SerienWelt: Maniac

Wie so oft in jüngerer Vergangenheit haben wir es auch bei „Maniac“ mit einem Remake zu tun. Die Miniserie wurde erstmals im September 2018 auf Netflix ausgestrahlt und basiert auf einer norwegischen (!) Fernsehserie gleichen Namens. Nun ist es ja nicht grundsätzlich verwerflich, sich anderswo zu bedienen und damit vielleicht sogar guten Stoff einem breiteren Publikum zu präsentieren. Nur muss halt die Qualität passen – und die sehe ich bei den 10 Folgen, die die Miniserie umfasst, eher durchwachsen.

Gesamteindruck: 4/7


Zieht sich etwas.

„Maniac“ ist bei Kritikern in aller Welt hochgelobt und auch Netflix bekommt Lorbeeren für den Mut, eine so außergewöhnliche Serie zu veröffentlichen. Ich selbst finde die Serie grundsätzlich durchaus gelungen – unverbrauchtes Setting, viel Fantasie, hervorragende Optik und klasse Schauspieler. Die Rahmenbedingungen stimmen und werden durch den gewissen Indie-Touch abgerundet, der sich ja längst nicht mehr im Fehlen realistischer Special Effects ausdrückt. Leider ist die Klammer, die all das zusammenhalten muss, nicht groß genug. 10 Folgen gibt es, für meinen Geschmack hätten es 8 und die entsprechende Straffung auch getan.

Inhalt in Kurzfassung
Eine zwielichtige Pharma-Firma verspricht, Menschen mit einer neuartigen Behandlungsmethode von all ihren psychischen Problemen zu heilen. Noch befindet sich die Therapie allerdings in der Studienphase, entsprechend werden freiwillige Testpersonen gesucht. Annie Landsberg und Owen Milgrim sind zwei der Kandidaten, die eine Teilnahme riskieren und dabei sonderbare Dinge erleben.

„Maniac“ geht sehr gut los und schafft es gleich in den ersten Folgen, den Zuschauer für sich zu gewinnen. Die Hauptpersonen und ihre jeweiligen Eigenarten werden umfassend vorgestellt und das geheimnisvolle Experiment bzw. die undurchschaubare Firma im Hintergrund machen schnell neugierig. Neben guten Schauspielern, die ohne viel Schnickschnack zu Werke gehen, hat das vor allem auch mit der ansprechenden Präsentation zu tun. Die Optik ist sehr speziell und erinnert daran, wie man sich vor vielleicht 50 Jahren die Zukunft vorgestellt haben könnte. Allein das hebt die Serie aus dem Einheitsbrei hervor.

Eine Besonderheit von „Maniac“ liegt in den zwei Handlungsebenen. Als Zuseher beobachtet man abwechselnd die Wissenschaftler, die das Experiment durchführen und die Fantasiewelten, die die Probanden während der Studie erleben. In der ersten Ebene haben die Forscher mit ihren eigenen Problemen, darunter ein liebeskranker Computer, zu kämpfen. Noch interessanter ist aber der Teil der Handlung, der in das Innere der freiwilligen Studienteilnehmer führt. Denn deren Psyche lässt sie Dinge sehen und erleben, die man so nicht alle Tage in einer einzigen Serie sieht – da ist es dann auch kein Problem, wenn eine Protagonistin als betrunkene Elfe in einer schwer nach Tolkiens Mittelerde aussehenden Welt unterwegs ist, während ihr männlicher Gegenpart der Sohn eines Mafiapaten ist. Um nur zwei von unzähligen Szenarios zu nennen, die in „Maniac“ präsentiert werden.

Geduldsprobe.

Nun sollte man meinen, dass in einem solchen Setting viel Platz für fantastische Erlebnisse ist, die sich zwar überwiegend im Geist der Probanden abspielen, gerade deshalb aber fast unermesslichen gestalterischen Freiraum bieten. Leider wirkt „Maniac“ auf mich zerfahren und zäh. Ersteres weil es mir an Struktur fehlt und ich Probleme mit der Einordenbarkeit des Gesehenen habe. Das bedeutet: Mir ist nicht so ganz klar, wieso z.B. eine Folge in einer Fantasy-Welt spielt, ich kann den Bezug zur Rahmenhandlung nicht so richtig herstellen. Mag sein, dass das beabsichtigt ist oder ich irgendwelche Symbolik übersehen habe, das ändert aber nichts an meinem Eindruck, dass „Maniac“ stellenweise arg „zusammengeschustert“ wirkt.

Zäh finde ich die Serie, weil es zwischendurch immer mal wieder lange Dialoge gibt. Nein, das ist nicht per se ein Problem, wohl aber, wenn es an Spannung oder wenigstens philosophischem Tiefgang fehlt. Für mich ist ein Großteil dieser Gespräche nicht mehr als Bla-Bla, von dem man sich wünscht, dass es schnell vorüber ist. Und das wird kaum Sinn der Übung sein, vermute ich. Vor allem zum Schluss hin nimmt dieses Ärgernis überhand, sodass man regelrecht froh ist, wenn die letzte Folge über den Bildschirm geflimmert ist. A pro pos: Das Finale selbst hinterlässt auch eher Fragezeichen und schafft nicht das Gefühl, dass man mit „Maniac“ etwas wirklich Bedeutendes gesehen hat. Paradox, wenn trotz Dialoglastigkeit das Gefühl bleibt, das Gesehene wäre ein ziemliches Leichtgewicht unter den Serien gewesen.

Alles in allem ist der Gesamteindruck, den ich von „Maniac“ habe, gerade noch positiv. Die ganz großen Lobeshymnen, die allerorts auf die Serie gesungen werden, kann ich hingegen nicht nachvollziehen. Aber vielleicht liegt es auch an mir und ich hatte einfach nicht die nötige Geduld für die späten Folgen von „Maniac“? Ich weiß es nicht, ein Meisterwerk sieht für mich jedenfalls anders aus. Schade.

Gesamteindruck: 4/7


Originaltitel: Maniac
Regie: Cary Fukunaga
Land: USA
Jahr: 2018
Episoden: 10
Länge: 26-47 Minuten
Gesehen auf: Netflix
Haupt-Besetzung (Auswahl): Emma Stone, Jonah Hill, Justin Theroux, Sonoya Mizuno, Gabriel Byrne, Sally Field



 

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2 Gedanken zu “SerienWelt: Maniac

    • Naja, ganz so schlimm wie im Trailer ist es nicht, das geht dann schon. Ist wohl auch Teil des Konzeptes, dass man gelegentlich nicht weiß, wer da grad welchen Traum hat. Bzw. ob das Gesehene überhaupt Traum oder Realität ist.

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