das äußerst unangenehme Knacken von gebrochenen Knochen ist „gelungen“ und zwingt den Spieler geradezu, die Verletzungen des Helden zu versorgen.

Die Hintergrundgeschichte ist Lovecraft-typisch und damit für ein Computerspiel sehr innovativ und frisch. Verwirrungen könnte es bei Neueinsteigern, die keine Ahnung von dieser Materie haben aber dennoch geben. Zu bedenken ist hier außerdem, dass die grafische Umsetzung des Ganzen deutlich blutrünstiger als ein Buch des Schriftstellers ist, aber damit kann ich persönlich gut leben.

Schleichen oder Ballern – oder der frustrierende Mittelweg.

Negativ ins Gesamtbild fällt lediglich ein Zwiespalt der Programmierer: sie wussten offensichtlich nicht, ob sie einen Shooter oder ein Stealth-Game in die Läden bringen wollten und entschieden sich für einen Mittelweg, der für beide Seiten nur zum Teil befriedigend ausgefallen ist. Das Waffenarsenal ist nicht umfangreich, aber in Ordnung, ebenso verhält es sich mit dem Benutzen der Gewehre, Pistolen usw. Zwar lässt die Zielgenauigkeit etwas zu wünschen übrig, das scheint mir aber realistisch zu sein. Abgesehen davon sind die Gegner nicht so robust. Was gegen einen Shooter spricht ist die grundsätzlich „langsame“ Spielweise. Neben den Bewegungsarten „Gehen“ und „Kriechen“ gibt es beides lediglich noch in einem „Stealth-Modus“, Laufen ist nicht möglich. Dadurch kann man Gegnern weder entkommen, noch einen Frontalangriff aus vollem Lauf starten, wie das in einem Shooter üblich ist. Auch ein Schießen aus der Deckung gestaltet sich oft als schwierig, dazu kommt, dass der eigene Charakter realistischerweise nicht gerade viele Treffer einstecken kann. Diese Tatsache spricht auch eher für das Schleichen, das aber seine eigenen Tücken hat. Zum einen liegt das an der geringen Bewegungsgeschwindigkeit, zum anderen sind die Deckungsplätze doch ein wenig rar gesät bzw. schwer auszumachen. An und für sich ist der „leise“ Weg aber eher zu empfehlen, da er der Atmosphäre des Spiels doch sehr entgegen kommt. Situationen in denen man schießen muss, sind sowieso eher die Ausnahme.

Frustrierend wird das Spiel nur ab und zu: es gibt gewisse Geschicklichkeitspassagen, die recht schwer zu meistern sind. Wäre nicht so schlimm, wenn man frei speichern könnte. Das ist aber nicht möglich, und so muss man – zum Glück sehr selten – lange Wege von einem Speicherpunkt zum nächsten in Kauf nehmen. Wirklich ärgerlich ist das aber nicht oft, nur wenn es danach an eine Geschicklichkeitsübung geht, die aufgrund der etwas trägen Steuerung erst nach mehreren Versuchen gelingt.

Zuguterletzt ist vielleicht noch der streng lineare Spielablauf zu bemängeln. Es fällt auf, dass die „Levels“ sehr klein sind und es immer nur einen Weg zum Ziel gibt. Selten sieht man so viele versperrte Türen wie in Innsmouth; um zu wissen wie es weitergeht, braucht man nur die einzige Offene zu finden.

Gesamteindruck: 6/7


Genre: Survival Horror/Ego
Entwickler:
Headfirst Productions
Jahr: 2006
Gespielt auf: PC


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6 Gedanken zu “SpielWelt: Call Of Cthulhu – Dark Corners Of The Earth

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