FilmWelt: The Perfection

Spannend und unterhaltsam, versehen mit einigen interessanten Twists und durchaus harten Szenen – so präsentiert sich der 2019 weltweit von Netflix veröffentlichte Film „The Perfection“. Dabei besticht der Streifen durch eine Handlung, die vielschichtiger ist, als man meinen möchte. Leider dämpfen kleinere Unzulänglichkeiten die Begeisterung ein wenig. Dennoch: Ein guter Film, den sich jeder, der auf Thriller mit ein paar Horror-Elementen steht, gut ansehen kann.

Gesamteindruck: 5/7


Ein Plot Twister.

„The Perfection“ einem Genre zuzuordnen, fällt gar nicht so leicht. Der Film trägt Züge eines Horror-Streifens, ist aber eigentlich eher ein Psycho-Thriller. Getragen wird der Plot einerseits von einem aus dramaturgischer Sicht sehr stark geschriebenen Drehbuch, andererseits von den Hauptdarstellerinnen Allison Williams und Logan Browning, die sehr gut miteinander harmonieren. Das Duo schafft es meines Erachtens einwandfrei schaffen, seinen doch recht unterschiedlichen Figuren Leben einzuhauchen. Gleiches gilt für Steven Weber, der den Leiter der Bachhoff-Schule sehr glaubhaft verkörpert.

Inhalt in Kurzfassung
Charlotte Willmore war einst Schülerin des renommierten Bachhoff-Konservatoriums – bis sie ihre Ausbildung zur Cellistin abbrechen musste, um ihre schwerkranke Mutter zu pflegen. Jahre später trifft sie in Shanghai, wo ihre ehemalige Schule gerade auf der Suche nach neuen Talenten ist, auf ihre Nachfolgerin Lizzie Wells. Die jungen Frauen sind sich sofort sympathisch, beginnen sogar eine intime Beziehung. Doch der gemeinsame Urlaub, der mit einer Busfahrt durch das chinesische Hinterland beginnt, wird zu einem Horrortrip, auf dem nichts so ist, wie es zunächst scheint. 

Als Thriller funktioniert „The Perfection“ in meinen Augen sehr gut, das Spannungslevel ist durchgehend hoch, sieht man von einigen Momenten ab, die man vermutlich nur als Kenner klassischer Musik richtig schätzen kann. Vordergründig haben wir es hier schlicht und einfach mit sehr gut inszenierter Unterhaltung zu tun; Drehbuch, Dialoge, Schauspieler – alles im grünen Bereich. Der Film versteht es ferner, sehr lange unvorhersehbar zu sein, was mehreren Plot Twists zu verdanken ist, die meiner Meinung nach sehr gut eingearbeitet wurden. Zu erwähnen wäre noch, dass der eine oder andere Ekeleffekt (daher: Horror) nichts für schwache Nerven ist, wobei man Körperflüssigkeiten und Gewalt zunächst in relativ dosierter, punktueller Form zu sehen bekommt – Splatter geht definitiv anders, auch wenn es im Finale dann doch recht drastisch und blutig wird.

Sieht man genauer hin, hat „The Perfection“ einen sehr ernsten Hintergrund. Es geht, soviel sei verraten, um die Art und Weise, wie junge Menschen auf Perfektion getrimmt werden, ferner um Machtmissbrauch, Eifersucht und Rache. Alles Dinge, von denen man sich vorstellen kann – nein, von denen man weiß! – dass sie in der Realität der Eliteschulen genau so vorkommen. Wenn es ein Ziel des Films war, derartige Missstände aufzuzeigen, hat er das erreicht, wobei man sagen muss, dass das nun auch nicht ganz neu ist. Dennoch ist es aller Ehren wert, dass sich „The Perfection“ einem Tabuthema widmet, das wahrscheinlich seit Jahrhunderten als Problem besteht, aber erst heute langsam in den Fokus der Öffentlichkeit rückt.

Schwächen in der Glaubwürdigkeit.

Auch, wenn alles, was ich bisher geschrieben habe, sehr positiv klingt, hat „The Perfection“ mit ein paar Problemen zu kämpfen. Das betrifft speziell einige sehr abstruse Ansätze, die voraussetzen, dass eine Protagonistin eine in Wirklichkeit unkontrollierbare Situation steuern kann – Stichwort: Nebenwirkung von Medikamenten. Mehr möchte ich dazu jetzt nicht sagen, weil dafür größere Spoiler notwendig wären, aber es ist offensichtlich, dass hier einiges an den Haaren herbeigezogen wurde. Überhaupt ist der gesamte Lösungsvorschlag, den „The Perfection“ für sein grundlegendes, ernstzunehmendes Thema bietet, fragwürdig. Das wäre für einen reinen Horrorfilm kein großes Problem, in vorliegendem Fall stört man sich dann aber doch daran, weil man das Gefühl hat, dass die Regisseur und/oder Drehbuchautoren nicht so richtig wussten, wohin sie im Endeffekt wollten. Das verwehrt einem guten Film letztlich eine noch bessere Wertung. Sehenswert ist „The Perfection“ aber auf jeden Fall.

Gesamteindruck: 5/7


Originaltitel: The Perfection.
Regie: Richard Shepard
Drehbuch: Richard Shepard, Eric Charmelo, Nicole Snyder
Jahr: 2018 (Premiere)
Land: USA
Laufzeit: 90 Minuten
Besetzung (Auswahl): Allison Williams, Logan Browning, Steven Weber, Molly Grace, Milah Tompson, Alaina Huffman



 

Ein Gedanke zu “FilmWelt: The Perfection

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