SpielWelt: Böse Nachbarn – Rache ist ein süßes Spiel

Wer kennt sie nicht – Nachbarn, mit denen man sich einfach nicht verträgt und denen man einmal so richtig nach Herzenslust einen Streich spielen möchte. Weil das im wirklichen Leben schnell vor Gericht enden würde, reißt man sich natürlich meistens zusammen. Wer aber dennoch nicht auf das Vergnügen verzichten möchte, hat mit „Böse Nachbarn“ die Chance, dem Miesepeter von Nebenan zumindest virtuell ordentlich einzuheizen.

Gesamteindruck: 4/7


Schadenfreude ist die schönste Freude.

Ein wenig sadistisch sind wir ja alle veranlagt. Wie sonst ist es zu erklären, dass sich Formate, in denen jemand an der Nase herumgeführt wird, so großer Beliebtheit erfreuen? Vielleicht auch, weil es sich dabei um ein Ventil handelt und wir uns so gern ansehen, was wir selbst oft mit Genuss tun würden – aber letztlich doch nicht machen, und sei es nur, weil wir die unerfreulichen Folgen fürchten. Wer nicht nur passiv zusehen sondern lieber aktiv Fallen stellen und sich an der wutentbrannten Reaktion seiner Mitmenschen weiden möchte, kann das gefahrlos im 2003 erschienen Spiel „Böse Nachbarn“ tun.

Die Handlung in Kurzfassung
Woody hat es sich zum Ziel gesetzt, sich an seinem griesgrämigen und nervigen Nachbarn Mr. Rottweiler zu rächen. Dazu schleicht er in dessen Wohnung und nutzt alle möglichen und unmöglichen Gegenstände, um Fallen für den unsympathischen Herrn zu konstruieren. Selbstredend darf er sich dabei weder vom Hausherrn noch von dessen tierischen Mitbewohnern erwischen lassen, sonst setzt es Prügel. Obendrein ist Woody Star einer TV-Show und alle Aktionen seinerseits werden von Kameras aufgenommen. Man sollte also auch die Einschaltquote im Auge behalten… 

„Neighbours from Hell – Revenge is a Sweet Game“, so der vollständige Original-Titel, ist ein nettes Spielchen für zwischendurch. Nach einer Einführung, in der man die Steuerung kennenlernt, ist das Spiel in drei Staffeln mit einer jeweils unterschiedlichen Zahl an Episoden eingeteilt. Pro Episode gibt es ein Zeitlimit, das zwar relativ kurz ist (deutlich unter 10 Minuten), mit etwas Übung aber locker ausreicht, um die geforderte Anzahl an Streichen zu spielen bzw. die vorgegebene Einschaltquote zu erreichen. Bonuspunkte gibt es für alles, was über die Mindestanforderungen hinausgeht, was in den meisten Fällen ebenfalls kein großes Problem darstellt.

Der Schwierigkeitsgrad ist nicht der Rede wert, sehr vieles lässt sich durch trial & error lösen. Mehr als zwei, maximal drei Versuche pro Abschnitt wird man selten brauchen, wenn man mal die grundlegende Dynamik des Spiels verstanden hat. Noch dazu gibt es in jeder Episode ohnehin nur eine gewisse (einstellige) Anzahl an Streichen, die möglich sind. All das erlaubt es, „Böse Nachbarn“ trotz fehlender Speicherfunktion immer mal wieder zwischendurch zu spielen. Einerseits gut, andererseits sind Umfang und Wiederspielwert sehr bescheiden. In gut drei Stunden hat man alles erledigt und für einen weiteren Versuch fehlt dann der Anreiz. Ab und an hat man vielleicht in einer Episode nicht ganz die höchste Einschaltquote erreicht (was man im Hauptmenü sehr schön sieht) und kann versuchen, ein bisschen nachzujustieren – meist liegt das Problem jedoch nur an der falschen Reihenfolge der Streiche. Oft wird man sich aber so oder so nicht mehr ins Haus von Mr. Rottweiler schleichen, wenn man „Böse Nachbarn“ einmal durchgespielt hat. Auch, weil sich die Streiche teilweise sehr stark ähneln und es nur eine Location (in späteren Staffeln immerhin mit ein paar Räumen mehr) gibt.

Sitcom-Humor.

Dennoch ist „Böse Nachbarn“ einen Versuch wert, zumindest, wenn man mit dem Slapstick-artigen Humor etwas anfangen kann. Da wird eine Sprungfeder unter dem Trampolin versteckt, dort landet ein Ei in der Mikrowelle und wird das Duschgel mit Haarwuchsmittel ausgetauscht, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Alles zum Ärger des Nachbarn und zum – ganz im Stile einer Sitcom – eingeblendeten Gelächter des virtuellen Publikums. Auch vor derberen Späßen wie einer nach Schwarzpulver-Behandlung explodierenden Pfeife oder der unter Strom gesetzten Wasserlache im Keller schreckt das Spiel übrigens nicht zurück. Durch die Zeichentrick-Grafik wirkt das alles aber entsprechend harmlos, hat ein bisschen was von „Tom & Jerry“.

A pro pos Grafik: An der ist nichts auszusetzen. Die Animationen sind gut, die ganze Optik gefällt und passt super zum Spielprinzip. In Sachen Bedienung gibt man sich ebenfalls keine Blöße – Kunststück, das Spiel kommt ja mit zwei Maustasten aus, mehr braucht man nicht, um sich durch das Haus zu bewegen und Gegenstände zu kombinieren. Ein kleiner Wermutstropfen: Die Streiche müssen zeitweise sehr gut getimed sein, was dazu führt, dass man sich selbst gelegentlich um die Früchte seiner Arbeit bringt, weil man z.B. gerade den Keller präpariert, während der Nachbar im zweiten Stock in die sorgsam vorbereitete Falle tappt. Dessen Reaktion übersieht man dann im Eifer des Gefechts oft, was sehr schade ist.

Wiederspielwert: Fehlanzeige.

„Böse Nachbarn“ weiß im Endeffekt für einige Zeit ganz gut zu unterhalten. Tiefgang oder eine echte Herausforderung darf man sich davon aber nicht erwarten – soll man wohl auch nicht. Ich persönlich hätte mir etwas mehr Umfang gewünscht und, vielleicht noch wichtiger, hier und da gerne mal alternative Lösungswege vorgefunden. So ist die größte Schwierigkeit, das richtige Timing herauszufinden, ansonsten sollten alle Streiche locker von der Hand gehen. Vier Punkte für ein grundsolides, kleines Spielchen.

PS: Es gibt einen zweiten Teil namens „Neighbours from Hell – On Vacation“. Dort folgt Woody seinem Nachbarn unentdeckt auf ein Kreuzfahrtschiff, was definitiv ein willkommener Location-Wechsel ist.

Gesamteindruck: 4/7


Genre: Puzzle
Entwickler: JoWooD
Publisher: JoWooD
Jahr:
2003
Gespielt auf: PC


2 Gedanken zu “SpielWelt: Böse Nachbarn – Rache ist ein süßes Spiel

  1. Pingback: Spiele A-Z | Weltending.

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